Mittwoch, 10. Februar 2016

Erste Schritte mit Crocky – ein Erfahrungsbericht mit dem Slow Cooker

Vor einigen Wochen war es ja schon angekündigt: in unserer Küche wohnt jetzt Crocky. Crocky ist ein „Crock Pot“ oder Slow Cooker, angeblich deutsch auch „Schongarer“.

Da Slow Cooker im deutschsprachigen Raum keine übermäßige Verbreitung haben, vielleicht noch einige Worte vorweg: Wikipedia definiert„Schongarer, auch „Slow Cooker“ (aus dem Englischen, wörtlich „Langsamgarer“), „Crock-Pot“ oder „Crocky“ (Markenname eines in den Vereinigten Staaten und Kanada verbreiteten Produktes), bezeichnet einen elektrischen Kochtopf zur langsamen Erhitzung zwischen drei und zwölf Stunden von Lebensmitteln bei Temperaturen unter dem Siedepunkt.“ 

Praktisch sieht es bei uns so aus, dass es ein elektrisches Heizgestell gibt, in das ein Keramikeinsatz kommt. Der Einsatz lässt sich entnehmen, ist spülmaschinenfest und sieht auch auf dem Tisch akzeptabel dekorativ aus. Im Einsatz ist das Essen. Durch einen Glasdeckel mit Gummilitze wird das ganze dicht abgeschlossen. Unser Crocky hat die Einstellmöglichkeiten „High“ (120 bis 140 Grad), „Low“ (80 bis 100 Grad) und „Warmhalten“ und lässt sich im Voraus programmieren.



Ursprung der Anschaffung war meine bereits an mehreren Stellen bekundete Leidenschaft für echtes Barbecue und die Schwierigkeit, dieses in Deutschland zu bekommen. Nun kann Crocky nicht räuchern, aber die stundenlange Zubereitung bei niedrigen Temperaturen bekommt der Slow Cooker zumindest hin.

Erste Schritte


Wir gehen erst einmal nach dem Konzept vor „Mach mit – mach’s nach – mach’s besser“ und beginnen uns, an der Top-10-Liste aus dem Crocky-Blog abzuarbeiten: Gefüllte Paprikaschoten, Altbierbraten und Sauce Bolognese.

Das Crocky-Blog von Gabriele Frankenmölle ist eine unschätzbare Wissensquelle für das Gerät und hat uns sowohl bei Anschaffung wie auch Nutzung sehr geholfen. Um so erstaunlicher, da ebenjene Gabriele Frankenmölle auch noch meine liebste deutsche Website für US-Küche betreibt, und damit schon dafür verantwortlich ist, das unfassbar großartige Coffee-Chili in diese unsere Küche einzuführen. Dass beides von derselben Frau stammt, haben wir übrigens erst mitbekommen, als Crocky hier schon in Benutzung war.

Neben den Top 10 haben wir aber auch selber und freihändig gecrockt; Zur Einweihung (natürlich) Pulled Pork, dann eine Lammschulter, ein größeres Stück Hirsch und eine Hühnersuppe. Um das Wichigste dieser Tests vorwegzunehmen: oh wow!



Crocky und Ofen


Erste Frage: warum kein Ofen? Der kann ja auch stundenlang bei niedrigeren Temperaturen garen? Das stimmt natürlich, und für so Gelegenheitsschmoren dürfte das ausreichend sein. Aber grundlegend  gibt es vier bis fünf gute Gründe für Crocky. Zwei praktisch, einen dazwischen, einen aromatisch.

Vorteile in der Theorie:


Crocky vebraucht weniger Energie. Der Energieverbrauch eines Crock Pots liegt – selbst die deutlich längere Zubereitunsgzeit eingerechnet – bei gut der Hälfte eines Elektroherdes. Was nicht verwunderlich ist; erspart man sich das Heizen der vielen Luft, die im Ofen noch so herumfliegt.

Zudem, Punkt zwei, lässt sich Crocky problemlos an normale Haushaltssteckdosen anschließen und verbraucht da nicht mal sonderlich viel Strom. Da er auch nicht sonderlich heiß wird, kann man Crocky ohne größere Bedenken über Nacht laufen lassen oder auch ganz allein, wenn man aus dem Haus ist.

Was zum ersten aromatischen Vorteil führt: fast alle Schmor- und Eintopfgerichte und viele Saucen (Hallo Bolognese!) werden je besser, je länger sie bei niedriger Temperatur vor sich hin schmurgeln. Beim Ofen wird es dann irgendwann unpraktisch so lange auf den Ofen  aufzupassen, Crocky gebe ich da gerne viele viele Stunden, in denen man ohne Sorgen aus dem Haus gehen kann.



Und nicht zuletzt: der Crockpot hat eine gute Flüssigkeitsisolierung. Besonders Gerichte, die es gerne feucht haben – wie die angesprochenen Schmorgerichte, Suppen und Saucen - werden besonders aromatisch. Weder wird Fleisch trocken, noch verschwindet Aroma in die Umwelt. Gerade beim Fleisch übrigens überraschend wieviel aromatische Flüssigkeit im Laufe von zehn Stunden das Fleisch verlässt.

Punkt fünf: Anscheinend ist auch die Hitzeverteilung gleichmäßiger als im Ofen. Halte ich für möglich, habe aber noch keinen praktischen Gewinn gesehen.

Soviel zur Theorie und den zu den Grundsätzen. Wie aber sieht es in der alltäglichen Benutzung aus:

Erkenntnisse aus der Praxis:


(1)    Oh wow. Bei aller gebotenen Bescheidenheit würde ich ja behaupten, dass das Niveau der einschlägigen Speisen in diesem Haushalt schon vorher nicht schlecht war. Aber Crocky hat die geschmacklich noch mal eine Ebene höher gehoben. So saftig. So viel Aroma. Großartig.

(2)    Freie Wochenenden: die Kocherei für das Wochenende hat sich mit Crocky im wesentlichen Freitagabend oder Samstag früh erledigt. Der Rest der Zeit ist frei und man kann sich über die Küchengerüche freuen.

(3)    Neue Planung: der Crock Pot zwingt natürlich dazu, schon ein paar Stunden im Voraus zu wissen, was es geben wird. (inklusive Einkauf eher einen Tag vorher). Dafür reicht das Essen auch für ein paar Tage oder für das Wochenende und der Rest kommt in den Tiefkühler. Anfangs etwas gewönungsbedürftig, aber sonst auch praktisch bei der Verminderung von Alltagsstress.

(4)    Das Gemüsewunder: wie wir lernten. Fleisch wird bei niedrigeren Temperaturen weich als Gemüse. Auch nach stundenlangem Schmurgeln im Slow Cooker, bei denen das Fleisch sich schon in Selbstauflösung befindet, ist das Gemüse noch überraschend stabil und fast al dente.



(5)    In der Slow-Cooker-Szene scheint es verschiedene Auffassungen zu geben, ob anbraten nötig ist oder nicht. Für das Anbraten spricht das Aroma, gegen das Anbraten der zusätzliche Aufwand. Andererseits: selbst das Anbraten eines großen Stückes Fleisch dauert eigentlich nie länger als eine Viertelstunde und ist auf jede Fall weise investierte Zeit.

(6)    Es bringt nichts, erst mit einem preiswerten Modell zu testen. Das größere Problem am Crock Pot ist weniger der – auch für gute Modelle übersichtliche – Preis, sondern eher der benötigte Platz in der Küche. Wir suchen noch nach einer geeigneten Abstellfläche für die Zeiten der Nicht-Benutzung.

(7)    Den „High“-Knopf haben wir noch gar nicht benutzt, und wofür der sinnvoll sein soll, weiß ich auch noch nicht so genau. Wenn ich was bei highen Temperaturen machen will, benutze ich den Ofen.

(8)    Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Sache mit der Flüssigkeit. Mal wird es sehr viel, mal wird es eher weniger. Die Suche nach Gesetzmäßigkeiten ist noch nicht abgeschlossen.

(9)    Aufpassen mit den Knochen: da jegliches Fleisch nach dem crocken butterweich ist, kann man es dann auch schlecht vom Knochen schneiden, weil es von ganz alleine abfällt. Man sollte aufpassen, dass man danach auch wirklich alle Knochenteile aus dem Essen fischt.

Wie weiter: 




So viele Sachen, die es noch zu testen gibt. Geflügel – außerhalb der Hühnersuppe – hat noch gar nicht den Weg in den Topf gefunden. Auch die Dampfnudeln stehen weiter auf dem Programm, ebenso wie die ganzen anderen Süßspeisen, die sich mit Crocky zubereiten lassen. Angeblich kann man mit Crocky Käse aus Milch erzeugen. Gibt es doch eine sinnvolle Verwendung der „High“-Taste? Die Flüssigkeitsskala muss noch justiert werden. Auch die Suppen- und Eintopfexperimente sind erst am Anfang. Besonders die Tomatensuppe verspricht großes. Bis dahin: ich bin ja immer skeptisch bei neuen Küchengeräten. Aber Crocky ist mehr als nur eine Bereichrung.

Kommentare:

ostwestwind hat gesagt…

Ja, genau das berichten auch meine Arbeitskollg*innen, die erst jetzt feststellten, dass ich mit Gabi Frankemölle an Kochbüchern arbeite *gg*

Die fragen sich jetzt, wie sie so lange ohne Crockpot auskommen konnten. Auch mein Gatte, der vor 9 Jahren das Gerät sehr skeptisch beäugte, findet die Wochendkocherei viel entspannter.

Viel Spaß beim weiteren Ausprobieren.

dirk franke hat gesagt…

Hallo ostwestwind. Danke! Den Spaß werden wir sicher haben. Und viel Erfolg mit den Kochbüchern und liebe Grüße.