Vor unendlich langer Zeit konnte man Radiosender hören, ohne wahnsinnig zu werden. Ich erinnere mich an den Sender NDR2 meiner Jugend, wo den ganzen Tag über und jeden Tag die ganze Woche verschiedene Sendungen kamen. No more. Der Unterschied liegt nur noch zwischen "Wiederholung alle 10 Minuten" (viele Privatradios), "Wiederholung alle Stunde" (die meisten ÖRs) und "Wiederholung dreimal am Tag" (DLF). Alles nichts für Leute, die tatsächlich zuhören und ein gutes Gedächtnis haben.
Gerade auf längeren Autofahrten, muss ich mittels Podcasts und Musikstreaming zur Selbsthilfe greifen. Wenn das Auto aber noch gar nicht digital ist, gibt es Brückentechnologien. Ich bloggte darüber: FM Transmitter im Einsatz.
Letzten Herbst führten mich finstere Angelegenheiten 10 Tage lang in die Räume des indischen IT-Dienstleisters HCL in Krakau / Östliches Polen, knapp 400 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt.
Seitdem ich große Sympathie für all' die spannenden Tech-Menschen in Osteuropa. Und natürlich denke ich in den letzten Tagen oft an das Team aus Polen, Litauen, der Slowakei, Deutschland und der Ukraine, dem ich dort begegnete.
Um so überraschter war ich, als meine eigene E-Mail-App mich mit "Glory to Ukraine" empfing. Ich wurde neugierig und schrieb: "Wer ist Readdle?"
In der Wikipedia findet wieder einmal ein Meinungsbild zum Thema "Paid Editing / Bezahltes Schreiben" statt. Soll es Agenturen / PR-Treibenden absolut verboten werden in der Wikipedia zu editieren. Das Thema beschäftigt die Community seit Jahren. Dieses Meinungsbild wird keine Änderung bringen.
Ich schrieb einige Verse dazu nebenan: WikiPRedia.
Sauerampfer und Rhabaraber haben vieles gemeinsam. Sie sind grün mit Tendenz zum rötlichen. Ihre beste kulinarische Zeit liegt im Frühjahr und Frühsommer. Sie schmecken sehr fein säuerlich. Und beide erkaufen sich diesen Geschmack mit Oxalsäure, die sowohl den Ampfer wie auch den Rhabarber das Jahr hindurch immer saurer und unbekönnlicher werden lässt. Während Rhabarber aber mit Spargel und Erdbeeren zur heiligen Trinität der Frühjahrspflanzen im Supermarkt gehört, fristet Sauerampfer ein Nischendasein bei Wildkräuterfans und Naturgartenliebhabern. Und in unserem Garten, wo er einfach vom vorherigen Acker übrig blieb. Außerdem kann er in guten Momenten dekorativ aussehen.
Was mich bewog, eine Sauerampfplanze als Motiv zu nehmen, während ich über Bildbeschreibungsseiten bloggte.
Aber langsamer: ich bloggte über Webseiten.
Diese Websiten beschreiben etwas.
Und das, was sie beschreiben, ist ein Bild.
In diesem Beispiel: das Bild eines Sauerampfers.
Solche Seiten benötigt man, wenn man Bilder ins Internet stellt. Damit die Betrachter wissen, was sie sehen. Und im Fall der Wikipedia: Damit sie das Bild auch nutzen können. Zum Sauerampfer, seiner Beschreibung und seiner Beschreibungsseite geht es auf Fahrrad-Datenautobahn: Bildbeschreibungen auf Wikimedia-Commons verstehen.
(Außerdem kommen noch DJ Hüpfburg, Cousine Twa, Curry66 und ein Wikipedia-Wettbewerb vor)
Jeden Samstag um 10 Uhr morgens heult in Verlorenort die Sirene. Manchmal
holt sie mich aus dem Schlaf. Meistens sendet sie mir allerdings zwei Nachrichten: Klassik, Pop et cetera wird gleich im Radio kommen. Und: Alles ist in Ordnung. Die Sirene funktioniert, du wirst gewarnt werden, jemand passt auf.
Sie reißt mich aber auch zurück in die Kindheit, den Kalten Krieg. Die
regelmäßigen Proben der Sirenen. Die Kasernen, die wir auf dem Weg in
die Innenstadt passierten, der Überschnallknall der Jagdflieger. Die
Katastrophe nur knapp vor der Haustür, die Mittel dagegen auch.
Im Jahr 2021 wandert alles in die Cloud.
Am Warntag 2020 erfuhren viele
Menschen überrascht, dass es in weiten Teilen Deutschlands gar keine
Sirenen mehr gibt. Warnungen per Radio oder Fernsehen erreichen
Menschen, die weder das eine noch das andere Hören oder Sehen auch nicht
mehr. Und so gibt es Warn-Apps. Kleine Programme auf dem Smartphone,
die warnen sollen. Die haben allerdings Probleme und Tücken und sind
unfertig. Ich ging dem nach und bloggte nebenan darüber: Katwarn oder Nina? Warum zwei Apps?
Ich versuchte in Zeiten des Lockdowns einen Laubrechen zu kaufen. Dies macht den Einsatz des Internets erforderlich und bringt sonnendurchflutetes Parkplatzwarten mit sich. Ich bloggte darüber nebenan auf Fahrrad-Datenautobahn.
Letztens hörte ich auf der Arbeit einen lautstarken Streit zum Thema Cancel Culture, Ken Jebsen und andere Unerfreulichkeiten. Heftige Vorwürfe gegen die Verschwörungstheoretiker kamen von meinem weißen männlichen Kollegen mit Uni-Abschluss jenseits der 40, die Verteidigung der Internetspinner kam von der jungen moslemischen Frau. Und ich dachte mal wieder, das ist alles komplizierter als die Menschen im Internet einem immer glauben machen wollen. Was an sich gut ist. Die Welt wäre furchtbar wenn sie so banal wäre wie Internetdiskussionen. Aber es wirft die Frage auf, wieweit dürfen sich Diskussion und Realität voneinander entfernen. Darüber schreibt Neal Stephenson und ich bloggte darüber neben an auf Fahrrad-Datenautobahn: Fall; or, Dodge in Hell und die Realität.
Ein Bild des Cloud-Spezialisten: J.M.W. Turner: Flint Castle.
Letztens wurde ich über die Coolest Tool Award der Wikimedia gestolpert. Eine interne Auszeichnung für die besten technischen Helferlein, die das Wikiversum erschaffen hat. Ich bloggte nebenan darüber. Am stärksten interessierte mich der Pywikibot: ein Bot für Bots. Oder seriöser ausgedrückt: ein Framework zur Erschaffung von Bots.
Allerdings wurde auch andere Projekte ausgezeichnet.
So zum Beispiel "Listen to Wikipedia". Ein Programm und eine Website, die Wikipedia-Bearbeitungen in Töne übersetzt. Das ist recht atmosphärisch - mir in seiner konkreten Ausgestaltung aber auch schnell zu plengelig-zirpig, schnell bin ich gedanklich bei orangen Seidenvorhängen, Samt-Sitzsäcken, Tee, gemusterten Cord-Hemden, düsterem Licht und einer unglaublich schlechten Luft. Mit Wehmut denke ich an daturas Tool von Anno Dunne zurück, das Wikipedia-Bearbeitungen in Vogelstimmen übersetzte. Ich bloggte nebenan über die Coolest Tools.
Wobei die Grundidee - Wikipedia in Töne zu übersetzen - zu den besseren Ideen dieser Wikiwelt gehört. Die konkrete Ausgestaltung bleibt ja geschmackssache. Wenn der Bot steht: so schwer kann es doch nicht sein, das Konzept auch für Thrash Metal Riffs umzuwandeln. Auch nicht meine Musik, aber was anderes.
Vollkommen aus den Augen verlor ich in 2020 meine vagen Ideen, Wikipedia und Tanz zusammenzubringen. Vielleicht weil das Jahr 2020 und Tanz so unfassbar schlecht zusammenpassten.
So stelle ich mir Wikipedia-Veranstaltungen 2021 vor.Bild: Die schwedische Death-Metal-Band Tribulation auf dem Rock unter den Eichen 2019 in Bertingen, Deutschland. Von: S. Bollmann Lizenz; The copyright holder of this file, Stefan Bollmann, allows anyone to use it for any purpose, provided that the copyright holder is properly attributed. Redistribution, derivative work, commercial use, and all other use is permitted.
Aber im Moment haben wir 2021. Die oftmals verkofpte und emotional unbeholfene Online-Enzyklopädie und die Kunstform mit dem wenigsten Kopf und der meisten wortlosen Abstraktion. Es kann ganz arg unbeholfen werden. Aber ich vermute hier kann großes entstehen. Vielleicht sollten wir harmlos anfangen und im Komfortbereich des Wikipedia-Meanstreams bleiben "Wiki Loves Thrash Metal" zum Beispiel, oder eine getanzte Gruppenchoreographie der Admins auf der nächsten Wikicon. Ich ahne großartiges, wir müssen es nur finden.
Noch aber ist es Zeit auf das letzte Jahr und die Jahre davor zurückzuschauen. Mit Dingen, die näher am Herz der Online-Enzyklopädie sind: Software, die praktisch ist. Tools. Diese wurden mit dem Coolest Tool Award ausgezeichnet und ich bloggte nebenan darüber. Begleitet von plingenden Listen-to-Wikipedia-Soundtrack.
Nächstes Jahr können wir dann hoffentlich auf das Vandalismusballett zurückschauen.
Letztens stolperte ich über SPARQL und das Semantic Web und bloggte dazu: SPARQL für Anfänger. Ein Versuch.
Das verschafft mir die Gelegenheit, hier frei herumzuschwadronieren. Der echte Blogpost liegt ja schon auf Fahrrad-Datenautobahn. Währned ich also dem Semantic Web, URIs. rdf. rdfs. SPARQL, OWL und anderem nachging, stolperte ich auch immer wieder über die formale Logik. Und ich dachte "Oh wow. Hätte nicht gedacht, dass ich die wiedersehe."
In Leipzig bin ich im Rahmen des Philosophiestudiums in einge Kurse formale Logik hineingeraten, habe Klausuren geschrieben, die sich nur aus dem Durchrechnen logischer Formeln bestanden, und es war Highlight.
Ende der 1990er Sozialwissenschaften und Philosophie in Leipzig zu studieren, war seltsam. Waren doch die Studiengänge samt Studenten und Lehrpersonal komplett aus dem Westen gekommen.
Die Professoren teilten sich in die drei Kategorien "Überzeugungstäter, die dem Osten beibringen wollen wie es geht" oder "Zu doof, um ihm Westen was zu werden" oder "zu unkonventionell, um im Westen was zu werden." Veranstaltungen in der dritten Gruppe waren Highlights.
Nur DDR-sozialisierte Menschen gab es kaum. Die hatte die Wende dahingefegt. Einige wenige durften sich auf halben Stellen in der Verwaltung halten oder unverfängliche Themen wie "Statistik" oder "Klassiker der Philosophie vor dem Jahr 1000, die gerade komplett nicht in Mode sind" unterrichten.
Die einzige Sammlung von DDR-sozialiserten Lehrenden war bei den Logikern. Die waren weit weg vom Thema. Und gut. Und diese Logikklausur in einem Drittel der Zeit mit dem besten Ergebnis aller Schreibenden war eines der Highlights meines Studiums. Neben der 7000-Mann-Antifa-Demo in Wurzen, The Jesus-and-Mary-Chain im Ilses Erika hören, meinem ersten Besuch einer Uni-Bibliothek und so.
Wäre ich damals weiser gewesen (und hätte mir nicht das Bafög-Amt im Nacken gesessen), hätte ich nach Logik umgesiedelt, irgendeinen total seltsamen Logikkrempel den Rest meines Lebens gemacht, würde jetzt als weiser vom Berge Zeichens mit Hagoromo-Kreide Zeichen an Tafeln malen und mir als AI-Entwurfs-Berater ein schönes Leben machen.
Aber es kommt immer anders.
Um so erstaunlicher, dass die Logik von links hinten rum quer durch das Auge wieder in mein Leben trat. Nun in der Form von Datenbanken. Ich bloggte darüber: SPARQL für Anfänger. Ein Versuch.
Dies gibt mir die Gelegenheit in diesem, thematisch ungebunderen, Blog hier paar Döntjes aus dem Leben zu erzählen. Letztes lernte ich ein neues Verb "dopfen". Laut dem Hersteller meines neuen Dutch Ovens handelt es sich dabei um das Verb das beschreibt diesen Ofen zu nutzen. Also ähnlich wie braten oder kochen oder rösten oder grillen, nun dopfen. Man werfe Zeug in einen 10 Kilo schweren Gußeisentopf, werfe Briketts hinterher und am Ende hat man die müseligste Variante eines Schmorgerichts erschaffen. Aber es gibt halt nichts aromatischeres als Schmorgerichte.
Wart ihr schon mal in Kyritz? In Brandenburg nahe der Mecklenburgischen Grenze. Ein phänomenales Städtchen. So im Nichts. Aber komplett. Daneben liegt Wesselburen zentral in der Mitte der Zivilisation. Egal aus welcher Richtung, Kyritz mit ist mit seinen knapp 10.000 Einwohnern auf Abstand die größte Stadt. Die nächste Metropole ist Perleberg. Aber was für eine Stadt! Nicht nur als ehemalige Hansestadt eine wirklich niedliches Städtchen. Die hohe Anzahl belebter Cafés, der Bioladen, der Weltladen, die Buchhandlung, das Dutzend inhabergeführter Geschäfte. Wahrlich nicht das, was ich am hintersten Ende Brandenburgs erwartet hätte. Selten sah ich von Außen eine derart einladende Stadtbibliothek.
Letztens verschwand ich in einem schwarzen Loch. Ich entdeckte, dass das Archiv der Village Voice, der Urmutter aller Stadtmagazine aus New York online ist - und man sich für Tage durch das New York der 1960 bis in die 2010er lesen kann. Nun muss ich nur noch meinem Arbeitgeber beibringen, dass zwei Wochen ununterbrochen Village-Voice-lesen ein legitimer Grund für einen Bildungsurlaub ist.
In schwarzen Löchern kann man auch in Messenger-Diensten versinken.
Letztens an den Schließfächern im Sommerbad am Insulaner. Wir kommen ins Gespräch, sind uns einig: wir haben die beste Freibadsaison aller Zeiten. Und aller die noch kommen werden. Die Bäder sind nie zu voll. Die Seitenspringer-Problembären sind verschwunden. Alle Anwesenden sind total entspannt. Auf den Liegewiesen haben wir Platz wie noch nie. Wer hätte gedacht, dass die schwimmfreudige Freibadbesucher*in die Gewinner*in von Sars2 sein wird.
Die Problembären haben dafür beschlossen, in unserem Innenhof eine semiprofessionelle Lungerei zu eröffnen. Dort lungern sie schon wie die Profis, trinken Caprisonne, telefonieren. Und Spät abends zählen sie Scheine ab. Ich will nicht wissen, wofür. Nur wurden sie des Nachts von mehreren Nachbarn angebrüllt, dass sie leise sein sollen. Seitdem ist die Lungerei umgezogen.
Denn früh aufstehen muss man, wenn man um 6:15 mit dem Fahrrad die Stunde der Bauarbeiter sehen will. Dort schlappen sie auf dem Weg zur Arbeit oder kommen aus ihren Unterkünften. Seit den Radtouren im Sonnenaufgang, weiss ich, in welchen Schöneberger Häusern die offensichtlichen Massenunterkünfte sind.
Besser ist der Weg zurück. Über den Prellerweg, über die einzig geschützten 50 Meter Radweg, die seit 1990 in Tempelhof-Schöneberg entstanden sind. Und zum Sommerbad am Insulaner. Dessen Anlage ist so schön. Und es ist so leer. Ach, an diesem Freibadsommer werde ich mich den Rest meines Lebens mit Wehmut erinnern.
Auch mit Wehmut erinnerte ich mich an die Firefox-Erweiterung Tab Mix Plus. Für diese immerhin fand ich eine Art Ersatz. Ich bloggte mit dem Fahrrad auf der Datenautobahn: Tab Mix Plus ist zurück.
Erzeugt Corona Halluzinationen? Seitdem die Spargelzeit vorbei ist, bilde ich mir ein an den Orten meines tägliches Vorbeifahrens wie dem Ikea-Parkplatz neue Spargelhäuschen zu sehen? Oder verkaufen die nur noch Heidelbeeren? Und spätestens 2021 wird ein dunkelblaue Heidelbeerhäuschen geben wie es jetzt schon rote Erdbeerhäuschen gibt?
Das steht alles nicht in Wikipedia. Aber vielleicht die Geschichte der Erdbeer-Verkäuftsstände in Deutschland. Wenn ihr Euch noch drei Wochen bis drei Jahre geduldet, könnt ihr Wikipedia in neuer Ästhetik betrachten. Ich bloggte nebenan: Seitenleiste Wikipedia nötig?
Vorgestern dachte ich kurz, ich hätte meinen ersten wirtschaftlichen Corona-Kollateralschaden entdeckt. Ein leerer Späti, taube Fenster, ein einsamer Zettel klebte im Fenster. Dort würde ich meinen Brief nicht mehr loswerden. Aber denkste: "Aufgrund einer Steuerprüfung und eines schlampigen Anwalts müssen wir den Laden aufgeben. 31. August 2019." In manchen Geschäften bin ich seltener, als ich wahr haben möchte.
Um so mehr freue ich mich, dass der Lucha-Libre-Fuck-Trump-Mexikaner neben dem Job-Center in Tempelhof und Fisch-Möller in Büsum noch aufhaben. Burrito- und Schollennachschub sind gesichert. Irgendwann kommt man doch zur Überzeugung, dass Familienbesuch das derzeit geringe Risiko wert ist und tritt eine sozial distanzierte Reise an die Nordsee an. Die letzten Tage waren so sozial ereignisreich wie nichts seit Anfang März. Sogar im Schwimmbad war ich. Mir gefällt es so leer im Sommerbad am Insulaner.
Aber noch leben wir in Corona. Die Zahl der Neu-Infizierten in Berlin ist so hoch wie zuletzt Ende April. Noch ist das Home Office ein großes Thema. Und es wird zum alles verschlingenden Arbeitsthema, wenn das Internet nicht geht. Ich bloggte auf Fahrrad-Datenautobahn: "Verbunden, kein Internet" - Was tun?
Let's-Dance-Zuschauer wissen mehr. So wussten wir bereits seit 2016, dass Attila Hildmann ein echt komischer Mensch mit bizarrem Weltbild ist. Bei dessen Tanzversuchen es so aussah, als würde seine Tanzpartnerin versuchen, ein halbvolles Planschbecken über das Parkett zu schieben. Seine weitere Entwicklung seitdem: nur Folgerichtig.
Anderes blieb rätselhaft: warum macht Vanessa Mai, die vielleicht spektakulärste Teilnehmerin aller Zeiten und in jeder Körperspitze musikalisch, selber so komische Schlagermusik? Sie muss doch hören, was sie beim Singen von sich gibt. Wieso haben Profisportler entweder die Beweglichkeit einer Schrankwand oder wirken so, als wären sie als Salseros auf die Welt gekommen? An der Sportart kann es nicht liegen. So gab es beispielsweise Fußballspieler die jenes und diesen konnten.
Der Handballer Pascal Hens, 2,03 m groß und locker über 100 Kilo schwer, schwebte wie ein junger Gott über das Parkett. Der Fußballer Thomas Häßler, in seiner aktiven Zeit filigraner Technikkönig, wirkte stets als hätte er ausversehen die falsche Studiotür geöffnet. Wäre er gegen die Kulisse gelaufen, hätte es niemand gewundert.
Über die Jahre konnte man sehen wie sich die Tanzstile änderten. Die Salsa der frühen Staffeln ein raumgreifender Showtanz, heute eng getanzt auf wenig Raum, sehr viel mehr Club-like. In den Kulissen, den Gesichtern, lässt sich die Geschichte der Bundesrepublik sehen
Diese Staffel 2020 wird historisch werden . Eine Live-Sendung während der Coronakrise. Begonnen noch wie wir die Welt halt kannten. In kurzem Zeitraum ein leeres Studio, riesige Abstände, Trennwände, Videozuschaltungen per Tablet und jetzt zum Schluß wieder leichte Normalisierung.
Historisch wird auch der Drosten-Podcast werden. Die frühe Wikipedia ist dies schon längst. Darüber bloggte ich nebenan auf Fahrrad-Datenautobahn: Wikipedia Manske Polymerase-Kettenreaktion
Anlässlich von Corona wurden mir in Berlin-Schöneberg Pop-Up-Radwege versprochen. Dies erfreute mein kleines Herz.
Der Innsbrucker Platz beispielsweise ist ein Unfallschwerpunkt, in seiner Mischung aus massiven Autoverkehr (-> Autobahnzubringer), komischer Spurenführung und keinerlei sinnvollen Führung der Radwege liegt hier ein betonierter Radfahralptraum im Süden Schönebergs. Jeder Radweg hier wäre ein Gewinn, egal ob Pop up oder nicht
Corona scheint sich Ende Mai 2020 auf bestem Weg in die "Ach, war was?"-Phase zu begeben, also bis zur nächsten Welle. Die Straßen füllen sich. Selbst volle Busse sehe ich wieder. Nur der Pop-Up-Radweg fehlt. Stattdessen entstanden auf der ganzen Hauptstraße Pop-Up-Baustellen, die die Spurenführung noch katastrophaler machten, von nichts auf gleich Radwege in Bauzäunen enden ließen und Radler aus für die Autofahrer heiterem Himmel mitten auf die Fahrbahn lenkten.
Beständig hingegen bleiben die Baustellen am Südkreuz, deren Wegführung fast Sinn ergibt. Spannend hingegen die Wege-und Schlangenführung vor dem IKEA, die sich stets der aktuellen Coronasituation anpasst. Zum Glück verschwand die Baustelle beim Attilaplatz ohne dass ich an dieser, mit der schlimmsten aller Streckenführungen, einem Schulkind in die Haxen geradelt wäre.
Bisher kam ich immer beim Tempelhofer Hafen an. Dort ließen mir verschiedene Nicht-stattfindende Feste und eine nicht-stattfindende re:publica Zeit zum Bummeln und Lesen. Ein empfehlenswertes Hobby! So spannend. Und was man alles erfährt.
Die Knoblauchrauke ist voll die It-Pflanze. Mir bis vorgestern unbekannt, stolperte ich an einem Tag in drei verschiedenen Blogs über sie: nie als Hauptdarsteller, immer am Rande, immer im Sinne von "Ach, und nebenbei. WIR haben hier Knoblauchrauken."
Über unseren Garten flogen keine Knoblauchrauken. Aber die ersten Störche.
In den letzten Wochen meckerte ich, dass Journalisten der großen Onlinemagazine ein eigentümliches "wir" (gelangweilt im Home Office) und "sie" (Krankenschwestern, Lastwagenfahrer et cetera) konstruieren. Artikel im "Wir"-Tonfall handeln von Office-Workern und deren Problemen nicht mehr ausgehen zu können. Sie beschreiben Normalität und Alltag. Artikel im "sie" Tonfall handeln von zum Beispiel von Krankenschwerstern, Menschen im Lebensmittelhandel oder Lastfahrern. Immer im Tonfall großer Dramatik geschrieben. Sie vermittelten das Gefühl, dass diese Menschen "fremd" sind, in einer anderen Welt leben als die Home-Office Menschen und sie nicht dazu gehören. Endlich erhörte mich die New York Times. In ihrer schönen Serie "wie verbringst du den Sonntag" (eine Art Alltagsblog auf hohem Nivea) porträtierten sie eine New Yorker Krankenschwester der Notaufnahme: Wenn alles komplett irr ist und man doch versucht ein normales Leben zu leben: How a Triage Nurse Spends Her Sundays
Der Weg zu meinem Nicht-Home-Office führt mich per Luftlinie quer durch IKEA. Das bedeutet im Normalfall morgens um 6: einmal quer mit dem Fahrrad über den IKEA-Parkplatz, denn es außer den zwei White Vans mit laufendem Motor ist der Parkplatz leer. Nachmittags bedeutet es im Normalfall: ich fahre außenrum: vielzuviel Gewusel. Die letzten Wochen war alles anders. Auch Nachmittags konnte ich über IKEA strampeln, sehen wie der Parkplatz komplett leer war. Dann langsam eine erste Online-Abholmöglichkeit sich bot, diese sich vermehrte. Heute war der erste Tag an dem ich den Parkplatz wieder mied, denn es war zuviel Gewusel. Welche Auswirkungen das Gewusel genau hat: die Exponentialdiagramme der Infiziertenzahlen werden es zeigen.
Noch aber verbringt ein Großteil der Menschheit die Zeit im Home Office. Noch könnt ihr auf Fahrrad-Datenautobahn Small-Talk-für-Homeoffice-Fortgeschrittene lesen: Digitales Zertifikat Erklärung
Können wir bitte die Gelegenheit nutzen, den Profifußball loszuwerden? Ich weiß, es ist nicht das vordringlichste aller Probleme, aber die Gelegenheit ist günstig. Und ein wenig Hoffnung am Ende des Tunnels muss ja bleiben. Wenigstens in einer Hinsicht sollte die Welt nach Corona besser sein als die Welt vor Corona. Die Umstände legen den Profifußball in seiner ganzen abgehobenen Arroganz und Weltabgewandtheit wie er ist. Die Gelegenheit ist günstig.
Das ist nur ein Rant am Rande. Es ist Zeit für Frohe Ostern. Der Freitag der Einkehr, der Sonntag des Feierns. Ich wünsche auch Boeuf Bourgignon, Ginger Chicken und Tarte Tatin. Ich wünsche Frische Luft, liebevolle Anverwandte und die Erkenntnis, dass persönliche Nähe auch aus der Ferne funktioniert.
Während ihr darauf wartet, dass die Verbindung ins Intranet endlich ohne Verzögerung zustandekommt, könnt ihr bei Madame Poupou nachlesen, wie das mit dem Sauerteig funktioniert. Oder ihr macht etwas sinnvolles und fragt Euch: "VPN was ist das?". Mehr dazu steht auf Fahrrad-Datenautobahn: VPN im Home Office – wie funktioniert das?
Eine der besten Entscheidungen des neuen Jahres war es, Twitter einzuschränken. Zum wie und warum schrieb ich mehr auf Fahrrad-Datenautobahn: Wie Twitter in den Wahnsinn treibt.