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Dienstag, 6. Oktober 2015

Ramos Gin Fizz - für die Enzyklopädie

Das erste mal in der Geschichte der Menschheit trafen sich Wikipedia-interessierte Menschen, um gemeinsam und im Austausch die Cocktail-Artikel in der Online-Enzyklopädie zu verbessern. Erkenntnisse. des Tages: viele neue Teilnehmer; die Cocktail--Interessierten waren unfassbar freundlich; echte Nerds lassen sich auch von einem Raum voller frei-Alkoholika nicht von der Tätigkeit abhalten; ein guter Cocktail ist schon was besonderes. 

Wiki Loves Cocktails logo symbol

Cocktails in der Wikipedia


Was mich an der Wikipedia fasziniert, ist die unglaubliche Vielfältigkeit der Themen und Perspektiven. Was ich sehr schätze, ist, dass dort jedes Thema vom Pizzakarton bis zur UNO-Vollversammlung ernst genommen wird. Die Wikipedia hat den Anspruch hat über alles fair, ausgewogen und mit Hintergrund zu informieren. Dazu gehören auch Nischenthemen wie Cocktails: (fast) jeder trinkt sie, aber die wenigsten kommen über gesundes oder auch seltsames Halbwissen hinaus. Um so dankbarer bin ich dem Benutzer:Mangomix, der sich seit Jahren den Cocktailartikeln annimmt, und versucht diese auf ein lesbares Niveau zu heben. Artikel wie beispielsweise der Old Fashioned sind Mangomix mittlerweile großes Kino. Er schreibt aber nicht nur selbst, sondern hat im Laufe der Zeit ein Projekt in der Wikipedia zu diesem Thema gegründet, dessen erstes Treffen Ende September in Hamburg stattfand: sich über Cocktails austauschen, Cocktails so fotografieren wie sie aussehen sollen und potenziellen Neuautoren Wikipedia vermitteln. Klang spannend, sinnvoll und lecker: also nichts wie hin.

Bildrechte und Tequila


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Royal Bermuda Yacht Club Bild: Ralf Roletschek [FAL], via Wikimedia Commons

Also abends nach der Arbeit in den Zug gefallen und nach Hamburg gefahren. Die Ankunft in der Stadt war irritierend: auf dem Fußweg vom Hauptbahnhof zum Wikipedia-Kontor-Hamburg sind mir mehrfach betrunkene Menschen in Dirndl und/oder Lederhosen entgegengekommen - liebe Bayern, ihr wisst dass der Rest der Menschheit bald nur noch an Saufen denkt, wenn er eine Lederhose sieht?

Donnerstag, 2. September 2010

Der Drink dessen Namen nicht genannt werden darf (Update)

Damals als ich noch Jungvolk war, haben wir uns desöfteren auch mal in den Hamburger Sorgenbrecher gequetscht und zum Abschluss des Abends das ein oder andere brennende Ölfeld verkonsumiert. Mit zunehmender Weisheit haben ich dann gelernt, dass das brennende Ölfeld außerhalb des Sorgensbrechers Flaming B52 genannt wird. Damals vor zwei Jahren war eine solche Umbenennung ja eher eine Spielerei. Heute aber erklärt uns ja Thomas Hoeren in der Süddeutschen Zeitung, dass Urheberrecht und verwandte Rechte ein Massenphänomen geworden sind. Keine Wunder, dass sie ihre Rechtstentakel auch in den Bereich der friedlichen Abendgestaltung mit Cocktails ausdehnen.

The Atlantic schrub vor ein paar Tagen, dass auch Cocktailmixer sich Sorgen um ihr geistiges Eigentum machen und stärkeren Schutz einfordern. Ezra Klein widersprach dezent, TechDirt hyperventilierte erwartungsgemäß und scheint kurz davor eine Rettungsmission zur verwirrten Atlantic-Schreiberin zu schicken.

Immerhin, die fröhliche Verwirrung zwischen Urheber- und Markenrecht, die den Atlantic-Artikel durchzieht, spricht dafür, dass die Essenswelt bisher weitgehend IP-Sorgenfrei gelebt hat. Um sich Rezepte in ihrer Substanz schützen zu lassen, bräuchte man sowas abwegiges wie ein unklares Leistungsschutzrecht für Verleger. So bizarre Rechtsverdrehungen wären natürlich vollkommen unvorstellbar.

Gehen wir mal davon aus, dass man auch weiterhin Rum und Limettensaft zusammenschütten kann, ohne einen Abgesandten des kubanischen Justizministeriums am Hals zu haben. Wie ich aber schon mal kurz anriß, wenn Urheberrecht nicht geht, geht meistens Markenrecht. Niemand kann mir verbieten, einfach alle vorhandenen Alkoholika in einer Bar zusammenzuschüten. Theoretisch wäre es aber wohl möglich, dass ich das Ergebnis dann nicht mehr Long Island Ice Tea nennen darf.

Gerade bei Cocktails böte sich die Anwendung des Markenrechts an sich ja auch an. Cocktails leben ja nicht unwesentlich von ihren ikonischen Namen. Würde Mojito "Cocktail 8/45-b" heißen oder wäre "Sex on the Beach" als "Sorting Socks in the Attic" bekannt, wären sie eben nicht bekannt. Mit dem Markenschutz von Cocktails ist vermutlich Geld zu verdienen. Denn bei weitem nicht jede Bar legt die Erfindungsgabe für ein brennendes Ölfeld an den Tag, und die komischen Caipi-Stände auf den komischen Volksfesten hätten das Geld für die Lizenzgebühr sicher auch noch. Ich fürchte ja, ich sehe es kommen. Und danach schützen dann die Fernsehkochs ihre Rezeptnamen.

Kochen und Saufen ohne Sorgen um geistiges Eigentum? Das war einmal. Auf die Aussicht geh ich jetzt mal schauen, was wir eigentlich an Zutaten im Hause haben, und wo der Anzünder für den Gasherd ist.

Update: auch Gulli.com liest techdirt. Wenn auch langsamer ;-) Derweil hat The Atlantic schon wieder nachgelegt.