Donnerstag, 27. April 2017

Alte Halle Charlottenburg. Zu Besuch im Stadtbad Krumme Straße.

In der Charlottenburger Krummen Straße steht das älteste Bad Berlins. Die Bauflucht prägt ein Bad mit einer spektakulären Fischfigurfassade. Im Innenraum streift der Blick des Badenden über die großartigsten Schwimmbadlampen östlich des Mississippis. Ich kann auf dem Rücken schwimmen, mit dem Blick zum Glasdach, in dem sich das Licht der untergehenden Sonne bricht. Als solches ist das Bad natürlich Dauergast in allen "Die schönsten Bäder Berlins"-Listen.




Und doch: So richtig warm wurden wir nicht miteinander. Vielleicht lag es an der Temperatur. Der Schwimmmeister trug beim ersten Besuch im Winter auf jeden Fall auch eine Wollmütze und Dreiviertelhose.

Dienstag, 18. April 2017

Schwimmbad Berlin: FEZ, Wuhlheide

Folge den Pfeilen zur Weihnachtsmann-Schulung. Lasse dich dabei nicht von der Rohkost-Messe verwirren. Im FEZ – dem ehemaligen Freizeit- und Erholungszentrum in der Wuhlheide - ist immer was los. Das Schwimmbad im FEZ liegt am Rand, ist nur ein Teil des Gebäudes.

Eimgang zum FEZ, ehemals Pionierpalast ("Pipala")

Gebaut wurde das FEZ als Pionierpalast Ernst Thälmann mit DDR-weitem Anspruch als Leuchtturm der Pionierbewegung. In der Wuhlheide war bereits 1950 eine Zeltstadt als Pionierrepublik Ernst Thälmann, als Freizeitpark für Kinder, geschaffen worden. Das Gebäude - der Pionierpalast - kam am 3. Oktober 1979 hinzu.

Die Schwimmhalle im Pionierpalast war dementsprechend keine Nachbarschaftsschwimmhalle, sondern ein Prunkschwimmort mit DDR-weiter Ausstrahlung. Pioniere aus dem ganzen Land, und Pionierfreunde aus der ganzen Welt, sollten sehen, wie sehr sich der Sozialismus um seine Jugend kümmerte und welch schönes Leben er diesen bieten konnte.

Mittwoch, 12. April 2017

Schwimmhalle Potsdam. Schwimmen im Bad am Brauhausberg

Es ist wie im Ferienlager in der achten Klasse. Du lernst den Menschen überhaupt kennen. Denjenigen auf den Du immer gewartet hast, so schön, berauschend intelligent, witzig, voller Charme. Du bist hin und weg. Und dann erzählt der dieser Mensch: Ich fahre morgen früh; nach Hause. Auf eine Hallig. Und nächste Woche wandern meine Eltern mit mir nach Kanada aus. Wo wir 20 Jahre im Wald leben werden ohne jede Verbindung zur Außenwelt.

Was überwiegt: Freude über den Fund oder Schmerz über den Verlust?



So ähnlich geht es mir mit dem Potsdamer Bad am Brauhausberg. Diese Kurven! Diese Seele! Diese großzügige Anlage! Der 4-Meter-Abgrund am Schwimmbadboden. Die Lampen. Die unglaubliche luxuriöse Größe.

Dienstag, 4. April 2017

Schwimmbäder nah und fern: Charlottenburg, Neue Halle

Das Stadtbad Charlottenburg ist zwei Schwimmbäder. Die beiden Bäder stehen nebeneinander, haben sonst ber nicht viel miteinander zu tun. Das eine Bad nennt sich die Alte Halle – ein wilhelminisches Volksbad in voller Pracht, und das älteste Bad Berlins. Das andere Bad nennt sich Neue Halle - ein funktionaler 70er-Jahre Bau, dessen Errichtung den Auftakt zu einer ganzen Reihe nahe-identischer Bäder (Mariendorf, Spandau-Süd, Gropiusstadt, Wedding, Märkisches Viertel, Tiergarten) bildete. Ich nenne ihn den Komibadtyp.

Ursprünglich sollte die Neue Halle die Alte Halle ersetzen und die Alte Halle abgerissen werden. Neue Zeiten brachen an. Ganz West-Berlin sollte große, lichte 50-Meter-Becken bekommen und von den dunklen wilhelminischen Schwimmbrätern erlöst werden. Die Berliner sahen das anders. Die Neue Halle wurde gebaut, der Abriss der Alten Halle konnte (anders als zB iin Moabit) durch Bürgerproteste verhindert werden.



Demnach haben wir in Charlottenburg heute die kuriose Situation zweier Schwimmhallen, die nebeneinander stehen, eine bauliche Verbindung haben, vom selbem Betreiber betrieben werden und doch nach Außen hin komplett unterschiedliche Schwimmbäder sind.

Mittwoch, 29. März 2017

Schwimmbad Berlin: Die schönsten, irritierendsten und buntesten.

Es ist vollbracht. Ich habe alle öffentlichen(*) Hallenbäder (**) in Berlin von innen gesehen und beschwommen.

Von Spandau-Nord bis Kaulsdorf, von Buch bis zur Finckensteinallee: Knapp 40 Hallenbäder sind in Berlin beschwimmbar. Weit überwiegend werden diese durch die Berliner Bäder betrieben. Einige Bäder allerdings kamen durch die historischen Zufälle und die bewegte Berliner Stadtgeschichte auch an andere Betreiber:  da betätigen sich auch eine Sprachschule, einen Sportverein, oder eine Senatsgesellschaft für Kultur und Soziales. Berlin ist die Stadt mit der historisch reichsten und vielfältigsten Bäderlandschaft Deutschlands: Ostberliner Schwimmhallen, Westberliner Kombibäder, Wilhelminische Palastbauten und Bauhaus-Grandezza stehen nebeneinander.

Stadtbad Tempelhof


Gebaut wurden die Bäder zwischen 1898 und 1997. Sie befinden sich in allen Zuständen der Sanierung, von extrem freundlich bis unfreundlich, von riesigen 50-Meter-Becken bis hin zu einer Art Schwimmkasserolle. Mal sind sie gekachelt, mal stehen dort Becken aus Metall. Der Standard der Sanitäranlagen von der Ostberliner Sammelumkleide bis hin zu neumodischen Unisex-Einzelumkleiden.

Dabei gibt es viel zu sehen und zu schreiben. Einige Beschreibungen sind hier gelistet, viele weitere harren noch darauf, dass ich auch zu einem zweiten Besuch komme und schaue, ob es wieder so ähnlich ist wie beim ersten Mal. Aber dennoch lässt sich einiges feststellen:

Eine kleine Bestenliste der Berliner Bäder:


Die schönste gelbe Wand: Stadtbad Tempelhof. Und die Sonne geht auf.

Neonfarbenste Säulen: Charlottenburg, Neue Halle. Und dieses Gelb, es leuchtet.

Am panikeinflössensten: Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg. Die Kombination aus marodem Schlüsselband und teilweise über 4,5 m Beckentiefe sah mich gedanklich die ganze Zeit am Tieftauchen auf der Suche nach dem Schlüssel.

Beste Kabinen: Spandau-Nord (direkt am Becken) und Finckensteinallee (der ganze Kabinentrakt ist echt schön).


Samstag, 25. März 2017

Schwimmbad Berlin: Fennpfuhl, Schwimmhalle Anton-Saefkow-Platz

Ich suchte Schwimmhallen und fand Wohnhochhaussiedlungen. Die Suche nach dem Bad gestaltet sich oft genug als eine Expedition durch die überraschend zahlreichen Ostberliner Neubaugebiete. So auch bei der Schwimmhalle Anton-Saefkow-Platz: Die Ost-Berliner waren gründlich, wenn es darum ging ihre Hälfte der Stadt mit Bädern zuzupflastern.

Dieses Bad liegt im Wohngebiet Fennpfuhl im Bezirk Lichtenberg und ist – natürlich – von Hochhäusern und einem kleinen öffentlichen Platz mit Einkaufszentrum umgeben. Gut versteckt hinter dem Bad und einer Turnhalle liegt noch ein größerer Park, der den ortsnamensgebenden Teich Fennpfuhl umschließt. Dahinter dann eine ganze Großsiedlung mit weiteren Parks, Hochhäusern, einem kleinen Sträßchen von dem einen eine Straßenbahn direkt bis zum Alexanderplatz und zum Hauptbahnhof bringt. Zwischendurch zwei größere deutlich ältere Backsteinbauten, in denen ein Seniorenheim, eine Kita und eine Spielhalle residieren. Insofern eine Wohnhochhaussiedlung überhaupt lauschig sein kann - der Fennpfuhl ist.



Fennpfuhl? Man fahre vom Alex aus nach Osten, immer entlang der Landsberger Allee. Irgendwann in der Ferne werden Marzahn und Hellersdorf kommen, aber erst einmal gilt es den S-Bahn-Ring zu verlassen.

Direkt hinter dem Ring, dort, wo Berlin-Innenstadt in die Neubaugebiete übergeht, trifft ein wenig klassisch-europäische Stadt auf ein wenig gescheiterte 20-Jahrhundert-Utopie. Und dort, wo sich beides trifft, fast direkt an der Ringbahn, nahe der S-Bahn-Station Storkower Straße, liegt das Neubaugebiet Fennpfuhl.

Dienstag, 21. März 2017

Der Mett-Igel ist ein deutsches Traditionsessen aus dem 18. Jahrhundert

Zedler - in vielerlei Hinsicht ist es DAS Lexikon. Das Grosse vollständige Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste - wie Zedler in Gänze heißt - ist ein epischer Meilenstein der Enzyklopädistik. Das Werk, zwischen 1732 und 1754 erschienen, ist das größte Lexikon seiner Zeit. Seinem Leser stellt sich ein umfassendes Kompendium des 18. Jahrhunderts dar.

Mettigel
Mett-Igel, 21. Jahrhundert. Wobei die Pinien-Version deutlich besser klingt als die hier abgebildete Zwiebel-Variante. Bild: Mettigel Von: oris Kumicak + Kai Namslau Lizenz: Public Domain
Weit mehr als die ungleich bekanntere Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers des Diderots, ist Zedler ein Vorläufer heutiger Nachschlagewerke und natürlich der Wikipedia. Hatte das Diderotsche Werk ein philosopisch-politisches Ziel, ist fast bekannter für seine programmatischen Vorwörter und Begleittexte als für den eigenen Lexikontext, so diente der Zedler nur der ausführlichen und langweiligen Wissensvermittlung. Wobei Zedler, auch da der Wikipedia, nicht unähnlich, seine Leser durch Textmassen übewältigen wollte, 284.000 Einträge auf 63.000 Seiten in 64 Bänden. Der Inhalt ist bis heute nur spärlich erschlossen.