Willkommen zum Traktorfreitag, einst Traktormontag, jetzt aber aus organisatorischen Gründen Traktorfreitag. Und ja, vollkommen wöchentlich das alles hier. Vorweg ein kurzer Link via Boing Boing. Don't do this at home: Ky. Man Forced To Eat Own Beard. Fight Over Tractor Sale Led To Odd Meal. Da wenden wir uns doch erfreulicherem Treckergebrauch zu, den das Fernsehfachmagazin für den emotionalen Traktoristen brachte:
Nun aber zum eigentlichen Thema: Nordtrak. Auf den Wikipedia-Löschkandidaten entdeckt, hat sich so ein Kleinunternehmen doch als spannender Traktorpioniert entpuppt. Was meine These bestätigt, dass eigentlich alles spannend ist, wenn man nur genauer hinkuckt.
Direkt nach dem Krieg gebaut aus Jeep-Teilen, danach zumindest auf den Grundprinzipien des Jeeps, waren sie erste Allradtraktoren: geländegängig und vielseitig verwendbar. Mit vier gleichgroßen Rädern optisch auffallend und durchaus schick aussehend, aber mit Vierradantrieb aber viel zu teuer. Und so anspruchsvoll sind die meisten deutschen Äcker ja nicht.
Deshalb waren sie nur selten in der Landwirtschaft zu finden, sondern eher in der skandinavischen Fortwirtschaft oder in Südamerika auf dem Bau. Viele eindrucksvolle Bilder gibt es - leider alle unter geschlossene Lizenzen, die zwei offenen sind nicht eindrucksvoll - und im Wikipedia-Artikel ist sogar ein Autor mit Nordtrak-Erfahrung aktiv.
What a pity aber auch, dass man bei Wikipedia nicht einfach so Youtube-Videos einbetten kann.
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Freitag, 26. November 2010
Dienstag, 2. November 2010
Traktormontag: der Glüsinger auf dem Moped
Jetzt ist Montag. Wirklich. Ein paar großartige News für den Anfang: ich habe einen wahrhaftigen Schlepper gesehen. In Berlin. Noch fast innerhalb des S-Bahn-Rings. Leider war das Gefährt, das durch Friedenau tuckerte kein John-Deere-Arbeitstrecker, sondern ein gebohnertes und gehätscheltes Oldtimer-Exemplar, das vermutlich in der Garage neben dem Porsche Cabrio aus den 60ern steht. Aber immerhin. Berlin Innenstadt! Trecker! Erst die zweite Sichtung überhaupt.
Nächste super News. Zusammen mit dem Wikipedia-Benutzer Noebse rette ich gerade den ehemaligen Schlepperhersteller Nordtrak von den Löschkandidaten. Falls jemand helfen möchte: Hurra!
Nun aber zu Nachrichten aus Treckerfreundlicheren Gegenden. Die Dithmarscher Landeszeitung kommt in mancherlei Hinsicht meinem Ideal einer Lokalzeitung nahe. Vor allem ihr Umfang beeindruckt, ist der Lokalteil doch länger als beispielsweise in Tagesspiegel oder Berliner Zeitung, und das obwohl das Weltgeschehen zwischen Hellschen und Heringsand doch nur manchmal vorbeischaut.
So erreichen die Lokalmeldungen aus Nordhastedt und Poppenbüttel eine ungeahnte Tiefe und Detailreichtum. Wie sonst hätte ich vom Glüsinger, dem Moped und dem Traktor erfahren, die ein kleines Drama des typischen Dithmarscher Lebens aufspielten.
Man nehme eine Dorfsraße in Hennstedt, und einen Traktor, der sie befährt. Von hinten kommt ein 15jähriger Dorfjunge, den sein mangelnder Führerschein nicht davon abhält, Moped zu fahren. Er überholt den Traktor. Schneidet. Schleudert. Rutscht über die Straße. Junge heil, Traktor heil, Moped nicht.
Andere hätten sich von dannen geschlichen und geschämt. Nicht aber ein entschlossener Dithmarscher Jugendlicher. Der ruft die Polizei! Und einen Freund an. Jener Freund wiederum schildert die Polizei, wie der Traktorfahrer das hilflos parkende Moped umgefahren hat. Leider unterscheiden sich die Erzählungen vom Mopedfahrer und seinen Freund deutlich voneinander. Und passen nicht zu den Unfallspuren. Faszinöserweise will die Polizei sogar den nichtvorhandenen Führerschein des Mopedfahrers sehen. Und fragt den Traktorfahrer, der das alles ganz anders sieht. So wie es zu den Spuren passt.
Dithmarschen und insbesondere die Dithmarscher - ich liebe sie für ihren Mut.
P.S. Nicht verlinkbar. Natürlich ist die DLZ nicht im Netz. Neumodischer Unsinn!
P.P.S. Wem es entgangen ist. Hier war auch der Landkreis wo vor zwei Wochen (1) eine Frau in ein Maisfeld lief, in dem sie vorher einen Maishäcksler gesehen hat (2) die Leitstelle den Rettungswagen nicht an ein Maisfeld zwischen Tellingstedt, sondern nach bei Ellingstedt schickt (etwa 50 Kilometer weg) (3) der nächste Rettungswagen auf dem Weg zum Maisfeld leider einen schweren Verkehrsunfall baut, und die Besatzung selbst ins Krankenhaus gebrachten werden muss. Immerhin, aus zwei Wochen Rückschau scheinen alle Beteiligten die Sache vergleichsweise glimpflich überstanden zu haben.
Und wo ich schon bei Dithmarschen bin, diese Woche kein explodierender Traktor, sondern Treckertreck von zu Hause. Aus Schafstedt. Mit großer Dithmarschen-Fahne!
Nächste super News. Zusammen mit dem Wikipedia-Benutzer Noebse rette ich gerade den ehemaligen Schlepperhersteller Nordtrak von den Löschkandidaten. Falls jemand helfen möchte: Hurra!
Nun aber zu Nachrichten aus Treckerfreundlicheren Gegenden. Die Dithmarscher Landeszeitung kommt in mancherlei Hinsicht meinem Ideal einer Lokalzeitung nahe. Vor allem ihr Umfang beeindruckt, ist der Lokalteil doch länger als beispielsweise in Tagesspiegel oder Berliner Zeitung, und das obwohl das Weltgeschehen zwischen Hellschen und Heringsand doch nur manchmal vorbeischaut.
So erreichen die Lokalmeldungen aus Nordhastedt und Poppenbüttel eine ungeahnte Tiefe und Detailreichtum. Wie sonst hätte ich vom Glüsinger, dem Moped und dem Traktor erfahren, die ein kleines Drama des typischen Dithmarscher Lebens aufspielten.
Man nehme eine Dorfsraße in Hennstedt, und einen Traktor, der sie befährt. Von hinten kommt ein 15jähriger Dorfjunge, den sein mangelnder Führerschein nicht davon abhält, Moped zu fahren. Er überholt den Traktor. Schneidet. Schleudert. Rutscht über die Straße. Junge heil, Traktor heil, Moped nicht.
Andere hätten sich von dannen geschlichen und geschämt. Nicht aber ein entschlossener Dithmarscher Jugendlicher. Der ruft die Polizei! Und einen Freund an. Jener Freund wiederum schildert die Polizei, wie der Traktorfahrer das hilflos parkende Moped umgefahren hat. Leider unterscheiden sich die Erzählungen vom Mopedfahrer und seinen Freund deutlich voneinander. Und passen nicht zu den Unfallspuren. Faszinöserweise will die Polizei sogar den nichtvorhandenen Führerschein des Mopedfahrers sehen. Und fragt den Traktorfahrer, der das alles ganz anders sieht. So wie es zu den Spuren passt.
Dithmarschen und insbesondere die Dithmarscher - ich liebe sie für ihren Mut.
P.S. Nicht verlinkbar. Natürlich ist die DLZ nicht im Netz. Neumodischer Unsinn!
P.P.S. Wem es entgangen ist. Hier war auch der Landkreis wo vor zwei Wochen (1) eine Frau in ein Maisfeld lief, in dem sie vorher einen Maishäcksler gesehen hat (2) die Leitstelle den Rettungswagen nicht an ein Maisfeld zwischen Tellingstedt, sondern nach bei Ellingstedt schickt (etwa 50 Kilometer weg) (3) der nächste Rettungswagen auf dem Weg zum Maisfeld leider einen schweren Verkehrsunfall baut, und die Besatzung selbst ins Krankenhaus gebrachten werden muss. Immerhin, aus zwei Wochen Rückschau scheinen alle Beteiligten die Sache vergleichsweise glimpflich überstanden zu haben.
Und wo ich schon bei Dithmarschen bin, diese Woche kein explodierender Traktor, sondern Treckertreck von zu Hause. Aus Schafstedt. Mit großer Dithmarschen-Fahne!
Mittwoch, 27. Oktober 2010
Bauer Beck fährt weg
Nachdem ich seit achtneun Tagen abends nichts anderes mehr vorlesen darf als dieses Buch, ist es, denke ich, Zeit für eine kleine Rezension.
"Bauer Beck fährt weg". Alles fängt damit an, dass die Magd Toni plötzlich Urlaub machen will. "Irgendwer muss die Hühner füttern" meint Bauer Beck. "Irgendwer muss aber auch eine Sandburg bauen" meint die Toni und weg ist sie auf ihrem Motorroller. Fährt Bauer Beck eben auch in Urlaub. Aber das ist gar nicht so einfach, denn da sind noch die ganzen Tiere. Nachdem radikale Lösungen erwogen ("Schlachten, alle schlachten" murmelte Bauer Beck") und verworfen wurden, packt Bauer Beck die ganze Bagage, Hund, Kuh, Kälbchen, Pferd, Ziege, Schaf, Schwein, Hühner und die beiden Streithähne auf seinen Anhänger und tuckert auf seinem hellblauen Traktor gen Meer.
Damit beginnt Bauer Becks Kampf gegen engstirnige Verbote und Bürokratie. Ohne Papiere dürfen die Tiere nicht über die Grenze, am Strand ist das Zelten verboten, auf dem Zeltplatz zwar das Zelten erlaubt, aber Hunde verboten, und auch die Hotelunterkunft gestaltet sich schwierig.
Die Sprache des Buchs nutzt sich mit ihrem Wortwitz und festen Wendungen, die das ganze Buch durchziehen ("Nichts zu machen?" fragte Bauer Beck. "Nichts zu machen."), selbst nach dem x-ten Vorlesen nicht so leicht ab. Die Dialoge kann man auch recht gut zu zweit vorlesen.
Der wirkliche Knüller sind jedoch die Zeichnungen von Daniel Napp (schon bekannt aus Dr. Brumm fährt Zug). Wie er es schafft, Hund, Kuh, Kälbchen, Pferd, Ziege, Schaf und Schwein, die sich über die Theke der Hotelrezeption lehnen, jeweils einen ganz eigenen Gesichtsausdruck zu verpassen, muss man gesehen haben. Die Campingplatzeinfahrt, graue Funktionsarchitektur mit dahinter ein paar Wohnwagen – verloren liegt auf dunkelgraugrünem Rasen ein Ball. "Der Ball ist traurig", meint das Kind beim Vorlesen dazu jedesmal. Bildkomposition und Aufbau sind durchdacht und passen perfekt zum Inhalt.
Technische Daten
Bauer Beck fährt weg von Christian Tielmann (Text) und Daniel Napp (Illustrationen)
Sauerländer, 32 Seiten
Alterempfehlung 5 - 7 Jahre (kann man durchaus runterschrauben)
Elternvotum: Kultbuch
Kindervotum: Kultbuch
So, jetzt bin ich auch nur ein Viertelstündchen zu spät zum Traktormontag, zu dem ich diesmal Bauer Becks schönen Oldtimer (einen Eicher?) einreiche. Und nächstes Mal gibt es wieder einen schönen saftigen Verriss, man kann ja nicht dauernd über den grünen Klee loben... Ich hab da noch ein paar Kandidaten auf Lager.
"Bauer Beck fährt weg". Alles fängt damit an, dass die Magd Toni plötzlich Urlaub machen will. "Irgendwer muss die Hühner füttern" meint Bauer Beck. "Irgendwer muss aber auch eine Sandburg bauen" meint die Toni und weg ist sie auf ihrem Motorroller. Fährt Bauer Beck eben auch in Urlaub. Aber das ist gar nicht so einfach, denn da sind noch die ganzen Tiere. Nachdem radikale Lösungen erwogen ("Schlachten, alle schlachten" murmelte Bauer Beck") und verworfen wurden, packt Bauer Beck die ganze Bagage, Hund, Kuh, Kälbchen, Pferd, Ziege, Schaf, Schwein, Hühner und die beiden Streithähne auf seinen Anhänger und tuckert auf seinem hellblauen Traktor gen Meer.
Damit beginnt Bauer Becks Kampf gegen engstirnige Verbote und Bürokratie. Ohne Papiere dürfen die Tiere nicht über die Grenze, am Strand ist das Zelten verboten, auf dem Zeltplatz zwar das Zelten erlaubt, aber Hunde verboten, und auch die Hotelunterkunft gestaltet sich schwierig.
Die Sprache des Buchs nutzt sich mit ihrem Wortwitz und festen Wendungen, die das ganze Buch durchziehen ("Nichts zu machen?" fragte Bauer Beck. "Nichts zu machen."), selbst nach dem x-ten Vorlesen nicht so leicht ab. Die Dialoge kann man auch recht gut zu zweit vorlesen.
Der wirkliche Knüller sind jedoch die Zeichnungen von Daniel Napp (schon bekannt aus Dr. Brumm fährt Zug). Wie er es schafft, Hund, Kuh, Kälbchen, Pferd, Ziege, Schaf und Schwein, die sich über die Theke der Hotelrezeption lehnen, jeweils einen ganz eigenen Gesichtsausdruck zu verpassen, muss man gesehen haben. Die Campingplatzeinfahrt, graue Funktionsarchitektur mit dahinter ein paar Wohnwagen – verloren liegt auf dunkelgraugrünem Rasen ein Ball. "Der Ball ist traurig", meint das Kind beim Vorlesen dazu jedesmal. Bildkomposition und Aufbau sind durchdacht und passen perfekt zum Inhalt.
Technische Daten
Bauer Beck fährt weg von Christian Tielmann (Text) und Daniel Napp (Illustrationen)
Sauerländer, 32 Seiten
Alterempfehlung 5 - 7 Jahre (kann man durchaus runterschrauben)
Elternvotum: Kultbuch
Kindervotum: Kultbuch
So, jetzt bin ich auch nur ein Viertelstündchen zu spät zum Traktormontag, zu dem ich diesmal Bauer Becks schönen Oldtimer (einen Eicher?) einreiche. Und nächstes Mal gibt es wieder einen schönen saftigen Verriss, man kann ja nicht dauernd über den grünen Klee loben... Ich hab da noch ein paar Kandidaten auf Lager.
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