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Montag, 27. Januar 2020

Schwimmen, plantschen und lesen in der Fontane-Therme Neuruppin

Hchuuuu- platsch- hchuuuuu – platsch. Er erreicht meine Ohren, dieser unverkennbare Sound des Delphin-Schwimmens. Oberkörper aus dem Wasser wuchten, nach vorne durch die Luft werfen – hchuuu – und mit dem ganzen Körper zurück ins Wasser – platsch. Ungläubig senke ich das Buch, rolle mich im Bademantel ein Stück nach links und linse ins Wasser. Hchuuuu – Platsch. Unverkennbar. Eine Frau schwimmt Delphin. Beziehungsweise schwimmt sie den Stil nicht mehr. Nach einer Rollwende krault sie im formvollendeten Freistil davon.

Ich bin überrascht. Und auch wieder nicht. In der Fontane-Therme kann der Besucher im Morgenmantel auf dem Liegestuhl lümmeln, Juan Morenos „1000 Zeilen Lüge“* lesen und an Cocktails denken (ich). Oder die Besucherin kann Delphin schwimmen (sie).

Die Fontane-Therme im Resort Spa Hotel Mark Brandenburg vermarktet sich nicht als Sportbad. Bei Weitem nicht. Das Wort „Sport“ wirkt in diesem Umfeld ähnlich passend wie eine Kettensägen-Schnittschutzhose. Die angestrebte Stimmung ist „Sole-Schwebebecken bei leiser Musik.“

Nachts auf dem Weg zur Fontanetherme. Der Gang zwischen Hotel und Therme ist beleuchtet.
Auf dem Weg zur Fontanetherme.


Aber Sport funktioniert. Das Becken ist tief genug (1.30m) und lang genug (25 Meter), um ernstlich darin zu schwimmen. Dank etwas, dass die Therme „Wohlfühldichte“ nennt und das faktisch einen frühzeitigen Einlassstopp bedeutet, bleibt genug Platz zum schnellen Vorankommen. Zumal die anderen Anwesenden sich auf Seesauna, Bibliothek, Solebecken und Bistro verteilen.

Freitag, 15. Juli 2016

"Aber wen, um Himmels willen, interessiert das? Wen geht überhaupt Neuruppin etwas an?"

Die Wanderungen durch die Mark Brandenburg – Theodor Fontanes fünfbändiges Mammutwerk schiebt sich zwangsläufig zwischen Brandenburg und jede Literatur zum Land. Die Wanderungen selbst las ich noch nicht, aber ich las bereits jede Menge Autorinnen und Autoren, die sich auf die Wanderungen beziehen; oder Autorinnen und Autoren, die sich auf Autoren beziehen, die sich auf die Wanderungen beziehen – vom Heimatkundler bis hin zur Hochliteratur. Es gibt keinen längeren Brandenburg-Text, der nicht auf die ein oder andere Weise durch die Wanderungen beeinflusst wäre.

Mi-6 over Neuruppin airbase (East Germany), 1992 (11032163934)
Bild: Mi-6 over Neuruppin airbase (East Germany), 1992 Von: Rob Schleifert. Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Die Wanderungen entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Weitgehend unbekannt kam es in der DDR 1967 zum Versuch, die Wanderungen zu aktualisieren, indem lebende Literaten der DDR noch einmal Brandenburg bereisten und eine Neuauflage der Wanderungen herausgaben – natürlich nicht ohne auf die Verbesserungen und Entwicklungen seit den Zeiten Fontanes hinzuweisen. Zwei Autoren machten sich auf den Weg. Gustav Seyppel, damals noch in West-Berlin lebend, später zeitweise in die DDR gezogen, und Franz Fühmann. Seyppel tat wie beauftragt und veröffentlichte Ein Yankee in der Mark, derjenige, der  sein Werk dann nicht schrieb war Franz Fühmann.