Kraftpflüge kamen so etwa um 1910 auf. Die Geräte mit 5000 kg Gewicht, bis zu 100 PS (1915!) und zwei Meter hohen Rädern wurden, wie man auch vermuten kann, vor allem auf den großen Landgütern Ostelbiens eingesetzt, und verloren bis 1930 gegen die vielseitigeren Ackerschlepper. Die Anbieter waren vielfältig. Zentrum deren deutscher Produktion war das heute eher wenig agrarische Berlin - genauer Köpenick und Schöneweide - und dort die Firma Stock. Die entwickelte 1908 den erste Tragfplug, und verkaufte allein bis zum Ersten Weltkrieg über 1000 Stück des Ungetüms.
In den nächsten Jahren scheinen die deutschen Tragpflüge die nationale Alternative zu amerikanischen Schleppern (Ford!) gewesen zu sein, auf jeden Fall hat die deutsche protektionistische Bewegung viel für sie getan. Ihre Hochzeit hatten die Tragpflüge tatsächlich in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Durch jenen Krieg brach den deutschen Herstellern der Exportmarkt weg. In den nächsten Jahren begann sich angesichts der entwickelnden Landwirtschaft die Nachteile der Tragpflüge abzuzeichnen. Die starr verbundenen Geräte waren nur schwer lenkbar. Bis zur Einführung eines Rückwärtsgangs brauchte es viele Jahre - fuhr der Pflug gegen einen großen Feldstein, musste er mit Winden angehoben werden, und der Stein manuell entfernt werden.
Da zur selben Zeit auch andere Bereiche der Landwirtschaft machinisiert wurden, viel auf, dass der Tragpflug wenig konnte außer pflügen - die Umrüstung zu anderen Tätigkeiten war zwar möglich, aber aufwändig, und immer noch wenig funktional. Auch kleinere Betriebe begannen zu mechanisieren, diese wiederum konnten mit den 5000kg-Geräten wenig anfangen. Die Tragpflüge begannen sich immer mehr den klassischen Traktoren anzunähern, wurden kleiner und versatiler. Auf diesem Gebiet hatten "klassische" Traktorenhersteller wie Fordson oder Deutz bereits klare Vorteile. Ende der 1920er verschwanden die meisten Kraftpfluganbieter vom Markt.
Nun scheinen die Kraftpflüge trotz ihres imposanten Äußeren wenige Spuren hinterlassen zu haben. Nicht einmal ein Video gibt es. Deshalb heute ein total gar nicht themenbezogenes Video. Aber beim Brötchenholen waren 2 Grad, und hier im Hintergrund sind schicke Windräder.