Ausgerechnet die Bild scheint zu ähnlichen Schlußfolgerungen zu kommen wie ich, wenn es darum geht, was nun die eigentliche Substanz des Sarrazin-Boheis ist. Ich schrieb der "größte und emotionalste Teil der Posts bezog sich gar nicht auf Sarrazin oder Muslime oder Integration, sondern regte sich eher über die Medien und Politiker auf", Bild schreibt "Das wird man ja wohl sagen dürfen!", Metadebatte galore.
Aber was ist "das"? Um Sarrazins Buch und die Thesen kann es nicht gehen, ein reltiv typischer Kommentar: "So muss man sich zwingend fragen, warum so bekannte Intellektuelle wie G. di Lorenzo oder Frau Stern, an einzelnen Worten im Buch reiten, statt zu versuchen den Sinn des Buches zu verstehen." Was ist "der Sinn"?, Das "das", das "darüber"? Leute, die meinen, dass jugendliche Gewalttäter hart bestraft gehören sind nun auch öffentlich nicht selten. Daraus Hartz-IV-Empfänger für überbezahlt zu erklären, haben ganze Lobbyverbände ihre Hauptexistenzberechtigung gezogen. Kann man sagen, dass Gewalttäter meistens jung sind, fast immer männlich, und überdurchschnittlich oft türkische Eltern oder Großeltern haben - zwar mit Zögern, aber mittlerweile geht das.
Sind sie alle nur verwirrt und weinerlich, verwechseln sie "man darf nicht", mit "es gibt große Teile der Öffentlichkeit, die das anders sehen?" Sicher auch. Vorallem aber scheint es doch darauf hinaus zu laufen: irgendwann muss man in all den Argumentationen sagen, dass Türken per se weniger Wert sind als Deutsche, sonst gehen sie nicht auf. Sobald man detailliert wird, wird man als Rassist angreifbar, bleibt man vage, kommt ein "darüber, "das", "der Sinn" heraus. Ewiges Diskussionsdilemma. Deshalb reden die einen jetzt auch über "einzelne Worte", Statistiken, Tabellen, die anderen über das vage Große und Ganze.
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Samstag, 4. September 2010
Freitag, 3. September 2010
Deep, down and dirty.
Panische Schafherden blöken laut, und so ein bißchen erinnert die deutsche Medienlandschaft ja an eine dauerpanische Schafherde. Kein Wunder, dass man neben Sarrazin gerade kaum etwas zum Thema Einwanderung hört. Aber wie die Schafherde so ist, sie wird weitertrotten, und Sarrazin taugt nicht genug als Demagoge um politisch je wirklich wichtig zu werden.
Wichtig hingegen ist die gesellschaftliche Strömung, auf die er aufsetzt. Vermutlich ist die Strömung nicht so groß, wie die Beschwerintensität vermuten lässt. Aber wenn die SPD sich schon genötigt sieht, sich bei ihren Mitgliedern für den Rausschmiss zu rechtfertigen, muss sie da sein. Aber was will sie, wohin strömt sie? Bis zum sozialdarwinistischen Kern seiner Thesen scheinen mir nur die wenigsten Leute Sarrazin zu folgen; dass sie alle rassistisch sind, ist zwar eine einladende Aussage, springt aber auch deutlich zu kurz.
Ich hatte ja schon mal gemutmaßt, wo Sarrazins Resonanzraum eigentlich hallt. Glücklicherweise aber haben wir ja mittlerweile Empörung 2.0, man kann dem Volk aufs Maul schauen, und ich mag es ja eher deep, down and dirty. Einfach mal konzentriert in die Kommentare einer Zeitung zum Thema schauen, was genau die Leute denn nun wollen. Die Zeit nehme ich, weil mir die selbst oft eher zu possierlich und gemessen ist, und ich hoffe, da eher den possierlich-gemessenen Teil der Internetempörten abzugreifen.
Natürlich gibt es ein paar Unwägbarkeiten zu beachten: Leute, die im Internet kommentieren, sind kein breiter Bevölkerungsschnitt. Die Zeit wird ihre Diskussion sicher moderieren, so dass die heftigeren Ausfälle und steileren Theorien nicht mehr im Kommentarstream auftauchen.
Ich nehme den Artikel Zurück ins Vorgestern, der einen allgemeinen Ansatz hat, so dass die Diskussion hoffentlich nicht in Detailfragen abgleitet. Mir geht es nicht darum, dass inhaltlich zu diskutieren. Erstmal will ich nur wissen, warum ein komischer Alter Mann solche Reaktionen auslösen kann.
Wichtig hingegen ist die gesellschaftliche Strömung, auf die er aufsetzt. Vermutlich ist die Strömung nicht so groß, wie die Beschwerintensität vermuten lässt. Aber wenn die SPD sich schon genötigt sieht, sich bei ihren Mitgliedern für den Rausschmiss zu rechtfertigen, muss sie da sein. Aber was will sie, wohin strömt sie? Bis zum sozialdarwinistischen Kern seiner Thesen scheinen mir nur die wenigsten Leute Sarrazin zu folgen; dass sie alle rassistisch sind, ist zwar eine einladende Aussage, springt aber auch deutlich zu kurz.
Ich hatte ja schon mal gemutmaßt, wo Sarrazins Resonanzraum eigentlich hallt. Glücklicherweise aber haben wir ja mittlerweile Empörung 2.0, man kann dem Volk aufs Maul schauen, und ich mag es ja eher deep, down and dirty. Einfach mal konzentriert in die Kommentare einer Zeitung zum Thema schauen, was genau die Leute denn nun wollen. Die Zeit nehme ich, weil mir die selbst oft eher zu possierlich und gemessen ist, und ich hoffe, da eher den possierlich-gemessenen Teil der Internetempörten abzugreifen.
Natürlich gibt es ein paar Unwägbarkeiten zu beachten: Leute, die im Internet kommentieren, sind kein breiter Bevölkerungsschnitt. Die Zeit wird ihre Diskussion sicher moderieren, so dass die heftigeren Ausfälle und steileren Theorien nicht mehr im Kommentarstream auftauchen.
Ich nehme den Artikel Zurück ins Vorgestern, der einen allgemeinen Ansatz hat, so dass die Diskussion hoffentlich nicht in Detailfragen abgleitet. Mir geht es nicht darum, dass inhaltlich zu diskutieren. Erstmal will ich nur wissen, warum ein komischer Alter Mann solche Reaktionen auslösen kann.
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