Stumm schauten wir der endlosen Kette der gelben Busse zu. Der Schienenersatzverkehr passierte uns im 15-Sekunden-Takt: Mariendorf-Tempelhof und zurück. Z bewegte Schultern und Oberkörper, ihre Hände tanzten auf raumgreifenden Pfaden durch die Luft. Wir hatten uns verabredet, um ein paar Fotos für einen Simone-Bildes-Tribut für ihr Insta zu machen. Sie mit Salto mit Schraube, ich wollte helfen, indem ich in der Gegend stand.
Aber wir planten nicht. Sie hatte meinen Blick gesehen, der nicht zum Reden einlud. Ich seufzte: „Warum schreiben Menschen so anstrengende Sachen ins Internet? Warum lese ich das?“
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| Chaucer: Tales of Canterbury. Aus dem Ellesmere-Manuskript. |
Während ich auf Z gewartet hatte, hatte ich durch Twitter gescrollt. Immer mehr kam mir die Plattform vor, wie alte Menschen, die ihren Fernseher anschreien - immer aggressiv, nie komplett falsch, nie ganz richtig und sinnlos. Aufregung über Themen, die weit außerhalb der eigenen Wirkungs- und Kompetenzsphäre lagen.
„Nimm zum Beispiel die USA“, fing ich an. Ich wusste, dass Z - als Absolventin der University of Arkansas in Northern Mississippi - mich verstehen würde. „Ich ging in Mississippi zur Schule“, fing ich an, „Was Vorurteile angeht die USA der USA. Mississippi ist der Bundesstaat mit der ärmsten Bevölkerung, der niedrigsten Bildung, den meisten fundamentalistischen Christen, einem krassen Rassismus.
Und doch: Mississippi ist auch der Staat, in dem die Stadtregierung in der Hauptstadt Jackson gibt, die eine progressive Gesellschaft mit sozialistischen Wurzeln als Keimzelle einer sozialistisch-utopischen Region schaffen will. Oder meine persönlichen Erfahrungen: so furchtbar das Bildungssystem in vielerlei Hinsicht war: Von den sieben Lehrern, die mich in Mississippi unterrichteten hatte, waren drei herausragend. Eine Quote, die meine deutsche Schulen niemals erreichten.“
Inspiriert durch Blogposts von Herrn Rau und Poupous geheimen Laboratorium, dachte ich über Schullektüren nach.

