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Dienstag, 18. Oktober 2022

22-10-18 Die immerwährende Querdenker-Demo

Alle paar Wochen fahre ich Dienstagabend durch die Schloßstraße in Berlin-Steglitz. Zu anderen Zeiten bin ich dort nie. Jeden Dienstagabend findet in der Schloßstraße eine Mini-Querdenker-Demo statt. Oder aus meiner Perspektive: seit einigen Jahren demonstriert eine handvoll Menschen ununterbrochen gegen Corona-Maßnahmen.

Etwa fünf bis 50 Menschen stehen auf dem Mittelstreifen der Straße und halten Poster für den Autoverkehr hoch. Diese bemängeln "Impfzwang", "Freiheitsverlust" und "Pharmalobby." Die Demonstrierenden sind überraschend homogen: Steglitzer Bürgertum zwischen 45 und 65 Jahren. Die Themen sind überraschend konsistent: anders als andere Querdenker blieben sie dem Thema Corona treu. Was angesichts des who-cares-about-Corona-Sommers 2022 dieses Jahr eher wie historisches Re-Enactment wirkte als wie eine echte Demo. "Weißt Du noch damals - Corona?"

Bis auf heute: ein einsamer Mensch hatte ein "Deutschland aus der NATO - NATO aus Deutschland"-Plakat in der Hand. Was angesichts der Demo drumherum so wirkte als würde das NATO-Hauptquartier Coronaimpfungen durchführen.

Während ich also Transpis gegen die Pharmalobby las, versuchte Madame einer Apothekerin ein Erkältungs-Medikament abzukaufen. Die Apothekerin wollte nicht. Erst, weil das Mittel nicht pflanzlich nicht. Dann, weil es ein preiswerteres Generikum gibt (also im Prinzip, nur halt jetzt in der Apotheke nicht). Erst auf den Hinweis hin, dass die Apothekerin direkt vor einem ganzen Meter Ausstellfläche mit genau diesem Medikament steht, veranlasste sie zum Verkauf. 

In der Schloßstraße geriet ich in eine Buchhandlung. Ich sah einen Roman mit einer Schwimmerin auf dem Cover und musste schmökern. Auf Seite 2 ein Hinweis "Dieses Werk enthält Schilderungen sexueller und psychischer Gewalttaten." und wie schon damals bei den "Parental advisory - Explicit content"-Aufklebern fragte ich mich, ob es eher Warnung oder Anpreisung ist. Mir klang das ganze Buch auf jeden Fall zu anstrengend.

Weniger anstrengend, aber auch interessant. Neues von Insel. Heise.de war auf Helgoland und hat sich erkundigt, wie der neue Dreiklang aus Tourismus, Forschung und Offshore-Windkraft funktioniert und was zur Wasserstoff-Gewinnung geplant ist: Helgoland, die Offshore-Industrie und der grüne Wasserstoff.

Sonntag, 28. August 2022

22-08-28 Modderrobben


Wir führten die Diskussion, von der wir Gesamtgesellschaftlich ebenso wie innerfamiliär noch einige vor uns haben: Gaspreisdiskusionen. Wo hört "Wohlstandseinbuße" auf und wo fängt "Ausziehen, Gas abgeschaltet bekommen, auf's Essen verzichten" an. Es wird ein ungemütlicher Winter.

Hoffnung auf wieder sinkende Preise und gedanklichen Eskapismus. Helgoland ist so vom Seeklima geprägt, dass Frosttage dort quasi nicht vorkommen. Seit Jahrzehnten zieht man auf Helogoland Palmen und andere Pflanzen, die mitteleuropäische Winter eigentlich nicht überleben.

Ein Zimmer in der Jugendherberge kostet 30 Euro /Nacht. Es gibt einen Zeltplatz auf der Düne. Kein anderer Ort Deutschlands ist so artenreich wie die Insel. Nirgendwo ist soviel Nordsee.

An Land fuhren Madame und ich nach Westerkoog Nordseeschwimmen. Unser Tidentiming war nicht perfekt, wir schwankten zwischen Schwimmen und Moderrobben. 

Madame bestieg Wagen 9 nach Berlin. Die Stadt, in der der Senat offensichtlich eine Goldader fand und das 9-Euro-Ticket verlängern will. 

Löffellisten sind die deutsche Form der englischen Bucket List. Englisch "to kick the bucket" = sterben. Bucket List = Sachen, die man davor erleben will. Löffelliste = Sachen vor der Löffelabgabe. Dies lernte ich gestern. Und zu meiner großen Überraschung wird der Begriff im Deutschen unironisch verwendet. 

Samstag, 27. August 2022

22-08-27 Eine Woche Insel für die Löffelliste



Im strahlenden Sonnenschein fuhren wir zur Insel. Direkt umgeben von einer bayerischen Reisegruppe und dänischen Rauchern. Einige Meter weiter entfernt: die offene Nordsee, Wellen, Wind, strahlender Sonnenschein. Meer! Reise Reise!

Auf der Insel: Basstölpel. So stelle ich mir Albatrosse in klein vor. Elegante Flieger, todschicke Form, wie der Traum eines Seevogels.

Apropos Traum: einmal nach 16:00 Uhr auf der Insel bleiben. Einmal ein paar Tage fast allein mit den Vögeln und dem Wind. Einmal ohne das-Schiff-fährt-demnächst-wieder-ab-Druck im Hintergrund. 

Einmal eine Woche tagsüber auf der Düne lesen und neben den Seehunden Baden, abends dann entspannt an den Klippen vorbeistromern. Ein Ziel für die Löffelliste.