Mittwoch, 6. Dezember 2017

Die Überlaufrinne im Schwimmbad. Von Wiesbaden nach St. Moritz.

Die wunderbare Welt der Überlaufrinnen im Schwimmbad. Wen würde sie nicht faszinieren?  Eine Halbröhre, in der Gebrauchswasser fließt. Und doch evozieren die Überlaufrinnen in ihren Namen die weite Welt: von Finnland über Zürich nach St. Moritz.  Sie geben dem Schwimmer halt, und sorgen dafür, dass wir Schwimmen gehen können ohne krank zu werden. Allein durch ihre Existenz trennen sie das ernstzunehmende öffentliche Bad vom kleinen privaten Pool.

Nicht zuletzt prägen Überlaufrinnen die Optik und Akustik eines Bades. Ein Schwimmbecken ohne Überlaufrinne sieht falsch aus. Zumindest die älteren Modelle erzeugen dieses charakteristische „Schwapp“.

Die schönste: Finnland. Bild: Agrob Buchtal Gmbh.


Und dennoch: Die armen Überlaufrinne; missachtet, kaum wahrgenommen. Die Überlaufrinne: Gerne übersehen und doch essentiell.

Allgemein


Schwimmbäder sind Gebäude, die nicht sein sollten. Die dem Schwimmbad innewohnende Kombination von Wasser und Bauwerk verstößt gegen Grundsätze des Baus an sich. Gebäude sollten im Allgemeinen trocken sein. Wasser, und erst recht nicht warmes, stehendes Wasser, sollte nicht von vielen Menschen gleichzeitig genutzt werden. Bakterien und Krankheitserreger lieben warmes, stehendes Wasser.

Freitag, 1. Dezember 2017

Schwimmbad Berlin: Paracelsusbad Reinickendorf

Reinickendorf.  Nord-Berlin. Irgendwo zwischen Autobahn, flachem Land und Flughafen Tegel. Die einzige Hoffnung des Bezirks auf überregionale Bekanntheit sind die Handballer der Reinickendorfer Füchse – die natürlich längst in Mitte spielen - und die gelegentliche Schlägerei auf einer U-Bahn-Station.

Auf dem Weg zum Paracelsusbad passiere ich eine Schokoladenfabrik und eine Schraubenfabrik, zwei Discount-Baumärkte, Netto, Lidl, Sozialbauten aus den 1920ern und Sozialbauten aus den 1970ern. Hier ist nicht das schicke, hippe Berlin der Innenstadt aber auch nicht das wilde Berlin des Gesundbrunnens. Hier lebt Kleinbürgertum mit wenig Geld. Für den Rest Berlins halte ich mich in der terra incognita auf. Wohnen dort überhaupt Menschen? Gibt es dort Schwimmbäder?



Ja, dort wohnen Menschen. Und sie verfügen über ein Prachtschwimmbad. Fast möchte ich sagen: Dort steht ein Schwimmtempel. Das letzte der echten Stadtbäder, die noch mehr Hygienepalast als Schwimmhalle sein wollten. Ein riesiger Bau, eine Schwimmhalle mit Tribüne, hoher Decke und diesem schicken Dach.



Das 1957 bis 1960 gebaute Paracelsusbad war das erste neue Berliner Hallenbad nach dem Krieg.  Tatsächlich entstand hier das erste städtische Bad seit den 1920ern. Mit Breitensportschwimmen hatten es die Nazis anscheinend gar nicht.  Das Bad in Reinickendorf orientierte sich in Idee und Ausstattung sichtlich an den Symbolbauten wie dem Stadtbad Mitte oder dem Stadtbad Neukölln.