Samstag, 30. Dezember 2017

Sara + Gina = BFF💓💓💓

Die deutsche Sprache kennt 32 Wörter fĂŒr Regen. Mindestens 16 von diesen ließen sich an diesem Brandenburger SpĂ€tabend anwenden. Ein Zug soll kommen, in ihm Ms Fluffy. Sie kommt mit der S-Bahn aus Berlin, sprintet dann in Hennigsdorf einmal den Bahnsteig entlang zur Regionalbahn Neuruppin und dann nach Kremmen.

Ein Bahnhof. Ein Bahnsteig. Zwei Gleise. Eines davon endet hier. Ein großer Parkplatz fĂŒr den Pendelverkehr nach Berlin. Pionierfauna neben dem Funkmast. Ein Funkmast, ein Überbleibsel von DDR-Truppen? Das BahnhofsgebĂ€ude ist als solches nicht mehr in Betrieb. Vor einigen Jahren hingen hier neue Schilder mit dem Hinweis auf einen Kiosk. Vom Kiosk selber war nie etwas zu sehen. Die Schilder verschwanden mittlerweile auch wieder.



Auf der anderen Seite der Gleise: GebĂŒsch, Wald, PflanzengerĂŒmpel. Vielleicht fliegt einmal ein Rotmilan vorbei.

Montag, 25. Dezember 2017

Wir wir dreimal in Nazareth durch den Kreisverkehr fuhren und den auf Knien rutschenden Indern folgten, um den wahren Grund zu erfahren, warum die Innerdeutsche Mauer fiel

Dieses kleine Land Israel: halb so groß wie Niedersachsen. In Israel leben Ă€hnlich viele Menschen  wie zwischen Nordsee und Harz. WĂ€hrend es aber anscheinend selbst den Oldenburgern, EmslĂ€ndern, Heidjern und Hann.MĂŒndenern schwerfĂ€llt, Begeisterung und Interesse am eigenen Land zu entfalten, fiebert die halbe Weltgemeinschaft mit, um und gegen Israel.

Das Land zwischen GalilĂ€a und Negev, See Genezareth und Eilat lĂ€sst die Menschen nicht ruhen. Das Land, das in vielerlei Hinsicht so wirkt, als wĂ€re es jenseits von Raum und Zeit und das doch gleichzeitig so gegenwĂ€rtig, erdgebunden und im hier und jetzt prĂ€sent ist. Das Land, in dem sich mit der Grabeskirche der heiligste Ort der Christenheit befindet – und dieser wiederum berĂŒhmt ist durch eine Holzleiter, die aus politischen GrĂŒnden seit ĂŒber 100 Jahren nicht von der Stelle gerĂŒckt werden kann. Aber christliche Pilger mĂŒssen sich im Land nicht nur mit der Grabeskirche begnĂŒgen.




Madame und ich sitzen im kleinen Miet-Toyota irgendwo in den Bergen GalilĂ€as. Feierabendverkehrsstau. Pick-Up-Trucks um uns herum, japanische Groß- und Kleinwagen. Von rechts mĂŒndet eine Straße in die unsere, was fast obligatorisch Hupen, Blinken und Gestikulieren hervorruft. Im RĂŒckspiegel kann ich Mutter und Teen-Tochter im Kopftuch beobachten, die gerade wild zu einer mir unhörbaren Musik singen.

„Schau mal“, spricht mich Madame an. „Die Miracle Bar“ und gleich daneben der Supermarkt „Miracle Shopping“ und ein großes HochzeitsgeschĂ€ft „World of Miracles“. „Weißt Du, wo wir sind?“ „Nö, interessiert mich auch grad nicht wirklich. Ich bin noch damit beschĂ€ftigt, nicht im Kleinlaster von links zu landen.“ Eine gute Viertelstunde Feierabendstau und 500 Meter spĂ€ter erreichen wir ein Schild. Ach schau, „Kana“. Der Ort der Hochzeit:

Montag, 18. Dezember 2017

Schwimmbad Berlin: Schwimmhalle Buch

Wenn Du ĂŒber weite Felder gefahren bist, die Windkraftanlagen passiert hast, ein kleines niedliches Dorfzentrum durchfuhrest und dann immer noch ein StĂŒck durch die Gegend musst: dann besuchst du kein Berlin Innenstadtbad mehr. Willkommen in Berlin-Buch, am Ă€ußersten Nordende Pankows und damit auch am Nordende Berlins. Dort, wo die Stadt schon denkt, sie wĂ€re die Uckermark.

Aber selbst hier hinter den sieben HĂŒgeln gilt die Ostberlin-Regel: Du bist noch nicht am Schwimmbad, wenn Du keine Plattenbauten siehst. Auch hier, gebaut wortwörtlich auf der grĂŒnen Wiese und von dieser umgeben, liegt mitten an der Grenze zwischen Alt-Karow und Buch ein kleines Neubaugebiet des SpĂ€tsozialismus: einige HochhĂ€user, eine Schule und ein Schwimmbad.

Hier endete die DDR. Das Neubaugebiet entstanden Ende der 1980er. Die Schwimmhalle wurde erst begonnen Anfang der 1990er aber noch im DDR-Entwurf. Dass hier „das Ende“ war, sieht man. Nach rechts das Wohngebiet. Das links die Wiese. BĂŒsche, Trampelpfade, Ende der Welt. Hier verlor die DDR den Elan, der bis heute nicht wieder kam. Buch wartet hier noch darauf hinauf, dass die Nachwende-NeuzuzĂŒgler-Welle auch hierhin schwemmt.



Das Schwimmbad, ein Typbau. Von mir informell als Volksschwimmhalle Typ D bezeichnet, sachlich richtiger handelt es sich um die „Schwimmhalle Berlin 83 – Typ Berlin“. Ein Achtzigerjahre-Nachfolger der Volksschwimmhalle Typ C, in Berlin zum Beispiel gebaut am Ernst-ThĂ€lmann-Park oder in Hohenschönhausen/Zingster Straße, in Potsdam beim Kiezbad am Stern.

Dienstag, 12. Dezember 2017

Schwimmen Israel: En Bokek, Totes Meer

Am Toten Meer erlebte ich das eigentĂŒmlichste Badeerlebnis, das ich je hatte. Das krasseste Badeerlebnis meines Lebens. Ein Baden, bei dem ich in seiner Einzigartigkeit Zweifel habe, ob je ein anderer Bad- oder Strandbesuch herankommen wird. Willkommen am Toten Meer.

Ein See aus Salz und Mineralien liegt in einer Gegend, fĂŒr die zu beschreiben mir noch immer  die Worte fehlen. Dieser Graben in der WĂŒste Negev, in seinen Dimensionen, seiner EindrĂŒcklichkeit und Vehemenz: Es ist alttestamentarisch: Man sieht die brennenden BĂŒsche, Feuerseen vom Himmel, den strafenden Gott und die Verlockungen durch den Teufel fast bildlich vor sich, wĂ€hrend man sich hier bewegt. Seitdem ich die Gegend zum Alten Testament sah, glaube ich fast alles wortwörtlich, was dort geschrieben steht. Hier scheint alles möglich.



Am Toten Meer selbst liegt dann ein so unpassend wirkender wie erwartbarer Badeort, in dem sich fast nur Russen aufhalten. Menschen gehen in ein Wasser, dass sie offensichtlich gar nicht haben will. Wasser das einen schon nicht mehr trĂ€gt, fast schon abstĂ¶ĂŸt und von sich wirft. Um es kurz zu machen: wenn man Wasser schluckt, soll man sofort zum Notarzt. Den Schlamm zum Wasser aber schmieren sich Menschen begeistert auf den Körper. So ist das in En Bokek.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Die Überlaufrinne im Schwimmbad. Von Wiesbaden nach St. Moritz.

Die wunderbare Welt der Überlaufrinnen im Schwimmbad. Wen wĂŒrde sie nicht faszinieren?  Eine Halbröhre, in der Gebrauchswasser fließt. Und doch evozieren die Überlaufrinnen in ihren Namen die weite Welt: von Finnland ĂŒber ZĂŒrich nach St. Moritz.  Sie geben dem Schwimmer halt, und sorgen dafĂŒr, dass wir Schwimmen gehen können ohne krank zu werden. Allein durch ihre Existenz trennen sie das ernstzunehmende öffentliche Bad vom kleinen privaten Pool.

Nicht zuletzt prĂ€gen Überlaufrinnen die Optik und Akustik eines Bades. Ein Schwimmbecken ohne Überlaufrinne sieht falsch aus. Zumindest die Ă€lteren Modelle erzeugen dieses charakteristische „Schwapp“.

Die schönste: Finnland. Bild: Agrob Buchtal Gmbh.


Und dennoch: Die armen Überlaufrinne; missachtet, kaum wahrgenommen. Die Überlaufrinne: Gerne ĂŒbersehen und doch essentiell.

Allgemein


SchwimmbĂ€der sind GebĂ€ude, die nicht sein sollten. Die dem Schwimmbad innewohnende Kombination von Wasser und Bauwerk verstĂ¶ĂŸt gegen GrundsĂ€tze des Baus an sich. GebĂ€ude sollten im Allgemeinen trocken sein. Wasser, und erst recht nicht warmes, stehendes Wasser, sollte nicht von vielen Menschen gleichzeitig genutzt werden. Bakterien und Krankheitserreger lieben warmes, stehendes Wasser.

Freitag, 1. Dezember 2017

Schwimmbad Berlin: Paracelsusbad Reinickendorf

Reinickendorf.  Nord-Berlin. Irgendwo zwischen Autobahn, flachem Land und Flughafen Tegel. Die einzige Hoffnung des Bezirks auf ĂŒberregionale Bekanntheit sind die Handballer der Reinickendorfer FĂŒchse – die natĂŒrlich lĂ€ngst in Mitte spielen - und die gelegentliche SchlĂ€gerei auf einer U-Bahn-Station.

Auf dem Weg zum Paracelsusbad passiere ich eine Schokoladenfabrik und eine Schraubenfabrik, zwei Discount-BaumĂ€rkte, Netto, Lidl, Sozialbauten aus den 1920ern und Sozialbauten aus den 1970ern. Hier ist nicht das schicke, hippe Berlin der Innenstadt aber auch nicht das wilde Berlin des Gesundbrunnens. Hier lebt KleinbĂŒrgertum mit wenig Geld. FĂŒr den Rest Berlins halte ich mich in der terra incognita auf. Wohnen dort ĂŒberhaupt Menschen? Gibt es dort SchwimmbĂ€der?



Ja, dort wohnen Menschen. Und sie verfĂŒgen ĂŒber ein Prachtschwimmbad. Fast möchte ich sagen: Dort steht ein Schwimmtempel. Das letzte der echten StadtbĂ€der, die noch mehr Hygienepalast als Schwimmhalle sein wollten. Ein riesiger Bau, eine Schwimmhalle mit TribĂŒne, hoher Decke und diesem schicken Dach.



Das 1957 bis 1960 gebaute Paracelsusbad war das erste neue Berliner Hallenbad nach dem Krieg.  TatsĂ€chlich entstand hier das erste stĂ€dtische Bad seit den 1920ern. Mit Breitensportschwimmen hatten es die Nazis anscheinend gar nicht.  Das Bad in Reinickendorf orientierte sich in Idee und Ausstattung sichtlich an den Symbolbauten wie dem Stadtbad Mitte oder dem Stadtbad Neukölln.