Mittwoch, 16. August 2017

Resist to Exist - The Kids are alright


Nach Wacken geht’s zum Kacken.
Der Antifaschist fährt zum Resist.
Auch wenn es pisst. (Henne, Sänger von Rawside)

Junge Männer klettern auf den Bühnenzaun, schwenken die Fahne der Antifaschistischen Aktion. Die Ordnerin mit Union-Berlin-Käppi rennt herbei, versucht sie wieder herunter zu bewegen. Die dünne junge Frau mit der Rockabilly-Frisur, den Docs und dem „No Pasaran“-Tattoo bindet sich derweil die Haare, während zwei andere junge Frauen mit blonden bzw. blauen Haaren dem Typ mit dem halbnackten Oberkörper Schlamm ins Gesicht schmieren. Auf der Bühne rührt ein Russe mit Eishockeytorwartmaske, weißen Markenturnschuhen (wie hat er die in diesem Schlamm so weiß gehalten) irgendwas über Widerstand.

Nebenan, im Kuhstall, die Punks in den Polizeiuniformen, lassen es sich im Backstagebereich gutgehen.  Verkaufsstände verkaufen „NZS BXN!“-T-Shirts, der Drugstore von der Potse in Berlin Schöneberg verkauft Solischnapps und die tschechische Antifa hat einen eigenen Merchandise-Stand.
Willkommen im Dorfe in Brandenburg.




Resist to Exist, existiert seit 2003. 2.500 Punks und Freunde aus Deutschland und Europa hören Punk, Hardcore, Streetcore, HC-Rap und Ska. Ursprünglich aus Berlin-Marzahn,  findet das Festival mittlerweile in Kremmen statt: 3000 Einwohner, zwischen Berlin und Neuruppin, umgeben von Rhinluch mit Kremmener See, Schloss Schwante, Schloss Grossziethen, viel Lehm, viel Sand ein wenig Wald, ein Spargelhof und ein Selbstpflücker-Gemüsefeld.

Donnerstag, 10. August 2017

Schwimmbäder nah und fern: Blu, Potsdam

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute: Das Blu in Potsdam

Der Laie staunt und der Experte noch viel mehr: es steht ein neues, zeitgemäßes, Bad im Großraum Berlin. Es hat nicht nur einen großen, bunten Spaßbereich, sondern auch noch ein Sportbecken im Olympiaformat.

Nachdem bisher im Berliner Raum die Fahne der Multifunktionsbäder eher schlecht als recht vom Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg und dem Turmcenter Oranienburg hochgehalten wurde, die Berliner Neubauplanungen für ein modernes Multifunktionsbad halt dort stecken wo Berliner Neubauplanungen immer stecken, springt Potsdam ein. Nahezu im Zeitplan, aufwendig, an zentraler Lage neben dem Hauptbahnhof, entstand ein neuer Schwimmtempel. Der Tempel eröffnete fast im Zeitplan und nur zwei Wochen, nachdem das Vorgängerbad schloss, im Sommer 2017.



Das Blu trat dabei ein schweres Erbe an. Der Vorgänger, das Bad am Brauhausberg, gehörte zu meinen liebsten Bädern aller Zeiten.

Donnerstag, 3. August 2017

Der kleine Apfel James Grieve

Es war einmal ein kleiner Apfel. Der kümmerte vor sich hin. Während seine große Schwester wuchs und wuchs, die später nachgepflanzte Birne zum Überholen ansetzte und selbst die aus dem Nichts auftauchende Mirabelle den Apfel schon bald überragte, mückerte der kleine Apfel. War es die Wühlmaus? Die Brandenburger Trockenheit? Oder doch eine Kombination der beiden?

Bis eines Jahres ein Unwetter das nächste jagte. Die Menschen konnten gar nicht rechtzeitig die Schlauchboote aus dem Keller holen konnten, bevor sie dort schon wieder gebraucht wurden. Weiden wandelten sich in Seen, Äcker in Feuchtgebiete. Auf jedem Quadratzentimeter lebten eine Fantastilliarden Mücken - und der Apfel wuchs und wuchs.



In unserem Garten, der noch vor recht kurzer Zeit ein Acker war, also rein und leer, stehen mittlerweile zwei Äpfel: Alkmene und James Grieve.  Beide bekamen wir von unseren Eltern geschenkt, beide holten wir wurzelnackt aus einer Brandenburger Baumschule bei Werder – Obstbaumgebiet. Gezüchtet und gewachsen sind sie in einem Klima, das dem unseren ähnlich ist. Während Alkmene sich von Anfang an prächtig machte, Äste nach links und rechts und oben ausstreckte, der Stamm an Größe und Masse zulegte, als würden wir ihn mit Apfel-Anabolika füttern,  kümmerte James Grieve vor sich hin.

War es die Wühlmaus, die in der Nähe tätig war und dem Flachwurzler ganz besonders zusetzte? Die ungünstigere Stelle mit mehr Wind? Oder braucht der in Schottland gefundene James Grieve trotz aller gegenteiligen Händlerbeteuerungen doch mehr Wasser als die in Brandenburg gezüchtete Alkmene?

Man soll nicht immer nur auf die Äpfel achten. Links ein James-Grieve-Blatt: länglich, glatt, elegant. Rechts Alkmene: runder, höher/dreidimensionaler, gebogen und mit kurzem Stil.


Aber James Grieve kommt. Die Gespinstmotten des Frühsommers scheint der Baum überstanden zu haben. Dieses Jahr ist der Baum als Baum zu erkennen. Mittlerweile überragt er mich deutlich. Ich muss meine Arme ausstrecken um an die Spitzen der Äste zu gelangen, und auch mit einer Hand umfassen lässt der Stamm sich nur noch mühselig. Madame begann dieses Jahr das erste mal die Äste zu erziehen, herunterzubinden und festzuziehen - schließlich wollen wir aus ästhetischen und prgamatischen Gründen lieber einen Apfel mit breiter Krone in Griffhöhe als einen schmalen hohen Baum.

Weil das mit den Blättern so nett ist, hier die Rückseite. Lang/glatt (James Grieve) lässt sich auch rückwärtig von rund/strukturiert (Alkmene) unterscheiden.


Und obwohl 2017 ein berauschend schlechtes Apfeljahr in Berlin/Brandenburg wird, scheint James Grieve Äpfel tragen. Vier Früchte hängen noch am Baum. Aber noch sieht es gut aus. Sollte 2017 das Durchbruchsjahr für den James Grieve im Ländchen Glien werden?