Mittwoch, 30. August 2017

Film mit Schaf / انشالله استفدت

Im jordanischen Nichts. Sand, vollgestellt mit Autos. Abu Wafa - der Cousin - quetscht sich durch das Labyrinth, hat rechts in Schaf – ein einheimisches! – am Schlaffitchen, rechts versucht er mit Ahmed Taher zu telefonieren, der ihm Neuigkeiten aus dem Gefängnis erzählt. Das Schaf entwischt, der Cousin wuselt durch die Autos hinterher, dabei das Handygespräch vergessend. Hinterherhetzend hinter dem Eigentum, während links und rechts die Umwelt auf einen einstützt. Willkommen im Film: Gelobt sei der kleine Betrüger / Inshalla Istafadet.

Der Film folgt Ahmed Taher, Kleinstunternehmer im Bauwesen, der 1.800 Dinar erhielt um damit eine Mauer zu bauen. Tatsächlich lieh Taher die Dinare seinem Cousin Abu Wafa, der damit Laptops aus Kanada importierte, um sie teuer zu verkaufen. Die Laptops aber hängen seit Wochen oder Monaten im Zoll fest, bis Ahmed Taher schließlich ins Gefängnis kommt. Denn weder baute er die Mauer, noch kann er das Geld zurückzahlen. Das „Verfahren“, ein gelangweilter Richter, der anscheinend nach Laune handelt und ganz ungläubig wird, als Ahmad wegen nur drei Monaten Haft nach einem Anwalt fragt. Das Gefängnis: Mitgefangene, die ungläubig staunen, dass es um Petitessen wie 1.800 Dinar geht.




Blessed Benefit - auf Deutsch: Gelobt sei der kleine Betrüger, auf Arabisch: انشالله استفدت (Inshalla Istafadet; wörtlich "Mit Gottes Wille Profit") - ist der dritte Film des jordanischen Regisseurs Mahmoud Al Massad.

Montag, 28. August 2017

Kultur in Iberty! Eine Übersicht.

Schwimmbäder, Traktoren, Äpfel und Schafe. Die heilige Quartilität von Iberty. Doch es gibt mehr. Selbst in diesem Blog. Auch wenn ich tendeziell lieber draußen bin als drinnen, so gibt es doch auch schönes und berichtenswertes, dass sich in geschlossenen Räumen, beim Kino sogar in fensterlosen Räumen, abspielt und das seinen Weg in Einträge dieses Blogs findet. Um diese einfacher und besser wiederzufinden, hier ist die Sammlung:

Ausgehen

 

Branle. Vom Renaissancedorfplatz zum Barockhof  - Beim historischen Tanz im Februar 2017

Everybody loves to Cha-Cha-Cha  - Tanzen!

Haarfarben in den ersten zwei Reihen des Gottesdienstes zum 4. Advent in der Paul-Gerhardt-Kirche, Berlin-Schöneberg

Kirchentag 2017 – #smartchurch, #onlinepranger, Psalm139 - Drei Tage auf dem Kirchentag in Berlin



Nachos zum Schwanensee - Wie sieht es aus, wenn man ein Weihnachtsreiseballett besucht.

Nachtzug. Die Zukunft, die nicht mehr wird - Als Luxus noch Zukunft war. 

Resist to Exist - The Kids are alright  - DIY-Punkfestival in Brandenburg

Schritt – Plié – Schritt – Schritt – Schritt – Plié. Menuett im Gemeindehaus -Tanzen. Ü300. Nur Tänze älter als 300 Jahre

Lesen

Dienstag, 22. August 2017

Schwimmbäder nah und fern: Prinzenbad, Berlin-Kreuzberg

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Das Prinzenbad.

Manche Liebe dauert länger. Auch wenn ich alle Schwimmbäder irgendwie ja doch liebe, taten Prinzenbad und ich uns schwer miteinander.

Da war zum einen der Hype: das Prinzenbad ist DAS Berliner Bad, glaubt man Zeitungen und Zeitschriften, Büchern und Filmen. Und dann war da das Bad selbst – eher durchschnittlich in der Anlage, das Publikum zu homogen, zu jung und zu schön. Bei den Sanitäranlagen handelte es sich um eine wenig bemerkenswerte Achtziger-Jahre-Anlage. Wenn man da an die echten Berliner Perlen und Charakterbäder denkt wie das Paracelsusbad, das Stadtbad Mitte, das Columbiabad, das Bad Zingster Straße, die Finckensteinallee, das Stadtbad Neukölln, oder die Holzmarktstraße, dann steht man staunend vor dem Prinzenbad. Warum machen die alle so ein Gewese?

Einzig die vorbeirauschende U1-Strecke der U-Bahn bietet etwas Flair. Und ausgerechnet dieses Bad rechtfertigt ein eigenes Blog, ein eigenes Buch, unfassbare Besucherzahlen und einen Dokumentarfilm? Dafür, wie durchschnittlich dieses Bad eigentlich ist, war mir der Hype immer zu heftig.



Aber dann, doch noch. Letztlich kann ich einfach nicht in ein Schwimmbad gehen, ohne hingerissen zu sein. Ich war beim letzten Besuch schon anfangsversöhnt, weil ich einen jungen Mann sah, der mit einem Stift längeren Text in ein Notizbuch schrieb und dann eine Frau, die mit einer Staatsbibliothek-Berlin-Tüte auf dem Handtuch saß.

Und dann, ich stand ich am hinteren Ende des Sportbeckens. Das Licht entwickelte sich Richtung abendlicher Färbung, durch eine Lücke in den Bäumen hindurch sah ich die Dachspitzen des Neuen Kreuzberger Zentrums – 70/80er-Jahre-Betonhochhäuser mit versuchtem Design; über diesem umrundete vor oranger-roter-Himmel ein Schwarm Krähen futuristische Fernsehantennen und Dachaufbauten. Diese nostalgische Achtziger-Siebziger-Jahre-Moderne, ein mittelbedrohlicher Vogelschwarm im Sonnenuntergang; ein Endzeit-Cyberpunk-Ausblick, während ich selbst in der Sonne im Freibad stehe. Und da hatte das Prinzenbad auch mich gepackt und ich war begeistert.

Mittwoch, 16. August 2017

Resist to Exist - The Kids are alright


Nach Wacken geht’s zum Kacken.
Der Antifaschist fährt zum Resist.
Auch wenn es pisst. (Henne, Sänger von Rawside)

Junge Männer klettern auf den Bühnenzaun, schwenken die Fahne der Antifaschistischen Aktion. Die Ordnerin mit Union-Berlin-Käppi rennt herbei, versucht sie wieder herunter zu bewegen. Die dünne junge Frau mit der Rockabilly-Frisur, den Docs und dem „No Pasaran“-Tattoo bindet sich derweil die Haare, während zwei andere junge Frauen mit blonden bzw. blauen Haaren dem Typ mit dem halbnackten Oberkörper Schlamm ins Gesicht schmieren. Auf der Bühne rührt ein Russe mit Eishockeytorwartmaske, weißen Markenturnschuhen (wie hat er die in diesem Schlamm so weiß gehalten) irgendwas über Widerstand.

Nebenan, im Kuhstall, die Punks in den Polizeiuniformen, lassen es sich im Backstagebereich gutgehen.  Verkaufsstände verkaufen „NZS BXN!“-T-Shirts, der Drugstore von der Potse in Berlin Schöneberg verkauft Solischnapps und die tschechische Antifa hat einen eigenen Merchandise-Stand.
Willkommen im Dorfe in Brandenburg.




Resist to Exist, existiert seit 2003. 2.500 Punks und Freunde aus Deutschland und Europa hören Punk, Hardcore, Streetcore, HC-Rap und Ska. Ursprünglich aus Berlin-Marzahn,  findet das Festival mittlerweile in Kremmen statt: 3000 Einwohner, zwischen Berlin und Neuruppin, umgeben von Rhinluch mit Kremmener See, Schloss Schwante, Schloss Grossziethen, viel Lehm, viel Sand ein wenig Wald, ein Spargelhof und ein Selbstpflücker-Gemüsefeld.

Donnerstag, 10. August 2017

Schwimmbäder nah und fern: Blu, Potsdam

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute: Das Blu in Potsdam

Der Laie staunt und der Experte noch viel mehr: es steht ein neues, zeitgemäßes, Bad im Großraum Berlin. Es hat nicht nur einen großen, bunten Spaßbereich, sondern auch noch ein Sportbecken im Olympiaformat.

Nachdem bisher im Berliner Raum die Fahne der Multifunktionsbäder eher schlecht als recht vom Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg und dem Turmcenter Oranienburg hochgehalten wurde, die Berliner Neubauplanungen für ein modernes Multifunktionsbad halt dort stecken wo Berliner Neubauplanungen immer stecken, springt Potsdam ein. Nahezu im Zeitplan, aufwendig, an zentraler Lage neben dem Hauptbahnhof, entstand ein neuer Schwimmtempel. Der Tempel eröffnete fast im Zeitplan und nur zwei Wochen, nachdem das Vorgängerbad schloss, im Sommer 2017.



Das Blu trat dabei ein schweres Erbe an. Der Vorgänger, das Bad am Brauhausberg, gehörte zu meinen liebsten Bädern aller Zeiten.

Donnerstag, 3. August 2017

Der kleine Apfel James Grieve

Es war einmal ein kleiner Apfel. Der kümmerte vor sich hin. Während seine große Schwester wuchs und wuchs, die später nachgepflanzte Birne zum Überholen ansetzte und selbst die aus dem Nichts auftauchende Mirabelle den Apfel schon bald überragte, mückerte der kleine Apfel. War es die Wühlmaus? Die Brandenburger Trockenheit? Oder doch eine Kombination der beiden?

Bis eines Jahres ein Unwetter das nächste jagte. Die Menschen konnten gar nicht rechtzeitig die Schlauchboote aus dem Keller holen konnten, bevor sie dort schon wieder gebraucht wurden. Weiden wandelten sich in Seen, Äcker in Feuchtgebiete. Auf jedem Quadratzentimeter lebten eine Fantastilliarden Mücken - und der Apfel wuchs und wuchs.



In unserem Garten, der noch vor recht kurzer Zeit ein Acker war, also rein und leer, stehen mittlerweile zwei Äpfel: Alkmene und James Grieve.  Beide bekamen wir von unseren Eltern geschenkt, beide holten wir wurzelnackt aus einer Brandenburger Baumschule bei Werder – Obstbaumgebiet. Gezüchtet und gewachsen sind sie in einem Klima, das dem unseren ähnlich ist. Während Alkmene sich von Anfang an prächtig machte, Äste nach links und rechts und oben ausstreckte, der Stamm an Größe und Masse zulegte, als würden wir ihn mit Apfel-Anabolika füttern,  kümmerte James Grieve vor sich hin.

War es die Wühlmaus, die in der Nähe tätig war und dem Flachwurzler ganz besonders zusetzte? Die ungünstigere Stelle mit mehr Wind? Oder braucht der in Schottland gefundene James Grieve trotz aller gegenteiligen Händlerbeteuerungen doch mehr Wasser als die in Brandenburg gezüchtete Alkmene?

Man soll nicht immer nur auf die Äpfel achten. Links ein James-Grieve-Blatt: länglich, glatt, elegant. Rechts Alkmene: runder, höher/dreidimensionaler, gebogen und mit kurzem Stil.


Aber James Grieve kommt. Die Gespinstmotten des Frühsommers scheint der Baum überstanden zu haben. Dieses Jahr ist der Baum als Baum zu erkennen. Mittlerweile überragt er mich deutlich. Ich muss meine Arme ausstrecken um an die Spitzen der Äste zu gelangen, und auch mit einer Hand umfassen lässt der Stamm sich nur noch mühselig. Madame begann dieses Jahr das erste mal die Äste zu erziehen, herunterzubinden und festzuziehen - schließlich wollen wir aus ästhetischen und prgamatischen Gründen lieber einen Apfel mit breiter Krone in Griffhöhe als einen schmalen hohen Baum.

Weil das mit den Blättern so nett ist, hier die Rückseite. Lang/glatt (James Grieve) lässt sich auch rückwärtig von rund/strukturiert (Alkmene) unterscheiden.


Und obwohl 2017 ein berauschend schlechtes Apfeljahr in Berlin/Brandenburg wird, scheint James Grieve Äpfel tragen. Vier Früchte hängen noch am Baum. Aber noch sieht es gut aus. Sollte 2017 das Durchbruchsjahr für den James Grieve im Ländchen Glien werden?