Dienstag, 29. März 2016

So much zum Schreiben, so wenig time.

Schwimmbäder: die Dithmarscher Wasserwelten, Heide

Das seltsame Gefühl beim Osteressen inmitten einer fröhlichen und lachenden Runde plötzlich erste-Hand-Erfahrungen von der Fahrt nach Lampedusa zu hören

Umgang mit Trollen in 5 Schritten

Zwei Tage alte Lämmer auf dem Arm

Ein Lob des Slow Fox

Michael Pollans A Place of my own lesen inmitten eines kleinen Holzhauses
 
Die AfD aus trolltheoretischer Perspektive
 
Die Wikipediahistorische Bedeutung des Cafe Bilderbuchs in Schöneberg
 
How to make Injera
 
Kluge Worte zu Let's Dance 

Der Rant über die Preisgestaltung der Berliner Bäder

Der Rant über 02 und den neuen Router
 

Die Dithmarscher Landeszeitung und die Zukunft des Journalismus

Das Koog Cafe und die Zukunft des Tourismus

Hyperlokales am Beispiel Dithmarschen und Wedding

Fucked Up parts in Wikipedia

Italienische Lehnworte im Eriträischen (und dass "das Eriträische" natürlich nicht "das Eriträische" ist)

Lehmboden

So what did we wrong in Wikipedia in 2004?

Mapping Wikipedia

Eine kleine Kulturgeschichte des Rasenmähers.

....

Und das ist jetzt nur eins von drei Blogs, auf denen ich gerade halbwegs regelmäßig schreibe, nicht gerechnet Wikipedia, diverse andere Sachen und zwei größere Sachen. Wie war das noch mit Schlafen?


 
 
 








Montag, 21. März 2016

Randlage

Eine Fahrt durch einen langenTunnel. Weite Felder, Sand, Kräne - eine Baustelle mit Stau. Eine leere Straße durch Industriebauten. Gefühltes Ende der Welt, vage Erinnerungen an nächtliches Verfahren inmitten sachsen-anhaltinischer Chemiekombinate steigen auf. Eine Kurve: eine Hauptstraße, Dönerbuden, afrikanische Imbisse, Jugendliche in Jogginghosen, türkische Lebensmittelgeschäfte, Karstadt, Menschenmengen auf der Straße, Ein-Euro-Shops, Leben pur. Welcome to the wonderful Wedding.

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich ja intensiv mit dem WikiWedding, dem Versuch mehr Wedding in die Wikipedia zu bringen. Wenn ich mich dann mal mit Weddingern unterhalte, ist einer der ersten Punkte des Gespräches: „Ach, du kommst gar nicht aus dem Wedding?“ Nun treibt mich ja bei allem was ich in Wikipedia mache, die Wissbegier Neues zu lernen, Unbekanntes zu erkunden und mein inneres Bild der Welt bunter, weiter und vielfältiger zu machen. Aber warum nun ein Ortsteil ohne große, bekannte Attraktionen? Ein Ortsteil bei dem ich knapp eine Stunde rechne, nur um von zu Hause aus überhaupt vor Ort zu sein?

Berlin Wedding safari imbiss 14.11.2015 14-15-40

Es waren für mich diese Autofahrten von den bürgerlich-schicken Teilen Berlins (sei es nun Schöneberg, Wilmersdorf oder Kreuzberg) durch gefühltes ländliches Sachsen-Anhalt hinein in das pralle Leben, die WikiWedding zum Leben erweckten. Der Stadtteil hinter den sieben Bergen, ein wenig ein verwunschenes Traumland,; oft genannt aber weitgehend unbekannt. Der Ortsteil von dem selbst die meisten Berliner kaum mehr wissen als dass es existiert und dass er irgendwie anders ist.

Dabei ist das Traumland Wedding gewöhnungsbedürftig. Die Schießereien und regelrechten Exekutionen, die eine News-Suche nach dem Wedding liefert, sind eher alptraumhaft. Das auffallende Engagement diversester sozialer Initiativen wirkt auf den ersten Blick gut, auf den zweiten Blick fragt man sich, warum die sozialen Initiativen alle hier einen geeigneten Standort sehen. Andererseits: Parks, Grünanlagen, Friedhöfe. Mit der Panke schon fast ein richtiger Fluss. Riesige Wohnanlagen aus der Zeit, als Wohnen die Menschheit noch besser machen sollte: Licht, Sonne, Liebe und Sozialismus.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01

Fabrikgebäude aus der Zeit als Fabriken noch nach etwas aussehen sollten und ein Statement abgeben. Eine Straße, deren Händler im Stadtplanerdeutsch „kleinteilig migrantisch und mit wenig Kapital“ benannt werden, was für mich aber vor allem heißt: lebendig, innovativ und mit Herzblut. Berliner Direktheit auf der Straße. Spezialgeschäfte für Darts, Carrerbahnen, Tanzbedarf und Regenschirme; den niedrigen Mieten sei Dank.

Ein riesiger Abenteuerspielplatz und Gänsegehege direkt neben dem Rathaus. Hundert Jahre Architektur gewordene Versuche, die Gegend vor sich selbst zu retten. Schulen alt und neu. Ein großer Schwimmbadkomplex. Kirchen. Ein ganzes Diakonissenstift inmitten der Ein-Euro-Shops. Ein atheistisches Obdachlosenheim aus dem frühen 20. Jahrhundert, heute eine Künstlerkolonie kurz vor dem Einsturz.

Alles hinter dem Ring. Hinter der Spree, der Grenze in Berlin, die den Süden – wo alle wohnen - vom Norden trennt, den niemand kennt. Ein Land der Träume und Alpträume. Halb vergessen durch die Berliner. Mehr ein Name, vielleicht noch ein Symbol, weniger ein echter Stadtteil. Dieses gilt es zu erkunden. Und wer mitmachen möchte: Mittwoch ist das nächste Treffen. Beginn zwischen 19 und 20 Uhr im Nachbarschaftsladen Buttmannstraße 16.

Buttmanstraße 16. In deren wikipedianisch unterwanderten Nachbarschaftsladen wir ein erstes Obdach gefunden haben. Bild:  Denkmalgeschütztes Wohnhaus im Ensemble Badstraße, erbaut 1888-1892 Von: Kvikk
 Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Dies ist ein Crossposting mit dem Wikipedia:Kurier, dem internen wikipedianichen Mitteilungsblatt.

Sonntag, 13. März 2016

Schwimmbäder nah und fern: Stadtbad Mitte "James Simon", Berlin

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Stadtbad Mitte "James Simon".

Zufälle gibt es. Am Wochenende sind wir noch auf der Berliner Museumsinsel und lesen dort umfangreiche Würdigungen von James Simon. Der Mäzen, der den Berliner Museen nicht nur die Nofretete schenkte, sondern diese Museen auch sonst umfassend förderte. Tags darauf bin ich dann schon wieder an einem Ort Simonschen Wirkens; stiftete Simon doch auch das erste Berliner Volksbad und hat deswegen auch im Stadtbad Mitte seine angemessene Gedenktafel. Heute wird es historisch.




Auf ihre Art sind alle Berliner Schwimmbäder historisch. Neu und aktuell wirkt keines.  Eher kann die geneigte Schwimmerin wählen, ob sie lieber eine Zeitreise in die 1930er (Sommerbad am Olympiastadion), die 1950er (Sommerbad Wilmersdorf) oder in die 1970er (Hallenbad Mariendorf) antreten möchte. Für multihistorisch interessierte bietet sich auch das Stadtbad Schöneberg an, das die 1920er antäuscht nur um dann in den späten 1990ern zu landen.

Selbst in der Sammlung der Aus-der-Zeit-gefallenen Bäder Berlins sticht das Stadtbad Mitte heraus. Es ist quasi doppelplushistorisch. Das Bad steht an der Stelle an der 1880 überhaupt das erste Berliner Volksbad gebaut wurde. Das aktuelle Gebäude stammt von 1930.

Berlin GTafel JH Simon
Bild: Berliner Gedenktafel für James Henry Simon (Gartenstraße 5, am Stadtbad Mitte). Von: Doris Antony. Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Das Bad ist Teil einer Straßenfront zwischen Mitte und Prenzlauer Berg. Mittiger und neu-berlinerischer geht es kaum. Wenig überraschend war es dann auch, dass ich auf dem Hinweg die S-Bahn mit einer französischen Schulklasse teilte, auf dem Rückweg neben mir eine Gruppe dänischer (schwedischer? norwegischer?) Jugendlicher saß. Mitte, der Stadtteil, der sich in ganz Berlin seit 1990 am stärksten verändert hat, mit einem der historischsten Bäder der Stadt. Ein Bad, das ausnahmsweise auch über seinen eigenen Wikipedia-Artikel verfügt.

Gebäude


Mit Stil. Gebaut 1930. Die Raumaufteilung und die gedachte Art der Nutzung erinnert noch sehr an die alten um die Jahrhundertwende gebauten Volksbäder. Aber hier hat schon die Moderne mit „Licht, Luft und Sonne“ Einzug gehalten. Wenig Schnörkel, Flachdach, klare Linien, kühle Eleganz und viel, viel Licht.

Ein Vergleich mit dem aus derselben Zeit stammenden und ähnlich wirkenden Stadtbad Schöneberg liegt nahe. Während es in Schöneberg jedoch einen klaren Bruch zwischen Außenhülle und Innengestaltung gibt, merkt man dem Stadtbad Mitte auf jedem Meter seine Entstehungszeit an. Es stammt aus Zeiten, in denen Menschen das Wort "Foyer" noch ernst genommen haben. Die Gestaltung der Innenräume nimmt die Formen des Außen auf. Eine Mischung aus schlichter Eleganz und Grandiosität. Auch in den Innenräumen erkennt man die ehedem bezweckte Nutzung in Anordnung und Ablauf der ganzen Funktionalitäten wieder.



Neben dem eigentlichen Schwimmbecken verstecken sich heute auch eine Sauna und Fitnessräume im Gebäude. Anscheinend mit zum selben Gebäudekomplex gehört auch eine Rehaklinik.

Umkleidekabinen/Duschen


Als bekennender Anhänger hoher Decken in Schwimmbädern bin ich begeistert. Selbst in den Umkleidekabinen sind diese Decken mehrere Stockwerke hoch. In den höheren Stockwerken gibt es Galerien, auf die man noch unten sehen kann. Ungewöhnlich: es gibt nur vier Kabinen und die Schränke sind ein Stück weg. Verleitet stark dazu, sich im Gang vor den Schränken umzuziehen. Die Duschen sind etwas verschachtelt, nehmen aber insgesamt eine Fläche ein, die den Ausdruck Duschhalle rechtfertigt. Ich habe schon Schwimmbecken gesehen, die kleiner waren, als hier der Duschbereich. Die Duschen sind wie das ganze Schwimmbad stylisch und überraschenderweise - wir sind in Berlin - wie das ganze Schwimmbad gut in Schuss.

Schwimmhalle


Ein Traum. Hohe Decken, riesige Fensterfronten nach vorne, hinten und rechts. Selbst links, wo der Eingangsbereich ist, lässt dieser durch weitere Fensterfronten Licht herein. Selbst die Decke ist verglast - ok, ob das da oben wirklich Glas ist, habe ich Zweifel, aber das Material ist auf jeden Fall lichtdurchlässig. Selbst am stürmischen grauen Wintertag an dem ich da war, war das Bad lichtdurchflutet. Bei den Kacheln handelt es sich nicht um die normale Schwimmbadkacheln in Weiß oder Türkis, sondern die Kacheln sind auch im Becken ein kleineres Modell und in einer Art blaugräulich schimmernden Braun gehalten. Alles sehr stilvoll. 

Es gibt genau ein Becken: 50 Meter mit 6 Bahnen. Soweit so übersichtlich. Ehemals gab es auch Sprungtürme, die sind aber wohl einer Sanierungsmaßnahme zum Opfer gefallen.

Etwas irritierend. Wie viele 50-Meter-Bahnen in öffentlichen Schwimmbädern wird die Bahn zum Ende hin flacher. Hier allerdings wird sie am Ende etwas mehr als knietief, so dass sich Schwimmen schon komisch anfühlt. Wenden in Würde ist komplett unmöglich. Eher fährt man seine Knie ein Stück nach unten und rutscht auf denen dann so einmal im Kreis. Auch irritierend sind die recht starken Düsen, die Wasser in das Becken blasen. Ich glaube es war das erste Schwimm-Schwimmbecken jemals, bei dem ich selbst in den mittleren Bereichen deutlich merkliche Querströmungen erlebte.

Etwas verwirrend: mittels diverser längs- und quer gespannter Leinen, ist das Becken in insgesamt fünf Bereiche geteilt, deren Zuordnung und ordnungsgemäße Nutzung sich mir nicht erschloss. Einmal war ich in dem Bereich, der mir "für normale Schwimmer" zu sein schien, beim zweiten Besuch war der Bereich komplett überfüllt und ich bin auf die Sportbahn(?) ausgewichen. Ich bin mir immer noch nicht sicher ob das korrekt war, aber zumindest hatte niemand den Drang mich von der Bahn zu werfen.

Publikum


Die Berliner Bäder preisen das Bad als Sportbad an. Ausnahmsweise kann man sich darauf verlassen, was die Berliner Bäder von sich geben. Wochentags gehöre ich zum ältesten Viertel der Anwesenden und - von den anwesenden Schulklassen abgesehen - auch zur schlechteren Hälfte der Schwimmer. Ernstlich austrainiert sahen die Leute im Becken erschreckenderweise auch noch fast alle aus. Selten sah ich zu normalen Öffnungszeiten in einem öffentlichen Bad so viele Leute, die wirklich schwimmen können - selbst jemand mit sauberer Delphintechnik war dabei.

Bundesarchiv Bild 183-09989-0002, Berlin, Stadtbad Mitte
Lang ists her. Bild: Hochbetrieb in der großen Schwimmhalle. März 1951.
Bundesarchiv, Bild 183-09989-0002 / Quaschinsky, Hans-Günter / CC-BY-SA 3.0

Wochenends ging dann der Altersschnitt etwas nach oben, dafür waren mehr Kinder da und die allgemeine Schwimmfähigkeit ließ etwas nach. Dennoch war der Gesamteindruck des Publikums immer noch sehr sportlich, muskulös und durchaus des Schwimmens fähig.

Angesichts der eher hohen Auslastung des Beckens, dem hohen Anteil an Freistil- und Rückenschwimmern und dem Tempo, dass die Leute schwammen, war die Atmosphäre angenehm unfall- und konfliktfrei - die Anwesenden konnten anscheinend nicht nur schwimmen sondern auch schauen wohin es geht.

Die einzig kleine Reiberei war dann auch ausgerechnet zwischen einem Kind (bzw. dessen Mutter) und einem der wenigen Anwesenden, die das mit dem Schwimmen nicht so drauf hatten. Beim Zweitbesuch war da dann noch die ältere geschminkte Dame anwesend, die es sich anscheinend zum Plan gemacht hatte, immer allen anderen entgegenzuschwimmen. Unter normalen Umstände würde ich sowas als rücksichtlos empfinden. Angesicht der Vielzahl durchtrainierter Freistilschwimmer denen sie direkt entgegenschwamm, war es hier eher todesmutig-schmerzbereit.

Gastronomie


Keine gefunden. Es gab einen Süßigkeitenautomat. Ein Proteinshake-Automat hätte mich auch nicht überrascht. Vom Foyer aus kann man in einen ganz nett aussehenden Cafeteriesaal hinschauen, der gehört aber anscheinend zur Reha-Klinik im Haus, nicht zum Schwimmbad.

Preis: 

5,50€. Berliner Normalpreis.

Öffnungszeiten

Ein Schwimmbad für den Anfang der Woche:

Mo - Mi  6.30h - 22.00h
Do: 6.30h - 14.00h
Fr: 12h-22h
Sa 14-21-30h
So 10-18h.

Das ist schon mit das beste was die Berliner Bäderbetriebe für ein normales Schwimmbad anbieten.

Sonstiges


Nicht nur für Berliner Verhältnisse ein historisches Bad, sondern auch ganz persönlich: das erste Berliner Bad, das ich je betreten habe. Es war 1995, wir hatten uns ein paar Tage bei einem Freund in einer sehr unsanierten Altbauwohnung im Prenzlauer Berg einquartiert. Nach drei Tagen des Kaltwassers hatten wir den Drang nach einer warmen Dusche. Also ab ins nächstgelegene Schwimmbad, lang und ausführlich warm duschen und danach noch ein wenig Planschen.

Fazit


Zeiten ändern sich. Ein bißchen planschen, wie wir es 1995 machten, wäre heute schwierig. Nicht nur, dass es inmitten all' der ernsthaften Schwimmer seltsam aussehen würde - da wo die Menschen links und rechts an einem vorbeipflügen gäbe es auch ein echtes Platzproblem. Hier sollte man entweder schwimmen können oder zumindest ein halbwegs gesundes Selbstvertrauen haben. Das Bad selbst ist ein Traum. Und für nur Schaulustige: man kommt relativ weit hinein und kann auch schon das Becken sehen, bevor man an den Punkt kommt, an dem man die Eintrittskarte durch den Scanner ziehen muss. Einen Besuch auf jeden Fall wert. 

Dienstag, 8. März 2016

Schwimmbäder nah und fern: Erlebnisbad in der TURM ErlebnisCity, Oranienburg

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Erlebnisbad in der TurmErlebnis City, Oranienburg.

Das Erlebnisbad in der TURM ErllebnisCity ist Teil eines gewaligen Komplexes zu dem unter anderem eine Mehrzweckhalle, die "MBS Arena", eine Kletterwand, ein Fitnessstudio, Kegel- und Bowlingbahnen, mehrere Kneipen/Cafés und ich weiß nicht was noch sonst gehört.

Angesichts der Wuchtigkeit der ganzen Anlage und der Lage in einer Kleinstadt - wo es sicher eine der größten öffentlichen Bauten überhaupt ist - findet man erstaunlich wenige Informationen zu dem ganzen Komplex. In der Arena spielen unter anderem diverse Drittligateams Handball und Volleyball, anscheinend vor größeren Zuschauerzahlen. Aber selbst einen Terminkalender für die Halle habe ich nicht finden können.

Selbst der Turm, nach dem die Anlage vermutlich benannt ist, bleibt unklar: Ist es der unspektakuläre aber wenigstens nahegelegene ehemalige Schlauchturm auf dem Parkplatz? Oder doch der deutlich eindrucksvollere aber dafür ein gutes Stück entfernte Barockturm richtung Stadtmitte? Alles etwas eigentümlich.


Optisch scheint es eines der Spaßbäder zu sein, die Anfang der 1990er die ostdeutsche Provinz heimsuchten und heute Gemeinden mal mehr oder weniger glücklich machen. Immerhin kann ich nach meinen Besuchen sagen: mich macht dieses Bad glücklich und den Besucherzahlen nach zu urteilen bin ich nicht der einzige.

Zum Komplex gehört auch ein extra zu bezahlendes "Sportbad"  - 25-Meter-Becken, fünf Bahnen mit Sprungturm. Da ich aber normalerweise in der TurmCity lande, wenn ich den ganzen Tag draußen war und Erde und diverse Gartengeräte durch die Gegend bewegt habe, ist mir da immer eher nach planschen als nach schwimmen zumute. Zum Sportbad kann ich wenig mehr sagen außer zu Existenz zu bestätigen.


Gebäude

 

Hm, was soll man sagen. Das ganze Gebäude wirkt so als hätte sein Architekt in den 1990ern ansonsten Baumärkte geplant. "Form follows function" könnte man es beschreiben, wenn man nett ist. Auf jeden Fall ein Riesenkomplex mit Erlebnisbad, Sportbad, Multifunktionshalle, Kegel- und Bowlingbahnen und sonst noch. Die Architektur habe ich nicht wirklich verstanden. Einige nette Einfälle sind vorhanden (die teilweise recht schicken Stahlträger), die konvexe Hallenform, die für eine große Fensterfront sorgt. Insgesamt wirkt es aber doch etwas nach "Wir haben einfach ganz viel irgendwie in einen Gebäudekomplex zu pressen versucht" und "wir haben Kosten und Mühen gescheut". Die Stärken des Schwimmbads liegen auf jeden Fall nicht in Optik und Anmutung es Gebäudes.

Umkleidekabinen/Duschen

 

Am Eingang händigen einem die freundlichen Menschen an der Kasse einen Chip aus, mit dem man nachher in der Gastronomie bezahlen kann und der auch dazu dient, einen bestimmten Schrank auf- und abzuschließen. Der Umkleidebereich ist unisex, zu den Schränken kommt man nur, indem man die Kabinen durchquert. Ein System, das sich erst in den letzten Jahre richtig verbreitet, ich finde es aber vergleichsweise angenehm.

Der Umkleide-Dusch-Bereich ist so weiß/eierschalig/hartplastisch, in keiner Richtung sonderlich auffällig und der uninspirierten Funktionalität es ganzen Gebäudes ähnlich. Der Duschbereich ist eher klein und kuschelig. Wo sich die Berliner Bäder in langen Satzkonstruktionen verbiegen, um einem nahezubringen, dass man die Badekleidung zum Duschen ablegen soll, weisen die Oranienburger nur darauf hin, dass "nackt geduscht" werden muss.  

Noch ein Rant am Rande gegen die Unart, die Oranienburg mit meinem Schöneberger Heimatbad  vereint: Nach dem Umziehen und Duschen muss man noch eine Treppe steigen - in Schöneberg ein Sokcwerk hinauf, in Oranienburg eines hinunter. Nass und glitschig wie man nach dem Duschen meistens ist, ist das nur so mittelangenehm; zumal beide Bäder sich offensichtlich große Mühe gegeben haben, rutschige Fliesen zu installieren.

Schwimmhalle/ Außenbereiche

 

Die Schwimmhalle ist das Highlight des Schwimmbades. Der Ausdruck Badehalle trifft es allerdings eher als Schwimmhalle. Neben dem etwas eigentümlichem Wasserfall (Kunststein in einer Glas/Metall/Kunststoffhalle sieht nur so mäßig ist) gibt es ein großes Wellenbecken, zwei Rutschen, zwei größere beheizte Außenbecken und noch diverse kleinere Becken, die warm, salzig und sprudelig sind.

Anders als in meinem "Heimatbad" Schöneberg sind die Becken allerdings allesamt groß genug, dass man auch bei vollem Bad nicht gleich auf Körperkontakt gehen muss. Sehr sehr angenehm. Die Außenbecken sind schön und angenehm, jetzt in Winter bei kahlen Bäumen kann man von einem aus noch über den benachbarten See blicken und stabile Spielgeräte sind auch einige da. Zum Schwadern und Plantschen nahezu perfekt. Problemlos ist es möglich, sich ein paar Stunden lang in sanft blubberndes warmes Wasser zu hängen, Abendsonne oder Sternenhimmel zu betrachten und das Treiben um sich herum zu beobachten.

Publikum

 

Zu den wenigen Informationen aus der Presse über das Bad gehört der Besucher aus dem letzten Jahr mit seinem "Arbeit macht frei" Tattoo, der dann auch prompt aus dem Bad flog. Glücklicherweise habe ich den Eindruck, dass es sich hier um einen eher untypischen Besucher handelte.

Unsere normale Besuchszeit am Wochenende mag die Wahrnehmung beeinflussen: aber voll ist's. Eigentlich immer. Bunt gemischtes Publikum, sehr viele Familien und Jugendliche und für Brandenburg überraschend viele Menschen nicht deutscher Muttersprache. Insgesamt eigentlich immer eine fröhlich, unstressige Mischung, die allein schon gute Laune verbreitet.

Den Nummernschildern auf dem Parkplatz nach zu urteilen, übrigens auch ein Bad mit überregionaler Ausstrahlung: Dort stehen regelmäßig größere Mengen Autos aus Berlin und den benachbarten Landkreisen.

Gastronomie

 

Ist in der Halle, man darf seinen Chip durchziehen und abgerechnet wird beim Rausgehen. Dementsprechend ist alles auf nasse Menschen eingestellt, das ganze wirkt vor allem funktional. Bonuspunkte, weil es die Gastronomie geschafft hat, im Turmzentrum auch Turm-Milch zu verkaufen. Ansonsten scheint ein Autobahngaststätten-Gastronomiekonzept auf ein Schwimmbad adaptiert worden zu sein. Die Selbstbedienungstheken und die Bedienstation habe ich sehr ähnlich schon an diversen Raststätten gesehen. Die Auswahl im Menü hält sich in überschaubaren Grenzen: Currywurst, Bulette, Schnitzelgericht und Pommes. Weil wir Hunger hatten, gab es Pommes. Die waren recht trocken/bröselig und eher so okay.

Preis 

 

Zwei Stunden 10 Euro, vier Stunden 13 Euro. Möchte man nicht jeden Tag hin, man kann allerdings ein paar Stunden bleiben. Gemessen an den 7,50 Euro die Schöneberg für ein 25-Meter-Becken und drei zuverlässig überfüllte Mini-"Spaßbeckchen" haben will, ist das schon wieder ein echtes Schnäppchen. Die Mehrfach/Dauerkartenregelung in Oranienburg ist allerdings ähnlich absurd wie in Berlin.  

Öffnungszeiten


Als Berliner Badbesucher sind Öffnungszeiten ja ein echtes Leidensthema. Anders hier: in der Woche von 9 bis 20 Uhr, am Wochenende von 9 bis 22 Uhr. Endlich mal was, womit man planen kann. 

Sonstiges


Nichts.

 

Fazit 

 

Das Erlebnisbad in der TURM ErlebnisCity ist sicher kein Bad für den Alltagsbesuch. Dazu ist es zu teuer. Aber um am Wochenende nach einem Tag draußen zu schwadern, zu plantschen und es sich gut gehen zu lassen, ein nahezu perfektes Bad. Meine persönliche Wertschätzung Oranienburgs ist auf jeden Fall deutlich gestiegen, seitdem ich das Bad kenne.

Montag, 7. März 2016

Wikipedistas ignorieren wiederholt die Hermannstraße

Skandal beim Jubiläumsknorke Das legendäre erste Hermannstraßenknorke ging gar nicht durch die Hermannstraße! Die Wikipedia-Geschichte muss neu geschrieben werden! Einer der Hauptautoren des legendären Hermannstraßen-Artikels sagt, dass die Straße eigentlich recht langweilig sei! Ist da ein Löschantrag fällig? Skandalöse Offenbarungen kommen zusammen, wenn sich einfach nur neun Menschen für einen netten Stadtspaziergang treffen.

Aber von Anfang an. "Knorke" - wie hier schon mehrfach geschrieben - ist eine nette informelle Veranstaltungsreihe, bei der sich Wikipedianer und Wikipedianerinnen unregelmäßig treffen, um bekannte und vor allem unbekanntere Berliner Gegenden abzulaufen, anzuschauen, zu erkunden und zu erforschen. Das allererste dieser Knorkes fand vor 10 Jahren statt und ging durch die Hermannstraße - so die Legende. Das Knorke war ein wichtiger Beitrag zum Entstehung des Hermannstraßen-Artikeln. Zu einer Zeit, zu der es heftig umstritten war, ob überhaupt Artikel zu Straßen in Wikipedia stehen sollten, schlug der Hermannstraßen-Artikel eine diskursive Bresche: man kann nicht nur Artikel über Straßen schreiben, sondern man kann sogar sehr gute und interessante Artikel über eine Straße schreiben. Dieses erste Knorke legte Grundlagen für die spätere Wikipedia.

Wie es sich für ein kleines Jubiläum gehört, wollten wir der Ursprünge gedenken und noch einmal - wie damals im Dezember 2005 - die Hermannstraße in Neukölln entlanglaufen.

Neukoelln schillerpromenade buffet kostenlos
Hallo, Neukölln!

Nachdem Krankheit und Wetter in letzter Sekunde fünf der neun angekündigten Teilnehmenden am Erscheinen gehindert hatte, trafen wir letzten vier uns im kräftigen Nieselregen/schwächelnden Starkregen vor der Tür des Handwerkerstübchens. Über den KNORKisten hing die große Hertha-Fahne, denn sonntag war Spieltag und das Handwerkerstübchen überträgt. Ein Knorkist fehlte unentschuldigt. Aber nachdem er auch nach dem akademischen Viertelstündchen nicht auftauchte, begann Veteran Lienhard mit einführenden Worten über Rollbergsiedlung, Hermannstraße und Schillerkiez und dem Ur-Knorke 2005.

Dann ging es - wie es die historische Tradition will - entlang der Allerstraße durch den Schillerkiez Richtung Tempelhof. So richtig aufgehübscht sieht die Gegend entgegen aller Gerüchte auch 10 Jahre später noch nicht aus. Immerhin kamen wir - neben Futschi-Sonderangeboten, Eckkneipen und vielen Anarchie-A's auch an dem ein oder anderen Streetwearstore, der ein oder anderen Kitesurfschule und einem "Korean Soul Food" mit "Pop Up Kitchen" vorbei.

Damals ging der Weg Richtung Flughafen, diesmal ging es Richtung Tempelhofer Park. Trotz Schließung des Flughafens und Eröffnung des Parks in den letzten zehn Jahren hat allerdings die Genezarethkirche an der Schillerpromenade bis heute ihre Turmspitze nicht zurückerhalten, die ihr einst der landenden Flugzeuge wegen gekappt wurde.

Genezarethkirche Cafe
Gekappte Kirche. Bild: Cafe im Anbau der Genezarethkirche Von: Bodo Kubrak Lizenz: Public Domain

Weiter nach Süden auf dem Parkgelände. Erinnerungen wurden wach. Damals bei der WM 2006 als die Nacht durch bis morgens zum acht die Privatjets der Fußballgranden starteten und landetetn, Flugzeuge am Küchenfenster. Flugzeuge sichtbar aus der Badewanne. Und die diversen Volksbegehren.

Nach der Besichtigung von "Gebäude 113" und der Frage wo sich hier wohl die anderen 112 Gebäude verstecken, ging die Route bis zum Werner-Seelenbinder-Sportpark. Dort konnten wir nicht nur aus der Ferne ein Eishockeyspiel beobachten, sondern uns standen - im Gegensatz zum Dezember 2005 -  auch die Tore des Sportgeländes offen. So konnten wir Werner Seelenbinder in seiner ziemlich unprätentiösen und gut versteckten Gedenkstätte einen Besuch abstatten. Nachdem wir die kurze, ruhmlose Fußball-Bundesligazeit von Tasmania Neukölln gewürdigt hatten, ging es wieder Richtung Hermannstraße.

Durch die Warthestraße wandelten wir, immer noch im Regen, - entlang eines 80er(?)-Jahre Spielplatzes und künstlerisch verschönter Grünfläche - durch eine ruhige, tendenziell ganz nett wirkende Wohngegend. An der Hermannstraße waren dann diverse Friedhöfe. Der 2005 aufgesuchte Gedenkstein für die Zwangsarbeiter-der-evangelischen-und-katholischen-Kirchengemeinden-im-Zweiten-Weltkrieg ist mittlerweile zwei Friedhöfe die Straße weiter hoch gezogen. Ergänzt wird der Gedenkstein durch einen vermutlich informativen - sonntags aber geschlossenen - Infopavillon. Nicht versetzt wurden die Flutlichter für die Anflugschneise zum Tempelhof-Airport mitten durch den Kirchhof V der Jerusalems- und Neuen Kirche - fast noch eigentümlicher als der abgesäbelte Kirchturm aus dem Schillerkiez.

Jubilaeumsknorke Kunst in der Warthestrasse
Kunst in Kreisform. Knorkisten bewundern.

Da der Regen immer noch regnete, verzogen wir uns nach etwa 20 Metern auf der Hermannstraße in ein recht nettes und schickes Cafe (bestimmt nach 2005 eröffnet) zu Bagel, Milchkaffee und Bananenkuchen, um aus dem anwesenden Zeitzeugen die schriftlich nicht mehr dokumentierte damalige Route herauszubekommen. Und siehe da: "Weiter ging es nicht". Hier war es dann zu Ende. Er meinte noch: Die Straße ist ja auch recht langweilig, da gibt es nichts zu sehen. Der Ex-Knorkist verabschiedete sich also hier, die anderen gingen noch ein Stück die Hermannstraße hinauf. Letzlich waren allerdings durch den Regen so ausgelaugt, dass die erste Chance nutzten, in den nächsten Bus direkt nach Hause zu springen. Und damit war dies bereits der zweite Hermannstraßen-Knorke, der die Hermannstraße weitgehend ignorierte.

Soviel zum legendären Ur-KNORKE an der Hermannstraße! Es hat nie stattgefunden! Die Wikipedia-Geschichte muss neu geschrieben werden. Der Artikel gelöscht. Immerhin war es ein schöner, kleiner Schillerkiez-KNORKE mit Wikipedia-historischen Anwandlunge. Wir sehen uns da wieder 2025!