Mittwoch, 13. Januar 2016

Gastbeitrag: Wikipedieren im Alltag

Meiner Erfahrung aus Gesprächen mit Nicht-Wikipedianern ist es, dass diese sich nur schwer vorstellen können, wie und wann man überhaupt an der Wikipedia schreibt. Oft bleibt denen das ein größeres Rätsel und im Laufe der Jahre habe ich schon ziemlich seltsame Vorstellungen darüber gehört. Um so schöner, wenn es mal eine nette kleine Erzählung gibt, wie es tatsächlich läuft. Achim Raschka hat im Kurier, dem internen Mitteilungsblatt der Wikipedia, einen kleinen Artikel darüber geschrieben, wie es denn im Alltag tatsächlich aussieht mit dem Wikipedieren. Mit freundlicher Erlaubnis des Autor dokumentiere ich den hier. Der Artikel erschien ursprünglich am 13. Januar 2016 im Wikipedia:Kurier und steht unter der CC-BY-SA 3.0-Lizenz. - Dirk

Allmorgendliche Entscheidungen  


Mal etwas persönliches und vollkommen abseits von der großen Wikipedia-Politik und einfach mal nur so aus dem Autorenkästchen: Geht es euch eigentlich auch so, dass ihr jeden Morgen auf's Neue vor dem Bildschirm hockt und überlegt, was euer heutiger Beitrag zum Weltwissen sein sollte? Dass ihr jeden Morgen neu überlegt, welche Baustelle gerade passend ist für die verfügbare Zeit, vertretbar für den Müdigkeitsgrad und dann auch noch wichtig genug, diese Zeit zu gebrauchen? Hier mal ein paar Gedanken von mir und ein kleiner Einblick in meinen Autorenalltag.

Also vorab: Ich spende eine Menge meiner freien Zeit für die Wikipedia – eigentlich einen Großteil dessen, was neben Arbeit und Familie an Freizeit existiert. Der kontinuierlichste Teil ist dabei jedoch mein alltägliches Morgenritual vor dem Weg zu Kindergarten und Arbeitsplatz. Jeden Morgen stehe ich gegen 6:30 Uhr auf, mache mir meinen Kaffee und helfe den Kids ein wenig beim Loskommen zur Schule und zum Kindergarten – und starte meinen Rechner. Jeden Morgen weiß ich auch, dass ich um 8:30 Uhr das Haus verlassen muss und nach Abzug von Dusche etc. bleibt mir entsprechend ein Zeitfenster von etwa einer Stunde. Und damit beginnt der Morgentrott.

Am einfachsten ist es, wenn ich gerade in einem Fließband bin – Hörnchenartikel mit fester Vorlage und kaum Abweichungen sind da wunderbar und ein solcher Artikel lässt sich in der Regel auch gut in der Stunde schreiben – trotzdem überlege ich jeden Morgen, was ich jetzt eigentlich starte, ob das auch wirklich eine gute Idee ist, oder ob es nicht doch irgendetwas wichtigeres oder besseres gibt.

Man könnte etwa die aufgelaufenen Neu-Artikel im Bioportal lesen und korrigieren (etwa 20 Minuten pro Normalartikel), man könnte an der aktuellen Großbaustelle weiterwerkeln, man könnte einfach mal so von Artikel zu Artikel springen und Kleinkram erledigen (etwa ein Kladogramm einbauen oder wie heute ein paar Ausgaben der Mammalian Species in die Artikel integrieren) oder man könnte sich die morgendlichen VMs [Vandalismusmeldungen] antun, Löschdiskussionen scrollen, ein Review schreiben, einen Kandidaten beurteilen… meistens bleibt es jedoch beim Hörnchen mit Kaffe. Nur heute, da gibt es keines – heute gibt es einen frühen Morgengedanken im Kurier. In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen Tag, macht was draus.

 

Kommentare:

WiseWoman hat gesagt…

Danke, Achim!

Ich nutze gerne https://tools.wmflabs.org/checkwiki/cgi-bin/checkwiki.cgi?project=dewiki&view=project um Kleinbaustellen zu finden, wenn ich mal zwischendurch Zeit habe :)

Liesel hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Liesel hat gesagt…

Wie man zu seinen Artikelthemen kommt:

https://lieselsartikel.wordpress.com/2011/07/23/ein-artikel-und-seine-geschichte/