Sonntag, 31. Januar 2016

Schwimmbäder nah und fern: Stadtbad Lankwitz/Leonorenbad, Berlin

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Stadtbad Lankwitz.

Lankwitz ist einer jener Stadteile von denen selbst die meisten Berliner nicht wissen, dass er existiert. Im Südwesten Berlins bei Steglitz, die Wikipedia zählt unter „wichtige Gebäude“ neben einem Exil-Standort der Freien Universität auch mehrere Seniorenheime auf. Einer der Stadtteile, bei denen ich immer überrascht feststelle, dass auch dort eine Menge Menschen leben und ich mich dann frage: warum? Das Stadtbad Lankwitz, nach seinem Standort an der Leonorenstraße auch als Leonorenbad bekannt, liegt zwischen Wohnhäusern und Brachflächen, die mal Wohnhäuser werden wollen, knapp um die Ecke ein kleines Ortszentrum mit schönen Geschäften wie „Augenblick. Die Wimpernbar.“



Das Bad ist Teil eines größeren Sportkomplexes, zu dem auch noch eine Eislaufbahn und ein Tennisgelände gehören. Alles ist aber recht gut hinter dem Parkplatz versteckt. Immerhin gibt es eine Bushaltestelle „Stadtbad Lankwitz“ – wenn man aussteigt und ratlos durch die Gegend schaut, sieht man dann auch irgendwann die Fahnen der Bäderbetriebe.

Gebäude


Der Missing Link zwischen der schlichten Eleganz des Stadtbads Wilmersdorf (eröffnet 1957) und der robusten Funktionalität des Kombibads Mariendorf (eröffnet 1975). Eine große, hohe Halle mit Funktionsbauten drumherum. Recht betonlastig und mit dem Versuch mehrere Becken nebeneinander in einer Halle unterzubringen.

Das Eröffnungsjahr habe ich nicht gefunden, die Anmutung des Gebäudes lässt mich auf die 1960er tippen. Anscheinend wurde das Bad in den letzten Jahren behutsam saniert. Alles wirkt recht frisch und neu, die Whirlpools und ähnliches gibt es auch in Berlin noch nicht so lange. Anders aber als in Schöneberg, das wie ein 2000er-Bad in einer zwanziger-Jahre-Hülle wirkt, ist das hier eher ein aufpoliertes 60er-Jahre-Bad mit ein paar Goodies.

Umkleidekabinen/Duschen


Angenehmerweise kann man vom Eingangsbereich bereits die Schwimmhalle sehen. Das macht Lust auf Baden. Zu den Kabinen und Duschen gelangt man dann über Umwege, die Kabinen selber entstammen anscheinend dem Konzept "Fliesenlabyrinth", das auch in Mariendorf zur Anwendung kam. Vor all‘ den gefliesten Wänden ist es gar nicht so einfach, sich zurechtzufinden. Allerdings überwiegt hier helles Beige gegenüber dem dunklen Braun Mariendorfs, zudem ist die Beleuchtung besser, so dass das Labyrinth subjektiv nicht ganz so labyrinthisch wirkt. Originellerweise dienen die Kabinen auch als Schrank – man zieht den Schlüssel der Kabine ab und kann seine Sachen dann dort lassen. Echter Luxus, den ich sonst nur aus mehr oder weniger originalen Volksbädern der 1920er kenne. Zuerst irritierend, dann aber sehr angenehm.

Schwimmhalle


Ein Schwimmerbecken (25 Meter, 6 Bahnen, 3-Meter-Brett, also am hinteren Ende entsprechend tief), ein Nichtschwimmerbecken, das sich offiziell „Lehrschwimmbecken“ nennt, ein Planschbecken mit niedlicher Minirutsche und ein „Spaßbecken“ das aber vor allem das Ankommbecken für die große Rutsche ist. Das eigentliche Becken ist dann doch relativ klein. Die Startblöcke sind noch aus Stein und vermutlich ziemlich alt – aber schön anzufassen. Eine große breite Halle, Fensterfronten leider etwas verbaut, ganz ansprechend gestaltet, aber durch das ungünstige Verhältnis von Hallenbreite zu freier Fensterfläche recht dunkel und beleuchtungsbedürftig. Bonus gibt es für die leicht dreidimensionale Wandinstallaton in naiv-abstraktem Stil, die wohl ein Korallenriff darstellen soll. Das Wassertemperatur lag laut handbedienter Tafel bei 30 Grad, elektronische Wassertemperaturanzeiger gab es auch, aber – hey, wir sind in Berlin – sie haben natürlich nicht funktioniert.

Publikum


Ein Schwimmbad am Ende der Heide, mit einem eher undurchsichtigen und tendenziell teuren Preissystem, das jetzt auch nicht so stylisch und schick ist wie Schöneberg. Und was soll ich sagen: es war voll. Schwimmer, Kursteilnehmer, Whirlpoolplanschende, diverses Publikum, erfreulicherweise kaum Amokschwimmer. Das war so alles in allem überraschend nett. Beim Zweitbesuch dann „Spaßbaden“. Woraus der Spaß von Seiten des Schwimmbades bestand, habe ich nicht genau mitbekommen (lag es daran, dass die Rutsche auf war? Dass ein Startblock zum Springen freigegeben war?), aber es war noch voller und die Menschen hatten auf eine nicht-nervige Art Spaß. Viele Menschen, quer durch alle Altersschichten, mit verschiedensten Beschäftigungen und Freude am Leben.

Gastronomie



Die Gastronomie mit Identitätsproblemen. Laut Zugang am Parkplatz ist es das „Bistro im Stadtbad“, laut Schild in der Schwimmhalle die „Cafeteria“ und laut Schild im Foyer „Selbstbedienung“. Das Cafeteriebistro ist also sowohl von außen wie auch von innen zu betreten und dementsprechend darauf eingerichtet, nasse Schwimmer zu beherbergen: Kacheln und Metall dominieren. Das Angebot ist sehr traditionell: Würstchen, Burger, Pommes und Slushies. Den Salat, auf den ich eigentlich Lust hatte, habe ich mir nach Ansicht der sehr Wurst- und Burgerlastigen Karte verkniffen, der Kaffee war okay.

Preis


Eines der Berliner Premiumbäder, das heißt der Normaleintrittspreis liegt bei 7,50.

Sonstiges


Quadratisch, praktisch, nett, freundlich etwas langweilig. Was sollte es an da an Sonstigem geben?

Fazit


Ein Stadtbad wie Lankwitz: offensichtlich sind jede Menge Menschen da und es geht ihnen gut. Aber warum? Ein in jeder Hinsicht nettes Bad. Sauber, ordentlich, funktional, die letzte Sanierung scheint nicht allzu lange her zu sein, die Halle ist groß, die Gestaltung ganz ansprechend. Aber halt auch alles sehr austauschbar und generisch. Für ein Premiumbad mit überraschend wenig Premium. Für's Schwimmen zu teuer und zu unspannend und für’s echte Schwimmen auch mit zu warmem Wasser. Für’s Baden zu wenig Charakter und Stil. Kann man hin, muss man aber nicht.

Samstag, 30. Januar 2016

Gab es in der DDR Spaghetti?



Conrad, Giorgio (1827-1889) - n. 102 - Scena di genere
Nicht die DDR. Bild: Giorgio Conrad (1827-1889) - Mangiatori di maccheroni. Numero di catalogo: 102.

Eine der schöneren unbekannten Ecken der Wikipedia ist die Seite zur Auskunft. Dort können Menschen mögliche und unmögliche Fragen stellen, die dann mal launisch, mal larmoyant, mal ernsthaft oder auch gar nicht beantwortet werden. Wie im wahren Leben und eine ewige Fundgrube obskuren Wissens, seltsamer Fragestellungen und logischen Extremsports.

Dort nun fragte vor ein paar Tagen ein unangemeldeter Nutzer:

 "Warum gab es in der DDR eigentlich nur Makkaroni (die in Wirklichkeit Maccheroncini waren), aber keine Spaghetti? Das erscheint mir nach Lektüre einiger Bücher aus der DDR so gewesen zu sein und ist mir auch so von meiner aus Ex-DDR-Bürgern bestehenden Verwandtschaft bestätigt worden. Warum?"

Es folgte eine längere und mäandernde ausgiebige Diskussion, die immerhin folgendes ergab:

* Anscheinend gab es in der DDR Spaghetti, zumindest erinnerten sich einige der Diskutanten an derartige Kindheitserlebnisse.
* Ob Spaghetti so verbreitet waren wie Makkaroni oder Spirelli, darüber bestand Uneinigkeit.
* Die Nudelsaucensituation war in Berlin besser als im Rest der DDR.
* Die DDR allgemein pflegte in vielerlei Hinsicht traditionellere Essgewohnheiten als Westdeutschland, die Küche der DDR ähnelte in vielem mehr der deutschen Vorkriegsküche als dies für die westdeutsche Küche gilt.
* In Vorkriegszeiten waren Makkaroni verbreiteter als Spaghetti.
* Schon bei Erich Kästner wurden Makkaroni gegessen
* Der Makkaroni-Spaghetti turn im (west-)deutschen Sprachraum war Mitte der 1960er
* Schuld könnten wahlweise das mangelnde Basilikum, die mangelnde Tomatensauce, überhaupt mangelnde Kräuter, Italienreisen, Gastarbeiter, Miracoli oder auch was ganz anderes sein.
* Klarer Konsens im Rahme: Sahne gehört keineswegs in Sauce Carbonara!


Mirácoli noodles with sauce
Gab es in der DDR nicht: Miracoli. Bild: Miracoli-Nudeln mit Mirácoli-Soße von Kraft. Von: Brian Ammon, Lizenz: CC-BY-SA 3.0
 
Daneben tauchten eine ganze Menge Kindheitserinnerungen auf an exotische Spaghettimahlzeiten mit kleingeschnittenen Spaghetti, Ketchup-basierter Tomatensauce und anderen kulinarischen Exotika des geteilten Deutschlands.

Einige Antworten, viel mehr Fragen:
* seit wann wird in Deutschland überhaupt Pasta gegessen?
* wie lange schon ist Tomatensauce verbreitet?
* seit wann essen westdeutsche Spaghetti?
* Und wer ist Schuld? Die Gastarbeiter? Die Italienurlauber? Miracoli?
* Und wie kommen eigentlich die Löcher in die Makkaroni?

Also verließen wir dann erst einmal die Auskunft und die dortige Diskussion und betrieben etwas weitere Recherche. Das heimische "Kochbuch der Haushaltungs- und Kochschule des Badischen Frauenvereins", veröffentlicht 1913 in Karlsruhe, kennt sowohl Makkaroni wie auch Spaghetti. Ungewohnt für heute: die Makkaroni werden in "halbfingerlange Stückchen gebrochen" und dann 25 bis 30 Minuten gekocht.

Neben den diversen Makkaroni-Gerichten gibt es auch einmal Spaghetti. Die Priorität ist klar. Spaghetti werden erklärt als "Spaghetti ist eine Art feine Makkaronisorte. Beim Einkauf achte man darauf, daß sie nicht hohl sind"

Die "Basler Kochschule. Eine leichtfaßliche Anleitung zur bürgerlichen und feineren Kochkunst" von 1908 kennt keine Spaghetti aber diverse Gericht mit "Maccaronis". Darunter sogar schon die Variante "a la napolitaine" mit Tomatensauce.

Weitere Recherche. Weitere Erkenntnisse bringt das Buch "Meine Suche nach der besten Pasta der Welt: Eine Abenteuerreise durch Italien", das die Ankunft der Makkaroni in Deutschland auf das frühe 18. Jahrhundert verlegt. Die 1701 nachweisbaren "Macronen" waren wohl eher Lasagne, aber irgendwann anfang des 18. jahrhunderts entstanden in Prag und Wien echte Makkaroni-Fabriken.

Die Pasta folgte anscheinend den jungen Männern der Grand Tour aus Italien in das restliche Europa. Bestimmt waren die Grand Tours für junge Männer, die mal etwas von der Welt sehen und klassische europäische Bildung mitbekommen sollten, die auf der Tour aber anscheinend nicht nur Statuen und Kirchen kennenlernten, sondern auch Pasta.

Philip Dawe, The Macaroni. A Real Character at the Late Masquerade (1773) - 02
Der Macaroni. Der Hipster seiner Zeit. Bild: Philip Dawe: The Macaroni. A Real Character at the Late Masquerade, 1773.

In England gab es sogar einen eigenen Modestil Macaroni für exaltierte junge Männer - "a fashionable fellow who dressed and even spoke in an outlandishly affected and epicene manner". Die englische Wikipedia schreibt dazu lakonisch: "Siehe auch: Hipster. Metrosexuell." Komplett falsch wäre wohl auch die Assoziation zur Toskana-Fraktion nicht. Und nach diesen extravagant und auffallend auftretenden jungen Männern ist nun wiederum ist im Englischen der Macaroni penguin - auf deutsch der Goldschopfpinguin - benannt.


Macaroni Penguin at Cooper Bay, South Georgia (5892387033)
Makkaroni-Penguin. Benannt nach dem Stil, nicht nach den Nudeln. Bild: Macaroni Penguin at Cooper Bay, South Georgia von Liam Quinn, Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Wie aber kommen nun die Löcher in die Makkaroni? Und seit wann? Licht in dieses Dunkel bringt die "Encyclopedia of Pasta." Diese lokalisiert die Entstehung der maschinellen Pastafertigung - die für Makkaroni in zumutbarer Menge unvermeidlich ist - in die Bucht von Neapel in das 16. Jahrhundert. Dort existerte eine Heimindustrie mit Mühlen, an die sich relativ problemlos eine im 16. Jahrhundert aufkommende ’ngegno da maccarun anschließen lies, die es den Neapolitanern ersparte stundenlang im Teig herumzulaufen, um ihn zu kneten: im Wesentlichen Holzpressen mit einem Einsatz aus Kupfer, je nach Form des Einsatzes entstehen verschiedene Nudelsorten und damit unter anderem Makkaroni. Die Makkaroni wurden dann in langen Fäden zum trocknen in die süditalienische Sonne gehängt.


Sommer, Giorgio (1834-1914) - n. 6204 - Napoli - Fabbrica di maccheroni
Neapel, 19. Jahrhundert. Bild: Giorgio Sommer (1834-1914), "Torre Annunziata-Napoli - Fabbrica di maccheroni". Fotografia colorita a mano. Numero di catalogo: 6204. 

Das hat alles nicht mehr wirklich etwas mit Spaghetti und der DDR zu tun, beantwortet nicht, warum die Deutschen in den 1960ern plötzlich lieber Spaghetti als Makkaroni mochten, oder warum die Makkaroni bei ihrem ersten Zug über die Alpen die Tomatensauce in der Schweiz ließen? Warum gibt es in Deutschland kein Äquivalent zu "Macaroni and cheese" (mehr)? Gab es ein Miracoli-Äquivalent in der DDR, bei dem es Pasta, Sauce und Käse schon in einer Packung gab? Warum sind Makkaroni in Deutschland tendenziell lang und dünn in vielen anderen Ländern aber dicker und hörnchenförmig-gebogen? Es ist hochspannend. Und ein Grund, noch viel mehr zu recherchieren.

Freitag, 29. Januar 2016

WikiWedding: ein Stadtteil und ein Bastelbrockhaus kommen zusammen

Berlin Wedding rathausbaer 14.11.2015 14-11-21 Was passiert, wenn man eine Internet-Enzyklopädie und einen Stadtteil aufeinander loslässt? Diese Frage soll in den nächsten Monaten das Projekt WikiWedding klären. Zum einen soll es dazu dienen, Lücken in Wikipedia/Commons/Wikivoyage/Wikidata zum Berliner Stadtteil Wedding zu füllen. Zum anderen soll es Weddinger dazu animieren, nach ihrer Lust und ihren Fähigkeiten zu den Wikiprojekten beizutragen. Wer selbst mal schauen möchte, Ideen hat, oder selbst an und mit einem der ärmsten und sexiesten Berliner Stadtteile zu arbeiten, der gehe hier entlang.

Samstag, 23. Januar 2016

Schwimmbäder nah und fern: Kombibad Mariendorf/Hallenbad

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.Heute: das Kombibad Mariendorf, Teil Hallenbad.

Berlin-Mariendorf: der Ortsteil wie eine 80er-Jahre-Party; nur halt ohne Party. Man stelle sich eine westdeutsche Mittelstadt vor, die 1985 unter Quarantäne gestellt wurde: keine Neubauten, keine Geschäftseröffnungen und keine Fort- und Zuzüge. So ähnlich fühlt sich Mariendorf an. Dem Flair des Ortsteils hilft es nicht, dass Mariendorf ein Straßendorf ist und als solches kein rechtes Ortszentrum hat. Das Kombibad Mariendorf liegt weitab der nächsten U-Bahnhaltestelle an jener Straßendorf-Dorfstraße in der Nähe einer Bäckerei, Buchhandlung, eines Reisebüros, eines kleine Modegeschäftes und ähnlichem.Ansonsten passt es sich sehr gut in das Mariendorfer Flair ein.

Da der Begriff "Kombibad" außerhalb Berlins nur wenig verbreitet ist, noch zur Erklärung: ein Kombibad ist ein Bad zu dem sowohl Hallen- wie auch Freibad gehören. Da das Freibad aus wohl nachvollziehbaren Gründen gerade geschlossen ist, hier die Vorstellung des Hallenbades. Das baujahr war mir nicht zu ermitteln, ich würde aber stark auf Ende der 1970er/Anfang der 1980er tippen.



Gebäude: Waschbeton! Wäre ich freundlich würde ich sagen sozialdemokratisch-unaufdringlich-funktional. Das Schwimmad ist schon sehr rechteckig so insgesamt. Leider kam irgendwann die Mode auf, Schwimmbäder mit vergleichsweise niedrigen Decken zu bauen, was das Raumgefühl doch einschränkt. Ansonsten sieht es so aus wie meine Kindheit aussah und passt damit natürlich wunderbar in das 80er-Jahre-Biotop Mariendorf. Relativ große Eingangshalle, zwei Geschosse, im unteren Geschoss sind Bad und Kabinentrakt, im oberen die Sauna. Direkt an das Bad angeschlossen und durch eine große Fensterfront getrennt ist das Restaurant "Poseidon". Neben dem Hallenbad liegt das Sommerbad (Freibad). Das Freibad ist natürlich geschlossen derzeit, aber durch die Fensterfronten in der Schwimmhalle hat mensch einen leidlich netten Ausblick auf ein halb eingeschneites Freibad.

Unkleidekabinen/Dusche: Braun! Wo das Stadtbad Wilmersdorf im fröhlichen Früh-70er-Orange erstrahlt, überwiegt hier braun. Dunkelbraune Kabinentüren und dunkelbraune Schranktüren, dazu ein kleinkacheliges Mosaik aus Beigetönen auf dem Boden von Gang und Dusche. Noch auffallender aber sind die Kacheln. Wo Schwimmbadkabinen meistens aus Kunststoff oder neuerdings aus undurchsichtigem Glas bestehen, sind diese hier aus Stein (Beton?) und gefliest. Die Gaderobenschränke sind auch aus Stein und gefliest.

Und weil Fliesen anscheinend eine große Rolle bei Errichtung des Bades gespielt haben, haben die Erbauer im Gaderobentrakt gleich noch ein paar Zusatzwände ohne Funktion eingezogen und diese auch gleich gefliest. Ein braunes Fliesenlabyrinth. Eine Neuerung scheint der Bewegungsmelder bei der Beleuchtung zu sein, der allerdings erst angeht, wenn man den Gang schon halb runter ist. Ein braunes Fliesenlabyrinth in dunkel. Das Kombibad hat ein besonderes Eintrittserlebnis.

An den Duschen Schilder mit wirklich großer Schritt: "die Badevorschriften verpflichten jeden Badegast sich im Reinigungsraum mit Seife zu waschen. Das bei ist die Badebekleidung abzulegen." Das sind noch echte Ansagen. Der Reinigungsraum hat übrigens nicht nur das beige Kachelmosaik sondern einen lindgrünen Fliesenstreifen etwas über Kopfhöhe und Armaturen die offensichtlich noch im Originalzustand von 1982 sind. Großartig!

Schwimmhallen: das Becken für Schwimmer hat wunderbarerweise 50-Meter-Bahnen. Dazu kommt ein Nichtschwimmerbecken und ein Miniaturbecken mit 3,60-Meter-Wassertiefe und einem drei-Meter-Turm. An der Stelle mit dem 3-Meter-Brett ist auch extra die insgesamt eher niedrige Decke erhöht. Die Innendeko an den Wänden ist zum Glück nicht mehr braun, sondern gelb-orange-blau. Freunde des Brauns müssen sich aber auch nicht grämen: das beige-weiße Bodenmosaik aus den Kabinentrakt wird in der Schwimmhalle nahtlos fortgesetzt.

Durch die niedrige Deckenhöge reicht leoder selbst eine komplette Fensterseite und ein sonniger Wintertag nicht aus, um genug Licht hereinzulassen. Die Lampen mussten angeschaltet werden. Das Becken ist groß, wird im flachen Teil 1,20 m tief (ist also noch beschwimmbar) und insgesamt eher kühl. 28 Grad in Mariendorf fühlen sich deutlich kühler an als 28 Grad in Wilmersdorf. Dabei ist das Wasser im tieferen Teil merklich kühler als im flacheren Teil.

Aber das wichtigste: es hat 50-Meter-Bahnen.

Publikum: Ich war augenscheinlich der jüngste. Auch zu erwähnen: das Verhältnis zwischen Schwimmern auf der einen und Planschern, Paddlern und Plauderern auf der anderen Seite war stark zugunsten der Schwimmer ausgeprägt. Okay, das mit dem jüngsten Gast stimmt auch nur, wenn ich die diversen extrem niedlichen Schwimmkurse für Kleinkinder ignoriere. Und selbst deren Trainerinnen waren vermutlich jünger als ich.

Beim Zweitbesuch nahm ich noch 20 Minuten vom offiziell in den Öffnungszeiten stehenden "Spaßbaden" mit. Das Spaßbaden besteht anscheinend aus diversen Schwimmnudeln und anderen Geräten, die rund um das Nichtschwimmerbecken verteilt werden. Die wurden aber durchaus lebhaft angenommen. Das Schwimmerbecken war zu der Zeit quasi leer. Was für ein Luxus!

Gastronomie: das Restauran "Poseidon". Entgegen dem Namen und der Gestaltung des Schildes kein Grieche (mehr), sondern kleinstädtisch-bürgerlich wie es sich gehört: mit Bouletten auf der Karte, Sülze, Bauernfrühstück und Nudeln. Wie es sich für ein Schwimmbad gehört natürlich auch mit Pommes pur und Verkaufsgelegenheiten für Süßigkeiten. Das Poseidon passt sich dem braunen Stil des Bads mit braunen Tischdecken, dunklen Lampen und einer Holzdeko-Bar an, die mich an Partykeller meiner Kindheit erinnert. Auf der positiven Seite: die Bedienungen waren erstaunlich schnell, als ich da war, war es überraschend voll, der Kaffee war in der besseren Hälfte der Gastronomiekaffees, die ich im Leben trank. Keine Aussage über das Essen: ich hatte keinen und die Nebentische haben sich auch auf Heißgetränke beschränkt.

Preis: 5,50 Berliner-Bäder-Standardpreis

Sonstiges: Oh nein! Sie wollen dieses wunderbare Museum-Zeitkapsel-Bad durch einen hypermodernen Neubau ersetzen. Die genauen Pläne klingen für mich ja eher durchschnttlich-uninspiriert und die Standortwahl eher seltsam. Selbst wenn man schon im Berlner Südwesten wohnt, ist das Anreise eher langwierig. Aber vor allem: das ist ein historisches wertvolles Bauwerk im Originalzustand! Sowas reisst man nicht ab! Frevel! Geht hin solange ihr noch könnt!

Fazit: Die niedrigen Decken, der labyrinthische Gaderoben- und Duschenbereich. Dieses Braun.. das Mariendorfer Bad macht es einem nicht einfach, es zu lieben. Andererseits mag ich sie ja schon für das Wort "Reinigungsraum". Und diese lindgrünen Kacheln. Überhaupt: gekachelte Gaderobenschränke! Eine überraschend nette Gastronomie. Und überhaupt positive Vibes an sich. Da es sich hier auch noch um ein bedrohtes Bad handelt, das uns irgendwann demnächst mal verlassen wird, lohnt der Besuch auf jeden Fall,

Mittwoch, 20. Januar 2016

Trying a digital gift subscription of the New York Times (@NYTsupport)

So, the offer was reasonable, the paper is amazing, so fo Christmas we tried a digital New York Times subscription.

First experiences: the process to subscribe is horrible. Mails getting lost several times, finding somebody who may responsible is a mess, people writing mails that evrything is cancelled while at the same time the money is being taken by the same organisation. I'm sure if my personal baker would ever open a webshop for bread it would be more professional.
 
Customer Care is a bit better than useless. After several mails we finally got the code to redeem the gift, but still had to look for ourselves where to redeem. Still there are some unanswered questions but by now the Customer Care seems to have decided that two mails written to me is all the time and effort they can expend.

It is kind of irritating that my subscription is linked to my e-mail adress, but still to the same adress I get offers to subscribe.

So, for reading. The paper is amazing and I have to stop myself not to read it every day for hours.

Still being amazed that the NYTimes offer stories and portraits about normal people - just like you and me - getting married.

Interestingly compared to German papers, way more content about Fashion, Style and Food and way less content about architecture.

To be continued.







Montag, 18. Januar 2016

Tanz auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation society“ im #wedding

Berlin ist groß; deutlich größer als alle anderen deutschen Städte. Berlin bietet seinen Bewohnerinnen und Bewohnern immer wieder neue Straßen, Stadtviertel und ganze Bezirke von denen sie noch nie gehört haben. So fand sich dann vor 10 Jahren eine Gruppe Wikipedistas zusammen, die im Rahmen der KNORKE-Touren Berlin erkundete. (Für mehr Hintergrund, hier der Iberty-Artikel) Einige oder viele Wikipedianer treffen sich, neugierig auf die Stadt um sie herum und erkunden sie. Die Treffen finden dabei unregelmäßig statt. Mal sind sie monatlich, mal alle anderthalb Jahre.

Im Januar 2016 traf sich die erste KNORKE-Runde nach über einem Jahr Pause seit zur Tour entlang der Müllerstraße, dem „Ku’damm des Weddings“. Vom Startpunkt aus, dem Angelgeschäft Koss, beziehungsweise dessen Madenautomaten, ging es weiter zu Gänsen, Enten und Schweinen in der Kinderfarm Wedding. Leider überlebten die Maden im Sägemehl nicht den Gang bis zu den Enten und konnten so nicht mehr als Futterspende dienen. Zwischendurch warfen wir einen Blick auf den Abenteuerspielplatz Telux, laut einem der Knorkisten der erste Abenteuerspielplatz Deutschlands.[citation needed]

Wedding Automatenmaden
Berlin-Weddinger Automatenmaden.

Nach dem Besuch der Schweineställe in der Kinderfarm folgte die Innenbesichtigung des Ernst-Reuter-Hauses mit kurzem Blick auf den Biergarten Eschenbräu, bevor es nach Süden Richtung Bayer Health Care (ehemals : Schering) ging. Am Beispiel des Schering-Parkhauses erörterten wir die Existenz der "brutalism appreciation society" und diskutierten die Frage ob Bauwerken des Brutalismus die Fassadengestaltung mit knalligen Farben eher nutzt oder schadet. An der Dankeskirche am Weddingplatz lebten die wilden Zeiten des Roten Weddings wieder auf, Erich Kästner verewigte den Platz mit seinen wilden Straßenschlachten in seinem Roman Fabian.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01
Ein Fall fur die brutalism appreciation society.

Danach ging es an der Panke entlang zu einem der ungeplanten Höhepunkte der Tour: dem Tanz auf dem Guglhupf. Das Kunstwerk mit dem offiziellen Namen „Tanz auf dem Vulkan“, das offensichtlich von einer engagierten Kunststudentin im ersten Semester geschaffen wurde, regte auf jeden Fall zur intensiven Diskussion an.

Nachdem einem Blick auf das Stadtbad/Stattbad Wedding - das wegen des Brandschutzes geschlossen werden musste - überlegten wir wann es dem Krematorium Wedding wohl genauso geht. Beide Sightseeingpunkte wurden noch mit Geschichten der jetzigen und ehemaligen Bewohner des Weddings abgerundet. Schnee und Kälte zwangen uns dann zu einem Kaffeestop in einem der zahlreichen inhabergeführten migrantischen Geschäfte der Müllerstraße.

Tanz auf dem guglhupf
Kunst im öffentlichen Raum. Der Tanz auf dem Guglhupf.

Dann noch schnell ein Schinkel-Bau, am interkulturellen Garten Himmelbeet die Überlegung ob es ein nicht nur eines Lokals B in Berlin bedarf, sondern auch eines Lokalen Beets B, noch schnell eine weitere Kirche abgehakt, das Rathaus Wedding auf dem ehemaligen Gelände von Onkel Pelles Rummelplatz - auch dieser mit einer Würdigung durch Kästner. Ob die neu eraute Schiller-Bibliothek schick war oder eher nicht, daran schieden sich die Geister. Am Platz des unscheinbaren AOK-Gebäudes erbargen sich die Pharus-Säle, einst das "Wohnzimmer der KPD" im Wedding und die Schiller-Bibliothek. Abschluss für die frierende Gruppe dann schließlich beim exzellenten "Rebel Burger" mit Coleslaw, Pommes-Twister im stilechten denkmalgeschützten 50er-Jahre-Kiosk. KNORKE kommt wieder. Im Jahr 2016 bestimmt.

Krematorium wedding
This is friend is not the end (anymore): Das ehemalige Krematorium Wedding

Sonntag, 17. Januar 2016

Das Scheitern des Helden ist in der Tragödie unausweichlich; die Ursache liegt in der Konstellation und dem Charakter der Figur. #schwimmbad


Berlin schoeneberg haupt 13.12.2012 18-27-18
Samstag Abend im Stadtbad Schöneberg. Zu sagen es wäre voll, wäre noch nett ausgedrückt. Darunter viele Seltenschwimmer, die ähnlich orientiert wirken wie Sonntagsfahrer oder Amateurbahnfahrer. Mein Bedarf an Körperkontakt mit Fremden ist für die nächsten drei Monate gedeckt.

Und dann, es kommt wie es kommen muss. Die Dame aus der Fraktion auch-wenn-es-hier-proppeneng-ist-ich-schwimme-Rücken-sollen-doch-die-anderen-sehen-wo-es-langgeht und der junge Herr aus der Gruppe Keine-Ahnung-wie-Freistil-geht-Hauptsache-es-spritzt-viel-und-ich-werfe-meine-Arme-wild-durch-die-Gegend auf genau derselben Bahn.

Frontaler Aufschwimmunfall! Immerhin, keine Schwerverletzten.

Samstag, 16. Januar 2016

Berlin celebrates old school #wikipedia15

I still remember the time when real life meetings for Wikipedians were new and adventurous and a bit scary. Did one really want to meet these strange other people from the Internet? How would they be? Could they even talk in real life or would they just sit behind a laptop screen staring on it for hours?

My first meeting in Hamburg – THE first Wikipedia meeting in Hamburg - would consist of three people (Hi Anneke, Hi Baldhur!) sitting in a pub, and just waiting and seeing what would happen. These meetings were kind of improvised, in a pub, quite private and personal in nature and no talk about projects, collaborations, “the movement” whatever. Just Wikipedia and Wikipedians having a nice evening.

WP15 Germany Berlin 01
Bild: By Sargoth, CC BY-SA 3.0

So what a fitting setting to celebrate this day in Berlin just the old school way. Half improvised, organized by our dearest local troll user:Schlesinger on a talk page, we met in a pub, it was not clear who would come and what would happen except some people having a good time.

And so It was. In the “Matzbach” in the heart of Berlin-Kreuzberg seven people promised to come, in the end we were almost twenty. Long time Wikipedians, long-time-no-see-Wikipedians, a Wikipedian active mostly in Polish and Afrikaans, some newbies and two and a half people from Wikimedia Deutschland. Veronica from Wikimedia Deutschland brought a tiny but wonderful home-baked cake, and we just talked and laughed, talked about history and future.  Actually, mostly we talked about future.

WP15 Germany Berlin 03
Bild: By Sargoth, CC BY-SA 3.0

About the Wikipedian above 30, who has just started a new a university degree in archaeology, the question whether the Berlin community should have its own independent space, industrial beer, craft beer and the differences, the district of Berlin-Wedding, the temporary David-Bowie-memorial in Berlin-Schöneberg, the vending machine for fishing bait in Wedding, new pub meet-ups in the future, who should come to the open editing events, how to work better with libraries, colorful Wikipedians who weren’t there, looking for a new flat, whether perfectionism is helpful or rather not when planning something for Wikipedians, explaining Wikipedia to the newbie, the difficulties of cake-cutting and whatsoever.

No frustration, almost no talk about meta and politics, just Wikipedians interested in the world, Wikipedia and eager to be active in and for Wikipedia and with big plans for the future. Old school. So good.

WP15 Berlin Torte angeschnitten

Ein paar Worte zum 15.

Ein erster kurzer Beitrag von mir zum 15. Wikipedia-Geburtstag ist nebenan:

15 Jahre Wikipedia: Alles Gute!

Mittwoch, 13. Januar 2016

Gastbeitrag: Wikipedieren im Alltag

Meiner Erfahrung aus Gesprächen mit Nicht-Wikipedianern ist es, dass diese sich nur schwer vorstellen können, wie und wann man überhaupt an der Wikipedia schreibt. Oft bleibt denen das ein größeres Rätsel und im Laufe der Jahre habe ich schon ziemlich seltsame Vorstellungen darüber gehört. Um so schöner, wenn es mal eine nette kleine Erzählung gibt, wie es tatsächlich läuft. Achim Raschka hat im Kurier, dem internen Mitteilungsblatt der Wikipedia, einen kleinen Artikel darüber geschrieben, wie es denn im Alltag tatsächlich aussieht mit dem Wikipedieren. Mit freundlicher Erlaubnis des Autor dokumentiere ich den hier. Der Artikel erschien ursprünglich am 13. Januar 2016 im Wikipedia:Kurier und steht unter der CC-BY-SA 3.0-Lizenz. - Dirk

Allmorgendliche Entscheidungen  


Mal etwas persönliches und vollkommen abseits von der großen Wikipedia-Politik und einfach mal nur so aus dem Autorenkästchen: Geht es euch eigentlich auch so, dass ihr jeden Morgen auf's Neue vor dem Bildschirm hockt und überlegt, was euer heutiger Beitrag zum Weltwissen sein sollte? Dass ihr jeden Morgen neu überlegt, welche Baustelle gerade passend ist für die verfügbare Zeit, vertretbar für den Müdigkeitsgrad und dann auch noch wichtig genug, diese Zeit zu gebrauchen? Hier mal ein paar Gedanken von mir und ein kleiner Einblick in meinen Autorenalltag.

Also vorab: Ich spende eine Menge meiner freien Zeit für die Wikipedia – eigentlich einen Großteil dessen, was neben Arbeit und Familie an Freizeit existiert. Der kontinuierlichste Teil ist dabei jedoch mein alltägliches Morgenritual vor dem Weg zu Kindergarten und Arbeitsplatz. Jeden Morgen stehe ich gegen 6:30 Uhr auf, mache mir meinen Kaffee und helfe den Kids ein wenig beim Loskommen zur Schule und zum Kindergarten – und starte meinen Rechner. Jeden Morgen weiß ich auch, dass ich um 8:30 Uhr das Haus verlassen muss und nach Abzug von Dusche etc. bleibt mir entsprechend ein Zeitfenster von etwa einer Stunde. Und damit beginnt der Morgentrott.

Am einfachsten ist es, wenn ich gerade in einem Fließband bin – Hörnchenartikel mit fester Vorlage und kaum Abweichungen sind da wunderbar und ein solcher Artikel lässt sich in der Regel auch gut in der Stunde schreiben – trotzdem überlege ich jeden Morgen, was ich jetzt eigentlich starte, ob das auch wirklich eine gute Idee ist, oder ob es nicht doch irgendetwas wichtigeres oder besseres gibt.

Man könnte etwa die aufgelaufenen Neu-Artikel im Bioportal lesen und korrigieren (etwa 20 Minuten pro Normalartikel), man könnte an der aktuellen Großbaustelle weiterwerkeln, man könnte einfach mal so von Artikel zu Artikel springen und Kleinkram erledigen (etwa ein Kladogramm einbauen oder wie heute ein paar Ausgaben der Mammalian Species in die Artikel integrieren) oder man könnte sich die morgendlichen VMs [Vandalismusmeldungen] antun, Löschdiskussionen scrollen, ein Review schreiben, einen Kandidaten beurteilen… meistens bleibt es jedoch beim Hörnchen mit Kaffe. Nur heute, da gibt es keines – heute gibt es einen frühen Morgengedanken im Kurier. In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen Tag, macht was draus.

 

Montag, 11. Januar 2016

Schwimmbad Berlin: Stadtbad Wilmersdorf

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Stadtbad Wilmersdorf.

Stadtbad wilmersdorf 30.03.2014 16-40-13

Das Stadtbad Wilmersdorf ist neben dem Schöneberger Bad mein zweites Stammbad. Nein eigentlich mein erstes. Während das Schöneberger Bad ja seit einiger Zeit ein Premium-Bad mit höheren Eintrittspreisen, wärmeren Wasser und ein paar Goodies wie Rutsche und Solebecken ist, ist das Wilmersdorfer Bad primär ein Bad zum Schwimmen.

Kühleres Wasser, wenig Chi chi, aber auch bessere Eintrittspreise. Leider liegt es ein Stück weiter weg und hat gegenüber Schöneberg auch die deutlich schlechteren Öffnungszeiten.

WilmersdorfHeidelbergerPlatzSchwimmbad-1

Das Wilmersdorfer Bad stammt soweit ich weiß, wie das nahegelegene Sommerbad Wilmersdorf, aus den 1950ern als den Berlinern Luft, Liebe, Freiheit und Auslauf geben sollte. Wahrscheinlich noch beeinflusst von den Gartenstadtideen der Vorkriegszeit ist ein einfacher funktionaler Bau mit offensichtlichem Wert auf Luft und Liebe. Auch offensichtlich war das letzte Mal, dass sich eine zuständige Stelle letztmals ernsthaft für das Bad interessiert hat, irgendwann in Den 1970ern. Aber das muss nichts Schlechtes sein.

Sonntag, 10. Januar 2016

Hallo Crocky

Liebe Bloglesende.

Darf ich vorstellen: das ist Crocky, mit ganzem Namen Crock Pot Slow Cooker. Er ist uns seit neuestem Zugelaufen und wohnt jetzt neben dem Küchenschrank.


Crocky besteht aus einem Keramikeinsatz und einem Heizelement


Crocky. liebt es ganz besonders Lebensmittel bei 80 bis 120 Grad über viele viele Stunden weich zu kochen.


Crocky wird sicher auch diesen Blog in den nächsten Monaten um einiges bereichern. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Lesende und Crocky sich kennenlernen.



 See you soon again, Crocky.

Dienstag, 5. Januar 2016

12 Jahre Bastelbrockhaus

Ich schreibe gerade für ein Blog nebenan ein paar Kleinigkeiten zum baldigen 15-jährigen Jubiläum der Wikipedia. Dabei fiel mir auf, dass genau heute ja mein 12-jähriges ist. Und auf meinen allerersten Beitrag bin ich immer noch stolz. Es war eine Erweiterung des Artikels zum liberalen Denker John Stuart Mill:
Werk
Mills schriftstellerische und politische Tätigkeit sollte vor allem dazu dienen, die Menschen zu moralisch höherwertigen Wesen zu entwickeln. Dabei suchte er nach verschiedenen Ansätzen, deren innere Kohärenz mehr der Suche des Interpreten unterliegt, als dass er sie explizit macht. Ideengeschichtlich wirksam wurden vor allem drei Aspekte:
Mill-Limit
In seiner bekanntesten Schrift „On Liberty“ (dt: „Über die Freiheit“) setzt Mill das Limit „… dass der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, sich in die Handlungsfreiheit eines ihrer Mitglieder einzumischen befugt ist: sich selbst zu schützen. Daß der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gesellschaft rechtmäßig ausüben darf: die Schädigung anderer zu verhüten.“ Das Mill-Limit gilt heute noch, besonders in angloamerikanischen Ländern, als Grundlage des Liberalismus.
Utilitarismus
Im Gegensatz zu Jeremy Bentham oder seinem Vater James Mill entwickelt JS Mill den Utilitarismus weiter. Wo es bei ersteren rein quantitativ um das „größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl“ ging, avisiert JS Mill eine qualitative Vorgehensweise, die „höhere“ von „niederen“ Genüssen unterscheidet und entsprechend gewichtet. Er kann damit einige der Haupteinwände gegen den Utilitarismus umgehen, bleibt selbst aber relativ unkonkret dabei, wie „höhere“ und „niedere“ Genüsse zu unterscheiden sind.
Feminismus
Ungewöhnlich für seine Zeit und wahrscheinlich beeinflusst durch seine spätere Frau Harriot Taylor (Mill), vertritt JS Mill feministische Ansichten. Er fordert ebenso das Frauenwahlrecht wie ein Scheidungsrecht. Auch untersucht er als einer der ersten sozialwissenschaftlich die Unterdrückung der Frau.

Old sheep face

Bild: Old sheep face. Von: By Roger Green from UK (Old Sheep) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Sonntag, 3. Januar 2016

Schwimmbäder nah und fern: Hallenbad Lörrach

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Spannung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.Heute: das Hallenbad Lörrach.

Nach Berlin geht es diesmal ganz in den Süden an die Schweizer Grenze. Lörrach liegt auf der deutschen Grenzseite von Basel, hat knapp 50.000 Einwohner, ein Freibad und ein Hallenbad. Lange eine kleine Industriestadt, erlebt die Stadt seit diversen Jahren einen Schweiz-induzierten Boom, der sich vor allem daraus speist, dass reiche Schweizer aus Basel und dem Umland Lörrach zum Arbeiten und Leben nutzen. Das einzige Hallenbad im Ort eröffnete am 7. Dezember 1973 und dient allen Sportvereinen wie der BRSV Lörrach oder Rot-Weiss Lörrach, der Tauchsportgemeinschaft Lörrach-Weil, sowie Schulen und Einwohnern zum Baden. Die Naturfreunde Lörrach halten im Schwimmbad ihr Wintertraining für das Kayakfahren ab. Das Bad liegt am Rand des Rosenfelsparks am Fuß des Lörracher Innenstadtbergs, nahe diverser weiterführender Schulen. Die urprünglichen Baukosten beliefen sich - inklusive der Rosenfelshalle - auf 6,3 Millionen DM.

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Gebäude: In meinem Inneren habe ich ein idealtypisches Bild eines Kleinstadtschwimmbades. Das „Hallenbad Lörrach“ kommt – angefangen vom Namen – nahe an dieses Idealbild heran; eine rechteckige Halle mit großen Glasfenstern. Die Anmutung ist diejenige,  die öffentliche Gebäude in den 1970ern/1980ern halt so hatten. Sämtliche ausgefalleneren Elemente des Bades wie die farbige Fenstergestaltung oder die Kunst an der Fliese sind offensichtlich neueren Datums und nachträglich angebracht. Einziges Extra ist die kleine Galerie an der Längsseite des Schwimmerbeckens, auf der bei eventuellen Schwimmwettkämpfen das Publikum aus zusehen kann. Erreichbar ist dieser langgezogene Balkon mit Holzbrüstung über den Vorraum, so dass das Publikum nicht erst in den eigentlichen Schwimmbereich muss.

Umkleidekabine/Dusche: An sich eine unspektakuläre Einrichtung. Vom Eingang kommt man in den Flur. Um vom Flur zu den Schränken zu gelangen, muss man zwangsweise durch eine Kabine durch, die eine lange Barriere zwischen Eingangsflur und Schränken bilden. Von den Schränken wiederum führt der Weg durch die Duschen ins Becken. Alles liegt auf einer Ebene. Die Kabinen und Schränke sind allen Interessierten aller Geschlechter zugänglich – sprich: es gibt einen gemeinsamen Bereich mit Einzel- und Familienkabinen und je eine Sammelkabine für Männer und Frauen. Schränke sind wieder für alle erreichbar, Duschen getrennt. Kabinen/Schränke/Duschen sind offensichtlich recht neuen Datums und tadellos gepflegt.

Interessantes Detail: die Kabinen sind vom selben Schweizer Hersteller wie im Stadtbad Schöneberg in Berlin, anscheinend aber ein anderes Modell. Noch spannenderes Detail: die raffinierte Türöffnungsmethodik, die in Schöneberg nie richtig funktioniert, lässt sich in Lörrach vollkommen problemlos bedienen. Überhaupt: wie das ganze Bad sind anscheinend auch Duschen und Kabinen in den letzten Jahren einmal grunderneuert worden. Hinter dem eigentlich recht soliden Ansatz blitzt immer wieder das Bestreben nach Stil und Eleganz durch, dass sich dann auch später im Becken und Deko zeigt.

Becken: Wie sie so sind diese idealtypischen Kleinstadtschwimmbäder. Ein 25-Meter-Schwimmerbecken, ein Nichtschwimmerbecken und ein Babybecken. Das Hallenbad Lörrach ist eines der wenigen mir bekannten Schwimmbäder, das keinerlei Sprungbrett hat – wohl auch, weil ein erwachsener Mensch auf einem 3-Meter-Brett möglicherweise Probleme mit der Deckenhöhe bekommen könnte. Das Wasser hatte knapp 29 Grad und die Startblöcke sind ebenfalls ziemlich neu und modisch. Wie allgemein gesagt werden muss: auch wenn das ganze Bad ein Ausbund an solider Langeweils ist – es war top in Ordnung, alles ging, die Fliesen waren nicht im geringsten rutschig und allgemein erweckt Becken und Gelände druherum den Anschein als würde einmal am Tag eine Herde Hausmeister jede einzelne Schraube geradeziehen und für Ordnung sorgen.

Publikum: Ingesamt kommen besuchen pro Jahr etwa 100.000 Menschen das Bad. Bei unserem Besuch war es relativ voll, aber es war auch in den freien Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr. Viele Menschen aus der Alterskohorte 2 bis 12, niemand zwischen 12 und 25, und danach je älter desto mehr.

Gastronomie: Es existiert eine Bar an der man zwischen 16 und 20 Uhr Pommes und Frikadellen bekommen. Da es noch vor 16 Uhr war, habe ich den Saeco-Kaffee/Süßigkeitenautomaten probiert. Der Automat war auch eher von der stilvollen Art und Saeco, aber anscheinend gab es am Besuchstag Probleme:  der Espresso war zum sich schütteln.

Preis: 4 Euro. Damit unter dem Berliner Standardpreis von 5,50 Euro.

Sonstiges: Seit 2008 wird das ganze Schwimmbad mittels einer Holzhackschnitzelanlage beheizt.

Fazit: Spannend. Mal gebaut als quadratisch, praktisch, gut. Nicht spektakuläres, nichts aufregendes, aber was da ist, ist grundsolide. Mittlerweile aber anscheinend heftig aufgehübscht, erneuert, ökologisch umgebaut und umgestaltet, so dass sich das Hallenbad Lörrach auf den Weg von solide nach stylisch begeben hat. Es bleibt spannend, ob die Reise weitergeht.