Sonntag, 18. Dezember 2016

Haarfarben in den ersten zwei Reihen des Gottesdienstes zum 4. Advent in der Paul-Gerhardt-Kirche, Berlin-Schöneberg

Blond mit helleren Stränchen. (Beides vermutlich gefäbrt, Ursprungsfarbe eventuell dunkleres Blond)

Schwarz mit grauem Firnis.

Auf halbem Weg vom Grau zum Weiß.

Schwarz mit einzelnen grauen Stränchen.

Weiß. Blonde Reste noch erkennbar,

Mütze. Haarfarbe nicht erkennbar.

Dunkelgrau

Weiß

Rot-Orange. (sehr deutlich gefärbt. Ursprung: Weiß)

Mittelhelles Blond. Vermutlich gefärbt. Ursprung wohl dunkleres Blond.

Schwarz, ins rötlich gehend. Gefärbt. Ursprung vermutlich auch Schwarz.

Dunkelblond-braun-grau.

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Wie kommt Wasser in das Schwimmbad?

Ich liebe den Geruch von Trichloramin am Morgen! Oder am Vormittag oder am Abend. Beissend, ein wenig nass riechend, schwimmbadig. Trichloramin, nicht Chlor. Der typische „Chlorgeruch“ im Bad ist nicht der Geruch nach Chlor, sondern der Geruch nach Urinabbauprodukten. „Chlorgeruch“ entsteht wenn Chlor mit Stickstoffen reagiert. Im Schwimmbadkontext kommen die Stickstoffe vor allem Urin und Schweiß zum Chlor, aber auch durch einige Haut- und Haarpflegeprodukte.

Nachdem ich jetzt dafür gesorgt habe, mehr Platz im Bad für mich allein zu haben, folgen einige tiefergehende Worte zum faszinierenden Thema der Wasseraufbereitung im Schwimmbad.

Wasser tauschen


Früher gab es sowas nicht. Wasseraufbereitung? Was sollte Wasseraufereitung sein? Da schwamm man im See oder im Fluss. Wenn man Glück hatte, floß ein einsamer Bergbach mit warmer Quelle durch das eigene Badevergnügen; wahrscheinlicher war es ein Fluss, der irgendwann in die Stadt kam, die Reste vieler hundert Kilometer ungeklärten Wassers enthielt und dementsprechend aussah und roch. Es ist nicht wirklich verwunderlich, warum die Menschheit Wasser viele Jahrhunderte lang für Krankheiten verantwortlich machte. Und selbst im 19. Jahrhundert lästerten die Badenden in der Spree vor der Berliner Innenstadt über die Badenden in der Spree hinter der Berliner Innenstadt, dass Badende weiter hinten in der Spree tote Katzen mit aus dem Wasser brächten.

Zum Glück ist das lange vorbei. In der Spree kann man immer noch nicht baden, aber zumindest treiben im Allgemeinen keine toten Katzen im Fluss. Vor allem existieren mittlerweile Schwimmhallen, die einen Wasseranschluss ganz unabhängig von den Launen des naheliegenden Fließgewässers haben. Im sehr späten 19. Jahrhundert entstanden die ersten Bäder als Zweckbauten. Für die Wasseraufbereitung gab es noch immer keinen echten Mechanismus. Also wurde das Wasser in regelmäßigen Abständen komplett abgelassen und das Becken dann wieder aufgefüllt. Heute funktioniert das anders.

Montag, 5. Dezember 2016

Freitag, 2. Dezember 2016

BAMA!

Blaue Flecke allüberall. An den Händen, den Unterarmen und erst recht an den Oberarmen. Erst an der Schulter wird es besser. Dort ist das Shoulder Pad. 32 Grad Anfang Oktober, 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ich stehe auf einer Rasenfläche in South Haven, Mississippi, Südstaaten, USA. Schwer atmend, blaue Flecken zählend und auf der Suche nach dem Gatorade. Der Zustand nach zwei von vier Stunden des täglichen Trainings.



Lange Jahre hatte es gebraucht bis ich meine Football-Begeisterung ausleben konnte. Bereits zehn Jahr vorher als Junge in der Grundschule hatte ich nachts vor den Fernseher geschlichen, um beim Superbowl die Niederlage der Cincinatti Bengals gegen die San Francisco 49ers mit Joe Montana zu erleben. Zu meinem großen Leidwesen gewann das falsche Team. Denn – ich war jung – Cincinattis Helme im Tigerstreifendesign waren ja wohl das coolste, was es an Sportkleidung gab. Seitdem verfolgte ich den Football. Aber erst Mississippi, die große verschwitzte Umkleidekabine, das Feld, das Laufen-laufen-laufen und noch mehr-laufen, ließ aus dem Interesse eine Obsession werden.

Montag, 21. November 2016

Schokoladenschwimmer

Halloren? Sind das nicht diese niedlichen schmackhaften Schokoladenkügelchen, die sich besonders im Osten Deutschlands großer Beliebtheit erfreuen? So rund, so gefüllt; im Standardsortiment jedes Supermarktes östlich von Niedersachsen.

Nein! Die Hallorenschokoladenkugeln sind bestenfalls ein Nachhall, eine verspätete Hommage eines Hallenser Schokoladenfabrikanten. Die Schoko-Halloren sind benannt nach den echten Halloren. Die Brüderschaft der Halloren war die Brüderschaft der Salzwerker in Halle in der Saale. Die Sole, die in Halle zu Tage trat, konnte einfach gewonnen werden. Von dort aus ging sie in die Welt und trug über Jahrhunderte zu Bedeutung und Reichtum der Stadt bei.

Eine dementsprechende Stellung in Halle hatte die Brüderschaft der Halloren. Es war eine eingeschworene geschlossenen Gemeinschaft, die vor allem untereinander heiratete und eine eigene soziale Gruppe bildete. Zumindest die Autoren des 18. Und 19. Jahrhunderts halten die Halloren für wendischen/slawischen Ursprungs. Wobei die Autoren für diese Einstufung wenig Belege haben außer der offensichtlichen Abgeschlossenheit und Andersartigkeit der Gruppe gegenüber den übrigen Hallensern, was im 19. Jahrhundert ja gerne ethnisch begründet wurde.

Hondorff - Halloren
Halloren in Halle. Aus: Friedrich Hondorff: Das Saltz-Werck zu Halle in Sachsen, ergänzt und aktualisiert von Johann Christoph v. Dreyhaupt in Beschreibung des Saalkreise von 1750.

Was aber noch unbekannter ist als die Halloren selbst, ist die bedeutende Rolle, die die Halloren aus Halle an der Saale bei der Etablierung des Schwimmsports in ganz Deutschland spielten..


Sonntag, 20. November 2016

Mittwoch, 16. November 2016

Dol2morrow



2016. Eine Jahreszahl als politische Lagebeschreibung. Es ist seltsam. Fast noch seltsamer  kommt es mir vor, dass es mir alles so bekannt wirkt. Fast scheint es mir wie eine Wiederholung des Jahres 2000. Damals als Farce in einem Online-Forum. Heute als Tragödie. Die Beschreibung der Tragödie überlasse ich heute anderen, und komme zur Farce.

Es war das Jahr 2000. Das Internet war gerade frisch ausgepackt, neu und aufregend. Ein paar junge Männer aus Aachen hatten eine Abstimmsoftware programmiert und darum ein kleines Internetspiel gestrickt: dol2day, Democracy Online today.

Lang ist's her


Das Prinzip war simpel: Nutzer könnten sich einer von fünf Parteien anschließen (Union, Sozialdemokraten, Liberale, Grüne und Sozialisten), alle paar Wochen wurde ein „Internetkanzler“ ohne Befugnisse gewählt. Zwischendurch vertrieb man sich die Zeit mit Fragen und Abstimmungen zu mehr oder weniger politischen Themen.  

Im Jahr 2000 war so etwas aufregend. Die Plattform wirbt immer noch mit "Web 2.0 seit 2000". Der damals erhaltene Grimme-Online-Preis steht weiterhin auf der Startseite. Die Presse berichtete, einige jüngere Nachwuchspolitiker waren durchaus aktiv (ich erinnere mich an Alexander Graf Lambsdorff), andere hoffnungsvolle Jungengagierte (Hallo, Mathias J) und andere spannende, tolle geistreche Menschen (zuviele nicht dass ich jetzt ausversehen jemand vergesse) zu Anfangszeiten ließen sich auch Parteizentralen ködern und schnupperten mal herein, denn CYBER und INTERNET. Der zeitweise existierende "virtuelle Landesverband" der PDS hatte seinen Ursprung auch in diesem Forum.

Dann geschahen zwei Sachen. 

Montag, 7. November 2016

Alkmene

Alkmene, Tochter des Elektryon und der Anaxo, Frau deren Weisheit von keinem sterblichen übertroffen wurde, groß, ihre dunklen Augen und ihr Gesicht waren so bezaubernd wie das der Aphrodite. Alkmene, Mutter des Herakles, des größten Helden der griechischen Mythologie.

Heracles and Iphicles

Alkmene, geschaffen von preußischen Obstforschern aus dem Cox Orange und Geheimrat Dr. Oldenburg, ohne bekannte Nachkommen. Aber ein Apfel.

Malus Alkmene 4597
Bild: Malus Alkmene. Von: Sven Teschke Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany..

Die unbekanntere der beiden Alkemenes entstammt aus der Gegend Frankfurt/Oder.

Dienstag, 1. November 2016

Schwimmbäder nah und fern: Marienbad, Brandenburg a.d. Havel

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute:  das Marienbad in Brandenburg an der Havel

Eines Tages riss das Raum-Zeit-Kontinuum, Farben leuchteten, die Erde bebte, und drei grundverschiedene Schwimmbäder landeten durch kosmischen Zufall zur selben Zeit am selben Ort. Willkommen im Marienbad Brandenburg an der Havel: Das Sport-Kinder-Frei-Hallen-Schwimmbad im wilden rumpeligen Stilmix.

Das Marienbad war ursprünglich ein Prestige-60er-Jahre-Freibad der DDR, gebaut durch Freiwillige und die sowjetische Rote Armee. Es entstand im Rahmen des Wettbewerbs "Schöner unsere Städte und Gemeinden" und genügte den Ansprüchen, um dort diverse DDR-Meisterschaften im Schwimmen auszutragen. Bis 1989 war das eine runde Geschichte.


Nun waren die Zeit nach der Wende nicht die beste Zeit für historische Schwimmbäder und auch dem Marienbad drohte der Abriss. Um es zu retten, wurde das Bad in den 1990ern Jahren zu einem Cabrio-Spaß-und Schwimmbad umgebaut. Einst ein sportliches Freibad, haben wir jetzt ein Bad für alle irgendwie: ein 60er-Jahre-Freibad mit Cabriodach, das sich bei schlechtem Wetter schließen lässt, ein echtes Freibad, eine moderne Schwimmhalle mit 25-Meter-Bahnen und ein, nun ja, „Funbad“.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Keine Schwimmbäder nah und fern: Abgänge

Die Bagger rollen, die Abrissmaschinen sind unterwegs. Innerhalb weniger Tage wird gerade aus dem Stadtbad Wedding eine flache Wiese, auf der dann Eigentumswohnungen für Studenten entstehen. Deutsches Schwimmbadwesen 2016.

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Allerdings, nicht alles ist super. Der Sinn dieser Iberty-Serie besteht auch darin, den bestehenden Reichtum des Schwimbadwesens unter widrigen Umständen zu dokumentieren. Wie alle öffentlichen Einrichtungen stehen Schwimmbäder unter finanziellem Druck und auch in Berlin verschwanden in den letzten Jahren einige dieser wundervollen Einrichtungen.

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Bild: Kaltwasserbecken im Saunabereich des Stadtbades Lichtenberg.(2009). Von: Frebbe Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unporte.

Einige Bäder, die von Schließung bedroht waren, werden mittlerweile privat betrieben, oft von Vereinen. Dazu gehören beispielsweise das Bad in der Siemensstadt, das Baerwaldbad, das Bad Oderberger Straße oder die Schwimmhalle im Freizeitforum Marzahn. Fast alle Bäder, die in den letzten 30 Jahren in Berlin entstanden, sind in privater Hand: Liquidrom, Badeschiff, Haubentaucher - das alles aber sind Bäder zum Rumhängen, Ausspannen und Chillen - schwimmen ist in allen der neuen privaten Bäder schwierig.

Esverschwanden Schwimmbäder. Da diese Bäder nicht mehr beschwimmbar sind, hier ein kleiner Überblick was wir seit der Wiedervereinigung Berlins verloren.

Samstag, 22. Oktober 2016

Kartoffeln mit Kartoffel und Kartoffeln und Kartoffeln. Und Wagyu. Im Fernsehen.

Bett. Tee. Wärmflasche. Taschentücher. Noch mehr Taschentücher. Zu kalt. Zu heiß. Taschentücher. Badewanne. Tee. Wolldecke. Bettdecke. Und das über viele Tage. Viel zu energie- und kraftlos, um zu lesen oder gar zu schreiben. Viel zu kalt und anstregend draußen für noch aktionistischere Aktivitäten.

Tom Aikens 10
Nachtisch bei Tom Aiknes, ehemaliger Gewinner, heute Juror. Bild: Tom Aikens 10. Von: Tzahy Lerner Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Erkältung! Aber so richtig. Immerhin: die Zwangspause unter den Decken bietet die seltene Gelegenheit so richtig fernzusehen; das Internet aufzuklappen und andere Menschen Abenteuer erleben zu lassen, während ich selbst im Ausbruch höchster Energie von links nach rechts rolle oder umgekehrt. Und dort im Internet fand ich sie: Die ultimate Kochshow. Eine, die tatsächlich sehenswert ist und bei der ich nach sechs Folgen hintereinander auch noch die siebte sehen will und nach 26 Folgen hintereinander auch noch die 27.: The Great British Menu. Ausgestrahlt seit 2006 durch die BBC und bisher auf Sendegebiet der BBC beschränkt.


Freitag, 30. September 2016

Schwimmbäder nah und fern: Tempelhof, Stadtbad/ Francke-Bad

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Stadtbad Tempelhof.

Dieses Gelb! Ein Gelb zwischen Butterblume, Butter und Sonnenaufgang. Oh so gelb! Eine ganze weite hohe Wand. Und dann diese Uhr, schwarz, minimalistisch, ein Kreis, zwei Striche und sonst nichts. Ich glaube, ich habe mich ein wenig in eine Wand verliebt. Diese Wand bildet das optische Highlight des  Stadtbades Tempelhof – ein Bad, das sehr spannend zwischen sachlicher Funktionalität, 60er-Jahre-Pop und 50er-Jahre Licht und Weite changiert.

Das Bad entstand in den 1960ern, nach dem Bau in Wilmersdorf und vor dem Bau Lankwitz und bildet sichtbar den Missing Link zwischen diesen. Nicht mehr ganz so frei geschwungen wie Wilmersdorf, aber auch noch nicht so quadratisch-praktisch-düster wie Lankwitz.



Das Bad steht inmitten ausgedehnter Grünanlagen am Rande des Francke(!)-Parks. In der Nachbarschaft befinden sich ebenfalls halb im Park eingebettet eine Bibliothek, eine Turnhalle, Schulen und das Rathaus. Das Bad steht für sich allein, zurückgesetzt von der Straße, und bietet einen eindrucksvollen Anblick.

Freitag, 23. September 2016

Schwimmbäder nah und fern: Rückblick und Ausblick

Ach, Freude! Ach, Leiden! Der Sommer ist noch nicht ganz vorbei und doch des Morgens fröstelt es deutlich..

Die Freibäder haben in Berlin schon wieder die Türen zugesperrt, und es geht ab in die Halle: Barfussgang in Kacheloptik, die obligatorischen "Ziehen sie sich aus!"-Schilder in der Dusche, Schwimmnudeln locker verteilt am Beckenrand und diese leichte Chloraroma in der Luft. Ach, wie schön.



Als kleiner Rückblick auf den Sommer und Vorblick auf die Hallenbadsaison, hier ein kleiner Überblick über all' die Bäder, die in Iberty schon auftauchten.

Montag, 19. September 2016

Wünsche an ein neues Berliner Bad

Berlin baut zwei neue Bäder und die Berliner Bäder fragen:  

Berlin baut neue Bäder. Das Abgeordnetenhaus unterstützt mit Mitteln aus dem SIWA-Fonds für die Infrastruktur der wachsenden Stadt den Bau der Bäder in Mariendorf und Pankow. Dafür sind Ihre Ideen gefragt.
Schreiben Sie uns, was Sie sich für die neuen Bäder wünschen. Was sollen sie bieten? Welche Ausstattung sollen sie haben?  Gerne können Sie uns auch einfach den Namen des Bades nennen, das Ihnen in einer anderen Stadt besonders gut gefallen hat. Wir freuen uns auf Ihre Hinweise.



Stadtbad wilmersdorf 30.03.2014 16-40-41

Die Bäder haben die Frage recht gut versteckt auf der Homepage und in Kniehöhe in diversen Bädern angebracht, aber vielleicht findet sich ja jemand, der antwortet. Bei diesen Verfahren der Bürgerbeteiligung ist es immer etwas fraglich, ob etwas ankommt, ob nicht alle grundlegenden Entscheidungen schon lange gefallen sind und ob das je jemand durchlesen wird.


Freitag, 16. September 2016

Der Kleine Kohlweißling fliegt langsam und gaukelnd.

Der Kleine Kohlweißling gehört vernichtet, ausgemerzt und bekämpft wo er seinen Kopf über den Erdboden erhebt. Er ist der Feind! Meine ehemaligen Dithmarscher Nachbarn waren sich in diesem Punkt ziemlich einig.

Allerdings preist sich Dithmarschen auch als "größes Kohlangebautgebiet Europas" und der Kohlweißling - beziehunsgweise seine Raupe - ernährt sich hauptsächlich von Kohl. Raps mag er auch. Das erhöht des Schmetterlings Beliebtheit unter Landwirten ebenfalls nicht.



Nun bin ich allerdings schon länger nicht mehr in Dithmarschen, sondern in Brandenburg. Auf den Feldern steht Mais und Roggen, und in unseren Garten verirrt sich allenfalls die ein oder andere windverschleppte Rapsplanze. Ansonsten wachsen dort Wilde Möhren, Sauerampfer, und natürlich jede Menge Stauden und ähnliches. Kohl würde vermutlich wegrennen, wenn er das Brandenburger Klima kennte. Kohlweißlinge lieben Raps auch dann wenn sie Schmetterlinge sind. Und Wilde Möhren. Und Sauerampfer.


Dienstag, 13. September 2016

Schwimmbäder nah und fern: Kremmener See

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: der Kremmener See.



Es war einst eine moorige Sumpflandschaft inmitten der Sandbüchse Mark Brandenburg, menschlicher Nutzung weitgehend entzogen, einzig durch einen schmalen Damm zugänglich. Bereits die Preußen versuchten seit dem 18. Jahrhundert die Gegend zu entwässerung, um sie nutzbar zu machen, aber erst die DDR konnte dabei ernsthafte Erfolge feiern.

Bundesarchiv Bild 183-65843-0003, Grabensprengung zur Entwässerung
Zentralbild Martin 25.7.1959 Jugendobjekt Milchstraße Berlin. 43000 ha Wiesen- und Buschland legen Jugendliche für die landwirtschaftliche Nutzung im Havel-Rienluch trocken. Diese Wiesen waren bisher zur Viehfütterung nicht zu verwerten, da sie die meiste Zeit des Jahres unter Wasser standen. 1550 freiwillig arbeitende Jugendliche reinigen die vorhandenen Gräben und legen neue Gräben an, damit der Grundwasserspiegel sinkt und das Regen- sowie Schmelzwasser im Frühjahr abfliessen kann. Damit stehen erhebliche Mengen Futter zusätzlich zur Verfügung, wodurch die Landwirtschaftsbetriebe dieser Gegend in der Lage sind, ihre Viehbestände erheblich zu erweitern und die tierische Produktion zu steigern. UBz: Ein Graben wird gesprengt. Quelle:
Bundesarchiv, Bild 183-65843-0003 / CC-BY-SA 3.0

Es kam wie es kommen musste: mittlerweile kämpfen die Naturschützer darum, wenigstens Reste des Rhinluchs (nordwestlich von Berlin, zwischen Oranienburg und Neuruppin) zu erhalten, einen der deutschen Hauptrastplätze des Kranichzugs, Lebensraum für Rotbauchunke, Adler, Bekassine, Zwergtaucher, Kiebitz und was sonst noch die feuchte Wiese/ den flachen See liebt.


Samstag, 10. September 2016

Schwimmbäder nah und fern: Kombibad Mariendorf, Sommerbad

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Sommerbad im Kombibad Mariendorf.

Ein Bad mit Prominenz: Liegt hier in Mariendorf doch das Sommer-Zweitwohnzimmer des Schwimmbadblogs. Ein Bad ohne Zukunft: das ganze Kombibad mit Hallenbad und Freibad demnächst der Abrissbirne zum Opfer fallen und durch etwas Neues ersetzt werden. Ein Bad mit Verwechslungsgefahr: Gibt es doch auch nicht nur das Sommerbad bein Kombibad Mariendorf, sondern auch noch das Sommerbad Mariendorf, das ein gutes Stück weiter nördlich neben dem Volkspark Mariendorf liegt. Und ein Bad mit Park, und was für einem.

Update: das Schwimmbadblog wies darauf, dass ihr Sommerwohnzimmer das andere Mariendorfer Sommerbad ist. Aber natürlich ist sie auch ab und an hier anzutreffen.



Das heutige Bad ist Teil des Kombibads Mariendorf und besteht auf einem Hallenbad (siehe Iberty vom Januar) und dem Freibad. Zum Freibad gehört eine Riesenwiese und diverse Becken. Die Berliner Bäder Betriebe haben sich große Mühe gegeben, das Bad geschickt zu verstecken. Eigentlich ist es ganz einfach: man fahre vom Mehringdamm aus nach Süden. Dann fahre man weiter nach Süden und wenn man das Gefühl hat, Berlin schon verlassen zu haben, fahre man noch ein Stück nach Süden. Irgendwo etwas abseits der Straße hinter diversen Mehrfamilienhäusern liegt das Bad.

Dienstag, 6. September 2016

Erdwespen gefährlich?


Erdwespen gibt es solche und andere. Das was vielen Menschen umgangssprachlich als "Erdwespen" bezeichnen, sind entweder die bekannten Deutschen Wespen (Vespula germanica) oder die in Aussehen und Verhalten sehr ähnlichen Gemeinen Wespen (Vespula vulgaris) oder eine der sehr vielen Varianten der Grabwespen (Spheciformes).

Deutsche Wespen und Gemeine Wespen leben in Staaten, sind bis zu zwei Zentimeter lang, gelb-schwarz gestreift und den Menschen vom Kuchentisch bekannt. Deutsche Wespen und Gemeine Wespen stechen.

Vespula germanica-pjt4

Grabwespen sind meistens kleiner, oft schwarz und leben allein und stechen nicht. Oft werden sie mit Fliegen oder anderen Insekten verwechselt.



Ammophila sabulosa m

Grabwespen sind ungefährlich. Jeweils eine einzelne Wespe gräbt dabei ihr Nest in die Erde. Erkennbar ist dies durch ein kleines Loch im Boden. Manchmal bauen auch eine ganze Reihe Grabwespen ihre Nester nah beieinander. Dann kann sie über der Erde schwirren sehen. Das ist aber eher nett und ungefährlich.

Deutsche Wespen sind auch meistens ungefährlich, können aber stechen. Im Normalfall schmerzt ein Stich ein wenig. Unangenehmer kann es bei Allergikern werden, was auch gilt, wenn man in einen ganzen Schwarm gerät.

Deutsche Wespen bauen Nester für den ganzen Staat.  Diese Nester entstehen an geschützten Orten, zum Beispiel in ehemaligen Mäuse- oder Maulwurfsbauten. Das ist der Grund, warum sie auch manchmal Erdwespen genannt werden. So weit so normal. Gedanken machen sollte sich erst, wenn so ein Nest in der Nähe des eigenen Aufenthaltsraumes liegt.

Vespula vulgaris
Eingang in ein unterirdischen Nest der Gemeinen Wespe. Bild: A photo of a Vespula vulgaris at nests entrance. Taken by Soebe in Northern Germany and released under GNU FDL. Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Wespen gelten manchmal als aggressiv. Allerdings gilt auch für die Wespen selbst der Grundsatz: lege Dich nicht mit Wesen an, die hundertmal so groß sind wie man selbst - im Normalfall stechen sie nicht. Außer die Wespen fühlen sich bedroht. Deshalb gilt für den Umgang:

* Nester nach Möglichkeit umgehen und in Ruhe lassen. Der Mindesabstand sind dabei ein paar Meter.
* Nicht hektisch werden, nicht umherschlagen.
* Aufpassen, dass die Wespe nicht ausversehen in die Nahrung gerät und dann verschluckt wird. Verschluckt werden empfinden Wespen als bedrohlich.

Liegt das Nest ungünstig, an Stellen an denen es zwangsläufig zu Störungen kommt oder die sich nicht umgehen lassen, lässt sich das Nest umsiedeln oder zerstören.

Zerstören darf man nicht selber, wegen Naturschutz. Der Versuch ein Wespennest zu zerstören ist zudem die einzige Gelegenheit, bei der Wespen tatsächlich auch für Normalsterblich gefährlich werden. Wenn es um die eigene Wohnung und Familie geht, vergessen Wespen dann auch ihre Resthemmungen vor den menschlichen Riesenwesen. Deshalb lohnt es den Fachmann zu fragen:

* BUND oder andere Naturschützer, ob sie das Nest umsiedeln können. (kostet etwas Geld)
* Den Kammerjäger (kostet Geld)
* Die Stadtverwaltung oder die Feuerwehr (kostet meistens auch Geld)

Der ganze Blogpost hier entstand übrigens, weil ich letztens was über Grabwespen schrieb und jetzt verstärkt Suchende mit Anfragen wie "Erdwespe gefährlich" oder "Erdwespe gut oder schlecht" auf dem Blog aufschlugen.



Freitag, 2. September 2016

Raupe, grün, Rose

"Raupe, grün, Rose" taugt nicht als Google-Suchbegriff. Auch "Raupe, ringelig, brauner Kopf" bringt nichts. Eindeutige Ergebnisse: Nichts. Oder um genau zu sein: die Frage bringt sehr viele Ergebnisse. Zu viel. Die Zahl der grünen Raupen übersteigt erheblich die Zahl der grünen Schmetterlinge und die Bildersuche zeigt viele Varianten von grün, Raupen, Rosen, Ringeligen - und dennoch nicht die Gesuchte.



Also taucht in unserem Kleintierzoo mal wieder die Frage auf: was ist dieses grüne Tier? Hat es etwas mit dem großen Löchern in der Rose zu tun? Ich muss sagen: Mit jeder Pflanze mehr, die wir versuchen am Leben zu halten, steigt meine private Ablehnung gegenüber Vegetariern und steigt meine Anerkennung gegenüber fleisch- und insektenfressenden kleinen Tierchen. Das grüne Wesen scheint Vegetarier zu sein. Das kostet Sympathiepunkte. Aber was ringelt denn nun? Weiß es das Falterbuch? Eine Falterbestimmungsseite? Nein!


Dienstag, 30. August 2016

Schweinebraten ist ja ein Wintergericht @Biocompany

Es ist Sommer. Zeit für's Grillen, Barbecue und Pulled Pork. Pulled Pork, Schweineschulter stundenlang bei niedrigen Temperaturn gesotten, bis Fleisch, Kollagen und die Sehnen zu zerfallen beginnen. Pures Aroma, butterweich und mit Geschmacksintensität.

Nachdem ich nun viele Jahre meines Lebens versucht habe, den Deutschen zu erklären, was echtes Barbecue ist - und dass es wenig damit zu tun hat, zu dünne Steaks bei 300 Grad über offenem Feuer zu verbrennen - hatte ich ja Hoffnung. Es gibt Pulled Pork im Restaurant und im Supermarkt, die Slow Cooker verbreiten sich sehr langsam und gefühlt jeder dritte Food Truck in Deutschland bietet irgendeine Form des Barbecues an.

Pulled pork while pulling

Und endlich scheint es in Deutschland anzukommen, dass Tiere nicht nur auf Filet und Steak bestehen, sondern dass gerade die anderen Teile des Tieres oft weitaus mehr Aroma besitzen. Nicht zuletzt ist es ein Unding ist, Millionen Tiere großzuziehen um dann von einem ganzen Schwein oder einer ganzen Kuh nur ein Bruchteil des Fleiches zu verwerten


Freitag, 26. August 2016

Äpfel, Fotos, Kalifornien

Wenn die Wikipedia auf Kalifornien trifft, auf Äpfel, Erntefeste, Kollaboration und Fotografem . So wie es sein solte. Gelegentlich erfüllt die Wikipedia jeden Wunsch und sie ist unterstützend, kollaborativ, inspirierend, gibt allen Beteiligten Spaß und der Menschheit dann etwas zu sehen und zu lesen.


Gravenstein Apple Fair 2016 - 01
Bild: Gravenstein Apple Fair 2016 in Sebastopol, Sonoma County, California Von: Frank Schulenburg Lizenz: CC BY-SA 4.0

Es begann mit dem Schreibwettbewerb. Der Schreibwettbewerb der Wikipedia existiert seit 2005 und findet zweimal im Jahr statt. Einen Monat lang versuchen Autoren DEN BESTEN Artikel zu schreiben und zu verbessern. Dafür gibt es Preise. Meist stiften andere Wikipedianer diese Preise. Sie reichen von Buchgutscheinen über Tee, selbstgemachte Marmelade oder Einladungen zum Opernbesuch.

Im März 2016 waren auch fünf Kilo Äpfel von der Streuobstwiese als Preis ausgesetzt – gestiftet von Benutzer:Sternrenette für den besten Artikel mit Bezug zum Thema Obst. Äpfel! Da konnte ich natürlich nicht widerstehen.

Donnerstag, 18. August 2016

Schwimmbäder nah und fern: Plötzensee

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Strandbad Plötzensee.

„Pack, die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nichts wie ab zum Plötzensee.“ Ein Schlager, der nie geschrieben wurde. Hat das kleine Plötzellorca im Wedding mit seinem Sandstrand doch nie richtig das Herz der Berliner gewonnen.



Dabei sind die Voraussetzungen nicht schlecht: Der Plötzensee ist der einzige Berliner See, der noch halbwegs eine Innenstadtlage für sich in Anspruch nehmen kann. Das Strandbad existierte einige Jahrzehnte vor dem Bad am Wannsee, ist in der Tat die älteste öffentlich betriebene Badestelle Berlins. Vor langer Zeit betrieb hier Wilhelm Auerbach - der Erfinder des Auerbachsaltos - ein Wellenbad, angetrieben von einem Schaufelrad im Wasser. Falls jemand Fotos davon kennt: ich bin dankbar.

Aber trotz allem: Über „Weltberühmt im Wedding“ ist der Plötzensee nicht hinausgekommen.

Montag, 15. August 2016

Heidel/Blau/Wald/Zeck/Moos

Es wird Herbst. Die Äpfel fallen uns vor die Füße. Wortwörtlich. Unser kleines Alkmene-Bäumchen hat Ende Juli den ersten verzehrfähigen Apfel abgeworfen; noch nicht richtig reif und wumrstichig, aber in Teilen essbar. Die Nachbarin hat uns von ihrem Baum (Sorte noch unbekannt) gleich eine ganze Schüssel Fall-Äpfel für Apfelmus mitgegeben. Der James Grieve, unser Sommerapfel, ist schon halb abgeerntet.

Unser Selbstpflücker-Feld-für-alles-von-Erdbeeren-über-blauen-Blumenkohl-bis-Dill-und-Salat hat auch die ersten Äpfel im Angebot: Piros. Wie Pirol. Pinova, Pingo, Pisaxa und drei Dutzend andere Sorten ist Piros eine Sorte der Dresdner Obstforscher aus Pillnitz. Eingeführt in den Markt 1985, eine echte DDR-Sorte. Piros ist Sommersorte, frühblühend, frühtragend, nicht sehr lagerfähig und so mäßig aromatisch. Aber der Apfel ist da!



Bevor  die Äpfel und die andere reichhaltige Herbst-Ernte dominieren, will ich doch noch mal etwas vom Sommer schwärmen mit einem echten Sommerobst: Heidelbeeren/Blaubeeren/ Schwarzbeeren/ Mollbeeren/ Wildbeeren /Waldbeeren /Bickbeeren / Zeckbeeren /Moosbeere// Heubeere. Wild wachsend in Europa, Superfood-verdächtig, mit tausenderlei tollen Inhaltsstoffen.

Aber könnte je etwas in Deutschland Superfood werden, was die Menschen schon von ihren Eltern kennen? Kann etwas total normal und gleichzeitig super sein? Natürlich nicht. Die Heidelbeere ist viel zu bekannt und zu profan, um sich jemals als Superfood durchsetzen zu können. Dabei haben die Beeren etwas für sich: neben Wasser und Kohlehydraten enthalten sie vor allem Pektin und mehr gesunde Chemikalien als eine halbe Apotheke.

Mittwoch, 10. August 2016

Toni Erdmann

* Ist ein Film

* Ich litt. Über drei Stunden. Selten einen Film erlebt, in dem die Zuschauer so sehr mit den Figuren mitleiden.

* Urkomisch.

* Alle diese Menschen im Film habe ich schon getroffen.

* Der Film hatte gewonnen als er mit einer minutenlangen Einstellung auf eine komische deutsche Baumarkt-Haustür, die Mülltonnensammlung und das an die Wand gelehnte Fahrrad begann.

* Das Leiden beginnt sofort. Mit der ersten Person, die im Film erscheint.

* Powerpoint-Präsentation

* Schul-Theateraufführung.

* Eislaufbahn in der Mall.

Day 302 Little Monsters
Bild: Stephanie's hilarious creations. Von: Lindsey T Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.


* Aus seltsamen Zufällen heraus, waren die beiden Filme, die wir vorher sahen, Cate Blanchett-Filme (Blue Jasmine, Carol). Das war kein Cate-Blanchett-Film. Aber eigentlich doch.

* „Jeder, den Illiescu jetzt entlässt, muss ich später nicht entlassen.“

* Das Arsenal an atemberaubeden Stöckelschuhen, das sie den Film über trägt.

* Bogdan und Dragul.

* Leiden

* Kurt findet das auch: Toni Erdmann ist so wunderbar präzise, man hält es kaum aus.

* Erst dachte ich ja, es wäre ein zutiefst westdeutscher und bundesrepublikanischer Film. Und dann spielte der Rest in Rumänien.

* Osteuropäischer Disco-Chic.

* „Ich liebe Länder mit einer Mittelschicht. Sie sind so entspannend.“

* Loriot lebt. Nur schmerzhafter.

* Komik lebt vom Abgrund. Der hier gähnt tief und weit und die Komik fliegt.

* Ion Tiriacs Schildkröte ist nach 45 Jahren gestorben.

* Das deutsche Feuilleton hat den Film über Wochen gefeiert. Eigentlich ein Grund ihn zu ignorieren. Gut, dass die Beste mit dennoch hineingeschleppt hat.

* Titania-Kino in Steglitz: da, wo man nicht ins Kino kommt, weil der Mensch am Einlass gerade kein Gerät hat, um den Barcode zu scannen.

* Käsereiben ist eine alte Familientradition

* Klappbettenzusammensetzprobleme

* Toni selbst wäre ein 1a-Musterbeispiel für den Troll an sich.

* Seine Tochter, eigentich gradliniger und seriöser angelegt, lässt doch manchmal aufblitzen, dass sie Tohcter ihres Vaters ist.

* Die Großtrollaktion des Films geht dann natürlich auch auf ihre Kappe.

* Man will ihnen die ganze helfen aus all‘ dem Schmerz. Und man weiß es geht nicht, denn wie in jedem guten Drama resultiert die Handlung und der damit verbundene der Schmerz aus den Figuren selber.

* Laut lachen und gleichzeitig denken „Oh, mein Gott. Die Armen. Nein! Oh nein! Arrgs!“

Montag, 8. August 2016

Nachtzug. Die Zukunft, die nicht mehr wird

Was wird aus den Nachtzügen? Die Deutsche Bahn will mit den Zügen nichts mehr zu tun haben. Vielleicht betreibt die ÖBB die Züge für längere Zeit? Vielleicht auch nicht. Nachtzüge – eine Hoffnung auf die bessere Zukunft und Luxus für alle, die sich nicht erfüllte. Die Züge der DB sind fas Geschichte.

Züge als Monument einer Zeit, in der Reisen noch Reisen war, aber die Fernreise durch Europa schon für alle Menschen in Reichweite schien. "Luxus für alle" scheinen sie sagen zu wollen. Das war ihre Vision. War. Vor EasyJet, Geschäftsreisenden im ICE und anderen Zumutungen des 21. Jahrhunderts. Reisen noch als Erlebnis und nicht als schnell zu überbrückendes Ärgernis zwischen zwei Orten.



Verblasste Vision: Individueller Service bei der Bahn. Das gab es mal. Der kleine Luxus in Form eines eigenes Waschbeckens. Ein eigenes Bistro, in dem es bis spät in die Nacht Bier und Chili con Carne gibt.

Freitag, 5. August 2016

Wilde Möhre

"Die Wilde Möhre besitzt ihr Hauptvorkommen in ausdauernden Unkrautfluren". So sagt Wikipedia und einige unsere Nachbarn würden den "ausdauernden Unkrautfluren" vermutlich zustimmen. Dabei folgen wir in unserer Zufallsmöhrenzüchtung nur dem Tipp des BUNDs:

Sparen Sie im Rasen Stellen aus, die Sie nur zweimal im Jahr mähen, so dass mehr Wildblumen zur Blüte kommen. Zahlreiche Bienenarten danken es Ihnen und Sie können sich über den Anblick einer schönen Wildwiese freuen.

Egal wie man sie nun interpriert: die Wildwuchsinseln inmitten der Brandenburger was-auch-immer-Wildmischung-über-die-vor-nicht-solanger-Zeit-ein-Rasenmäher-fuhr sind da. In ihnen strecken die Wilden Möhren ihr Charakteristisches Haupt empor. Stängel mit Blütenständen, die - so man klein genug dafür ist - von unten aussehen wie futuristische Weltraumkapseln. Wer weiß, vielleicht war der ein oder andere Sci-Fi-Designer auch Wilde-Möhren-Fan?



Die Möhrchen wachsen über einen Meter hoch und bilden schon fast Möhrenfelder. Diverseste rot-schwarze Fliegen, Wanzen sowie weitere kurzrüsselige und rüssellose Insekten freuen sich an der Labestelle. Was auch immer so die Möhre vom Leben erwartet, wir scheinen es zu haben:

Montag, 1. August 2016

Schwimmbäder nah und fern: Centro Sportivo, Omegna

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Schwimmen kann man nicht nur außerhalb Deutschlands, sondern auch in Italien. Als letzter Post der kleinen Italien-Exkursion nun auch der Beweis, dass in Italia nicht nur Strände, sondern auch echte Hallenbäder existieren.



Das Centro Sportivo ist ein Hallenkomplex am Rande von Omegna und liegt auf dem schon beschriebenen Gelände des Strandes. Zu sagen, das Centro wäre außergewöhnlich, wäre Untertreibung. Italienisches Design, vor allem Design der 1960/1970er, erweckt oft den Anschein, als könne mensch damit zum Mond fliegen. Dieses Schwimmbad allerdings wirkt so, als wäre es schon auf dem Mond gewesen und dann irrtümlich auf der Erde gelandet. Das Schwimmbad als Raumkapsel.

Freitag, 29. Juli 2016

Große Holzbiene

Ist es eine Hummel? Nein, zu groß. Eine Drohne? Nein, brummt zu laut. Eine Hornisse? Nein, zu blau. Ist es Superman? Nein, zu sehr Insekt.

Es war blau, groß und brummte: Eine große Holzbiene schwirrte um die Wicken. Wobei schwirren deutlich zu schnell und zu hektisch dafür klingt, was das blau-schwarz-glänzende Insekt mit dem possierlichen Pollenkragen veranstaltete. Sie flog gemählich aber zielsicher von der einen Blüte zur nächsten.



Wobei wir beide das Tier nicht erkannten, sondern erst die Hilfe durch den ebenso praktischen wie handlichen Kosmos-Naturführer zur Hilfe nehmen mussten, um sie als Xylocopa violacea zu identifizieren. Was dann wieder die nächste Frage aufwarf: ein Tierchen, dass deutlich größer als eine Hummel ist und dazu noch metallisch glänzt und wir hatten es noch nie bewusst gesehen? Wie kann das sein?


Dienstag, 26. Juli 2016

Schwimmbäder nah und fern: Spaggia, Lagna, Piemont

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Derzeit ist die Reihe im Ferienmodus und schwimmt sich am Lago d'Orta entlang. Nach dem 
* Strand des Croce Bianca in Omegna
* und dem offiziellen Badestrand Omegna
geht es jetzt einmal um den See an dessen Südspitze. Lagna ist ein bezauberndes kleines Örtchen im Süden des Sees und hat natürlich auch eine Spaggia.

Lagna ist definitiv kein Ort, der sich auf den Tourismus spezielisiert hat. Allein zum Strand zu gelangen, war gar nicht so einfach.






Wir sind auf dem Schiff der Navigazione di Orta und versuchen eine Fahrkarte nach Lagna zu lösen.

- „Da gibt es nichts“, weiß der Schiffer.
- Nachfrage: Aber sie fahren schon dorthin mit dem Schiff? 
- Ja, aber da ist nichts.
- Können wir eine Fahrkarte haben?
- Da wollen sie nicht hin.
- Aber es gibt einen netten Strand.
- Das stimmt. Der in Pettenasco ist aber schöner.


Freitag, 22. Juli 2016

Kraniche

Mein erstes Paar Kraniche traf ich im Wohnzimmer von Opa Hamburg. Die handgeschnitzten Tiere hingen dort an der Wand. Natürlich war es auch das Wohnzimmer von Oma Uetersen. Aber da Opa die Kraniche geschnitzt hatte, handelte es sich in diesem Kontext um sein Wohnzimmer.

Opa war Kapitän zur See (Nord- und Ostsee) und wenn in den Wintermonaten das Meer schwierig war oder das Schiff im Hafen lag und warten musste, dann waren Holz und Messer schnell zur Hand. Neben den schmalen, eleganten Kranichen im Flug erinnere ich mich auch noch an einen besonders eindrucksvollen Elefanten aus schwarzem Holz. Den Elefant wirkte detailliert und lebensecht, vermutlich nach einem einzigen Tier oder Bild gestaltet. Die Kraniche waren abstrakter, stilisierter, vermutlich nach vielen hundert oder tausenden Kranichen gestaltet, die Opa im Laufe seines Lebens oder dem Schiff sah. Opa konnte auch Zinnsoldaten gießen (auf jeden Fall hatten sie eine rote Jacke) und am allerwichtigsten: Opa konnte Spielzeugautos reparieren!

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Vorletzter Schritt im Falten eins Origami-Kranichs. Bild: Origami'de yapılan Basit Düzey iki yıldızlı zorluk düzeyinde bir kuş uygulaması. Von: Serhat Erdoğan Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Meine zweiten Kraniche sind eng mit einem Kasten oder mehreren Kästen Bier verbunden.


Mittwoch, 20. Juli 2016

P wie Pikachu

Pikachu ist ein Pokemon. Nein, Pikachu ist DAS Pokemon. Oder, um es im Wikipedia-deutsch zu sagen:
Das Pikachu (jap. ピカチュウ, Pikachū) ist ein fiktives Wesen und das bekannteste Pokémon aus den gleichnamigen Videospielen der japanischen Spielesoftwarefirma Game Freak, sowie eine Kernfigur im zugehörigen Anime. ..Japanische Forscher des Osaka Bioscience Institute benannten nach dem Pokémon ein neu entdecktes Protein, Pikachurin, welchem eine Rolle beim Bewegungssehen zugeschrieben wird.

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Bild: Ana.b747.pokemon.arp.750pix Von: Adrian Pingstone Lizenz: Public Domain. Warning: One or more elements in this image are protected by copyright Some parts of this file are not fully free but believed to be de minimis for this work. Derivatives of this file which focus more on the non-free element(s) may not qualify as de minimis and may be copyright violations. As a direct consequence it might be needed to review the copyright status if you crop the picture.

Außerdem ist Pikachu sehr gelb, sehr niedlich und vemutlich das einzige Pokémon, das auch viele Nicht-Spieler kennen. Und es hat seit mittlerweile 11 Jahren seinen eigenen Wikipedia-Artikel. Pikachu begann sein deutsches Wikipedialeben am 25. Februar 2005.


Montag, 18. Juli 2016

Schwimmbäder nah und fern: Lido, Omegna, Piemont

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Nachdem der letzte Beitrag sich schon dem Lago d'Orta widmete, bleibt die Badestellenbeschreibung am See, umrundet die Nordspitze und landet in Omegnas Ortsteil Bagnella am richtigen Stand des Ortes: der Lido vom Piscina di Omegna.

Über den Ortasee schrieb ich letzte Woche ja schon einiges. Ein klarer, fischreicher Rand-Alpensee mit spannender Geschichte. Nun liegt am See nicht nur die eine beschriebene Badestelle, sondern an sich ist das gesamte Ufer des Sees eine Ansammlung von Badestellen; mal eher privat mal eher öffentlich. In Omegna gibt es diverse Plätze an denen man ans Wasser kann und die sich so im Sommer ganz alleine in öffentliche Badestellen verwandeln. Es existiert aber auch ein Ort, der als DIE Badestelle ausgewiesen ist: Der kommunale Strand direkt am Hallenbad.




Freitag, 15. Juli 2016

"Aber wen, um Himmels willen, interessiert das? Wen geht überhaupt Neuruppin etwas an?"

Die Wanderungen durch die Mark Brandenburg – Theodor Fontanes fünfbändiges Mammutwerk schiebt sich zwangsläufig zwischen Brandenburg und jede Literatur zum Land. Die Wanderungen selbst las ich noch nicht, aber ich las bereits jede Menge Autorinnen und Autoren, die sich auf die Wanderungen beziehen; oder Autorinnen und Autoren, die sich auf Autoren beziehen, die sich auf die Wanderungen beziehen – vom Heimatkundler bis hin zur Hochliteratur. Es gibt keinen längeren Brandenburg-Text, der nicht auf die ein oder andere Weise durch die Wanderungen beeinflusst wäre.

Mi-6 over Neuruppin airbase (East Germany), 1992 (11032163934)
Bild: Mi-6 over Neuruppin airbase (East Germany), 1992 Von: Rob Schleifert. Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Die Wanderungen entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Weitgehend unbekannt kam es in der DDR 1967 zum Versuch, die Wanderungen zu aktualisieren, indem lebende Literaten der DDR noch einmal Brandenburg bereisten und eine Neuauflage der Wanderungen herausgaben – natürlich nicht ohne auf die Verbesserungen und Entwicklungen seit den Zeiten Fontanes hinzuweisen. Zwei Autoren machten sich auf den Weg. Gustav Seyppel, damals noch in West-Berlin lebend, später zeitweise in die DDR gezogen, und Franz Fühmann. Seyppel tat wie beauftragt und veröffentlichte Ein Yankee in der Mark, derjenige, der  sein Werk dann nicht schrieb war Franz Fühmann.


Donnerstag, 14. Juli 2016

Wiki Loves Cocktails auf der Wikicon

Wer sich erinnert: Wiki Loves Cocktails war eines der besten Wikipedia-Projekte, das je stattfand.


Sidecar Cocktail

Nun gibt es die Anfrage, das Projekt auf der Wikicon im Herbst in Kornwestheim zu wiederholen. Es scheint noch nicht sicher zu sein - aber damit würden zwei wunderbare Sachen zusammenkommen.

Im Konferenzzentrum gibt es eine Bar, an der am Freitag und Samstag Drinks für die teilnehmenden Wikipedianer gemixt und verkauft werden könnten. Darüber hinaus wäre in einem benachbarten Seminarraum Platz für ein Fotoshooting. 

Iberty bleibt am Ball und hofft auf das Beste.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Schwimmbäder nah und fern: "Nostra rivetta", Croce Bianca, Omegna, Provinz Piemont

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute ein Ausflug zu den Nachbarn: "Nostra Rivetta" vom Hotel Croce Bianca in Omegna, Region Piemont, Italien.

Nach dem Naturbad Riehen gleich eine zweite Badestelle außerhalb der deutschen Grenzen.  Aber handelt es sich hierbei um eine öffentliche Badestelle? Der kleine Strand am Lago d'Orta gehört zum familiengeführten Hotel „Croce Bianca“ in Omegna und steht dessen Gästen offen. Für mich ist das öffentlich. Gegen Geld ist es für jeden öffentlich zugänglich und zu zweit bezahlt man in den Tropical Islands mehr als hier für ein Hotelzimmer und Badestellenzugang.



Omegna selbst ist mit etwas über 10.000 Einwohnern der größte Ort am Lago d'Orta (auch: Ortasee), ein Städtchen am Ausfluss des Lagos in den Nigoglia-Fluss. Der Ortasee ist einer der oberitalienischen Alpenseen (zusammen mit den bekannteren Lago Maggiore, Comer See oder Gardasee) ist aber kleiner als diese und liegt auch etwas höher - so fließt der Nigoglia über diverse Umwege schließlich in den Lago Maggiore. Wie die anderen Seen auch ist der Ortasee rundherum von Bergen umgeben, was ihm ein gemütliches, anheimelndes Gefühl mit gelegentlichen spektakulären Anblicken Richtung Alpen ergibt.

Dienstag, 12. Juli 2016

Iberty-Leserausflug: Strandbad Wannsee?

Bundesarchiv Bild 102-09849, Tanzschule Laban im Strandbad Wannsee

Bild: Die berühmte Laban-Tanzschule trainiert! Nach den modernsten Unterrichstmethoden werden die zukünftigen Tanzstars in der Labanschule ausgebildet. Unsere Bilder zeigen eine Morgenübung der berühmten Tanzschule Laban im Strandbad Wannsee bei Berlin. Eine Szene aus einem ausdrucksvollen Tanz von Schülerinnen Laban-Tanzschule am Strande in Wannsee. Mai 1930. Bundesarchiv, Bild 102-09849 / CC-BY-SA 3.0

Mal kurz in die Runde gefragt: hat jemand Interesse in den nächsten Wochen einen Iberty-Leserausflug ins Strandbad Wannsee zu machen? DAS Berliner Bad überhaupt, Sandstrand Architekturikone und mittlerweile vielen Berlinern aus eigener Anschauung nicht mehr bekannt? Bad besichtigen, Gastronomie testen und natürlich schwimmen und plantschen?

Montag, 11. Juli 2016

Wikimania 2016 - random thoughts

Wikimania! The world Wikipedia conference. Every year in a different place on changing continents, organised by locals but with basically a lot of the same people always attending. A highlight in the Wikipedia year. So much to see and to comprehend. In case you missed it, here is my live twitter feed (and thanks to Sucomo for the support). But what happened there of course lasts longer than just for the moment,

Just to get some thinking going and pin down some notes from Wikimania as long as I still remember. Some random thoughts about Wikimania 2016 in Esino Lario, close to Lake Como, Lomardy, Italy.

1200 Wikipedians in a small village with about 800 inhabitants. Sleeping in every free bed the village had to offer, attending workshops in discussions in a school, the local museum, the local gym and the theater. The Wikimania was down to earth. Literally, as this was outdoors and the environment played a big part in Wikipedia, but also metaphorically. Much less about "we save the world" and "why we are important" and a lot more about "The How". Stuff for daily activities one can work with.

Wikimania 2016 the How 26.06.2016 11-11-31

So just for some random thought before I did more thorough thinking and analysis:


Samstag, 9. Juli 2016

Schwimmbäder nah und fern: Naturbad Riehen, Kanton Basel-Stadt

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute ein Ausflug zu den Nachbarn: das Naturbad Riehen

Nach dem Hallenbad in Lörrach heute ein zweiter Besuch im Dreiländereck Deutschland-Schweiz-Frankreich. Riehen ist ein Vorort Basels und liegt zwischen Basel und der deutschen Grenze. Wenn ich es richtig verstanden habe, kann mensch vom Schwimmbad aus schon deutsches Staatsgebiet sehen. Das Bad selbst liegt in der Schweiz. Das heutige Naturbad ist Nachfolger eines anderen eher normalen Freibads, das einer deutschen Zollfreistraße (eine Straße die ohne Abzweig durch Schweizer Gebiet
von Deutschland nach Deutschland führt, für den Zoll also als Straße in Deutschland gilt) die durch das alte Freibadgelände führte, zum Opfer fiel.

Sonntag, 19. Juni 2016

Schwimmbadnachtrag: Nuklearparkplatz

Das von mir geschätzte Turm-Erlebnisbad in Oranienburg ist doch immer wieder für einige Überraschungen gut, die Nachträge zum Turm-Artikel rechtfertigen. Neben den zahlreichen Überwachungskameras, die das Schwimmbad bis vor kurzem lückenlos abfilmten, wie jetzt öffentlich wurde, hat es auch der Standort des Bades in sich.

Lehnitzsee (1)

Das Schwimmbad liegt idyllisch am Oder-Havel-Kanal nahe des Lehnitztsees. Bild. Lehnitzsee nördlicher Bereich des westlichen Ufers. Von: Jumbo1435 Lizenz: CC-Attribution-Share Alike 3.0 Unported


Das Turm-Schwimmbad steht am Lehnitzsee auf dem ehemaligen Werksgelände der Auerwerke. Die Auerwerke wiederum begannen ihre Existenz unscheinbar als früher Produzent von Gas-Glühstürmpfen und zogen in den 1920ern von Berlin nach Oranienburg. Für Gas-Glühstrümpfe wiederum benötigt man Thorium. Dieses wird einerseits aus sogenannten Monazitsanden gewonnen, andererseits lässt sich Thorium in spaltbares Uran-233 erbrüten. Dass ihr Produkt etwas mit Radioaktivität zu tun hatte, entdeckte Auer recht früh und versuchte erfolglos die radioaktive Zahnpasta Doramad zu vermarkten.

„Was leistet Doramad? Durch ihre radioaktive Strahlung steigert sie die Abwehrkräfte von Zahn u. Zahnfleisch. Die Zellen werden mit neuer Lebensenergie geladen, die Bakterien in ihrer zerstörenden Wirksamkeit gehemmt. Daher die vorzügliche Vorbeugungs- und Heilwirkung bei Zahnfleischerkrankungen. Poliert den Schmelz aufs Schonendste weiß und glänzend. Hindert Zahnsteinansatz. Schäumt herrlich, schmeckt neuartig, angenehm, mild u. erfrischend. Ausgiebig im Gebrauch.“
Radioaktive Zahnpasta ist aus heutiger Perspektive nicht empfehlenswert, fällt aber noch in die Irrungen und Wirrungen der Geschichte und einem naiven Umgang mit Technologie.

Zeitlich ist die Doramad-Produktion aber auch der Punkte an dem die Geschichte um Oranienburg und Auer unheimlich wird. Oranienburg hatte selbst für Verhältnisse deutscher Kleinstädte eine unselige NS-Geschichte mit dem KZ Sachsenhausen, SS-Wachtruppen-Ausbildungslagern und den Heinkel-Werken aus denen die deutschen Jagdflieger stammten. Oranienburg ist die deutsche Kleinstadt in der noch die meisten Weltkriegsbomben in der Erde liegen. Gründe, Oranienburg zu bombardieren gab es einige.

Bei Auer wurden ab 1933 die jüdischen Miteigentümer aus dem Unternehmen gedrängt und Auer selbst ging an Degussa. Im Besitz der Degussa war Auer an der deutschen Forschung zur Atombombe beteiligt. Während andernorts geforscht wurde, standen in Oranienburg die Produktionsanlagen mit denen Thorium und spaltbares Uran gewonnen wurden. Es gab dort auch größere Vorräte an Monazitsanden, Thorium und Uran. Etwa 1944 bekam die US-Army mit war dort vor sich ging. Zu diesem Zeitpunkt war auch klar, dass der Krieg für Deutschland verloren ist, Deutschland in verschiedene Besatzungszonen aufgeteilt würden werde und Oranienburg in der sowjetischen Zone enden würde.

Somit würden also Fabrikaktionslanlagen und Rohmaterialien, um Atombomben herzustellen, in die Hände der Sowjetunion fallen. Im März 1945 flog die US Air Force einen großen Angriff auf Oranienburg und den Verschiebebahnhof neben dem direkt die Auerwerke lagen. Auch wenn offiziell der Bahnhof das Ziel war, ist wohl davon auszugehen, dass vor allem Auer getroffen werden sollte.

Und wie das so ist, wenn große Menge radioaktiven Materials mit Bomben getroffen werden: Sie verteilen sich. Aufgrund des Bombardements und anderer Auer-Hinterlassenschaften strahlt Oranienburg so wie sonst in Deutschland nur noch der Schwarzwald. Auf dem ehemaligen Auergelände gilt das natürlich ganz besondern.

Zum Teil wurde vor der Turm-Eröffnung 2002 die Erde komplett abgetragen. Zum Teil aber auch nicht. An einigen Orten, wie dem Parkplatz, liegt Sand über der ehemaligen Erde und darüber dann Asphalt. Wer wollte, könnte sich aber in die strahlende Zukunft zurück graben auf dem Parkplatz.






Freitag, 17. Juni 2016

Traktorfreitag: Traktoristen

Traktoristen und Traktoristinnen. Sie sind ein unterschätztes Thema. Nach Fritz der Traktorist letzte Woche, nähern wir uns dem Thema heute etwas textlastiger. Dennoch wird es auch ein kleines musikalisches Intermezzo geben.

Wie bereits letzte Woche kurz angerissen: Fritz hat einen Text, der aus heutiger Sicht eher bescheuert-naiv klingt, aber 1950 zur Entstehungszeit des Liedes Propaganda war. Die damals noch weitgehend selbstständigen Bauern der DDR sollten in die LPGs (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften) nach sowjetischem Vorbild getrieben werden. Es sollten keine Einzel- und Kleinbauernbetriebe mehr existieren, sondern die Feldern sollten in kollektivierter Landwirtschaft bestellt werden.

Mit dem Traktor zur LPG

 

Wer Bauern kennt, weiß, dass Bauern sehr stur sein können. Insbesondere würden sie schon gar nicht niemals nie und überhaupt nicht freiwillig auch nur einen Quadratmeter Boden aus der Hand geben. Überzeugungsarbeit war gefragt.

In den 1950ern, von denen wir beim Traktoristen-Thema vor allem reden ging es tatsächlich noch um Überzeigung. Zumindest in der dieser Zeit war es in der DDR eher noch der Versuch zu überzeugen und zu gängeln als echter alternativloser Zwang. Das System, Bauern ohne Alternative in die LPGs zu zwingen, sollte noch einige paar Jahre auf sich warten lassen. Also versuchte es die Staatsführung in den 1950ern mit einem Mittelweg aus Gängelung und Propaganda: und was lag da näher als schöne Lieder über das neue kollektivierte Landleben zu schreiben?

Bundesarchiv Bild 183-19148-003, Grosskochberg, der beste Traktorist

Der beste Trakterist-der MTS Grosskochberg (Kreis Rudolstadt) ist der Trakterist Gerhard Kästner mit einer Leistung von 75 ha mittleres Pflügen, reine Feldarbeit. Diese Leistung erreichte er hauptsächlich durch die Anwendung der Gerätekopplung. Bundesarchiv, Bild 183-19148-003 / CC-BY-SA 3.0


Aber worüber gingen die Lieder? Die Kollektivierung brachte Vor- und Nachteile. Ein Vorteil des kollektivierten und damit größeren Betriebs ist die Arbeitsteilung, die das Arbeiten im allgemeinen effektiver macht. Ein anderer Vorteil des Großbetriebs besteht darin, dass es für einen größeren Betrieb einfacher ist, sich moderne Technik zu halten. 1950er waren Fuhrwerke, Pferde und andere Tiere noch weit verbreitet in der Landwirtschaft. Traktoren waren Neid erzeugendes High-Tech-Spielzeug. Der Traktor war die Zukunft, Technik und Fortschritt. Unbegrenzte Energie aus rauchender Maschine statt lahmer Ackergaul!

Und außerdem: Wie jeder Iberty-Leser weiß: Traktoren sind ja sowas von cool. Und dann gab es in den Kollektivbetrieben Menschen, die nur Traktor fahren? Das sollte doch ein Traum für jeden Jungen sein. Die Aussicht nur noch Traktor fahren zu dürfen, sollte die Bauern in Scharen in die LPGs locken.

Sprachwanderungen


Aber wenn schon eine neu geschaffene Funktion existiert - jemand, der nur Traktor fährt - dann bedarf es auch eines neues Wortes für diese Funktion. Das Wort Traktorist selbst kam aus dem Russischen (Тракторист), das den Traktoristen wiederum aus dem Latein hatten. So wie diverse Wörter des DDR-Vokubulars aus anderen Sprachen über das Russische ins Deutsche wanderten.

Ein anderes schönes Beispiel neben dem Traktoristen ist die Kombine, auf westdeutsch Vollernter oder Mähdrescher. Die Kombine kam aus dem Russischen (комбайн kombain), das das Wort aus dem amerikanischen Englisch übernommen hatte. Dort heißt die entsprechende Maschine Combine Harvester. Es ist doch nett, Anglizismen in der DDR zu entdecken, wo der Westen gute deutsche Wörter wie Vollernter verwendete.

Aber zurück zum Traktoristen. Im Russischen und den Nachfolgestaaten der UdSSR ist der Begriff Traktorist immer noch verbreitet, wie folgendes Video zeigt. Es folgt ein kurzes musikalisches Intermezzo:



Traktoristinnen

Man sollte nicht immer nur von Traktoristen sprechen, sondern auch von Traktoristinnen. Zumindest eine handvoll Traktoristinnen existierten tatsächlich. Die DDR gab sich allerdings große Mühe, es mehr wirken zu lassen. Die Traktoristinnen spielten in der Propaganda eine große Rolle, wurden gerne im Zeitungen und später im Fernsehen gezeigt und auch international vorgeführt. Praktisch und auf dem Felde allerdings gab es kaum Traktoristinnen.

Anscheinend hat es jede Frau, die je in der DDR auf einem Traktor saß, geschafft, im Neuen Deutschland porträtiert zu werden. In diesem Bereich klafften Anspruch und Wirklichkeit der DDR weit auseinander. Viele Traktoristinnen auf Propagandabildern, wenige Traktoristinnen im Acker. Wobei die Lücke nicht nur im Traktorwesen im engeren Sinne klaffte. Sie erstreckte sich auf die ganze Landwirtschaft der DDR. Auch in den LPGs durften im Wesentlichen die Männer mit den Maschinen spielen und die Frauen bekamen die langweilige Büro- und Hausarbeit ab. Mittlerweile wird das sogar erforscht: es gibt Gender-Studies-Studien zu Geschlechterverhältnissen in LPGs.

Bundesarchiv Bild 183-R90251, Rehfelde, Traktoristin
Traktoristin Franziska Küster auf einem Traktor der MAS Rehfelde. 3331-49 17.5.1949. Bundesarchiv, Bild 183-R90251 / CC-BY-SA 3.0


Die Genderforschung zum Thema LPG scheint mit heute deutlich weiter und ausführlicher zu sein, als die Aufarbeitung des Traktoristen an sich. Nach den 1950ern wird es um Traktoristen erstaunlich ruhig. Er verschwindet aus Propaganda, Musik und Bundesarchivbildern. Über den Traktoristen nach 1960 ist es schwer, nähere Informationen zu finden. Anscheinend ist der Traktorist seit den 1950ern still zurück ins Feld getreten ohne dass er noch größere Beachtung bekommen hat. Nachdem die DDR-Führung sich entschieden hatte, dass Gängelung und Zwang doch effektiver im Umgang mit Bauern war als Propaganda, tauchte der Traktorist so hervorgehoben kaum mehr auf.

Bundesarchiv Bild 183-66070-0001, VEG Pinnow, Traktoristin und Aktivistin
Traktoristin und Aktivistin Maria Plewka. Seit 6 Jahren ist die 25jährige Maria Plewka auf dem VEG Pinnow, Kreis Oranienburg, Traktoristin. Bis 1953 hat sie als Landarbeiterin gearbeitet und dort die Fahrerlaubnis abgelegt. Sie ist den Arbeitskollegen ein gutes Vorbild. Mit ihrem RS 30 pflügt sie, pflegt ihn selbständig und leistet alle vorkommenden Arbeiten. Im Herbst zog sie auf der Raupe die Winterfurche.Bundesarchiv, Bild 183-66070-0001 / Martin / CC-BY-SA 3.0

Im Nachhinein ist es bereits schwer, nachzuvollziehen, ob Traktorist wirklich eine echte Berufsbezeichnung war oder ob der Traktorist einfach derjenige bezeichnet wurde, der gerade auf dem Traktor saß. Da es sich allerdings um die DDR handelte, waren vermutlich ein Diplom und eine Bescheinigung und eine Erlaubnis vorgesehen, um Traktorist zu sein.

Es hätte nicht zum Staat gepasst, einfach so jeden dahergelaufenen Landbewohner auf die Traktoren zu lassen. Andererseits läuft auf dem Land immer alles etwas pragmatischer und informeller ab, als in der Stadt. Auch bei diesem ländlichen Pragmatismus scheint mir die DDR keine Ausnahme gewesen zu sein. Die genaue Stellung des Traktoristen nach 1960 erfordert noch Recherche. 

Traktoristische Imageprobleme


Auf jeden Fall allerdings war die Stellung des Traktoristen nie so glamourös wie Fritz es vermitteln will. Interne Untersuchungen aus der DDR aus den 1970ern fanden heraus, dass Traktoristen aus einer Auswahl von 30 Berufen fast den niedrigsten Status aller Berufe hatten. Noch schlechter schnitten nur Hilfsarbeiter und poltische Berufe ab, ganz vorne waren Ärzte und Professoren.

Das Image der Landwirtschaftlichen Berufe war auch in der DDR schlecht. So wundert es nicht, dass niemand in der Landwirtschaft arbeiten wollte. Das Klagen über mangelnde Arbeitskräfte auf dem Land, zieht sich durch die Geschichte der DDR. Letztlich konnte anscheinend nicht mal die Aussicht Traktor fahren zu dürfen die üblichen Probleme der Arbeit in der Landwirtschaft - schräge Arbeitszeiten bei oft schlecthem Wetter, Knochenjob, man lebt im Kaff - ausgleichen. Zumal die Traktoristen im Verhältnis zu all' den anderen Berufen der LPGs doch nur eine geringe Zahl der Mitarbeiter ausmachten. Die Strahlkraft des Traktoristen reichte nicht aus.

Und nach 1990 war dann sowieso alles anders. Über die Auflsung oder Weiterbestehen der LPGs könnte man noch viel schreiben - immerhin hat Juli Zeh mit ihrem roman Unterleuten damit bereits angefangen (lest diees Buch, auch wenn fast keine Traktoren vorkommen!) - aber das ist eine anderer Exkurs.

Stellenanzeigen für Traktoristen findet man zumindest noch heute, auch aus Westdeutschland. Allerdings ist der Traktorist kein klarer Beruf (mehr). Die Anforderungen eines potenziellen Traktoristen belaufen sich im Wesentlichen auf den entsprechenden Führerschein. Erfahrungen in der Landwirtschaft wären den einschlägigen Stellenanzeigen nach auch hilfreich.

Der Traktorist, gestartet wie ein Mähdrescher und geendet wie ein Handbollerwagen..

Zum Abschluss


Und weil ja heute Freitag und Wochenende ist, noch etwas längeres zum Abschluss. Die Komödie "Traktoristi" von Mosfilm (mit englischen Untertiteln);

Mittwoch, 15. Juni 2016

Ostmusik

Letztens stieß ich doch ein paarmal auf Musik aus Ostdeutschland. Uwe hat mich auf die Spaßcombo Possenspiel hingewiesen, die zwar so dezent-anstregende Texte hatten (lustig!), aber musikalisch auch mehr funky waren als ich der DDR je zugetraut hätte. Ich stieß auch Chicoree, die zwar musikalisch eher typischen lyrisch-melancholischen Ostrock machten, aber zumindest Preise für den genial-bescheuertsten Bandnamen bekommen sollten.

Und Marcus tadelte mich, weil mir die Dithmarscher-Erzgebirgsche Co-Produktion "Die immer lacht" - zur Zeit immerhin Platz 2 der deutschen Charts - so gar nichts sagte. Drei musikalisch ostdeutsche Entdeckungen innerhalb weniger Tage. Und das mir! Sollte ich da tatsächlich etwas übersehen haben? Sollten aus der DDR und ihren Nachfolgebundesländern musikalische Highlights hervorgegangen sein, die sich mir bisher entzogen?

Und das ausgerechnet mir, der ich ja selbst größere Teile der 90er in Leipzig verbracht habe und mich da intensiver mit Popmusik beschäftigt als je vorher oder nachher. Sollte ich nicht den kompletten 80er/90er-Kanon der sächsisch-thüringisch-brandenburgischen Musik auch nachts um drei im Schlaf können? Sollte es noch mehr geben? Habe ich bewegendes übersehen? Was gab es noch?

Musiker aus Brandenburg


Um das Thema überschaubar zu halten, habe ich versucht mich auf Brandenburg zu beschränken. Dank der Bibliothek Potsdam gibt es zum Thema eine ausführliche und fast aktuelle (September 2014) Übersicht: "Musiker aus Brandenburg. Kurzbiografien der in der Sondersammlung Musik aus Brandenburg“ der Musikbibliothek der Stadt - und Landesbibliothek Potsdam vertretenen Musiker."

Deren 65 Seiten sind nicht vollständig und haben anscheinend insbesondere was die 2000er angeht Lücken, bieten aber von Büchsenschütz, Gustav über Bach, Carl Philipp Emanuel und Paul van Dyk bis hin zu Blutiger Osten und der Fercher Obskisten Bühne doch eine große Auswahl. Was gab und gibt es denn so an Brandenburger Musik?

Chart-Fernseh-Schlager natürlich. Den lasse ich mal weitgehend aus. Der ist halbwegs bekannt und musikalisch halbwesg uninteressant - scheint zudem eher aus anderen Teilen der DDR gekommen zu sein als ausgerechnet aus Brandenburg. Der einzige Name, der mir da wirklich was sagte, war Wolfgang Lippert - nun ja. Spannender sind in der Richtung Gerhard Gundermann und Achim Mentzel, die ich jetzt aber auch für eingeschworene Westdeutsche als bekannt voraussetze.

Beat und Rock


Zu den unbekannteren Episoden der DDR-Musikgeschichte gehörte die Beat-Musik, die allerdings schon kurz nach ihrem Aufkommen wieder verboten wurde. Die Sputniks aus Berlin (1963-1966), die Butlers (1962-1965) aus Leipzig oder Scirocco (1964- ) aus Potsdam existierten zu kurz oder waren zu stark gegängelt um eine eigenen Identität zu entwickeln. Scirocco war die einzige Band, die länger existierte und für den größten Teil der Zeit haben die dann eher unerträglichen Schlager produziert. Für mich klingt das eher so als wäre die Entwicklung des Beats zusammengebrochen als die Bands noch dabei waren, englische Bands zu kopieren. Hätte was werden können, ist es aber anscheinend nicht.

Mit dem klassischen Ostrock - in Brandenburg beispielsweise vertreten durch die Puhdys oder Keimzeit (1980- ) - konnte ich ja nie was anfangen. Mag daran liegen, dass die Bands ihre Hochzeit so zwischen 1975 und 1985. Als ich sie dann kennenlernte, waren sie 10 bis 15 Jahre hinter ihrer Blütezeit. An sich schon kein gutes Alter für eine Rockband, und umso schwieriger, wenn sich zwischendurch das komplette Umfeld geändert hat. Um mal ein Beispiel zu nennen. Keimzeit. Eine Brandenburger Band deren Appeal sich mir stets verschloss. Mittlerweile kann ich in der Wikipedia nachlesen:

In den 1980er Jahren erspielte sich die Band auf tausenden Konzerten eine treue Fangemeinde, vor allem im jetzigen Bundesland Brandenburg. Konzerte mit mehr als fünf Stunden Spieldauer waren keine Seltenheit. Die Abende wurden – über den eigentlichen Auftritt hinaus – zu teilweise sehr alkohollastigen Partys. Die Auftritte wurden zudem meist abseits vom staatlich gelenkten Musikgeschäft der DDR organisiert, zum Beispiel in Dorfkneipen mit ihren Veranstaltungssälen. Ende der 1980er Jahre wurde der Band kurzzeitig die Spielerlaubnis durch die staatliche Künstlerorganisation entzogen.

Im DDR-Kontext klingt das ziemlich großartig. Danach im Nachwendewesten wirkt es wie aus der Zeit gefallen.

Wendezeit

Bewegung kam in den späten Achtzigern in die Szene. Zumindest in den größeren Städten war der Staat deutlich weniger präsent und es begannen sich subkulturelle Szenen zu bilden. Es wurde dunler-untergroundiger und die Kontrolle ließ offensichtlich nach. Diese Zeit der Offenheit und Unbeständigkeit war Zeit der Experimente und Entwicklungen. Dabei ist ein echter Generationsbruch über wenige Jahre zu sehen, der sich in verschiedener Musik ausirchtete,

Meine Erfahrungen in Leipzig, war dass die Menschen de zur Wende etwa 20-25 waren, also in den Achtzigern popmusikalisch sozialisiert waren in einem Depeche Mode Land lebten. Ausgehend von der Musik muss die DDR zu der Zeit echt ein melancholischer, düsterer, geradezu lyrisch angehauchter Staat gewesen sein. Außerhalb der Großstadt entwickelten sich zudem noch eine große Folkszene, die beispielsweise das eher biedere Volksmusiktreffen in Rudolstadt bis heute zur wichtigsten Veranstaltung für Folk- und Weltmusik in Deutschland emporhob. Auch die zahlreichen ostdeutschen Mittelalterbands würde ich auf die Folk-Szene der DDR zurückführen.

Die Generation etwas jünger: zur Wende etwa 15-20 Jahre alt - hörte dann schon Punk, Handcore, Oi. Musik die hart war und weh tun soll. Gerne auch mal etwas künstlerischer angehaucht. Als Beispiel mal Sandow aus Cottbus mit einer eher ruhigen Nummer.



Ebenfalls zu der Zeit entstand die Neonazi-Szene, die uns ja auch bis heute beschäftigt. Aber abgesehen davon, dass es Nazis sind, machen sie auch elendig grottige Musik und müssen uns deshalb hier nicht weiter beschäftigen.

Nach der Wende entstanden aus der Punk/Kunst/Hardcore-Szene jede Menge Punkbands. Ich glaube das Ostdeutschland der 90er war eine schier unerschöpfliche Quelle von Schlager-Deutschpunkbands, die ihre Instrumente nicht so richtig bedienen konnten. Anscheinend kamen die vor allem aus Sachsen (Leipzig) und Thüringen. Dennoch gibt es auch einige Brandenburger Deutschpunkcombos. Eine Erwähnung ehrenhalber sei Bier Icki Ütsch aus Postdam für den originellen Namen gewidmet. (und wer jetzt verwirrt ist, folge diesem Link) Typischer aber sind eher die Babelsberg Pöbelz.

Aber es war auch spannender mit 44 Leningrad.



Außerhalb der lokalen Szene deutlich bekannter, auch Nachwende, gegründet 1990 in Potsdam: die Band Subway to Sally. Die eine Mischung aus handgemacht dem düster-lyrisch-melancholischen einerseits und recht hartem Rock spielen. Mir persönlich zu unspannend und unentschlossen, aber auf jeden Fall mit Erfolg.

Überraschungen


Bei soviel Punk, Melancholie und dem düsteren in der Musik gab es dann auch Überraschungen für mich. G.E.S. aus Cottbus ist eine Band, die ich der DDR nicht zugetraut hätte. Eine ordentliche staatliche Amiga-veröffentlichende Band mit Fernsehauftritten und Auslandsaufenthalten, aber doch so anders. Die DDR hatte eine echte Disco-Band. "It's raining man" aus Cottbus in Miami-Vice-Outfits. G.E.S.!



Auch eher untypisch war Metal. Die Metaller waren im Osten eher Blueser - ein Thema, das schon fast ein eigenes Buch lohnen würde .Aber auch Metal gab es. Biest aus Jüterbog südlich von Berlin - war es die einzige Metalband der Welt, die je die Auszeichnung als "Hervorragendes Volkskunstkollektiv” bekam? - spielten bluesigen Metal.

Noch untypischer war Hip Hop. Es scheint genau eine Hip Hop Band gegeben zu haben, die jemals offiziell wahrgenommen wurden. Die ist so - naja. Jede musikalische Entwicklung fängt mit schlechtem Kopieren der Originale an und die DDR brach zusammen, bevor sich eine DDR-Hip-Hop-Szene bilden konnten. Aber auch in Westdeutschland war es mit dem HipHop immer schwierig, und die westdeutschen Bands hatten weniger Probleme an die Originale zu kommen. (Zum Vergleich zur selben Zeit erschien beispielsweise De La Souls Me, Myself and I) Es war eine erste Aneignung und was aus einer originären DDR-Hip Hop Szene hätte werden können wer weiß. So aber bleibt uns nur die Electric Beat Crew aus Schulzendorf etwas östlich von Berlin.




Und jetzt?


Und nu? Die Neonazi-Szene ist recht aktiv mit einem Musikstil, den ich mal unerträglich-einfältigen Deutschpunk nennen würde. Subway to Sally gibt es noch. Schlager gibt es auch noch, immer mal wieder auch erfolgreich durchgepoppt. Bürger Lars Dietrich stammt aus Postdam. Doreen Steinert ist vor allem bekannt als Ex-Verlobte von Sido, hat aber auch mal bei einer Casting-Sendung gewonnen. Auch wenn ich mich nach Ansicht ihres Unplugged-Videos Frage: warum? Jeanette Biedermann lebt mittlerweile in Brandenburg und betreibt eine Pop-Schlager-Combo namens Ewig. Muss man auch nicht kennen. Wirklich spannendes aus Brandenburg aus dem hier und jetzt habe ich noch nicht gefunen. Virginia Jetzt! kann doch nicht alles sein! Ziehen die potentiellen Musiker heute wirklich alle mit 17 nach Berlin und gründen dann da ihre Bands? Ich glaube ich muss noch weitersuchen für das hier und jetzt.

Als Abschluss aber doch noch ein Fundstück aus dem hier und jetzt: Punkabilly, Depeche Mode und Achim Mentzel. Alles in einem Song! Yes!