Dienstag, 29. Dezember 2015

Kochbücher (I): Laura B. Russel "Brassicas"

Laura B. Russel: Brassicas. Ten Speed Press, Berkeley 2014

Als Norddeutscher in Berlin erlebe ich derzeit interessante Erfahrungen. Grünkohl, schweres Essen langer Winterabende, reichhaltige Mahlzeit norddeutscher Ortshonoratioren und bewährter Begleiter von ein bis zwölf Gläsern Korn kommt plötzlich auf in Berlin von schräg hinten durch die Hipster Health Food Apostel: als gesundes superfood „Kale“ in Smoothies, am Marktstand, in Ernährungsratgebern und als Salat. Wer hätte es je gedacht: Kohl wird langsam hip. Noch allerdings ist die aufkommende Kohl-Hipness in Deutschland eher unterentwickelt, in den USA ist man da schon deutlich weiter.



Die Vereinigten Staaten sind in Punkto gesundes Essen derzeit dabei, Deutschland zu überholen ohne einzuholen. Bei den letzten beiden Gelegenheiten, bei denen ich in den Vereinigten Staaten war, waren die Märkte exquisit, die Stände boten exorbitant gut aussehendes Obst und Gemüse an. Die Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt war spektakulär, der türkische Supermarkt im die Ecke hatte ein Angebot, dass es in Berlin nur in einer Mischung aus Biomarkt und Frischecenter gibt. New York hatte gefühlt einen Obst- oder Gemüsestand alle 20 Meter. Es war beeindruckend. Und in der Mitte von all‘ dem stand Kohl.

Einerseits ist das nicht überraschend: Kohl ist so derart gesund, es ist unheimlich. Dazu ist er noch preiswert, sättigend und annehmbar unkompliziert zu verarbeiten. Und nicht zuletzt: er ist schmackhaft und aromatisch. In Deutschland aber gilt Kohl noch überwiegend als uncooles Essen der Eltern und Großeltern, berühmt und berüchtigt als Begleiter von Kasslerplatten, Schweinenackenbergen und undefinierbaren Fett-Fleischbergen.

Weswegen es spannend ist, ein Kohl-Kochbuch aus einem Land zu bekommen, in dem Kohl quasi keine Verbreitung hat und Kohl - dem Buch nach zu urteilen - ein eher exotisches Essen ist. In „Brassicas“ ist es einerseits niedlich zu sehen, wie Kohl Menschen erklärt wird, von denen die Autorin Laura B. Russel anscheinend davon ausgeht, dass sie noch nie einen Kohlkopf verarbeitet haben. Andererseits geht es frisch, offen und unvoreingenommen an das Thema. Gerade da die Autorin ihr Gemüse als „the world’s healthies vegetables“ verkaufen will, fallen natürlich die ganzen Gerichte mit den üppigen Fleischbeilagen heraus. Und Russel widerstreht auch der Versuchung, einfach zu jedem Gericht Schinken dazuzupacken. Stattdessen gibt es Kohl gedünstet und gebacken, mit Käse, Zitronen, Fisch, Gewürzen und anderem.

Einige Daten


Geschrieben hat das Buch Laura B. Russel, Food-Autorin aus der Hipster-Hochburg Portland. Oregon, Betreiberin eines Blogs, Journalistin, Autorin einer glutenfreien Kolumne in einem Stadtmagazin, und was so dazugehört. Das Buch hat 170 Seiten im Format zwischen A4 und A5. Bei amazon gibt es "Brassicas" gerade für 22 Euro. Der Name ist ist übrigens die lateinische Gattungsbezeichnung für Kohl. Die Fotos fallen ebenso wie das Schriftbild eher ins dunkel-atmosphärische, Schrift und Bilder sind aber beide noch gut erkennbar. Bisher gibt es nur eine amerikanische Ausgabe, das heißt, geschrieben in englischer Sprach, mit amerikanischen Maßangaben und ausgelegt auf die in trendigeren Stadtvierteln Portlands erhältlichen Zutaten.

Außer Rezepten

 



Das Buch hat eine allgemeine Einführung zu Kohl an sich und seinen vielen Vorzügen, Kohl und Gesundheit, Kohl in verschiedenen Ernährunsgsvarianten (vegan, vegetarisch, glutenfrei zu name it) den verschiedenen Aromaprofilen verschiedener Kohlsorten (von mild – Pak Choy, Blumenkohl – über stark – Brokkoli – „peppery“ – radish und „pungent“ – merrettich, wassabi) und ein Kapitel zu „taming the beast“, das sich mit „bold flavors“ befasst - in den USA ist Kohl an sich unbekannter, sein intensiver Eigengeschmack scheint aber auch dort gewöhnungs- und erklärbedürftig. Da das Buch anscheinend auch gar-nicht-Kohlesser abholen soll, beinhaltet das Buch noch überraschend detaillierte Anweisungen zum Waschen, Putzen, aussuchen etc. Die müssten jetzt nicht im Buch sein, als Wiederholung sind sie aber durchaus hinnehmbar.

Die Rezepte


Die Rezepte sind nach Kohlarten unterteilt und nehmen ungefähr 130 Seiten ein. Dabei kommen alle auch in Deutschland verbreiteten Kohlsorten vor: Grünkohl, Blumenkohl, Rosenkohl und Weißkohl, Asiatische Kohlsorten, Kohlrabi und Wasabi sowie in Deutschland eher seltener Blattkohl und diverse hier auch eher seltene asiatische Kohlsorten.  Jedes Rezept hat eine kurze Einführung warum es im Buch steht, was das Besondere am Rezept ist und welche möglichen anderen Varianten es noch gegeben hätte, die nicht im Buch stehen. Der eigentliche Rezeptteil mit Zutaten und Zubereitung ist ziemlich orthodox.

Wie zu erwarten bei einem Buch, das 2014 erschien und „gesund“ auf dem Titel hat, sind Kohlehydrate sehr selten in den Rezepten und Fleisch immer noch ziemlich selten. Die Zutaten gehen wild durch den Garten, sind vor allem asiatisch beeinflusst, aber auch mal mediterran, mexikanisch, oder klassisch amerikanisch. In Berlin-Schöneberg dürfte es kein Problem sein, 95% der Zutaten recht problemlos zu kriegen (der große Asia-Markt hilft, potenzielle Probleme sehe ich bei diversen exotischeren Blattkohlsorten), in Schleswig-Holstein auf dem Dorfe gäbe es da schon deutlich mehr Probleme und ein größerer Teil der Rezepte würde unkochbar werden oder bräuchte viel Fantasie beim Substituieren.

Am Ende des Buches steht eine Tabelle in der alle Rezepte aufgelistet sind und es jeweils ein Kreuz (oder keines) gibt, wenn das Rezept vegetarisch oder vegan ist, Fleisch enthält, Fisch enthält, Milchprodukte enthält, Eier enthält, Soja enthält, Erdnüsse enthält, Kokosnuß oder Sesam als Inhaltsstoff hat.


Beispielrezept:


Grünkohl- und Sußkartoffel-Sauté. In will jetzt nicht das ganze Rezept wiedergeben, eher ein Eindruck worum es geht.  Die Begründung ist, dass die Kombination von Grünkohl, Süßkartoffel und mexikanischen Gewürzen eine simple ist, die dennoch gut sowohl als Hauptgericht wie auch als Beilage funktioniert. Das Rezept besteht aus Grünkohl, der einige Minuten in Knoblauchöl gedünstet wird und Süßkartoffelstücken, die in Chili, Kreuzkümmel und Öl gebraten werden, um am Ende zusammenzukommen.

Andere typische Rezepte sind Blumenkohl-Hummus, Rosenkohl mit Pancetta und Feigen, gegrillter Brokkoli mit Senfvinaigrette und Blauschimmelkäse, gebackener Staudenbrokkoli mit in Wein gekochten Pilzen, gegrillter Pak Choy mit Miso-Butter etc.

Fazit


Für ein echtes Fazit ist es noch zu früh, da sich ein ordentliches Kochbüch natürlich in der Praxis bewähren muss und dafür einige Monate Zeit braucht. Bisher macht es einen guten Eindruck. Die ganzen Gesundheitsteile kann man lesen ohne an der Menschheit zu verzweifeln, kann sie aber auch ignorieren. Die Rezepte machen einen originelle, inspirierenden, abwechslungsreichen, schmackhaften und tatsächlich im Alltag kochbaren Eindruck. Wirkt gut. Mehr später. 

Dienstag, 22. Dezember 2015

Die Troll-Matrix

Gestern durfte ich in einem netten Cafe an einem anregenden und inspirierenden Gespräch über Trolle, ihr Wesen und Sein und ihre Klassifikationen teilnehmen. Wenig überraschend landeten wir an dem Punkt, dass eine Vielzahl verschiedenster Verhaltensweisen unter dem Troll-Begriff zusammengefasst werden.

Zeit für mich, einige seit langem angefangene Gedankenansätze zusammenzubringen und die vorläufige Trollmatrix aufzuzeichnen. Nicht jeder Troll ist dasselbe, aber sie lassen sich klassifizieren.

Meine Grundthese dabei ist, dass jeder Troll ungeschriebene Grundregeln der aktuellen Kommunikation bricht. Sprich: der Troll sagt nicht das, was sein Gegenüber gerade legitimerweise erwarten kann, sondern geht darüber hinaus. Einfaches Beispiel: Wenn ich frage, ob Du nachher mit ins Cafe kommst und Du sagst "Penis, Du Arschloich", fällt die Antwort aus dem Rahmen. Komplexes Beispiel: Wenn ich zu einer Internetkonferenz eingeladen werde und dort einen Vortrag über Leinenangeln (englisch: "Trolling"), ist auch das eher unerwartet. Trotzdem ist beides natürlich verschiedenes Verhalten.

Um wenigstens etwas Übersicht in das Ganze zu bekommen, schlage ich zwei Dimensionen vor. Einmal "Intention" und "Anschlussfähigkeit."

Intention ist einfach: Wenn Du sagst "Penis. Du Arschloch", weil Du an Tourette leidest, ist das eine andere kommnukative Situation als wenn Du beleidigen willst. Gleiches gilt, wenn ich den Angelvortrag halte, weil ich aus seltsamen Grünen fälschlicherweise denke, ich bin auf einer Angelkonferenz als im Bewusstsein auf einer Internetkonferenz zu stehen.

Anschlussfähigkeit ist schwieriger zu bestimmen. Grob vereinfacht bezeichnet es in diesem Kontext die Fähigkeit auf die Trollkommunikation zu reagieren. Dabei können die Kommunikationsmöglichkeiten start eingeschränkt werden (Auf "Du Arschloch" kann man nur beschränkt antworten, auf eine wiederhlte Beleidigung wird es noch weniger) oder aber erweitert (die Reaktionsmöglichkeiten auf den Angelvortag sind Vielgestalt). Die Diskussion wird durch das Trollen stark in eine Richtung gezwungen oder geöffnet und kann einen bis dato für alle Beteiligten unerwarteten Spin bekommen.

Aufgezeichnet sieht das so aus:



Im einzelnen:  

Hater werden leider mittlerweile meistens als Trolle bezeichnet. Sie wissen was sie wollen und wollen eine Diskussion entweder ganz beenden, indem sie alle anderen vertreiben oder sie stark in eine Richtung lenken. Hierunter fallen die bekannten Fälle von massiven persönlichen Angriffen (siehe zB Gamergate), der Versuch mit unlauteren Mitteln persönliche oder politische Agenden zu pushen oder auch einfache Sachen wie Vandalismus und Penis-Spam. Sinnvoller Umgang hiermit ist zumindest theoretisch einfach: Hater sind zerstörerisch für Kommunikation und wissen das: löschen und sperren.

Rechthaber wirken oft wie Hater, aber sie wissen nicht was sie tun. Oftmals trifft man hier Menschen mit starken inhaltlichen Überzeugungen und nur eingeschränkt tauglichem Sozialverhalten. Oft fühlen sie sich un- und missverstanden. Die erhöhen die symbolische Lautstärke, auch wenn sie damit nicht besser verstanden werden, sondern andere Verschrecken. Rechthaber wirken zerstörerisch auf Kommunikation, entfalten diese Wirkung aber in bester Absicht. Bei Rechthabern hilft dann auch meistens Zuhören, verstehen und vielleicht der ein oder andere Hinweis, dass das Kommunikationsverhalten gerade ungeschickt ist. Sie wollen ja diskutieren, brauchen nur etwas Hilfestellung.

Trolle i.e.S. möchten mal einfach Spaß haben und mal auch einfach Leute aus ihrer Behäbigkeit reißen. Deren Verhalten ist am Vielfältigsten und unberechenbarsten. Kann positiv wirken, auf die Dauer aber auch sehr anstrengend sein. Zumal wenn der Troll nicht so originell ist wie er denkt zu sein. Die Reaktion hier ist ebenso wie das Trollverhalten hochgradig variabel, situations- und kontextabhängig.

Kind ist hier auch im übertragenen Sinne gemeint. Jemand sagt etwas, was nach gängigen Maßstäben für Erwachsene ungewöhnlch ist/nicht geht, und die Betroffenen freuen sich in dem Kontext. Handlung ist hier eigentlich gar nicht nötig. Das Verhalten tritt nur manchmal auf und ist diskussionsanregend. Was will man mehr?



"Ich habe Zeit gespendet, und zwar nicht zu knapp! "

Wer es noch nicht gesehen hat. Ein schönes Interview von Geolina im Deutschlandfunk zum Thema Wikipedia, Wikimedia, Spenden und Wertschätzung:

Wikipedia-Autorin wünscht sich mehr Wertschätzung



Finnish anti-vegetation task force on a Baltic sea island
Bild: Finnish anti-vegetation task force on a Baltic sea island. These sheep, owned by the government of Finland, keep the meadows from turning to thickets. By Hansenit [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Sonntag, 20. Dezember 2015

Schwimmbäder nah und fern: Stadtbad Schöneberg, Hans-Rosenthal, Berlin

Schwimmbäder sind schön. Eine der echten Errungeschaften Deutschlands ist es, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Ein Ort für alle, ein Ort für Spannung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder sind spannend und geben einen guten Einblick darin, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen und drumherum.

Den Auftakt macht quasi mein derzeitiges Heimatbad: das Stadtbad Schöneberg in Berlin.

Berlin schoeneberg stadtbad 25.11.2013 11-49-03

Gebäude:

Eigentlich ein recht spannender Bau: ein für Berlin und die Zeit typischer 1920er-Backsteinbau. Die großen Becken liegen im Obergeschoss mit Blick auf einen kleinen Park und die Umkleidekabinen im Erdgeschoss. Schon ein etwas eigenwilliges Gefühl, wenn man beim Umziehen weiss, dass gerade das komplette Becken über einem ist. Mehrfach innen umgebaut und dabei leider etwas verbaut. Von dem recht spannenden Gebäude und schönen Gebäude bekommt man drinnen kaum etwas mit und man muss schon sehr genau darauf achten, um zu merken, dass man nicht in einem austauschbaren Zweckbau ist.

Becken: 

Ein großes Becken mit 25-Meter-Bahn und 3-Meter-Sprungbrett, Kinderbecken, kleines Außenbecken, ein paar Whirlpools und eine Rutsche. Recht ordentlich, aber nicht außerordentlich. Whirlpools und Solebecken sind quasi immer voll, das Außenbecken hat zu meinen Badezeiten meistens geschlossen. Bonuspunkte gibt es für das vergleichsweise warme Wasser.
  
Umkleidekabinen/Duschen:

Duschen nett: warm, gut zu bedienen und generell nett eingerichtet. Umkleidekabinen okay, 200er-Stil in milchigem Plastik, die Gestaltung zwingt einen aber lange Gänge entlang. Deutliche Minuspunkte dafür, dass das mit dem Türen ab. und aufschließen nie so richtig funktioniert und extra Minuspunkte dafür, dass hier die "passen-Sie-auf-Diebe-auf" Warnungen selbst für Berliner Verhältnisse recht ausgeprägt sind - die Schließfächer aber im beckenbereich liegen. Sprich: man muss erstmal seine kompletten Wertsachen in Badehose durch die Gegend tragen und dann mit in die Dusche nehmen, wenn man sie nachher wegschließen will. Das System ist nicht ausgereift, 

Publikum:

Typische Schöneberger Mischung. Tendenziell jünger (so 4 bis 40), tendenziell nichtdeutscher Herkunft, überraschend viele Menschen, die tatsächlich schwimmen können. Oft sind Kurse von Meerjungfrauen-Apnoetauchen für kleine Mädchen bis zu Schwimmlernkursen für Erwachsene, auch daher ist das Publikum recht abwechslungsreich.

Restauration:

War mal drin. War okay. Muss nicht wieder sein.

Preis: 

7,50 Euro. Der Berliner Preis für besonderer Schwimmbäder. Mit den 2 Euros Extra bezahlt man für Warmwasser, Rutsche und Whirlpools.


Und sonst:

Meines Wissens als einziges der Berliner Bäder mit einem Namen versehen: Stadtbad Hans-Rosenthal. Der Moderator Hans Rosenthal hat hier Schwimmen gelernt. Mit 25, nachdem es ihm vorher als Juden in NS-Deutschland nicht erlaubt und möglich war. Endlich mal eine Benennung mit Sinn und Verstand und Würde.

Empfehlenswert?

Dafür, dass das Bad eigentlich nichts besonderes hat, sind 7,50 Euro schen ein recht steiler Preis. Andererseits: das Wasser ist warm, das Publikum angenehm und das Bad an sich ein nettes.


Sonntag, 13. Dezember 2015

Wikipedianer wandeln durch Weltstadt: KNORKE wird 10

Ach, was waren das für Zeiten im Jahre 2005. Die Wikipedia war klein und die Welt war groß und aufregend, sondern auch danach was vor der eigenen Haustür passiert. Dabei ging es nicht nur um abstrakte Konzepte, tote alte Männer und den Stoff der Schullehrbücher. Zum Wissen der Welt gehört auch Wissen über das persönliche Umfeld, das pralle Leben direkt vor der eigenen Haustür oder in U-Bahn-Nähe entfernt.

Hermannstraße (Rixdorf) Apollo-Theater-Garten anno 1900 AK gemeinfrei Ort des erstes KNORKES: die Hermannstraße.

Neben den Artikeln über Philosophie und Physik oder Barock und Bariton entstanden auch Artikel über das eigene Umfeld. Gerade in Berlin ist dieses Umfeld nicht immer hübsch und geleckt, sondern auch mal rauh und nicht für jeden Stadtführer geeignet. So um 2005 beschlossen verschiedene Berliner (unter anderem Cornelius, Achim., Lienhard, Rainer) einen Artikel über eine Straße zu schreiben: die Hermannstraße ist eine Hauptstraße in Neukölln und sie macht alles aus, was eben auch Neukölln ausmacht: historische Friedhöfe, sozialer Brennpunkt, Fahrradfahren im Slalomverkehr, lebendiges Leben des Kleingewerbes und jede Menge Casinos und Cafes.

Wenn man über eine Straße schreibt, die vor der eigenen Haustür liegt, liegt es nahe, sich diese auch einmal persönlich anzuschauen. Und wenn man zusammen am Thema schreibt, liegt es nahe, sich die Straße zusammen anzuschauen. Der erste wikipedianische Stadtbegehung war geboren. Am 4. Dzember 2005 fand die erste "KNORKE"-Tour der Wikipedia statt. Der Benutzer Marbot war noch nicht als der Meister des perfekten Protokolls dabei, der er später werden sollte, so dass die schriftlichen Überlieferungen sind spärlich, was aber erhalten blieb war:

Im Handwerkerstübchen rund 1 Meter hoher Cappuccino mit zwei Meter Sahne drauf und gefühlten 68 Keksen rundrum für schlappe 1,50 oder so und so weiter ..

Was auch immer genau bei jener legendären Tour sonst geschah: der Artikel über die Hermannstraße wurde zu einem Artikel ausgebaut, der innerhalb der Wikipedia als Qualitätsartikel gilt(*) und es machte Lust auf mehr.

Wannsee29 KNORKE on Tour: Hier auf dem Weg zum Wannsee. Bild: Jcornelius CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons

Bereits am 26. Februar 2006 folgte die zweite Tour (Hackescher Markt) und einen Monat später der dritte Anlauf (Prenzlauer Allee). Betreut, gepflegt und koordiniert von Cornelius und Lecartia fanden innerhalb des ersten Jahres 10 KNORKES von Wannsee/Kladow über die "Rote Insel" in Schöneberg, den Beusselkiez in Moabit bis hin zum Osktkreuz statt. In den folgenden Jahren sank und stieg die Begeisterung.KNORKE-Touren gab es unter anderem im Bayerisches Viertel, im Zillekiez, Links und Rechts vom Ku'damm, zu den AEG-Fabriken auf dem Wedding/Humboldthain, nach Friedrichshagen durch das Botschaftsviertel, rund um das Autobahnkreuz Schöneberg, wir folgten den 1920ern in Schöneberg-Nord und erkundeten zuletzt Mariendorf. Zusätzlich fanden Sondern-KNORKES mit Adventsessen oder Spieleabend statt.

Der KNORKE-Enthusiasmus folgte dabei wage den Rhythmus der Wikipedia. Nach enthusiastischen Aufbrauchsjahren und schneller Expansion, spielte es sich danach etwas ein und verlor etwas an Energie. Insgesamt gab es 48 KNORKES in stark wechselnder Frequenz:

2005: 1 Tour
2006: 9 Touren
2007: 8
2008: 12
2009: 6
2010: 2
2011: 2
2012: 4
2013: 2
2014: 2
2015: 0
2016: 1 (bisher geplant)

Karte Berlin LandnutzungBerlin, Berlin, wir laufen durch Berlin. Bild: By Maximilian Dörrbecker (Chumwa) CC BY-SA 2.0 or ODbL, via Wikimedia Commons

Die Touren verliefen dabei recht unterschiedlich. Allen gemein ist: jemand lädt auf der KNORKE-Hauptseite ein, dann kommen Menschen und man läuft zusammen offenes Augens und wachen Geistes durch die Stadt. Mal sind es lange Waldwanderungen mit seltenen Kurzpausen wie bei Lienhards Tour durch die Morellenberge im Berliner Westend. Mal gibt es historisch erschlossenes in dichter Folge wie beispielsweise die Tour durch das Schloss Charlottenburg mit Achim, Cornelius und Ralf, mal sind es Touren ins wahre Leben selbst, "Berlin in your face" geradezu wie die KNORKE-Pioniertat in der Hermanstraße, Ralfs Führung durch die Potsdamer Straße oder Denis' Tour durch den szenigen Schöneberger Norden. Auf jeden Fall wird viel gekuckt, viel geredet und für eine Gruppe von 5 bis 15 Leuten auch überraschend viel gelaufen.

Ab und an werden in Folge oder Vorbereitung der Tour sogar Wikipedia-Artikel geschrieben und verbessert. Anfangs dokumentierten die KNorkisten sogar, welche Artikel und Bilder entstanden, im Laufe der Gewönung an den Event ließ der Enthusiasmus bei der Dokumentation allerdings nach.

Mal sind die Touren minutiös vorbereitet und geplant, mal gehen alle aus davon aus, dass sie nichts wissen, aber mal neugierig sind (wie zum Beispiel in Reinickendorf) und mal wissen die Mitlaufen auch deutlich mehr als derjenige der die Tour ansetzte. Manchmal glauben die Mitlaufenden auch mehr zu wissen als die Person, die vorbereitete. Das wird dann oft etwas anstrengend.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01 Für das 49. KNORKE folgt die Müllerstraße im Wedding.

10 Jahre KNORKE ist nicht tot. Im Januar geht es weiter mit einer Tour die Müllerstraße im Wedding entlang. Vielleicht klappt im Februar ja zum 50. mal die Jubiläumsausgabe wieder durch die Hermannstraße. Und Berlin ist groß, jeder Berliner entdeckt wohl immer noch regelmäßig komplett neue Stadtteile. Und die Stadt verändert sich: Neukölln 2015 ist nicht mehr Neukölln 2005. Es bleibt spannend.


(*) Wobei ich sagen muss: 2005 fand ich den Hermannstraßenartikel ja super, mittlerweile aber eher gräßlich!

Dienstag, 1. Dezember 2015

In Verteidigung eines Gangster-Rappers #Haftbefehl #Böhmermann #trollen

Böhmermann


Vor einigen Tagen veröffentlichte der deutsche Comedian Jan Böhmermann ein mittellustiges Video, in dem er sich über deutschen Gangster-Rap lustig macht und seinen eigenen Polizisten-Rap dagegen setzt. Das Video hat eine recht einfache Struktur: er nimmt die üblichen Text-Bild- und Musikklischees des Gangster-Raps und überall, wo der echte Gangster-Rapper seine "Homies" nennen und preisen würde, nennt und preist Böhmermann die deutsche Polizei.

Da jener Böhmermann ein Liebling des sich selbst hip dünkenden Teils des deutschen Feuilletons und dessen Lesern ist, folgte eine intensivere Diskussion unter weißen Bildungsbürgern, ob sich weiße Bildungsbürger über Gangster-Rap lustig machen dürfen oder nicht. So weit so normal.

Haftbefehl 


Böhermann hat sich aber nicht nur über den Gangster-Rap als Genre lustig gemacht, sondern sich ein spezielles Vorbild genommen: den Offenbacher Gangster-Rapper Haftbefehl und dessen Stil. Damit wird die Sache interessant. Während die Diskussionen bei Böhmermann und dem bildungsbürgerlichen Diskurs-Zirkel ja im eigenen Kreis blieben, ist Haftbefehl nicht Teil der In-Group. Böhmermann und die Bildungsbürger stehen letztlch auf derselben Seite und werden es bei aller Uneinigkeit zum selben Thema auch bleiben. Haftbefehl ist nicht Teil des Witzes und kann und darf auchuch nicht mitlachen. Für Haftbefehl gibt es die Optionen "Mitlachen" nicht, wenn, dann ist es "lachen über ihn."  Böhmermann hat provoziert, oder, wie wir im Internet sagen, Böhmermann versucht Haftbefehl zu trollen. Haftbefehl hat mit einem Battle-Rap geantwortet.

Trollen ist ein Thema hier bei Iberty, und noch mehr ist ein Thema "wie geht man mit dem Troll um". Das jetzt-Magazin hat Haftbefehl getadelt "das wiederum heißt vor allem: Jan, ich nehme dich ernst. Was wahrscheinlich die kontraproduktivste Reaktion ist, die ein Gangster-Rapper zeigen kann, wenn ihn ein Comedian angeht." Jetzt könnte nicht falscher liegen! Ernst-nehmen ist das Beste was Haftbefehl hier machen kann.

Und das Trollen


Um die Reaktion von Haftbefehl einzuordnen, muss man zum Glück weder Ahnung von Gangsterrap noch vom hippen  Teil des Feuilletons haben. Es reichen angewandte Troll-Fähigkeiten. Ein Troll wie Böhmermann will angreifen ohne sich selbst angreifbar zu machen, provozieren ohne zur Rechenschaft zu ziehen zu sein. Böhmermann kann das, und bringt den angegriffenen in eine unangenehme Situation. Bei Böhmermann, wie bei jedem Troll, gibt es im Wesentlichen vier halbwegs sinnvolle kurzfristige Reaktionsmöglichkeiten, die je nach Kontext besser oder schlechter geeignet sind:

Löschen und sperren: fällt hier wohl aus, weil Haftbefehl die Möglichkeiten zum Löschen fehlen.

Ignorieren: Das empfohlene Standard-Vorgehen gegen Trolle und auch vom jetzt-Magazin empfohlen.
Ignorieren funktioniert wenn es alle machen. Bei einem Böhmermann-Video mit 4,5 Millionen Aufrufen, das vermutlich mittlerweile größere Teile der Szene entdeckt haben, ist es dafür auch zu spät.

Darauf einsteigen: die Möglichkeit wäre, auf das Spiel einzusteigen, und selbst ein entsprechendes Satire-Video aufzumachen. Satire aber ist Böhmermanns Spielfeld, Satire kann er besser und Böhmerann würde es deutlich ausspielen.

Ernst nehmen: ist eine elegante Methode um mit Trollen umzugehen. Es verlagert das Spielfeld auf Haftbefehls Terrain und bringt eine neue Verbindlichkeit ins Spiel. Jetzt ist Haftbefehl derjenige, der Inhalt und Stakes hat, während Böhmermann absichtlich noch im unverbindlich-unkonkreten geblieben ist. Damit das Video ernst genommen zu haben, stellt Haftbefehl Böhmermann vor eine Wahl: entweder er macht weiter wie bisher und bleibt unverbindlich und satirisch: dann allerdings ist Böhmermann der oberflächlich-abgehoben bleibende Laberkopf, der nicht wirklich einen Inhalt hat. Oder Böhmermann steigt darauf ein, dann allerdings ist plötzlich er auf Haftbefehls Terrain und muss nach dessen Spielregeln spielen. Und bei einem echten Rap-Battle hat Böhmermann wahrscheinloch wenige Chancen.

Chapeau, Haftbefehl.

P.S: und was ich nun an Böhmermanns Stelle machen würde: ernst nehmen. Nicht in Form eines Rap-Battles, sondern tatsächlich in ernster Auseinandersetzung. Dann muss Haftbefehl entscheiden ob er nun in seiner Blase bleiben will, oder inhaltlich darauf eingehen.  

Dienstag, 20. Oktober 2015

Jämmerliche Wutnickel laufen im Kreis. Ein Jahr #Pegida.

Manche scheinen ihre Lebenserfüllung darin gefunden zu haben, im Kreise zu laufen. Ein Jahr Pegida und sie laufen immer noch. An sich ist das nicht so überraschend - wer sich mal ein anspruchsloses wöchentliches Hobby zugelegt hat, kann das lange durchhalten. Überraschend und erklärungsbedürftig ist aber die weiterhin starke Beteiligung, die zumindest in Dresden auch Menschen hinter dem Ofen hervorlockt, die eigentlich anderes zu tun haben sollten.

Die ganzen Gida-Teilnehmer außerhalb der Dresdener Veranstaltungen sind deutschnationale Aktivisten bis Neonazis mit politisch verfestigtem Weltbild. Diese Aktivisten agieren in innerhalb einer geschlossenen Ideologie mit einem größeren Ziel; da ergeben Demonstrationen innerhalb dieses Weltbilds einen Sinn. Gleiches gilt für die Gida-Organisatoren. Wenn jemand innerhalb einer festgefügten Ideologie agiert, erscheint in diesem Zusammenhang vieles logisch, was auf Außenstehende befremdlich wirkt. Die innere Logik der Rechtsextremen kann ich glaube ich gut genug nachempfinden, um mir zumindest vage vorstellen zu können, wie und warum die Gida-Organisierer handeln und was man eventuell dagegen machen könnte.

Was mir tatsächlich kaum begreiflich sind, sind gerade in Dresden die mehr oder weniger normalen Menschen, die sonst unpolitisch sind und ausgerechnet Pegida für die eine sinnvolle Gelegenheit halten, um sich ausnahmsweise politisch zu engagieren. Ausgehend davon, dass diese Menschen ein mehr oder minder normales Leben führen, opfern die ihre Zeit ausgerechnet für Veranstaltungen die selbst massenhaft Ausrufezeichen in die Lande setzen mit "Geh hier weg! Das ist kein guter Ort! Hier ist der Ort des aggressiven Wahns!; einer Veranstaltung bei der als Mensch mit einem Mindestmaß an zumutbarer Sozialisation schreiend wegrennen möchte?

Nicht ohne eine gewisse Faszination schaue ich da ja zu: Verkehrsunfallvoyeurismus im Reimkultur. Dass ist mir alles so fremd und unverständlich und nicht-nachvollziehbar wie Menschen so sein können und ticken.

Warum tun die sich das an?


Ein Versuch zu verstehen.

 

Aggressivität und Wut.

Der mitgeführte Selbstbastel-Galgen auf der letzten Pegida-Demonstration hat die Runde durch die Medien gemacht. Das Überraschende daran war weniger, dass auf der Demonstration ein Galgen mitgeführt wurde, sondern eher, dass es auffiel. Die verbale Aggressivität, die bei den Gidas sowohl von den Rednern wie auch den Plakaten ausgeht, ist weit jenseits dessen, was noch irgendwie akzeptabel ist. Wie jemand neben Plakaten laufen kann, die den Tag der Abrechnung herbeisehnen und sich nur schwach verklausuliert in Gewaltphantasien ergehen, ohne schreiend davonzulaufen, ist mir tatsächlich ein großes Rätsel.


Die ganzen Screenshots in diesem Post sind unwidersprochene Äußerungen aus der offiziellen und öffentlichen Pegida-Facebook-Seite

Nun wibt Pegida ja damit, dass es auf den Demos selber gewaltfrei zugeht. Was zum einen nicht so schwer ist, wenn niemand da ist, dem man Gewalt antun könnte, weil Dresden ja wie keine andere Stadt den Pegidisten das Feld überlässt - zum anderen bricht der Mythos der Gewaltfreiheit natürlich sofort zusammen, wenn doch mal jemand anderes als ein Pegida-Anhänger da ist:




Wenn Menschen die ganze Verbalgewalt auf Pegidademos nicht nur ertragen ohne das Weite zu suchen, sondern sich freiwillig mit den Plakatträgern und Rednern in eine Reihe stellen, ist mir das ein unbegreifliches Verhalten.


Mangel an Visionen.




Die ganzen Gidas lassen sich lang und breit darüber aus, wer alles böse ist und hinweggefegt gehört und ausgewiesen gehört und überhaupt. Aber was dann? Eine positive Vision existiert nicht. Ich glaube ich habe von keiner Gida in keiner Rede bisher etwas darüber gehört, was gut wäre und wie es sein sollte. Eine Bewegung ohne jegliche positive Inhalt. Selbst das im Namen beschworene Abendland ist so blut- und inhaltsleer, dass ich glaube niemand der dort Anwesenden weiß, was das Abendland eigentlich sein soll. Zumal Pegida ja auf die langen Liste seiner Feinde alles gesetzt hat, was normalerweise mit dem Abendland zu tun hat: Kirchen, Institutionen, Kulturbetrieb. Dasjenige Abendland, dass der Rest der Menschheit unter dem Begriff des Abendlandes versteht, ist von Pegida nicht erwünscht.

Was ich allerdings nicht nie überhaupt gar nie höre, ist die Vision dahinter. Also mal angenommen, Pegida wäre total erfolgreich und in einem Jahr würden wir in Pegida-Land leben. Wie würde das aussehen, das - laut Zitat oben - "Deutschland dass sich die meisten Deutschen wünschen?": tägliche Fackelmärsche, öffentliche Zuschaustellungen von Volksverrätern und öffentliche Prügelstrafe? Wer geht denn für solche Visionen auf die Straße?

Offener Rechtsextremismus


Wenn im letzten Jahr etwas passiert ist, dann, dass die Pegidisten gemerkt haben, dass sie offen mit allerlei offene Nazis rumhängen können ohne dass dies Konsequenzen hat. Weniger hat sich die Bewegung radikalisiert, eher hat sie Hemmungen verloren. Mal ein gemeinsamer Aufmarsch mit offenen Neonazis dort, mal Bachmann zu Gast bei jenen Nazis, mal die halbe Junge NPD bei einem Gida-Dings, Lob für Hooligans - was will man mehr. Auf die Aufmarschfähigkeit hat das alles keinen Einfluss. Offensichtlich ist es den Pegida-Anhängern entweder egal oder sie finden es ganz gut. Eine Bewegung in Deutschland, die kein Problem hat, mit Nazis zu kuscheln ist mir tatsächlich komplett unverständlich.
 
Da scheint eher die Einschätzung vorzuherrschen, dass Nazis schon okay sind, aber man auf das Image aufpassen sollte. Der KZ-Freund, der auf der letzten Veranstaltung redetem hat ja schon recht, aber es gibt schlechte Presse:



Offensichtlicher Blödsinn


Die Aussagen von Pegida, und seinen Teilnehmern mit der realen Welt da draußen in Einklang zu bringen ist vorsichtig gesagt, schwierig. Ich will jetzt gar nicht mit echter Politik anfangen. Wie ich schon schrieb, ist das Politikverständnis von Pegida samt Anhängern - verständnisvoll formuliert - krude. Der Begriff "Analyse" gilt in gidistischen Kreisen vermutlich als Schimpfwort. Sondern ich will nur darauf eingehen, womit die Pegidisten sich auskennen müssten: sich selbst,

Da existiert dieses gebetsmühlenartigen Betonen, dass sie doch alles normale Bürger und keine Nazis seien, während sich die ganzen Gidas schon fast auf sexuell anstößige Weise mit den ganzen Nazis verbrüdern und verschwestern.  Einmal mitzubekommen, wo die Gida-Orgas und die NPD zusammen abhängen, wer da Gida organisiert ist doch eigentlich nicht schwierig? Dummheit? Totale Realitätsverzerrung? Ich verstehe es nicht.

Die These friedlich zu sein. Der Galgen war ja nur ein besonderes Beispiel, aber die Plakate von späterer Abrechnung, Volksverrat und vagen Ankündigen "für die Zeit der Rache" waren ja nun wirklich unübersehbar. Also ich noch RT Livestream anschaute, wurden selbst von RT regelmäßig Kameraleute massiv angegangen und die ganzen Nazihools in der Demo sollten doch eigentlich auch auffallen. Trotzdem behaupten Unmengen von Menschen, dass die Demos total friedlich sind? Bewusste Lügen? Extreme Realitätsverzerrung? Ich verstehe es nicht.

Die These "das Volk zu sein", Ich mein, Filterblasen gut und schön, aber wenn große Teile der Menschheit mich für Scheiße halten, sollte man das doch auch als Pegidist  mitbekommen?

Jämmerliches Selbstmitleid 


DEUTSCHES VOLK * wein, heul. unterdrück*, HART WIE KRUPPSTAHL *menno, bäh, zensur, niemand mag mich*. Dieses durchgehende Geheule durch quasi alle Meinungsäußerungen ist so unendlich peinlich. Wer zeigt sich freiwillig in so einem jämmerlichen Bild in der Öffentlichkeit?

Was tun?


Soweit also meine tatsächlichen Verständnisprobleme, warum Menschen zu Pegida gehen und nicht schreiend davonrennen. Ähnlich ratlos bin ich ja auch, wie man damit umgeht.

Die klassische, gerne auch von linken und liberalen benutzte, Methode ist:

sachlich argumentieren.

Sachlich und rational gegen die Hervorbringnisse gidistischer Machart zu argumentieren, gibt sicher ein gutes Gefühl. Sollten unvoreingenommene Zuhörer dabei sein, überzeugt es vielleicht sogar den ein oder anderen. Aber wer zu Pegida geht ist offensichtlich (siehe oben) so derart faktenresistent, dass die Auswirkungen auf die Bewegung nahe Null sein dürften. Mal abgesehen davon, dass intellektuelle Gutmenschen die Wirkung von rationaler Argumentation eh immer himmelweit überschätzen. Was also dann:

Widerstand

Wirklich beantwortet ist die Frage noch nicht, warum es ausgerechnet so hart mit den Gidas Dresden trifft. Einen Bodensatz von dumpfen Nationalmenschen gibt es ja deutschlandweit, aber nur in Dresden schaffen sie es in den Mengen und der Beständigkeit auf die Straße. Als These würde ich vorschlagen, dass Dresden die einzige Stadt ist, in der es nie einen wirklich nennenswerten Widerstand gab. Dort wo der Widerstand auftrat war er entweder deutlich in der Unterzahl, oder beschränkte sich im Wesentlichen auf offizielle Institutionen. Wer mit Nazis gemeinsam dumpfen Unsinn auf die Straße brachte, konnte in Dresden das Gefühl bekommen, tatsächlich Teil der Mehrheit zu sein.

Gerade bei Menschen, die von einer Mischung aus Wut und Angst angetrieben werden, hilft ein deutliches klares "Nein" ja meist mehr als jede Argumentation. Die Entdeckung, dass unmögliches Verhalten unangenehme Konsequenzen hat, hat sich oft als effektiv erwiesen, wenn es um Verhaltensänderungen geht. Nur: wo soll der Widerstand herkommen? So langsam gibt es ja erste Bestrebungen in Dresden zum deutlichen Widerspruch. Aber selbst jetzt kann man ja sehen, dass es massiver Mobilisierung in ganz Sachsen (und vermutlich auch noch Berlin) bedarf, um Pegida etwas entgegenzusetzen..

Alternativen 

Selbst in meiner jungen, aktivistischen Zeit war ich nie wirklich bei der Antifa - einfach weil mir das "Anti-" zuwenig war; zuwenig Inhalte und zuwenig Nachhaltigkeit. Wer etwas verhindern möchte, sollte Alternativen bieten und eine andere Vision haben. Nur: was bringt man an Alternativen im Umgang mit Leuten, deren emotionaler Haushalt zwischen blinder Aggression und jämmerlichem Selbstmitleid changiert und deren einzige Vision, Volksgerichtshöfe und das Vertreiben von Menschen sind.

Ein Jahr Pegida - ratlos.

Dienstag, 6. Oktober 2015

Ramos Gin Fizz - für die Enzyklopädie

Das erste mal in der Geschichte der Menschheit trafen sich Wikipedia-interessierte Menschen, um gemeinsam und im Austausch die Cocktail-Artikel in der Online-Enzyklopädie zu verbessern. Erkenntnisse. des Tages: viele neue Teilnehmer; die Cocktail--Interessierten waren unfassbar freundlich; echte Nerds lassen sich auch von einem Raum voller frei-Alkoholika nicht von der Tätigkeit abhalten; ein guter Cocktail ist schon was besonderes. 

Wiki Loves Cocktails logo symbol

Cocktails in der Wikipedia


Was mich an der Wikipedia fasziniert, ist die unglaubliche Vielfältigkeit der Themen und Perspektiven. Was ich sehr schätze, ist, dass dort jedes Thema vom Pizzakarton bis zur UNO-Vollversammlung ernst genommen wird. Die Wikipedia hat den Anspruch hat über alles fair, ausgewogen und mit Hintergrund zu informieren. Dazu gehören auch Nischenthemen wie Cocktails: (fast) jeder trinkt sie, aber die wenigsten kommen über gesundes oder auch seltsames Halbwissen hinaus. Um so dankbarer bin ich dem Benutzer:Mangomix, der sich seit Jahren den Cocktailartikeln annimmt, und versucht diese auf ein lesbares Niveau zu heben. Artikel wie beispielsweise der Old Fashioned sind Mangomix mittlerweile großes Kino. Er schreibt aber nicht nur selbst, sondern hat im Laufe der Zeit ein Projekt in der Wikipedia zu diesem Thema gegründet, dessen erstes Treffen Ende September in Hamburg stattfand: sich über Cocktails austauschen, Cocktails so fotografieren wie sie aussehen sollen und potenziellen Neuautoren Wikipedia vermitteln. Klang spannend, sinnvoll und lecker: also nichts wie hin.

Bildrechte und Tequila


15-09-26-RalfR-WLC-0137
Royal Bermuda Yacht Club Bild: Ralf Roletschek [FAL], via Wikimedia Commons

Also abends nach der Arbeit in den Zug gefallen und nach Hamburg gefahren. Die Ankunft in der Stadt war irritierend: auf dem Fußweg vom Hauptbahnhof zum Wikipedia-Kontor-Hamburg sind mir mehrfach betrunkene Menschen in Dirndl und/oder Lederhosen entgegengekommen - liebe Bayern, ihr wisst dass der Rest der Menschheit bald nur noch an Saufen denkt, wenn er eine Lederhose sieht?

Aber egal, angekommen im Kontor fühlte ich mich gleich heimisch auf einer Wikipedia-Veranstaltung: es gab einen Powerpoint-Vortrag über Bildrechte; auch wenn es da wenig neues für mich gab, war die Menge der Anwesenden doch spannend: einige Wikipedianer, vor allem aber nicht-Wikipedianer - echte Cocktails-Nerds, die neben ihrem wahrlich enzyklopäidschen Interesse und Wissen über Cocktails auch auszeichnet, dass sie unfassbar nett sind. Es folgt noch ein kleiner Geburtstagschampagner(*) und dann ein Ausflug in den Chug-Club - wie quasi alles an dem Wochenende sehr empfehlenswert - und ein kleiner Mankind (Tequila, Jajapeno, Ananas) zum Abendessen. Um es dann nicht allzuspät werden zu lassen - der Samstag wartete ja schon mit Aufgaben - gingen wir zu halbwegs zivilen Zeiten. Überraschenderweise hatte ich den Eindruck dass wir noch die nüchternsten Anwesenden in einer Freitag-Spätabend-U-Bahn-in Hamburg waren.

Mixen, Schreiben, Fotografieren


15-09-26-WLC-Making-of-RalfR-DSCF7081
Allzeit bereit. Bild: Ralf Roletschek [FAL], via Wikimedia Commons

Aber wir waren ja nicht zum Feiern da, sondern zum Arbeiten. Am nächsten Morgen folgte der Aufbruch vom Hotel, vorbei an einer nahegelegenen Pferdemetzgerei (hjamm, lecker) und mit der U-Bahn einmal in ein Gewerbegebiet am anderen Ende Hamburgs. In der Bahn dann Unterhaltungen über Dance-Musik, den Salz-/Esseiggurkenäquator quer durch Deutschland und echtes Barbecue in Berlin. Schlußendlich kamen wir bei einem Abfüller und Importeur von Spirituosen und anderen, überwiegend alkoholischen Getränken an, der freundlicherweise die unternehmenseigene Bar und deren Getränkebestand für das Shooting zur Verfügung stellte.

Die Cocktailianer bauten und bastelten, Zutaten wurden gesichtet, Zitronenkisten ausgepackt, Gläser noch einmal abgewischt und kurze Diskussionen über die Relevanz und Wichtigkeit einzelner Cocktails fanden statt. Die Zeit war begrenzt und dank Mangomixes' praktischer Liste der meistgelesenen Cocktailartikel (**) in der Wikipedia wussten wir auch recht gut, wofür die Leserinnen und Leser sich tatsächlich interessieren. Die ersten Cocktails wurden gemixt, nicht ohne Diskussionen über richtige Glaswahl und Garnierung und quasi im Minutentakt durch das Lichtzelt geschoben.

Double straining a cocktail
Doppelt abseihen Bild: von SKopp (Eigenes Werk) [CC BY 4.0], via Wikimedia Commons

Da das Tempo der Fotografen das Tempo der Mixer überstieg, kam bei der Gelegenheit auch noch das gesamte Bar-Equipment vor die Kamera. Fachbücher waren auch noch vorhanden, so dass Menschen wie ich - der ich der Fotografie-Materialschlacht immer so gar nichts abgewinnen kann - auch noch ein paar nette Artikel schrieben konnte, wie der zum Bronx-Cocktail oder zur Cocktailkirsche. Gleichzeitig war dies natürlich eine gute Gelegenheit zur inspirierenden Recherche: ich sah mfangreiche Recherchen zum Tequila und habe mich selbst mal über Martinez und Royal Bermuda Yacht Club kundig gemacht.

Horses Neck
Horse's Neck Bild: von Cocktailmarler (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Cocktails wurden natürlich auch getrunken, es wäre ja zu schade gewesen, alles wegzuschütten. Allerdings sind auch größere Teile im Abfluss gelandet - sei es weil diversen Cocktails nach der Fotografiererei untrinkbar warm geworden waren, sei es weil die Leute ja da waren, um Dinge zu tun - und dabei doch eher nüchtern bleiben wollten. Immerhin, es gab Kostproben, und wie es sich gehörte wurden diese rumgereicht und jeder hat mal probiert. Was mir immerhin einen Schluck vom besten Cuba Libre meines Lebens, einen Ramos Gin Fizz (auch der beste, aber nicht schwer, weil der erste) und den bereits erwähnten Royal Bermuda Yacht Club einbrachte.

Und dann hört es auf 


Leider musste ich dann los. Verpasste den Rest des Samstags-Shootings, ebenso wie den - sicher extrem deliziösen - Abend und die Fortsetzung der Veranstaltung am Sonntag. Ein Wiederholen ist auf jeden Fall sehr angebracht!

Wiki loves cocktails
Bild: von UweRohwedder (Eigenes Werk) [CC BY 4.0], via Wikimedia Commons

(*) Für die Menschen, die sowas interessiert: alle Getränke auf den Abendveranstaltungen waren privat gezahlt.
(**) Wes es interessiert, und wer zu faul ist zum clicken: die Top 3 im August waren Hugo, Mojito und Caipirina. Jetzt im Herbst (September) sieht es schon wieder anders aus mit Airmail, Mexikaner und Martini und über das ganze Jahre gerechnet ist wohl der Martini der absolute Favorit.

Sonntag, 27. September 2015

Hamburg, Nacht, Oktober

Polizeieinsatz am Hauptbahnhof
Dirndl, Lederhosen
ein einsamer Punk
Menschenleere U-Bahnhöfe
zwei Mädchen arm in arm
ein Mädchen kotzt
 

Freitag, 4. September 2015

Wikipedia-Leaks: danke für Deine prompte Antwort

Sniffing fur

Gepostet random und ohne Kontext auf irgendeiner Meta-Diskussionsseite.. und sowas vor dem dritten Kaffee. Wer es nicht bis zum Ende schafft, Euch ist klar "wikipedia ist allgemein bekannt als organ von grosskonzeren zu dienen und bestimmt auch von regierungen da es ja open-source ist."

== Diskussion beendet? == 
− − danke für deine prompte antwort [...]! 
− schön, dass du mich als lügnerin bezeichnest, [...]! weshalb? rein psychologisch gesehen macht es einen gewaltigen unterschied aus ob du ein altes schwarz-weiss bild postest oder ein aktuelles. vorallem mit putin, da - wie bereits erwähnt - dass bild russland, im speziellen jenes putins, arg verunglimpft werden soll. gaddafi wird ja auch als "böser bube" erklärt, also 1+1 für die naiven ergibt leider 2 und sehen somit nur die verbindung putin+gaddafi=böse! − ich pers. finde putin gerade so toll wie eine merkel oder ein obama, also wieso diese unterstellung? kennen wir uns? − wikipedia ist allgemein bekannt als organ von grosskonzeren zu dienen und bestimmt auch von regierungen da es ja open-source ist. wenn du dies nicht weisst, mein beileid. − aber keine bange, ich eröffne kurzerhand ein benutzerkonto und flute wikipedia mal mit der nicht orchestrierten allg. meinung. mal kucken wie viel davon veröffentlicht wird. je nach region wo du dich auf unserem globus befindest wird die wahrheit nämlich anders geschrieben/interpretiert. − krieg ich hierzu keine stellungnahme? schade eigentlich...!

Traktorfreitag: FAZ

Ein Trend setzt sich durch.



Donnerstag, 27. August 2015

Darummagichberlin (LXX)

Hippe junge Männer in kurzen Hosen und Tanktops. Und mit Wollmütze.

Montag, 10. August 2015

Tatsächlich ein brauchbarer Trollpost

2011 får 05
Always have a close look first. Image: 2011 får 05 By Sigurdas (Own work) CC BY-SA 3.0

"Troll" im Internet ist ja zur Zeit irgendwie alles: von Menschen, die ein bisschen eine andere Meinung haben, bis hin zu sadistischen Arschlöchern und ab und an erwischt man tatsächlich einen klassischen Troll.

 Ausgerechnet HuffPost hat es geschafft, einen Post zu veröffentlichen, der jetzt auch nicht totoriginell ist, aber zumindest die Grunddifferenzierung zwischen "Mensch mit inhaltlichen Punkt", "Troll" und "sadistisches Arschloch" hinbekommt.

Voila: "First, determine if the person is disagreeing, attacking, or simply baiting" im Post  50 Shades of Trolls.



Montag, 20. Juli 2015

#Wikimania Mexico City - Day 3

Day 3: A BIG BIG Thank you to all the organizers. Esino Lario has a 6 meter Theremin. And: finally: Tequila!

So, goodbye Mexico! Goodbye Wikimania! You were great. So after too many Tequilas, too little sleep and just enough of dancing I apoloize for even more unrthodox orthgraphy and grammar than normally.
 

 Lambada in a (former) church building. The Haifa (Wikimania 2011) closing party has finally found a worthy successor.

The last day. Let's start at the end. The Party was awesome. At a former church building, now some kind of government owned cultural place, there finally was Tequila (and they were not shy on it), many happy people and dance. Mood imrpoved after the DJ switched from Electro-whatever to Latin-Sounds, and oh it was fun. Worth every bit of pain I'm feeling right now :-)

 Did I mention the great food already? 

So again, a BIG BIG Thank you by me to all the organizers, volunteers and whoever made this possible. I have to admit: previous of Wikimania I hesitated a bit if this was really worth all the hassle, the taken vacation days and the money (I got a scholarship - thank you Wikimedia Deutschland, but you always still pay a lot of stuff private as well. But in retrospect it was really worth it.
 
 THANK YOU!


So let's talk about program again.  Sunday was my fanboy day. I started with a talk about the Stanford Encyclopedia of Philosophy - of which I'm a fan for several years now - saw a presentation of the Foundation.Video-guy Viktor Grigas (I've been a fan for years) and a talk by Rebecca, of whom I'm a fanboy as well. 

But first lets talk about a talk I didn't see. While yesterday I complained about the lack of unexpected, unusual and just simply unique and great talks - exactly that seems to have happened. So many people were raving about "My life as an autistic Wikipedian" - clearly the conference highlight.

The Stanford Encyclopedia is in my opinion the best source on Philosophy in the internet since the late 1990s, so I was really curious to see how it is made. On the one hand it was interesting, on the other hand it felt like time travelling to 1997. Nothing has changed there much: from the layout of the encyclopedia to the layout of the slides or that they are talking about CD-Roms.

Viktor showed his neat video about "2014 on Wikipedia" and talked about he liked to make "2015 on Wikipedia" more community based and collaborative. But, as already said in another talk, doing video collaboratively still has enormous technical obstacles in its way.

Rebecca did dome neat playing with data about what grants work and what don't and what's the best way to reach grantees. 
 It is more effective to talk to people at they place where they are.


Stanford encyclopedia.  "This doesn't happen"


And I can't really say that I'm a Jimmy Wales fanboy: but by now, his speech at the closing ceremony felt like home: Yes, it was the same as always, yes, the slides were horrible as always and I'm still not sure about the value of choosing somebody more or less randomly as Wikipedian of the year. But, hey, in this rapidly changing Wikimedia world right now, it gives a sense of continuitiy and belonging,

Change: talked to some people about my perception of change at the Foundation. I'm not the only one feeling this it seems. Some guy "The talked to me. And they were interested what I had to say. This has never happened before." Still a long way to go - and of course I could cite several examples of were it doesn't happen. But after three days still convinved: change for good is real.

And then: Mariachis, Barbacoa, and BIG thank you again to all the totally sweet and helpful volunteers. And for 2016. Need I say more: 
 
 YES!

Sonntag, 19. Juli 2015

Wikimania Mexico City - Day 2

Day 2: questions, answers, a room with a view and horrible acoustics


Madonna of the Yarnwinder. (Circle of Leonardo, Museo Soumayor)

 So, Wikimania is going on. It is going on well. Subtext seems to me different from other times.

The one is just a general feeling. it feels a lot more streamliked and businesslike than other Wikimedias I've been to. May be because this is just a small Wikimania (I heard something of 800 registered attendees, feels rather like 500) and only the hardest of hardcore is here. But also for me the feeling is more like "getting things done" and less like "let's tell each other just how wonderful we are" - a style that suits better to me in my opinion to the most Wikipedia projects as well. To me it seems far less nonsense, pompous bullshit and self-rightous self-affirmation than in the last years but also less surprises, less fun and less unexpected.Still not sure if just is happening by accident because it's just a small number of people is there and the baseline of knowledge and engagement is high or if that is a trend that will continue.

On the other hand - I still have to talk about Lilas keynote - to me there really seems to be a change of attitude at the foundation. The foundation did and does feel that the community really is difficult and cumbersome. But whereas in earlier times it was more like "so let's look for a new community that is more fun, and likes us better" this time it feels more like "ok, so we have to work with the old one to get some change done." And as much as you can ridicule strange vine metaphors at Lilas speech: there is huge different in meaning between planting a new plant (WMF old style) and grafting something new onto an existing rootstock (Lilas plans according to Keynote). If my feeling proves to be true this would be a huge change.
 
 It's a trap!

So, talks. Q&A with the boards seems to have been boring as usual. I tried to talk to several people afterwards about what was going on and nobody could tell me. Except "everything is high priority." But I was sitting in another Q&A as well. This time with the community engagement team. And, as I have should known before: 8 people on a panel about a huge subject and a quite diverse audience. It really just stayed on the surface. It's fine that it has been done but I wasn't really the target audience. Although it was nice to see them all in once and have some faces attached to the names. 


 
 
 Kind of engaging. The community engagement team. 

Way more interesting for me was Lodewijks dicussion room about citations on Biographies on living people. No abstraction, no buzzwords, a talk on topic and in the real world. Was also nice to see several meta-meta-Wikimedians just nerding on about Wikipedia. And, my secret love, the Uzbek Wikipedia was there as well. But, oh boy, the have problems "We don't want to write about people outside of Uzbekisten because the information is there and the articles can easily be translated and we cannot write articles about people in Uzbekistan because there are no sources.."

And finally: we did have a spontaneous meetup about the Wikimedia Deutschland annual plan. One could and should argue about details, but I'm so so happy that this really seems to be a planning process that seriously wants to engage community. Yeah! The meeting was in Dona Sol - as we discovered the only conference room with windows. So now I know what sessions to attend today: everything that is in Dona Sol.
Far more engaging: a demonstration. 

More exciting: i ran into a demonstration. As I speak no spanish I have not really an idea what it was, but I frequently heard "cultural", "Pancho Villa", "educacion", "reflecion critical", "companeros" etc. It may be that these were the teachers demonstrating against the non-existence of educational resources and standards for them in Mexico. A huge number (even for Mexico City downtown standards) of police right and left of the demonstration, the demonstration itself was totally relaxed, many women and children and a positive mood. Oh, and the same Mexican music and dance(!) as at the Wikimania opening, except the texts of the songs were frequently mentioning Zapata and revolucion.
 
 
 People dancing on the streets,
 Mexicans like it colorful. Even when impersonating the Beatles.


And finally: another night at a museum. For somebody used to European public museums the privately owned Museo Soumayo is a different world. It houses the collection of Carlos Slim, the richest man in the world, has an impressive collection of European masters, but it also shows that the collection in general was made by one man's likes and not by concept of art. Quite an experience. And in the end: a beatles cover band in a room with the most horrible acoustics on earth, finally rain, more Mexican finger food and tomorrow/today the last day to come. Enojoy!











Samstag, 18. Juli 2015

#Wikimania Mexico City - Day 1

Day 1. Conference!


 Nachts im Museum


So, the conference started - as should any conference - with the opening. A real nice video by the organizing team (soooo sweet), a nice speach by Protoplasmakid aka Ivan, THE guy from Mexico, and very cool Mexican dance presentation, and Lilas opening speech. I really enjoyed it, but I also discovered: all the people who have already seen opening speeches at Wikimania liked it better than those who haven't.

Okay, Lila doesn't have any charisma on stage - but hey, that fits well into the Wikipedia world and I'm not sure if these "you are the vineyard" and "THE BIG WE" were really necessary. But, hey, she was taking about Wikipedia and the projects and not about world hunger, the plight of children in developing countries and whatever other random problem but she was on focus. And most of what she said about Wikipedia and the development of the foundation made sense. I'm still more than happy and maybe I'm becoming a Lila fanboy.

Doing Citations: A pain in the ass since 2005 and ignored by the foundation since 2005. I'm more than happy that now its even such a priority to get mentioned in the opening speech.

Just one graph in Lila's speech: And it actually made some kind of sense.
 

Opening ceremony dance. Good photos but not too much so see for everybody else.


The Workshop. I don't need to become a Rebecca-fanboy because I already am. The was talking a bit about typical projects and how to measure if they have any success. But mostly she was asking and discussing. The people in the room weren't too many, but the rights ones. We discovered: for most of the stuff the movement does we still don't know how effective they are and if they really make sense because we hardly have numbers. People don't bother to get the data, it's way to complex to aggregate and the Foundation has "tons of resources" - but too me that's part of the problem. You completely get lost. Even in this highly self-selected panel only one third to one fourth of the people knew about the evaluation portal of the Foundation for example. So I guess, there's some work to do next year: find easy ways to measure if yourproject had any success.

Talks: one about the Visual Editor the world didn't need. The first half was going on about the why it is so difficult (templates, pictures etc. - I guess I heard that already at Wikimanias 2013 and 2014) and on the second half I lost track completely and had no idea what he was talking about.

Another one about "bigquery" - a tool from google that allows so do database searches on huge lumps of data in just seconds. The guy who talked was a Wikimedian working at google - but hey, he was sooo happy presenting his great toy that everyone could use and that everyone could share - he was almost jumping out of joy of all the crazy things he can do. 

And then the national anthropolocigal museum. WOW. What a treasure, and how nicely presented. A bit they lost the chance by having guided tours and keeping the Wikipedians close to the guide - otherwise by now they would have digitized their whole collection in high quality. But still: WOW

  "Everyone say Aztec!"