Samstag, 15. Oktober 2011

Darummagichberlin (XXXXII)

Wir laufen durch die Straßen. Ich klage mein gentrifiziertes Leid. Ich jammere über kampfsanierte Altbauten, neu eröffnete Yoga-Studios und Ankündigungen von neuen Bio-Läden. Das S-Wort kommt zwar noch nicht über meine Lippen, aber innerlich bin ich schon in Bietigheim. Da treffen wir Hund und Herrchen beim Gassi gehen. Hund steht etwas unruhig auf dem Bürgersteig, und kuckt interessiert herum. Herrchen steht mit geöffnete Hose gen Baum, und macht was er machen muss.



Traktorfreitag: Kraftpflug

Traktoren erging es wie der meisten Technik. Am Anfang existierten eine Vielzahl von Firmen und verschiedene Ansätze. Am Ende setzte sich dann einer durch, und die Technik wurde viel langweiler, als zu ihren bewegten Anfangszeiten. Eine Variante des Traktor, die sich leider nicht durchsetze, ist der Kraftpflug (oder Motorpflug oder Tragpflug oder Rahmenpflug): einer großer Pflug mit Motor, quasi ohne den ganzen Traktorkrempel drumherum.



Kraftpflüge kamen so etwa um 1910 auf. Die Geräte mit 5000 kg Gewicht, bis zu 100 PS (1915!) und zwei Meter hohen Rädern wurden, wie man auch vermuten kann, vor allem auf den großen Landgütern Ostelbiens eingesetzt, und verloren bis 1930 gegen die vielseitigeren Ackerschlepper. Die Anbieter waren vielfältig. Zentrum deren deutscher Produktion war das heute eher wenig agrarische Berlin - genauer Köpenick und Schöneweide - und dort die Firma Stock. Die entwickelte 1908 den erste Tragfplug, und verkaufte allein bis zum Ersten Weltkrieg über 1000 Stück des Ungetüms.



In den nächsten Jahren scheinen die deutschen Tragpflüge die nationale Alternative zu amerikanischen Schleppern (Ford!) gewesen zu sein, auf jeden Fall hat die deutsche protektionistische Bewegung viel für sie getan. Ihre Hochzeit hatten die Tragpflüge tatsächlich in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Durch jenen Krieg brach den deutschen Herstellern der Exportmarkt weg. In den nächsten Jahren begann sich angesichts der entwickelnden Landwirtschaft die Nachteile der Tragpflüge abzuzeichnen. Die starr verbundenen Geräte waren nur schwer lenkbar. Bis zur Einführung eines Rückwärtsgangs brauchte es viele Jahre - fuhr der Pflug gegen einen großen Feldstein, musste er mit Winden angehoben werden, und der Stein manuell entfernt werden.

Da zur selben Zeit auch andere Bereiche der Landwirtschaft machinisiert wurden, viel auf, dass der Tragpflug wenig konnte außer pflügen - die Umrüstung zu anderen Tätigkeiten war zwar möglich, aber aufwändig, und immer noch wenig funktional. Auch kleinere Betriebe begannen zu mechanisieren, diese wiederum konnten mit den 5000kg-Geräten wenig anfangen. Die Tragpflüge begannen sich immer mehr den klassischen Traktoren anzunähern, wurden kleiner und versatiler. Auf diesem Gebiet hatten "klassische" Traktorenhersteller wie Fordson oder Deutz bereits klare Vorteile. Ende der 1920er verschwanden die meisten Kraftpfluganbieter vom Markt.

Nun scheinen die Kraftpflüge trotz ihres imposanten Äußeren wenige Spuren hinterlassen zu haben. Nicht einmal ein Video gibt es. Deshalb heute ein total gar nicht themenbezogenes Video. Aber beim Brötchenholen waren 2 Grad, und hier im Hintergrund sind schicke Windräder.




Freitag, 14. Oktober 2011

Genug gefischt. Futschi bis zum umfallen!

So, danke für die diversen Rückmeldungen zum Fischerei-Posting. Er hat zu einer Entscheidung geführt:



Heute Mittag persönlich abgegeben in de Geschäftstelle* (schick, oder?):



Und zum Wahlkampfauftakt gibt es natürlich großes Gelage. Jeder, der heute Abend beim Resonanz-Stammtisch ist, und einen Futschi für trinkbar hält, bekommt einen von mir. (Rechtshinweis blubb..)


*Aber verratet es mir: wie macht ihr das? Wirklich jedesmal wenn ich mit der Geschäftsstelle zu tun habe, ist mindestens ein (neuer?) Mitarbeiter dort, deren Gesicht ich wirklich noch nie gesehen habe.


Und ein CPB-Nachtrag.

Und ein Nachtrag zum vorherigen Post. Bedingungen und bitten wie dort:

Projekt Regelredundanz:

soll die kompletten Regeln der deutschen Wikipedia erfassen, auswerten, und nach Redundanzen und Widersprüchen absuchen. Darüber hinaus soll es zum einen Vorschläge machen, wie die pure Regelmenge abgebaut werden kann, ohne inhaltliche Verlste zu erzeugen, und in der Community eine konstruktive Diskussion zu deren Umsetzung anstoßen. Weniger Text, und klarere Regeln, wäre hier das Ziel.


Geld vom Verein. Mitzeichner gesucht. #wmde #cpb

Es gibt Geld. Wie hier schon mal erwähnt, schuf Wikimedia Deutschland einen Topf, um Geld an/für/mit der Community auszugeben: das Community-Projektbudget. Die Community muss es nur beantragen. Heute ist Einsendeschluß für Projektideen, für die eigentlichen Anträge hat man noch ein bißchen Zeit. Und, oh yeah, ich habe Ideen. Aber..

Das Problem:

Es ist wahrscheinlich, dass ich im November für ein Präsidiumsamt antrete. Und es ist zumindest möglich, dass ich auch gewählt werde. Dann wäre ich also ein Präsidiumsmitglied. Und die Anträge wären Anträge eines Präsidiumsmitglieds. Und wie wir spätestens beim letzten Community-Projekt-Budget erfahren haben, sind solche Anträge mindestens schwierig.

Die Lösung:


Also würde ich gerne Anträge stellen, die ich persönlich stellen kann, ohne dass das Thema komplett erledigt wäre. Sprich: Anträge, die aus der ich mich als Person zurückziehen kann, ohne dass der Antrag dahinschwindet. Und das heißt wiederum: es wäre super, wenn noch mindestens ein weiterer Name beim Antrag steht.


Die Anträge:

Bibliotheksstipendien:

Soll fleißigen Wikipedianern die Mitgliedsgebühren in ihren Bibliotheken erstatten. Kostet nicht viel, ist sehr effektiv, und eine zielgenaue Form der Anerkennung. Anmerkungen: ein sehr ähnlicher Antrag befindet sich bereits im normalen Verfahren, wobei der Buschfunk da nichts gutes für den Antrag vermuten lässt.


Projekt Identität:

Wikipedia begann mit dem Anspruch, dass jeder alles kann. Nach 10 Jahren sozialen Zusammenballens haben sich längst Strukturen, und Hierarchien gebildet, entstanden unsichtbare Gräben und Wände. Das Projekt soll einen Diskussionsprozess in Gang bringen, in dem die Community sich dieser Gräben und Wände, bewusst wird, sie beschreibt, und vor allem weniger aufreibende und verzehrende Verfahren findet, mit ihnen umzugehen. Idealerweise stehen am Ende eines langen Klärungsprozesses klarere Rollendefinitionen und Anforderungsprofile.

Quellenarchiv:

Viel gesichertes und exsitentes Wissen geht der Wikipedia verloren, weil es nicht öffentlich belegt werden kann. Sei es dass Webseiten verschwinden, dass Dokumente nicht öffentlich sind, oder dass es unmöglich ist, gesprochenes/gefilmtes adequat wiederzugeben. Das Projekt soll die technischen und vor allem rechtlichen Bedingungen klären, unter denen es möglich ist, solche Belege (a) nicht-öffentlich zu archivieren, und trotzdem (b) sie so zur Verfügung zu haben, dass sie im Normalfall schnell und unkompliziert überprüft werden können. Im Archiv können beispielsweise Kopien von Websites gezogen werden, Filme gespeichert, Dokumente gespeichert werden etc.

Wikipedia trifft Urheberrecht:

Analog zu Wikipedia trifft Altertum, nur mit der aktuellen Forschung zum Urheberrecht.

Unabhängiges Bildarchiv:

Server für Bilder, die in Wikipedia eingebunden werden können, ohne vorher Zensurmechanismen zu durchlaufen.

Projekt Türen auf:

Soll eine klare und geregelte Institution erschaffen, die es Wikipedia-Fotografen ermöglicht, an verschlossenen Türen vorbeizukommen. Dazu gehört idealerweise alles vom ausfindig machen solcher Orte und spannender Termine, über die Acquirierung der Rechte bis zur Begleitung des Fotografen. Überschneidet sich stark mit der aktuellen Tätigkeit der Geschäftsstelle. Koordination Absprache mit Geschäftsstelle noch dringend nötig.

Evaluation:

Soll ein externes Verfahren schaffen, in dem einzelne Projekte oder Redaktionen oder andere Gruppen sich selbst extern im Hinblick auf ihre eigenen Ziele evaluieren lassen können. Wir machen viel, und engagiert, und vermutlich gut, wissen aber kein bißchen wie gut oder wie es besser ginge. Nicht ganz unproblematisch, dafür einen wirklich kompetenten Evaluator zu finden, aber das Projekt muss ja auch was machen.

Blick über den Tellerrand:

Budget, um aktiven Wikipedianern den Austausch mit Wikipedianern anderer Länder zu ermöglichen. Was gerade beim 4-Länder-Stammtisch erfolgreich stattfand, ließe sich ausdehnen. Sei es, dass man Wikipedianern Reisen zu Stammtischen oder größen Communitytreffen im Ausland bezahlt, sei es dass man übersprachliche Treffen in Deutschland veranstaltet.


Wer sich beteiligen möchte, kann sich unter der bekannten Adress melden:

Dirk Franke, Berlin-Schöneberg

Wikipedia-Autor und -Admin seit Ewigkeiten, mittlerweile immer öfter Wikipedia-Erklärer für den Rest der Welt

Hat seinen gmail-Account unter der Adresse dirkingofranke

Tel: Null-Eins-Sieben-Sechs-64601026


Donnerstag, 13. Oktober 2011

Zur Nacht



via agitpopblog



Mittwoch, 12. Oktober 2011

"Anonymity can encourage contributions, rather than discourage them."

Didn't I say so?

There are two other key contributors to Wikipedia’s success with attracting its own contributors: Wikipedia offered low transaction costs to participation, and it de-emphasized the social ownership of content. Editing Wikipedia is easy, and instant, and virtually commitment-free. “You can come along and do a drive-by edit and never make a contribution again,” {Benjamin Mako] Hill pointed out. And the fact that it’s difficult to tell who wrote an article, or who edited it — rather than discouraging contribution, as you might assume — actually encouraged contributions, Hill found.


Nieman Journalism Lab: The contribution conundrum: Why did Wikipedia succeed while other encyclopedias failed?


Hertaland/Kohlmuseum


Was es in diesem sozialen Web nicht so alles gibt: man kann bei Hertaland.de das Kohlmuseum Wesselburen bewerten. Wobei die Bewertung ja misstrauisch macht. Die klingt, als wäre der Rezensent nie weiter als bis zur Website des Kohlosseums gekommen.


When SexySusi666 has a PhD in philosophy:

Why anonymity and pseudonymity were necessary to create the world’s largest encyclopedia.

Silvester in Berlin wäre doch auch einmal was nettes. Und noch viel netter wäre es, wenn ich zu der Gelegenheit ein paar Nerds etwas erzählen kann. Danach sind die Nerds dann schlauer. Und sofern sie mir etwas zurückerzählen, oder gar widersprechen, bin ich auch schlauer. So weit die Theorie. Praktisch findet das nur statt, wenn ich dem 28C3-Programmkommittee nicht viel zu soft und sozial und untechnisch bin mit meinem Themenvorschlag für den 28C3-Kongress:

Wesselburnerkoog austernfischer und schafklein

Anonymity, pseudonymity, and identity have become topics again. Supporters of a real name policy often stress increased reliability and quality of discussions when real names are used. The Wikipedia experience shows the opposite.

Wikipedia is one of the older social networks, and one which is especially adept at producing content, the society at large deems respectable. Anonymity and pseudonymity are fundamentals of Wikipedia: it is possible to edit without logging in. To log in, no proof of identity is required. The creation of multiple accounts by one person is accepted. One Wikipedia user can acquire all content related rights without once being asked, who she or he or it is in “real life”. Still, Wikipedia works only through strong identities.

A Wikipedia user should have full control about its identity. I will talk about the rules that govern Anonymity and pseudonymity in Wikipedia, and how they work in reality. I will demonstrate that despite these rules, most editors know each other as personalities, and often as persons as well. But still: the rules regarding Anonymity and pseudonymity and their underlying philosophy are central for a working Wikipedia.

Wikipedia as you know probably has several rules regarding anonymity. Rules about account creation which are neutral to identity, rules about user rights, which are neutral to identity, and rules about anonymity that try give control to a user about its own identity. Social norms in the community encourage to caring about ones action in Wikipedia, not ones real world identity, supporting Anonymity and pseudonymity use.

This has some real world reasons: not many people want to admit an intimate knowledge of stigmatizing maladies. People regard religion and politics as private, and still can contribute in these areas. Nobody will talk bad about one’s employer or too good about its competitor. And especially when talking about highly skilled professionals it is not always good advice to talk bad policies your employer advocates. For internal use Anonymity and pseudonymity shows several advantages: it avoids some forms of hierarchy; it keeps focus on the content; it positively disincentives fortune seekers and self-promoters.

But still: to obtain real anonymity in Wikipedia a user has to take care. And even when using an account with a random chosen name: several non-trivial edits in Wikipedia already reveal a lot about who a person is, what he knows, what he cares about, where he lives etc. So the best way to stay truly anonymous: use one-way-accounts, one account per edit, and edits not related to each other. But still: Wikimedia will log your IP-address. Some people at Wikimedia are able to see it, and under certain circumstances will give it to law enforcement.

And: Most people know each other, regardless of real name. Often people know each other quite good without knowing real names. When somebody cares about a real name, normally something has gone wrong. Serious incidents of harassment and personal attacks happen only between people who do know each other. An obsession to know “the real name” of a perceived opponent is often an early step in escalating a war between two people. Real names only matter when a discussion gets ugly, and they are mainly used to hurt and stalk people. Real names don’t matter for collaborative work. Real names do matter for conflicts, Anonymity and pseudonymity matter for content creation.

Without Anonymity and pseudonymity Wikipedia would not exist. In case you ever want a crowd to produce content, encourage anonymity and pseudonymity.


Und zum Schluß ein großes Danke an Nicole Ebber: ohne den Hinweis zur rechten Zeit hätte ich vermutlich die Deadline verpasst.


Guys and Girls: es gibt Geld.

Und es keinen Grund, Wikimedia Deutschland auch nur einen Euro zu lassen, den man ihnen nicht für sinnvolle Projekte abnehmen kann.

Mit Wikipediabezug: Community-Projekt-Budget. Erstmeldung erforderlich bis 14. Oktober.

Ohne Wikipedia, aber mit Freies-Wissen-Bezug: WissensWert. Bis zum 17. Oktober kann man sogar noch an der Ausschreibung feilen, Bewerbungen bis 17. November.



Montag, 10. Oktober 2011

Fishing for whatever.. #wmde

Hello, how are ewe today?

Ich bin ja ernsthaft wie seit diversen Jahren nicht mehr am überlegen, für den Vorstand von Wikimedia Deutschland anzutreten. Auch wenn der Vorstand seit neuestem Präsidium heißt. Allerdings ist Mitgliedschaft im Vorstand bisher ein Amt, der wenig Ehre, wenig Geld und noch viel weniger Liebe bedeutet; dsfür aber hält es die Aussicht auf jede Menge virtuelle Schläge, Tischbeißen, und Besprechungen bereit - ich fürchte sogar vielleicht Powerpointpräsentationen.

Deshalb glaube ich, ich fische hier mal nach Informationen bzw. Zusicherungen:

- nicht mehr als eine Telefonkonferenz die Woche
- nicht mehr als 10 zusätzliche Mails am Tag
- die Möglichkeiten auch weiterhin öffentlich in den leeren Raum hineindenken zu können.

Kennt sich da jemand mit dem Vorstand bzw. Präsidium aus? Kann man da unter solchen Bedingungen Mitglied sein? Und treffe ich dort meine Freunde wieder?


Die Welt ist irr geworden. Fricke (FDP): Banken verstaatlichen, um die Marktwirtschaft zu erhalten.

Manchmal hört man ja etwas surreales im Halbschlaf. Dann ist man beim Frühstück sehr irritiert, schaut später nochmal, und alles löst sich in Wohlgefallen auf? Dem war nicht so. Der Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Otto Fricke, hat es wirklich gesagt: Otto Fricke, heute morgen im Deutschlandfunk:

Aber wenn es dann folgt - und das ist dann auch wieder ein Teil von Marktwirtschaft -, dann heißt das auch, dass [die Bank] im Zweifel durch den Staat übernommen werden muss ..wir retten, um insgesamt das System unserer Marktwirtschaft zu erhalten..

War die Marktwirtschaft nicht alternativlos?

Hört ihr Skynet leise lachen?

Was ist eigentlich mit Occupy Berlin/Frankfurt?

Und immer noch: die Billionen an Phantasiegeld, die im Bankensystem kursieren, lassen sich nimmer in materielle Werte eintauschen. Sobald die an einer Stelle aufhören, das Geld hin- und herkreisen zu lassen, kommt die nächste Krise. Jedesmal wenn jemand dazu gezwungen wird (US-Hausbesitzer, Griechenland, wenn die Banken Geld von D wollten, genauso), reißt der Schleier etwas weiter auf.