Samstag, 18. Juni 2011

Jemand eine Empfehlung für ein Bibliographietool?

Letztens war eine Mail im Posteingang, die mich bat zu einer Bibliographie beizutragen, und zu sammeln. Einreichungen per Word-Dokument. Danach habe ich dann zwei Tage gebrauchtm, um die Sprache wiederzufinden, aber so langsam geht es.

Trotzdem viel mir auf, dass ich selber immer noch deutlich verbesserungswürdig bibliographiere; teils lückenhaft, teils umständlich, und in mindestens vier Systemen gleichzeitig. Versuche das zu ändern, schlugen bisher fehl: Zotero hat den Rechner auf Schneckentempo verlangsamt, für Bibsonomy habe ich mich bisher als zu blöd erwiesen.

Kann jemamd ein Tool zum Anlegen und Verwaltungen größerer Bibliographien und Texte empfehlen? Nach möglichkeit sehr wenig teuer, cloudy, und auch umstandslos von mir bedienbar.



"The Impossible happened with Wikipedia in our field of information"

Ein wunderbares Video des Anthropologen Michael Welsch über die Effekte und Möglichkeiten, die Wikipedia, Google, Blogs, Social Bookmarks etc. auf Bildung und Ausbildung haben, oder zumindest haben sollten.

Für Unserereins ist es inhaltlich wenig Neues, und für den bildungsbürgerlichen Europäer vielleicht etwas zu futuristisch-begeistert. Aber das Video ist soooo klasse gemacht, und einfach ein Genuß beim Ansehen. Und der eine oder andere oder noch weitere Bildungstätige sollten das vielleicht doch mal schauen.




Freitag, 17. Juni 2011

Zur Nacht

Taiwan Zeichentricknachrichten: Anonymous vs. Lulzsec




Traktorfreitag: Trakteur

Die Urzeiten des Traktorwesens liegen im Dunkeln. Neben der bedauerlichen Ignoranz der Historikerzunft gegenüber dem Traktorwesen liegt das auch an der unklaren Entstehungsgeschichte: Urform des Traktors war die Dampfmaschine auf Rädern. Die kam dann stationär neben oder auf den Acker, und hat von dort aus Maschinerie angetrieben. Erst im Laufe der Zeiten entwickelte sich daraus ein wirklich geländegängiges Fahrzeug mit Benzinmotor.

Der erste deutsche Traktor "mit Explosionsmotor" stammte vermutlich von einem Berliner Pionier des Traktorwesens. Der Ingenieur und "Sachverständige für das Gas- und Dampfautomobil" Adolf Altmann "hat sein Leben teils dem Dampf- teils dem Explosionsmitor gewidmet". Er war Besitzer und Direktor der "Motorfahrzeug und Motorenfabrik Berlin" und der Altmann Kraftfahrzeug-Werke, und ist damit quasi ein Gründungsvater der Daimler-Nutzfahrzeuge. Heute existiert das Berliner Werk immer noch, und produziert unter anderem die Mercedes-Zwölfzylinder. Wobei Daimler auch mal Traktoren bauen könnte meinetwegen.

Was hier aber wichtiger ist: Altmann baute nicht nur diverse Dampflokomobile für die Arbeit auf dem Acker. Von ihm stammt auch der "Trakteur" von 1896 (oder 1894 oder 1897..). Und so vage kann man den späteren Trecker erkennen. Der 12-18 PS-Petroleummotor ließ eine Fahrt zu, nur saß der Fahrer ganz ganz vorne. (Künstlerische Interpretation) Sonderlich sicher kann das nicht gewesen sein.


Stilsicher für einen Pionier des Treckerismus starb Altmann bei einer Explosion. 1905 forschte er in einem Breslauer Keller an einem billigeren Brennstoff.

Außerdem war grad großes Trecker-Treck in Schleswig-Holstein. Vermutlich mit mehr als 18 PS und ohne Petroleumfeuerung. Das muss hier auch kurz erwähnt werden:



Und da Altmann tatsächlich weitgehend vergessen ist, verdanke ich die meisten Informationen hier Julius Küster, seinem Buch "Personen- und Lastendampfwagen", Google, die das ganze digitalisierten und archive.org, wo das ganze sich lesen lässt.



Darummagichberlin (XXXIV)

Weil ich heute, rechtzeitig zum morgigen Langen Tag der Stadtnatur, gleich zwei überfahrene Ratten auf dem Heimweg getroffen habe.


Drei nackte Männer laufen vor Zuschauern über eine Wiese.

Oblation Run


Spiegelfechter - Statussymbolik und Wirrargumente im Internet

Um es kurz vorweg zu sagen: meiner dreiviertelinformierten Rechtaufaasung nach ist kino.to-stream-ansehen in Deutschland legal, aber bescheuert. Der Umgang der Contentindustrie mit dem Internet ist..

Nein, ich will nicht schon wieder ranten, aber trotzdem bleibt mir unklar, warum jetzt gerade alle so begeistert auf den Spiegelfechters kino.to – Kriminalisierung und Kriminalität im Internet verlinken:

Dessen Kernthesen kurz zusammengefasst:

(a) Das Ansehen von Hollywood-Blockbuster ist kulturelle Teilhabe.
(b) Um kulturell teilzuhaben, muss man die sofort sehen.
(c) Jugendliche, die die Filme nicht sofort können, werden ausgegrenzt, Jugendliche, die nicht ausgegrenzt werden wollen, haben quasi keine andere Wahl als kino.to zu benutzen.

Beim ersten Punkt gehe ich problemlos mit. Beim zweiten finde ich es schon schwierig. Mittlerweile ist es möglich für wenig Geld legal Blockbuster zu sehen. Vielleicht nicht am Tag, an dem sie erscheinen, aber doch wenige Wochen danach. Für "kulturelle Teilhabe" dürfte die Verzögerung ausreichen.

Eigentlich geht es ihm auch nicht um kulturelle Teilhabe, die problemlos erreichbar wäre, sondern um soziale Teilhabe.

Er fragt:

Wie soll man einem Jugendlichen denn auch klarmachen, dass er mit dem Betrachten des neuesten X-Men-Films, über den der ganze Schulhof spricht, vielleicht gegen geltende Gesetze verstößt?

Meine je, Genauso wie man dem Jugendlichen erklärt, dass er nicht jeden zweiten Monat neue schicke Schuhe kriegt, dass er nicht iPhone 2,3,4 und 5 braucht, und dass es dieses Jahr wieder keine Karten für's DFB-Pokalfinale gibt.. die Welt ist begrenzt, live with it.

Außerdem verkennt der Spiegelfechter natürlich komplett den Sinn von Statussymbolen: die erhalten ihren Wert ja eben daraus, dass sie nicht jeder hat. Im Fall kino-to liegt die Grenze halt zwischen denen die das Internet ein bißchen beherrschen, keine Angst vor legaler Grauzone haben, und kein Problem damit schlechtes Service inmitten von Dumpster-Werbung zu kriegen, und denen, die es nicht machen. Wäre es wirklich jedem problemlos möglich so einen Film zu sehen, würde es als Statussymbol wegfallen, die ganze Diskussion wäre obsolet. Kino.to funktioniert nicht auf dem Schulhof, weil es Leuten den Zugang ermöglicht, sondern weil viele Leute es eben nicht nutzen.


Was fordert er? Ein Recht auf "jetzt gleich, alles"? Oder "Coolness nur für Techfreaks"? Oder "vier Wochen warten müssen ist Diskriminierung?" Es gibt viele, viele Gründe, den Umgang der Filmwirtschaft mit dem Internet furchtbar zu finden. Der Geltungsdrang statusbewusster Jugendlicher ist es sicher nicht.

Lustigerweise geht der Text dann auf den Nachdenkseiten weiter. Dort dann mit den üblichen Argumenten (kino.to selbst böse, Filmwirtschaft unfähig), die alle ebenso richtig wie unoriginell sind.


Is it a game? Or just fantasy? Google suchen mit Bildern.

Kurzer Hinweis: dass Google Bilder suchen kann, ist ja altbekannt. Neu hingegen ist, dass Google mit Bildern suchen kann.

Eigentlich ganz einfach: man gebe google eine URL hinter der ein Bild liegt, oder lade direkt ein Bild hoch, und Google bestimmt was es ist, wo genau dieses Bild noch ist, und was so ähnlich aussieht.

Erste Testergebnisse:

* Lustigerweise erkennt Google-Bildersuche die von Google-Blogger generierten Bild-Adressen nicht als solche an. Integration...

* Gesichtserkennung scheint nicht eingeschaltet, oder ich habe mich bisher gut verborgen. Da kommt nichts.

* Die paar Lebewesen, die ich jetzt mal durchgetestet habe, hat Google immer richtig identifiziert, und der korrekten Art zugeordnet.

* Von meinen eigenen Fotos habe ich prompt mir unbekannte Nachnutzungen gefunden, bisher aber alle CC-Lizenzkonform.

* "Ähnliche Bilder" stimmen in Bezug auf die Farben vollkommen überein, in Bezug auf die vage Bildanordnung auch, nur beim Motiv scheint freies Raten zu herrschen.

* Landmarken erkennt er nur schlecht: englische Kirchenruine gegen den leeren Himmel: erkannt. Bohrinsel Mittelplate gegen leeren Himmel: nicht erkannt. Hochhaus Büsum gegen Himmel: auf einem von drei Bildern erkennt. Bei allem mit unruhigem Hintergrund erkennt er nicht worum es geht.

* Die Bildtitel spielen keine Rolle. Selbst Bilder mit eindeutigen englischen Titeln werden vom Motiv her nicht erkannt.

* Aus unerfindlichen Gründen hält die Suche Schafe immer für Cricketspieler.

* Super-Schick. Ich bin begeistert.

Google-mit-Bilder-Suche:

http://www.google.de/imghp?hl=de&tab=wi


Donnerstag, 16. Juni 2011

Zur Nacht

Whole Foods Parking Lot.




Wikipedia ins Museum

So manch einer behauptet ja, würde Wikipedia erstmal Welterbe werden, dann geht es ihr, wie einem Käfer in den Händen von Ernst Jünger, wie einem Tesaabroller in den Händen des Moma. Aber eigentlich will ich ja nicht über das Welterbe reden, sondern über GLAM.

Dieses wunderbare Projekt und dessen Ausprägung durch den Wikipedian in Residence hat trotz höchster innerer Begeisterung meinerseits bisher eher ein Schattendasein in diesem Blog geführt. Schande. Aber netterweise hat The Atlantic in Form von Jared Keller dieses Defizit entdeckt, und eine ebenso schöne wie begeisterte Kurzvorstellung des Programms geschrieben.

Jared Keller: How Wikipedians-in-Residence Are Opening Up Cultural Institutions:

McDevitt-Parks is just one member of a new class of Wikipedians making their way into cultural institutions. He has colleagues at the Smithsonian's Archives of American Art, the Indianapolis Children's Museum and the Museu Picasso in Barcelona, among other places. McDevitt-Parks and his colleagues may bridge the gap between the untapped resources of the National Archives and the churning community of Wikipedians who, like themselves, take pleasure in distilling historical archives into an easily accessible form.



Emotionale Verwirrung wegen libyscher Waffen

Der innere Pazifist und der innere Yeah-Do-it-fuck-yourself-Punk liegen gerade in heftigen Querelen wie sie das finden:

In Focus: DIY Weapons of the Libyan Rebels

Danger Room: Libya’s DIY Rebels Outfit Trucks With Copter Rockets

Wobei ich behaupten würde: wenn Krieg, dann ist selbstgelötetes Material ein vergleichsweise brauchbarer Hinweis auf die Guten.


Wikipedistik: wie fühlt man sich so als Mutantenfliege?

Vorgestern hatten wir mit Wikimedia-De einen recht angeregten und fruchtbaren Austausch über die Zukunft des Zedler-Preises - schlagt mich, wenn ich bis Dienstag immer noch nichts drüber geschrieben hab, anyway, während des Gesprächs beschwerten sich diverse Leute, dass Wikipedia-Forscher eh immer dasselbe forschen: gerne kriegen sie raus, dass Spaß und Gute-Taten die 20-40-jährigen männlichen Wikipedianer begeistern. Das stimmt, dazu gibt es mittlerweile Studien im Sonderverkauf.

Aber nicht nur: Dank des Signposts kann ich hier einfach mal kurz auf den Eingang diese Woche verweisen. Ich fasse ihn jetzt einfach mal zusammen:

In der aktuellen Ausgabe bespricht er "eine Auswertung von 4 Millionen Diskussionsseitenbeiträgen", Kurzergebnis: auch nicht-Admins übernehmen Führungsrollen; die Studie "was denken andere über Wikipedianer"; Kurzergebnis: ".. an unflattering picture [where Wikipedians] are 'geeky' or 'nerdy,' technologically adept, unkempt, unhealthily obsessive, and absorbed with online life" - ich möchte darauf hinweisen, dass ich zwar ungekämmt bin, was sich aber bei 5mm-Haaren auch kaum ändern lässt.

Den üblichen "wer-sind-Wikipedianer"-Artikel gibt es natürlich auch. Spannender: eine statistisches Modell, welche Artikel wohl Edit-Wars anziehen. Um den Sinn von "Measuring Hyperlink Distances zu verstehen" muss ich dann wohl doch die Studie lesen.

Eine weitere Studie gibt xkcd recht. Wie sehr achten Leser auf Belege? "only 6 of the 23 participants noticed that the references were not related to the topic of the article in the low-quality condition. However, 17 participants indicated that they had paid attention to the references"

Der Signpost zitiert eine Diss: Andrew Famiglietti argues that Wikipedia "was shaped by an ideal I call, 'the cyborg individual,' which held that the production of knowledge was best entrusted to a widely distributed network of individual human subjects and individually owned computers. I trace how this ideal emerged from hacker culture in response to anxieties hackers experienced due to their intimate relationships with machines."

Und ebenfalls dem Signpost, wenn auch seinem Twitter-Account verdanke ich den Hinweis auf ein neues Journal: Critical Studies in Peer Production, das natürlich nicht ohne weitere Wikipedistik auskommt.

Ich zitiere dann einfach mal fröhlich den Signpost weiter, der irgendjemand zitiert: "Wikipedia is the Drosophila of social software." Und wie fühlt man sich so als Mutantenfliege, liebe Wikipedianer?


Mittwoch, 15. Juni 2011

Zur Nacht

Live bei den Webbys: Norah Jones covert Johnny Cash: Ain't No Grave.




Larry Sanger mit dem Strohmann auf der rutschigen Ebene

Larry Sanger hat vor ein paar Tagen einen Blogpost veröffentlicht: Is there a new geek anti-intellectualism?, der jetzt an sich nicht weiter bemerkenswert wäre, wenn er sich nicht so wunderbar selbst bloßstellen würde.

Sangers These: Geek-Chic ist gegen jede Form von Wissen, und infiziert damit die gesamte Gesellschaft; uns droht eine dumme, verarmte Gesellschaft. Und weil Sanger ja Wikipedia-irgendwie-auch-Mitgründer ist, ist Wikipedia irgendwie auch mit Schuld an dem Trend.

Seine praktischen Beweise sind in vielerlei Hinsicht einfach falsch. Bezogen auf Wikipedia gibt es ja schon eine Replik; eventuell sah es 2001 anders aus, und der Anteil echter Geeks und Technikaffinen Menschen war höher. Aber zumindest 2011 habe ich den Eindruck. größere Teile der Wikipedianer sind der festen Überzeugung, dass sich dieses komische Internet eh nicht durchsetzen wird. Vieles was er als Beweise bezeichnet, trifft zumindest auf Wikiepdia 2011 nicht zu.

Genauso konstruiert er einen Strohmann von Thesen, was Geeks denken. Wie er selber sagt, würde wohl Jeder Mensch widersprechen, solche Gedanken zu haben; eher dreist ist es dann, trotzdem ohne Beweise einfach zu behaupten, dass der Strohmann doch echt ist.

Aber auch wenn die Geeks gar nicht denken, was Sanger ihnen unterstellt, so sind wir doch Sanger zufolge auf einer schiefen Ebene, die einer hohen Wertschätzung der Intellektualität zu einer niedrigen Wertschätzung führt.

Mich irritiert sein Beklagen, dass praktisches Wissen soviel höher geschätzt wird, als schöne Bücher. Beziehungsweise, auch ich finde das beklagenswert, aber war es je anders? Und so abstrakt beklagenswert ich es finde: ich glaube ich lebe lieber in einer Gesellschaft in der ausreichend Menschen wissen, wie sie im Zweifel meine Heizung reparieren können.

Was mich dann aber doch sprachlos zurücklässt, ist Sangers Gleichsetzung von Expertenwissen/Büchern/College/Intellektualismus/theClassics und Wissen. Ja, irgendwie hängt das schon alles zusammen so. Aber dann doch nicht so direkt wie Sanger impliziert.

Um mal einfach anzufangen: da wo er Buch sagt, meint er wohl langen Text. Ich hoffe zumindest für Sanger, dass er einen 30.000-Wort-Digitaltext einem schmalen Buch als gleichwertig anerkennt. Also substituiere ich mal innerlich Text, da wo Sanger Buch scheibt. Ja, die Bedeutung von Text gegenüber Bildern und Zahlen nimmt ab. Was Bilder angeht: seit diversen Jahrzehnten schon. Was übrigens auch schon dem einen oder anderen Autor auffiel. Aber was den Bedeutungsgewinn von Zahlen angeht: auch der ist mindestens zweihundert Jahre alt. Wäre ich böse, würde ich sagen, er geht auf Galilei zurück, und der Sieg der Naturwissenschaften über die Scholastik war so rückblickend betrachtet, nicht das Schlechteste was der Menschheit passierte,

In Deutschland kamen dann irgendwann Realgymnasien an denen man Ingenieurwesen lernte, in den USA Schulen an denen man Handel lernte. Da mag Geek chic eine Ausprägung sein, neu ist das sicher nicht. Dito, Classics, die Diskussion kann man auch mindestens führen, seit ein Abiturient im Normalfall nicht mehr fließend altgriechisch beherrscht. Den Verlust, den Sanger da anklagt, halte ich für Phantomschmerz.

Spannender ist die Gleichsetzung von Experten/College mit Wissen. Und das ist sicher auch der spannendste Punkt. Sanger beklagt, dass "Experte" ein Schimpfwort ist, und Jeder meint, Alles zu können. Ich glaube die Grundsatzdebatten sind auch schon geführt, und die klassische (und auch meine Replik) darauf ist: wichtig ist nicht, wer es sagt, sondern was gesagt wird - was zugegebenermaßen im Widerspruch zu abendländischen Kulturkanon steht, und m.E. ein Hauptgrund ist, warum viele etablierte Wissenschaftler Probleme mit der Wikipedia haben.

Und hier bei diesem spannendsten aller Sangerschen Diskussionspunkte wird es wieder schade. Leider liefert Sanger keinen Maßstab, was "gutes und echtes Wissen" ist, gegenüber dem was es nicht ist. Wenn es um Reichhaltigkeit geht, würde ich deutlich sagen, dass der spontanere, offenere Prozess reichhaltigere Ergebnisse bringt. Wenn es um irgendwie geartete Qualität geht: sicher kann man da Qualität so auffassen, dass der hierarchische Prozess es besser produziert als der offene. Aber Larry, herrje, dann mach es auch, und sage wovon Du redest.

Da wo es unspannend ist, breitet Sanger sich aus. Da wo er eine schiefe Ebene sieht, ist seit Jahrzehnten bereits das Tal erreicht. Und da wo es spannend werden könnte, ist Sanger so sehr von seiner eigenen Großartigkeit überzeugt, dass er sich des Argumentieren enthoben fühlt.


Lamentatio eines unverstandenen Welterklärers. Die immerhin gibt es bereits, so lange wie es Intellektuelle gibt. Und sie erklärt, warum Sanger nie etwas Eigenes entwickeln wird.







Abschiedspost


Ich gestehe: Früher (tm) empfand ich Blogs als eine Seuche. Nun hat sich das Verständnis des Wortes Blog in den letzten Jahren grundlegend geändert, es ist eine ernstzunehmende Blogosphäre entstanden. Bezeichnete noch vor einigen Jahren ein Blog in aller Regel ein tatsächlich öffentlich im Web geführtes Tagebuch mit privaten Befindlichkeiten, die eigentlich niemanden interessieren, findet man heute darunter auch Fach- und Wissenschaftsblogs. Unwichtige "Statusmeldungen" wie den letzten Friseurbesuch und ein Foto vom Carpaccio des vergangenen Abends findet man nun eher bei Facebook oder Twitter.

Dank Southgeist hatte ich die Gelegenheit, mich erst einmal sechs Wochen als Gastblogger hier auf Iberty zu betätigen. Und ich muss sagen: Ich wurde erfolgreich angefixt. Die tragische Konsequenz der Aktion ist also ein weiteres Blog, das eigentlich niemand braucht.
Nun werde ich da sicherlich keine wissenschaftlichen oder hochgeistigen Abhandlungen verfassen. Aber vielleicht gelingt es mir ja, einige bisher noch nicht so recht verarbeitete Gedanken in essayistischer oder kolumnistischer Form in Bildpunkte zu bringen. ;-) Wenn es dann der eine oder die andere interessant findet, um so besser.

Meine Beiträge hier habe ich ganz frech in mein neues Blog eingestellt, um nicht mit einem völlig leeren Blog beginnen zu müssen.

Ich bin selbst gespannt, wie sich das entwickelt, und ob es eine dauerhafte und regelmäßige Betätigung wird, oder ob es wieder einschläft.

Also nochmals vielen Dank an Southgeist für die Gastfreundschaft!
Und zum Schluss wohl das Wichtigste: fee as in coffee

Tellerrandblick Mittwoch 20110615

Mir wird schlecht. Die Vereinung von extralegaler High-Tech-Armee mit den Architekten des Finanzdesaster. Immerhin, lustige Logo, dass Danger Room sich ausgedacht hat. Blackwater Gets ‘Too Big To Fail,’ Hires AIG Castoff


Wenn ich schon nicht persönlich hinkam, sei zumindest hier noch einmal auf die höchst lobenswerte Konferenz Wikipedia trifft Altertum verwiesen.

Schicke Graphik beim Economist. The biggest military spenders. U!S!A! U!S!A!

Esst mehr Zwiebeln! Nicht, dass e.coli das einzige ist, was sich auf Früchten und Gemüsen findet. Wobei es ja niemand überrascht, dass Apple böse ist. Apples top most pesticide-contaminated list

Beim Signpost bin ich ja nie sicher, ob ich den erwähnen muss, weil ich ihn quasi als Pflichtlektre voraussetze. Trotzdem/deshalb: Neue Ausgabe.

Young Dirk. Der Andere. Aber trotzdem schöner Text.

Mehr zum Video.




Der E-Postbrief der Deutschen Post


Man soll ja nicht immer nur meckern, daher nun auch mal wieder etwas positives. :-)

Es gibt leider noch immer zahlreiche Unternehmen oder Behörden, die mit Kundenkontakten via E-Mail irgendwie noch nicht allzuviel anfangen können und auf papiergetragene Kommunikation oder eine Unterschrift bestehen. Meist sende ich in solchen Fällen ein Fax. Dank Telefonflatrate ist das kostenlos, und ob meine Unterschrift gescannt und das ganze als Computerfax verschickt oder aber tatsächlich als altmodisches Papierfax versendet wurde, kann der Empfänger in der Regel nicht so schnell erkennen.

Nun gibt es Spezialisten, die noch nicht einmal eine Faxnummer angeben. Normalerweise bleibt in solchen Fällen nur das Telefon (ungünstig da abstreitbar) oder aber der klassische Brief. Allerdings existiert inzwischen auch eine günstige Alternative.

Vor einiger Zeit habe ich mich beim E-Postbrief angemeldet. Nach dem ganzen Prozedere wie Anmeldung, Postident-Verfahren, nochmalige Eingabe eines zugesandten Codes zur Adressverifikation war sich der gelbe Riese dann wohl ausreichend sicher, es tatsächlich mit mir zu tun zu haben.

Als ich also neulich mal wieder eine Kündigung losschicken wollte, probierte ich dieses Tool einfach aus: Online losgeschrieben, auf Senden geklickt, Meldung über fehlendes Guthaben erhalten. Genau, da war ja noch was. Die Aufladung funktionierte problemlos per Kreditkarte, ich wollte schon immer mal einen Centbetrag mit Mastercard bezahlen. :-) Aus mir unerfindlichen Gründen musste ich statt dem normalen Porto von 55 ct mindestens stolze 56 ct einzahlen. Jetzt habe ich 1 ct Guthaben bei der Post. Auch prima, die zinslose Geldanlage in dieser Höhe kann ich gerade noch so verkraften. Danach nochmal auf Senden geklickt, dann das Senden nochmal bestätigt, dann war der Brief weg. Die papierhaltige Zustellung erfolgt angeblich innerhalb von 2 Werktagen. Ich habe den Brief jetzt als pdf im Portal und kann ihn auch runterladen.

Vor allem letzterer Punkt begeistert mich: Sollte ich einmal in Beweislast geraten, lässt sich dies prima vorweisen. Im Gegensatz zu Einschreibe-Sendungen ist hier sogar der Inhalt auf dem Postserver nachvollziehbar gespeichert. Nur über den Punkt "Datenschutz" habe ich beschlossen nicht intensiver nachzudenken. Theoretisch kann "die Post" meine Briefe lesen.

Fazit: Tolle Sache. Blatt Papier, Umschlag, Druckertinte, Weg zum Briefkasten gespart. Außerdem habe ich einen Sendenachweis, den ich bei einem selbst eingeworfenen Papierbrief nicht hätte. Ich bin zufrieden.

Dienstag, 14. Juni 2011

Frauenfußball und die Medien


Die deutschen U19-Frauen sind Europameister! Seit Samstag!

Die Nachricht dürfte gleichermaßen überraschen und auch wieder nicht. Nicht überraschend ist das Ergebnis (übrigens ein 8:1-Sieg im Finale gegen Norwegen) aus sportlicher Sicht: Die deutschen Fußballdamen sind ja bekanntlich sehr erfolgreich. Überraschen dürfte hingegen die meisten Menschen die Tatsache, dass diese EM überhaupt stattfand.

Am Pfingstwochenende war ich internetlos. An sich ist das nicht weiter tragisch, und es hat mir gezeigt, dass sich meine Abhängigkeit noch im vertretbaren Rahmen bewegen dürfte. Allerdings wollte ich am Samstag Abend das Ergebnis des Finalspiels in Erfahrung bringen. Allein - es ist mir nicht gelungen.

In den Nachrichten wurde der Titelgewinn (zumindest für mich wahrnehmbar) nicht einmal erwähnt. Also ein Blick in den guten alten Videotext geworfen: Das Erste (vulgo: ARD) hat Tabellen zu allen möglichen und unmöglichen Männer-Ligen im In- und Ausland. Selbst "Exoten" wie Rumänien und Kroatien werden gewürdigt. Die Frauen-WM im eigenen Land wird zumindest auch erwähnt, es gibt auch eine (!) Seite zur 1. Bundesliga der Frauen. Jedoch keine Meldung zum Titelgewinn der deutschen U19-Damen.
Das 2DF schießt den Vogel komplett ab: Es gibt insgesamt 2 Seiten zu den Damen. Die 1. BL und der DFB-Pokal dürfen sich sogar eine Seite teilen (3 Unterseiten im Wechsel).

Also in die Sportsender geschaut. Eurosport: Ausführliche und zahlreiche Seiten zur U21-EM und zur U17-WM. Der Männer versteht sich. Der Europameistertitel der Frauen wird nicht erwähnt. Letzte Hoffnung DSF Sport1: Das gleiche in bunt. Jede Menge internationaler Männer-Ligen, 2 Seiten zur 1. BL der Frauen, die Frauen-WM. Sonst nix. Keine Titelerwähnung.
So langsam beginne ich zu verstehen, warum es so viele Feministinnen gibt. Diese Ignoranz kotzt selbst mich als Mann an.

Also: Herzlichen Glückwunsch an unsere Fußball-Juniorinnen zum Titelgewinn! Für den Nachwuchs wäre also gesorgt.
An die Medien: Schämt Euch!

Zur Nacht

DJ Screw: Livemix




Ei verdautz, facebook verliert User

Facebook verliert User. Mich wundert ja eher, dass der Verlust Leute wundert. Wie jede Community und jedes Sozialdings, lebt facebook nicht von seinem Nutzwert; abgesehen von FarmVille hat es keinen.

Facebook lebt davon, der Ort zu sein, an dem die coolen Leute sind. Und wie überall sonst im Leben - bei jeder Kneipe, jedem Club, jedem Restaurant, jeder Tankstelle, jedem Stadtteil - hat der Coolheitszirkel auch bei facebook eine begrenzte Lebensdauer.

Ich formuliere jetzt mal Frankes Gesetz: sobald Deine Eltern einer sozialen Community beitreten, ist es Zeit, sofort das Konto zu kündigen.

Update: Ja, ich sollte es doch noch bringen. Vielleicht verliert facebook auch noch keine User in den USA. Dann habe ich halt in zwei Monaten recht und nicht jetzt


Dienstagsartikel

In der letzten Woche in Wikipedia angelegt/überarbeitet:

To Steal a Book is an Elegant Offense ist ein 1995 bei Stanford University Press erschienenes Buch des amerikanischen Rechtswissenschaftlers William P. Alford. Alford untersucht die Unterschiede im Verständnis von geistigem Eigentum in der westlichen Welt und China, und findet das Verständnis in China dafür weitaus weniger ausgeprägt. Das Bild, das Alford in diesem Buch von China zeichnete, prägte seitdem die westliche Auffassung für das chinesische Urheberrechtsverständnis. Der Titel ist eine Paraphrase eines chinesischen Sprichtworts.

Pen & Pixel
ist eine Graphikdesignfirma aus Houston, Texas. Berühmt und berüchtigt wurde sie dadurch, dass sie die Cover zahlreicher Hip-Hop-Alben gestaltete, und so die Optik des Hip-Hops der 1990er mitbestimmten. Pen & Pixel waren eine der ersten Firmen im Hip Hop, die jedem offensichtlich Photoshop einsetzten, und dabei alle Möglichkeiten nutzten, die das Programm bot. Das Spin-Magazin beschrieb den Pen&Pixel-Stil 1997 als computergenerierte Bilder jenseits von Gut und Böse, die sich unter anderem durch die große Zahl verschiedener Motive von ähnlichen Firmen abhob. Für den Rolling Stone war das Albumcover für Snoop Doggs Album Da Game Is to Be Sold der Idealtyp eines massenproduziertes Ghetto-object d'art.

Monty Cantsin ist eine multiple Identität, die jedem offensteht. Entwickelt als „offener Popstar“ aus der Mail Art ging sie später eine enge Verbindung mit dem Neoismus ein, und wurde dort vor allem in der Performancekunst benutzt. Cantsin war Vorläufer weiterer multipler Identitäten wie Karen Eliot und Luther Blissett.

Karen Eliot, auch Karen Elliot ist ein von verschiedenen Künstlern genutztes, kollektives Pseudonym. Der Autor Stewart Home schlug den Namen 1985 vor. Er sollte von verschiedenen „Kulturarbeitern“ aufgegriffen werden, um einen Werkkorpus Karen Eliot zu schaffen. Seitdem haben hunderte Autoren und Kunstschaffende das Pseudonym benutzt.




Montag, 13. Juni 2011

Zur Nacht

Porkka Playboys: Bohemian Rhapsody. Live im Polo.




Sonntag, 12. Juni 2011

Zur Nacht

Porkka Playboys: Rasputin




Tellerrandblick Sonntag 20110612

Bewohner des Nordens von hinten

Und ein Foto von Mordor.

Endlich! Feng Shui Your Website. ..hyphens represent mini poison arrows slicing through your website name. This is very inauspicious and extremely bad feng shui.

Sehr gute Idee. Eine .ugh-Top-Level-Domain für Beschwer- und Aufregseiten. Spiegel.ugh, Wikipedia.ugh, bahn.ugh. Vielleicht auch gleich .lol oder .hust oder .arrgh. Ironic Sans: Idea: .ugh Top Level Domain

Oh, .ugh, meine Rede. Who cares about Palin, Bachmann sollte man mal anschauen. Slate: GOP to Palin: It's Over

Ich bin moralisch ja total entsetzt. Der FotoFant flamed. Und das auch noch wunderbar.

Onion-like Headlines in Real Life. Inclusive: European Experts fail to detect source of Killer Cucumbers. Wobei ich ja immer noch traurig bin, dass niemand zusammen mit mir Angriff der Killertomaten auf DVD sehen möchte.

Nochmal mit Foto. Die Wikimedia-Hückeswagen-Connection.

Late ’90s Hip-Hop Cover Art, or, the Introductory Lecture in Art History 214

Und noch einer aus der unendlichen Geschichte. PR Week: 'Fixer' cleans Wikipedia entries for senior business figures

Guardian. Best pulled-pork-Barbecue.

Spontan würde ich ja sagen: alles besser als der Edeka-Netto. Fontblog: Gut, böse, hässlich: Supermarkt-Typografie

TributeFM. Englisches Liveradio aus dem freien Bengasi.
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Habe ich hier schon mal Best of Wikipedia empfohlen? The Tolstoy Cup is an annual football match played between the students of the Peace Studies department at the University of Bradford and the War Studies department at Kings College London.

Razzia bei kino.to zwingt Millionen User, zwei Minuten nach neuer Streaming-Plattform zu suchen

Die Welt ist verrückt. Jimbo Wales auf dem Focus--Cover und die taz berichtet über einzelne Adminkandidaturen.


Direkt nach dem Ansehen bin ich mit Schwung gegen die Dunstabzugshaube gerannt:

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TODESWIKIPEDIA

Letztens ging die Meldung durch die einschlägigen Quellen, dass 60% aller Mediziner in der Wikipedia nachschlagen. Ein Grund für die Mediziner in der Wikipedia ganz besonderen Wert auf hohe Qualitätsstandards zu legen.

Dem allerdings muss nicht immer so sein. Die Palm Beach Post berichtet vom Mordprozess Casey Anthony:

Witness John Dennis Bradley, the CEO and founder of SiQuest Corporation, revealed that someone searched the following terms on Google and Wikipedia:

•Internal bleeding

•Ruptured spleen

•Death

•Self-defense

•Chest trauma

•Inhalation

•Chloroform

•Hand to hand combat


Vielleicht sollte man doch mal gezielten Vandalismus einbauen, um Leben zu retten. Und verrat niemand den deutschen Politikern, dass man sowas nachkucken kann.