Montag, 31. Januar 2011

Herrje, Fleischhauer!

Spon-Fleischhauer merkt zur causa Gorch Fock an: Mit Gleichstellungsbeauftragten und Mobbingberatung ist im Kampfeinsatz leider nicht viel auszurichten. - Klar. Aber mit Segelschiffen.

Na dann fragt doch einfach..

Umfragen über Umfragen. Nicht nur, dass die Journalistenherden gerade über Wikipedia herzogen, und Wissenschaftler sowieso andauernd da sind, jetzt wollen auch noch Wikipedianer und Wikimedianer was von den Wikipedianern wissen. Um einen Überblick zu behalten: das läuft grad:

Nochmal hinweisen möchte ich auf meine eigene Millionenliste. Mal angenommen, Wikipedia hätte ganz hohe Spendeneinnahmen, wofür sollten sie ausgegeben werden.

Und auch wenn Wikipedianer durchaus Ideen haben, wie sie Geld ausgeben können, einnehmen möchten sie es eher nicht. Achim fragt, ob Wikipedia sich institutionell an VG-Wort-Ausschüttungen beteiligen sollten. Kann und sollte man viel zu sagen, das Umfrageergebnis ist jedoch überraschend eindeutig: NEIN. (und noch ein Lesetipp: Wikipedianer verschenken Millionen) Privat würde ich das trotzdem jemand raten, vielleicht kann ich ja noch jemand dazu überreden, hier mal einen Guide zu schreiben, wie das geht.

Schon etwas älter ist die Mitgliederbefragung von Wikimedia Deutschland so an sich. (Anmeldung erforderlich, wenn ich richtig deute aber auch für Nichtmitglieder)

Und noch etwas älter, und leider ziemlich unbemerkt durchgerutscht irgendwie, die Abstimmungsergebnisse beim Wissenswert-Wettbewerb.




Sonntag, 30. Januar 2011

Villabajo liegt in Deutschland

Während in Villarriba das Schiedsgericht noch fest im Sattel sitzt, geht es in Villabajo ans Aufräumen. Seit dem Beginn des Meinungsbildes vor zwei Tagen scheint eines klar: das Schiedsgericht in seiner bisherigen Form wird es in der deutschsprachigen Wikipedia wohl in Zukunft nicht mehr geben. Zu einig sind sich die Reformbefürworter und die Schiedsgerichtsgegner darin, dass das bisherige Gremium versagt hat.

So schreiben die einen, "Reformen" seien "offensichtlich notwendig" und fordern eine Kompetenzenausweitung, eine Erhöhung in der Zahl der Mitglieder oder eine Festschreibung "klarer Befugnisse". Die Gegner des jetzigen Schiedsgerichtes werfen dagegen ein, es sei "zu langsam, zu träge", das Konzept sei gescheitert und das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen zu gering.

Aus meiner persönlichen Sicht bedeutet der derzeitige Abstimmungsstand vor allem eines: die deutschsprachige Wikipedia ist in der Lage, sich selber zu reformieren und einmal eingeführte Strukturen auf den Prüfstand zu stellen. Das hatte sich schon gezeigt, als die Kandidaturen für lesenswerte und exzellente Artikel zusammengelegt wurden und damit ein zentrales Instrument der Qualitätskontrolle neu gestaltet werden konnte. Und das zeigt sich jetzt wieder, wenn es darum geht, ein aus der englischsprachigen Wikipedia importiertes Konzept entweder grundlegend zu überdenken oder ins Archiv der Wikipedia-Geschichte zu befördern.

Das ist das eigentlich Gute an der laufenden Diskussion: der Blick nach vorne, der auch nicht davor zurückschreckt, verkrustete Pfannen neu zu polieren und im Zweifel über Bord zu werfen.

Freitag, 28. Januar 2011

Einmal San Francisco und zurück

Ihr habt so entschieden. "Ein Tag aus dem Leben eines Mitarbeiters…" war in der Abstimmung vor ein paar Wochen euer klarer Favorit. Noch weit vor den Schafen und den Chilischoten in meinem Vorgarten. Also habe ich gestern mal versucht, alles mitzuprotokollieren. Um es gleich vorwegzunehmen: ein normaler Tag war das nicht; üblicherweise komme ich etwas früher nach Hause. Und Namen und Details gibt es auch nicht. Was bleibt, ist einfach "Einmal San Francisco und zurück"…

0:17 Kann nicht schlafen. Als ich das letzte Mal auf die Uhr schaue, ist es schon nach Mitternacht.

5:25 Der Wecker klingelt; ich greife zu meinem iPad und verschaffe mir einen Überblick über die Emails – mein Supervisor hat mir noch um 2:00 nachts eine Nachricht geschrieben und meint, ich solle doch zu Hause bleiben, falls ich mich immer noch krank fühle. Geht nicht, denke ich – hab doch ein wichtiges Meeting heute um 13:30.

5:35 Rasur, Dusche – Morgenroutine.

6:03 Es ist stockdunkel draußen und ein wenig neblig. Ich fahre mit meinem Prius zur Bushaltestelle.

6:22 Busfahrt nach San Francisco; Vorbereitung meiner Presentation zum Five Year Plan der Foundation und zum individuellen Goal-Setting meiner Mitarbeiter; immer noch überall Nebel. Zwischendurch schaue ich auf meine Beobachtungsliste in der deutschsprachigen Wikipedia. Dann kurz auf das Abstimmungsverhältnis in Sachen Schiedsgericht.

7:50 Ankunft in San Francisco, Ecke Battery und Market.

8:02 Kaufe mein morgendliches Croissant und einen entkoffeinierten Kaffee im Café Madeleine, direkt unter unserem Büro.

8:05 Ankunft im Büro. Unsere Team-Assistentin schaut mich an und meint, ich hätte lieber zu Hause bleiben sollen. Ungefragt schaufelt sie mir den gesamten Freitag von Meetings leer, damit ich von zu Hause arbeiten kann. Ich freue mich, denn von zu Hause zu arbeiten bedeutet in den meisten Fällen, dass ich mehr auf meiner To-Do-Liste abarbeiten kann, als wenn ich im Büro bin.

8:07 Frühstück vor dem Computer; jetzt nehme ich mir etwas mehr Zeit für die Emails und schiebe die dringendsten auf meine To-Do-Liste.

8:27 Blick auf den heutigen Kalender: mein Check-in um 9:00 fällt aus. Die Zeit kann ich also noch gut nutzen, um mich kurz vor unserem wöchentlichen Teammeeting mit meinem Projektmanager zusammenzusetzen. Das Teammeeting ist dann von 10:00 bis 12:00. Um 12:30 werde ich mich mit unserer Research Analyst treffen, und die Datenauswertung für das zweite Semester der Public Policy Initiative diskutieren. Um 13:30 habe ich eine halbe Stunde mit der Geschäftsführung. Von 14:00 bis 15:00 soll ich mit einem "J." treffen. Wer ist das nochmal? Ich muss unbedingt vorher nochmal die entsprechende Mail raussuchen. Von 15:30 bis 17:00 findet ein Community-Team Brainstorming statt. Mit etwas Glück sollte ich den Bus um 17:16 erreichen können. Dann könnte ich gegen 19:15 zu Hause sein.

8:34 Ich ziehe mich in einen unserer Besprechungsräume zurück, damit ich nochmal in Ruhe ein paar Dinge durchgehen kann. Ergänze das Dokument mit meinen persönlichen Zielen für das erste Quartal 2011 (das werde ich nachher in der Teampräsentation als Beispiel und Vorlage für die Teammitglieder zeigen).

9:15 Mein Projektmanager ist noch nicht da. Langsam werde ich nervös. Ich würde die Teampresentation wirklich gerne nochmal vorher mit ihm durchgehn.

9:30 Der Projektmanager kommt im Büro an. Wie immer mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen. Ich dränge ihn gleich in einen unserer Besprechungsräume und fange an, meine Folien für das Teammeeting mit ihm durchzugehn.

10:03 Unsere Team-Assistentin steckt den Kopf zur Tür herein und erinnert uns daran, dass die Besprechung eigentlich schon laufen sollte.

10:05 Das wöchentliche Public Policy Initiative Team Meeting beginnt. Zwei Teammitglieder sind per Skype dazugeschaltet. Die anderen sitzen in Raum 7, der nach "Ephraim Chambers" benannt ist. Erster Punkt  auf der Tagesordnung ist meine Kurzpräsentation zum Five Year Plan der Foundation und wie unsere Arbeit sich in diesen einfügt. Ich stelle die Ziele für "Wikipedia as a teaching tool" vor, die wir bis 2012 erreichen wollen. Dann ist der Projektmanager dran und erklärt, wie die einzelnen Teammitglieder ihre individuellen Ziele bis September (Ende des Projektes) festlegen. Wir üben das mit dem Team anhand einiger Beispiele, bis klar ist, dass alle wissen, worum es geht. Dann bin ich wieder dran und erkläre nochmal die technischen Details (anhand meiner eigenen Ziele, die ich schon vor ein paar Wochen festgelegt habe). Zum Schluss eröffnen wir die wöchentliche Ankündigungsrunde: was gibt es, dass die anderen Teammitglieder diese Woche wissen sollten? Manchmal geht es dabei reihum – heute haben nur zwei aus unserem Team etwas, was für das gesamte Team von Interesse ist.

11:55 Das Teammeeting ist zu Ende. Beim Verlassen des Raumes frage ich meinen Projektmanager, ob wir vielleicht gemeinsam Mittagessen gehen wollen (meistens holen wir nur schnell etwas beim Chinesen um die Ecke und essen das dann gemeinsam im Büro). Da ruft mir jemand zu: "Hey, heute ist doch das Staff-Lunch". Das hatte ich ganz vergessen. Ab und zu besorgt jemand Essen für alle Mitarbeiter und wir essen dann gemeinsam. "Stimmt", denke ich. "Dafür hatte ich mich ja Anfang der Woche irgendwann mal eingetragen."

12:03 Wir fahren mit dem Aufzug in den sechsten Stock, wo schon Plastikschalen mit dampfendem indischen Essen bereitstehen.

12:15 Ich unterhalte mich mit einem unserer Projektmanager über persönliche Ziele. Er erzählt mir, wie er jedes Jahr ganz gezielt versucht, seine Freundschaften zu pflegen. Ich denke mir, das sollte ich wohl auch auf meine persönliche Agenda setzen. Die meisten meiner Kontakte in Deutschland sind nach dem Umzug in die USA verloren gegangen. Innerhalb der Woche ist nicht viel Zeit und das Wochenende möchte ich mir gerne für die Familie oder für die Artikelarbeit in der Wikipedia freihalten. Da bleibt manches auf der Strecke.

12:38 Unsere Research Analyst fragt mich mit vorwurfsvollem Blick, ob ihr Treffen mit mir heute ausfällt. Ach ja, das sollte ja schon seit acht Minuten begonnen haben…

12:45 Die Research Analyst und ich sind (nach einem Umweg über das Café im Erdgeschoss) nach Raum 7 im dritten Stock zurückgekehrt und unterhalten uns über Methoden zur Datenbankauswertung. Es geht darum, wieviele einzelne Artikel unsere Studenten verbessert haben und eine Reihe anderer Metriken, mit der wir den Erfolg unseres Botschafter-Programms an den Universitäten messen. Ich führe der Research Analyst einige der Tools vor, die ich im letzen Herbst programmiert habe und wir einigen uns darauf, dass sie mir per Mail eine Liste zuschickt, was sie noch zusätzlich braucht.

13:28 Ich laufe schnell rüber zu Raum 1, wo um 13:30 mein halbstündiges Treffen mit der Geschäftsführung beginnen soll. Da findet aber noch ein anderes Meeting statt und so stelle ich mich auf eine Wartezeit ein. Während ich warte, stellt der Assistent der Geschäftsführung mir eine Journalistin vor, die heute und morgen bei uns im Büro ist. Sie möchte gerne genau wissen, woran wir gerade arbeiten und ich gebe ihr einen Überblick.

13:45 Aus meinem Treffen mit der Geschäftsführung wird heute nichts. Ich mache einen neuen Termin für nächsten Montag aus. Da erscheint "J.", von dem ich immer noch nicht weiß, wer er ist. Dann stellt sich heraus, dass J. längere Zeit bei Linden Lab gearbeitet hat und sich jetzt mit einigen von uns treffen möchte, um Erfahrungen auszutauschen.

13:48 J. und ich sitzen in Raum 2. Wir stellen uns gegenseitig vor und reden dann über J.s Erfahrungen mit der Second Life-Community. J. stellt mir verschiedene Ansätze vor, wie er als Produktmanager daran gearbeitet hat, mehr Leute zum Mitmachen bei Second Life zu motivieren. Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich finde alles, was Jack mir erzählt superspannend und möchte gerne, dass er sich Anfang nächster Woche noch einmal mit meinem Team trifft. Bei der Verabschiedung verspricht er, mir eine Mail mit einem Terminvorschlag zu schicken.

14:55 Nach dem Treffen mit J. gehe ich kurz nochmal rüber zu meinem Team und lobe unsere Communications Associate für die letzten Blog-Postings auf dem Wikimedia-Blog. Danach gehe ich nochmal kurz die Emails durch, die in der Zwischenzeit auf meinem Account aufgelaufen sind. Ich beantworte die wichtigsten davon und mache mich bereit für das nächste Meeting.

15:25 Ich fahre mit dem Aufzug zurück in den sechsten Stock. Mein Supervisor möchte mit den Fellows und allen festangestellten Mitarbeitern des unseres Departments darüber sprechen, welche Projekte für das nächste Jahr geplant sind. Schwerpunkt unserer Arbeit wird es sein, die Beteiligung an Wikipedia zu steigern. Wir wissen schon seit geraumer Zeit, dass die Zahl der Neuanmeldungen zurückgeht und wollen unsere verschiedenen Projekte zu diesem Aufgabengebiet koordinieren und mit der Geschäftsführung abstimmen.

15:32 Das Meeting startet. Die Mitarbeiter und die Fellows stellen reihum ihre Projekte vor und bekommen dann Feedback. Die Diskussion ist ausgesprochen konstruktiv, allerdings dauert die Sitzung dann doch länger, als wir alle dachten.

17:18 Jetzt sollte ich eigentlich schon im Bus nach Hause sitzen. Der ist aber eh schon abgefahren und ich möchte das Meeting auch nicht vorzeitig verlassen.

17:35 Die Sitzung ist vorbei und ich fahre zurück in den dritten Stock, um kurz auf die Toilette zu gehn und dann meine Sachen zu packen.

17:48 Auf dem Weg zur Bushaltestelle hinterlasse ich zu Hause auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht für meine Frau, dass ich heute später nach Hause komme und sie sich keine Sorgen zu machen braucht.

18:05 Der Bus scheint Verspätung zu haben.

18:12 Der Bus kommt endlich an. Ich suche mir einen Platz, klappe mein MacBook auf und öffne das Email-Programm.

19:02 Wir stehen im Stau. Mist, ich werde dann wohl noch später zu Hause sein, als ich dachte. Im Bus schniefen alle und der Mann, der neben mir sitzt, scheint genauso erkältet zu sein wie ich.

19:19 Die Freiwilligen, die das Wikipedia Botschafter-Programm in der englischsprachigen Wikipedia koordinieren, scheinen sich per Mail auf ein wöchentliches Skype-Meeting am Sonntag einigen zu wollen. Ich denke kurz darüber nach, ob ich das für eine wirklich gute Idee halte und beschließe dann, die Sache einfach laufen zu lassen. Vielleicht können die ja wirklich nicht unterhalb der Woche.

19:23 Ich starte meinen Browser, um nochmal auf meine Beobachtungsliste zu schaun. Da fällt mir der neue Artikel des Tages ins Auge. "In Erinnerung an Geos († 22. Januar 2011)" steht da. Das finde ich schön und angemessen. Ich war mit Geos nicht immer einer Meinung, die Nachricht von seinem Tod hat mich aber umgehaun.

19:25 Wir kommen in Rohnert Park an. Die meisten verlassen schon hier den Bus. Für mich ist es jetzt auch nicht mehr weit. In etwa einer halben Stunde sollten wir in Santa Rosa sein. Ich klappe mein MacBook zu und lese noch eine Weile auf dem iPad in einem meiner Bücher zur Geschichte Amerikas im 18. Jahrhundert. Vielleicht fällt ja etwas für den Artikel zu Benjamin Franklin ab, an dem ich gerade arbeite.

20:12 Ankunft an der Endhaltestelle. Ich wünsche dem Busfahrer noch einen guten Abend, gehe dann zu meinem Wagen und fahre nach Hause.

20:25 Das Garagentor öffnet sich. Ich bin wieder zu Hause. Ich öffne die Tür; meine Frau telefoniert gerade mit unserer jüngeren Tochter. Dann erzählt sie mir, dass sie heute einen Patienten hatte, der aus Stuttgart stammte. Der war vor mehr als 40 Jahren nach Alaska ausgewandert, hatte dort ein Restaurant eröffnet und ist jetzt in Santa Rosa gestrandet. Meine Frau ist stolz darauf, dass sie mit dem Stuttgarter Deutsch sprechen konnte. Ihre Sprachkenntnisse werden immer besser. Letzte Woche haben wir uns "Küstenwache" übers Internet angeschaut. Irgendwie skurril – ich muß mich bei sowas manchmal kneifen, um mich daran zu erinnern, dass ich nicht mehr in Niedersachsen bin.

20:33 Ich stehe unter der Dusche und lasse das heiße Wasser an mir herunterlaufen. Entspanne mich.

20:48 Ich sitze am Esstisch und genieße einen getoasteten Bagel mit Käse. Meine Frau sitzt neben mir und wir erzählen uns gegenseitig von unserem Tag.

21:30 Ich gehe ins Bett und klicke mich auf dem iPad nochmal durch die Wikipedia. Lese mir einige der Artikel durch, die unter "Laufende größere Artikelprojekte" in der Redaktion Geschichte gelistet sind.

22:13 Ich wache auf und merke, dass ich eingenickt bin. Das iPad liegt neben mir auf dem Bett. Ich mache das Licht aus und schlafe ein.


Ohne Konsens geht es nicht.



Vor einiger Zeit hat Tolanor hier einen längeren Post veröffentlicht, in dem er die Meinung vertritt, dass das Konsens-Prinzip einer der ärgsten Feinde der offenen Wikipedia ist. Ich versuche es mal mit einer kleinen Gegenrede.

Ohne das Konsens-Prinzip wäre die Wikipedia schon längst tot oder ein chaotisches Forum, dass nach 10 Jahren keinen Pressebericht wert gewesen wäre.

Der Konsens in der Wikipedia fängt bei den einfachsten Sachen an, wie sieht ein Artikel aus, wie soll er formatiert werden, welche Überschriften beinhaltet. Dies sind alles Formalitäten die sich irgendwann in der Anfangszeit herausgebildet haben und die mehr oder weniger befolgt werden. In der Regel haben sich mal zwei, drei Leute Gedanken gemacht und der Rest hat das für gut befunden und angewandt oder es hat ihn einfach nicht interessiert.

Die per Konsens gefundenen Regeln wurden immer zahlreicher und irgendwann hat sich ein komplexes System entwickelt. Ob es immer sinnvoll ist, das dieses so umfangreich in Breite und Tiefe ist, steht auf einem anderen Blatt. Viel wichtiger ist, dass es dafür sorgt das über viele Dinge nicht ständig Diskussionen geführt werden müssen und man sich auf das Wichtige an der Wikipedia „das Schreiben von Artikeln“ konzentrieren kann.

Nun wurden in vielen Bereichen spezielle Regelungen (Namenskonventionen, Formatvorlagen, Relevanzkriterien) gefunden. Deren Ziel war immer, einen relativ einheitlichen Artikelbestand zu erreichen. Die einzelnen Artikel zu einem Thema sollen einander ähnlich sein in Struktur und Qualität. Dies hilft nicht nur den Autoren beim Erstellen neuer Artikel, sondern auch den Lesern.

Für einen neuen Autoren sind die Regelungen vielfach komplex, schlecht auffindbar und nachvollziehbar. Jetzt kommt der entscheidende Moment; wie die schon länger mitarbeitenden Benutzer auf einen Neuling reagieren. Die einen weisen ihn daraufhin, dass es schon immer so war und es nichts zu ändern gibt. Ein paar andere können ihn eventuell auf alte Diskussionen verweisen und die dritte Gruppe versucht es mit argumentativer Überzeugungsarbeit. Nun gibt es aber auf Grund des offenen Charakters der Wikipedia das Problem, dass diese Diskussionen im Extremfall dauernd zu führen sind. Bestimmte Regelungen müssen ständig argumentativ verteidigt werden. Nun könnte man argumentieren: „Ist doch gut, dass ein Thema ständig in der Diskussion bleibt“. Nur führt dies über kurz oder lang dazu, dass diejenigen die ständig diese Diskussionen führen, irgendwann ausgebrannt sind. Das ständige Wiederholen der gleichen Argumente bzw. Wiederlegen der immer gleichen Gegenargumente ermüdet auf die Dauer und führt zu einer Abschottung.

Ein Verweis auf frühere Diskussionen funktioniert in der Regel nicht, da es keine Indizierung des Archives gibt und eine normale Google-Suche vielfach ineffektiv ist. Somit sind die Diskutierenden auf ihr Erinnerungsvermögen angewiesen. Dieser Effekt wird sich in Zukunft noch verstärken.

Ein Neuling hat am Anfang nur zwei Möglichkeiten. Entweder er passt sich an und übernimmt die Regelungen oder er geht in Opposition. Eine solche Oppositionshaltung führt jedoch schnell zur Ernüchterung über die „offene Wikipedia“, da ihm in der Regel mehrere Diskutanten gegenüber stehen und er mit seinen Argumenten nicht mehr durchdringt. Eine anfängliche Anpassung an den Konsens hat den Vorteil, dass er (nebenher sozusagen) sich die verschiedenen Argumente in den Archiven erlesen kann. Er kann dann später besser entscheidende Ansatzpunkte und auch eventuell Verbündete für Veränderungen finden. Das Ziel soll aber am Ende nicht irgend ein Dissens sein. Auch der Neuling strebt eine Art Konsens an, eben nur einen anderen als den bisher bestehenden.

Im Gegensatz zu Tolanor sehe ich nirgends die Entstehung eines inner circle und einer damit einhergehenden Konsenskultur. In den Jahren bis Ende 2004 war eine Autorengemeinschaft entstanden die aber nach außen relativ durchlässig war. Ständig kamen neue gute Autoren dazu. Vor allem die Jahre 2005 bis 2007 bescherten der Wikipedia einen kontinuierlichen Zuwachs.

Der Konflikt bei der Entstehung der Qualitätssicherung war im Grunde ein Streit um die weitere Verfahrensweise mit den Löschkandidaten. Ein Streit der auch heute noch anhält. Vielen Benutzern ist ein sieben Tage im Artikel befindlicher Löschantrag ein Dorn im Auge. Wurde früher der Löschantrag durch eine QS-Markierung ersetzt, sind es heute die Löschantragsentfernungen die für Aufregung sorgen.

Der Konflikt um die Babelbausteine entbrannte an der Tatsache, dass einige Accounts Babelbausteine bastelten und ihre Benutzerseite verzierten, anstatt Artikel zu schreiben. Dies ging soweit, dass versucht wurde entsprechende Kategorien und Seiten im Benutzernamensraum zu etablieren. Viele sahen darin einfach die Gefahr, dass die Wikipedia zu einem MySpace/Facebook-Equivalent mit angehängter Enzyklopädie wird. Ein ähnlicher Konflikt war der im letzten Jahr ausgebrochenen Signaturstreit. Einige Benutzer versuchten mit besonders ausgefallenen Signaturen (Zeichen, Bilder) etc. Aufmerksamkeit zu erregen. Gab es bis dahin denn weitgehend eingehalten Konsens die eigene Signatur schlicht zu gestalten. Erst der Signaturstreit führte letztendlich zu einem Meinungsbild und der Festschreibung dieser Regelungen.

Was natürlich besteht, ist eine mehr oder wenige große Abneigung seine bisherige Arbeitsweise etc. ständig in Frage zu stellen. Dies ist aber keine wikipediatypisches Problem, es trifft auf nahezu alle Bereiche des Lebens zu. Nach einer gewissen Zeit hat man sich soweit in einer Umgebung eingerichtet, dass die eigene Trägheit sich einer Veränderung entgegen stemmt. In dem man in der Wikipedia auf einen „Konsens“ verweist, macht man nichts anderes als den hergebrachten Beamtengrundsatz: „Das war schon immer so.“ mit Leben zu füllen.

Die Konflikte in der Wikipedia werden dadurch verschärft, dass man es nicht geschafft hat eine Diskussionskultur zu etablieren, die auf ad-personam-Argumente verzichtet. So werden heute vielfach Argumente eingesetzt, die eher den anderen Benutzer im Visier haben, als das Objekt des Konfliktes selber.

Gibt es einen Ausweg aus dieser Situation?

Dieser wäre nur möglich, wenn alle über ein paar Punkte einen Konsens erreichen:
  • dem Anderen geht es auch um die Verbesserung der Enzyklopädie
  • der Andere hat sich auch Gedanken über die Problematik gemacht
  • jeder ist sich bewusst, dass er nicht alles weiß und deshalb auch auf die Erfahrung der Anderen angewiesen ist
  • man muss nicht zu allem seine Meinung dazugeben, vor allem wenn einem eine Thematik nicht oder nur peripher berührt
  • Anerkennung von Mehrheiten

Ihr sagt: »Alles ist erlaubt!« Mag sein, aber nicht alles ist deshalb auch schon gut. Alles ist erlaubt, aber nicht alles fördert die Gemeinde. (1. Kor. 10,23)

Der Körper des Menschen ist einer und besteht doch aus vielen Teilen. Aber all die vielen Teile gehören zusammen und bilden einen unteilbaren Organismus. (1. Kor. 12,12)

Gruss aus dem Land der Fieberträume

Es ist schön hier, aber ein paar leichte Nebel lichten sich. Vage Konturen einer Realität zeichnen sich wieder ab.

Montag, 24. Januar 2011

Bahnfahrtkarte zu verschenken. Berlin -> Basel einzulösen bis 29.1.

Wer mag melde sich bei meinem gmail-account dirkingofranke.

Flugzeugmontag: "Und kurz vor unserer Ankunft servieren wir ihnen dann noch ein Frühstück."

Wer schon einmal auf einen Langstreckenflug über den Atlantik gebucht war, kennt das, was die Lufthansa als "Frühstück vor unserer Ankunft" bezeichnet. Und damit meine ich nicht das pappige Brötchen, dem man zumindest noch ansieht, dass es bessere Zeiten hinter sich hat. Getoasted könnte dieser schaumstoffballartige Teigzombie durchaus wieder ins Reich des Lebendigen zurückwanken. Nein, ich meine das, was bei der Lufthansa als "Ei mit Spinat" firmiert.

Hebt man die Aluminiumabdeckung von der Plastikschale, in der das "Ei mit Spinat" serviert wird, denkt man unwillkürlich an den Namen "Tricatel". <ref>Diejenigen unter uns, die nicht von Louis de Funès durch die Kindheit begleitet wurden, informieren sich jetzt bitte kurz in der Wikipedia unter dem Stichwort "Brust oder Keule". Die übrigen rufen sich jene Szene ins Gedächtnis, in der Funès und Coluche durch Tricatels Fabrik streifen und die Fertigungsprozesse unter die Lupe nehmen…</ref>

Das Ei mit Spinat, das einem da in schlichter Plastiknüchternheit präsentiert wird, hat mit einem am heimischen Herd zubereiteten Rührei auch gar nichts mehr gemein. Und selbst der strohige Spinat ist nur noch dem Namen nach mit jenem geschmackvollen Gemüse verwandt, das frisch zubereitet ein feiner Begleiter von Pute oder Fisch ist. Was da vor einem liegt, erscheint in seiner Farbigkeit und Konsistenz so denaturiert, dass ich schon mehrfach (erfolglos, für Hinweise bin ich dankbar) darüber nachgedacht habe, wie man das überhaupt so hinbekommt.

Der Geschmack steht der Konsistenz in nichts nach. Das Ei schmeckt künstlich-neutral und für den Spinat gilt das selbe. Schließt man die Augen und vergisst alles, was man zuvor gesehen hat, weiß man beim Kauen nicht, was genau man da im Mund hat. Gibt man etwas von dem mitgelieferten Salz hinzu, schmeckt man – nun ja – Salz. Mehr nicht.

Mein Vorschlag an die Lufthansa: erspart den Flugreisenden den Tricatel-Alptraum und lasst das "Ei mit Spinat" einfach weg. Das Brötchen allein ist so schlecht nicht und mitsamt dem Joghurt macht das schon eine ganz passables Mahlzeit. Wer klug ist, lässt das ohnehin alles aus und begibt sich nach der Ankunft in ein Café.

Sonntag, 23. Januar 2011

Wikimedia-Mitgliederversammlung vorbei

Erstmal nur eine Kurzversion:

Unstimmigkeiten wegen verschluderter ausgesendeter Anträge und anderer Komischkeiten im Vorfeld konnten nicht ausgeräumt werden, die Versammlung war aber auch wenig motiviert, sich gleich wieder aufzulösen, und hat sich trotzdem als formal korrekt bestätigt. Bei Abstimmungen über anderen Formalkleinkram (Protokoll, Tagesordnung) gingen die Voten eher zugunsten der Misstrauens-Einberufer auf.

Drei größere Abstimmungen: Misstrauensantrag gegen den Vorstand (Etwa im Verhältnis 3:1 abgelehnt, Satzungsentwurf Vorstand (knapp an 2/3-Mehrheit gescheitert), Satzungsentwurf Alternative (sehr deutlich gescheitert).

Diskussion insgesamt kontrovers und konstruktiv, deutlich besser als ich erwartet hätte. Wobei offensichtlich zwei verschiedenen Visionen der Vereinsentwicklung im Raume stehen: Modell DRK (hierarchische Organisation plus Mitgliederbespaßung) oder offen und transparent bis es schmerzt. Meine Haltung dürfte klar sein, so freies Wissen und so..

Für Vereinsmitglieder gibt es noch eine unlektorierte Langversion im Mitgliederforum: Mitglieder:Benutzer:Southpark/MV


Und zur Kenntnis:

Vorwurf und erste replik (kurz) und zweite Replik (länger). Wozu zu sagen ist, dass - bis auf den Anwalt - niemand aus der Zählkommission zum politisch engeren oder auch nur ferneren Freundeskreis von Vorstand/Geschäftsstelle zählt.

Nachtrag dazu: Antwort der Wahlkommission.

Samstag, 22. Januar 2011

Endurosamstag: Darummagichdaserzgebirge


Wenn Silverstone das "Home of british motorracing" ist, dann ist Sachsen die Heimat des deutschen Motorradsportes. Auf dem Sachsenring war und ist der Straßenrennsport zu Hause und in Zschopau der Endurosport. Zschopau beherbergte in den 20er Jahren das Motorradwerk mit der größten Jahresproduktion. Heute erinnern nur noch traurige Reste an die DKW- und MZ-Vergangenheit. Aber unabhängig davon ist die sportliche Tradition weiterhin lebendig. Fast ununterbrochen wird seit 1955 die Geländefahrt (neudeutsch: Enduro) "Rund um Zschopau" veranstaltet. Nach Aussage eines ehemaligen deutschen Meisters, die härteste Veranstaltung in Deutschland auf WM-Niveau.

Auf dem Nachttisch 2.0: Rights were not granted

Wer erinnert sich noch? Im Juni 2005 startete Wikipedia-Autor Southpark eine Seite mit dem Titel "Auf dem Nachttisch". Da konnten andere Wikipedianer reinschreiben, welche Bücher sie gerade lesen und bis heute erfreut sich die Seite offenbar einiger Beliebtheit (der letzte Eintrag ist vom 15. Januar 2011).

Nun liegt bei mir – seit ich nur mit zwei Koffern in den USA angekommen bin – kein Buch mehr auf dem Nachtschrank, sondern ein iPad. Das ist praktisch und seltsam leblos zugleich. Praktisch deshalb, weil ich alle meine Bücher mit auf Reisen nehmen kann und leblos, weil ich es schrecklich vermisse, an Regalen entlangzugehen, einzelne Bücher in die Hand zu nehmen und darin zu blättern (Wann hab ich das nochmal gekauft? Oh, da liegt ja noch eine Postkarte zwischen den Seiten…).

Kürzlich habe ich mir Julie Flavells Buch When London Was Capital of America auf mein iPad heruntergeladen. Flavell bereitet darin ein großartiges Panorama Londons in den 1760er und 1770er Jahren vor dem Leser aus und beschreibt sehr anschaulich die Alltagskultur der Amerikaner in der mit weitem Abstand größten Metropole Europas im 18. Jahrhundert. Getrübt wird das Lesevergnügen lediglich dadurch, dass durchgängig alle Bilder in der elektronischen Version des Buches fehlen. Stattdessen steht da: "Rights were not granted to include this illustration in electronic media. Please refer to print publication".



Da reibt man sich dann doch erstaunt die Augen, stammen doch ohne Ausnahme alle Abbildungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und sind damit ganz klar gemeinfrei. Ein Beispiel: die oben im Screenshot fehlende Abbildung stellt den dritten Herzog von Richmond bei der Jagd mit seinem Diener dar. Das Gemälde wurde von Johann Joseph Zoffany um 1765 angefertigt und befindet sich heute in der Paul Mellon Collection des Yale Centers for British Art.



Nun geht mir dieser Copyfraud (d.h. die Beanspruchung eines nicht existierenden Copyrights) ehrlichgesagt ziemlich gegen den Strich und ich frage mich, was man dagegen tun kann. Oder vielmehr: an wen muss ich mich denn da überhaupt wenden? An Amazon? An die Yale University Press, wo der Band von Flavell erschienen ist? An das Yale Center for British Arts? Hier lesen doch bestimmt ein paar unserer Fachleute aus der Wikipedia mit – wer kann mir weiterhelfen?

Freitag, 21. Januar 2011

Wohin denn nun mit dem Wikimedia-Geld

Problem:

Wikimedia Deutschland sitzt auf richtig viel Spendengeld. Keiner weiß so recht wohin damit, und die Meinungen über eine effiziente Ausgabe sind vorsichtig gesagt, kontrovers. Besonders wenig Geld geht dabei direkt in die Projekte zurück. Das liegt unter anderem daran, dass niemand weiß, wofür man da überhaupt sinnvoll Geld ausgeben kann.

Lösungsversuch:

Da machen wir doch mal was revolutionäres: wir fragen in die Runde und machen eine offene Ideensammlung:

Benutzer:Southpark/Millionen




Traktorfreitag: Wassertraktor

habe ich mittlerweile tatsächlich etwas mehr herausgefunden. Zuerst einmal gibt es doch noch ein freies Foto der Wasserlassung zu Staithes, praktischerweise war es auf meiner Festplatte:

Staithes lifeboattractor launch 14.09.2009 19-40-05

Ein paar Aufnahmen aus größerer Nähe gibt es auch noch. Aber zum Traktor selbst: der Talus MB-4H ist wie zu erwarten, tatsächlich eine Spezialkonstruktion für die britischen Seenotretter. Wasserdicht, vielseitig verwendbar, und im Falle eines Falles kann man ihn in der Flut stehen und überfluten lassen, und ihn dann bei Ebbe wieder bergen.

Preise kenne ich keine, ich vermute aber teuer, was schade ist, sonst könnte man mit diesem Traktor sicher tolle Sportarten erfinden.

Je nach Größe des Boots besitzt die RNLI aber noch diverse andere wassergängige Fahrzeuge. Für kleine Boote darf es auch mal ein LandRover sein, der nächstkleinere Talus funktioniert ähnlich wie der MB-4H beruht aber auf einem umgebauten Agrartrecker. Wenn's wirklich groß wird, kommen doch noch Raupenfahrzeuge zum Einsatz, der MB-H.

Ballbunion Sea and Cliff Rescue - Atlantic 21 Launch

Der Economist hingegen blickt in die ZUkunft, und entdeckt endlich mal wieder ein Gerät, das so futuristisch aussieht, wie ich mir die Zukunft vorstelle: Supacat L&RS.

Und natürlich habe ich doch noch ein Video gefunden. Wenn nicht aus Staithes, dann von anderswo:



Darummagichengland

British dinosaurs to eat 14.09.2009 22-49-13

Yum!

U.S. Regierung stellt 2 Mrd. für Open Educational Resources zur Verfügung

In einer gemeinsamen Presseerklärung haben das U.S. Department of Labor und das U.S. Department of Education heute angekündigt, dass die Regierung 2 Milliarden Dollar für Open Educational Resources zur Verfügung stellt. Alle von diesen Mitteln erstellten Lehr- und Lernmaterialien werden unter einer freien Lizenz stehen. Cathy Casserly, frischgebackene neue Geschäftsführerin von Creative Commons spricht von einem "historic step forward for open education".

Donnerstag, 20. Januar 2011

Journalismus auf österreichisch



Club 2 Spezial zum 100. Geburtstag Bruno Kreiskys, ein Gast ist Anneliese Rohrer, deren beruflicher Werdegang von Rudolf Nagiller vorgetragen wird - unter lautem Protest von Rohrer und Gustav Peichl, die die Aussage "seit damals beim Kurier" monieren.

Reaktion von Nagiller?
"Dann müssen's Wikipedia korrigieren."

Darummagichdithmarschen (IIIb)



In Wirklichkeit eine geniale Vermarktungsstrategie für Kohl, der unter praktisch jedem Namen angeboten wird:

Dithmarscher frischer Spargel

If in doubt

If in doubt, assume the reader knows nothing. However, never make the mistake of assuming that the reader is stupid. The classic error in journalism is to overestimate what the reader knows and underestimate the reader’s intelligence.


(Guardian: A manifesto for the simple scribe via dirk von gehlen)

Mittwoch, 19. Januar 2011

Offene Tabs wegbloggen 20110119

Um mal was überraschendes zu machen. Ein Bild-Link: und das nicht mal um zu kritisieren, sondern um auf die Infos hinzuweisen. Ein paar Vertragsdetails zu den Realitysendungen. Die geheimen TV-Verträge.

Boris Johnson: ''We are not just writing columns, we are writing wiki-columns, and if we sometimes get beaten up, we also have the satisfaction of gaining the odd grunt of agreement.''

Die Neuschwanstein-Souvenir-Industrie und das Markentrecht. IPKat: Neuschwanstein Castle trade mark dispute

In einer ernsteren Angelegenheit. Ob sie es lernen werden? European Commission Plans for All-Out War Against Sharing

Fotograf regt sich auf, dass die Öffentlichkeit seine fürchterlichen Fotos sehen kann. Chrysler 200 Convertible photographer miffed at leak, goes on Facebook rant

In Berlin geben sich die Neonazis Mühe wirklich jedem Klischee zu entsprechen. Tagesspiegel: Er beleidigte die Polizeibeamte und wurde im Streifenwagen abtransportiert, wo er sofort einschlief und "den ganzen Wagen vollpinkelte".

Die Urheberrechtsdebatte kommt nach Österreich und scheint ähnlich zu verlaufen wie in Deutschland: Die Grundsatzerklärung der Urheber – eine Bankrotterklärung? Denn die Verfasser der „Grundsatzerklärung“ lassen nicht erkennen, dass sie gewillt sind, die Veränderungen, die mit dem Internet als Kommunikations- und Publikationssraum einhergehen, den strukturellen Wandel der Anforderungen und Erwartungen an die Verbreitung und Nutzung von (digitalen) kreativen Werken, und die fortschreitende Aufhebung des Unterschieds zwischen „Urheber“ und „Konsument“ im Netz anzuerkennen – oder, dass sie überhaupt fähig sind, das, was vor sich geht, verstehend wahrzunehmen.

Irgendwie finde ich die Leute ja niedlich, die meinen eine Welt ohne Kopierschutz oder mit freien Kopien wäre weniger kapitaliatistisch. Zur politischen Ökonomie von Kopie und Kopierschutz.

Spannende Entwicklung: experimentelle Urheberrechtsforschung. Hier am Beispiel des duetschen Bestsellerparagrafen. IP Law and the New Experimental Empiricism

Super! Kinder demütigen!

Leider kein Video. Dank GEMA kann ich "Basejumper, die von Windrädern springen" nicht ansehen.

Wikipedia verlinkt, Jubiläumsausgabe

Elendiger Schafsherdenjournalismus. Nur weil Zahlenmumpitz in dieser Welt verbreitet ist, können Medien über ein dauer-Thema nur noch im Rudel oder gar nicht berichten. Neben dem erwartbaren Jubelarienkrempel, der langsam ein semimythisches Geschichtsbild verfestigt, war auch die Zahl wirklich guter und recherchierter Artikel rund um das Wikipedia-Jubiläum erstaunlich. Schade nur, dass es in der Menge fast unmöglich ist, sie ernstlich wahrzunhmen. Das hier wird also auch eher eine willkürliche Auswahl. Sie ergänzt die Liste von Madame Poupou.

Zwei sehr spannende Texte haben sich gar nicht mit der Wikipedia direkt;

Björn Hoffmann, ehemals Brockhaus online, über den Brockhaus in diesen Jahren Mein persönliches Highlight aller Artikel über 10-Jahre war das lange Interview mit Edgar Enyedy. Der hatte sich 2002 mit der Encyclopedia libre geforkt, und gibt eine ganze andere Sichtweise auf die Frühzeit der Wikipedia als sonst gängig ist: ‘Good luck with your WikiPAIDia’: Reflections on the 2002 Fork of the Spanish Wikipedia


Die Wikipedianer lagern unter Dauerbelagerung, es war eher schwer, nicht interviewed zu werden. Selbst meine überraschende Ortsverlagerung gen Dithmarschen hat mich nicht ganz davor bewahrt. Eines der bessere Beispiele von "frag den Wikipedianer" hat die Berliner Zeitung.

Nicht direkt mit Jubiläumsbezug, aber doch eindrucksvoll: ''Wiggins told us that within days, his team will have completed the translation of 3.5 million Wikipedia articles into Thai''

Ein netter, kleiner Post von Sue Gardner: ''A reporter told me the other day that mocking Wikipedia is “so 2007.” LOL''. Und auch ein Deutschland scheint Wikipedia vielleicht dahin zu kommen, dass sie nicht nur alle benutzen, sondern dass sie es soagr ab und an zugeben. Die Zeit: Vorsichtige Annäherung.

Und einen Glückwunsch kann ich bei der Gelegenheit doch noch verlinken: Timothy Garton Ash gratuliert, in Deutschland übernimmt die Rolle zum beispiel Ulrich Greiner. Der Atlantic hat dann einfach mal die üblichen Verdächtigen befragt.

Dasm Blog der Frankfurter Rundschau macht in Meta und berichtet über Reaktionen zu ihren Wikipedia-Features.

Politico hat einen eher so mittellangweiligen Artikel, aber mit schönem Zitat: ''It’s the 800-pound gorilla that flies''

Nando Stöcklin sammelt deutschschweizer Medien.

Dienstag, 18. Januar 2011

Und eh, Lateinunterricht

Erstmal eine Korrektur; meine Lateinklasse hatte gar nicht 19 Jungs und 3 Mädchen; das Verhältnis war zwar klar jungsdominiert, aber eher in Richtung 15 zu 9. Das mit 22:3 war die Französischklasse, und die 22 waren Mädchen.

Aber Erinnerungen: das Einzige, woran ich mich bei meinem späteren Lateinlehrer erinnere: einige Jahre nachdem ich seinen Unterricht verlassen hatte: umständliche, schmerzhafte und wenig erbauliche Streiktigkeiten, ob Bemerkungen, die er zu seinen aktuellen Schülern im Unterricht gemacht hat, nun anzüglich gewesen sein können, oder nicht. Und - noch während ich bei ihm Unterricht hatte - ein langer, seltsamer Monolog über das reinigen und reparieren von elektrischen Rasierern, insbesondere seine Meinungsverschiedenheit mit dem Elektrorasierereinigungsreparier-mensch.

Darummagichdithmarschen (IIIa)

Frischeerdbeeren

2005. Dithmarscher und frische Erdbeeren. Ein problematisches Verhältnis.

Darummagichdithmarschen (III)

Vanillepudding erdkirschen 12.01.2011 18-05-48

Hat aber gut geschmeckt.

Montag, 17. Januar 2011

Europäische Institutionen. Noch langsamer als Sie denken.

Selbst eine EU-Kommissarin für digitale Agenda braucht fast ein Jahr, um sich wenigstens Firefox und halbwegs ein Wlan installieren zu lassen. Und die weiß im Normalfall wenigstens, was sie will und was es gibt.

Früher war alles besser


Die Österreichische Nationalbibliothek bietet mit ANNO - AustriaN Newspapers Online eine wunderbare Fundgrube für Zeitungen und Zeitschriften von 1716 bis 1940. Das Spektrum reicht von "Die Waffen nieder!" über "Die Bombe" bis hin zur "Wiener Zeitung" und vielen weiteren Tageszeitungen, Frauen-, Automobil- und Fachzeitschriften.

Da ich überwiegende Eisenbahnartikel in der Wikipedia bearbeite, ist da vor allem die Zeitschrift "Die Lokomotive" für mich interessant. Als Anfang des Jahres der Jahrgang 1940 hochgeladen wurde, habe ich mal kursorisch geschaut, welche Themen so dabei sind. Dabei stieß ich auf eine Tabelle über die Fahrzeiten der Reichsbahn im Jahr 1939. So etwas schrie geradezu nach einem Vergleich mit heutigen Zeiten.

Also greifen wir einmal wahllos etwas heraus.

Hamm-Hannover konnte man damals mit einem der fliegenden Züge in 1:19 zurücklegen. Heute braucht ein ICE 1:17 h. Von Bremen nach Hannover fuhr man früher 1:03 h und heute 1:12 h. Von Berlin nach Leipzig brauchte der Zug 1:18 h, heute 1:15 h. Freiburg-Baden-Baden 51 Minuten zu 43 Minuten im ICE.
SVT 137 Bauart Hamburg
Der dampflokgetriebene Henschel-Wegmann-Zug fuhr 1939 in 1:42 h von Dresden-Neustadt zum Anhalter Bahnhof. Heute braucht der ICE bis zum Südkreuz 2:56 h 2:09 h.

Und in der Trains vom Juni 1972 stehen auch einige Fahrzeiten von Reise- und Güterzügen weltweit. So fuhr 1971 der "Tolle Bomberg" von Köln nach Hamburg in 3:52 h. Heute braucht der schnellste Zug (ein IC) 3:59 h. Der Zug "Johann Strauß" benötigte im gleichen Jahr von Frankfurt nach Wien 7:37 Minuten. Heute ist der ICE mit 7:05 h auf dieser Distanz nur unwesentlich schneller.
Parallelfahrt NIM
Daran sieht man, dass sich an der Verbesserung des Netzes seit fast 70 Jahren nichts grundsätzliches geändert hat und auch ein ICE heute auf normalen Strecken nicht viel schneller ist als die Fliegenden Züge der Reichsbahn-Zeit. Wirkliche Zeitersparnis bringen die Schnellfahrstrecken. Das sieht man ganz deutlich auf der Relation Nürnberg-München wo man 1939 1:51 h benötigte und heute mit 1:02 h fast nur die Hälfte der Zeit.

Aus was für Elternhäusern kommen Wikipedianer so?


Kurzumfrage auf dem Hamburger Wikipedia-Stammtisch letzten Samstag: "Wer hatte in der Schule Latein?" Von den sieben Leuten in der Runde hatten es sechs, der siebte ist real sozialistisch schulgebildet, hätte es damals aber gern gehabt.

Wobei das Ergebnis in seiner Grundtendenz nicht so sehr verwundert. Andererseits: auch in meiner Lateinklasse waren damals 19 Jungs und 3 Mädchen, vielleicht stöbere ich gerade die Erklärung für den Gender-Bias auf.

Was natürlich sehr verwundert ist, dass ein Großteil der Wikipedianer bis heute nicht merkt, wie sehr sie all ihre herkunftsbedingten Vorurteile und Prägungen als neutral ansetzen, und felsenfest der Meinung sind, ihre spezifische Weltsicht als deutscher Bildungsbürger böte ein objektives Bild der Welt.

Ansonsten: es war zwar reiner Zufall, dass wir das Wochenende in Hamburg und nicht Berlin waren, schien aber gewisse Vorteile gehabt zu haben. Urprungsgefühle - immerhin war ich auch beim allerersten Hamburger Wikipedia-Stammtisch anno 2004(?) anwesend. Überlässt man Wikipedianer die freie Ortswahl, landen sie natürlich selbst zum feiern auf einem Museumsgelände. Die Gespräche beim Hamburger Stammtisch waren durchgehend sehr nett, sowohl alte Bekannte als auch erstmal getroffene total super und sympathisch, trotz beengter Verhältnisse hat die Tischrotation auch gut geklappt und eigentlich war es in Hamburg mit den 40 Leuten in gemütlicher Einkehr wirklich schön. Wobei ich jetzt überlege, ob ich damals eigentlich Scharlach hatte.. mal Mama anrufen.

Neugierig auf die große Feier in Berlin wäre ich ja schon gewesen. Was ich im Nachhinein lese, klingt jetzt aber nicht so dolle.

Flugzeugmontag: Kein Wikipedia über den Wolken

Wer kennt es nicht, das fröhlich-lockende "Chicken or Pasta?" der Lufthansa-Stewardessen? Nun sind beide Optionen nicht besonders schmackhaft und ein elfstündiger Flug bei enggestellten Sitzreihen und alten Röhrenmonitoren mit Disney-Trickfilmen trägt nicht gerade zur Kundenbindung bei. Also hat sich das deutsche Luftfahrtunternehmen etwas Neues einfallen lassen, das denn auch kräftig beworben wird: Wi-Fi an Bord von Transatlantikflügen. Nun, hab ich mir gedacht, buche ich also mal wieder Lufthansa. Bei Air France ist das Essen besser, bei allen amerikanischen oder asiatischen Fluglinien der Service freundlicher, aber Wikipedias Unterhaltungsprogramm mit "Beobachungsliste" und "Löschkandidaten" könnten das für einen eingefleischten Wikipedianer locker kompensieren.

An Bord dann die grosse Enttäuschung: keine der von mir befragten Lufthansa-Angestellten wusste von Flügen, auf denen es Wi-Fi gibt. Eine hatte zumindest schonmal von der Werbung gehört, "aber keine Ahnung, ob das schon irgendwo installiert ist." Was bleibt, ist allein der Frust, das schlechte Essen und die schon wohlbekannte Enge des Sitzes.

Mein guter Rat, liebe Lufthansa: wenn ihr das nächste Mal etwas ausprobiert, dann bewerbt das nicht dick, sondern nennt es Machbarkeitsstudie. Ansonsten verliert ihr auch noch den letzten Rest an Sympathie, der mir nach "Eihm sorrie, bat wie dohnt häff Tschicken änniemoar" übriggeblieben ist.

Freitag, 14. Januar 2011

Traktorfreitag: Panta rhei

Staithes UK - village and harbor

Lasst uns über einen Wassertraktor reden. Oder um genauer zu sein, über die M3 Submersible Tractor Unit.

Aber um zu erklären, was es mit dieser Unit auf sich hat, muss ich etwas weiter ausholen. Es war Sommer, und wir wollten nach Boulby. Ein viel zu unbekanntes Örtlein an der Küste North Yorkshires, das gleich zwei spektakuläre Sehenswürdigkeiten aufweist, die anscheinend niemand interessieren: das höchste Kliffe der englischen Nordseeküste ~200m und man kann sich etwas darauf einbilden, gerade 1,5 Kilometer über eigentümlichen Wissenschaftlern zu laufen, die gerade die Geheimnisse der dunklen Materie entdecken.

Unter Boulby ist Europas zweittiefste Mine und in dieser wiederum ist ein Teil abgetrennt, der den Astrophysikern dazu dient, eben das zu machen, was Astrophysiker so machen. Von oben sieht man davon übrigens nichts.

Um aber wieder von dunkler Materie weg, und zum Wassertraktor hinzukommen. Boulby liegt neben Staithes. Staithes wiederum ist ein etwas größerer Ort, der umgeben von 50-Meter-Kliffs rechts und links in einer Flussmündung liegt. Sehr sehr pittoresk und eindrucksvoll, aber oh boy, was stinkt dieser Ort nach Fisch. Luftaustausch ist da eher nicht.

Die Einwohnerschaft Staithens nun wieder besteht gefühlt zur Hälfte aus der Besatzung des Lifeboats. Und während wir nach der Erkundung von Boulby versuchten unter all den Kliffs unser Auto wiederzufinden, gerieten wir in den Hafen von Staithes. Wo eben jenes Lifeboat zu Wasser fuhr. Auf dem Hänger eines Traktors fuhr es schwungvoll vom Häuslein in das eingeebbte Hafenbecken.

Nicht schlecht, immerhin ist so ein Traktor mit breiten Reifen auf Schlick durchaus eine gute Idee. Allerdings fuhr der Traktor immer weiter. Bis das Wasser zu den Rädern schwappte, bis es zur Kabine schwappte, und darüber hinaus. Und er fuhr. Schließlich hatte das Boot sicher genug Wasser unter dem Kiel und brauste davon. Der Traktor, nun gemächlicher, fuhr zurück. Ich war fast bass erstaunt. Traktoren trau ich ja alles zu, aber sowas? Und warum hat die DGzRS sowas nicht? Naja, vielleicht weil England ein Volk von Seefahrern ist und Deutschland eines von Kommekorrektoren oder so. Ein traktoristisches Erlebnis. Vielleicht finde ich auch heraus, wie es funktionierte.

Eine kurze Bilderserie: A real launch of the Staithes Inshore Lifeboat

Leider gibt es aus Staithes kein Video, aber es funktioniert so ähnlich. Nur ist Traktor cooler als eine Raupe, deutlich schneller und schwungvoller und der Traktor wäre an dieser Stelle noch 15 Meter weiter ins Meer gefahren. Was Vorteile gehabt hätte:




Der Kasimir kommt


In meiner Kindheit vor über einem Vierteljahrhundert (man bin ich alt) waren die Traktoren ZT 300 aus Schönebeck und Belarus aus Minsk ein alltäglicher Anblick und Bestandteil der dörflichen Geräuschkulissen. Manchmal mischte sich nur das Geräusch eines Pioniers darunter.
MTS 52Roßthal 2010 Schulfest 04

Dieses Idyll wurde gestört, als ein großes gelbes Monster aus russischer Produktion auftauchte. Der K-700, auch Kasi oder Kasimir genannt, war so breit wie die Dorfstraße und den Turbolader hörte man schon von weitem pfeifen.

Für uns als Jungs war es schon was besonderes wenn diese riesige Maschine durchs Dorf fuhr.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Gastblogger – was nun?

Liebe Iberty-Leser,

als Southpark mich vor ein paar Tagen fragte, ob ich hier als Gastblogger auftreten würde, war ich erstmal ratlos. Ob ich die vier Wochen wohl mit Inhalten bestreiten kann? So allzu viel passiert ja in meinem Leben nicht. Soll ich etwa davon erzählen, wie ich diesen Sommer angefangen habe, Chili-Schoten vor meinem Haus in Santa Rosa anzubauen? Oder etwa, wie das Leben in den Vereinigten Staaten so aussieht? Oder was es bei der Foundation Neues gibt? Insbesondere der "Treckerfreitag" bereitet mir schlaflose Nächte. Und Schafe hab ich hier auch noch nicht gesehn.

Na, "kollaborativ" ist hier wohl das Stichwort. Also, bitte beteiligt euch an der kurzen Umfrage und sagt mir, was euch interessiert (mehrere Antworten möglich):


Nächste Woche gehts los. Vielen Dank für euren Input.

Frank

Ha! Wir sind fünf!

Gastblogger! Überall Gastblogger! Noch mehr Gastblogger! Wir brauchen Gastblogger! Langsam schreiten die Expansionspläne voran. Ab nun hat Iberty zwei! Gastblogger gleichzeitig, wovon jeweils einer von Monatsanfang bis Ende mitbloggt, der andere jeweils vom 15. bis zum 15.

Nachdem Liesel jetzt voranstürmt und schon mehr gepostet hat als beispielsweise Tolanor, begleitet ihn in dieser Aufgabe ab 15. Januar auch noch Frank Schulenburg. Frank Schulenburg ist auch seit ungefähr dem Frühmittelalter Wikipedianer, ehemals Wikimedia-Vorstand, organsierte Academies, ist nun bei der Wikimedia Foundation in San Francisco für Öffentlichkeitsbespaßung zuständig oder so. Ich nehme an, er wird es noch genauer erklären. Vor allem aber schreibt er Artikel über die Ökonomie der Frühen Neuzeit und trägt die schönsten rosa Herrenhemden westlich der Walachei.

Nicht aber auf dem Foto hier, das wäre ja langweilig:

2010-07-11-gdansk-by-RaBoe-135


Ultreïa



Wer es vielleicht schon gesehen hat, auf meiner Wikipedia-Benutzerseite steht "Ultreïa". Was hat es damit auf sich?

2003 bin ich zu Fuß auf dem Jakobsweg rund 800 Kilometer von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela gelaufen. Solch eine Wanderung ist ja nicht gerade einfach. So sind etliche Gebirge zu überwinden und die Hochfläche der Meseta kann im Sommer auch anstrengend sein. Um sich anzuspornen, hat sich unter den Pilgern der Ruf "Ultreïa" (weiter, voran) etabliert.
Meseta Sept2005
Und auch für die Arbeit in der Wikipedia passt das Motto. Der Weg ist noch weit und das Ziel ist noch lange nicht zu sehen. Es gibt Höhen und Tiefen , Höhepunkte an Tiefpunkten und endlos öde Strecken. Auch in diesem Falle ist es notwendig, sich immer mal wieder ein Ultreïa zuzurufen.

Ich habe nichts gegen Jubiläen. Einige meiner besten Freunde feiern sie.

Aber seien wir ehrlich: das Jubiläum an sich ist ein degenerierter Restbestand von zahlenmagischem Mumpitz aus dem Urschleim der Menschheit, der in einer aufgeklärten Welt eigentlich nichts zu suchen hat.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Yippieh! Gastblogger!

Nachdem die bisherige Geschichte der Iberty-Gastblogger ja eine einzige Erfolgsgeschichte ist (bei den regulars hingegen.., nicht, snotty?), wird es Zeit, nach der Adventspause wieder ein paar mehr Schreiber in diesem Blog zu lesen.

Der neue Gastblogger ist Liesel. Im Gegensatz zu machem Vorgänger ist er ein Speedblogger. Liesel ist mit seinem 500-Seiten-Posting zu den Wikimedia-Satzungen ist Tage früher fertig, als ich mit meiner 500-Zeichen-Vorstellung seiner Person.. Seines Zeichens ist Liesel aus dem Erzgebirge und hat ein eigenes Blog. Er ist Ex-Wikipedia-Admin, heute nur noch in sinnvollen Wikipedia-Bereichen aktiv, Mitglied in geschlossenen Gesellschaften, in der Lage Satzungen zu lesen und zu verstehen, und vor allem kennt er jeden Zug und jede Bahnstrecke nördlich des Nils. Ob er heimatbezogen Weihnachtsfiguren schnitzen kann, weiß ich nicht, aber vielleicht erfahren wir das noch. Dafür hörte ich, dass Traktoren an Liesels Wohnstätte vorbeifahren, was natürlich hier eine wichtige Schlüsselqualifikation ist. Liesel wird den Januar und, um den Monat voll zu machen, noch die ersten Tage des Februars bei uns sein.

Von mir angefragt ist, und prinzipiell schon zugesagt hat, Frank Schulenburg. Das könnte schon alles klar sein, ist aber an meiner unorganisierheit gescheitert. Eine ausführliche Vorstellung kommt, sobald die Details klar sind,

Wobei ich hier natürlich expandieren will: mehr! mehr! mehr! Die Anforderungen sind simpel aber tückisch: Ich muss den Blogger für persönlich integer halten, und für in der Lage, mich zu unterhalten und zu informieren.

Redet, schreibt oh redet doch! Beziehungsweise schreibt.

Nur ein kleiner Hinweis: hier gibt es super Leserinnen. Eine von ihnen ist lyzzy, die die Idee zu einem öffentlichen Kommentar-RSS-Feed bei Iberty hatte. Und Voila, nach einem kurzen aber intensiven Kampf gegen die Technik habe ich all meine Hacker-Skillz erschöpft -> links oben ist jetzt ein netter kleiner Kommentar-abonnieren-Knopf.

Dienstag, 11. Januar 2011

10 Jahre innovativer Tierschutz. Ungefähr eine Fabel.

Hm, da versuche ich vor einigen Tagen, mal ein paar Zahlen aus dem Ärmel zu kriegen, welches Wiki(p/m)edia-Geld sinnvollerweise wohin geht oder auch nicht, dann sorgt das schon für erregte Diskussionen in den Kommentaren.

Dabei ist das Geld-Posting, wie auch einige Andere, noch lautes Nachdenken. Irgendwas läuft sehr schief im Lande Wiki(p/m)edia. Und weil ich ja doch versuche mein Weltbild weitgehend frei von Superbösewichtern zu halten, scheint etwas so aus der Rolle zu laufen, ohne dass dies jemand will. Noch bin ich auf der Suche, was genau, aber auf jeden Fall scheine ich auf einen Nerv getreten.

Glaubt man den Kommentaren, scheinen besonders Gundula und Klaus Peter noch nicht ganz glücklich zu sein, und werfen mir vor Werd' mal konkret mit deiner Kritik und fabuliere nicht so viel rum.

Vielleicht gelingt es mir ja besser, mein Grundunbehagen deutlich zu machen, indem ich eine art Fabel erzähle:

Es war einmal ein neues Tierheim. In dem kümmerten sich viele Freiwillige um kleine und halb verhungerte Tiere. Sie versuchten dabei ganz neue Ansätze, spielten anders mit den Tieren, ließen jeden mitmachen und nahmen jedes Tier auf, das sie fanden. Weil aber das Tierheim nicht den behördlichen Vorgaben entsprach, gab es keinerlei Geld, sondern die Helfer mussten Gebäude selber errichten, die Tiere selber füttern, und wenn ein Tier zum Arzt musste, so fand sich immer jemand, der es aus eigener Tasche bezahlte.

Nun war aber dieses Tierheim sehr innovativ und gönnte Tieren bis dahin ungeahnten Freiraum und Beschäftigung. In erstaunlichem Tempo entwickelten sich die halbkranken und ausgehungerten Tiere zu prächtigen Exemplaren, spielten, kuschelten, und sprangen fröhlich herum. Allüberall über die Lande erregte es großes Aufsehen, die Leute strömten zu Scharen und wollten helfen.

So gab es einige engagierte Helfer aus dem Tierheim, die einen Verein zur Förderung innovativer Tierpflege gründeten. Dieser siedelte sich auf dem Gelände des Tierheims an, sein Büro regelte praktischerweise alle Belange des Heims, und alle Leute, die für das Heim spenden wollten, wurden an diesen Verein verwiesen. Das Büro betreute mal dieser und mal jeder, wer gerade Zeit hatte.

Nun gingen die Jahre ins Land. War das "Büro" ursprünglich ein Telefon in einer Ecke gewesen, so saß es nun in einem nagelneuen Anbau. Hatte anfangs mal dieser und mal jener das Telefon betreut, war nun die Tür abgeschlossen. Nur ab und zu drangen Gesprächsfetzen heraus. Immer wieder sah man Personen dort herumlaufen, die noch nie das Tierheim von innen gesehen haben. Gerüchteweise wären einige davon nicht mal in der Lage, einen Hund von einem Hamster zu unterscheiden.

Und während sich der Verein jedes Jahr, wenn es kalt war und fror, vor das Heim stellte, und mit Bildern trauriger Hunde Geld einsammelte, so weiß doch niemand genau wo dieses Geld bleibt. Während die Büros wachsen, und wachsen, und blinken, die Ausstattung immer erneuert wird und der Verein Gäste bewirtet, leeren sich im Heim langsam die Reihen. Im Tröpfchentempo verlassen die Tierpfleger die Hallen. Nur ab und zu kommt noch jemand dazu, mit Hunden oder Katzen zu spielen. Während aus dem Büro Gesprächsfetzen klingen wie "Projekt: Drachenfliegen für Terrier", fliegt mal wieder ein Helfer beim Tierarzt raus, weil er nicht mehr alle Rechnungen alleine zahlen kann. Die Ställe sind diesselben wie vor vielen Jahren, nur etwas verrotteter. Das Futter bleibt dasselbe, nur etwas fader. Und während das Heim so seinen Trott entlang geht, jedes Jahre in bißchen müder, jedes Jahr ein bißchen abgenutzter, lässt der Verein einen Bus quer über die Lande fahren, der die Wunder des innovativen Tierheims der Welt erklärt.

Und wenn sich einige zu Wundern beginnen, ob es denn nicht sinnvoller wäre, mehr Geld in Tierspielzeug und weniger in Busfahrassistenten zu investieren, kommt zur Antwort:

16 (oder mtwg. 17) Mitarbeiter in den Büros haben durchaus ihre Berechtigung - wobei wahrscheinlich nicht mal die Hälfte davon Vollzeitkräfte sind.
Bsp.: Erst mit die traurigen Hundefotos können (konnten) so viel Spenden eingenommen werden, womit wiederum ein Busfahrassistent bezahlt werden kann, der wiederum die mediale Aufmerksamkeit den innovativen Tierschutzgedanken sinnvoll lenken kann. Diese Aufmerksamkeit wird sich wahrscheinlich wieder durch verstärkte Anrufe & Mails bemerkbar machen, womit die Büroleitung wiederum ihre Berechtigung hat.


Im Heim versucht derweil eine Katze einem verfledderten Ballfragment wenigstens noch ein bißchen Spaß zu entlocken.