Sonntag, 17. Juli 2011

Open Knowledge Convention Berlin

Rosental Ost mit Hochobir und Petzen 13112007 21
Frei/offen/libre.

Etwas verspätet, wenn auch wichtig, mein Bericht zur Open Knowledge Convention 2011 in Berlin. Die Konferenz fand am Monatsübergang Juni/Juli in Berlin statt, wurde von der britischen Open Knowledge Foundation veranstaltet, und zu den Unterstützern gehörten Organisationen wie die Bundeszentrale, Wikimedia Deutschland oder Googles Co:llaboratory. Zweck der ganzen Aktion "is a wide-ranging conference that brings together individuals and organizations from across the open knowledge spectrum for two days of presentations, workshops and exchange of ideas"

Zum Ort: mit der Kalkscheune werde ich einfach nicht warm. Pro: ein wunderbarer Innenhof, bei dem die Gestalter es geschafft haben, den Vorteile von Draußen (frische Luft) und Drinnen (kein Regen) so gut zu kombinieren, dass man unter einer Art horizontaler Segeln trocken und doch luftig sitzen kann. Contra: die Räume. Entweder gibt es die Halle, die fast immer deutlich zu groß sind, oder winzige Veranstaltungsräumchen, die fast immer zu klein sind.

Positiv an der Kalkscheune immerhin, dass der Ort mir eine Radtour durch sämtliche Touristenschreckensorte Berlins erlaubt, und ich dann Leute beim Sightseeing sightsee'en kann. Aber kann mir irgendjemand erklären, warum Menschen freiwillig zum Checkpoint Chalie gehen?

Drumherum: Sehr übersichtliche Zahl an Ständen, aber mit Open Access, Wikimedia, FSF etc. natürlich tatsächlich das was ich suchte. Hohe dichte an interessanten Leute, und fast erfreulicher, sehr geringe Dichte an uninteressanten Leuten.

Programm:
Irgendwie hatte ich den Eindruck, die gesamte britische Regierung ist anwesend, und erläutert ihr offene-Daten-Programm. Okay, nur der Offene-Daten-Arm der britischen Regierung, aber der scheint größer. Dazu noch einiges anderes über Freie Software, eine Art Offene-Daten-Facebook, der Schock wenn Regierungsprogramme in den USA plötzlich massiv gekürzt werden, über Freie Inhalte zur gerechten Weltordnung und einiges anderes mehr.

Programm detailliert:

Featureless und Anti-Featureless:
Mein persönliches Highlight war Benjamin Mako Hills When Free Software Isn’t Better, der spannend genug war, um einen eigenen Blogpost zu bekommen. Dito der Vortrag zu Wikipedia & Research. Der stellte im wesentlichen das Research Committee vor, was auch noch dringend einen ganz eigenen Iberty-Beitrag benötigt. Aber falls jemand Ahnunghabendes mitliest: in meinen Notizen findet sich "2100 Papers, 38 Doctoral Thesis" on Wikipedia in einem Jahr. Im Vergleich zu allen Zahlen, die ich jetzt online finde, scheint mir das sehr viel. Habe ich da was falsch notiert? Stimmen die Online-Zahlen nicht?

Ewe and lamb in Kent
Freie Inhalte vermehren sich.

Die britische Regierungsoffensive: (Data All the Way Down), Keynote: Open data as business model, Implementing an Open Data programme within government)

Die erzählten größtenteils aus der Praxis, und wie es ist, einer ausgewachsenen Bürokratie die Veröffentlichung von Daten schmackhaft zu machen. Denn auch wenn the UK vergleichsweise weit ist, wsa die Veröffentlichung von Daten angeht, geht das weder ohne technische Probleme, noch ohne interne Widersprüche. Mühselig müssen einzelne Behörden davon überzeugt werden "ihre" Daten zu veröffentlichen, mühsam müssen sie dazu gebracht werden, dass das Vorteile bringen könnte. Teilweise zitierten sie Körbe, die sie gekriegt haben aus Gründen wie "wir wissen, dass die Daten falsch sind, haben aber keine bessere", "wir wissen, dass die Daten falsch sind, und die Leute würden es merken", "wir wissen, dass die Daten falsch sind, Leute würden richtige Daten schicken und wir müssten dann Ressorucen aufwenden, um sie zu verbessern." Wichtige Lehre: auch Behärden sind nur Menschen, wenn eine Abetilung erfolgreich mitmacht, wollen die anderen sofort auch. Wichtige Merksätze "Compromise on Data, not on license" - also lieber weniger unter wirklich offener Lizenz, und das immer stets beherzenswerte "Do something."

Technisch kam dann noch der Vorschlag mehrere Schichten zu schaffen: angefangen von der grafischen Oberfläche (die auch auswählender und damit verständlicher sein darf als offizielle Datensammlungen so normalerweise sind) über APIs, die Möglichkeit zu Datenbankqueries und schließlich Daten raw.

SchafherdeInKoeln
Freie Inhalte verbreiten sich an vorher ungeahnten Stellen.

Daten-Evangelist:Open Data at the World Bank: What we learned in a year and what’s next war recht interessant, aber nicht so wirklich publikumadäquat. Weder musste dem Publikum erklärt werden was Open Data ist, noch warum es sinnvoll ist. Gerade im Vergleich mit den Briten war das eine glattpolierte Erfolgspräsentation.

Freie Gesellschaft: Angewandte Weltverbesserung: (Understanding Commons and Peer Production und The Emergence of Benefit-driven Production) war sehr spannend aber overkill. In jeder Hinsicht. Sehr viel Anspruch, sehr viel Theorie, sehr viel Zeit. Angefangen mit einer grundlegenden Erklärung zu Allmende, Konkurrenz- und Nichtkonkurrenzgütern und verschiedenen ökonomischen Ideen dazu, bis hin zum Entwurf einer freien Gesellschaft in der Allmende, in der niemand arbeiten muss. Positiv: in den Vorträgen waren genug spannende Gedanken, um einen tagelang beschäftigt zu halten. Negativ: in der Darstellungsform war es ziemlich erschlagend, und ich bin dann auch irgendwann gegangen, weil ich mich darauf verlassen hatten, dass sie um 1900 enden + ich dann noch eine Verabredung wahrnehmen kann.

Data-dancing: Eher eigentümlich war BuzzData: a social data hub. BuzzData ist ein Start-Up, der eine Art Social-Network für OpenData machen will. Also Daten bereitstellen und daneben die üblichen Kommentar-, Share- sonstwie-Funktionen. Gewinnt sicher den Preis für den buntesten und Meme-lastisgten Vortrag, ließ mich aber eher ratlos zurück. Was eventuell daran lag, dass er etwa die Hälfte der Zeit darauf verwendete, zu erläutern, warum Data-Mining doch lieber Data-Dancing heißen sollte.

Who uses the Data? Und dann manchmal eigentümlich, manchmal dringend notwendig war Michael Gursteins: Empowering communities with information and communications technologies Der hat die nicht ganz unwichtige Frage gestellt: wer profitiert von den Daten und wem nützen sie? Denn so nett das alles klingt, wer keinen Internetanschluss hat, und wem die Bildung fehlt, komplexere Daten zu verstehen, dem hilft das wenig. Auch die gern vorgezeigten Beispiele, wo arme Ghettobewohner in den USA dank Open Data erfolgreich klagten, funktionierten vor allem deshalb, weil sie sowohl Gesundheitsforscher als auch Harvard-Anwälte an ihrer Seite haben. Was dann die Frage stellt, inwieweit wirklich die offenen Daten ihnen halfen, und inwieweit nicht Harcard-Anwälte an sich eine deutliche Chance bieten, Prozesse zu gewinnen. Gurstein: wenn ich einen Satz mitgeben soll, fragt Euch "Who are the Users?".

Playing Lambs 01
Auf zur nächsten OKCon.

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