Donnerstag, 30. Juni 2011

Spricht hier zufällig jemand neuhebräisch?

Ich könnte ein bißchen Hilfe brauchen.

Jimmy, schau mal nach ob die Russen schon da sind.

Stellen wir uns mal dumm, und glauben, dass Dmitri Anatoljewitsch Medwedews Begeisterung für freie Inhalte tatsächlich daher stammt, dass er als einziger Spitzenpolitiker weltweit Urheberrechte verstanden hat - so komplett irrsinnig wie die politische Urheberrechtsdebatte verläuft ist selbst das immerhin nicht auszuschließen. Dann können wir uns einfach freuen, dass die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti Teiles ihres Archivs freigibt.

Wer weiß, welch großen Fortschritt die Wikipedia-Bebilderung durch die Bundesarchiv-Bilder genommen hat, wird sich über die Sicherung vom Erbe der Menschheit freuen. Auch wenn es diesmal nur 800 Bilder sind, die das Archiv bis Ende des Jahres in Freiheit versetzt, sollen es immerhin die populärsten und nachgefragtesten sein.

Hier ist die Bildübersicht:

Hier ein paar Beispiele:

RIAN archive 543 A battalion commander

RIAN archive 5634 Antiaircrafters guarding the sky of Leningrad

RIAN archive 225 IL-2 attacking

RIAN archive 611206 Soldiers of mopping up anti-tank battalion

Soweit ich sehe, alles Aufnahmen aus dem Großen Vaterländischen Krieg. Also quasi das direkte Aufeinanderreffen mit Bundesarchiv-Bildern. Noch mal zum Abschluss das zivilste aller von mir gefundenen Bilder:

RIAN archive 137811 Children during air raid


Und hier nochmal der Link auf den Hinweis: Auch bei dieser institutionellen Bilderspende ist deine Hilfe dringend notwendig!
* füge (sinnvolle) Kategorien hinzu
* übersetze die Bildbeschreibung ins Deutsche (aus dem Englischen oder Russischen)
* füge Geo-Koordinaten hinzu
* baue die Bilder in die Wikipedia bzw. ihre Schwesterprojekte ein







Hach, die Stabi und ich auf einer Wellenlänge :-)

Jetzt bleibt noch die Hoffnung, dass der Geschäftsgang schnell geht.

Sehr geehrter Herr Franke,

der von Ihnen zur Anschaffung vorgeschlagene Titel ist bereits in unserem Bestand (Signatur: 1 A 803880), befindet sich derzeit aber noch im Geschäftsgang.

Mit freundlichen Grüßen
Cordula Gumbrecht

Dr. Cordula Gumbrecht
Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -

Chinas creative industries.



An der S-Bahn dachte ich ja noch, es kommen nur kleine Mädchen #fußball-wm

Ich bin ja ein eher simples Gemüt, und meine Ansprüche sind simpel. Was Fußball im Stadion angeht, erwarte ich eigentlich nur zwei Sachen: links hinter mir den verkannten Cheftrainer, der sich das Spiel über zwischen "Mann, mann, mann, Abgeben!" und "Lauf doch Du faule Sau" bewegt, und auf dem Spielfeld, das Umtreten fremder Menschen.

So gesehen, war das WM-Auftaktspiel Deutschland-Kanada ein voller Erfolg. Der Hintergrundkommentar setzte schon vor Anpfiff an, das erste grobe umrennen ließ auch keine zwei Minuten auf sich warten. Doch ansonsten war es ein spannender Nachmittag: Lustig, irgendwie so ähnlich wie ein Hertha-Spiel im Oly, aber dann doch ganz anders.

Für den Anfang: der verhinderte Trainer hinter mir war diesmal eine Frau, wie auch sonst viele andere Besucher in meiner Ecke. Viele Pärchen, viele Frauengruppen, fast keine Männergruppen. Das habe ich so bei einem Fußballspiel noch nicht erlebt. Wie ich auch den Eindruck hatte, dass ein größerer Teil der Besucher noch nie ein Fußballspiel erlebt hatte. Studienrätinnen für Deutschland!

Berliner Olympiastadion day

Noch weiter am Anfang: ich bin seit Jahren nicht mehr durch so eine entspannte Sicherheitskontrolle am Stadioneingang gekommen, wie auch die Stimmung sonst deutlich entspannter war als sonst so in den großen Stadien. Die Leute im Stadion freudig erregt, begeistert mitgehend, aber doch auch deutlich weniger geübt was Gesänge oder ähnliches anging. La Ola hat hingegen gut geklappt, und die Ehrentribüne musste sich Pfiffe gefallen lassen beim Sitzenbleiben.

Das Spiel selbst haben genug Andere schon beschrieben: größtenteils unterhaltsam, fast immer gut, und genug Frauen sind gefoult worden. Für meine Anprüche mehr als ausreichend. Das Olympiastadion ist ja meines Erachtens ein schönes Stadion, und gerade in der Abendstimmung auch ganz ohne Fußball einfach ein netter Ort, um sich aufzuhalten.

Und zum Ende: auch Brasilianerinnen haben die Musik nicht unbedingt im Blut. 20 Minuten in der U-Bahn mit der grandios falsch wie laut singenden Gruppe der brasilianischen Fan-Mädchen, war doch auf seine Art ein ganz eigener Abschluss.

Nein, kein verzaubertes Fest, keine grandiose Hochstimmung. Aber doch ein sehr angenehmer Abend, der anscheinend eine ganze Mengen Leuten Fußball allgemein und/oder Frauenfußball vermittelt hat.

Und wer ähnliches nochmal in anderen Worten lesen will, den schicke ich doch mal zu Union Berlin. Textilvergehen, auch mit lesenswerten Kommentaren: Fahrgäste und Fußballfans.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Zur Nacht: der Guttenplag-Song .-)



by: Nina Paley (Hintergrund)

Achduje, #wikicon

BotCon2006 Costumes

So, nachdem ich ja plötzlich bei der Wikimania auf dem Podium sitzem werde, mache ich die Runde jetzt gleich komplett. Auch bei Wikicon in Nürnberg (9.-11. September) habe ich gerade zwei Veranstaltungen eingereicht.

Eine ist der Chiara-Vortrag auf deutsch für Deutsch, das andere beschäftigt sich mit der Frage "Was ist ein Wiki-Autor?"

Und falls jemand ein griffiges Thema einfällt, mache ich gerne auch noch was zu Urheberrechten.


Manypedia, das ist ja schick.

Wer ein bißchen Zeit hat, kann ja rumspielen. Wer mehr Zeit hat, kann mir erklären, was/wo/wie das herkommt. Vergleich verschiedener Wikipedien:

Manypedia.


Anders Wikipedieren

Spannende Gedankenspiele nebenan bei Tom Morris: Working out where Wikimedia needs more crowds

Morris berichtet über Gedankenspiele, bestimmte Wikipedia-Aufgaben besser für Leute mit wenig Zeit/wenig Aufmerksamkeit zu gestalten. Sein Beispielvorschlag: Unbeschriebene Bilder-beschreiben. Mir fielen da noch eine Menge mehr ein: vom Artikelsichten über hin- und herkategorisieren, Links fixen, etc.

Während Wikipedia und das Wiki an sich wirklich gut ist, um Aufgaben zu erledigen, die hohe Aufmerksamkeit und Zeiteinsatz bedingen, sind die ganzen Kleinarbeiten eher lästig. Für den Macher umständlich, für jeden, der per Wiki-Software mitschauen muss, eine elendige Zumutung. Die ganzen Tasks auszulagern, und weniger umständlich zu machen, wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung:

Wikipedia does a great job providing work for high-intensity committed users: there’s a lot more featured articles to write. But there is so much to do that is low-intensity, low-commitment and highly modularised. If the whole community has a think about it, they can undoubtedly come up with tasks that can be done on mobile phones. The specification is clear: set a task that takes no more than three minutes, requires no more than 140 characters of text input and can be done without reading more than one mobile phone screenful of text.


Dienstag, 28. Juni 2011

Horrio Horizobu

Juhu, endlich mal wieder eine neue Suchmaschine. Horizobu hat zuerst einmal einen unaussprachlichen Namen. Darüberhinaus kommt es aus der Schweiz, richtet sich seiner Pressearbeit nach "vor allem an Personen, die zu einem Thema eine vertiefende Recherche durchführen wollen", und bietet diverse lustige Web 2.0-Spielerein. Aber bevor ich Sachen share und kollaboriere und ähnliches, will ich doch erstmal wissen, kann ich suchen?

Nehmen wir drei Anfragen, die aus dem realen Leben stammen, und die ich mir in den letzten Fragen gestellt habe:

* Wann fängt das Crellestraßenfest an? (query: Crellestraßenfest 2011)
* Was sagt die Sekundärliteratur zu Foucault und Recht? (query: Foucault and Law)
* Gibt es Computerspiele zum Tractorpulling? (query: Tractorpulling games)

Einfacher Test: einmal google suchen, einmal horizobuen. Wobei ich bei Google eine Standardeinstellung von 100 Ergebnissen/Seite habe, und auch oft bis zu Seite 7 oder 8 komme, also einfach deutlich mehr Ergebnisse zur Kenntnis nehme als der statistische Standarduser.

Crellestraßenfest:

Google, Treffer 5 -> Kulturkalender Schöneberg, leider kein Crellestraßenfest. Mit der Abfrage kein Treffer, Such-Modifikation Crellestraße Fest 2011. Weiter erfolglos, nächste Modifikation crellestraße fest "25. Juni", hurra gleich der erste Treffer auf der ersten Seite.

Horizobu: Bringt mich zuerst zum Chor Choriosa, der demnächst einen Auftritt hat, leider nicht da, wo ich hinwill. Findet mit dem Suchbegriff weiter gar nichts. Crellestraße Fest 2011. Führt erstmal alles zum Fest von 14. Mai. Nutze die tolle offensichtliche Eingrenzungsmöglichkeit mit "26 Juni" siehe da.

Ergebnis: beide nehmen sich nicht viel, besser wäre es gewesen nach "Nachbarschaftsfest Crellesraße" zu suchen. Horizobu wirkte tatsächlich intuitiver.

Foucault and Law:


Google erkennt schon mal richtig, dass ich eigentlich zu scholar will, und bietet mir darüberhinaus Bücher an, daneben noch diverse Aufsätze, und die Wikipedia-Artikel zu Governmentality und Sociology of Law. Das ist schon alles recht gut.

Horizobu: weniger Bücher (und Verkaufsseiten), mehr Aufsätze. Dafür mit Problemen zweimal denselben Text zu erkennen, wenn er über Unterseiten oder ähnliches mehrfach auftaucht. Wieder knappes unentschieden. horizobu macht schon Lust, gerade hier bieten sich die diversen Knöpfe auch zum Spielen an.

Tractorpulling Games

Google: viel Junk, ein paar Browserspiele, zu denen man sich über Junk-Seiten und nicht-mehr-existierende Websites hinhangeln muss.

Horizobu: Unfortunately, we weren't able to retrieve good results. Please try with another query.

Fazit: Horizobu schneidet deutlich besser ab als gedacht. Meinem Verständnis nach hätte es vor allem bei Foucault and Law glänzen sollen; hat es auch, aber auch Google hat sich gut geschlagen. Echte Überraschung wie gut es beim ganz unexplorativen Crellestraßenfest abschnitt. Lohnt auf jeden Fall weiteres testen.

Und noch ein lustiges Video. Wer mir verrät, welch interessanten Akzent der Sprecher zur Schau trägt, gewinnt drei Kekse!



Liebe! Wiki! Kätzchen!

Čáslavsko 5966

Damit Iberty nicht die einzige Website ist auf der es nicht steht. Wikipedia (en vorerst) bekommt einen "Du bist super"-Button zum Anclicken:

Wikipedia users are not very nice. But that's only partially their fault. .. So, in an attempt to solve that problem, Wikipedia has come up with an absurd experiment. .. Going forward, though, the experiment could evolve into a truly useful feature on Wikipedia.

Für Information immer ratsam: Signpost: WikiLove to be rolled out on the English Wikipedia, flanked by new research

Basic-Thinking scheint hingegen mein halbes Wikipedia-Werk zur Hintergrundrecherche geplündert zu haben: Kätzchen für Wikipedia: Woher kommt eigentlich der Katzentrend im Web?


Ich finde das ja super.

Die böse Schwester der freien Inhalt: Private Label Rights

Freie Inhalte sind ja so vage en vogue: Freie Software, Freies Wissen, tauschen, austauschen, und das alles unter einer freien Lizenz. Nun wirft man dem bekanntesten Projekt, Wikipedia. ja durchaus nicht zu Unrecht vor, mit seinen Inhalten andere Anbieter zu überfluten. Die CC-Lizenz dort würde die Inhalte inflationär vermehren.

Nun haben die "freien Lizenzen" aber einen Nachteil: die Lizenz bietet doch einiges an Fallstricken. Besonders mit GFDL war echte Nachnutzung von Text reinstes Rechtsvabanque, und auch unter Creative Commons wartet noch die ein oder andere Tücke. Außerdem hat den Text ja jeder.

Wohl auch deshalb hat sich im Schatten der Aufmerksamkeit das Geschäftsmodell der Private Label Rights entwickelt. Inhalte: billig produziert und meist eher eine Reihung von Wörtern, denn ein Inhalt, die zur freien Nachnutzung gekauft werden können. So frei in der Nachnutzung, dass man auch die Autorennennung unterschlagen, und sich selbst zum Autor machen darf.(*) Der Rechte-Weiterverkauf allerdings scheint mir uneinheitlich geregelt: je nach Anbieter kann PLR das Recht zum Rechte-Weiterverkauf beinhalten, muss aber nicht.

Inhaltlich meist auf die übliche Trias begrenzt "wie werde ich reich, wie finde ich die Liebe meines Lebens, wie wird mein Penis größer", und auch im Handeln untereinander scheinen die üblichen Geschäftsmodelle von Spam-Abos bis zu Betrug weit verbreitet. Aber trotzdem: für ein paar Dollar, alle Rechte an einem Buch.

Zur Zeit erfahren die etwas mehr Aufmerksamkeit, denn jemand hat entdeckt, dass die PLR-Texte sich einfach und unkompliziert zu Kindle-E-Books zusammenpacken lassen. Das Ergebnis: Kindle e-book store slammed by spam "authors" oder auch Spam clogging Amazon’s Kindle self-publishing Oder anders gesagt: wenn man problemlos 100.000e-PLR-Bücher im Kindle-Bookstore einstellen kann, findet keiner mehr die echten Bücher.

Was mich aber auch interessiert, und was ich noch nicht gefunden habe: wo kommen die Texte eigentlich her? Wie kriegt man für 10 US-Dollar etwas zusammen, was zumindest vage einem Buch ähnelt? Doch Affen an Schreibmaschinen? Wikipedia-Texte einmal durch Babelfish hin- und zurück? Stammen die alle von 1800?

Auf jeden Fall: wenn ich jetzt auf Iberty einmal täglich schreibe, wie ihr alle reich werdet, dann habe ich doch die 10 Dollar investiert.

Montag, 27. Juni 2011

"Personal Image Filter" #wikipedia

Garment

Dankenswerterweise von Lyzzy darauf aufmerksam gemacht. In den Tiefen der Mediawiki-Technik wartet der "Personal Image Filter":

a system that will allow readers to hide controversial media, such as images of a sexual or violent nature, from their own view.

Die Bilder werden in potenziell anstößige Kategorien sortiert, und die Kategorien können einzeln geblockt werden "with "somewhere between 5-10" global subcategories, and together with local ones "the interface can comfortably support around 10-12 filters before becoming unwieldy"."

Soll ich das jetzt super finden, weil es Konflikte entschärft, und die Wikipedia lesergerechter macht, oder ganz furchtbar, weil es der Aufklärung (also der mit 18. Jahrhundert/Diderot und so) im Weg steht?

P.S.: Temple Garment (Mormonism)

Wikipedistik: Zuwenig Populärkultur in WP

Es hagelt Wikipedistik-Studien. Diesmal gleich zwei zum Thema, wie Menschen auf Wikipedia zugreifen.

Suchmaschinenoptimierende Amerikaner

Die erste Studie, die ich vorstellen will, ist nicht wirklich wissenschaftlicher, und auch nicht wirklich eine Studie, aber aufschlußreich. Die stammt von unseren speziellen Freunden, den Suchmaschinenoptimierern - genauer SEOMOZ -, und untersucht Links, die auf Wikipedia zeigen.

In The Wikipedia Model werten sie aus, wie Wikipedia im Netz verlinkt ist. So stehen beispielsweise 40% der Links auf Wikipedia für sich allein im Text, etwa ein Drittel ist direkt von der Startseite einer Website, und 40% der Links befinden sich auf Websites, die mehr als 10-mal Wikipedia verlinken. Das alles und noch ein paar schöne Grafikem gibt es beim Link. Das Modell Wikipedia bezeichnen sie dann als Idealwert, und verkaufen Software, die andere Websites danach bemisst. Gerade gekaufte (Werbe-)Links zeigen durchaus andere Muster, und die SEOMOZ-These ist zumindest, dass Google die erkennt, und deshalb aussortiert. Wenn man sich hingegen als Wikipedia tarnt..

Wenn also da nichr 30% sondern 70% der Links von der Startseite kommen, ist das ein Fehler, ebenso, wenn die Links immer in Clustern auftauchen, und fast nie allein stehen etc. Und am Ende sieht es für Google so aus, wie eine legitime informative Website. Als SEO und so natürlich echt total evil, aber doch sehr clever.

Australische Popkulturfreunde

Inhaltlich spannender allerdings ist Vivienne Wallers Veröffentlichung: The search queries that took Australian Internet users to Wikipedia. Deren Titel ist ja relativ direkt, und genau darum geht es: Waller hat Suchmaschinenanfragen auf Wikipedia ausgewertet, und nach Themen gewichtet. Dazu hat sie erstmals nicht nur die beliebtesten 100 Artikel oder so genommen, sondern den ganzen Long Tail. Und für einen Teil der Anfragen dann auch noch bestimmt, wer - also welche soziale Gruppe - nach eine, Thema sucht.

Um es kurz zu machen: die meisten Leute suchen nach Populärkultur - während nur knapp 10% der englischen Wikipedia den Themenbereich behandeln, landet knapp die Hälfte der Suchanfragen dort. Und die Popsuchenden sind jünger, und stammen aus wohlhabenderen Schichten als die anderen.

Etwas ausführlicher: Waller benutzte Daten, die ihr der australische Traffic-Analyst Hitweis für die vier Wochen vor dem 25. April 2009 zur Verfügung stellte. Daraus nahm sie ein Sample von 1800 Abfragen (ich finde nicht heraus, wie genau), und hat die näher untersucht.

Einmal hat sie sie nach Sachgebieten codiert, die in 52 Themengebieten landeten, die wiederum zu 12 Oberthemen zusammengefasst wurden: Popular culture // Cultural practice (sport, religion, cultural practice not elsewhere classified) // Computing/Web // Health // History // Science // Place/building // Contemporary issues // Book/author // High culture // Other // Unknown. Wobei ich Fernsehsport ja zu Popular Culture packen würde, aber nun ja..

Über 50 Prozent suchten nach Popkultur oder Cultural Practice, wobei ein Drittel bei Cultural Practice jener beschreibene Fernsehsport war, und knapp 10% sich auf Alltagswissen etc. konzentrierten. Danach kommen dann Naturwissenschaften und Gesundheit mit je 7% der Anfragen, danach Geschichte mit 6&, alles andere liegt noch deutlich drunter,

Darüberhinaus benutzte Waller Daten von Hitwise, die Leute in soziale Gruppen einteilen - bzw. die aus der Ortslage der Abfrage die soziale Gruppe bestimmen. Individuell natürlich immer schwierig, statistisch würde den Weg aber durchaus für gangbar halten:

Comparing the representation of any particular lifestyle group in the Australian online population with their representation in visits to Wikipedia, it can be seen that the distribution of visits to Wikipedia approximates the actual distribution of the online population.. However, the data indicates that amongst visitors to Wikipedia there was a slight over-representation of people who were better-off and had higher educational attainment and a slight under-representation of people who were socially or economically disadvantaged and who lived in rural or suburban fringe areas.


Und zuletzt kann man das ganze natürlich auch noch quervergleichen. Die besonderen Popfans kommen aus urbanen Zentren mit großer Vielfalt, und vielen Gebildeten, aber mäßigem Einkommen, die großen Popverächter haben niedrigen Einkommen, und wohnen in ländlichen Gebieten. Generell: je mehr Stadt und je mehr Bildung, desto Pop.


Low density area, low income.

Die priviligierste Gruppe von allen, wealthy areas of educated professional households, allerdings hat sich eher für Naturwissenschaften interessiert.

Wobei das Leserinteresse stark davon abweicht, was in der Wikipedia zu finden ist:

According to Halavais and Lackaff 's (2008) study of the coverage of Wikipedia articles, the topics with the greatest number of articles on Wikipedia were general history and science, (each with approximately 13% of all articles) followed by geography, social science and literatures. Together, these five subjects account for 57% of articles. The analysis presented here suggests a very different pattern of use, whereby those five subjects accounted for 28% of visits. While articles about music, including popular music, account for 7% of Wikipedia articles, queries about popular music accounted for double that proportion (14%) of visits.


Auch noch auffallend: während Studien, die von den beliebtesten Artikeln ausgehen, etwa 10% Sex-Interesse finden, sind es bei der Studie nur 1%. Was für mich dafür spricht, dass die Sexinteressierten einfach sehr einfallslos in der Themenwahl sind, und immer bei denselben fünf Artikeln landen.

Oder einfach: wenn Wikipedia tatsächlich nicht nur Selbstzweck sein möchte, sondern für Leser, dann braucht selbst die englische einfach mehr Popkultur.

Am Rande: die Studie klingt ja auch spannend: Other research provides evidence to suggest that the likelihood of trusting Wikipedia as a credible source depends on the user's knowledge of the topic. Lim (2009) found that users who are new to a topic are likely to underestimate the quality of the relevant Wikipedia article. This may lead to reluctance to use Wikipedia for more important topics. Muss mal nach Lim, S. (2009). How and why do college students use Wikipedia? Journal of the American Society for Information Science and Technology, 60(11), 2189-2202. suchen.

Sonntag, 26. Juni 2011

TODESTARTAN

Immerhin, wenn es zum Atomanschlag kommt, an dem die blaue Tartanbahn im Olympaistadion schuld ist (UFOS!!), habe ich wirklich gute Sicht von der Tribüne aus. Es fängt absurd an, aber es geht noch viel viel absurder weiter. Youtube ist super.





Achduje #wikimania

Jetzt muss ich den ja wirklich ausarbeiten...

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Dear Submitter,

I am very pleased to inform you that your submission of a lecture [Chiara Ohoven and the strange tale of German Leistungsethik] to Wikimania 2011 which will be held on 4th - 6th August in Haifa, Israel, has been approved.

The selection of lectures has been very difficult, as we had to choose 100 lectures out of more than 220 that we have received.

Your lecture will take place on Thursday, 4th August, and will be about 25 minutes.

See schedule here:

http://wikimania2011.wikimedia.org/wiki/Schedule




Samstag, 25. Juni 2011

Law Blog und das Recht...

Law Blog hat nebenan eine eher eigentümlichen Post Zensursula: ein Störfaktor in der Wikipedia.

Hintergrund ist der Zensursula-Stencil, der auf Wikimedia Commons (nicht de.Wikipedia!) liegt, und der einen Löschantrag bekommen hat - das Ursprungsbild scheint tatsächlich geschützt, der Fotograf des Bildes keine bekannte Meinung zur Stencil-Umarbeitung zu haben. Die Sache ist also im Urheberrecht eher dunkelgrau, ich würde pragmatisch nicht löschen, kann aber jeden verstehen, der das anders sieht.

Der Herr Rechtsanwalt Vetter aber wohl nicht:

Der Fotograf hat sich, so weit bekannt, auch bisher noch nie gegen die Bearbeitung seines Bildes gewandt. Es spricht also vieles dafür, dass hier niemand seine Rechte verletzt sieht, möglicherweise sogar gar kein Problem mit der Verwendung seines Bildes hat. Mit dieser Auffassung wäre der Fotograf auch gut beraten.

Und warum? Weil er sonst den Netzpolitik-Mob am Hals hätte? Weil Von-der-Leyen-Kampagnen außerhalb geltenden Rechts stehen? Weil von von-der-Leyen-Kampagneros nicht zugemutet werden kann, ein freies Foto von von der Leyen zu benutzen?

Aber nein, wer politisch Recht hat, muss sich mit derart kleinlichen Erwägungen nicht herumschlagen:

Wir haben ähnliche Fragen bei der Remix-Aktion von Netzpolitik mit den Machern diskutiert und sind zusammenfassend zum Ergebnis gekommen, dass Urheberrechte in solchen Fällen zurückstehen.

Medienkompetent ist, wer genug politische Netzwirkung hat, um anderer Leute Rechte ignorieren zu können?

Immerhin, die Diskussion dazu ist in Teilen lesenwert.

Als Photokopien High-Tech waren #urheberrecht

Netter Post bei IUWIS denen ein Diskussionspapier zur Urheberrechtsdebatte 1955 in die Hände gefallen ist. Damals drohte der neue Fotokopierer ein Zeitschriftensterben an. Vom Fotokopierer. Ein Streiflicht auf die Urheberrechtsdebatte der 1955.

Damals ging die Bedrohungslage von gewerblichen Nutzern, die, meist mittelgroße oder größere Unternehmen die damals noch kleinen Wissenschaftsverlage und die Wissenschaft bedrohten. Mittlerweile geben sich internationale Großunternehmen von Privatnutzern und der Wissenschaft bedroht. Aber schon spannend wie sehr sich vieles von der Rhetorik wiederholt.


Im Herbst 1954 gab es nämlich schon einmal Referentenentwürfe des Bundesjustizministeriums zu einer Urheberrechtsreform. Der Entwurf selbst liegt mir nicht vor, allerdings das Protokoll einer Diskussionsrunde.. Dieses frühe Gegenstück zur Internet Enquete sollte über Expertengespräche die anscheinend auch damals bestehende Konfrontationslage zwischen Urhebern, Werkvermittlern und Werknutzern qua gegenseitigem Verständigung entschärfen. Herausgehoben interessant ist dabei ein Aspekt des so genannten fotografischen Urheberrechts...





Männerfußball ist erklärungsbedürftig

Noch etwas mehr als 30 Stunden, und ich werde sehr gespannt im ausverkauften Olympiastadion sitzen, und Frauenfußball-WM schauen. Dutzende Presseleute und Offizielle, die offensichtlich selbst noch nie ein Ligaspiel im Frauenfußball gesehen haben, erklären, wie wichtig das alles ist, und welche unglaubliche Bedeutung das alles haben wird. Unsinn; wie alle Sportarten bis auf Männerfußball, wird Frauenfußball unterschätzt. Das liegt aber am Männerfußball.

Es existieren dutzende Sportarten, in denen spektakulärer Sport geboten wird, und deren Besten vor ein paar hundert oder wenigen Tausend Zuschauern semiprofessionell vor sich dahinsportlern. Die eine Ausnahme, deren Ausnahmestellung tatsächlich schwer zu erklären ist, ist Männerfußball. Der Sport, der langweiliger ist als Basketball, langsamer als Feldhockey, lascher als Bobfahren, anspruchsloser als Fechten, und weniger fotogen als Turnen. Was ihn aufgrund historischer Zufälle aber nicht davon abhält, in seiner Bedeutung alle anderen Sportarten weit zu überragen.

Auch ist Männerfußball von Fifa bis Premier-League-Fußballerverhalten ein Paradebeispiel dafür, was im Sport alles schief laufen kann. Warum also erwarten jetzt alle für die Frauen diesselben Abfolge historischer Zufälle, nur damit am Ende das Monster Premier League dabei rauskommt? Frauenfußball ist mittlerweile akzeptiertes und erfolgreiches Mitglied der Sportfamilie; kein Grund sich ausgerechnet am größenwahnsinnigen Familienfreak Männerfußball zu orientieren.

Freitag, 24. Juni 2011

Traktorfreitag: Game On

Erinnert sich noch jemand an die Fußball-Manager-Spiele? Ich träume ja manchmal von einem professionellen, zeitgemäßen "Tractor Pulling Manager". Leider ist es noch nicht soweit, und leider sind auch die ganzen großen Motorsportspiele nicht traktoresk.

Aber immerhin: Game On!


Donnerstag, 23. Juni 2011

Neues zum Thema Tätowierungen und Urheberrecht

Wie schon erwartet: im Falle Tätowierer gegen Filmstudio wegen Hangover 2 ist es jetzt zu einem Vergleich gekommen, über den keiner der Beteligten reden darf. Damit gibt es immer noch kein Urteil zum Thema, aber immerhin einen Tätowierer, der qua seiner Urheberrechte eines an Geld eingenommen hat.

Und auch wenn das deutsche Urheberrecht noch kein Urteil zum Thema kennt, ist das deutsche Steuerrecht schon weiter, was die Kunstartigkeit der Tätowierungen angeht. Da für Kunst ein Mehrwertsteuersatz von 7% gilt, gilt es zu Unterscheiden. Im deutschen Steuerrecht gilt: Tätowierungen, deren Rechte beim Tätowierer liegen, sind keine Kunst, und kosten 19% Steuer. Tätowierungen, bei denen die Verwertungsrechte vertraglich beim Tätowierten liegen, sind Kunst, und kosten 7%. Eher irritierend, und mal weiterer Erörterung fällig.

Das Smithosian hingegen hat keine Zweifel: The Smithsonian American Art Museum also added tattoo design work and equipment to its permanent collection in 1986


Verein und Foundation aktiv

Kurzzusammenfassung, was Wikipedia-Repräsentaten so treiben:

Die Community-Vertreter im Board sind gewählt. Es sind, oh Überraschung, genau die Alten. Glückwunsch an Ting Chen (Wing), Samuel Klein (Sj) und Kat Walsh (mindspillage), die bis 2013 im Amt bleiben.

Wer sich sehr frühzeitig in den nächsten Wahlprozess einbringen will, kann sich beim post mortem einlesen.

Die Wikimedia-Foundation unterstützt die EFF im Prozess Golan v. Holder. Kurz gesagt geht es darum, dass die USA 1994 Copyright-Schutz für viele Werke wieder eingeführt hat, die vorher bereits gemeinfrei waren. Das Gesetz empfinden Nutzer, die EFF und WMF als verfassungswidrig. Das ganze wird vermutlich noch lange dauern, und für Deutschland ändert sich nichts: hier sind die Werke sowieso noch dauergesperrt.

Und Wikimedia Deutschland hat uns auch wieder mit einem langen und fast vorbildlichen Bericht beglückt: Wunderbar ausführlich geschrieben, würde ich ihn jetzt mal unausführlich zusammenfassen mit "es läuft gut vor sich hin."








Ein Preis! Ein Preis! Juhe Guttenplag!

Auch an dieser Stelle ganz doll herzlichen Glückwunsch an @avatar und alle fleißigen Quellenforscher für den Grimme-Online-Award.

Und wer es noch nicht gesehen hat, die wunderbaren pdf's : Beim Plagiieren erwischt - und nun?


Montag, 20. Juni 2011

Ballettmontag: Tieftonautoballett

Es hätte so schön sein können. Breitbereifte, dunkelfenstrige Amerikanische Sportwagen der 70er ziehen langsam um eine Herde Hipster, tiefes, gaanz tiefes Töne aus deren Boxen sind kaum mehr hör- aber um so mehr spürbar. Brandenburg meets Berlin-Mitte, und der Konsens ist BASS! Tja, so hätte es sein können.

Angekündigt war ein Subbass-Autoballett:

Jedes Auto für sich klingt unspektakulär, sobald sich die Sinustöne mehrerer Autos jedoch überlagern und von den Wänden reflektiert werden, entstehen rhythmische Veränderungen, Verstärkungen und Auslöschungen – die Musik entsteht im Raum zwischen den Häusern und Autos.

Das ganze fand an einer sonnigen Stunde in Neukölln statt, Mehrere Hundert Leute waren gekommen, die waren mal sehr nett, und mal waren es die Bewohner der hämischen Prenzelberg-Kolumnen. Alle neugierig, und keiner wusste so recht was ihn erwartete. Außer Bass. Tief, wuchtig, einnehmend. Die Autos selbst eher enttäuschend. Das gelbe Gefährt hier auf dem Foto sah am ehesten noch so aus, wie ich mir ein solches Auto vorstelle, der Rest waren dann eher das was man beim Mietwagenverleiher so bekommt. Okay, ich hoffe mal, mit stärkeren Boxen.


Tausend Hipster kucken auf ein Auto.

Aber trotzdem; Nur leider, es fehlte Power. Viel Power. Sehr viel Power. Und Bass. Viel Bass. Von den acht Autos sahen zwei ernstlicher nach Tuningszene aus. Die Geräusche, das Gefühl, das sich vermengen sollte, verlor sich im Raum. Auf dem Platz unter den Leuten, klang eines von den acht(?) Autos so, als hätte es Wumms: ein VW Bus. Die anderen hat man gehört wenn man etwas weiter weg war, die waren eindrucksvoll, wenn man direkt danaben stand, und Überlagerung und alles fand faktisch nicht statt,

Angekündigt waren drei Sätze: (1) Tuning (2) Movement (3) Resonanz. Bei eins nun standen sie herum, und man konnte mal einen Ton hören, wenn man näher ranging, und mal weniger, wenn man weiter wegging. Überlagerung: nada. Movement: Genau umgekehrt: wir standen, die Autos fuhren, sehr ähnlicher Effekt. Einzig bei Resonanz ließ sich erahnen, was man erreichen könnte: alle Autos spielten denselben Ton, man hörte Verstärkung, hörte plötzlich mehr als ein Auto, hatte ein vages Wummern tief in der Magengegend, konnte sich vorstellen wie es gewesen sein könnte.

Tolle Idee, enttäuschend Umsetzung. Da bleib ich doch vorerst lieber beim Tractorpulling.

Wikipedistik: Soziales Kapital, Zusammenarbeit und Netzwerke

Und noch ein Konferenzbericht zu Wikipedia-nahen-Themen in der Wissenschaft gibt es. Paolo Massa bloggt über "Report of ACM Hypertext 2011 conference", und dort auch über diverse Präsentationen zu/um/über Wikipedia. Diese sind:

* Paolo Massas eigener Text “Social networks of Wikipedia", der versucht Netzwerke über die Diskussionen auf den Benutzerseiten einzelner Wikipedianer zu ergründen.

* Brian Keegan über Wikipedia Articles affected by Tohoku Earthquake. Soweit ich das verstehe, will er an dem einen Themenkomplex des Fukushima-Erdbebens erforschen wie aktuelle Nachrichten Wikipedia beeinflussen, und mit welchen Mechanismen Wikipedia darauf reagiert. Zumindest der Kurzvorstellung nach steht da mE nicht soviel, was man nicht grob eh weiß. Aber es gibt ein lustiges Video, rote Punkte sind Artikel, blaue sind Autoren:

100 Hours of Wikipedia activity for Sendai earthquake from Brian Keegan on Vimeo.


* David Laniardo: “Co-authorship 2.0: http://www.blogger.com/img/blank.gifPatterns of collaboration in Wikipedia“ dessen Kernthese ist: We find evidence of the presence of a nucleus of very active contributors, who seem to spread over the whole wiki, and to interact preferentially with inexperienced users. The fundamental role played by this elite is witnessed by the growing centrality of sociometric stars in the network

Und zuletzt gab es noch Keiichi Nemoto von Fuji Xerox zusammen mit Peter Gloor und Robert Laubacher vom MIT Center for Collective Intelligence, die feststellten "Social Capital Increases Efficiency of Collaboration among Wikipedia Editors." Die haben in der englischen Wikipedia die verschiedenen ausgezeichneten Artikel untersucht, und untersucht, wer diese bearbeitet hat. Ergebnis: je höher das soziale Kapital der Autoren und je stärker die vorherige Zusammenarbeit, desto schneller wird ein Artikel ausgezeichnet. Nebenergebnis: je höher ein Artikel in der Auszeichnungsklasse steigt, desto kohärentere und breitere Zusammenarbeit ist nötig.

Im Ausblick wird Manuel Castells, eben, der Manuel Castells ("The 2000–09 research survey of the Social Sciences Citation Index ranks him as the world’s fifth most-cited social sciences scholar, and the foremost-cited communications scholar.") auf der ICWSM eine Keynote zum Thema Social Media and Wiki-Revolutions: The New Frontier of Political Change geben.



Großes Kino mit Wiki-Watch

Sorry, ich muss grad noch Socken abhängen. und unter dem Bett staubsaugen, deshalb erstmal nur die Linkliste zum schönen Thema, wie Uni-Angestellte evangelikal in die Wikipedia hineinwirken, und sich gleichzeitig nach Außen als unabhängige Experten verkaufen:

ein paar einführende Worte vom Fast-noch-Iberty-Gastblogger StePro: Steuerfinanzierte Wikipedia-Beeinflussung?

Der Benutzer-Account, die Sperrbegründung , und die Entscheidung der Sockenpuppenfahnder (nach oben scrollen bringt noch viel mehr Diskussion)

Und als Bonus: derselbe Benutzer bei VroniPlag, anscheinend auch kurz vor der Sperrung.

Sonntag, 19. Juni 2011

Editor-Trends: ein bißchen Wikipedianer-Statistik

Während Wikimedia Deutschland noch die Wikipedia-Autoren-Umfrage vorbereitet, ist die Wikimedia Foundation bereits bei der Auswertung der Ihrigen und veröffentlicht nun die "Top Line Data".

Die Top Line Data besteht aus Basisstatistik zu den 5000 befragten Wikipedianern an sich, und noch mehr Statistik zu ihren Aktivitäten; aus den Daten zu allgemeinem Online-Verhalten, zu Computern, zur Einschätzung anderer Wikipedianer und den Gründen sich zu beteiligen, sich nicht zu beteiligen. Insgesamt also genug Stoff für ein Dutzend Blogposts, weshalb ich erstmal mit der Basisstatikstik anfange.

Von denen waren 11% Admin, und quasi alle angemeldete Benutzer.

Zur Statistik: Medianalter knapp unter 30, Durchschnittsalter 32, mehr als die Hälfte haben einen Uni-Abschluss, knapp die Hälfte ist in Schule oder Uni. 42% arbeiten nicht (wobei in der Gruppe meinem Verständnis nach auch Schüler und viele Studenten drin sind); knapp die Hälfte sind in einer Beziehung, knapp ein Viertel hat Kinder. Und, wir müssen reden, 91% der Antwortenden ist männlich.

Nicht ganz so überraschend ist, dass über die Hälfte der Wikipedianer mehr als 6 Stunden am Tag vor dem Computer verbringt und 0% "less than an hour" angegeben haben. Immerhin ein Drittel meint, sie könnten Anwendungen schreiben, quasi alle können Programme installieren, und Dateien verwalten.

Von den Befragten lebten 12% in Deutschland (CH/AT nicht aufgeführt), und 18% bezeichnen deutsch als Muttersprache. 20% beteiligen sich an de.wp, 30% lesen sie zumindest. Von den 5000 beteiligen sich nur 13 % primär in de.wp, und 12% benutzen sie als Hauptinformationsquelle. Sprich: mehr als ein Viertel der deutsch-Muttersprachlicher beteiligt sich vor allem in anderen Sprachversionen.



Wer sich das detailliert ansehen möchte, findet die Editor Trends Study auf Commons.




Wikipedistik: die Neutralitäts-Bots kommen

Das Neutralitätsgebot der Wikipedia weist ähnliche Effekte auf, wie die Wikipedia selbst: theoretisch eine große Katastrophe, praktisch funktioniert es überraschend gut. Nur wenn man den hands-on-lass-mal-diskutieren-Ansatz aufgibt, und versucht die Neutralität wirklich zu beschreiben, stellt man fest, welche erkenntnistheoretische Katastorphe der Grundsatz ist: fest verankert in den wissenschaftlichen Abwegen des 19. Jahrhunderts, unbefleckt von Allem, was die Menschheit in den letzten 100 Jahren gelernt hat. Aber praktisch funktioniert der neutrale Standpunkt überraschend oft.

Nun kann man sich aber meine Skepsis vorstellen, als ich das Paper von Livnat Herzig, Alex Nunes und Batia Snir mit dem Titel sah "An Annotation Scheme for Automated Bias Detection in Wikipedia", veröffentlicht für Proceedings of the Fifth Law Workshop (LAW V), pages 47–55, Portland, Oregon, 23-24 June 2011. Die ausführliche Beschreibung schränkt da schon etwas ein:

BiasML is a novel annotation scheme with
the purpose of identifying the presence as
well as nuances of biased language within
the subset of Wikipedia articles dedicated
to service providers.

Die Forscher haben sich ein besonders Werbe-anfälliges Artikelsegment gegriffen, und wollen dort die echten Artikel von den getarnten Anzeigen trennen. Eine gute Wahl: die Artikel dort sind meistens nur wenig beachtet, außer den Werbetreibenden interessiert das Thema nicht so richtig, und im Gegensatz zu den großen Firmen mit intensiver Artikelbetreuung (McDonalds und Enercon fielen mir in de spontan ein), sind die kleinen meistens weniger subtil in ihrer Werbung.

Ihr Verfahren ist komplexer als ich es jetzt schildern mag, ich bin ja kein Computerlinguist oder welche Fachrichtung auch immer zuständig ist, denke aber den Überblick verstanden zu haben: Herzig/Nunes/Snir griffen sich eine Zahl menschlicher Auswerter, die ein festes Schema an die Hand bekamen, um Artikel zu bewerten. Je einheitlicher diese Auswerter auswerten, desto besser das Schema. Herzig/Nunes/Snir wählten sich für das Schema Kriterien aus, die Hinweise auf werbliche Artikel geben können:

* wertende Adjektive - klar
* persönliche Einbeziehung (Ich, Du, Sie, Wir) - oft in werbenden Texten verwendet, eigentlich nie in WP-Artikeln
* Wiederholung - auch gern von werbenden benutzt, um die Vorzüge eines Geschäfts darzustellen
* Weasel words - Wörter, die versuchen illegitimen Behauptungen einen legitimen Anstrich zu geben "wird gesagt", "Kritiker meinen", "gilt als" etc.

Dagegen rechnen sie dann Verweise auf Quellen, die die Neutralität wieder erhöhen können. Noch ist das ganze bei weitem nicht fertig: noch sind sie auch fern von der Entwicklung der Software, sondern arbeiten noch an einem Schema, dass man irgendwann automatisieren kann. Das scheint noch ein weiter Weg: While the low individual scores on intrasentential tags is disconcerting, the overall higher scores for annotator B are a positive indication that a decent understanding and execution of the scheme and guidelines are possible klingt mir nicht nach baldiger Vollendung.

Kleinanzeigen kleiner Geschäfte sind eh die Qualitätskontrolle für Anfänger - die erkennt jeder, vielleicht sogar ein Bot. Und wenn man mal den engen Wikipedia-Bereich verlässt, und solche Bots auf die Menschheit loslässt stelle ich mir wilde Anwendungen irgendwo zwischen Spam-Kontrolle und automatisierter Buchkritik vor.

In Wikipedia selbst: Jede Arbeit, die ein Bot verrichtet, muss man nicht selber machen.


Samstag, 18. Juni 2011

Jemand eine Empfehlung für ein Bibliographietool?

Letztens war eine Mail im Posteingang, die mich bat zu einer Bibliographie beizutragen, und zu sammeln. Einreichungen per Word-Dokument. Danach habe ich dann zwei Tage gebrauchtm, um die Sprache wiederzufinden, aber so langsam geht es.

Trotzdem viel mir auf, dass ich selber immer noch deutlich verbesserungswürdig bibliographiere; teils lückenhaft, teils umständlich, und in mindestens vier Systemen gleichzeitig. Versuche das zu ändern, schlugen bisher fehl: Zotero hat den Rechner auf Schneckentempo verlangsamt, für Bibsonomy habe ich mich bisher als zu blöd erwiesen.

Kann jemamd ein Tool zum Anlegen und Verwaltungen größerer Bibliographien und Texte empfehlen? Nach möglichkeit sehr wenig teuer, cloudy, und auch umstandslos von mir bedienbar.


"The Impossible happened with Wikipedia in our field of information"

Ein wunderbares Video des Anthropologen Michael Welsch über die Effekte und Möglichkeiten, die Wikipedia, Google, Blogs, Social Bookmarks etc. auf Bildung und Ausbildung haben, oder zumindest haben sollten.

Für Unserereins ist es inhaltlich wenig Neues, und für den bildungsbürgerlichen Europäer vielleicht etwas zu futuristisch-begeistert. Aber das Video ist soooo klasse gemacht, und einfach ein Genuß beim Ansehen. Und der eine oder andere oder noch weitere Bildungstätige sollten das vielleicht doch mal schauen.



Freitag, 17. Juni 2011

Traktorfreitag: Trakteur

Die Urzeiten des Traktorwesens liegen im Dunkeln. Neben der bedauerlichen Ignoranz der Historikerzunft gegenüber dem Traktorwesen liegt das auch an der unklaren Entstehungsgeschichte: Urform des Traktors war die Dampfmaschine auf Rädern. Die kam dann stationär neben oder auf den Acker, und hat von dort aus Maschinerie angetrieben. Erst im Laufe der Zeiten entwickelte sich daraus ein wirklich geländegängiges Fahrzeug mit Benzinmotor.

Der erste deutsche Traktor "mit Explosionsmotor" stammte vermutlich von einem Berliner Pionier des Traktorwesens. Der Ingenieur und "Sachverständige für das Gas- und Dampfautomobil" Adolf Altmann "hat sein Leben teils dem Dampf- teils dem Explosionsmitor gewidmet". Er war Besitzer und Direktor der "Motorfahrzeug und Motorenfabrik Berlin" und der Altmann Kraftfahrzeug-Werke, und ist damit quasi ein Gründungsvater der Daimler-Nutzfahrzeuge. Heute existiert das Berliner Werk immer noch, und produziert unter anderem die Mercedes-Zwölfzylinder. Wobei Daimler auch mal Traktoren bauen könnte meinetwegen.

Was hier aber wichtiger ist: Altmann baute nicht nur diverse Dampflokomobile für die Arbeit auf dem Acker. Von ihm stammt auch der "Trakteur" von 1896 (oder 1894 oder 1897..). Und so vage kann man den späteren Trecker erkennen. Der 12-18 PS-Petroleummotor ließ eine Fahrt zu, nur saß der Fahrer ganz ganz vorne. (Künstlerische Interpretation) Sonderlich sicher kann das nicht gewesen sein.


Stilsicher für einen Pionier des Treckerismus starb Altmann bei einer Explosion. 1905 forschte er in einem Breslauer Keller an einem billigeren Brennstoff.

Außerdem war grad großes Trecker-Treck in Schleswig-Holstein. Vermutlich mit mehr als 18 PS und ohne Petroleumfeuerung. Das muss hier auch kurz erwähnt werden:



Und da Altmann tatsächlich weitgehend vergessen ist, verdanke ich die meisten Informationen hier Julius Küster, seinem Buch "Personen- und Lastendampfwagen", Google, die das ganze digitalisierten und archive.org, wo das ganze sich lesen lässt.


Darummagichberlin (XXXIV)

Weil ich heute, rechtzeitig zum morgigen Langen Tag der Stadtnatur, gleich zwei überfahrene Ratten auf dem Heimweg getroffen habe.

Spiegelfechter - Statussymbolik und Wirrargumente im Internet

Um es kurz vorweg zu sagen: meiner dreiviertelinformierten Rechtaufaasung nach ist kino.to-stream-ansehen in Deutschland legal, aber bescheuert. Der Umgang der Contentindustrie mit dem Internet ist..

Nein, ich will nicht schon wieder ranten, aber trotzdem bleibt mir unklar, warum jetzt gerade alle so begeistert auf den Spiegelfechters kino.to – Kriminalisierung und Kriminalität im Internet verlinken:

Dessen Kernthesen kurz zusammengefasst:

(a) Das Ansehen von Hollywood-Blockbuster ist kulturelle Teilhabe.
(b) Um kulturell teilzuhaben, muss man die sofort sehen.
(c) Jugendliche, die die Filme nicht sofort können, werden ausgegrenzt, Jugendliche, die nicht ausgegrenzt werden wollen, haben quasi keine andere Wahl als kino.to zu benutzen.

Beim ersten Punkt gehe ich problemlos mit. Beim zweiten finde ich es schon schwierig. Mittlerweile ist es möglich für wenig Geld legal Blockbuster zu sehen. Vielleicht nicht am Tag, an dem sie erscheinen, aber doch wenige Wochen danach. Für "kulturelle Teilhabe" dürfte die Verzögerung ausreichen.

Eigentlich geht es ihm auch nicht um kulturelle Teilhabe, die problemlos erreichbar wäre, sondern um soziale Teilhabe.

Er fragt:

Wie soll man einem Jugendlichen denn auch klarmachen, dass er mit dem Betrachten des neuesten X-Men-Films, über den der ganze Schulhof spricht, vielleicht gegen geltende Gesetze verstößt?

Meine je, Genauso wie man dem Jugendlichen erklärt, dass er nicht jeden zweiten Monat neue schicke Schuhe kriegt, dass er nicht iPhone 2,3,4 und 5 braucht, und dass es dieses Jahr wieder keine Karten für's DFB-Pokalfinale gibt.. die Welt ist begrenzt, live with it.

Außerdem verkennt der Spiegelfechter natürlich komplett den Sinn von Statussymbolen: die erhalten ihren Wert ja eben daraus, dass sie nicht jeder hat. Im Fall kino-to liegt die Grenze halt zwischen denen die das Internet ein bißchen beherrschen, keine Angst vor legaler Grauzone haben, und kein Problem damit schlechtes Service inmitten von Dumpster-Werbung zu kriegen, und denen, die es nicht machen. Wäre es wirklich jedem problemlos möglich so einen Film zu sehen, würde es als Statussymbol wegfallen, die ganze Diskussion wäre obsolet. Kino.to funktioniert nicht auf dem Schulhof, weil es Leuten den Zugang ermöglicht, sondern weil viele Leute es eben nicht nutzen.


Was fordert er? Ein Recht auf "jetzt gleich, alles"? Oder "Coolness nur für Techfreaks"? Oder "vier Wochen warten müssen ist Diskriminierung?" Es gibt viele, viele Gründe, den Umgang der Filmwirtschaft mit dem Internet furchtbar zu finden. Der Geltungsdrang statusbewusster Jugendlicher ist es sicher nicht.

Lustigerweise geht der Text dann auf den Nachdenkseiten weiter. Dort dann mit den üblichen Argumenten (kino.to selbst böse, Filmwirtschaft unfähig), die alle ebenso richtig wie unoriginell sind.

Is it a game? Or just fantasy? Google suchen mit Bildern.

Kurzer Hinweis: dass Google Bilder suchen kann, ist ja altbekannt. Neu hingegen ist, dass Google mit Bildern suchen kann.

Eigentlich ganz einfach: man gebe google eine URL hinter der ein Bild liegt, oder lade direkt ein Bild hoch, und Google bestimmt was es ist, wo genau dieses Bild noch ist, und was so ähnlich aussieht.

Erste Testergebnisse:

* Lustigerweise erkennt Google-Bildersuche die von Google-Blogger generierten Bild-Adressen nicht als solche an. Integration...

* Gesichtserkennung scheint nicht eingeschaltet, oder ich habe mich bisher gut verborgen. Da kommt nichts.

* Die paar Lebewesen, die ich jetzt mal durchgetestet habe, hat Google immer richtig identifiziert, und der korrekten Art zugeordnet.

* Von meinen eigenen Fotos habe ich prompt mir unbekannte Nachnutzungen gefunden, bisher aber alle CC-Lizenzkonform.

* "Ähnliche Bilder" stimmen in Bezug auf die Farben vollkommen überein, in Bezug auf die vage Bildanordnung auch, nur beim Motiv scheint freies Raten zu herrschen.

* Landmarken erkennt er nur schlecht: englische Kirchenruine gegen den leeren Himmel: erkannt. Bohrinsel Mittelplate gegen leeren Himmel: nicht erkannt. Hochhaus Büsum gegen Himmel: auf einem von drei Bildern erkennt. Bei allem mit unruhigem Hintergrund erkennt er nicht worum es geht.

* Die Bildtitel spielen keine Rolle. Selbst Bilder mit eindeutigen englischen Titeln werden vom Motiv her nicht erkannt.

* Aus unerfindlichen Gründen hält die Suche Schafe immer für Cricketspieler.

* Super-Schick. Ich bin begeistert.

Google-mit-Bilder-Suche:

http://www.google.de/imghp?hl=de&tab=wi

Donnerstag, 16. Juni 2011

Wikipedia ins Museum

So manch einer behauptet ja, würde Wikipedia erstmal Welterbe werden, dann geht es ihr, wie einem Käfer in den Händen von Ernst Jünger, wie einem Tesaabroller in den Händen des Moma. Aber eigentlich will ich ja nicht über das Welterbe reden, sondern über GLAM.

Dieses wunderbare Projekt und dessen Ausprägung durch den Wikipedian in Residence hat trotz höchster innerer Begeisterung meinerseits bisher eher ein Schattendasein in diesem Blog geführt. Schande. Aber netterweise hat The Atlantic in Form von Jared Keller dieses Defizit entdeckt, und eine ebenso schöne wie begeisterte Kurzvorstellung des Programms geschrieben.

Jared Keller: How Wikipedians-in-Residence Are Opening Up Cultural Institutions:

McDevitt-Parks is just one member of a new class of Wikipedians making their way into cultural institutions. He has colleagues at the Smithsonian's Archives of American Art, the Indianapolis Children's Museum and the Museu Picasso in Barcelona, among other places. McDevitt-Parks and his colleagues may bridge the gap between the untapped resources of the National Archives and the churning community of Wikipedians who, like themselves, take pleasure in distilling historical archives into an easily accessible form.


Emotionale Verwirrung wegen libyscher Waffen

Der innere Pazifist und der innere Yeah-Do-it-fuck-yourself-Punk liegen gerade in heftigen Querelen wie sie das finden:

In Focus: DIY Weapons of the Libyan Rebels

Danger Room: Libya’s DIY Rebels Outfit Trucks With Copter Rockets

Wobei ich behaupten würde: wenn Krieg, dann ist selbstgelötetes Material ein vergleichsweise brauchbarer Hinweis auf die Guten.

Wikipedistik: wie fühlt man sich so als Mutantenfliege?

Vorgestern hatten wir mit Wikimedia-De einen recht angeregten und fruchtbaren Austausch über die Zukunft des Zedler-Preises - schlagt mich, wenn ich bis Dienstag immer noch nichts drüber geschrieben hab, anyway, während des Gesprächs beschwerten sich diverse Leute, dass Wikipedia-Forscher eh immer dasselbe forschen: gerne kriegen sie raus, dass Spaß und Gute-Taten die 20-40-jährigen männlichen Wikipedianer begeistern. Das stimmt, dazu gibt es mittlerweile Studien im Sonderverkauf.

Aber nicht nur: Dank des Signposts kann ich hier einfach mal kurz auf den Eingang diese Woche verweisen. Ich fasse ihn jetzt einfach mal zusammen:

In der aktuellen Ausgabe bespricht er "eine Auswertung von 4 Millionen Diskussionsseitenbeiträgen", Kurzergebnis: auch nicht-Admins übernehmen Führungsrollen; die Studie "was denken andere über Wikipedianer"; Kurzergebnis: ".. an unflattering picture [where Wikipedians] are 'geeky' or 'nerdy,' technologically adept, unkempt, unhealthily obsessive, and absorbed with online life" - ich möchte darauf hinweisen, dass ich zwar ungekämmt bin, was sich aber bei 5mm-Haaren auch kaum ändern lässt.

Den üblichen "wer-sind-Wikipedianer"-Artikel gibt es natürlich auch. Spannender: eine statistisches Modell, welche Artikel wohl Edit-Wars anziehen. Um den Sinn von "Measuring Hyperlink Distances zu verstehen" muss ich dann wohl doch die Studie lesen.

Eine weitere Studie gibt xkcd recht. Wie sehr achten Leser auf Belege? "only 6 of the 23 participants noticed that the references were not related to the topic of the article in the low-quality condition. However, 17 participants indicated that they had paid attention to the references"

Der Signpost zitiert eine Diss: Andrew Famiglietti argues that Wikipedia "was shaped by an ideal I call, 'the cyborg individual,' which held that the production of knowledge was best entrusted to a widely distributed network of individual human subjects and individually owned computers. I trace how this ideal emerged from hacker culture in response to anxieties hackers experienced due to their intimate relationships with machines."

Und ebenfalls dem Signpost, wenn auch seinem Twitter-Account verdanke ich den Hinweis auf ein neues Journal: Critical Studies in Peer Production, das natürlich nicht ohne weitere Wikipedistik auskommt.

Ich zitiere dann einfach mal fröhlich den Signpost weiter, der irgendjemand zitiert: "Wikipedia is the Drosophila of social software." Und wie fühlt man sich so als Mutantenfliege, liebe Wikipedianer?

Mittwoch, 15. Juni 2011

Larry Sanger mit dem Strohmann auf der rutschigen Ebene

Larry Sanger hat vor ein paar Tagen einen Blogpost veröffentlicht: Is there a new geek anti-intellectualism?, der jetzt an sich nicht weiter bemerkenswert wäre, wenn er sich nicht so wunderbar selbst bloßstellen würde.

Sangers These: Geek-Chic ist gegen jede Form von Wissen, und infiziert damit die gesamte Gesellschaft; uns droht eine dumme, verarmte Gesellschaft. Und weil Sanger ja Wikipedia-irgendwie-auch-Mitgründer ist, ist Wikipedia irgendwie auch mit Schuld an dem Trend.

Seine praktischen Beweise sind in vielerlei Hinsicht einfach falsch. Bezogen auf Wikipedia gibt es ja schon eine Replik; eventuell sah es 2001 anders aus, und der Anteil echter Geeks und Technikaffinen Menschen war höher. Aber zumindest 2011 habe ich den Eindruck. größere Teile der Wikipedianer sind der festen Überzeugung, dass sich dieses komische Internet eh nicht durchsetzen wird. Vieles was er als Beweise bezeichnet, trifft zumindest auf Wikiepdia 2011 nicht zu.

Genauso konstruiert er einen Strohmann von Thesen, was Geeks denken. Wie er selber sagt, würde wohl Jeder Mensch widersprechen, solche Gedanken zu haben; eher dreist ist es dann, trotzdem ohne Beweise einfach zu behaupten, dass der Strohmann doch echt ist.

Aber auch wenn die Geeks gar nicht denken, was Sanger ihnen unterstellt, so sind wir doch Sanger zufolge auf einer schiefen Ebene, die einer hohen Wertschätzung der Intellektualität zu einer niedrigen Wertschätzung führt.

Mich irritiert sein Beklagen, dass praktisches Wissen soviel höher geschätzt wird, als schöne Bücher. Beziehungsweise, auch ich finde das beklagenswert, aber war es je anders? Und so abstrakt beklagenswert ich es finde: ich glaube ich lebe lieber in einer Gesellschaft in der ausreichend Menschen wissen, wie sie im Zweifel meine Heizung reparieren können.

Was mich dann aber doch sprachlos zurücklässt, ist Sangers Gleichsetzung von Expertenwissen/Büchern/College/Intellektualismus/theClassics und Wissen. Ja, irgendwie hängt das schon alles zusammen so. Aber dann doch nicht so direkt wie Sanger impliziert.

Um mal einfach anzufangen: da wo er Buch sagt, meint er wohl langen Text. Ich hoffe zumindest für Sanger, dass er einen 30.000-Wort-Digitaltext einem schmalen Buch als gleichwertig anerkennt. Also substituiere ich mal innerlich Text, da wo Sanger Buch scheibt. Ja, die Bedeutung von Text gegenüber Bildern und Zahlen nimmt ab. Was Bilder angeht: seit diversen Jahrzehnten schon. Was übrigens auch schon dem einen oder anderen Autor auffiel. Aber was den Bedeutungsgewinn von Zahlen angeht: auch der ist mindestens zweihundert Jahre alt. Wäre ich böse, würde ich sagen, er geht auf Galilei zurück, und der Sieg der Naturwissenschaften über die Scholastik war so rückblickend betrachtet, nicht das Schlechteste was der Menschheit passierte,

In Deutschland kamen dann irgendwann Realgymnasien an denen man Ingenieurwesen lernte, in den USA Schulen an denen man Handel lernte. Da mag Geek chic eine Ausprägung sein, neu ist das sicher nicht. Dito, Classics, die Diskussion kann man auch mindestens führen, seit ein Abiturient im Normalfall nicht mehr fließend altgriechisch beherrscht. Den Verlust, den Sanger da anklagt, halte ich für Phantomschmerz.

Spannender ist die Gleichsetzung von Experten/College mit Wissen. Und das ist sicher auch der spannendste Punkt. Sanger beklagt, dass "Experte" ein Schimpfwort ist, und Jeder meint, Alles zu können. Ich glaube die Grundsatzdebatten sind auch schon geführt, und die klassische (und auch meine Replik) darauf ist: wichtig ist nicht, wer es sagt, sondern was gesagt wird - was zugegebenermaßen im Widerspruch zu abendländischen Kulturkanon steht, und m.E. ein Hauptgrund ist, warum viele etablierte Wissenschaftler Probleme mit der Wikipedia haben.

Und hier bei diesem spannendsten aller Sangerschen Diskussionspunkte wird es wieder schade. Leider liefert Sanger keinen Maßstab, was "gutes und echtes Wissen" ist, gegenüber dem was es nicht ist. Wenn es um Reichhaltigkeit geht, würde ich deutlich sagen, dass der spontanere, offenere Prozess reichhaltigere Ergebnisse bringt. Wenn es um irgendwie geartete Qualität geht: sicher kann man da Qualität so auffassen, dass der hierarchische Prozess es besser produziert als der offene. Aber Larry, herrje, dann mach es auch, und sage wovon Du redest.

Da wo es unspannend ist, breitet Sanger sich aus. Da wo er eine schiefe Ebene sieht, ist seit Jahrzehnten bereits das Tal erreicht. Und da wo es spannend werden könnte, ist Sanger so sehr von seiner eigenen Großartigkeit überzeugt, dass er sich des Argumentieren enthoben fühlt.


Lamentatio eines unverstandenen Welterklärers. Die immerhin gibt es bereits, so lange wie es Intellektuelle gibt. Und sie erklärt, warum Sanger nie etwas Eigenes entwickeln wird.






Abschiedspost


Ich gestehe: Früher (tm) empfand ich Blogs als eine Seuche. Nun hat sich das Verständnis des Wortes Blog in den letzten Jahren grundlegend geändert, es ist eine ernstzunehmende Blogosphäre entstanden. Bezeichnete noch vor einigen Jahren ein Blog in aller Regel ein tatsächlich öffentlich im Web geführtes Tagebuch mit privaten Befindlichkeiten, die eigentlich niemanden interessieren, findet man heute darunter auch Fach- und Wissenschaftsblogs. Unwichtige "Statusmeldungen" wie den letzten Friseurbesuch und ein Foto vom Carpaccio des vergangenen Abends findet man nun eher bei Facebook oder Twitter.

Dank Southgeist hatte ich die Gelegenheit, mich erst einmal sechs Wochen als Gastblogger hier auf Iberty zu betätigen. Und ich muss sagen: Ich wurde erfolgreich angefixt. Die tragische Konsequenz der Aktion ist also ein weiteres Blog, das eigentlich niemand braucht.
Nun werde ich da sicherlich keine wissenschaftlichen oder hochgeistigen Abhandlungen verfassen. Aber vielleicht gelingt es mir ja, einige bisher noch nicht so recht verarbeitete Gedanken in essayistischer oder kolumnistischer Form in Bildpunkte zu bringen. ;-) Wenn es dann der eine oder die andere interessant findet, um so besser.

Meine Beiträge hier habe ich ganz frech in mein neues Blog eingestellt, um nicht mit einem völlig leeren Blog beginnen zu müssen.

Ich bin selbst gespannt, wie sich das entwickelt, und ob es eine dauerhafte und regelmäßige Betätigung wird, oder ob es wieder einschläft.

Also nochmals vielen Dank an Southgeist für die Gastfreundschaft!
Und zum Schluss wohl das Wichtigste: fee as in coffee