Mittwoch, 16. März 2011

"Wir erinnern uns alle an die Angst"

Da Tschernobyl noch in meiner Kindheit lag, sind meine Erinnerungen eher vage. Dennoch erinnere ich mich an viel Angst und Panik und Vorsicht und erhöhte Werte in den Pilzen, aber an keinerlei gesundheitliche Langzeitfolgen in Deutschland. Liege ich falsch? Gibt es dazu irgendwo seriöse Daten? Weiß, welche Folgen Tschernobyl wirklich langfristig auf Deutschland hatte?


Kommentare:

snotty hat gesagt…

gute frage.
es gab nicht nur keine schwammerln mehr, sondern auch keine nüsse.
im regen spielen war angeblich ungesund, man nahm jodtabletten (und zwar zu spät).

zu echten fakten wird's fürchte ich nicht reichen, wenn selbst die krebsfälle rund um eure atomkraftwerke statistisch kaum zu belegen sind....

kellerkind hat gesagt…

Frag Wikipedia

"Die Langzeitfolgen des Unglücks sind schwer abzuschätzen. Wegen der Unsicherheit vieler Daten und epidemiologischer Modell-Parameter sind alle Voraussagen über zukünftige Morbiditäts- oder Mortalitätszahlen mit Vorsicht zu betrachten."

http://de.wikipedia.org/wiki/Tschernobyl-Ungl%C3%BCck#Langzeitfolgen

dirkfranke hat gesagt…

Wikipedia hatte ich tatsächlich befragt. Aber gerade solche Artikel sind nun so oft Ziel politischer Manipulationen, dass ich da Wikipedia wirklich nicht traue.

Und mal ehrlich, angesichts der Massenpanik, die da geschoben wurde und die jetzt wieder akut ist, ist "keine Ahnung ob was passiert ist. vielleicht, vielleicht auch nicht." nun wirklich sehr unbefriedigend.

kellerkind hat gesagt…

klar, ist das unbefiredigend. aber ich stelle mir den nachweis nach 25 jahren tatsächlich schwierig vor. wie willst du nachweisen, dass genau DAS der faktor war und nicht die 3 millionen ereignisse, die sich seit dem zugetragen haben?

RaBoe hat gesagt…

Also ich war während der Zeit beim Bund und mit einen Geigerzähler bewaffnet, ich bekomme das knacken immer noch nicht aus dem Ohr, vor allen in Alpträume kommt es oft vor.

@notty es gibt eine zuverlässige Studie von Krebsfällen bei Kleinkindern in der Nähe von AKWs und die ist faktisch belegt.

In den Anfängen der 90iger Jahren lebte ich für einige Zeit in Polen und hatte dort das große Glück verschiedene Wissenschaftler kennen zu lernen.

Ich lernte auch ihre Untersuchungen im Bereich Strahlenspätfolgen kennen. In Polen gibt es sehr viele Spätfolgefälle. Nur wurden sie nicht an die große Glocke gehängt, weil die Polen in die EU wollten und lieber andere Fässer aufmachen.

Und ein Besuch auf verschieden Friedhöfe im Osten von Polen gibt Dir den Rest.


Euer RaBoe

dirkfranke hat gesagt…

Das allerdings ist meine kognitive Dissonanz.. dass es in der Ukraine und angrenzende Gebieten gravierende Früh- und Spätfolgen gab, ist unstreitig gut belegt.

Aber in Deutschland? Da besteht bei mir gerade kognitive Dissoanz zwischen "gefühlt Weltuntergang" mit Geigerzählern, Panik, Alpträumen und "kann auch sein, dass es keine Folgen hatte, keine Ahnung".

Stepro hat gesagt…

Ob Jodtabletten, Pilzverzicht und Milchauswahl irgendetwas bewirkt haben, müsste man zumindest feststellen können: Im Unterschied zwischen DDR und damals noch unvollständiger BRD.
Im real existierenden sozialistischen Deutschland gab es keine Auswirkungen von Tschernobyl. Wenn man in der DDR überhaupt etwas über mögliche Auswirkungen auch auf Deutschland erfahren hat, dann vielleicht aus dem wöchentlichen Lindenstraßen-Konsum.

dirkfranke hat gesagt…

Hm, ich habe mal ein bißchen geforscht, und was ich bisher finde, listet für 1986/1987 in Deutschland (Bayern, am stärksten betroffen) zusätzlich etwa 0,5 bis 1 mSv zusätzliche Strahlung auf. Das ist etwa dasselbe zusätzlich, was man sonst an natürlicher Strahlung kriegt, oder drei größere Röntgenuntersuchungen oder ein zehntel dessen was der Schwarzwald von sich aus strahlt. Das ist jetzt nicht nichts, aber für ein Weltuntergangsszenario doch eher wenig.

dirkfranke hat gesagt…

Stepro,

an der mit der DDR hatte ich auch gedacht. Wobei meines Wissens nach auch Schweizer und Franzosen eher wenig getan haben. Okay, die Schweizer Berge strahlen von sich aus genug, da ist auch der Schwarzwald harmlos.

liesel73 hat gesagt…

Nicht nur schweizer Berge strahlen. Auch die Halden im Erzgebirge und das schon seit Jahrhunderten.

Eventuell gibts es im Rahmen des Krebsregisters (http://de.wikipedia.org/wiki/Krebsregister) irgendwelche Auswertungen.

Orci hat gesagt…

Hier hat eine Statistik über die Belastung von Wild mit 137Cs in Baden-Württemberg: http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/22436/

Generelle Aussagen über Belastungen mit 137Cs lassen sich schwer machen, da die Belastung sehr von den indiviuellen Bedingungen direkt nach Tschernobyl abhängt (z.B. ob es geregnet hat und so 137Cs ausgewaschen wurde).

Es gibt auch deutliche Unterschiede in der Gefährlichkeit von Strahlung. 137Cs ist da aus diversen Gründen (Beta- und keine Alphastrahlung, kürzere Halbwertszeit, leichte Aufnahme in den Körper, gute Speicherung im Körper...) deutlich problematischer als das Uran/Thorium, das im Schwarzwald oder den Alpen strahlt.

snotty hat gesagt…

@RaBoe - ich glaub die eh, aber es gibt gegenstudien, etc blabla.