Dienstag, 15. Februar 2011

Mspro wird beim Klassenkampf nicht erschossen, sondern Pausenclown

Letztens fuhr ich ein bisschen bei Ludwigslust durch mecklenburgische Alleen und genoss den sich anbahnenden Sonnenuntergang. Und während ich so zwischen Eichen- und Buchen hin- und herwechselte kam mir an einer Allee bunte blinkende Lichter entgegen, diverse LKWs standen da. Ein ab und an kommender PKW bog unerklärlicherweise nach links auf das abgeernete Maisfeld ab.

Näher angekommen, lag mitten auf der Straße ein VW Golf. Auf dem Dach. Quer über. Sehr unschön. Geradezu grausig. Aber wie das ist, auch wenn ich es nicht will, und ablehne, natürlich wurde ich beim abbiegen auf das Maisfeld langsamer und schaute mir das Bild des Schreckens näher an. Ähnlich ist es mit Texten von mspro. Wildes faktenbereites Wuseln, seltsame Thesen, ein wabblige Weichheit, die die Falsifizierungsmöglichkeiten von eingeöltem Vanillepudding besitzt, aber man kann nicht weg.

Er schlug zu mit Unsere Verschwörung. Um das ganze von "Welt", "Alle", "Hyper", "Zukunft" in handlichere Begriffe zu übersetzen: Mspro sieht sich selbst als Teil einer globalen Elite, die dem Rest der Menschheit alsVerschwörung vorkommen muss, und hat in Ansätzen von Reflexion Angst vor dem Klassenkampf.

Ich mach es mal detaillierter: Mspro hat Freunde. Soweit so schön. Die fliegen von einer In-Bubble auf der Welt in die nächste, clubben in ihren bubbles, essen Steaks, und "tauschen Meme". Das hat Tobias Rapp schon vor ein paar Jahren sehr schön als Easyjet Set beschrieben. Da denke ich persönlich ja immer an Überschwemmungen in Bangladesh, aber nun ja, niemand ist perfekt.

Auch dass dieser Freundeskreis The Wire auf Englisch offenbar für den Höhepunkt kultureller Distinktion hält, sei verziehen. Eine Fremdsprache immerhin ist besser als keine, und die Simpsons werden tatsächlich öde, wenn man älter als 25 wird. Ein bißchen bedauerlich finde ich es ja auch, dass mspro und seine Freunde durch Jakarta, New York und Berlin stiefeln können, ohne nennenswerte Unterschiede zu bemerken. Das schafft man nur, wenn man sich wirklich eng an die Pfade des ausgetretenen "suitable for hip foreign tourists" hält. Aber nun ja, wer immer zu McDonalds geht, wird auch keinen nennenswerten Unterschied zwischen polnischer, belgischer und japanischer Küche feststellen, und kann trotzdem ein guter Mensch sein.

Allerdings hat mspro dann doch zwei seltsame Grundannahmen, die etwas Betrachtung verdienen. Zum einen scheint er stolz auf die ausgebreitete Ignoranz, postuliert als Elite dienjenigen - obwohl unter 40 - schon Englisch gelernt haben und ein öffentliches Verkehrsmittel benutzen können. Außerdem machen sie die Zukunft - nun ja, ich hätte da eher an Ölfelder in der Arktis gedacht auf denen Zukunft gemacht wird, oder Atomwaffenlabors in China. Aber sicher hält das keinen Vergleich damit aus, was im Hotspot von Frankfurt/Hahn vor sich geht.

Zum anderen verleibt er dann gleich alle Mittel- und Oberschichtler in seinen Freundeskreis ein. Da könnte ich jetzt natürlich ein Dutzend Studien zum Wertewandel anführen, zu kulturellen Unterschieden, zu verschiedenen Milieus etc. Aber irgendwie würden Zahlen und Fakten dem Geist des mspro-Textes widersprechen. Deshalb werfe ich jetzt auch eine These in den Raum: Meme tauschen ist für Dampfhirne.

Und auch sonst ist das postulierte revolutionäre nicht neu. Dummschwätzer mit Bildungshintergrund gab es schon immer, deren Zusammenrottung zu Peergroups auch. Und wo halt um 1900 Mensuren geschlagen wurden, wird um 2100 ferngesehen.


Kommentare:

Magnus hat gesagt…

Irgendwie stolperte ich gestern auch über diesen Text, versuchte ihn zu lesen und hatte nach ungefähr 2 Absätzen keine Lust mehr, da es für was ernst gemeintes zu verworren und für eine Satire zu unlustig war. Danke für diese Zusammenfassung, die mich in meinem Glauben bestärkt, dass, würde Douglas Adams heute leben, die Telefondesinfizierer durch Alpha-(Älfchen?) ersetzt würden.

snotty hat gesagt…

das ist halt nicht die generation meme, sondern die generation me! me! me!

dirkfranke hat gesagt…

Wobei die Tatsache, dass die Mittelklassen versuchen, sich von unter ihnen stehenden abzusetzen, nun alles andere als neu ist. Das klappt auch ohne Internet.