Samstag, 23. Oktober 2010

Wer braucht Twitter, die Revolution will SPD-Ortsvereine

So ganz tief in meinem Inneren, sehr verschüttet und zum Glück meistens in die Gehirnecke verbannt, in der auch meine Lateinkenntnisse vor sich hin darben, sitzt ein kleiner Leninist und langweilt sich sehr. Nur manchmal, bei gewissen Schlüsselreizen, springt er auf und rappelt herum. Wenn ich kurz nacheinander erst SPD und dann Revolution lese. Dann springt er hervor und jubelt "erschießen", "erschießen", "erschießen."

Den Moment muss ich ihm nachsehen. Nach Jahren des Dunkelns in hinteren Gehirnecken ist er so ein bißchen überschwenglich und neigt zu überschießendem Enthusisasmus. Also rege ich ihn ein bißchen ab, und wir einigen uns auf "organisieren", "organisieren", "organisieren".

Im Vorwärts steht eine lesenswerte Diskussion. Ich wiederhole: Im Vorwärts steht eine lesenswerte Diskussion, zum Thema soll die SPD ihre Ortsvereine abschaffen. Das Pro Abschaffung argumentiert mit der Konsequenz mit der die Partei ihre Ortsvereine vernachlässigt, das Kontra damit "Die Ortsvereine sind die Schaufenster, durch die die SPD und ihre Politik wahrgenommen werden." Leider erklärt das auch, warum die Ortsvereine so darben wie sie darben: wer mag schon die mitbestimmungslose Schaufensterpuppe für die tragische Komödie sein, die sich in der SPD-Zentrale abspielt. Wer mag schon seinen Kopf hinhalten für etwas, was so einfach erkennbar in seiner eigenen Zentralen-Realität gefangen ist, und nur noch sehr schwach etwas mit der Realität eines Ortvsereinsmitglieds zu tun hat.

In Deus-Ex-Machina-Blog wiederum setzt sich Nicander A. von Saage mit der These auseinander, dass S21 erst so durch Twitter möglich gewesen wäre. Das könnte man vielleicht empirisch lösen, indem man die Leute fragt, woher sie kommen, was sie gesehen haben, und nachdem man das dann ergründet hat, wieso Spon und Tagesschau welche Bilder gebracht haben.

Norddeich wolkenberge dunkler
Ein Sturm wird kommen, la la la lala la la la lala la la la la. Ein Sturm wird kommen und meinen Traum erfüllen. Und meine Sehnsucht stillen, die Sehnsucht mancher Nacht.


Nur geht das am Problem vorbei: S21 ist nicht die Tatsache, dass da viele Leute auf einmal hingehen, das allein wäre bedeutungslos. Es ist kanalisierte Wut über ein entfremdetes politisches System, über Entscheidungen deren Sachzwänge in anderen Realitäten stattfinden als die der Bürger. Diese Wut ist da, unabhängig von Twitter. Die Gruppen gegen S21 sind da, schon lange, schon ohne Twitter. Sie haben die Infrastruktur bereitet, die jetzt Argumente liefert, Veranstaltungen organisiert, Redner und Sprecher organisiert, Alternativen vorstellt etc: kurz, die das machen, was in einer funktionierenden repräsentativen Demokratie ein Ortsverein machen würde.

Twitter kann Erregungskurven antreiben, im Zweifel noch Ort und Datum verbreiten. Wer allerdings meint, dass eine erregte Menschenmenge, die sich von 14 bis 23 Uhr trifft, politisch etwas bewegt, der hält auch das possierliche Berliner Frühjahrsprügeln für den revolutionären ersten Mai.

Die Politik braucht nicht unbedingt SPD-Ortsvereine. Aber sie braucht Organisation. Kontinuität an der Basis, den Willen mal länger als drei Wochen an einem Thema zu bleiben, und den Willen, den Ansatzpunkt zu finden. Das macht oft keinen Spaß, ist anstrengend, gibt nur manchmal ein knackiges 140-Zeichen-Statement ab, ist aber die Grundlage auf der alles andere läuft. 100.000 Menschen auf einem Platz sind nach einem Nachmittag wieder weg. Und sobald sie weg sind, sind sie politisch uninteressant.

(so, und wer bis hierhin durchgehalten und noch Zeit und Energie hat, darf dann auch noch den Gladwell-Artikel lesen, der alles ausgelöst hat. Lohnend.)



Freitag, 22. Oktober 2010

Offene Tabs wegbloggen

Was passiert, wenn English Heritage seltsame Recht anmeldet, dass Stonehenge ihnen gehört? Und Lego das Aussehen des Lego-Steins schützen will? IPKat bastelt ein Stonehenge aus Lego.(Leider nicht CC-BY though)


Süddeutsche Zeitung über deutsche Parallelgesellschaften: "Das Schicksal, ein paar Straßen weiter."

Großstadtflyer ästhetisch überarbeitet? Zählt das als Kooperation. Guadian: Cardon Copy.

Etwas älter, aber irgendwie zeitlos. Santacheck. Ja, das ist echt.

Royal Society mit spannender Wissenschaftlerbiographie: Ubi Crookes Ibi Lux.

Five Books zum Thema falsch liegen: Kathryn Schulz on Wrongness.

Falsch ich spurlos verschwinden sollte, habe ich mich mit 400 Stunden Podcast weggeschlossen: This American Life.

Zwei Lummerland-Tipps von Liesel: Lummerland als Modellbahn, und nochmal mit weniger Fotos und mehr Plänen: Dr. König´s Märklin-Digital-Page.

Orhan Pamuk auf türkisch lesen. Lydia Kiesling: "On Reading Snow in Turkish"

Bundestag Medienpreis Politik. Gilt auch für Onlinemedien.

Die Wikipedia-Admin-Umfrage ist da

Dort um genau zu sein. Diese Umfrage.

Nach erstem querlesen: 56 Rückläufer, davon haben knapp 30 statistisch auswertbare Angaben gemacht.

Die 30 immerhin haben mein subjektives Bauchgefühl netterweise vollauf bestätigt: >50% haben einen Uni-Abschluss, der Durchschnittsadmin ist bereits seit Mitte 2004 dabei, kein einziger sieht sich politisch als konservativ, den katastrophal niedrigen Frauenanteil konnte man ja schon vorher auszählen, da brauchte ich kein Bauchgefühl für. Imposante 3% halten die Community unter den Admins für toll, die ausformulierten Angaben verraten viel Frust aber auch viel Kreativität und Spaß.

Mehr, wenn ich die Ergebnisse etwas gründlicher gelesen habe.

An der Bülowstraße abends um acht - Melda Akbaş: So wie ich will

In der Bülowstraße in Berlin-Schöneberg abends um acht kommt Melda Akbaş abends nach Hause und führt dann wahrscheinlich Auseinandersetzungen mit ihren strengen Eltern türkischer Herkunft. Darüber hat sie das Buch So wie ich will geschrieben.

Ein Buch, das ich durchaus gern gelesen habe, mich dem ich mich aber auch unwohl fühle. Es fängt bei dem seltsamen Untertitel an "Mein Leben wwischen Moschee und Minirock", nette Alliteration, nur kommt Minirock im Buch gar nicht, und Moschee eher am Rande vor - vor allem Sinne, dass Akbaş sie den größten Teil der Zeit schwänzt. Bei Bertelsmann verlegt, unter anderem in Focus und Deutschlandfunk besprochen, ist es die Geschichte einer 18jährigen, wie sie es wohl tausendfach gibt; nur schreiben die anderen bestenfalls Blogs oder Facebookeinträge.

So ein bißchen entzieht das Buch sich ja der Kritik: will man eine 18jährige Deutsch-Türkin, die, durchaus alterstypisch, auch noch eine gewisses Grundleiden am Leben mitbringt, auch noch vorwerfen, sie könnte nicht schreiben? Oder ihre Geschichte sei langweilig? Oder der Einband doof? Und da es so sehr autobiographisch ist, ist da nicht jedes "das Buch ist nicht gut" ein "das Leben ist nicht gut?"

Im Großen und Ganzen handelt das Buch die letzten zwei Jahre im Leben von Akbaş ab. Sie schriebt über die Zeit im Charlottenburger Edelgymnasium, das Engagement in der Schülervertretung, und der Wechsel an ein Kreuzberger Gymnasium. Auseinandersetzungen mit den Eltern spielen eine wichtige Rolle. Geschrieben in einer klaren, direkten Sprache, kommt immer wieder die Großfamilie vor, einzelne Kapitel sind Exkursionen wie der Islamunterricht, der Familienrat, oder der Türkeiurlaub.

Die Exkursion sind meines Erachtens der lesenswerteste Teil des Buches. Lebendig, mit einer Einsicht in andere Welten, und unbedingt Lust machend, an einem der Familienräte mit Anwesenden aller Altersgruppen, zwischen überzeugten türkischen Dorfbewohnern und militanten Atheistinnen teilzunehmen. Dort lebt das Buch, und Randbemerkungen, wie das Akbaş' Mutter im Dezember Ramadan-nachfastet, weil da die Tage so kurz sind, bringen einem Leben und Alltag näher.

Die Haupthandlung jedoch bleibt mir ferner, obwohl sie eigentlich näher sein müsste. Sie handelt von Akbaş' Engagement in der Berliner Schülververtretung. Ein Großteil des Buchs nimmt ihr politisches Projekt "Let's organize somethin'" ein, dass mit "Workshops zum Thema zivilgesellschaftliches Engagement" "Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zu mehr Beteiligung in Politik und Gesellschaft" befähigen soll. "Integration soll durch Empowerment erreicht werden." Das Projekt ist in seinem Scheitern schon fast idealtypisch für derartige Projekte von Nachwuchspolitikern. Akbaş wundert sich aber genauso wie der Leser, warum öffentliche Aufmerksamkeit sowohl der Medien als auch der staatlichen Stellen in keinem Verhältnis zum Desinteresse der direkt Betroffenen und Angesprochenen steht. In der großen Geschichte von Akbaş Erwachenenwerden steckt noch eine kleine Geschichte über das Scheitern wohlmeinender Politikprogramme zum "Empowerment" aus Unverständnis heraus.

Eher ungewöhnlich allerdings nimmt Akbaş sich dieses Scheitern zu Herzen; sie meint, dass sie so wenig über die Deutsch-Türken weiß, und Probleme hat, sie anzusprechen. Sie wechselt freiwilligen an ein Kreuzberger Gymnasium, in dem nur zwei Schüler im ganzen Jahrgang deutsche Großeltern haben. Dort allerdings kommt sie mit diesen zwei Schülern und dem Mädchen mit den italienischen Eltern besser klar, als mit den Deutsch-Türken. So erzählt sie wieder einmal die Geschichte wie unsinnig es ist, Migranten oder Deutsch-Türken oder Jugendliche als eine große homogene Gruppe zusehen, oder wie unsinnig es ist, aus der Ferne eine Person zur Sprecherin dieser Gruppen machen zu wollen.

Einerseits ist So wie ich will ein sehr ehrlich wirkendes direktes unterhaltsames Buch, dass mir den Einblick in ein Leben nur wenige hundert Meter entfernt eröffnet. Andererseits habe ich die ganze Zeit das Gefühl, dann doch ein Werk der Gattung Nachwuchstechnokraten-Powerfrauenliteratur zu lesen. Das wäre richtig schön, würde es mir erzählt, es wäre ein unterhaltsames und lehrreiches Blog. Aber als deutschlandweit wahrgenommenes Buch, das als wichtige Stimme in der Integrationsdebtte wahrgenommen werden soll? Das ist dann wohl doch eine Nummer zu groß.


An der Bülowstraße abends um acht - Bejte Ethiopia

Manchmal erweist sich die hohe Zahl wirklich netter Restaurants hier in der Gegend als äußerst hinderlich. "Du, wir könnten auch mal zum Äthiopier, von dem wir schon so vieles guten gehört haben.." - "Jaa, aber da kommen wir an dem Inder vorbei, und dem Spanier, und dem Koreaner, und die sind alle näher und wir gehen kein Risiko ein." Stimmt schon, aber "wenn wir hintenrum gehen?" - "Dann ist da der Norweger, und der Thai." Hm, und durch den Park? "Der Sarde. Und der andere Sarde." Es bedeutet eine gewisse emotionale Anstrengung, um sich in auf kulinarische Erkundung zu begeben.

Aber nun ja, wir haben uns strikt vorgenommen, allen Verlockungen zu widerstehen, und direkt ins Bejte Ethiopia zu gehen. und nehmen vorsichtshalber den Bus bis direkt vor das Ziel. Die Kurfürstenstraße und Bülowstraße sehen immer noch so aus, als wäre "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gestern mit den Dreharbeiten fertig geworden. Die Terrasse des Bejte Ethiopia bietet einen netten Ausblick auf einen Swingerclub; leider aber werden wir dem neuen Gästen dort am Eingang aber nicht zusehen können, weil es ist KALT.

Drinnen ist es voll, soweit ich sehen konnte, haben sie wirklich jeden einzelnen Sitzplatz gefüllt, unsere Reservierung ist aber netterweise direkt neben der Kaffeezeremonie. Der Laden ist, ich würde mal sagen traditionell, geschmückt, ohne allerdings kitschig zu wirken, die Bedienungen sehen ähnlich aus, befinden sich aber auch noch jenseits der Grenze zum Ethnokitsch. Ehrlich gesagt wirkt es vor allem einladend und gemütlich, und die artistischen Leistung, mit der sich die Bedienung durch die engen Gänge schlängelt bleibt den Abend über beeindruckend.

Während wir fröhlich schon mal bestellen und äthiopisches Bier trinken (eher wässrig), röstete die Dame neben uns Kaffee, mahlt ihn und serviert ihn dann zusammen mit Popcorn. Das Essen bestand aus traditionellen Spültuchbrot Injera mit der großen Auswahl von allem etwas. Für diejenigen, die es nicht kennen: man isst, indem man mit der Hand Stücke vom Brot abreißt, und mit diesem dann von der den Speisen in der Mitte aufnimmt.

Das Injera fasziniert mich jedesmal wieder, wenn ich es in der Hand habe, die Speisen waren durchgehend lecker. Linsen mit Senf überraschend aber gut, die scharfe und sehr aromatische Sauce zum Rind ein echtes Erlebnis, scharfe Linsen erwartungsgemäß gut, und das Sauerkraut(?) bildete einen sehr angenehmen Akkord. Die Bedienung war aufmerksam, wir hatten mittlerweile zum Mango-Bier gewechselt (deutlich besser), und das erste mal in einem Restaurant waren drei Stunden um, als ich dachte, es wäre eine halbe gewesen.

Sofern wir es also je wieder schaffen, uns am Inder und am Thai und am Sarden vorbeizuschmuggeln, werden wir sicher wieder da sein. Zumal, zum Abschluss, man bei Starbucks beispielsweise fast mehr für einen Cino-uppe-latte-eis-milch-zucker plus Muffin ausgibt, als wir für frisch gerösteten Kaffee und ein außerordentliches Essen.





Guten Morgen



Von Boing-Boing Videos übernehmen, ist ja schon me-too-bloggen extrem. Andererseits: da ich das Video eh für den Rest des Vormittags in Dauerrotation haben werde, kann ich es so wenigstens im virtuellen Zuhause ansehen.


Ist reverten pietätlos?

Nachdem mein eigentlicher erster Gastbloggerbeitrag erst halbfertig ist, gebe ich mal meinen Einstand mit einer interessierten Frage an die geneigten Leser: Ist reverten in einem Artikel über eine gerade verstorbene Person pietätlos?

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Eine Insel mit zwei Bergen

Ein weiterer Schritt im Kampf für unterdrückte Kulturthemen, die der gemeine Wikipedia-Admin nicht ernst nimmt: Lummerland existiert. Wie man sieht, erstmal mit dem großflächigen Relevanznachweis "existiert auch außerhalb des literarischen Hauptwerks", und noch weit entfernt von Heidi in Japan. Aber ein bißchen Zeit haben wir ja noch, bevor Wikipedia implodiert.



Der Wie-geht-das-Laden

Leere Malls sind romantisch, aber schlechte fürs Geschäft: eine häufige Kombination. Nun sind Mallbetreiber eher unromantisch. Der hier um die Ecke ist auf eine eigentlich kreative Idee gekommen: man gebe Räume für wenig Geld an unkommerzielle Zwischennutzungen. Eine davon scheint eine Art philosophische Lebensberatung zu sein. Nun hetz ich da zwar öfters vorbei, aber reingehen?

Sinnsuchung an sich, kann man ja gerne mal betreiben. Auch tief kontemplieren, der Sache auf den Grund gehen und so ein paar natürlich scheinenden Strukturen im Leben hinterfragen. Aber so im Einkaufszentrum zwischen Uhrenbatteriewechsel, Zahnpastakauf und Buchladennichtkauf?

Ich frage mich da ja immer eher: wo kriege ich noch ein neues Bücherregal unter? Was unterscheidet sich Zahnweißzahnpasta von anderer? Weniger: was ist der Sinn des Lebens? Gäbe es nun ein Ladengeschäft, in das man kurz reingehen kann, und so die brennenden Fragen des täglichen Lebens stellen kann - ich wär dabei.







Was mache ich wenn mein Pudel schlecht erzogen ist?




In Zeiten des Internets dürfte das auch gehen. Man stelle zwei Freiwillige da rein (Crowd-Social-bla begeisterte halt), die nicht ganz auf den Kopf gefallen sind, geben ihnen einen Internetanschluss, ein kleines Bücherregal, und einen Würfel für die Liebt-er-Mich-Fragen, und vielen Fragen des Lebens dürfte abgeholfen werden. Halt Wikipedia zum reingehen in tatsächlich lebenstauglich.

Wenn man dann noch das Wikipedia-Logo draufsetzt, vielleicht ein paar Kaffee verkauft, und dann eine Spendenkasse aufstellt, sollte sich das für alle rechnen. Das Einkaufszentrum hat einen pressetauglichen Publikumsbringer, Wikipedia hat man wieder allen Menschen geholfen, und ich weiß, wo ich mein Bücherregal hinquetsche.


Für weniger GEZ und mehr Fernsehinnovation

Liebe Ministerpräsidenten,

nur so als Vorschlag. Euch ist schon klar, dass ihr sowohl GEZ-Gebühren radikal senken,.und dazu Innovation im Fernsehen wirklich anschieben könntet, wenn Ihr einfach dieses Phantomkonstrukt der Sportübertragungsrechte abschafft? Nur so als Vorschlag.


Liebe Kinderfahrrad-im-Kofferraum-transportier-Fahrer,

wenn Ihr mit Eurem Mittelklassekombi so eng auf die Fahrradspur zieht, dass ich bei der Zwangsvollbremsung fast über den Lenker fliege, dann setzt das ein wirklich unschönes Beispiel.


Ein paar Toyotafotos

Hm, mein Projekt eines geopolitischen Automodellartikels ist leider gerade etwas am Stocken. Zuwenig Zeit, zuviele Quellen ohne echte Informationen, zuwenig Quellen mit Sustanz. Immer wieder erstaunlich wie schnell einem das Material ausgeht, wenn man klassisch-eingetreten Pfade subventionierter Forschung verlässt. Um aber nicht ganz tatenlos herumzusitzen, habe ich mal angefangen, CC-Fotos von flickr nach Wikimedia-Commons zu migrieren. Alle 16 sind auf meiner Benutzerseite gesammelt, eine kleine Auswahl auch im Blog.


Arktis, von Wapster, CC-BY-2.0



Brasilien, von Paul & Aline Burland, CC-BY-SA-2.0



Neuseeland?, von nzhamsta, CC-BY-SA-2.0



Jemen, von Sylvan Hoover, CC-BY-SA-2.0


Mittwoch, 20. Oktober 2010

Deli muda: was Wikipedia verschweigt

Gerade noch gerettet, bevor ein Löschadmin kam. (Volltext-Zitat)

Deli Muda auch bekannt als Dei Mudda wird häufig in der jugendsprache als schimpfwort benutzt Nun man darf nich vergessen dass es auch andere Wörter gibt wie z.b dei vadda dei schwesta und soweiter.



Noch ein Wikipedist: nicht nur Sonnenschein und Regenbogen und Händchenhalten

Wikipedia vergreist und wird ungeheuer gewöhnlich. Eine überaus angenehme Nebenwirkung dieses Prozessses ist: der rosarote Rauch verfliegt, der schwarzdunkle Rauch verfliegt auch ein bißchen, und ein paar Wikipedisten beginnen tatsächlich einen halbwegs realistischen Blick auf Wikipedia zu werfen, ohne gleich mit einer Vorstellung anzufangen, wie sie sein sollte.

Nataniel Tkacz zum Beispiel - mit seinem Text Wikipedia and the Politics of Mass Collaboration, veröffentlicht in Platform: Journal of Media and Communication - ist so einer. Erstmal kuckt er erstmal und überprüft seine Theorien.

Als skeptischer Wikipedianer kann man beim lesen sagen: Wow, großer theoretischer Aufwand, ein Miniaturausschnitt einer Diskussionsseite, und am Ende kommt raus, dass es auch Machtbeziehungen in der Wikipedia gibt. Da hat wieder jemand Bagger und Traktor geholt, um ein Alpenveilchen einzupflanzen.

Tkacz bemüht erst diverse Collaboration-Theorien und stellt fest, dass diese mit wenig Inhalt gefüllt sind, und vor allem einen Gegensatz zu Hierarchisch, marktförmig, dominanzförmig etc. bilden. Diejenigen Inhalte, die sie haben, vergleicht er dann mit einer Wikipedia-Diskussion - ein Diskussionsausschnitt zum Thema, ob Wikipedia Mohammed abbilden darf oder nicht. Er kommt wenig überraschend zum Ergebnis, dass diese Wikipedia-Diskussion eigentlich keineswegs so abläuft, wie sie nach der Collaboration-Theorie ablaufen sollte, und, Respekt, er wechselt die Theorie anstatt Wikipedia die Schuld zu geben.

Dann holt er Chantal Mouffe und deren Kritik des post-Politischen heraus, mit einem Plädoyer, das politische zu ergänzen. Er modifiziert sie um Christoph Spehrs Taxonomie der Dominanz und Mark Elliotts Stigmergic Collaboration. Tkacz visiert an, so einen theoretischen Zugriff auf große Kollaborationsprojekte zu bekommen, die das politische in solchen Strukturen nicht ausblenden.

Ich gebe zu, der Text ließ mich beim ersten und zweiten Lesen eher verwirrt zurück; die Tatsache, dass utopistisch angehauchte Kooperationsmodelle semantischer Leere nicht wirklich angebracht sind, um Wikipedia zu beschreiben, ist dem Wikipedianer an sich nun keineso große Überraschung. Dass Wikipedia weder macht- noch politikfrei verläuft, merkt man bei entsprechenden Interessen auch schnell. Und dass man Mouffe oder Elliott benutzen könnte, um über Wikipedia zu denken; ja, schon, könnte man; wie auch viele Andere. Nur muss es mal jemand machen.

Mittlerweile habe ich aber festgestellt, dass Tkacz' Text im Rahmen seiner Dissertation entstanden ist. Und da hab ich wieder die Hoffnung, dass Chantal Mouffe, Mohammad und Nathaniel Tkachz noch eine gewinnbringende menage a trois eingehen werden. Ein politische Theorie der Wikipedia-Kooperation fände ich nun wirklich spannend.



Liebe Werber,

Wenn ich Thesen lese, wie

Denn der vernetzte Mensch ist kein passiver Konsument mehr, der sich medial “versorgen” lässt und dabei neben redaktionell erstellten Inhalten, seien es Nachrichten oder Unterhaltung, auch noch die Werbung zur Kenntnis nimmt. ...

Auf diese Weise bleibt kaum etwas aus den Medien ohne Feedback und über alles legt sich der Schleier einer meinungsbildenden Konversation


staune ich. Euch ist schon klar, dass Menschen schon weit länger miteinander reden, als es mediale Werbung gibt? Ihr wisst, dass auch vor der Erfindung des Social-Web-Bla-Social-2.0 Menschen über ihren Medienkonsum kommuniziert haben, sich eine Konversation über alle Belange des Alltags legte, und die Menschen noch nie einfach nur passiv Medien konsumiert haben? So ein bißchen klingt das als hieltet ihr die Menschheit für doof, und erst das Smartphone reißt sie aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit.




Kein Scherz. Pasta im Kochbeutel.

Mein Pflücksalat und ich gehen bei Penny zur Kasse, draußen regnet es in Strömen, der Schritt wird schlurchender, immerhin ist es im Penny warm und trocken. Blicke schweifen, und landen bei der Lebkuchenherzen, der neuen Zitty, Pasta im Kochbeutel, und Handyangeboten. Pasta im Kochbeutel? Warum? Wozu? Ist reinwerfen - 10 Minuten warten - rausholen - essen, jetzt wirklich eine Herausforderung, die man Menschen abnehmen sollte?

Investigatismus überkommt mich, und führt mich zur Birkel-Aktionsseite. Die ist so deprimierend, dass mein Investigatismus sofort wieder erlahmt. Pasta-im-Kochbeutel-Essen sind laut Birkel anscheined eher jung und Wortschöpfungen aufgeschlossen.

Die Mikrowelle wird zur Mikro, die Pasta ist gelingsicher, das ganze ist perfekt im Handling - wer erinnert sich nicht, wie er mühselig die vollkommen unhandlichen Spaghetti in den Topf bugsieren musste.

Der Kochbeutel selbst besitzt breite Griffzone, Mikroperforation für rasches Abtrocknen, eine Aufreißkerbe zum leichten Öffnen, und eine Gabellasche für bessere Handhabung. Stimmt, Penne mit Gabellasche hatte ich vorher noch nie.

Das beste aber: Endlich ist es möglich, verschiedene Nudelsorten gleichzeitig zu kochen – in einem Topf!

Bitte Menschheit! Gib mir meinen Glauben an Dich zurück. Nicht kaufen.



Necropants, my friends. Necro. Pants. And this is why Iceland is fucking METAL.

Einer der nettesten Wikipedia-Wettbewerbe der letzten Zeit fand außerhalb der Wikipedia statt. Wie schon kurz angesprochen hat das Blog Got Medieval zusammen mit einem amerikanischen Kostümverleiher rechtzeitig zu Halloween zu einem Wettbewerb aufgerufen:


I want to find the weirdest claim about the Middle Ages** on Wikipedia.*** And I mean the weirdest. That's right--so weird that normally oriented typefaces fail to capture the weirdness, requiring the use of type variants that are tilted slightly to the right!


Got Medieval hat heute den Gewinner bekanntgegeben:

Sadly, I'm not sure if my favorite bit of historical amusement from wikipedia falls into the correct time period. The wiki says "medieval" but the actual written source is much later. Never the less, for your amusement:

"In medieval Iceland there were several magical staves, or rune-like symbols credited with magical effects."

Including:

"Nábrókarstafur - Necropants, a pair of pants made from the skin of a dead man that are capable of producing an endless supply of money."

Necropants, my friends. Necro. Pants. And this is why Iceland is fucking METAL.

From http://en.wikipedia.org/wiki/Icelandic_magical_staves


Soweit ich das verfolgen konnte stammt der einzig auffindbare ursprüngliche Beleg vom Isländischen Museum für Magie und Hexerei, niemand weiß ob es stimmt, aber die Geschichte ist gut erfunden.

Andere Einträge sind der Mann mit der Bratpfanne aus der Festungsmauer, die isländische Blutrache, die Tote verhindert, Weißwangengänse, die der mittelalterlichen Kirche nach Fische und keine Vögel waren oder auch

"According to the narrative, sometimes set in Portugal, a teen-aged noblewoman named Wilgefortis had been promised in marriage by her father to a pagan king. To thwart the unwanted wedding, she had taken a vow of virginity, and prayed that she would be made repulsive. In answer to her prayers she sprouted a beard, which ended the engagement. In anger, Wilgefortis's father had her crucified." http://en.wikipedia.org/wiki/Wilgefortis



Alle Einträge gibt es bei im ursprünglichen Post von Got Medieval in den Kommentaren.



Guten Morgen



(via Linus Volkmann]


Dienstag, 19. Oktober 2010

Darummagichberlin (XII)





Komisches Gefühl, ich kann keine Buchhandlung mehr Ansehen ohne nostalgisch zu werden.

Falls noch ein Wikipedist ein Thema sucht: Community divide

Inspiriert vom Goldman-Text zwei drunter: "Digital Divide: Veränderungen in der Selbstrekrutierung der Wikipedia-Community. Von kreativen Alleskönnern hin zu Spezialisten." Unterthese: während Wikipedia am Anfang Leute anzog, die etwas ins Nichts hinein erschaffen wollten, kommen jetzt Leute nach, die sich in Strukturen einfügen.

Dabei bilden sich mindestens zwei Spezialiserungen heraus: Artikelschreiben, das einerseits immer anspruchsvoller und intellektuell herausfordernder wird, aber auch weniger Freiheiten gewährt; andererseits Erhaltung (sprich: Vandalenjagd und Verwaltung), das immer mehr auf einen echten Verwaltungsjob mit dementsprechend erforderlichen Fähigkeiten und Bedürfnisssen.


Herr Schmalspur-Schneeschleuder-Gastblogger!

Dafür gibt es hier keinen Schreibzugang. Fremdbloggen. Einfach so. Und dass obwohl sie viel älter und häßlicher ist. Pfftzt.


Wikipedistik: warum die Autoren wegbleiben

Wikipedia hat ein Problem. Ein tiefes, strukturelles, langfristiges, sozusagen eine Miniaturversion des demographischen Wandels: mehr Leute gehen als kommen, und diejenigen, die bleiben, sind weniger aktiv als ehedem.

Nun hab ich schon mal vor ein paar Wochen ein "Wikipedia muss Autoren bezahlen" in die Runde geworfen, aber was ist schon ein kleiner Blogpost gegen die Unbilden der Welt.

Umso erfreulicher, dass jetzt ein längerer, fußnotengesättigter Aufsatz im Journal on Telecommunications and High Technology Law erschienen ist, der genau diesen Punkt macht. Eric Goldman hat unter dem Titel "Wikipedia's Labor Squeeze and its Consequences" (pdf) die strukturellen Gründe für die dahinschwindende Beteiligung aufgeschrieben, als auch einen Ausblick auf potenzielle Lösungsvarianten geworfen.

Wer sich den keinen 30-seitigen Aufsatz in Englisch antun mag, kann im Indigenous People’s Literature Weblog eine Zusammenfassung lesen, oder natürlich einfach hier bleiben für die Oberflächenfluffvariante.

Goldman sieht es als gegeben an, dass Wikipedia immer einen recht großen Personalbedarf hat, da allein Vandalen und Spammer eine nicht zu unterschätzende Arbeitslast darstellen. Um mit diesen Vandalismusspammern fertigzuwerden, hat Wikipedia diverse technische Hürden vor dem editieren aufgestellt, die aber nun zwangsläufigerweise einschränken, dass mögliche Mitarbeiter hinzukommen.

Allerdings:

Although Wikipedia has successfully resisted significant technological barriers to editing, I think its main barriers to user participation currently are social

bei diesen sozialen Barrieren zählt er auf:
* viele Newbies haben kein Anfangserfolgserlebnis, weil ihre ersten Edits gleich wieder gelöscht/rückgängig gemacht werden.
* zum Teil aufgrund genereller Xenophobie bei diversen Autoren, die sich im Zweifel verstärkt je länger mit Spammern und Vandalen zu tun hat und eine "erstmal zurück"-Mentalität entwickelt.

insider xenophobia is a more significant incursion on free editability than any technological measure because it leads to quick screening of user
contributions — both illegitimate and legitimate.

Und selbst wenn man die ersten Schritte erfolgreich überstanden hat, ist es noch ein aufwendiger Weg zum Insider:
The contributor is expected to build a user page, learn Wikipedia-specific technological codes, discuss proposed changes with other editors before editing an entry, submit to an arcane dispute resolution process, learn a “baffling culture rich with in-jokes and insider references,” and survive a sometimes rough-and-tumble milieu.

Oder anders gesagt: die (Arbeits/Zeit)-kosten sind hoch, und nicht jeder ist bereits so hohe Investitionen aufzubringen, nur um relativ ungehindert in Wikipedia editieren zu können.




Neulinge sind besonders verwundbar.





Gleichzeitig aber leidet Wikipedia wie jedes Freiwilligenprojekt an einer hohen Aussteigerrate: Lebenszyklen/Zeitvorräte ändern sich, Freiwillige sind nach Monaten/Jahren politischer Auseinandersetzung ausgebrannt, andere ertragen die eintönige Vandalismuskontrolle nicht mehr etc. Zudem hat sich Wikipedia entwickelt:

[Wikipedia] now emphasizes incremental enhancements and site maintenance. Site maintenance requires different skill sets and personalities from those required to build the site, and people who enjoy building sites may not enjoy maintenance as much

Während die Kosten sowohl bei Altautoren als auch für potenzielle Neulinge im Laufe der Jahre gestiegen sind, bleiben die Anreize im wesentlichen gleich. Unter den drei Hauptanreizen: intrinsisch, monetär, reputational, bietet Wikipedia nur intrinsische Anreize. Monetäre Anreize gibt es nicht direkt, aber selbst indirekte Verwertung von Kenntnissen und Erfahrungen trägt in der Community ein hohes Stigma mit sich, und vermindert so rapide die Stellung des Users innerhalb der Community. Reputation gibt es wenig zu ernten, die Tatsache, dass es von Außen nur mit Mühe eruierbar ist, wer überhaupt was getan hat, senkt den möglichen Reputationsgewinn weiter.

Goldman vergleicht Wikipedia dann mit Projekten der Free and Open Source Software (FOSS). Dort sind in den erfolgreichen Projekten oft Angestellte externer Firmen in ihrer Arbeitszeit tätig, die Programmierer selbst lernen Fähigkeit, für die es auf dem Arbeitsmarkt eine direkte Verwendung gibt.

Langfristig sieht Goldman die Bedrohung, dass Wikipedia mit den bisherigen Maßnahmen nicht mehr aufrecht zu erhalten ist:

My concern is that Wikipedia’s heavy reliance on this labor supply reduces its pool of potential contributors to replace departing editors. The number of people willing to contribute to Wikipedia without any cash or credit is a relatively small fraction of people willing to contribute to UGC [User Generated Content] communities. Further, Wikipedia must constantly and successfully compete for these people’s attention against other activities and hobbies, including those activities that offer them cash or credit.

Als langfristige Lösungsmöglichkeiten hält er für möglich:

* Technische Schranken soweit erhöhen, dass Vandalen und Spammer praktisch keine Arbeitsbelastung mehr sind.
* Leute direkt bezahlen
* Möglichkeiten wie bei FOSS finden, bei denen Menschen in ihrer Arbeitszeit mit Wissen und Zustimmung der Arbeitgeber editieren.
* Wikipedia akademikerfreundlich gestalten, was für den Anfang heißt, Artikel namentlich zu kennzeichnen und zuzuordnen.
* Oder in Zusammenarbeit mit Universitäten diese Akademiker zumindest dazu bringen, dass sie ihre Studenten Wikipedia-Artikel schreiben lassen.

Ich enthalte mich mal jedes Kommentares. Es glaubt mir vermutlich eh niemand, dass ich nicht Eric Goldman bin, und wir nicht voneinander abschreiben.

Link: Wikipedia's Labor Squeeze and its Consequences (pdf) im Journal on Telecommunications and High Technology Law.


Wikipedia is peculiar. Its brilliance is in its peculiarity.

Der Chronicle of Higher Educiation hat ein kleines Artikelchen, "What if We Ran Universities Like Wikipedia?"; nettes Gedankenexperiment, aber wie der Artikel selbst sagt noch sehr unausgereift.

Treffend aber ist das Zitat vom skeptischen Siva Vaidhyanathan:

Wikipedia is peculiar. Its brilliance is in its peculiarity. It’s also more static, intellectually conservative, and elite-governed than most people believe.

Die Forschungsaufgabe, wie und warum Wikipedia an diesen Punkt kam, wäre noch auszufüllen.

(via @PeHa64 alias Peter Haber alias weblog.histnet.ch)

Nebenbei: gulli.com sagt was ähnliches, hat dabei aber deutlich mehr Schaum vor dem Mund. Leider ist bei gulli auch die Zahl echter inhaltlicher Fehler im Text so spektakulär hoch, dass ich es aufgegeben habe, sie aufzählen zu wollen.


Montag, 18. Oktober 2010

Traktormontag: Anfang mit einem Knall

Andere haben Flauschcontent am Sonntag, hier gibt es Trecker Treck am Montag. Als Neu-Berliner lebt man ja auf Entzug, die Schwerpunkte der Szene ist weit weg, und der eine arme Trecker Treck in Brandenburg, hat letztes Jahr auch nicht stattgefunden.

Ab jetzt also Full Pulls, Bremswagen, Panzermotoren und 60er-Jahre-4-PS-Traktoren am Montag, vielleicht kriege ich ja auch elian dazu, die Kinderbücher mit Traktoren am Montag zu besprechen. Und sollte unser untergetauchter Gastblogger je wieder auftauchen, weiß der vielleicht auch was.

Aber erstmal ein Anfang mit Wumms.






Wikimedia "optimiert Schulungsmaterialien"

Wikimedia Deutschland gibt bekannt, dass sich eine unbekannte Zahl von Menschen unbekannter Zusammensetzung in einer unbekannten Stadt Essen trifft, um unbekannte Schulungsmaterialen "zu optimieren". Diese arbeiten dann mit unbekannten Einzelkontakten zusammen, um an Schulen Wikipedia zu erklären. Einige Termine unbekannter Menge und Orts stehen bereits fest. Aber es gibt ein Infoblatt.

Ziel des ganzen Projektes "ist es, durch klare, bedürfnisorientierte Informationsangebote grundlegende Kenntnisse um die Methoden und Strukturen der Wikipedia zu vermitteln."


One Man: One Joke. Eine komische Welt ohne Urheberrecht

Eine herausragende Eigenschaft an guten Wissenschaftlern besteht darin, dass sie sich ab und an fragen, wie es wäre, wenn alles ganz anders wäre. Es beispielsweise gar keine Urheberrechte gäbe. Und da auch noch einen konkret diesweltlichen Fall finden, wo eben diese formalen Rechte zumindest praktisch nicht existieren.

Dotan Oliar und Christopher Jon Sprigmans haben in Intellectual Property Norms in Stand-Up Comedy, Teil ihres Buchs The Making and Unmaking of Intellectual Property und erweiterte Variante diverser Aufsätze aus den letzten Jahren, genau diesen Fall gefunden: Stand-Up Comedy.

Stand-Up-Comedy hat theoretisch nach urherrschender IP-Lehre ein ausgeprägtes Geistiges-Eigentums-Problem; praktisch auch, aber ein Anderes. Comedy ist de facto Urheberrechtsfreie Zone, da der inhaltliche Schwerpunkt der Comedians ja im Witz, also der nicht-schützbaren Idee, steckt. Oliar/Sprigman zeigen aber, dass zumindest heute ein effektives soziales System existiert, welches Witz-Klau weitgehend verhindert. Es basiert auf verschiedenen Ausgrenzungssystemen, die in seltenen Extremfällen hin bis zu tolerierter körperlicher Gewalt reichen können, Hauptmittel aber scheint es zu sein, einem beschuldigten Dieb durch verschiedenen Mittel die Auftrittsgelegenheiten zu nehmen.

Eine Auswirkung des Systems ist relativ vorhersehbar, wenn man weiß wie das mit formaler und informeller Regeldurchsetzung ist. Das in der Comedy vorherrschende informelle System gestaltet sich weit simpler und einfacher als formelles Urheberrecht. Ein Witz gehört einer Person, weder existiert eine gemeinsame Autorenschaft, noch Zusammengehörigkeit in den Rechten am Witz, noch unübertragbare Rechte. Einfach, simpel, pragmatisch.







Beim Witzeschreiben steht jeder für sich allein.





Was Oliar/Sprigman aber auch erläutern, und zumindest teilweise auf das geänderte Bewußtsein zum Geistigen Eigentum schieben, ist die veränderte Einstellung zu Originalität und Aufführung innerhalb der komischen Zunft. Der geschützte Witz enstand erst in den 1960ern/1970ern, vorher war Material auch informell frei. Die Comedy-Landschaft hat sich geändert.

Comedy war Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts noch auftrittszentrisch: mit Tanz, Gesang, Kostümen etc. wurde eine begrenzte Zahl von generischen Themen und Witzen abgehandelt, die sich gut weitererzählen ließen und oft nur aus zwei oder drei Sätzen bestanden. Heute hat sie sich inzwischen zu einem autorenzentrischen Feld entwickelt. Einsame Männer oder Frauen stehen bewegungslos vor einem Mikrophon und erzählen originelle, längere ineinander verschachtelte Geschichten. Deutlich anspruchsvoller, aber auch weniger sozial - Comedy entwickelte sich vom Feld des Austauschs perfekt inszenierter Banalitäten hin zu einem des Zuhören und passiven Konsumierens anspruchsvoller Texte.


Das Wikipedia-Autoren-Paradoxon

Seltsame US-Klimaverschwörer schreiben komische Rants und übertreiben. Aber in einem haben Sie recht:

William Connolley, a man you have probably never heard of, has been the world’s most influential global warming alarmist after Al Gore, He was influential, not through his research or the force of his arguments, but simply through his administrative position at Wikipedia.


"World's most influential" ist arg viel, aber das seltsame Mißverhältnis zwischen Bekanntheit und Einfluss, Breitenwirkung und Reputation, ist schon seltsam. Das ist das irritierende am Wikipedia Autorendasein: sofern nicht eine kleine Stephenie Meyer in einem steckt, kann man publizieren was und soviel und so gut bezahlt wie man will: man wird nie wieder eine derartige Breitenwirkung haben.


Liebe CDU-Politiker: Zwei Denkfehler

(1) Ihr tut immer noch so, als gäbe es eine Wahl, ob Deutschland jetzt islamisch, oder multikulturell oder wie auch immer Ihr es gerade nennt, sein will. Diese Überlegung kommt 40 Jahre zu spät.

(2) Wenn man will, dass intelligente gut-ausgebildete Ausländer nach Deutschland kommen, müssen sie einen Anreiz haben. Kanada oder Australien funktionieren als Einwanderungsländer, weil Menschen, die die Wahl haben, dort freiwillig hinziehen.


Sonntag, 17. Oktober 2010

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Das neue Journal of Social History ist raus, mit vielen spannenden Themen.

Grad noch über das letzte Neal-Stephenson-Buch gebloggt, da ist er mir schon wieder weit voraus und steckt tief im nächsten Projekt: The Mongoliad. Mehr wenn ich die Struktur der Site verstanden hab.

Schöne Wahlwerbungssatire: Sam Katz - he kicks children in the face..

Erfahrungsbericht. Meet the Germans: wie ich mit Marlene Dietrich drehte.

The Morning News: I’m Your Biggest Fan Wenn Du Lehrer werden willst, schau was du bloggst.

The Atlantic: Smuggler, Forger, Writer, Spy. Porträt eines Enthüllungsjournalisten aus Ghana. "When I asked him about his role models, he named only one, Günter Wallraff, a German undercover reporter"

Buch umsonst: Pimps and Ferrets: Copyright and Culture in the United States, 1831-1891

Wer am 11.11. ein bißchen Zeit hat, besorge sich schonmal Popcorn: Wikipedia-Artikel des Tages: Futanari. (NSFW)

The Science of Cooking.