Donnerstag, 30. September 2010

Mühsam nährt sich das Hammerhaichen (II)

Da heute ja der Wikipedia-Schreibwettbewerb endet, habe ich doch noch mal die Mühen der Ebene auf mich genommen. Nachdem der erste Versuch eher fehlschlug, bei dem ich versuchte zu beweisen, dass Ska-Punk cooler ist als schlaflose Fische, nun auf ein Neues. Ich werde den Wikipedia Artikel Hammerhai (Band) weiter ausbauen.

Die Änderungen während ich das letzte mal am Artikel war, halten sich in übersichtlichen Grenzen. Während andere Themen - Frühmittelalter, Punk, das Sein - ja eher daran leiden, dass man in der Literaturflut ertrinkt, gehört Hammerhai zu den unbeachteten Themen, die einem zum intellektuellen Brosampicken zwingen. Seriöse Quellen gibt es natürlich mittlerweile immer noch keine, aber dafür scheint mein Wikipedia-Artikel laut Google mittlerweile die ultimative Infoquelle zu Tentakel de Luxe und zu Hammerhai (Band).

Neben mir selbst entdecke ich neben Langeleine.de nun auch noch Rockszene.de, ein Hannoveraner Musikmagazin. Das hat eher weniger Hintergründe, scheint aber immerhin in engem persönlichen Kontakt zur Band zu stehen und hat ein paar ganz blumige Beschreibungen von Musik und Konzerten.

Zudem bringt es die Idee, mal nach Hammerhai und deren Hausclub Bei Chez Heinz zusammen zu suchen: erste Indizien tauchen auf, dass die Verbindung enger ist, als zuerst angenommen. Hammerhai taucht mehrfach zusammen bei Konzerten mit Bands auf, die den Wikipedia-internen Relevanzfaktor sicher steigern würden. Aber das ist sehr unsystematisch, soll ich es trotzdem schreiben?

Und wie sieht es mit dem Ox-Artikel aus, der nähere Angaben zum Leben der Orgelspielerin nach der Band-Karriere macht? Okay, öffentlich ist es ja per Ox. Aber andererseits ist ja nun auch nicht so, dass die gesamte Yellow Press nun ständig darüber berichtet, was die Ex-Organistin einer Hannoveraner Ska-Band macht. Also weggelassen. Dafür herausgefunden wie wie Hammerhai und Bei Chez Heinz zusammenhängen und eingetragen. Und bei der Gelegenheit gleich noch ein paar Soloprojekte der Bandmitglieder gefunden.

Bleibt ein Artikel, dem man das mühsame Zusammensuchen durchaus anmerkt, der wenig mehr bieten kann als eine nackte Faktensammlung. Immerhin noch ein paar Hinweise wie die wichtigsten Hammerhai-Medien - Langeleine und Rockszene - die Band sehen, und der Hinweis, dass das Ox sie immerhin wahrnimmt.

Anders gesagt: würde ich als Leser irgendwo anders eine Hammerhai-Referenz sehen hätte ich nach dem Lesen einen Eindruck was genau gemeint war. Andererseits würde ich schon denken, dass Wikipedia sich da eher unbefriedigend aus dem Geschäft gezogen hat. Alltag eben.

Neues vom Kochhaus

Eigentlich schon für gestern Abend angekündigt - aber es gibt Momente im Leben, da muss man einfach Super Nanny kucken - jetzt doch noch mal ein Update zum Schöneberger Kochhaus. Das Konzept fasziniert mich weiterhin auf mehreren Ebenen und nicht zuletzt trägt das Haus ja auch zur guten Ernährung 500 Meter weiter bei.

Nochmal zur Rekapitulation: das Kochhaus Schöneberg sieht sich selbst als "begehbares Kochbuch", wurde von mir als "DIY-Restaurant" bezeichnet und das Konzept sieht vereinfacht vor, dass man ein Rezept nimmt und gleich dazu alle Zutaten in den richtigen Mengen vom Tisch nimmt und quasi sein Abendessen in Einzelteilen nach Hause trägt. Ausführlichere Erläuterung gibt es hier, ein erster Testkochbericht ist hier.

Nun gab es einmal ein zweites Testkochen. Auch der Kabeljau erwies sich als ausgesprochen lecker und empfehlenswert. Nebenbei habe ich noch erwiesen, dass man sich selbst bei narrensicheren Anleitungen verkochen kann, wenn man nebenbei telefoniert und die Möhren leicht anschmurgeln lässt.. Apropos Anleitung: Niedlich war der Rezept-Teil als stand "eine Priese Salz*" und unten beim *: "Mengenangaben für 4 Personen". Wir haben dann eine halbe Priese genommen.

Zum Großen und Ganzen gibt es aber auch noch berichtenswertes. Wenn ich beim Einkaufen am Kochhaus vorbeilaufe, erscheint es mir weiterhin gut gefüllt was mich freut. Bei den Diskussionen darüber, was das Kochhaus jetzt eigentlich ist, kam auch noch der Ausdruck "Packerlfutter für Snobs" hinzu - nicht ganz von der Hand zu weisen. Andererseits verzichte ich im Normalfall ja nicht auf Packerlfutter, um mir das Leben gezielt schwerer zu machen, sondern weil ich gern gut essen würde.

Außerdem haben auch die überregionalen Zeitungen gemerkt, dass hier etwas entsteht und an diversen Stellen berichtet. Katja Bauer schrieb im durchaus lesenswerten Text in der Stuttgarter Zeitung "Ein Mekka für Großstadtgourmets" von Konzept, Herrichtung und Kunden. Und sie schockte mich mit: "Die Tagliatelle sind zurzeit der Hit hier." Nudeln? Sicher schmackhaft und Wohlfühlessen.. aber meist doch eher Großstadt als Gourmet und eigentlich doch mit minimalem Geld- und Müheaufwand recht problemlos auch in guter Qualität hinzukriegen.

Die Stuttgarter Zeitung schreibt dann auch "und vor allem nicht schon wieder Spaghetti. Das ist die Idee" - klar, deshalb dann auch Tagliatelle anstattdessen. Kochhaus ist weiterhin super, aber darüber was Eure Kunden wollen, da müssen wir mal kritisch reden.

Schöneberg plant Erotic Streetview

Baffigkeit herrscht in diesem Haushalt. Während Ilse Aigner quasi immer noch fordert, dass jede Hausfassade quasi unverletzliche Persönlichkeitsrechte hat und es für bedenklich hält, dass die Straße tatsächlich generell als öffentlicher Raum gilt, scheinen CDU/SPD in Schöneberg von derlei Bedenken aber sowas von komplett unbeleckt. Die haben in der zuständigen Versammlung gerade den Beschluss gefasst:

Männer, die sich an der Kurfürstenstraße Huren ins Auto laden, werden gefilmt und samt Autokennzeichen ins Internet gestellt.

Das wird juristisch natürlich nicht durchkommen. Kann man dazu noch etwas sagen, was nicht komplett offensichtlich ist? Also Allen außer den beteiligten Politikern anscheinend.

Kleine Quellennotiz: gefunden eigentlich im Tagesspiegel, aber da gibt es das gerade wieder nur offline und unverlinkbar.

Mittwoch, 29. September 2010

Schöneberger Linguine

Da ich nachher noch über das Kochhaus Schöneberg bloggen und dabei über Nudelgerichte lästern wollte, beginne ich schon einmal ein paar Präliminarien, indem ich über das heutige Abendessen - ein Nudelgericht - schreibe. Angefangen hat es mal als türkisches Nudelrezept aus dem Internet, und danach hat es dann hier einige Evolutionsstufen durchnommen. Ist also nicht mehr ganz türkisch; andererseits hätte ich beispielsweise in Dithmarschen Probleme, alle benötigten Zutaten zusammenbekommen.

Man benötige:

- 200g Linguine (wie Spaghetti, nur breiter)
- 250g Hackfleisch (Rind & Lamm gemischt)
- 250g türkischer Joghurt (10% schmeckt besser, 3,5% ist vollkommen ausreichend)
- großer Bund frischer Minze
- 2 Tomaten
- Dekotomate
- Knoblauch, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Öl

Man bereite:

- Einen Teil der Minze zur Dekotomate legen und liegen lassen.
- Joghurt mit Minze mischen und soviel Knoblauz dazu wie man im Sozialleben grad noch für zumutbar hält. Länger durchziegen lassen.
- Für die Sauce Hack und Zwiebeln anbraten, Tomaten dazu, länger vor sich hin simmern lassen.
- Nachdem alles schon gesimmert und gezogen hat, Nudeln kochen.
- Nudeln abgießen, in den Joghurt hineinrühren.
- eine große Schüssel nehmen
- Erst die heiße Sauce unten in die Mitte, dann die weißen Nudeln obenauf, Minze und kleingeschnittene Dekotomate drapieren.
- Beim servieren darauf achten auch Sauce mitzunehmen.

Sieht schick aus, schmeckt überraschend sommerlich und frisch, und ist doch Comfort-Wohlfühlfood für Tage an denen man das braucht.

Und irgendwann überleg ich mir auch mal wie ich in der Küche Fotos ohne Farbstich hinbekomme.

Wenn 500 Leser diesen Beitrag flattrn, werfe ich ein kleines Kätzchen in eine Mülltonne

Ein paar Interna:

* Zum Kachingle- ist nun auch ein Flattr-Button gekommen. Zu den Hintergründen: Geld! Zu etwas mehr Hintergründen der leicht anämische aber tendenziell richtige Wikipedia-Artikel Social Payment.

* Erste Erfahrung bisher: Kachingle ist viiiiel einfacher zu bedienen, ob Flattr jetzt überhaupt funktioniert weiß ich immer noch nicht. Nebenbemerkung, im Rahmen der Vollkommerzialisierung ist auch AdSense angedacht, aber da muss ich erst elian fragen, ob sie einen Designtrauma bekommt, wenn das passiert.

* Apropos elian: so du grad mitliest: fühl Dich frei, die Buttons durch die Gegend zu schieben oder umzubauen. Und wo ich die gerade schreibe: gibt es eine Einstellung die Autorennamen an den Anfang vom Post zu setzen und nicht mehr an das Ende. Dann finden vielleicht auch Akademiker die Namen ;-)

* Namen: falls hier jemand mal was posten will, einfach melden.

* Einem Blick in die Besucherstatistik zufolge, ist das hier ein Fachblog für Witze über Spreewaldgurken. Immerhin.

* Insgesamt aber zieht Rasenschere deutlich mehr Besucher als Hitler.

* Niemand hat die Absicht, kleinen Kätzchen etwas Böses anzutun.

Tollen neuen Flame gelernt.

Darum mag ich den Harz, wieder eine neue Art und Weise entdeckt, Menschen zu beschimpfen. Du! Du! Du..




Dienstag, 28. September 2010

Outing - eine Bewerbung


Dem Wunsch von Dirk in seinem Beitrag Glückwunsch Necrophorus.. folgend bin ich gern bereit, die "Bewertung der derzeitigen Qualitätssituation, Darstellung von Qualitätsmodellen und klaren Vorstellungen von Qualitätssicherung – und –steigerung" in schriftlicher Form verfügbar zu haben, nachzukommen. Ob er selbigen Text als konzise bewertet mag jeder selbst entscheiden. Folgendes zumindest war mein Bewerbungstext zur Ausschreibung für die Position des Vorstandreferenten für Qualität, die ich nun seit dem vergangenen Freitag bekleide:

Liebe Mitglieder des Vorstands und der Geschäftsstelle des Wikimedia Deutschland e. V.,
mit diesem Mail bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Position eines
ehrenamtlichen Vorstandreferenten für das Ressort Qualität beim Wikimedia Deutschland e. V.

Auch für mich gehörten "die Kontrolle, Sicherung und Steigerung der Qualität in der Wikipedia [..] zu den wichtigsten Aufgaben für die Weiterentwicklung des Projekts" und in meinen Augen auch des Vereins WMD. Die aktuelle Nichtbesetzung des entsprechenden Ressorts sehe ich entsprechend als eine ganz besonders gravierende Lücke in der derzeitigen Vorstandsorganisation an, die ich gerne zu füllen bereit bin. Von einer langatmigen Vorstellung meiner Person sehe ich dabei ab - ich denke, allen Personen, die dieses Mail lesen, sollte ich persönlich oder zumindest virtuell bekannt sein, deshalb nur ein paar Worte/Stellungnahmen mit Bezug auf die in der Ausschreibung geforderten Qualifikationen.

Engagement in der Wikipedia, Wikimedia und beruflich
Ich bin angemeldeter und aktiver Wikipedianer seit Dezember 2003 (Benutzername Necrophorus, seit 12.2004 unter Realnamen) und ohne große Unterbrechungen bis heute vor allem als Autor tätig. Dabei beteiligte ich mich bereits sehr früh an den unterschiedlichen Prozessen der Qualitätsentwicklung und -beurteilung, vor allem im Bereich der "Exzellenten Artikel". Gemeinsam mit den Benutzer southpark und einzelnen weiteren Autoren des "High-end-Bereichs" richtete ich im Juni 2004 das Wikipedia:Review ein, im September 2004 startete der erste WP:Schreibwettbewerb auf der Basis meiner Initiative - bis heute war ich dreimal Juror desselben und bin Autor einer deutlich 3-stelligen Anzahl ausgezeichneter Artikel sowie zahlreicher weiterer Artikel (siehe Benutzerseite in der WP).

Im Wikimedia Deutschland e.V. bin ich Gründungsmitglied und war Beisitzer im ersten Vorstand, bin von diesem Posten jedoch v.a. aufgrund meines Interessenskonflikts mit der Anstellung bei der Zenodot-Verlagsgesellschaft mbH zurückgetreten. Seitdem begleite ich den Verein und unterstütze ihn nach Kräften vor allem in Projekten mit direktem Communitybezug - aktuell bin ich bsp. involviert in der Vorbereitung der Wikipedia Academy und der Realisierung einer Kooperation mit der DZB Leipzig zur Vertonung der Artikel des Tages in der Wikipedia, ausserdem war ich Jury-Mitglied der Verleihung der Zedler-Medaille 2008 und Teil der AG zur Erarbeitung der Ziele des Kompass 2020 im Ressort Qualität 2009/2010 - als Ansprechpartner stehe ich grundsätzlich allen Mitarbeitern der Geschäftsstelle und des Vorstands zur Verfügung, insbesondere die (private wie berufliche) Zusammenarbeit mit Denis Barthel ist aufgrund gleicher wikipedianischer Interessen in der Redaktion Biologie sehr intensiv.

Neben der freiwilligen Autorenarbeit habe ich die Wikipedia auch beruflich begleitet: Von 2005 bis 2008 war ich Mitarbeiter der Zenodot-Verlagsgesellschaft und dort u.a. zuständig für den (leider gescheiterten) Aufbau der Buchreihe WikiPress und der technischen Realisierung der Wikipedia-CD und -DVD-Ausgaben, zudem war ich Redakteur des Internetauftritts zeno.org, in dem eine große Anzahl von urheberrechtsfreien Texten aus dem Bestand der Directmedia GmbH online und kostenfrei im Volltext zur Verfügung gestellt wurde. Seit 2008 bin ich Mitarbeiter der nova-Institut GmbH und war dort u.a. eingebunden in das Projekt "Nachwachsende Rohstoffe in der Wikipedia", gefördert durch das Bundesmisisterium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Seit 2009 berate ich zudem gelegentlich Organisationen und Unternehmen über die Wikipedia und die Möglichkeiten und Grenzen der Mitarbeit im Bereich von Interessenskonflikten und Unternehmensdarstellungen.

Einschätzung der Qualität der Wikipedia
Die Wikipedia ist in jeder möglichen Betrachtungsweise ein Mosaik - an Menschen, Themen, Vorstellungen, Tätigkeiten und eben auch hinsichtlich ihrer Qualität. Die Qualitätsentwicklung seit den Anfängen (bzw. seit meinem Einblick Ende 2003) ist dabei aus meiner Sicht bemerkenswert, wenn auch durchwachsen. In dieser Zeit hat sich die Wikipedia quantitativ von einem Lexikon mit etwa 40.000 Artikeln zu einer Enzyklopädie mit mehr als 1,1 Millionen Artikeln entwickelt, während zugleich die Qualitätsansprüche auf allen Ebenen - von Anfangszustand eines Artikels bis in den High-End-Bereich - kontinuierlich gesteigert haben. Besonders herauszuheben ist hierbei das Bewusstsein für "verlässliche Informationen" und die Nachprüfbarkeit von Inhalten auf der Basis von nach Möglichkeit hochwertigen Quellen, das sich immer weiter durchsetzt und in vielen Bereichen mittlerweile als Standard angesehen wird. Durch die Möglichkeiten der Einzelnachweise wurden diese Standards weiter etabliert ohne zu einer - wie bsp. in der englischsprachigen WP oft zu beobachtenden - überkritischen Forderung zu werden. Diese Entwicklung ist gut und wird sich meiner Meinung nach auch weiter entwickeln, in einigen Bereichen (Populärkultur, Randthemen) muss sie sich jedoch teilweise erst etablieren. Auffällig ist zudem von Beginn an, dass insbesondere Artikel im High-End-Bereich wie aber auch andere qualitativ hochwertige inhaltliche Aufarbeitungen idR durch einzelne Hauptautoren geschieht - das Wiki-Prinzip beschränkt sich hier idR auf die Nacharbeiten (Typo-Korrekturen, sprachlicher Nachschliff, Metakram).

Hand in Hand mit dieser Entwicklung geht die Entwicklung von fach- bzw. themenspezifischen Gruppierungen von Autoren, die sich explizit um die von ihnen abgesteckten Themenbereiche aktiv kümmern und hier entsprechende Qualitätsstandards durchsetzen. Dabei handelt es sich um Redaktionen wie die Redaktionen Biologie, Chemie und Medizin ebenso wie um WikiProjekte und Portale wie Regionalprojekte (Sauerland, Nordfriesland, Memmingen, Ostwestfalen-Lippe) oder Musikprojekte (Portale Jazz, Metal, Musikalben), die im optimalen Zustand eng verzahnt und teilweise auch überlappen sollten. Insbesondere in den Bereichen dieser Projekte werden nach meiner Beobachtung Qualitätsmassstäbe erarbeitet und etabliert, die sich dann auch über andere, weniger gut organisierte Bereiche ausdehnen. Neben den thematischen Kristallisationspunkten kommen jedoch auch fachübergreifende Projekte und Initiativen hinzu wie die bereits erwähnten Artikelkandidaturen (hier wurden 2005 Quellenforderungen erstmalig breit und themenübergreifend als Grundsatz gefordert), Reviews (leider zu wenig konsultiert) sowie der Grafik- und Fotowerkstätten, die die qualitativ hochwertige Bebilderung ermöglichen. In meinen Augen sollten insbesondere bestehende und gut funktionierende Projekte weiter unterstützt und zugleich neue Projekte in ihrer Entstehung und Etablierung begleitet werden, um themendeckend eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung zu ermöglichen.

Als abschliessenden Tenor (um den Rahmen nicht zu sprengen) meine Bewertung der Qualität: Durchwachsen - in einigen Bereichen und häufig auch bei einzelnen Artikeln gut vorzeigbar bis exzellent, in anderen Bereichen grottenschlecht. Als besondere Herausforderung sehe ich die Aufarbeitung von Altlasten (alte, häufig unbequellte Artikelbestände), den qualitativ hochwertigen Ausbau von zentralen Artikeln, die derzeit aufgrund der ihnen häufig innewohnenden Komplexität für freiwillige Hobby-Autoren eher abschreckend sind, sowie die weitere Förderung des Bewusstseins für Quellenarbeit und verifizierbare, verlässliche Inhalte.

Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung
Das Spektrum der möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität ist breit und zugleich häufig sehr beschränkt auf einzelne Themenbereiche oder gar einzelne Artikel. Aus diesem Grund halte ich es für dringend notwendig, die Unterstützung einzelner Autoren und Autorengruppen durch Literaturstipendien, Unterstützung von Fachbereichstreffen und andere Zuwendungen weiter auszubauen und zugleich immer die Augen offenzuhalten, welche Ansprüche die Autoren haben, um die Inhalte qualitativ weiter voranzubringen. Weitere Maßnahmen sollten den Dialog mit Wissenschaftsnetzen, Institutionen etc. zur konkreten Artikelverbesserung vorantreiben - bsp. in Form von externen Reviewernetzwerken, potenziellen Bildspendern und Quellenlieferanten.

Als besondere Herausforderung sehe ich den Umgang mit zentralen Artikeln, die für die Hobby-Tätigkeit freiwilliger Autoren häufig zu komplex sind (Zeitaufwand etc.). Da diese Artikel zugleich auch Aushangschild und Ziel regelmässiger Kritik sind, sollten hier Mechanismen entwickelt werden, wie evtl. auch professionelle Autoren zur Arbeit an diesen Artikeln motiviert werden können (Förderprojekte mit Autorenbezahlung und sogar Einkauf einzelner Artikel sollte hierbei ganz explizit mit betrachtet werden). Der ebenfalls kritische Bereich der Altlastenaufarbeit sollte zudem strukturiert angegangen werden, wie dies bsp. in der Redaktion Biologie seit Jahren durch regelmäßig aktualisierte Arbeitslisten ermöglicht wird.

Abschliessend sehe ich auch die allgemeine Förderung der Autorenmotivation als notwendige Maßnahme der qualitätsfördernden Maßnahmen. In der WP existiert nur eine sehr rudimentäre Kultur des Lobes, des Dankes und der "Auszeichnung" während wir eine sehr intensive Kultur des Beschimpfens, des Undanks und der Konkurrenzgefühle und des Mißtrauens haben. Diese Community-internen Kulturen lassen sich von aussen nicht steuern oder beeinflussen. Zugleich gibt es jedoch keinerlei Reputationsgewinne für die Autoren - bis auf sehr wenige Ausnahmen erfolgt die Arbeit unentgeltlich und auch ohne jegliche Namenszuordnung von Textbeiträgen - es ist bis heute nichtmal ein funktionierendes Tool der unkomplizierten Autorenbestimmung vorhanden, wie dies regelmässig vor allem von echten Autoren gefordert wird. Ich sehe es deshalb als dringend notwendig an, dass die Entwicklung eines Tools zur Autorenbestimmung vorangetrieben wird (am ehesten durch die Vergabe eines Programmierauftrags aufbauend auf Wikitrust und Wikihistory); zudem sollten die Konsequenzen, die Akzeptanz und Realisierung für die Ausschüttung von METIS-Zahlungen geprüft werden (Vorschlag AK).

Und wirklich abschliessend: Der Hauptbeitrag zur Steigerung der Qualität ist in meinen Augen der bodenständigste: In der Wikipedia weiterhin mitmachen, Artikel schreiben, Diskussionen begleiten, Reviews machen und immer ein gutes Netzwerk von Autoren pflegen - innerhalb der Community aktiv bleiben, damit man Wege, Ziele und Bedürfnisse nicht vor lauter Strategieplanung etc. aus den Augen verliert. Ich werde entsprechend auch beim anlaufenden Schreibwettbewerb teilnehmen (Thema Hammerhaie) und auch in Zukunft - unabhängig von dem Ergebnis dieser Bewerbung vornehmlich Autor der Wikipedia sein.

Sonstiges
Nach den sehr ausführlichen und langen Darstellungen nun noch ein wenig formaler Abschluss:

Gefordert wird:

* Qualitätsbewusstsein für Inhalte der Wikimedia-Projekte, z.B. als
Autor ausgezeichneter Artikel - ausgeführt: Autor einer 3-stellugen Anzahl ausgezeichneter Artikel, zahlreiche zusätzliche Artikelarbeit
* Beteiligung an Reviews oder Diskussionen um Auszeichnungen von Texten
und Bildern - ausgeführt
* Erfahrung im ehrenamtlichen Engagement innerhalb oder außerhalb der
Wikimedia-Projekte - Wikimedia ausgeführt; ansonsten studentischer Vertreter im Fachbereichsrat, Fachschaftsinitiative, StuPa-Mitglied FU Berlin etc., Habilitationskommissionen usw., Bezirkselternausschuss Friedrichshain, Landeselternausschuß Kita Berlin
* Kenntnis wissenschaftlicher Arbeitsmethoden und qualitätsfördernder
Maßnahmen in der Wikipedia - ausgeführt; wissenschaftliche Arbeitsmethoden zudem im Studium, als Mitarbeiter der Pressestelle des Deutschen Humangenomprojekts (DHGP), als Mitarbeiter des nova-Institut bei der Erarbeitung verschiedener Studien im Bereich nachwachsender Rohstoffe
* Bewusstsein für den hohen Stellenwert, den die Qualität der
Wikimedia-Projekte in der Außenwahrnehmung darstellt - dargestellt
* Bereitschaft, die strategische Ausrichtung des Vereins mitzugestalten - vorhanden
* Freude und Fähigkeit mittel- und langfristig zu planen - bedingt vorhanden, solang Bodenständigkeit nicht auf der Strecke bleibt
* Kommunikationsfähigkeit und Entscheidungsfähigkeit - weitestgehend vorhanden
* Ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder vergleichbare Qualifikation - Abschlüsse: Facharbeiter Physiklaborant, Hochschzldiplom Biologie, Volontariatsabschluss Verlagsredaktion


... - man mag mir verzeihen, dass ich die private Darstellung hier entfernt habe. Über Kommentare zu meinen Vorstellung - die beileibe nicht vollständig sind - würde ich mich sehr freuen.

Wikimedia-Deutschland möchte vermutlich gGmbh gründen.

Etwas ungewöhnlich über die Wikimedia-Deutschland-Mailingliste haben heute Schatzmeister und Erster Vorsitzender von Wikimedia Deutschland bestätigt bzw. erst bekannt geben, dass es weit fortgeschrittene Pläne gibt, um eine gemeinnützige Gmbh (gGmbh) zu gründen. Ursächlich scheint vor allem das Binnenverhältnis zur Wikimedia Foundation und die Verteilung der Spendengelder zwischen WM DE und WMF bzw. die Frage wie die deutschen Spendengelder Steuerrechtsgerecht in die USA kommen können.

Schatzmeister Jens Leschmann:

"...zunächst ist das Gerücht nicht ganz von der Hand zu weisen. ... ab diesem Jahr will die Foundation hingegen ihren Anteil an den Spendeneinnahmen direkt von uns überwiesen haben. Da wir als Verein keine Gelder an ausländische Institutionen/Organisationen (hierzu zählt auch die Foundation) überweisen dürfen... Auch war und ist es nicht im Sinne des Vorstandes, die Mitglieder bei dieser Frage zu übergehen. Doch die Teilnahme an der diesjährigen Spendenkampagne ist letztendlich davon abhängig, ob wir eine gGmbH aus dem "Boden stampfen" oder nicht. In jedem Fall werden wir noch vor Beginn der Spendenkampagne umfassend
über die Malingliste sowie auf Meta über das Vorhaben informieren -
allerdings erst dann, wenn alle rechtlichen Aspekte umfassend geprüft
worden sind."


Erster Vorsitzender Sebastian Moleski:

"Das heißt am Ende, dass in einzelnen Ländern ausschließlich das jeweilige Chapter für die Spendengenerierung verantwortlich ist. Davon soll dann die Foundation die Hälfte abbekommen. Dass jetzt Cash statt gemeinsame Projekte bevorzugt werden, erscheint plausibel ... Wir haben im Juli ein Gutachten aufgegeben, in der verschiedene Ansätze zur Übertragung von Spendengeldern an die Foundation beleuchtet werden. In San Francisco Anfang August haben wir diese Modelle besprochen und uns letztlich auf das nun geplante Modell der gemeinnützigen Gesellschaft geeinigt. Die Satzung der Gesellschaft wurde Ende August erarbeitet. Sie liegt dem Finanzamt seit Anfang September zur Prüfung vor."



Jens Leschmann wird nochmal deutlicher:

das Drohszenario muss ich in meiner Funktion als Schatzmeister leider
sehr ernst nehmen .... Nur zur Erinnerung: In der letzten Kampagne gab es zwei Spendenfenster, eins für WMDE direkt und eins für die Foundation. Ich habe jetzt die aktuellen Zahlen nicht griffbereit, daher nur Annäherungswerte:

direkte Spenden an WMDE rd. 580 T€
direkte Spenden an WMF rd. 470 T€

Was sollte also WMF davon abhalten, nur noch ein Spendenfenster einzublenden, wenn wir nicht die Voraussetzungen schaffen?


Ich bin da jetzt grad noch etwas perplex.

Umberto Eco im Jahre 1995 fast über Google Books

Leider hat es ja im Urlaub nicht geregnet, so dass ich im strahlenden Sonnenschein kaum dazu gekommen bin, alle mittransportierten Bücher auch durchzulesen. Glücklicherweise hat es für ein besonderes Kleinod gereicht. Umberto Ecos "Gesammelte Streichholzbriefe" bei dtv. Das Buch stellt Kolumnen zusammen, die unter ebenjenem Titel in den 1990ern in L'Espresso und teilweise auch in der Zeit erschienen.

Die Streichholzbriefe sind allesamt spannend, wirken in der Technik, die Eco als gegeben beschreibt eigentümlich museal, in seinen Visionen und Möglichkeiten scheint mir das Buch aber immer wieder auch der heutigen Debatte noch voraus.

Der spezielle Google-Books-Streifholzbrief, der mich besonders interessiert, trägt den Titel "Das Buch, ein technisch vollendetes Meisterwerk." Eco berichtet von einem Technologiekongress in San Marino 1994 und der darauf folgenden Film-Biennale in Venedig, die sich darum drehten, ob neue Technologien das Buch überflüssig machen würden.

Allein seine Gedanken in die Richtung sind sehr aufschlußreich und aus 16 Jahren Zeitgewinn heraus beurteilt erstaunlich weitsichtig, immerhin sprach man damals noch von "Hypertexten auf Diskette". Andererseits sieht er auch Potenziale. Über den Volltreffer den er gelandet hat - in einem Jahr als beispielsweise ich noch damit beschäftigt war, über in Computerzeitschriften abgedruckte Telefonnummern ein Heidengeld für mäßig interessante Mailboxanrufe auszugeben - verblüffen mich jetzt auch beim zweiten Lesen.

Eco: "Andererseits wäre es überaus praktisch, wenn man vielbändige Enzyklopädien auf CD-Rom hätte ... per CD lassen sich beispielsweise die Artikel über Platon und Aristoteles miteinander vergleichen, ohne daß man sich einen Tennisarm holt, indem man zwei dicke Wälzer auf einmal an den Schreibtisch schleppt."

Weiter im Text:

"Nehmen wir also an, alle Bücher aller großen Bibliotheken würden mit einem Scanner aufgenommen ... Das würde heißen, ihr ganzer Inhalt, samt Typographie und Seitenumbruch würde ich das Gedächtnis eines zentralen Computers eingespeist. Erstes Ergebnis: Diese Bücher würden vor der fatalen Zersetzung des Papiers bewahrt.."

In Ecos Vision geht man in Bibliotheken, wo Hochleistungsdrucker, die automatisch auch Schriften vergrößern, Gotische in Lateinische Schrift umwandeln können etc. Für Papier und Druck bezahlt man, ein Teil des Geldes kommt an Autor und Verlag.

"Ein einziger Raum wird Säle, Regale, Personal und Kontrollen ersetzen. ... [W]er ein vergriffenes oder schwer auffindbares Werk lesen oder nachschlagen will, bekommt das Äquivalent eines Faksimilie-Drucks ins Haus geliefert, ohne sich in Lesesäle bemühen zu müssen. Mithin werden die Bücher nicht verschwinden: Sie werden leichter zugänglich sein."

Chapeau.

Glückwunsch Necrophorus..

... du "Wikipedia-Urgestein und Qualitätskämpfer" - und natürlich bester aller Urlaubsvertretungsblogger - zum neuen ehrenamtlichen Posten des Wikimedia-Deutschland Vorstandsreferenten für das Ressort Qualität. Ich bin sehr gespannt wie Du Dein Amt ausüben wirst, und wieviel die Community bereit ist, von Dir übrig zu lassen, nachdem sie es mitbekommen hat, dass du existierst.

Neugierig bin ich natürlich auch: gibt es die "Bewertung der derzeitigen Qualitätssituation, Darstellung von Qualitätsmodellen und klaren Vorstellungen von Qualitätssicherung – und –steigerung" auch öffentlich in konziser schriftlicher Form?

Und Du weisst ja: für jeden einzelnen vermurksten Artikel innerhalb der deutschen, sorbischen, ripuaruschen etc. Wikipedia wirst ab sofort DU PERSÖNLICH verantwortlich sein ;-) Und darauf jetzt eine Buddel Rum!

Wikimedia Deutschland: Der Herr der Qualität.
Bei Wikipedia. Die Nutzerseite Achim Raschka.

Montag, 27. September 2010

Felsen während der Blogferien.


Ganz kleiner, vorläufiger, direkt aus der Kamera gezogener und eher oberflächlich durchgeschauter Überblick, wo ich so in der zweiten Woche der Blogferien war:

Ein paar Harzbilder.




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Ohne Kommentar.

#cpov - Öffentlichkeit und Offenheit

Wie schon kurz angebloggt, hat Peter Haber auf seinem Blog seinem Mißfallen über einiges Verhalten der Wikipedianer bei der CPOV-Konferenz Ausdruck verliehen.

Mit Habers zweitem Punkt: "So gab es in den Diskussionen wie auch in den Tweets und Blogposts hauptsächlich zwei Reaktionstypen: Entweder, dass der Beitrag zu wenig mit Wikipedia zu tun habe oder aber dass er nichts Neues bringe." würde ich mich deutlich mißverstanden fühlen und dachte, ein "das hätte ich gerne schriftlich" wäre ein gewisses Indiz für weitergehendes Interesse. Aber das Thema ist umfassend genug, um beizeiten einen eigenen Beitrag zu rechtfertigen.

Also erstmal der formale Punkt, Habers Mißfallen über den "anonymen Blogger", der im "hämische[n] Pennälerton" Äußerungen von sich gibt, "die man unter guten Kollegen in der Kaffeepause macht", überhaupt gab es über Twitter eine "Art von Feedback [...], die bisher nicht im öffentlichen Raum ausgehandelt wurde – zumindest nicht in denjenigen akademischen Kontexten, die ich kenne."

Die Frage der Anonymität haben wir, glaube ich, geklärt: Dirk Franke, Berlin, steht unter dem Beitrag, oder bei Twitter, in Leizig mit Namensschild, der im Blog durchaus bewusst auf die auffallende hellblaue Laptoptasche hingewiesen hat, die auch auf weitere Entfernung als Erkennungszeichen taugte. Ob ein Wikipedianer auf einer Konferenz über Wikipedia "ein Außenstehender" ist, ich fürchte das Thema liegt wirklich jenseits einer möglichen Einigung.

Nun kann ich natürlich über Legitimität streiten, dass ich einerseits als Wikipedianer theoretisch Gefahr laufe mit dem Schlechtesten meiner 10.000 Diskussionsbeiträge - dem von 3 Uhr Nachts als ich wegen Liebeskummer nicht schlafen konnte - im akademischen Kontext als besonderes Beispiel eines Rüpels an die Wand gebeamt zu werden. Dass andererseits aber die akademischen Kontexte für sich in Anspruch nehmen, selbst die Vortragstechnik bei einem seit Monaten bekannten öffentlichten Aufritt, der offensichtlich gefilmt wird, sei off the record.

Nun ja, Pennälergeschwätz. Ich gebe zu, ich habe als Student viele Stunden, Tage Wochen.. darunter gelitten, dass Vortragstechnik anscheinend etwas ist, über das man unter ernsthaften Akademikern nicht spricht. Andererseits bin ich ja von Hause aus Politologe und habe ganze Seminare darüber absolviert, welcher amerikanische Präsident bei welcher Ansprache wann auf seine Uhr geschaut hat, und wie das die späteren Wahlen beeinflusste. Selbst in Leipzig bei CPOV selbst ging es ja inhaltlich teilweise um aufwendige Präsentationsformen, um die Awareness zu erhöhen. Ich fürchte das Verständnis von öffentlicher Diskussion ist heutzutage da generell eher nicht dort, wo die akademischen Gepflogenheiten sind.

Was mich nun wieder wundert: dass die Internetforschung (!) anscheinend nicht dort ist, dass Forscher vor einer großen Menge aufgeklappter Laptops sitzen - die bekanntermaßen WLAN haben; und dass diese Internetforscher dann nicht automatisch annehmen, dass über diese Laptops - jetzt - kommuniziert wird. Ich gebe zu, die Entwicklung gibt es noch nicht lange und sie ist ungewohnt. Aber wir waren ja auch nicht bei einer Altorientalistikkonferenz.. Da bewundere ich tatsächlich die radikale Außensicht, möchte aber zugeben, dass meine generelle Kompetenzvermutung gegenüber der Wissenschaft einen kleinen Stoß bekommt.

Große Transparenz und eine umfassende Öffentlichkeit sind tatsächlich eine harte Erfahrung, wenn man sich regelmäßig in Wikipedia engagiert. Sollte da nicht auch kleine Transparenz und eingeschränkte Öffentlichkeit für den akademischen Kontext zumutbar sein, wenn er sich mit Wikipedia beschäftigt?

Martin Büsser (etwasvormir - zufrüh)

Es gibt Nachrichten, die brauchen ein bißchen, um zu sacken und wirklich zuzuschlagen. "Martin Büsser ist tot" war so eine. Vor ein paar Tagen im Vorbeigehen gehört und intellektuell wahrgenommen, emotional aber ist "Martin Büsser ist tot" in meinem Kosmos etwa so vorgesehen wie "Berlin bei Vulkanausbruch zerstört" - das passiert einfach nicht. Und das darf auch nicht stattfinden.

Nun also doch, wirklich. Google News spuckt noch wild Artikel von Martin, Nachrufe, und aktuelle in glücklicher Unkenntnis geschriebene Besprechungen seines neuen Comics nebeneinander aus, der Vulkan aber ist ausgebrochen.

Damals, ich war 17, und lebte auf dem Dorfe, kam Martin Büsser nah hinter Gott, an den ich eh nicht glaubte. ZAP war das Medium der Wahl, das für eine bestimmte Gruppe Jugendlicher über Jahre das einzig ernst zu nehmende Medium war. Andere Fazines las man, Zeitungen und Spiegel vielleicht auch, dem ZAP aber glaubte man. Zwischen dem agressiven Nihilismus von Moses Arndt und dem gemütlichen Biertrinkerpunk von Klaus N. Frick wirkten Büssers Beiträge über Jazz, Kunst, Politik wie eine Provokation, der Ansatz auch beispielsweise Nirvana (Verräter!) ernst zu nehmen wie ein Durchschütteln. In anderen Beiträgen aus dem ZAP konnte man sich wohlfühlen, Büsser trieb einen jedesmal wieder dahin, sich selbst positionieren zu müssen.

Als ich dann selbst fanzinte: Eine Besprechung im ZAP! Von Martin Büsser! Und er hatte was zu meckern! Wooow, wooow, unglaublich. Ich hab dann natürlich mit unsinnigen Fanzinebeiträgen zurückprovoziert, er weiter gemeckert, es kam wie es kommen musste, Martin Büsser war einer meiner ersten Interviewpartner jemals. Mit der Regionalbahn ging es von Nordniedersachsen bis ins Rheingau, wo mich der unglaublich liebe Privatmensch Büsser aufnahm, und auch die dämlichsten Interviewfragen, die einem 17-jährigen so einfallen, mit herzlicher Tapferkeit ernsthaft beantwortete. Dass der damals schon ewige Vegetarier Büsser anbot, mir auch gern Fleisch zuzubereiten, wenn ich wollte, hat mich nachhaltig beeindruckt; die Musik, die er mir an dem Abend vorspielte, hat die nächsten Jahre meines Lebens mitgeprägt.

Und dann war da natürlich noch Text. Während das ZAP über die Jahre immer seltsamer wurde, begann Martin Büsser auch woanders zu schreiben. Sein erstes Buch If the Kids are United habe ich dann mehrfach gelesen und lange war für mich damit alles Wichtige über Punk gesagt. Wenige Zeitschriften habe ich je so gründlich gelesen, wie die ersten Ausgaben von testcard, wohl keine Zeitschrift an der ich nie direkt selbst beteiligt war, mich gezwungen mir über so viele Positiionen zwischen Kunst, Kultur, Politik und Gesellschaft, selber klar zu werden.

Dass die Positionen dann letztlich nicht ganz da landeten, wo Büsser stand, ist da fast nur logisch. Aber vieles was er schrieb, die Überzeugung, dass Jazzartikel natürlich in ein Punk-Heft gehören, dass man Leute produktiv vor den Kopf stoßen und mit Text Denkmuster aufbrechen kann, habe ich von nicht unwesentlich von ihm. Darin, hinterherzugehen oder zu -hören, wenn etwas zuerst nur komisch erscheint, war er immer konsequenter, aber ich habe es zumindest versucht. Selbst wenn er noch gar nicht wirklich weg scheint, schon jetzt fehlt er.

* Nachruf von Linus Volkmann.
* Nachruf bei DE:BUG.

Liveblogging-Debatte

Weil ja der Schnelle schneller ist als der Nachdenkliche nachdenklich, jetzt nur in der schnellen Hinweisversion: Peter Haber scheint über Live-Blogging aus Wikipedistik-Konferenzen nicht übermäßig glücklich, und ruft damit auf seiner Kommentarseite eine spannende Diskussion hervor. Nando Stöcklin antwortet, falls noch jemand antwortet, wäre ich über einen Hinweis froh. Derweil denkt Dirk Franke nach, und wird später noch was zum Thema schreiben.

Von der CPOV-Konferenz an sich, hatte das .NKBlog schon gestern Abend einen schönen Beitrag.

Darummagichberlin (VI)

Weil hier auch die Frauen Vokuhila tragen.

Sonntag, 26. September 2010

Future edits


Eine Option für Artikel in der Zukunft:

Liebe Wikipedia,
heute möchte ich über den Epaulettenhai berichten ...

Rasenschere II - ein Abgleich mit der Realität


Manchmal - extrem selten - wirft die virtuelle Welt Falten und bildet Schleifen mit dem realen Leben, und in einem dieser extrem seltenen Fällen spielt eine Rasenschere die Hauptrolle der Verwerfung, bei dem der Beitrag von elian in diesem Blog eine meherre Stunden vorher stattgefundene Begebenheit aus meinem "real life" zurückwarf. Worum es geht? Es geht um die (behauptete) Wirkung von Löschungen unzureichender Neueinstellungen in die Wikipedia - und ihre (tatsächliche) Geschichte.

Zuerst ein Blick in die Online-Perspektive von elian, wie sie in diesem Beitrag nachzulesen ist: Ein Artikel (genauer: Ein unbelegter und trivialer Satz zu einem Alltagsgegenstand) zum Thema "Rasenschere" wird eingestellt und dann binnen drei Minuten im klassichen 4-Augen-Prozess (Einstellung eines Schnellöschantrages durch Benutzer 1, Ausführung durch Benutzer 2) gelöscht. Die Konsequenz aus elians Perspektive: Ein Benutzer wurde vergrault, weil sein hoffnungsvoller Start der Wikipedia-Mitarbeit gelöscht wurde!

Nun aber ein Realitätsabgleich mit der wahren Geschichte:
Der von elian thematisierte "Artikel" zur besagten Rasenschere wurde während einer Kaffeepause bei einem Workshop im Rahmen der Veranstaltung Wikipedia - ein kritischer Standpunkt (CPOV) (southpark berichtete in den letzten beiden Posts via life-blogging von der Veranstaltung) von einem Teilnehmer angelegt. Der kritische Wikipedia-Forscher aus Wien nutzte die Pause zwischen dem von mir gegebenen Workshop zur "Recherche für Wikipedia" (in der u.a. die Belegpflicht und die Qualität ebenso wie der kontinuierliche Redaktionsprozess thematisiert wurde) und dem Workshop von DerHexer zu den Optionen der Administration für sein kleines Experiment. Wenige Minuten nach der Einstellung des Satzes war dieser tatsächlich verschwunden - zur positiven Überraschung des Benutzers, der darin live bestätigt sah, dass der Redaktionsprozess in der WP funktioniert (!!!).

Eventuell führt also gerade diese Löschung dazu, dass wir einen neuen, hochqualifizierten Mitarbeiter für die Wikipedia gewinnen konnten - der bei einer Nichtlöschung aufgrund der nicht funktionierenden Filterung unzureichender Artikel eventuell gleich wieder mit dem Thema abgeschlossen hätte. Einfach NICHTS tun hätte diesen Benutzer sicher nicht gebunden sondern seine Kritik an der (fehlenden) Qualität der Wikipedia vollständig bestätigt!

Sometimes that's life and reality!

wp: #cpov liveblogging vom sonntag, dem 26.9.

Hintergrund: Wikipedia ein kritischer Standpunkt

14:29 Hoffe, es gibt noch Kaffee.

14:29 Schad, dass ich nach Berlin muss, Schneider verspricht Führung durch die Albertina nachher gleich.

14:28 Schneider verspricht weitere Einladungen für Forum Wikipedistik/Enzyklopädistik.

14:27 Und vorbei. Schlusswort. Videobeiträge in den nächsten zwei Wochen.

14:26 das versprochene "Unterkomplexe Spektakel" für die Diskussion scheint tatsächlich grad eher in Richtung Unterkomplexität als Spektakel zu wandern. Langsam wird es Wikipedia-Diskussionsseitenniveau.

14:23 Kinzler ist Raum, Wikipedia-Intransparenz ist keine "Verschleierungstaktik" sondern Interna sind über die Jahre schlecht dokumentiert vor sich hin gewachsen.

14:20 Hach, doch noch Spektakel. Wikimedia-Mitgliedsversammlung 2010 reloaded.

14:17 Roth/König: Stammtische etc. sollten mehr beworben und mehr auf eine Öffentlichkeit zugeschnitten werden.

14:15 "peha64 #cpov Die Käsebrot-Debatte (was gehört NICHT in die Wikipedia) löst Gekicher aus bei den eingefleischten Wikipedianern im Raum". Wobei die wahre Debatte natürlich die Restaurationsbrot-Debatte war.

14:14 Die Relevanzdiskussion kommt natürlich auch noch...

14:13 Schindler will Zeitraum zwischen Wikipedia-Artikeln und Nachschlagen per bibliographischer Daten verkürzen. Eissfeldt weist auf Integration von Stanford Encyclopedia of Philosophy hin.

14:08 Schindler zählt diverse Versuche und noch viel mehr Vorschläge für Wikipedia-für-Kinder auf, kann sich nur mühsam auf dem Stuhl halten.

14:06 Forderung "Wikipedia für Kinder", same procedure as every year..

14:05 Aus der Kommentarzeile mal nach oben geholt "Carbidfischer: Hier mal ein doch schon gut zwei Jahre alter Artikel mit nur zwei Autoren: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sosibius&action=history"

14:05 Über Twitter "nkblog: Gerade mal nachgefragt. Die Videos der Vorträge werden wohl in 1-2 Wochen nach und nach auf Vimeo veröffentlicht. #cpov"

14:04 Irr ich mich, oder wandert die Diskussion grad in die Richtung, dass facebook die bessere Wikipedia sein wird?

14:03 Roth zu facebook, relevant ist da, dass man Empfehlungen bekommt.

14:01 Lovink: "facebook so what".

13:59 Unterliegt die Masse des Mondes verschiedenen Standpunkten? Wird der Multiple Point of View von facebook die Wikipedia ablösen?

13:58 König möchte keine Einheitssprachwikipedia, weil diverse Sprachen einen multiple Point of View gewährleisten. Ich will die auch nicht.

13:56 Eissfeldt ist mir jetzt grad zu hoch.

13:55 Roth ist bei "objetivem" Ansatz der Wikipedia erschreckt, möchte Imageoffensive, Stärkung der Contentproduzenten nicht -verwalter, die sagt "wir wollen Euch haben" und Leute integriert. Möchte Fame nicht über Flamewars.

13:54 Schindler möchte Technologien von nach 2000 einsetzen, träumt von richtiger Information in allen Sprachen, und ein Punkt, den ich akustisch nicht verstanden hab.

13:53 Lovink: Wikipedia ist in den 1950ern und muss postmodern werden. Bemängelt, dass die Debatten auf den Debattierseiten stattfinden. Möchte er jetzt eine Wikipedia in den 1970ern? Drei Sätze sind im Lovinkschen Universum auch eher postmodern aufzufassen scheint mir.

13:49 Frage: Drei Sätze wie sollte Wikipedia in Zukunft aussehen. König: "Wikipedia muss Konkurrenz bekommen." Genau, meine Rede seit 2003. Bemängelt, dass WP sich auf hegemonialen Konsens bezieht, kann man nur mit anderem Projekt ändern.

13:48 Eissfeldt wirft das mobile Internet in den Raum.

13:47 Roth erzählt von Indymedia-Erfahrungen. Besonders in Deutschland "wenig Aktive, viele Kritiker". Bittet um mehr Transparenz, mehr Vermittlung, klarere Kriterien, es fehlen festgelegte Entscheidungsstrukturen, zu wenig Dokumentation, wie man sich produktiv einbringen kann.

13:43 Roth "Wikipedia vorm Scheitern nicht gefeit", bisher noch bei den Präliminarien, dass sie WP-interna nicht wirklich kennt. "Klassische Außensicht", es sei vollkommen aussichtslos in Wikipedia zu schreiben, man wird sowieso wieder gelöscht.

13:37 Schindler sieht spannende Sachen in der Wikipedia nicht in der Textform und den Inhalten sondern in der Methodik. Mein Autorenherz weigert sich, seine Argumente zur Kenntnis zu nehmen.

13:35 Schindler: weiterer Punkt über den auf der Konferenz nicht geredet wurde, ist die Lizenz. Ermöglicht auch Weiterbestehen der Wikipedia wenn die Wikimedia Foundation scheitert. Wikipedia macht kollaboratives Schreiben mainstreamfähig.

13:32 Schindler versteht "kritisch" mit kleinem k, König hingegen mit großem K. Schindler seufzt eindrucksvoll verzweifelt.

13:29 König bemängelt fehlende Machtstrukturdiskussionen auf Konferenz, sieht sich selbst nicht als "Führungsschicht oder Elite." Sieht priviligierte Wikipedianer auf der Konferenz überrepräsentiert.

13:27 Auf dem Podium, das leider kein Podium ist, und deshalb hinter den Zuschauern kaum zu sehen ist, fasst Lovink seine Version der Konferenz zusammen.

13:26 Wobei mir die Metapher des gestrigen Tages einfiel "Das ist mir jetzt den Bach runtergefallen."

13:26 Zitat der Pause "Ich habe einen Freund, der ist Marxist."

13:26 Auf zum Spektakulum, aka "PodiumsteilnehmerInnen: Geert Lovink, Jan Eissfeldt, Thomas König, Anne Roth und Mathias Schindler". Ich möchte auch weiterhin meinem Missfallen Ausdruck verleihen, dass ich hier keinen Kaffee habe.

12:46 Kaffeepause. Weiß jemand wie lange?

12:45 Digital government ist auch beim zweiten Tag angekommen. http://digitalgovernment.wordpress.com/2010/09/26/wikipedia-ein-kritscher-standpunkt-tag-2/

12:44 "I'm working on a new computer science which brings art and sociology into computer science." Namedroppt sich durch Heidegger und Hofstadter.

12:42 Künstliche Intelligenz bisher laut Shapiro daran gescheitert, dass nicht interdisziplinär genug.

12:41 "Star Trek is a great text of Western literature like the Bible or Shakespeare."

12:40 Shapiro zitiert Gramsci, um Trennung Intellektuelle/Massen aufzuheben.

12:38 Frage: warum ausgerechnet in der Popkultur schauen, wie man Bibliotheksinterfaces gestaltet?

12:34 Bibliotheken brauchen keine Wikipedia, aber sie brauchen einen verbesserten Nachfolger von Wikipedia. Nachfolger sollte Studenten nicht vom Nachschlagen abhalten, sondern zum Nachschlagen anregen.

12:32 Kaum hört man mal zwei Minuten nicht zu, ist er von Kirk zu Kant gesprungen.

12:28 Empfiehlt Star-Trek-Episoden. I am enticed.

12:27 "Wir haben großen Respekt vor Büchern, aber wir wollen sie beleben."

12:24 Wissen soll im Sinne der Virtual Reality bei Star Trek (Holodeck) erlebbar werden. Shapiro wechselt kurz in frei gesprochenes English. Deutlich besser.

12:23 Bücher sind nicht primär strukurierende Elemente der Bibliothek, sondern die Software ist es. Software mit existenzieller Freiheit und Unvollständigkeit.

12:19 Verspricht Punkte "extrem kurz" auszuführen. Doch noch Kaffee? Fordert Bibliothekssystematiken zu überarbeiten, weil immer mehr Bücher interdisziplinär sind, brauchen neues System der Klassifizierung des Wissens... Mind Maps, Kybernetik.

12:14 Lehnt Dualismus Mensch/Computer ob des Fortschritts der Informatik ab. Fordert Software-Assitent in Bibliotheken mit dem man in Alltagssprache kommunizieren kann und der jede Frage beantwortet.

12:10 "Wikipedia-Ideologie der Nur-Fakten." Bemängelt Links in Wikipedia-Artikeln zu Science-Fiction Artikeln, die auf aktuelle Technik linken.

12:08 Shapiro liest interssanter vor als manch andere frei vorgetragen haben.

12:07 Lästert über Engineering-Nerds als Wikipedia-Autoren.

12:05 Bezieht sich auf den Film "A.I." Gäbe es deutschen Wissenschaftler, der sich trauen würde, nach drei Minuten im Vortrag breite Popkulturreferenzen zu bringen? Und zitiert jetzt auch noch Wikipedia.

12:00 Shapiro liest deutsch vor, ich vermute frei english vorgetragen wäre mir lieber, bin aber weiter gespannt.

11:59 Alan Shapiro zur "Bibliothek der Zukunft". Einführung verspricht intelligente Softwareagenten. Bin auch sehr gespannt.

11:57 Hammwöhrner scheint seinen schlechten Spot über Diskussionsbeiträge gutmachen zu wollen. Artikeltexte in Wikipedia stellen alle Merkmale der Schriftlichkeit da, die Diskussionen selbst sind aber sehr nah an der Mündlichkeit.

11:53 Diskussionsbeitrag: stimmt alles von David, ist aber nicht neu.

11:52 Noch 8 Minuten für den letzten Vortrag samt Diskussion, Diskussion zu David läuft noch. Ich trauere meinem Kaffee nach.

11:49 David bemängelt, dass Wikipedia nicht die Potenziale ausschöpft, die es im Slow Media Sinne bietet. Stimme inhaltlich vage zu. Aber mir fehlt die Argumentation, warum Wikipedia ausgerechnet den Slow-Media-Maßstab anwenden sollte.

11:47 Wörter wie "Prosument" machen mich schauern. Abgesehen von dem Punkt ist das Slow-Media-Manifest interessant.

11:45 Wo sie gerade Eco zitiert. Habe im Urlaub einen Eco-Text von 1994 gefunden, der eine präzise Beschreibung von Google Books ist. Respekt.

11:43 These, dass es bei Wikipedia "den Autor nicht mehr gibt" scheint mir weiterhin eher politisch gewollt als tatsächlich auf Fakten gestützt.

11:42 Unterschied offener Inhalt (Erzählung) und geschlossener Inhalt (Buch). Internet Schriftmedium nach Regeln der Mündlichkeit. Zwitterrolle der Wikipedia.

11:36 Sabria David zum Thema "Ein Werk von Vielen. Wikipedia aus der Perspektive Slow Media". Scheint sehr angetan vom Blome-Vortrag.

11:34 Noch 26 Minuten für zwei Vorträge..

11:33 Schneider weißt darauf hin, dass auch Wikipedia-Artikel Visualisierungen enthalten, geradezu "gestaltete Kunstwerke" sind. Werbung für demnächstige Ausstellung in der Bibliothek.

11:31 Visualisierungen haben besonders Potenzial bei ergebnisoffener Recherche, nicht unbedingt, wenn man schon weiß, was man sucht.

11:28 Frage Hammwöhrner: es sind viele eindrucksvolle Visualisierungen entwickelt worden, die dann aber immer schnell wieder verschwanden und alle scheiterten. Warum? Visuelle Formalismen sind tatsächlich sehr schwer zu verstehen.

11:27 Schneider erzählt, dass sie Kaffee in der Bibliothek anbieten. Ha!

11:26 Dank Publictorsten weitere schicke Grafiken aus dem Vortrag gefunden: http://www.sfmoma.org/projects/artscope/#r=64

11:24 Ich bin ja positiv fasziniert, dass hier Anwesende Notizen mit Kugelschreiber auf Papier machen.

11:22 Beamer projeziert schwarzes Quadrat an die Wand, angeblich ist da Text und Grafik drauf.

11:22 Digital Government hat eine Zusammenfassung der gestrigen Vorträge. http://digitalgovernment.wordpress.com/2010/09/26/wikipedia-ein-kritscher-standpunkt-tag-1/#more-5464

11:20 Ästhetische Ebene (durch grafische Interfaces) steigert Aufmerksamkeit auch für das Präsentierte. Erzeugt Awareness.

11:18 Nico (nkblog) hat die Grafiken im Web gefunden. Leider legt das hohe mediale Interface meinen Rechner leicht lahm. http://comminfo.rutgers.edu/~aspoerri/searchCrystal/

11:16 Blome plädiert für mediale Interfaces an Archiven, die man eher bewusst wahrnimmt.

11:12 Ernstlich, ich ahne das Bild und höre die Erklärung, ich möchte die Grafik bitte mal im Web sehen.

11:09 Wenn ich was erkennen könnte, wäre die Grafik zu den meistgelesenen Wikipedia-Artikeln spannend.

11:07 Blome legt sich noch ihre Theorie zurecht, ist bei Datenvisualisierung. Stelle fest, dass der Beamer zu schwach für den hellen Raum ist.

11:02 Awareness in diesem Zusammenhang scheint ungerichtete, geradezu unbewusste Aufmerksamkeit für die Umgebung zu bedeuten.

10:59 Zähle jetzt 60 Anwesende. Noch ein Nachtragm zu gestern Abend. "Mash-Up" scheint das große neue Buzzword in der Scientific Community zu sein.

10:57 Und nun "Gabriele Blome: Awareness im Medienarchiv", ist offensiv keine Wikipedia-Forscherin.

10:56 Schneider scheint mir weiterhin meinen Koffeinkonsum verwehren zu wollen. Redet von späterer Kaffeepause.

10:56 Schade, Diskussion zu anderssprachigen Wikipedias und die Frage ob/wie/was die Foundation/jemand anderes tun könnte/sollte/nicht sollte, um die zu fördern scheitert jetzt an der knappen Zeit. Hammwöhner hätte echt einen besseren Spot verdient als ausgerechnet den Sonntagmorgen.

10:53 Lol, Ziko schafft es natürlich einmal seine Benutzerseite zu spammen. Immerhin interessanter Redebeitrag. Redet von Flaschenhälsen in der Bildung anderer Länder. Problem: in vielen Ländern ist alle höhere Bildung in Englisch.

10:49 Schnitzel im Sinne eines Stücks Schweinefleisch heißt in Leipzig "Schnitzel Hamburger Art".

10:46 Der Diskussion nach war der Hammwöhner-Vortrag durchaus interessant. Immerhin hatte er echte Empirie.

10:39 Über die Wikipedianer gestern beim Round Table würd ich ja auch gerne lästern, aber die haben vergleichsweise wenig gesagt. Nur vehement widersprochen, als mal wieder jemand den "Wisdom of the Crowds" auspackte. Wie man zum Forschungsergebnis kommt, dass kein Artikel nur ein oder zwei Autoren hat, wüsste ich auch gern. Vermutlich wieder alle mitgezählt, die Geographie in Geografie änderte und ebenso jene, die Geografie in Geographie änderten. Im Hintergrund höre ich, dass der Vortrag gerade zu Shaka Zulu schweift.

10:36 Noch ein Nachtrag zu gestern Abend. Das Round-table-Gespräch fand skandalöserweise an eckigen Tischen statt. Die Westdeutschen staunten über die ostdeutsche Interpretation des Jägerschnitzels. Round-table war wie nicht anders zu erwarten vergleichsweise disparat, aber mit vielen interessanten Punkten. Bei einigen Wissenschaftlern war ich aber doch leicht erschüttert, wie wenig "Wikipedia-Forscher" von Wikipedia wissen, die Abschließung in die Richtung scheint da gut zu funktionieren.

10:30 Guten Morgen, die Konferenz war etwas pünktlicher als ich, wäre in diesem Saal allerdings das Kaffeetrinken erlaubt, wäre ich auch pünktlich. Der Weltuntergangsregen ging weiter, beim Geruch in der Jugendherberge habe ich mich auf "totes Tier mit Raumerfrischer Rosenwiese" geeinigt, der Saal ist Angesichts der frühen Stunde gut gefüllt. Leider habe ich vergessen auf dem Weg noch kurz an der Tankstelle zu halten und Popcorn zu kaufen. Den undankbaren Platz des Sonntag-Frühaufsteher-Redespots hat Rainer Hammwöhner mit "Wikipedia und Wikimedia-Commons als globale Repositorien". Was ein bißchen schade ist, weil er gestern beim Round Table zu den interessanteren Teilnehmern gehörte.

Samstag, 25. September 2010

WP: #cpov liveblogging vom Samstag, dem 25.9.

Zum Hintergrund: Wikipedia ein kritischer Standpunkt.

18:16 Alle Vorträge und Diskussionen für heute sind beendet. Heute Abend dann lockere Runde im Beyerhaus. Sofern es das Netz und Strom gibt, wird der Blog fortgesetzt, für den wahrscheinlichen Fall, dass dies nicht so ist, war es das ganze für heute, und der Laptop wird des Rest des Tages und Abends in seiner schönen hellblauen Tasche verbringen. Ich werde drüber nachdenken, ob ich Sonntag nicht doch im Schießkeller Leipzig verbringe.

18:09 Folie "ein eigener Standpunkt muss her". Gute Zusammenfassung des Vortrags.

18:08 These: "Die Leute an den Schalthebeln haben Schlüsselpositionen."

18:05 Das was Ute Demuth von den Teilnehmern ihrer Veranstaltungen erzählt, erinnert mich an all meine schlimmen Erfahrungen in Gewerkschaftskontexten.

18:03 Auf der Leinwand steht "Beteiligung." An Wikipedia? Der Politik? Dem Leben? Der politischen Bildung? Irgendwo muss ich den Kontext verloren haben.

17:57 Ute Demuth erzählt aus dem Leben, wie reagieren reale Teilnehmer an politischer Erwachsenenbildung auf Wikipedia. Das ist doch mal ne spannende Perspektive.

17:48 Fragerunde rekordkurz. Das Programm kündigt an "Jöran Muuß-Merholz/Ute Demuth: Das Kontroversitätsgebot und anderes, was politische Bildung und Wikipedia voneinander lernen können", das Programm sagt aber auch, dass hier um 18 Uhr alles vorbei ist.

17:46 Dunkelblau auf schwarz ist eine verbesserungsfähige Farbwahl wenn man wichtiges an die Wand projeziert..

17:45 Immerhin ein paar sind noch wach und schaffen den Höflichkeitsapplaus.

17:44 "AriRomano #cpov Zzz "

17:43 Von dem Vortrag wäre mir eine schriftliche Variante lieber. In der Powerpoint-Version schwer unterscheidbar ob das jetzt spannende Substanz hat oder durch eher Theoriefliegen ist, bisher würde ich beides für möglich halten. Vortragstechnik sorgt leider dafür, dass das Publikum grad langsam aber sicher dahindämmert.

17:41 Borst kommt mit hohem theoretischen Aufwand zum Zwischenfazit, dass man Gelehrtenmeinung von unsicherem Wissen unterscheiden sollte.

17:39 Dehnübungen im Publikum. Ein Wikipedia-Admin scheint in tiefe Kontemplationen üner die Saaldecke versunken. Borst wechselt das Thema "damit es nicht zu dramatisch wird".

17:38 Ey! Wieso darf der blonde Herr einen Kaffeebecher mit in den Konferenzraum nehmen und mir wurde das verwehrt!

17:36 Entdeckung auf dem Weg zum Konferenzraum: Leiziger Schießkeller. This town is bizarre, indeed. Sieben Stunden Konferenz sind lang...

17:34 Ungewissheit als produktive Form und sich ändernde Modalitäten bei Wissensschaffung und Vermittlung. Klingt an sich spannend, scheitert aber irgendwie am Vortrag. Schad.

17:29 Wenn Tauben hier knapp über die Glaskuppel fliegen, sieht das ziemlich spektakulär aus.

17:29 Grundthese bisher scheint mir zu sein, dass Wikipedia diverse Wissensformen nebeneinander geriert und das dass alles höchst ungewiss ist.

17:26 Wikipedia-Screenshot taucht auf. Geräuschpegel sinkt sofort.

17:24 Geräuschpegel im Saal steigt, Twitter verstummt. Ziko immerhin scheint sich entschlossen zu haben nicht mehr durch den Saal dauerzurennen, sondern fotografiert vom Platz aus.

17:23 Borst redet über Folksonomies. Habe beschlossen, den Blog-Post hier um ein paar unsystematische Tags zu ergänzen.

17:20 Hohe Äh-Dichte. Redet bisher vor allem über Theorie mit der entschuldigenden Vorbemerkung, dass er so tief nicht werden wird..

17:13 Es folgt "Timo Borst: Medienkompetenz und Wikipedia".

17:11 Haber vorbei. Nichts inhaltlich Neues, aber gut strukturiert und endlich mal ein paar subjektive Empfindungen wissenschaftlich (auf sehr schmaler Datenbasis!) belegt. Dementsprechend lebhafte Diskussion.

17:04 Diskussionsthese (Jens Best?): en strukturierter, weil man da - per Google Books et al - besser an Quellen kommt als auf deutsch. Halte ich für plausibel, ich als Autor nutze englische Quellen auch deshalb exzessiv, weil sie deutlich besser zugänglich sind. Haber streitet vehement ab, aber mir scheint eher aus politischen denn inhaltlichen Gründen.

17:02 Heise schreibt. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kritischer-Standpunkt-Wie-offen-ist-Wikipedia-1096317.html

16:56 Haber bemängelt "Große Männer schreiben große Geschichte"-Bild in Wikipedia. Mache ich auch gerne immer mal wieder, bin aber unschlüssig ob das nicht der Unterschied zwischen allgemeiner Enzyklopädie und Geschichtswissenschaft ist. Man vergleiche die Bestände in einer Uni-Buchhandlung mit der an der Bahnhofsbuchhandlung.

16:52 Peter Haber hat da nichts bahnbrechendes Neues gebracht. Aber für Wikipedianer gut, sich auf die bekannten Tatsachen mal mit quasi wissenschaftlicher Autorität beziehen zu können, und für andere meiner Einschätzung nach mal eine gute Einführung in die Schwächen der Wikipedia. Im nächsten Projekt bitte mal über die Stärken forschen :-)

16:46 Haber bemängelt nicht Fehler oder ähnliches, sondern die schlechte Struktur der Artikel. Dabei en in der Stichproble deutlich besser als de.

16:41 These: Je komplexer das Thema, desto weniger funktioniert Wikipedia als Einstieg. Ereignisse und Personen besonders anfällig für Abweichungen in nationalen Wikipedias. Trivia und Varia mit hohem unhistorischen Gewicht.

16:38 Arrgls, Barnos als positives Diskussionsseitenbeispiel, "ein Highlight". Überlege ob ich das Zuhören einstelle.

16:37 Diskussionsseitentrend: Diskussion sind oft sehr unbedarft.

16:36 Sein Beispielsartikel hat die Powerautoren Jesusfreund, Boris Fernbacher, Ulitz...

16:34 Weitere Trends. Kaum sprachübergreifende Literaturrezeption. Literaturlisten oft mehrsprachig, Text selbst bezieht sich dann meist auf die Heimatsprache. Weitere Trends: Edits nicht aussagekräftig für Qualität, pro Artikel nur wenig Powerautoren.

16:33 Das ganze beruht auf der Untersuchung von 20 Texten. Also mit Vorsicht zu genießen.

16:33 Trends: Länger nicht besser, en länger als de, en oft besser strukturiert.

16:32 Nebenbemerkung: es gibt mittlerweile auch Forschungsprojekte, die belegen, dass User nicht wissen, wie Wikipedia funktioniert.

16:30 Formal- und inhaltsanalytische Vergleiche WP-de, WP-en, Brockhaus, diverse weitere Werke aus der Geschichtswissenschaft. Qualitätskriterien: Richtigkeit, Objektivität, Sachlichkeit, Verweise, Aktualität, Orthograpie, Lesbarkeit, Verständlichkeit, Chronologie, Gliederung, Illustrationen, Pluralismus.

16:27 Bisher wirkt er überzeugend so, als wüsste er, was er macht.

16:27 Haber erwähnt seine Seminarteilnehmer namentlich "wir waren ein Team." Respekt.

16:20 Haber freut sich auf neue Metadaten-Ebene bei der Artikelbewertung. Immerhin eine Perspektive, aus der das komplett positiv ist.

16:19 Wie? Es gibt seit gestern eine Wikipedia-Artikelbewertung???

16:18 Mit Polnische Schlösser war natürlich polnische Burgen gemeint. Wo wir gerade über Benennung von Themen reden.

16:14 Es folgt "Peter Haber: Zur Quellenkritik von Wikipedia. Ein Forschungsbericht"

16:10 Es soll um die Nutzerperspektive gehen im nächsten Abschnitt. Mir liegt ja eine flapsige Bemerkung in den Fingern, aber okay, ist tatsächlich wichtig, wichtiger als die Entstehung.

16:09 Kaffeepause offiziell vorbei, der Saal ist trotzdem leer, aber was hindert mich ein Mangel an Inhalten am bloggen. Die Tarnung nur unter Realnamen und ohne offensichtlichen Nick aufzutreten ist aufgegangen, Menschen beschweren sich bei mir über Adminwillkür.. Leipziger Bibliotheken haben mit polnischen Schlössern gemeinsam, dass sie als Hintergrund für aufwendige Fotoshootings dienen. Nach der ersten spannenden Session und der zweiten sehr wechselhaften bin ich mal gespannt wie es weitergeht.

15:36 Kaffeepause bis 16 Uhr.

15:33 Pentzold zählte Edits von Wikipedianern, die später Admin wurden als Admin-Edits "auf ihrem Karriereweg".

15:32 Pentzold: Im Durchschnitt sperrt ein Administrator etwa 100 mal, Sperrungen finden meistens ohne Diskussion statt - meist zwangsweise, weil Gefahr im Verzug. Verfahren verselbständigt sich.

15:24 Absurde Vorschläge in der Diskussion. Sich mit den Lesern beschäftigen..

15:19 Huch. Schon vorbei. Ich dachte jetzt hat er sich seine Fakten schön und schlüssig aufgebaut, jetzt kann die präzise These kommen. Immerhin kommen ein paar Fragen. Aber, oh please, nicht schon wieder Montesquieu, um Wikipedia zu erklären.

15:17 Auch 30 Tage nach einer Sperrung gehen Reverts und anonyme Edits stark zurück. Adminedits werden ebenfalls weniger, Admins sperren aber verbessern den Artikel danach auch nicht.

15:14 Nachdem bisher eher empiriearme Theorie ins Kraut schoß, scheint jetzt ein abrupter U-Turn stattzufinden.

15:11 Anteil gesperrter Artikel in der en-Wikipedia. 2003: 0,05%. 2008: 0,4%. Insgesamt 16.000 Artikel gesperrt. Durchschnittlicher Artikel 16 Edits, durchschnittlicher gesperrter Edit über 400 Edits. Von den tausend meisteditieren Artikeln waren 874 im Laufe ihres Bestehens mal gesperrt.

15:07 Jahre wissenschaftlicher Forschung brachten uns die Erkenntnis, dass man Artikel sperren kann.

15:04 Ist mittlerweile bei Tragedy of the Commons angekommen. Nicht schlecht, aber bisher auch noch nicht originell. Wikipedia als Bereitstellungsdilemma zweiter Ordnung.

15:03 Erfrischende Solidität in der Informationsaufbereitung. Mir ist aber noch nicht ganz klar, wo er zusammen mit Frau Ostrom hinwill. Der bekannte Soziologe neben mir scheint hingegen kurz vor dem Einschlafen.

14:55 Wir kommen zu "Christian Pentzold: Gemeingut-Regime: Wie die Wikipedia ihre Inhalte schützt". Laut Ankündigung auch: Wisdom of Controlling Crowds.

14:50 Andererseits tatsächlich spannend, dass jemand wirklich primär Wikimedia erforscht und nicht Wikipedia.

14:44 Dobusch springt von internationaler Organisationsentwicklung zur internationalen Entwicklung. Ich glaub das ist ja eher korrelativ als kausal. Der große Unterschied zwischen generell partzipativer Wikipedia und CC, das inhaltsbedingt nur wenig partizipativ ist, wird kaum reflektiert. Die Informationen über CC waren echt interessant. Aber am Anfang warf Dobusch die Frage auf, ob sich Wikipedia und CC wirklich vergleichen lassen. Nach dem Vortrag habe ich den Eindruck: ja, aber leider mit wenig Erkenntnisgewinn. Lieber auf CC konzentrieren und Wikimedia ignorieren.

14:43 Deutsche Vereinsmeierei als Wikimedia-Exportgut..

14:36 Dobusch erklärt das Wikimedia-Binnenverhältnis als Franchisemodell US-D. Wär ich so nicht drauf gekommen, aber könnte spannend werden. Andererseits braucht er fr den Ansatz tatsächlich Überblick über das Wikimedia-Binnenverhältnis. Hat den jemand?

14:31 Spannend zu sehen auf wieviel verschiedene Methoden man denselben Sachverhalt konzeptualisieren kann, der anscheinend zum Leitthema der Konferenz wird. Jetzt heißt es "Übergang von Organisationen zu Gemeinschaften." Und mit jedem Ansatz sieht man das Problem tatsächlich etwas anders.

14:26 Zumindest versteh ich was er von mir will. Großer Fortschritt gegenüber dem letzten Vortrag. Bezieht sich auf "ignore all rules." Habe seit Jahren nicht mehr erlebt, dass sich jemand in einer Diskussion ernsthaft darauf bezogen hat :-(

14:24 "antischokke Und jetzt: Leonhard!!! Go go go! #cpov"

14:23 Jetzt Leonhard Dobusch: "Politische Franchisenetzwerke und digitale Praxisgemeinschaften: Wikimedia und Creative Commons im Vergleich". Vertritt tapfer die Betriebswirtschaft

14:21 War Leipzig eigentlich vor ein paar Jahren auch schon so bizarr und ich hab es nur nicht gemerkt, oder hat sich das geändert.

14:19 So lange das Publikum weiter versucht, zu verstehen, was der Vortragende eigentlich gesagt hat.. Gestern Abend Treffen in der Moritzbastei, sehr nett, auch wenn das einbrechende Gewitter die Runde in mehrere Teile geteilt hat. Kurz vor Mitternacht dann noch mit Henriette und Denis im Ilses Erika gewesen. Auch sehr nett, auch wenn wir bis 0:30h immer noch die einzigen Gäste waren und erfahren haben, dass der coole Leipziger erst um 2 oder so ausgeht.

14:16 Reichert will Industriesoziologie nicht an den Pranger stellen. Good to know.

14:14 Industriesoziologiediskussion motiviert im Saal sitzende zum Fantasy-Computerspielen. Pfff.

14:12 Nebenbei: der junge Herr, der aussieht wie Necrophorus ist gar nicht Necrophorus.

14:07 Habe Probleme dem Vortrag von Ramón Reichert zu folgen. Habe den Verdacht, er hält eine Einführung für Soziologen, es würde aber extrem helfen, wenn er sein Publikum ankuckte oder nicht nur ablesen würde, oder kein Nominalstilwunder aufführen würde..

14:01 Hallo, von Wikipedia:Ein kritischer Standpunkt, die Konferenz, die "Wikipedia für zu wichtig findet, um sie allein den Wikipedianern zu überlassen". Nein, serious. Bisher das beste und spannendste was ich seit langem live zur Wikipedia erlebt habe.

14:01 So, nachdem ich den ersten Sieg mit der Technik, um genau zu sein, mit meiner Firewall, dank Tim Moritz' Hilfe siegreich bestanden habe, kann das liveblogging beginnen.

14:01 Kurzzusammenfassung bisher: Bibliotheca Albertina: wooooooow! Knapp 100 Menschen im Saal, relativ bunt gemischt zwischen Wikipedia-Internen und -Externen. Es gibt WLAN (mit Tücken) und - juhu - Stromanschluss.

14:01 Vorträge bisher: Schneider: inspirierend, wissensreich, so lange nicht mehr jemand so enthuasiastisch über Enzyklopädien und Allgemeinen und Wikipedia im besonderen gehört.

Stadler: seine Ahnung von Wikipedia ist vorsichtig gesagt übersichtlich.

Stegbauer: hat den Pausengesprächen nach für die bisher größten Kontroversen gesorgt, zumindest ich könnte das bisher aber problemlos unterschreiben.

Blogferien beendet

Wieder in Deutschland und es regnet. Wie sich das gehört. Dafür bin ich grad umgeben von lauter spannenden und meistensteils netten Leuten, die um mich herum konferieren. Da ich theoretisch abstrakt gerade am Livebloggen bin, mal ein kleiner Notizzettel an mich selbst, was in den letzten zwei Wochen so an Themen aufgelaufen ist.

- Polnische Burgen
- Deutsche Schlösser
- Die Harzer Wandernadel
- Polnische Blockhäuser und Kamine
- Felsmonadennocken und Wollsackgranit
- Milch um Gurkenglas
- Hotel im Wasserfall
- Deutsche Autobahnschmuckverkäufer
- die seltsame massentourististisch induzierte Ähnlichkeit von Krakau mit Berlin
- Papstdenkmale
- Pilze, Pilze, Pilze
- Goraler Räucherkäse
- Georgische Bohnenpaste
- Pilze

Freitag, 24. September 2010

Sie haben jetzt eine Minute Zeit, Wikipedia zu lernen

12:59 Uhr. Neuer Benutzer, erster Beitrag: "Die Rasenschere ist ein Gerät zum Bearbeiten des Rasens."
13:00 Uhr. Schnelllöschantrag "Kein Artikel"
13:02 Uhr. Gelöscht.

Wenn Wikipedianer eines verlernt haben, dann ist es: Warten. Zeit lassen. Was gewinnt man, wenn ein Artikelanfang drei Minuten nach seiner Anlage gelöscht wird? Nix. Weder einen Artikel, noch einen Autor.

Überlegen wir uns einfach mal ein Alternativszenario:

12:59 Uhr. Neuer Benutzer, erster Beitrag: "Die Rasenschere ist ein Gerät zum Bearbeiten des Rasens."
13:00 Uhr. Eintrag auf der Diskussionsseite des Neulings: "Hallo, dein Artikel ist nach unseren Maßstäben noch zu kurz. Magst du noch a bißerl was ergänzen?"
Vielleicht liest er es, vielleicht schreibt er noch was. Vielleicht war er schon dabei, den zweiten Satz zu schreiben, als der erste gelöscht wurde. Nach einer Stunde kann man den Artikelanfang immer noch löschen, wenn sich nichts rührt. Vielleicht hat ihn aber auch einer derjenigen entdeckt, die gerne solchen Stümmelchen einen Zweit- und Drittsatz spendieren. Solche Leute gibt's hier noch. Vielleicht passiert sowas und Wikipedia hat einen Bewunderer, wenn schon keinen Autor gewonnen. So wie hier.

Leider ist dieses Alternativszenario völlig illusorisch. Selbst wenn der erste Schnelllöschantrag-Steller und der erste löschende Admin einfach NICHTS gemacht hätten, steht dahinter eine gierige Schar weiterer SLA-Steller bereit. Dann hätte den SLA eben ein anderer gestellt. Einspruch einlegen? Für einen Einsatzartikel? Damit nähme die administrative Eskalation ihren Anfang: Admin muss SLA in einen normalen Löschantrag umwandeln, Leute ihren Senf auf den Löschkandidaten dazugeben (da rufen dann verständlicherweise fünf Leute "Warum wird das Zeug nicht schnellgelöscht?"), ein besonders ungeduldiger setzt gleich wieder einen SLA ein – Einspruch erheben? Löschprüfung? Edits über Edits um einen einzigen Satz. lohnt alles nicht. Das einzige, was sich gelohnt hätte, wäre gewesen:

Einfach NICHTS tun. Kollektiv.

Aber das ist wohl zuviel verlangt.

PS: Wem das Beispiel mit der Rasenschere zu trivial ist, der nimmt einfach diesen Herrn hier, der im administrativen Arbeitseifer gleich zweimal gelöscht wurde. Oder ein beliebiges anderes von heute, gestern oder letzter Woche.

Donnerstag, 23. September 2010

Rhino's energy


Heute mal ein kleiner Review anderer Art - wobei ich ja den Betreiber hier dringend ersuchen möchste, Review in Rezension umzubenennen. Heute geht es nicht um ein Buch, einen Film oder sonstige intelektuelle Hirnkost sondern - um einen Energy Drink! Genauer:

Rhino's energy drink

Vorweg: Ich hasse energy drink - all die ganzen Redbull's, Flying Horses' , Sex-up's und whatever - und eigentlich auch Rhino's energy drink. Aber ich fand die Dose so cool, das Nashorn voll niedlich. Machen wir es kurz - Rhino's schmeckt wie alle energy drinks nach einer kohlensäureschwangeren Suppe aufgelöster Gummibärchen und ich fürchte, dass auch die Cranberry-Version da geschmacklich nicht viel reissen kann!

Der Geschmack liegt natürlich an den exquisiten Zutaten: Wasser, Zucker, Dextrose (ist auch Zucker, burnt nur tighter), Citronensäure E330, Kohlensäure, Säureregulator Natriumcitat E331, Taurin (0,38%), Glukose-Fruktose-Sirup (ist wieder Zucker, diesmal flüssiger), Koffein, Aromen, Glucoronolacton, Inositol, Ammoniak-Zuckerkulör E150c, Nicotinsäureamid, Panthothenat, Vitamin B6, Vitamin B12. Diese Mischung bringt es dann tatsächlich auf einen Brennwert von 207 KJ/100 ml, also fast 2 MJ auf einen vollen Liter. O.k., den rest könnt ihr euch selber zusammenreimen ....

Fazit: Schmeckt nicht, hat aber ein cooles Bild auf der Dose (und 'ne coole Website haben die auch)!

Achya, Warnung: Nicht geeignet für Kinder, Schwangere, Diabertiker und koffeinempfindliche Personen (steht auf der Dose) - all ihr Mate-Junkies könnt das Zeug also problemlos einspülen.

Bild: © rhino’s energy GmbH

Sonntag, 19. September 2010

Gesprochene Wikipedia: Glucke, Schockel und Wassertour

Eigentlich bin ich gar nicht da, also ignoriert diesen Post. Aber es wäre zu schön, wenn sich jemand die Mühe machte, den Harzer Roller für die gesprochene Wikipedia einzuspielen.

Samstag, 18. September 2010

Wie biege ich mir meine Zuschauer zurecht

Donnerstag, 16. September 2010

Blog-Karneval: Bedrohte Arten


Gestern wurde ich von Sören von dem Wissenslog Vom Hai gebissen, auch bekannt als Roterhai, zu einem Blog-Karneval über bedrohte Arten eingeladen. Am 1. Oktober will er in seinem Blog alle Blobbeiträge verlinken, die mitmachen. Nun ist der 1. Oktober ganz bald, der Schreibwettbewerb der Wikipedia und damit meine Arbei an den Hammerhaien im vollen Gange und die Liste der potenziellen Themen lang.

Bevor ich also die IUCN durchforste, dachte ich, ich frage einfach mal euch als iberty-Leser, welches bedrohte Tier ihr hier am 1. Oktober präsentiert bekommen wollt. Falls es also wirklich Leser gibt: Ich brauche eure Hilfe, ihr habt jetzt die Chance zu kommentieren und einen extra für euch geschriebenen Blog-Artikel zu gewinnen.

Montag, 13. September 2010

Schlagzeug - oder: Zum Wachstum von Problemen


Bis gestern hatten wir ein Problem, dass sich jedoch recht gut lösen liess: Mein Ältester brauchte dringend ein Schlagzeug, da er nach zehn Jahren Unterricht (er hat mit drei Jahren angefangen) auch endlich die Möglichkeit haben sollte, zu Hause zu üben - o.k., die Dinger kann man kaufen und via ebay kommt man manchmal auch recht günstig dran. Nun steht also ein Komplettset aus Bass- und Snare-Drum, 2 Rack-Toms und einer Floor-Tom sowie zwei Becken im Keller - unserer 4-Parteien Mietwohnung im malerischen Gymnich, Westfalen. Die ersten Tests: Die Dinger machen einen guten und sattemn Sound und sind richtig laut - ist halt ein Schlagzeug, keine Bongo.

Seit gestern haben wir ein anderes Problem: Wie bekommen wir es hin, dass uns unsere Nachbarn nicht innerhalb der nächsten Wochen mit Brandsätzen, Hetzparolen und Klageschriften verfolgen? Ich habe entsprechend heute mal geschaut, wie man einen Kellerraum dämmt - die wohl beste Methode ist eine doppelt-schallentkoppelte Rigipswand, die mit einem Holzkonstrukt vor die normale Wand begaut und mit Dämmwolle hinterbaut wird - das Ganze am besten doppelt und auch die Decke muss natürlich entsprechend abgehangen werden ... und das Ganze bringt nur was, wenn alle Ritzen der Fenster und Tüten dicht und selbige ebenfalls verkleidet sind. Das Schlagzeug selber braucht natürlich ein Podest und irgendwo schlug jemand vor, es auf einer Hängekonstruktion aufzustellen, damit keine Lärm-Bodenübertragung erfolgt. Yo, wir haben ein Problem ...

P.S.: Auf meiner facebook-Seite wurde mir anvertraut, dass diese Probleme durch die Schaffung eines lärmdichten Raums evtl. gelöst werden, dann aber direkt weiotere nach sich ziehen: "..aber sag nicht, ich hab dich nicht gewarnt, wenn dein Kind mit Drogen und Frauengeschichten Probleme bekommt. Das ist unweigerlich so - Drummer sind selten Veganer. (Danke Martin)

Bild: M. Sellmann, CC-by-sa 2.0/de (Wikimedia Commons)

wie kommt der Nichtgeek zum t-shirt

"Der sieht aber gar nicht aus wie ein Geek" kommentiert meine Freundin beim Streifzug durch die Stadt einen älteren Herrn, der ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift auf der Brust trägt. "Stimmt, deshalb steht da ja auch /geek." Wir schauen uns an, lachen los. "Äh – was jetzt?"

Traktor, gesungen

Diesmal hab ichs selber gemerkt! Leider versteh ich kein norwegisch, aber es hat irgendwas mit John Deere zu tun (bin grad auf der Suche nach dem amerikanischen John Deere Song). Als Gutnachtlied gab's dann gestern den JCB-Song, zum Zweitlieblingstraktor (vorzuspulen zur dritten Minute).

John Deer scheint eine vielbesungene Marke zu sein, das Thema schreit ja nach einem Wikipedia-Artikel. Weitere Hinweise zu Traktormusik nehme ich gerne entgegen.


Nachtrag: Noch einen gefunden, der der Sperrorgie von "Sony Music Entertainent entgangen ist.

Im gefälschten ICE

Am Wochenende getestet, ob es gelingt, dem Kind einen Eurocity als ICE zu verkaufen. Ich liebe ja Zugfahren, allerdings bevorzuge ich die nichtdeutsche Variante – so ein ICE zwischen Frankfurt und München besitzt irgendwie den Charme einer dreistündigen S-Bahnfahrt.
Der Eurocity kam aus Zagreb, die Wagen von der ÖBB, Abteile mit gemütlichen, vollausziehbaren Polstersitzen mit komplett hochklappbaren Armstützen – wie geschaffen für ein gemütliches Nickerchen. Die deutsche Bahn hat es ja nach den alten D-Zug-Abteilen nie wieder geschafft, Züge zu konstruieren, in denen man vernünftig schlafen kann. Man sollte meinen, die machen das absichtlich.

Am Boden des leeren Abteils ein paar Zloty. Den Buggy mangels Stellfläche im Gang mitten ins Abteil gestellt, das Kind passt schlafenderweise gut auf zwei Sitze nebeneinander. Bald stelle ich fest, dass ich doch ein etwas dickeres Buch hätte mitnehmen sollen. Für Reisende in solcher Notlage findet man in deutschen Zügen ja auf allen Plätzen die Bahnhauszeitschrift "Bahn mobil". Der Eurocity ist offenbar nicht im Verteiler drin, hier liegen dafür das österreichische und das kroatische Pendant aus. Zuerst nehme ich mir die österreichische vor: Das Heft ähnelt dem deutschen sehr, der Stil ist einen Deut ungelenker und manchmal unfreiwillig komisch (aus der Erinnerung: "Die gelben Verwaltungsgebäude leuchteten im Abendlicht"). Ich freu mich über zwei längere Artikel über etwas ungewöhnlichere Reiseziele, Tirana und das jordanische Jerasch.

Dank großer Bilder und seichter Texte ist das Heft schnell ausgelesen und ich wende mich der kroatischen Ausgabe zu. Schon der Titel "Eurocity – Putna revija HZ-Putnickoga prijevoza d.o.o. Reisemagazin der HZ Personenverkehr GmbH" weckt Erwartungen. Den Titel ziert eine Aufnahme der Küste des Inselchen Kosljun im 80-er Jahre Postkartenstil: Wolkiger Himmel, ein breiter Streifen grüne Hügel mit Ortschaft am Ufer, Meer. Das ist etwas irreführend, denn auf den folgenden 112 Seiten der vierteljährlich erscheinenden Publikation geht es in erster, zweiter und dritter Linie um die Insel Krk. Von der Geografie über das archäologisches Erbe, Festungen und Kastelle, glagolitische Denkmäler, Ornithologische Reservate, die Krker Kathedrale, der Wein, die lokale Magnatenfamilie bis hin zu "Nicht ohne die Sopile-Flöte – musikalische Ausdrucksformen auf der Insel Krk" wird sorgfältig jeder Aspekt der Insel behandelt. Und das nicht etwa von irgendwelchen Feldwaldwiesenjournalisten, nein, unter über der Hälfte der Artikel findet man einen Doktortitel. Oder wenigstens einen "Mag." Die Artikel sind zweisprachig, kroatisch und deutsch und nutzen den vorhandenen Platz auf der Seite voll aus, den einen Zentimeter Druckrand musste sich der Layouter vermutlich hart erkämpfen. Fasziniert blättere ich im Heft.

Keine in der Abendsonne leuchtenden Verwaltungsgebäude, auch keine "Warum nicht mit dem Liebsten im Nachtzug nach ParisachjasotollkomfortabelbilligichbineinredaktionellerBeitragjawollundkeineWerbung".
Stattdessen erfahre ich im Artikel "Horste des Gänsegeiers – ornithologische Reservate auf den Inseln Prvic und Krk" über die lokale Fauna:


An Säugetieren finden wir auf Prvic Wildkaninchen (Oryctogalus cuniculus). Herpetologisch interessant sind die Amphibien und Kriechtiere wie die Wechselkröte (Pseudepidaleaviridis, früher Bufoviridis), die Prachtkielechse (Algyroides nigropunctatus), die Kletternatter (Elaphe quatuorlineata), die Karsteidechse (Podarcis melisellensis fiumana), die Katzennatter (Telescopus fallax) und die Vierstreifenkletternatter (Elaphe quatuorlineata). Leider haben sich nach Aussagen der dortigen Schafe haltenden Bevölkerung auf der Insel Prvic "Fremdkörper" eingeschlichen, allochthone Wildschweine (Sus scrofa), die irgendwie auf die Insel gelangten. Sie werden mit Sicherheit die geschützte Vegetationsdecke verändern, eine der empfindlichsten Raumprobleme, Voraussetzung für das Leben und Überleben des gesamten Inseltierreichs.


Das ganze hat etwas rührend wikipedeskes. Muss im Herbst unbedingt nochmal Eurocity fahren, um die Herbstausgabe nicht zu verpassen. Achja, und natürlich unbedingt mal auf die Insel Krk fahren.


Samstag, 11. September 2010

Der Hai - Kurzreview einer romanhaften wahren Geschichte


Gerade habe ich meine (jetzt letzte) aktuelle Buchlektüre beendet: "Der Hai" von Michael Capuzzo, im Original mit dem wunderbaren Titel "Close to Shore: A True Story of Terror in an Age of Innocence" erschienen. Dabei handelt es sich allerdings nicht einfach nur um einen Roman sondern vielmehr um eine romanhafte Aufarbeitung der Haiangriffe an der Küste von New Jersey von 1916, denen auch die deutschsprachige Wikipedia dank der Arbeit der Autorin BS Thurner Hof einen ausführlichen Artikel widmet. Für die Horror- und Thrillerfans unter den Lesern: Auch Steven Spielbergs "Der weiße Hai" (wie auch dessen Romanvorlage von Peter Benchley, die ich mir gerade bei ZVAB bestellt habe) basieren auf dieser Story.


Das Buch liest sich sehr flüssig und spannend mit wechselnder Perspektive (Menschen, Hai) - vor allem ist es jedoch aufgrund der sehr guten Darstellung der Menschen in den USA zur Zeit des industriellen Aufbruchs, der Wahrnehmung des fernen ersten Weltkriegs in Europa und vor allem der Diskussionen um Bademoden zu emfehlen:

"Die schockierendste Entwicklung war direkt am Wasser zu beobachten, denn die steigenden Säume der Badekostüme waren zur Frontlinie des viktorianischen Establishments geworden. Im Sommer 1916 brach eine regelrechte Kulturrevolution um die statthafte Darbietung weiblicher Formen aus - die alles verhüllenden viktorianischen Badekostüme, eine Kombination aus Beinkleid und Rock, wichen geschmeidigen, eng anliegenden Badeanzügen. Das moderne amerikanische Image, diese Kombination aus Praktischem und Sinnlichem, war geboren."

" 'Diese leidige Angelegenheit der Mode ... erinnert an die Frauen aus den Highlands in ihren winzigen Kilts, welche es den Lüften des Himmels gestatten, frisch und frei geschmeidige Gliedmaßen zu umspielen' hieß es im Bulletin. 'Besonders beliebt scheint diese Mode unter Jungfern mit Grübchen an den Knien zu sein ... Die Bademeister sind entschlossen, sich öffentlich zu beschweren, falls diese Modetorheit anhält. 'Sie zieht zu viele Haie an', erklären sie."

Unter der Überschrift "Die Zwillinge der Finsternis" schildert der Autor das überraschende Auftauchen eines deutschen U-Boots vor der amerikanischen Küste, genau zu der Zeit als auch der Hai auftauchte:


" Die 'Deutschland' hatte die Blockade der Engländer unterlaufen und dann 4000 Seemeilen auf Tauchfahrt zurückgelegt, während die Besatzung französischen Champagner trank, Übersetzungen von Shakespeare und Mark Twain las und eine Auswahl aus Peer Gynt auf dem Phonographen spielte. Obwohl es nur Fracht und keine Waffen bei sich führte, war man in den Vereinigten Staaten von der Anwesenheit eines deutschen Unterseebootes höchst alarmiert - erst im Vorjahr hatte ein U-Boot den Passagierdampfer 'Lusitania' versenkt und 128 Amerikaner getötet. Und so kam es, dass der Weiße Hai und das deutsche U-Boot in vielen Leitartikeln, Karikaturen und Leserbriefen im Laufe des Sommers 1916 als die 'Zwillinge der Finsternis' bezeichnet wurden."

Da zudem noch etliche Wissenssplitter zum Weißen Hai und mehrerer Verwandter, von Nahrungsnetzen im Meer und insbesondere der Atlantikküste der USA sowie spannender Darstellungen der Theorie vom "bösen Hai" mitgeliefert werden, bekommt der Leser eine ziemlich gute Wissensspritze, die sich verpackt in Prosa auch gut im Hirn festsetzen sollte.

Der wissenschaftliche Gehalt der Ausführungen ist über zwei Jahre gut recherchiert und dargestellt, auch wenn die Grundthese des "einen, verhaltensgestörten Hais" nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen sollte. Haie werden nciht als blutgierige Bestien dargestellt; vielmehr wird erklärt, wie es zu Haiangriffen kommen kann - und dies in enger Absprache mit George Burgess, dem Leiter des International Shark Attack File (ISAF) an der University of Florida.


Bilder:
Weißer Hai bei Guadeloupe, Terry Goss, CC-by-sa 3.0 und GFDL
Die 'Deutschland' 1916 in New London, US post card, gemeinfrei