Donnerstag, 30. September 2010

Mühsam nährt sich das Hammerhaichen (II)

Da heute ja der Wikipedia-Schreibwettbewerb endet, habe ich doch noch mal die Mühen der Ebene auf mich genommen. Nachdem der erste Versuch eher fehlschlug, bei dem ich versuchte zu beweisen, dass Ska-Punk cooler ist als schlaflose Fische, nun auf ein Neues. Ich werde den Wikipedia Artikel Hammerhai (Band) weiter ausbauen.

Die Änderungen während ich das letzte mal am Artikel war, halten sich in übersichtlichen Grenzen. Während andere Themen - Frühmittelalter, Punk, das Sein - ja eher daran leiden, dass man in der Literaturflut ertrinkt, gehört Hammerhai zu den unbeachteten Themen, die einem zum intellektuellen Brosampicken zwingen. Seriöse Quellen gibt es natürlich mittlerweile immer noch keine, aber dafür scheint mein Wikipedia-Artikel laut Google mittlerweile die ultimative Infoquelle zu Tentakel de Luxe und zu Hammerhai (Band).

Neben mir selbst entdecke ich neben Langeleine.de nun auch noch Rockszene.de, ein Hannoveraner Musikmagazin. Das hat eher weniger Hintergründe, scheint aber immerhin in engem persönlichen Kontakt zur Band zu stehen und hat ein paar ganz blumige Beschreibungen von Musik und Konzerten.

Zudem bringt es die Idee, mal nach Hammerhai und deren Hausclub Bei Chez Heinz zusammen zu suchen: erste Indizien tauchen auf, dass die Verbindung enger ist, als zuerst angenommen. Hammerhai taucht mehrfach zusammen bei Konzerten mit Bands auf, die den Wikipedia-internen Relevanzfaktor sicher steigern würden. Aber das ist sehr unsystematisch, soll ich es trotzdem schreiben?

Und wie sieht es mit dem Ox-Artikel aus, der nähere Angaben zum Leben der Orgelspielerin nach der Band-Karriere macht? Okay, öffentlich ist es ja per Ox. Aber andererseits ist ja nun auch nicht so, dass die gesamte Yellow Press nun ständig darüber berichtet, was die Ex-Organistin einer Hannoveraner Ska-Band macht. Also weggelassen. Dafür herausgefunden wie wie Hammerhai und Bei Chez Heinz zusammenhängen und eingetragen. Und bei der Gelegenheit gleich noch ein paar Soloprojekte der Bandmitglieder gefunden.

Bleibt ein Artikel, dem man das mühsame Zusammensuchen durchaus anmerkt, der wenig mehr bieten kann als eine nackte Faktensammlung. Immerhin noch ein paar Hinweise wie die wichtigsten Hammerhai-Medien - Langeleine und Rockszene - die Band sehen, und der Hinweis, dass das Ox sie immerhin wahrnimmt.

Anders gesagt: würde ich als Leser irgendwo anders eine Hammerhai-Referenz sehen hätte ich nach dem Lesen einen Eindruck was genau gemeint war. Andererseits würde ich schon denken, dass Wikipedia sich da eher unbefriedigend aus dem Geschäft gezogen hat. Alltag eben.

Neues vom Kochhaus

Eigentlich schon für gestern Abend angekündigt - aber es gibt Momente im Leben, da muss man einfach Super Nanny kucken - jetzt doch noch mal ein Update zum Schöneberger Kochhaus. Das Konzept fasziniert mich weiterhin auf mehreren Ebenen und nicht zuletzt trägt das Haus ja auch zur guten Ernährung 500 Meter weiter bei.

Nochmal zur Rekapitulation: das Kochhaus Schöneberg sieht sich selbst als "begehbares Kochbuch", wurde von mir als "DIY-Restaurant" bezeichnet und das Konzept sieht vereinfacht vor, dass man ein Rezept nimmt und gleich dazu alle Zutaten in den richtigen Mengen vom Tisch nimmt und quasi sein Abendessen in Einzelteilen nach Hause trägt. Ausführlichere Erläuterung gibt es hier, ein erster Testkochbericht ist hier.

Nun gab es einmal ein zweites Testkochen. Auch der Kabeljau erwies sich als ausgesprochen lecker und empfehlenswert. Nebenbei habe ich noch erwiesen, dass man sich selbst bei narrensicheren Anleitungen verkochen kann, wenn man nebenbei telefoniert und die Möhren leicht anschmurgeln lässt.. Apropos Anleitung: Niedlich war der Rezept-Teil als stand "eine Priese Salz*" und unten beim *: "Mengenangaben für 4 Personen". Wir haben dann eine halbe Priese genommen.

Zum Großen und Ganzen gibt es aber auch noch berichtenswertes. Wenn ich beim Einkaufen am Kochhaus vorbeilaufe, erscheint es mir weiterhin gut gefüllt was mich freut. Bei den Diskussionen darüber, was das Kochhaus jetzt eigentlich ist, kam auch noch der Ausdruck "Packerlfutter für Snobs" hinzu - nicht ganz von der Hand zu weisen. Andererseits verzichte ich im Normalfall ja nicht auf Packerlfutter, um mir das Leben gezielt schwerer zu machen, sondern weil ich gern gut essen würde.

Außerdem haben auch die überregionalen Zeitungen gemerkt, dass hier etwas entsteht und an diversen Stellen berichtet. Katja Bauer schrieb im durchaus lesenswerten Text in der Stuttgarter Zeitung "Ein Mekka für Großstadtgourmets" von Konzept, Herrichtung und Kunden. Und sie schockte mich mit: "Die Tagliatelle sind zurzeit der Hit hier." Nudeln? Sicher schmackhaft und Wohlfühlessen.. aber meist doch eher Großstadt als Gourmet und eigentlich doch mit minimalem Geld- und Müheaufwand recht problemlos auch in guter Qualität hinzukriegen.

Die Stuttgarter Zeitung schreibt dann auch "und vor allem nicht schon wieder Spaghetti. Das ist die Idee" - klar, deshalb dann auch Tagliatelle anstattdessen. Kochhaus ist weiterhin super, aber darüber was Eure Kunden wollen, da müssen wir mal kritisch reden.

Schöneberg plant Erotic Streetview

Baffigkeit herrscht in diesem Haushalt. Während Ilse Aigner quasi immer noch fordert, dass jede Hausfassade quasi unverletzliche Persönlichkeitsrechte hat und es für bedenklich hält, dass die Straße tatsächlich generell als öffentlicher Raum gilt, scheinen CDU/SPD in Schöneberg von derlei Bedenken aber sowas von komplett unbeleckt. Die haben in der zuständigen Versammlung gerade den Beschluss gefasst:

Männer, die sich an der Kurfürstenstraße Huren ins Auto laden, werden gefilmt und samt Autokennzeichen ins Internet gestellt.

Das wird juristisch natürlich nicht durchkommen. Kann man dazu noch etwas sagen, was nicht komplett offensichtlich ist? Also Allen außer den beteiligten Politikern anscheinend.

Kleine Quellennotiz: gefunden eigentlich im Tagesspiegel, aber da gibt es das gerade wieder nur offline und unverlinkbar.

Mittwoch, 29. September 2010

Schöneberger Linguine

Da ich nachher noch über das Kochhaus Schöneberg bloggen und dabei über Nudelgerichte lästern wollte, beginne ich schon einmal ein paar Präliminarien, indem ich über das heutige Abendessen - ein Nudelgericht - schreibe. Angefangen hat es mal als türkisches Nudelrezept aus dem Internet, und danach hat es dann hier einige Evolutionsstufen durchnommen. Ist also nicht mehr ganz türkisch; andererseits hätte ich beispielsweise in Dithmarschen Probleme, alle benötigten Zutaten zusammenbekommen.

Man benötige:

- 200g Linguine (wie Spaghetti, nur breiter)
- 250g Hackfleisch (Rind & Lamm gemischt)
- 250g türkischer Joghurt (10% schmeckt besser, 3,5% ist vollkommen ausreichend)
- großer Bund frischer Minze
- 2 Tomaten
- Dekotomate
- Knoblauch, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Öl

Man bereite:

- Einen Teil der Minze zur Dekotomate legen und liegen lassen.
- Joghurt mit Minze mischen und soviel Knoblauz dazu wie man im Sozialleben grad noch für zumutbar hält. Länger durchziegen lassen.
- Für die Sauce Hack und Zwiebeln anbraten, Tomaten dazu, länger vor sich hin simmern lassen.
- Nachdem alles schon gesimmert und gezogen hat, Nudeln kochen.
- Nudeln abgießen, in den Joghurt hineinrühren.
- eine große Schüssel nehmen
- Erst die heiße Sauce unten in die Mitte, dann die weißen Nudeln obenauf, Minze und kleingeschnittene Dekotomate drapieren.
- Beim servieren darauf achten auch Sauce mitzunehmen.

Sieht schick aus, schmeckt überraschend sommerlich und frisch, und ist doch Comfort-Wohlfühlfood für Tage an denen man das braucht.

Und irgendwann überleg ich mir auch mal wie ich in der Küche Fotos ohne Farbstich hinbekomme.

Dienstag, 28. September 2010

Outing - eine Bewerbung


Dem Wunsch von Dirk in seinem Beitrag Glückwunsch Necrophorus.. folgend bin ich gern bereit, die "Bewertung der derzeitigen Qualitätssituation, Darstellung von Qualitätsmodellen und klaren Vorstellungen von Qualitätssicherung – und –steigerung" in schriftlicher Form verfügbar zu haben, nachzukommen. Ob er selbigen Text als konzise bewertet mag jeder selbst entscheiden. Folgendes zumindest war mein Bewerbungstext zur Ausschreibung für die Position des Vorstandreferenten für Qualität, die ich nun seit dem vergangenen Freitag bekleide:

Liebe Mitglieder des Vorstands und der Geschäftsstelle des Wikimedia Deutschland e. V.,
mit diesem Mail bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Position eines
ehrenamtlichen Vorstandreferenten für das Ressort Qualität beim Wikimedia Deutschland e. V.

Auch für mich gehörten "die Kontrolle, Sicherung und Steigerung der Qualität in der Wikipedia [..] zu den wichtigsten Aufgaben für die Weiterentwicklung des Projekts" und in meinen Augen auch des Vereins WMD. Die aktuelle Nichtbesetzung des entsprechenden Ressorts sehe ich entsprechend als eine ganz besonders gravierende Lücke in der derzeitigen Vorstandsorganisation an, die ich gerne zu füllen bereit bin. Von einer langatmigen Vorstellung meiner Person sehe ich dabei ab - ich denke, allen Personen, die dieses Mail lesen, sollte ich persönlich oder zumindest virtuell bekannt sein, deshalb nur ein paar Worte/Stellungnahmen mit Bezug auf die in der Ausschreibung geforderten Qualifikationen.

Engagement in der Wikipedia, Wikimedia und beruflich
Ich bin angemeldeter und aktiver Wikipedianer seit Dezember 2003 (Benutzername Necrophorus, seit 12.2004 unter Realnamen) und ohne große Unterbrechungen bis heute vor allem als Autor tätig. Dabei beteiligte ich mich bereits sehr früh an den unterschiedlichen Prozessen der Qualitätsentwicklung und -beurteilung, vor allem im Bereich der "Exzellenten Artikel". Gemeinsam mit den Benutzer southpark und einzelnen weiteren Autoren des "High-end-Bereichs" richtete ich im Juni 2004 das Wikipedia:Review ein, im September 2004 startete der erste WP:Schreibwettbewerb auf der Basis meiner Initiative - bis heute war ich dreimal Juror desselben und bin Autor einer deutlich 3-stelligen Anzahl ausgezeichneter Artikel sowie zahlreicher weiterer Artikel (siehe Benutzerseite in der WP).

Im Wikimedia Deutschland e.V. bin ich Gründungsmitglied und war Beisitzer im ersten Vorstand, bin von diesem Posten jedoch v.a. aufgrund meines Interessenskonflikts mit der Anstellung bei der Zenodot-Verlagsgesellschaft mbH zurückgetreten. Seitdem begleite ich den Verein und unterstütze ihn nach Kräften vor allem in Projekten mit direktem Communitybezug - aktuell bin ich bsp. involviert in der Vorbereitung der Wikipedia Academy und der Realisierung einer Kooperation mit der DZB Leipzig zur Vertonung der Artikel des Tages in der Wikipedia, ausserdem war ich Jury-Mitglied der Verleihung der Zedler-Medaille 2008 und Teil der AG zur Erarbeitung der Ziele des Kompass 2020 im Ressort Qualität 2009/2010 - als Ansprechpartner stehe ich grundsätzlich allen Mitarbeitern der Geschäftsstelle und des Vorstands zur Verfügung, insbesondere die (private wie berufliche) Zusammenarbeit mit Denis Barthel ist aufgrund gleicher wikipedianischer Interessen in der Redaktion Biologie sehr intensiv.

Neben der freiwilligen Autorenarbeit habe ich die Wikipedia auch beruflich begleitet: Von 2005 bis 2008 war ich Mitarbeiter der Zenodot-Verlagsgesellschaft und dort u.a. zuständig für den (leider gescheiterten) Aufbau der Buchreihe WikiPress und der technischen Realisierung der Wikipedia-CD und -DVD-Ausgaben, zudem war ich Redakteur des Internetauftritts zeno.org, in dem eine große Anzahl von urheberrechtsfreien Texten aus dem Bestand der Directmedia GmbH online und kostenfrei im Volltext zur Verfügung gestellt wurde. Seit 2008 bin ich Mitarbeiter der nova-Institut GmbH und war dort u.a. eingebunden in das Projekt "Nachwachsende Rohstoffe in der Wikipedia", gefördert durch das Bundesmisisterium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Seit 2009 berate ich zudem gelegentlich Organisationen und Unternehmen über die Wikipedia und die Möglichkeiten und Grenzen der Mitarbeit im Bereich von Interessenskonflikten und Unternehmensdarstellungen.

Einschätzung der Qualität der Wikipedia
Die Wikipedia ist in jeder möglichen Betrachtungsweise ein Mosaik - an Menschen, Themen, Vorstellungen, Tätigkeiten und eben auch hinsichtlich ihrer Qualität. Die Qualitätsentwicklung seit den Anfängen (bzw. seit meinem Einblick Ende 2003) ist dabei aus meiner Sicht bemerkenswert, wenn auch durchwachsen. In dieser Zeit hat sich die Wikipedia quantitativ von einem Lexikon mit etwa 40.000 Artikeln zu einer Enzyklopädie mit mehr als 1,1 Millionen Artikeln entwickelt, während zugleich die Qualitätsansprüche auf allen Ebenen - von Anfangszustand eines Artikels bis in den High-End-Bereich - kontinuierlich gesteigert haben. Besonders herauszuheben ist hierbei das Bewusstsein für "verlässliche Informationen" und die Nachprüfbarkeit von Inhalten auf der Basis von nach Möglichkeit hochwertigen Quellen, das sich immer weiter durchsetzt und in vielen Bereichen mittlerweile als Standard angesehen wird. Durch die Möglichkeiten der Einzelnachweise wurden diese Standards weiter etabliert ohne zu einer - wie bsp. in der englischsprachigen WP oft zu beobachtenden - überkritischen Forderung zu werden. Diese Entwicklung ist gut und wird sich meiner Meinung nach auch weiter entwickeln, in einigen Bereichen (Populärkultur, Randthemen) muss sie sich jedoch teilweise erst etablieren. Auffällig ist zudem von Beginn an, dass insbesondere Artikel im High-End-Bereich wie aber auch andere qualitativ hochwertige inhaltliche Aufarbeitungen idR durch einzelne Hauptautoren geschieht - das Wiki-Prinzip beschränkt sich hier idR auf die Nacharbeiten (Typo-Korrekturen, sprachlicher Nachschliff, Metakram).

Hand in Hand mit dieser Entwicklung geht die Entwicklung von fach- bzw. themenspezifischen Gruppierungen von Autoren, die sich explizit um die von ihnen abgesteckten Themenbereiche aktiv kümmern und hier entsprechende Qualitätsstandards durchsetzen. Dabei handelt es sich um Redaktionen wie die Redaktionen Biologie, Chemie und Medizin ebenso wie um WikiProjekte und Portale wie Regionalprojekte (Sauerland, Nordfriesland, Memmingen, Ostwestfalen-Lippe) oder Musikprojekte (Portale Jazz, Metal, Musikalben), die im optimalen Zustand eng verzahnt und teilweise auch überlappen sollten. Insbesondere in den Bereichen dieser Projekte werden nach meiner Beobachtung Qualitätsmassstäbe erarbeitet und etabliert, die sich dann auch über andere, weniger gut organisierte Bereiche ausdehnen. Neben den thematischen Kristallisationspunkten kommen jedoch auch fachübergreifende Projekte und Initiativen hinzu wie die bereits erwähnten Artikelkandidaturen (hier wurden 2005 Quellenforderungen erstmalig breit und themenübergreifend als Grundsatz gefordert), Reviews (leider zu wenig konsultiert) sowie der Grafik- und Fotowerkstätten, die die qualitativ hochwertige Bebilderung ermöglichen. In meinen Augen sollten insbesondere bestehende und gut funktionierende Projekte weiter unterstützt und zugleich neue Projekte in ihrer Entstehung und Etablierung begleitet werden, um themendeckend eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung zu ermöglichen.

Als abschliessenden Tenor (um den Rahmen nicht zu sprengen) meine Bewertung der Qualität: Durchwachsen - in einigen Bereichen und häufig auch bei einzelnen Artikeln gut vorzeigbar bis exzellent, in anderen Bereichen grottenschlecht. Als besondere Herausforderung sehe ich die Aufarbeitung von Altlasten (alte, häufig unbequellte Artikelbestände), den qualitativ hochwertigen Ausbau von zentralen Artikeln, die derzeit aufgrund der ihnen häufig innewohnenden Komplexität für freiwillige Hobby-Autoren eher abschreckend sind, sowie die weitere Förderung des Bewusstseins für Quellenarbeit und verifizierbare, verlässliche Inhalte.

Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung
Das Spektrum der möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität ist breit und zugleich häufig sehr beschränkt auf einzelne Themenbereiche oder gar einzelne Artikel. Aus diesem Grund halte ich es für dringend notwendig, die Unterstützung einzelner Autoren und Autorengruppen durch Literaturstipendien, Unterstützung von Fachbereichstreffen und andere Zuwendungen weiter auszubauen und zugleich immer die Augen offenzuhalten, welche Ansprüche die Autoren haben, um die Inhalte qualitativ weiter voranzubringen. Weitere Maßnahmen sollten den Dialog mit Wissenschaftsnetzen, Institutionen etc. zur konkreten Artikelverbesserung vorantreiben - bsp. in Form von externen Reviewernetzwerken, potenziellen Bildspendern und Quellenlieferanten.

Als besondere Herausforderung sehe ich den Umgang mit zentralen Artikeln, die für die Hobby-Tätigkeit freiwilliger Autoren häufig zu komplex sind (Zeitaufwand etc.). Da diese Artikel zugleich auch Aushangschild und Ziel regelmässiger Kritik sind, sollten hier Mechanismen entwickelt werden, wie evtl. auch professionelle Autoren zur Arbeit an diesen Artikeln motiviert werden können (Förderprojekte mit Autorenbezahlung und sogar Einkauf einzelner Artikel sollte hierbei ganz explizit mit betrachtet werden). Der ebenfalls kritische Bereich der Altlastenaufarbeit sollte zudem strukturiert angegangen werden, wie dies bsp. in der Redaktion Biologie seit Jahren durch regelmäßig aktualisierte Arbeitslisten ermöglicht wird.

Abschliessend sehe ich auch die allgemeine Förderung der Autorenmotivation als notwendige Maßnahme der qualitätsfördernden Maßnahmen. In der WP existiert nur eine sehr rudimentäre Kultur des Lobes, des Dankes und der "Auszeichnung" während wir eine sehr intensive Kultur des Beschimpfens, des Undanks und der Konkurrenzgefühle und des Mißtrauens haben. Diese Community-internen Kulturen lassen sich von aussen nicht steuern oder beeinflussen. Zugleich gibt es jedoch keinerlei Reputationsgewinne für die Autoren - bis auf sehr wenige Ausnahmen erfolgt die Arbeit unentgeltlich und auch ohne jegliche Namenszuordnung von Textbeiträgen - es ist bis heute nichtmal ein funktionierendes Tool der unkomplizierten Autorenbestimmung vorhanden, wie dies regelmässig vor allem von echten Autoren gefordert wird. Ich sehe es deshalb als dringend notwendig an, dass die Entwicklung eines Tools zur Autorenbestimmung vorangetrieben wird (am ehesten durch die Vergabe eines Programmierauftrags aufbauend auf Wikitrust und Wikihistory); zudem sollten die Konsequenzen, die Akzeptanz und Realisierung für die Ausschüttung von METIS-Zahlungen geprüft werden (Vorschlag AK).

Und wirklich abschliessend: Der Hauptbeitrag zur Steigerung der Qualität ist in meinen Augen der bodenständigste: In der Wikipedia weiterhin mitmachen, Artikel schreiben, Diskussionen begleiten, Reviews machen und immer ein gutes Netzwerk von Autoren pflegen - innerhalb der Community aktiv bleiben, damit man Wege, Ziele und Bedürfnisse nicht vor lauter Strategieplanung etc. aus den Augen verliert. Ich werde entsprechend auch beim anlaufenden Schreibwettbewerb teilnehmen (Thema Hammerhaie) und auch in Zukunft - unabhängig von dem Ergebnis dieser Bewerbung vornehmlich Autor der Wikipedia sein.

Sonstiges
Nach den sehr ausführlichen und langen Darstellungen nun noch ein wenig formaler Abschluss:

Gefordert wird:

* Qualitätsbewusstsein für Inhalte der Wikimedia-Projekte, z.B. als
Autor ausgezeichneter Artikel - ausgeführt: Autor einer 3-stellugen Anzahl ausgezeichneter Artikel, zahlreiche zusätzliche Artikelarbeit
* Beteiligung an Reviews oder Diskussionen um Auszeichnungen von Texten
und Bildern - ausgeführt
* Erfahrung im ehrenamtlichen Engagement innerhalb oder außerhalb der
Wikimedia-Projekte - Wikimedia ausgeführt; ansonsten studentischer Vertreter im Fachbereichsrat, Fachschaftsinitiative, StuPa-Mitglied FU Berlin etc., Habilitationskommissionen usw., Bezirkselternausschuss Friedrichshain, Landeselternausschuß Kita Berlin
* Kenntnis wissenschaftlicher Arbeitsmethoden und qualitätsfördernder
Maßnahmen in der Wikipedia - ausgeführt; wissenschaftliche Arbeitsmethoden zudem im Studium, als Mitarbeiter der Pressestelle des Deutschen Humangenomprojekts (DHGP), als Mitarbeiter des nova-Institut bei der Erarbeitung verschiedener Studien im Bereich nachwachsender Rohstoffe
* Bewusstsein für den hohen Stellenwert, den die Qualität der
Wikimedia-Projekte in der Außenwahrnehmung darstellt - dargestellt
* Bereitschaft, die strategische Ausrichtung des Vereins mitzugestalten - vorhanden
* Freude und Fähigkeit mittel- und langfristig zu planen - bedingt vorhanden, solang Bodenständigkeit nicht auf der Strecke bleibt
* Kommunikationsfähigkeit und Entscheidungsfähigkeit - weitestgehend vorhanden
* Ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder vergleichbare Qualifikation - Abschlüsse: Facharbeiter Physiklaborant, Hochschzldiplom Biologie, Volontariatsabschluss Verlagsredaktion


... - man mag mir verzeihen, dass ich die private Darstellung hier entfernt habe. Über Kommentare zu meinen Vorstellung - die beileibe nicht vollständig sind - würde ich mich sehr freuen.

Wikimedia-Deutschland möchte vermutlich gGmbh gründen.

Etwas ungewöhnlich über die Wikimedia-Deutschland-Mailingliste haben heute Schatzmeister und Erster Vorsitzender von Wikimedia Deutschland bestätigt bzw. erst bekannt geben, dass es weit fortgeschrittene Pläne gibt, um eine gemeinnützige Gmbh (gGmbh) zu gründen. Ursächlich scheint vor allem das Binnenverhältnis zur Wikimedia Foundation und die Verteilung der Spendengelder zwischen WM DE und WMF bzw. die Frage wie die deutschen Spendengelder Steuerrechtsgerecht in die USA kommen können.

Schatzmeister Jens Leschmann:

"...zunächst ist das Gerücht nicht ganz von der Hand zu weisen. ... ab diesem Jahr will die Foundation hingegen ihren Anteil an den Spendeneinnahmen direkt von uns überwiesen haben. Da wir als Verein keine Gelder an ausländische Institutionen/Organisationen (hierzu zählt auch die Foundation) überweisen dürfen... Auch war und ist es nicht im Sinne des Vorstandes, die Mitglieder bei dieser Frage zu übergehen. Doch die Teilnahme an der diesjährigen Spendenkampagne ist letztendlich davon abhängig, ob wir eine gGmbH aus dem "Boden stampfen" oder nicht. In jedem Fall werden wir noch vor Beginn der Spendenkampagne umfassend
über die Malingliste sowie auf Meta über das Vorhaben informieren -
allerdings erst dann, wenn alle rechtlichen Aspekte umfassend geprüft
worden sind."


Erster Vorsitzender Sebastian Moleski:

"Das heißt am Ende, dass in einzelnen Ländern ausschließlich das jeweilige Chapter für die Spendengenerierung verantwortlich ist. Davon soll dann die Foundation die Hälfte abbekommen. Dass jetzt Cash statt gemeinsame Projekte bevorzugt werden, erscheint plausibel ... Wir haben im Juli ein Gutachten aufgegeben, in der verschiedene Ansätze zur Übertragung von Spendengeldern an die Foundation beleuchtet werden. In San Francisco Anfang August haben wir diese Modelle besprochen und uns letztlich auf das nun geplante Modell der gemeinnützigen Gesellschaft geeinigt. Die Satzung der Gesellschaft wurde Ende August erarbeitet. Sie liegt dem Finanzamt seit Anfang September zur Prüfung vor."



Jens Leschmann wird nochmal deutlicher:

das Drohszenario muss ich in meiner Funktion als Schatzmeister leider
sehr ernst nehmen .... Nur zur Erinnerung: In der letzten Kampagne gab es zwei Spendenfenster, eins für WMDE direkt und eins für die Foundation. Ich habe jetzt die aktuellen Zahlen nicht griffbereit, daher nur Annäherungswerte:

direkte Spenden an WMDE rd. 580 T€
direkte Spenden an WMF rd. 470 T€

Was sollte also WMF davon abhalten, nur noch ein Spendenfenster einzublenden, wenn wir nicht die Voraussetzungen schaffen?


Ich bin da jetzt grad noch etwas perplex.

Umberto Eco im Jahre 1995 fast über Google Books

Leider hat es ja im Urlaub nicht geregnet, so dass ich im strahlenden Sonnenschein kaum dazu gekommen bin, alle mittransportierten Bücher auch durchzulesen. Glücklicherweise hat es für ein besonderes Kleinod gereicht. Umberto Ecos "Gesammelte Streichholzbriefe" bei dtv. Das Buch stellt Kolumnen zusammen, die unter ebenjenem Titel in den 1990ern in L'Espresso und teilweise auch in der Zeit erschienen.

Die Streichholzbriefe sind allesamt spannend, wirken in der Technik, die Eco als gegeben beschreibt eigentümlich museal, in seinen Visionen und Möglichkeiten scheint mir das Buch aber immer wieder auch der heutigen Debatte noch voraus.

Der spezielle Google-Books-Streifholzbrief, der mich besonders interessiert, trägt den Titel "Das Buch, ein technisch vollendetes Meisterwerk." Eco berichtet von einem Technologiekongress in San Marino 1994 und der darauf folgenden Film-Biennale in Venedig, die sich darum drehten, ob neue Technologien das Buch überflüssig machen würden.

Allein seine Gedanken in die Richtung sind sehr aufschlußreich und aus 16 Jahren Zeitgewinn heraus beurteilt erstaunlich weitsichtig, immerhin sprach man damals noch von "Hypertexten auf Diskette". Andererseits sieht er auch Potenziale. Über den Volltreffer den er gelandet hat - in einem Jahr als beispielsweise ich noch damit beschäftigt war, über in Computerzeitschriften abgedruckte Telefonnummern ein Heidengeld für mäßig interessante Mailboxanrufe auszugeben - verblüffen mich jetzt auch beim zweiten Lesen.

Eco: "Andererseits wäre es überaus praktisch, wenn man vielbändige Enzyklopädien auf CD-Rom hätte ... per CD lassen sich beispielsweise die Artikel über Platon und Aristoteles miteinander vergleichen, ohne daß man sich einen Tennisarm holt, indem man zwei dicke Wälzer auf einmal an den Schreibtisch schleppt."

Weiter im Text:

"Nehmen wir also an, alle Bücher aller großen Bibliotheken würden mit einem Scanner aufgenommen ... Das würde heißen, ihr ganzer Inhalt, samt Typographie und Seitenumbruch würde ich das Gedächtnis eines zentralen Computers eingespeist. Erstes Ergebnis: Diese Bücher würden vor der fatalen Zersetzung des Papiers bewahrt.."

In Ecos Vision geht man in Bibliotheken, wo Hochleistungsdrucker, die automatisch auch Schriften vergrößern, Gotische in Lateinische Schrift umwandeln können etc. Für Papier und Druck bezahlt man, ein Teil des Geldes kommt an Autor und Verlag.

"Ein einziger Raum wird Säle, Regale, Personal und Kontrollen ersetzen. ... [W]er ein vergriffenes oder schwer auffindbares Werk lesen oder nachschlagen will, bekommt das Äquivalent eines Faksimilie-Drucks ins Haus geliefert, ohne sich in Lesesäle bemühen zu müssen. Mithin werden die Bücher nicht verschwinden: Sie werden leichter zugänglich sein."

Chapeau.

Montag, 27. September 2010

#cpov - Öffentlichkeit und Offenheit

Wie schon kurz angebloggt, hat Peter Haber auf seinem Blog seinem Mißfallen über einiges Verhalten der Wikipedianer bei der CPOV-Konferenz Ausdruck verliehen.

Mit Habers zweitem Punkt: "So gab es in den Diskussionen wie auch in den Tweets und Blogposts hauptsächlich zwei Reaktionstypen: Entweder, dass der Beitrag zu wenig mit Wikipedia zu tun habe oder aber dass er nichts Neues bringe." würde ich mich deutlich mißverstanden fühlen und dachte, ein "das hätte ich gerne schriftlich" wäre ein gewisses Indiz für weitergehendes Interesse. Aber das Thema ist umfassend genug, um beizeiten einen eigenen Beitrag zu rechtfertigen.

Also erstmal der formale Punkt, Habers Mißfallen über den "anonymen Blogger", der im "hämische[n] Pennälerton" Äußerungen von sich gibt, "die man unter guten Kollegen in der Kaffeepause macht", überhaupt gab es über Twitter eine "Art von Feedback [...], die bisher nicht im öffentlichen Raum ausgehandelt wurde – zumindest nicht in denjenigen akademischen Kontexten, die ich kenne."

Die Frage der Anonymität haben wir, glaube ich, geklärt: Dirk Franke, Berlin, steht unter dem Beitrag, oder bei Twitter, in Leizig mit Namensschild, der im Blog durchaus bewusst auf die auffallende hellblaue Laptoptasche hingewiesen hat, die auch auf weitere Entfernung als Erkennungszeichen taugte. Ob ein Wikipedianer auf einer Konferenz über Wikipedia "ein Außenstehender" ist, ich fürchte das Thema liegt wirklich jenseits einer möglichen Einigung.

Nun kann ich natürlich über Legitimität streiten, dass ich einerseits als Wikipedianer theoretisch Gefahr laufe mit dem Schlechtesten meiner 10.000 Diskussionsbeiträge - dem von 3 Uhr Nachts als ich wegen Liebeskummer nicht schlafen konnte - im akademischen Kontext als besonderes Beispiel eines Rüpels an die Wand gebeamt zu werden. Dass andererseits aber die akademischen Kontexte für sich in Anspruch nehmen, selbst die Vortragstechnik bei einem seit Monaten bekannten öffentlichten Aufritt, der offensichtlich gefilmt wird, sei off the record.

Nun ja, Pennälergeschwätz. Ich gebe zu, ich habe als Student viele Stunden, Tage Wochen.. darunter gelitten, dass Vortragstechnik anscheinend etwas ist, über das man unter ernsthaften Akademikern nicht spricht. Andererseits bin ich ja von Hause aus Politologe und habe ganze Seminare darüber absolviert, welcher amerikanische Präsident bei welcher Ansprache wann auf seine Uhr geschaut hat, und wie das die späteren Wahlen beeinflusste. Selbst in Leipzig bei CPOV selbst ging es ja inhaltlich teilweise um aufwendige Präsentationsformen, um die Awareness zu erhöhen. Ich fürchte das Verständnis von öffentlicher Diskussion ist heutzutage da generell eher nicht dort, wo die akademischen Gepflogenheiten sind.

Was mich nun wieder wundert: dass die Internetforschung (!) anscheinend nicht dort ist, dass Forscher vor einer großen Menge aufgeklappter Laptops sitzen - die bekanntermaßen WLAN haben; und dass diese Internetforscher dann nicht automatisch annehmen, dass über diese Laptops - jetzt - kommuniziert wird. Ich gebe zu, die Entwicklung gibt es noch nicht lange und sie ist ungewohnt. Aber wir waren ja auch nicht bei einer Altorientalistikkonferenz.. Da bewundere ich tatsächlich die radikale Außensicht, möchte aber zugeben, dass meine generelle Kompetenzvermutung gegenüber der Wissenschaft einen kleinen Stoß bekommt.

Große Transparenz und eine umfassende Öffentlichkeit sind tatsächlich eine harte Erfahrung, wenn man sich regelmäßig in Wikipedia engagiert. Sollte da nicht auch kleine Transparenz und eingeschränkte Öffentlichkeit für den akademischen Kontext zumutbar sein, wenn er sich mit Wikipedia beschäftigt?

Martin Büsser (etwasvormir - zufrüh)

Es gibt Nachrichten, die brauchen ein bißchen, um zu sacken und wirklich zuzuschlagen. "Martin Büsser ist tot" war so eine. Vor ein paar Tagen im Vorbeigehen gehört und intellektuell wahrgenommen, emotional aber ist "Martin Büsser ist tot" in meinem Kosmos etwa so vorgesehen wie "Berlin bei Vulkanausbruch zerstört" - das passiert einfach nicht. Und das darf auch nicht stattfinden.

Nun also doch, wirklich. Google News spuckt noch wild Artikel von Martin, Nachrufe, und aktuelle in glücklicher Unkenntnis geschriebene Besprechungen seines neuen Comics nebeneinander aus, der Vulkan aber ist ausgebrochen.

Damals, ich war 17, und lebte auf dem Dorfe, kam Martin Büsser nah hinter Gott, an den ich eh nicht glaubte. ZAP war das Medium der Wahl, das für eine bestimmte Gruppe Jugendlicher über Jahre das einzig ernst zu nehmende Medium war. Andere Fazines las man, Zeitungen und Spiegel vielleicht auch, dem ZAP aber glaubte man. Zwischen dem agressiven Nihilismus von Moses Arndt und dem gemütlichen Biertrinkerpunk von Klaus N. Frick wirkten Büssers Beiträge über Jazz, Kunst, Politik wie eine Provokation, der Ansatz auch beispielsweise Nirvana (Verräter!) ernst zu nehmen wie ein Durchschütteln. In anderen Beiträgen aus dem ZAP konnte man sich wohlfühlen, Büsser trieb einen jedesmal wieder dahin, sich selbst positionieren zu müssen.

Als ich dann selbst fanzinte: Eine Besprechung im ZAP! Von Martin Büsser! Und er hatte was zu meckern! Wooow, wooow, unglaublich. Ich hab dann natürlich mit unsinnigen Fanzinebeiträgen zurückprovoziert, er weiter gemeckert, es kam wie es kommen musste, Martin Büsser war einer meiner ersten Interviewpartner jemals. Mit der Regionalbahn ging es von Nordniedersachsen bis ins Rheingau, wo mich der unglaublich liebe Privatmensch Büsser aufnahm, und auch die dämlichsten Interviewfragen, die einem 17-jährigen so einfallen, mit herzlicher Tapferkeit ernsthaft beantwortete. Dass der damals schon ewige Vegetarier Büsser anbot, mir auch gern Fleisch zuzubereiten, wenn ich wollte, hat mich nachhaltig beeindruckt; die Musik, die er mir an dem Abend vorspielte, hat die nächsten Jahre meines Lebens mitgeprägt.

Und dann war da natürlich noch Text. Während das ZAP über die Jahre immer seltsamer wurde, begann Martin Büsser auch woanders zu schreiben. Sein erstes Buch If the Kids are United habe ich dann mehrfach gelesen und lange war für mich damit alles Wichtige über Punk gesagt. Wenige Zeitschriften habe ich je so gründlich gelesen, wie die ersten Ausgaben von testcard, wohl keine Zeitschrift an der ich nie direkt selbst beteiligt war, mich gezwungen mir über so viele Positiionen zwischen Kunst, Kultur, Politik und Gesellschaft, selber klar zu werden.

Dass die Positionen dann letztlich nicht ganz da landeten, wo Büsser stand, ist da fast nur logisch. Aber vieles was er schrieb, die Überzeugung, dass Jazzartikel natürlich in ein Punk-Heft gehören, dass man Leute produktiv vor den Kopf stoßen und mit Text Denkmuster aufbrechen kann, habe ich von nicht unwesentlich von ihm. Darin, hinterherzugehen oder zu -hören, wenn etwas zuerst nur komisch erscheint, war er immer konsequenter, aber ich habe es zumindest versucht. Selbst wenn er noch gar nicht wirklich weg scheint, schon jetzt fehlt er.

* Nachruf von Linus Volkmann.
* Nachruf bei DE:BUG.

Liveblogging-Debatte

Weil ja der Schnelle schneller ist als der Nachdenkliche nachdenklich, jetzt nur in der schnellen Hinweisversion: Peter Haber scheint über Live-Blogging aus Wikipedistik-Konferenzen nicht übermäßig glücklich, und ruft damit auf seiner Kommentarseite eine spannende Diskussion hervor. Nando Stöcklin antwortet, falls noch jemand antwortet, wäre ich über einen Hinweis froh. Derweil denkt Dirk Franke nach, und wird später noch was zum Thema schreiben.

Von der CPOV-Konferenz an sich, hatte das .NKBlog schon gestern Abend einen schönen Beitrag.

Darummagichberlin (VI)

Weil hier auch die Frauen Vokuhila tragen.

Sonntag, 26. September 2010

Rasenschere II - ein Abgleich mit der Realität


Manchmal - extrem selten - wirft die virtuelle Welt Falten und bildet Schleifen mit dem realen Leben, und in einem dieser extrem seltenen Fällen spielt eine Rasenschere die Hauptrolle der Verwerfung, bei dem der Beitrag von elian in diesem Blog eine meherre Stunden vorher stattgefundene Begebenheit aus meinem "real life" zurückwarf. Worum es geht? Es geht um die (behauptete) Wirkung von Löschungen unzureichender Neueinstellungen in die Wikipedia - und ihre (tatsächliche) Geschichte.

Zuerst ein Blick in die Online-Perspektive von elian, wie sie in diesem Beitrag nachzulesen ist: Ein Artikel (genauer: Ein unbelegter und trivialer Satz zu einem Alltagsgegenstand) zum Thema "Rasenschere" wird eingestellt und dann binnen drei Minuten im klassichen 4-Augen-Prozess (Einstellung eines Schnellöschantrages durch Benutzer 1, Ausführung durch Benutzer 2) gelöscht. Die Konsequenz aus elians Perspektive: Ein Benutzer wurde vergrault, weil sein hoffnungsvoller Start der Wikipedia-Mitarbeit gelöscht wurde!

Nun aber ein Realitätsabgleich mit der wahren Geschichte:
Der von elian thematisierte "Artikel" zur besagten Rasenschere wurde während einer Kaffeepause bei einem Workshop im Rahmen der Veranstaltung Wikipedia - ein kritischer Standpunkt (CPOV) (southpark berichtete in den letzten beiden Posts via life-blogging von der Veranstaltung) von einem Teilnehmer angelegt. Der kritische Wikipedia-Forscher aus Wien nutzte die Pause zwischen dem von mir gegebenen Workshop zur "Recherche für Wikipedia" (in der u.a. die Belegpflicht und die Qualität ebenso wie der kontinuierliche Redaktionsprozess thematisiert wurde) und dem Workshop von DerHexer zu den Optionen der Administration für sein kleines Experiment. Wenige Minuten nach der Einstellung des Satzes war dieser tatsächlich verschwunden - zur positiven Überraschung des Benutzers, der darin live bestätigt sah, dass der Redaktionsprozess in der WP funktioniert (!!!).

Eventuell führt also gerade diese Löschung dazu, dass wir einen neuen, hochqualifizierten Mitarbeiter für die Wikipedia gewinnen konnten - der bei einer Nichtlöschung aufgrund der nicht funktionierenden Filterung unzureichender Artikel eventuell gleich wieder mit dem Thema abgeschlossen hätte. Einfach NICHTS tun hätte diesen Benutzer sicher nicht gebunden sondern seine Kritik an der (fehlenden) Qualität der Wikipedia vollständig bestätigt!

Sometimes that's life and reality!

wp: #cpov liveblogging vom sonntag, dem 26.9.

Hintergrund: Wikipedia ein kritischer Standpunkt

14:29 Hoffe, es gibt noch Kaffee.

14:29 Schad, dass ich nach Berlin muss, Schneider verspricht Führung durch die Albertina nachher gleich.

14:28 Schneider verspricht weitere Einladungen für Forum Wikipedistik/Enzyklopädistik.

14:27 Und vorbei. Schlusswort. Videobeiträge in den nächsten zwei Wochen.

14:26 das versprochene "Unterkomplexe Spektakel" für die Diskussion scheint tatsächlich grad eher in Richtung Unterkomplexität als Spektakel zu wandern. Langsam wird es Wikipedia-Diskussionsseitenniveau.

14:23 Kinzler ist Raum, Wikipedia-Intransparenz ist keine "Verschleierungstaktik" sondern Interna sind über die Jahre schlecht dokumentiert vor sich hin gewachsen.

14:20 Hach, doch noch Spektakel. Wikimedia-Mitgliedsversammlung 2010 reloaded.

14:17 Roth/König: Stammtische etc. sollten mehr beworben und mehr auf eine Öffentlichkeit zugeschnitten werden.

14:15 "peha64 #cpov Die Käsebrot-Debatte (was gehört NICHT in die Wikipedia) löst Gekicher aus bei den eingefleischten Wikipedianern im Raum". Wobei die wahre Debatte natürlich die Restaurationsbrot-Debatte war.


Samstag, 25. September 2010

WP: #cpov liveblogging vom Samstag, dem 25.9.

Zum Hintergrund: Wikipedia ein kritischer Standpunkt.

18:16 Alle Vorträge und Diskussionen für heute sind beendet. Heute Abend dann lockere Runde im Beyerhaus. Sofern es das Netz und Strom gibt, wird der Blog fortgesetzt, für den wahrscheinlichen Fall, dass dies nicht so ist, war es das ganze für heute, und der Laptop wird des Rest des Tages und Abends in seiner schönen hellblauen Tasche verbringen. Ich werde drüber nachdenken, ob ich Sonntag nicht doch im Schießkeller Leipzig verbringe.

18:09 Folie "ein eigener Standpunkt muss her". Gute Zusammenfassung des Vortrags.

18:08 These: "Die Leute an den Schalthebeln haben Schlüsselpositionen."

18:05 Das was Ute Demuth von den Teilnehmern ihrer Veranstaltungen erzählt, erinnert mich an all meine schlimmen Erfahrungen in Gewerkschaftskontexten.

18:03 Auf der Leinwand steht "Beteiligung." An Wikipedia? Der Politik? Dem Leben? Der politischen Bildung? Irgendwo muss ich den Kontext verloren haben.


Blogferien beendet

Wieder in Deutschland und es regnet. Wie sich das gehört. Dafür bin ich grad umgeben von lauter spannenden und meistensteils netten Leuten, die um mich herum konferieren. Da ich theoretisch abstrakt gerade am Livebloggen bin, mal ein kleiner Notizzettel an mich selbst, was in den letzten zwei Wochen so an Themen aufgelaufen ist.

- Polnische Burgen
- Deutsche Schlösser
- Die Harzer Wandernadel
- Polnische Blockhäuser und Kamine
- Felsmonadennocken und Wollsackgranit
- Milch um Gurkenglas
- Hotel im Wasserfall
- Deutsche Autobahnschmuckverkäufer
- die seltsame massentourististisch induzierte Ähnlichkeit von Krakau mit Berlin
- Papstdenkmale
- Pilze, Pilze, Pilze
- Goraler Räucherkäse
- Georgische Bohnenpaste
- Pilze

Freitag, 24. September 2010

Sie haben jetzt eine Minute Zeit, Wikipedia zu lernen

12:59 Uhr. Neuer Benutzer, erster Beitrag: "Die Rasenschere ist ein Gerät zum Bearbeiten des Rasens."
13:00 Uhr. Schnelllöschantrag "Kein Artikel"
13:02 Uhr. Gelöscht.

Wenn Wikipedianer eines verlernt haben, dann ist es: Warten. Zeit lassen. Was gewinnt man, wenn ein Artikelanfang drei Minuten nach seiner Anlage gelöscht wird? Nix. Weder einen Artikel, noch einen Autor.

Überlegen wir uns einfach mal ein Alternativszenario:

12:59 Uhr. Neuer Benutzer, erster Beitrag: "Die Rasenschere ist ein Gerät zum Bearbeiten des Rasens."
13:00 Uhr. Eintrag auf der Diskussionsseite des Neulings: "Hallo, dein Artikel ist nach unseren Maßstäben noch zu kurz. Magst du noch a bißerl was ergänzen?"
Vielleicht liest er es, vielleicht schreibt er noch was. Vielleicht war er schon dabei, den zweiten Satz zu schreiben, als der erste gelöscht wurde. Nach einer Stunde kann man den Artikelanfang immer noch löschen, wenn sich nichts rührt. Vielleicht hat ihn aber auch einer derjenigen entdeckt, die gerne solchen Stümmelchen einen Zweit- und Drittsatz spendieren. Solche Leute gibt's hier noch. Vielleicht passiert sowas und Wikipedia hat einen Bewunderer, wenn schon keinen Autor gewonnen. So wie hier.

Leider ist dieses Alternativszenario völlig illusorisch. Selbst wenn der erste Schnelllöschantrag-Steller und der erste löschende Admin einfach NICHTS gemacht hätten, steht dahinter eine gierige Schar weiterer SLA-Steller bereit. Dann hätte den SLA eben ein anderer gestellt. Einspruch einlegen? Für einen Einsatzartikel? Damit nähme die administrative Eskalation ihren Anfang: Admin muss SLA in einen normalen Löschantrag umwandeln, Leute ihren Senf auf den Löschkandidaten dazugeben (da rufen dann verständlicherweise fünf Leute "Warum wird das Zeug nicht schnellgelöscht?"), ein besonders ungeduldiger setzt gleich wieder einen SLA ein – Einspruch erheben? Löschprüfung? Edits über Edits um einen einzigen Satz. lohnt alles nicht. Das einzige, was sich gelohnt hätte, wäre gewesen:

Einfach NICHTS tun. Kollektiv.

Aber das ist wohl zuviel verlangt.

PS: Wem das Beispiel mit der Rasenschere zu trivial ist, der nimmt einfach diesen Herrn hier, der im administrativen Arbeitseifer gleich zweimal gelöscht wurde. Oder ein beliebiges anderes von heute, gestern oder letzter Woche.

Donnerstag, 23. September 2010

Rhino's energy


Heute mal ein kleiner Review anderer Art - wobei ich ja den Betreiber hier dringend ersuchen möchste, Review in Rezension umzubenennen. Heute geht es nicht um ein Buch, einen Film oder sonstige intelektuelle Hirnkost sondern - um einen Energy Drink! Genauer:

Rhino's energy drink

Vorweg: Ich hasse energy drink - all die ganzen Redbull's, Flying Horses' , Sex-up's und whatever - und eigentlich auch Rhino's energy drink. Aber ich fand die Dose so cool, das Nashorn voll niedlich. Machen wir es kurz - Rhino's schmeckt wie alle energy drinks nach einer kohlensäureschwangeren Suppe aufgelöster Gummibärchen und ich fürchte, dass auch die Cranberry-Version da geschmacklich nicht viel reissen kann!

Der Geschmack liegt natürlich an den exquisiten Zutaten: Wasser, Zucker, Dextrose (ist auch Zucker, burnt nur tighter), Citronensäure E330, Kohlensäure, Säureregulator Natriumcitat E331, Taurin (0,38%), Glukose-Fruktose-Sirup (ist wieder Zucker, diesmal flüssiger), Koffein, Aromen, Glucoronolacton, Inositol, Ammoniak-Zuckerkulör E150c, Nicotinsäureamid, Panthothenat, Vitamin B6, Vitamin B12. Diese Mischung bringt es dann tatsächlich auf einen Brennwert von 207 KJ/100 ml, also fast 2 MJ auf einen vollen Liter. O.k., den rest könnt ihr euch selber zusammenreimen ....

Fazit: Schmeckt nicht, hat aber ein cooles Bild auf der Dose (und 'ne coole Website haben die auch)!

Achya, Warnung: Nicht geeignet für Kinder, Schwangere, Diabertiker und koffeinempfindliche Personen (steht auf der Dose) - all ihr Mate-Junkies könnt das Zeug also problemlos einspülen.

Bild: © rhino’s energy GmbH

Donnerstag, 16. September 2010

Blog-Karneval: Bedrohte Arten


Gestern wurde ich von Sören von dem Wissenslog Vom Hai gebissen, auch bekannt als Roterhai, zu einem Blog-Karneval über bedrohte Arten eingeladen. Am 1. Oktober will er in seinem Blog alle Blobbeiträge verlinken, die mitmachen. Nun ist der 1. Oktober ganz bald, der Schreibwettbewerb der Wikipedia und damit meine Arbei an den Hammerhaien im vollen Gange und die Liste der potenziellen Themen lang.

Bevor ich also die IUCN durchforste, dachte ich, ich frage einfach mal euch als iberty-Leser, welches bedrohte Tier ihr hier am 1. Oktober präsentiert bekommen wollt. Falls es also wirklich Leser gibt: Ich brauche eure Hilfe, ihr habt jetzt die Chance zu kommentieren und einen extra für euch geschriebenen Blog-Artikel zu gewinnen.

Montag, 13. September 2010

Schlagzeug - oder: Zum Wachstum von Problemen


Bis gestern hatten wir ein Problem, dass sich jedoch recht gut lösen liess: Mein Ältester brauchte dringend ein Schlagzeug, da er nach zehn Jahren Unterricht (er hat mit drei Jahren angefangen) auch endlich die Möglichkeit haben sollte, zu Hause zu üben - o.k., die Dinger kann man kaufen und via ebay kommt man manchmal auch recht günstig dran. Nun steht also ein Komplettset aus Bass- und Snare-Drum, 2 Rack-Toms und einer Floor-Tom sowie zwei Becken im Keller - unserer 4-Parteien Mietwohnung im malerischen Gymnich, Westfalen. Die ersten Tests: Die Dinger machen einen guten und sattemn Sound und sind richtig laut - ist halt ein Schlagzeug, keine Bongo.

Seit gestern haben wir ein anderes Problem: Wie bekommen wir es hin, dass uns unsere Nachbarn nicht innerhalb der nächsten Wochen mit Brandsätzen, Hetzparolen und Klageschriften verfolgen? Ich habe entsprechend heute mal geschaut, wie man einen Kellerraum dämmt - die wohl beste Methode ist eine doppelt-schallentkoppelte Rigipswand, die mit einem Holzkonstrukt vor die normale Wand begaut und mit Dämmwolle hinterbaut wird - das Ganze am besten doppelt und auch die Decke muss natürlich entsprechend abgehangen werden ... und das Ganze bringt nur was, wenn alle Ritzen der Fenster und Tüten dicht und selbige ebenfalls verkleidet sind. Das Schlagzeug selber braucht natürlich ein Podest und irgendwo schlug jemand vor, es auf einer Hängekonstruktion aufzustellen, damit keine Lärm-Bodenübertragung erfolgt. Yo, wir haben ein Problem ...

P.S.: Auf meiner facebook-Seite wurde mir anvertraut, dass diese Probleme durch die Schaffung eines lärmdichten Raums evtl. gelöst werden, dann aber direkt weiotere nach sich ziehen: "..aber sag nicht, ich hab dich nicht gewarnt, wenn dein Kind mit Drogen und Frauengeschichten Probleme bekommt. Das ist unweigerlich so - Drummer sind selten Veganer. (Danke Martin)

Bild: M. Sellmann, CC-by-sa 2.0/de (Wikimedia Commons)

wie kommt der Nichtgeek zum t-shirt

"Der sieht aber gar nicht aus wie ein Geek" kommentiert meine Freundin beim Streifzug durch die Stadt einen älteren Herrn, der ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift auf der Brust trägt. "Stimmt, deshalb steht da ja auch /geek." Wir schauen uns an, lachen los. "Äh – was jetzt?"

Traktor, gesungen

Diesmal hab ichs selber gemerkt! Leider versteh ich kein norwegisch, aber es hat irgendwas mit John Deere zu tun (bin grad auf der Suche nach dem amerikanischen John Deere Song). Als Gutnachtlied gab's dann gestern den JCB-Song, zum Zweitlieblingstraktor (vorzuspulen zur dritten Minute).

John Deer scheint eine vielbesungene Marke zu sein, das Thema schreit ja nach einem Wikipedia-Artikel. Weitere Hinweise zu Traktormusik nehme ich gerne entgegen.


Nachtrag: Noch einen gefunden, der der Sperrorgie von "Sony Music Entertainent entgangen ist.

Im gefälschten ICE

Am Wochenende getestet, ob es gelingt, dem Kind einen Eurocity als ICE zu verkaufen. Ich liebe ja Zugfahren, allerdings bevorzuge ich die nichtdeutsche Variante – so ein ICE zwischen Frankfurt und München besitzt irgendwie den Charme einer dreistündigen S-Bahnfahrt.
Der Eurocity kam aus Zagreb, die Wagen von der ÖBB, Abteile mit gemütlichen, vollausziehbaren Polstersitzen mit komplett hochklappbaren Armstützen – wie geschaffen für ein gemütliches Nickerchen. Die deutsche Bahn hat es ja nach den alten D-Zug-Abteilen nie wieder geschafft, Züge zu konstruieren, in denen man vernünftig schlafen kann. Man sollte meinen, die machen das absichtlich.

Am Boden des leeren Abteils ein paar Zloty. Den Buggy mangels Stellfläche im Gang mitten ins Abteil gestellt, das Kind passt schlafenderweise gut auf zwei Sitze nebeneinander. Bald stelle ich fest, dass ich doch ein etwas dickeres Buch hätte mitnehmen sollen. Für Reisende in solcher Notlage findet man in deutschen Zügen ja auf allen Plätzen die Bahnhauszeitschrift "Bahn mobil". Der Eurocity ist offenbar nicht im Verteiler drin, hier liegen dafür das österreichische und das kroatische Pendant aus. Zuerst nehme ich mir die österreichische vor: Das Heft ähnelt dem deutschen sehr, der Stil ist einen Deut ungelenker und manchmal unfreiwillig komisch (aus der Erinnerung: "Die gelben Verwaltungsgebäude leuchteten im Abendlicht"). Ich freu mich über zwei längere Artikel über etwas ungewöhnlichere Reiseziele, Tirana und das jordanische Jerasch.

Dank großer Bilder und seichter Texte ist das Heft schnell ausgelesen und ich wende mich der kroatischen Ausgabe zu. Schon der Titel "Eurocity – Putna revija HZ-Putnickoga prijevoza d.o.o. Reisemagazin der HZ Personenverkehr GmbH" weckt Erwartungen. Den Titel ziert eine Aufnahme der Küste des Inselchen Kosljun im 80-er Jahre Postkartenstil: Wolkiger Himmel, ein breiter Streifen grüne Hügel mit Ortschaft am Ufer, Meer. Das ist etwas irreführend, denn auf den folgenden 112 Seiten der vierteljährlich erscheinenden Publikation geht es in erster, zweiter und dritter Linie um die Insel Krk. Von der Geografie über das archäologisches Erbe, Festungen und Kastelle, glagolitische Denkmäler, Ornithologische Reservate, die Krker Kathedrale, der Wein, die lokale Magnatenfamilie bis hin zu "Nicht ohne die Sopile-Flöte – musikalische Ausdrucksformen auf der Insel Krk" wird sorgfältig jeder Aspekt der Insel behandelt. Und das nicht etwa von irgendwelchen Feldwaldwiesenjournalisten, nein, unter über der Hälfte der Artikel findet man einen Doktortitel. Oder wenigstens einen "Mag." Die Artikel sind zweisprachig, kroatisch und deutsch und nutzen den vorhandenen Platz auf der Seite voll aus, den einen Zentimeter Druckrand musste sich der Layouter vermutlich hart erkämpfen. Fasziniert blättere ich im Heft.

Keine in der Abendsonne leuchtenden Verwaltungsgebäude, auch keine "Warum nicht mit dem Liebsten im Nachtzug nach ParisachjasotollkomfortabelbilligichbineinredaktionellerBeitragjawollundkeineWerbung".
Stattdessen erfahre ich im Artikel "Horste des Gänsegeiers – ornithologische Reservate auf den Inseln Prvic und Krk" über die lokale Fauna:


An Säugetieren finden wir auf Prvic Wildkaninchen (Oryctogalus cuniculus). Herpetologisch interessant sind die Amphibien und Kriechtiere wie die Wechselkröte (Pseudepidaleaviridis, früher Bufoviridis), die Prachtkielechse (Algyroides nigropunctatus), die Kletternatter (Elaphe quatuorlineata), die Karsteidechse (Podarcis melisellensis fiumana), die Katzennatter (Telescopus fallax) und die Vierstreifenkletternatter (Elaphe quatuorlineata). Leider haben sich nach Aussagen der dortigen Schafe haltenden Bevölkerung auf der Insel Prvic "Fremdkörper" eingeschlichen, allochthone Wildschweine (Sus scrofa), die irgendwie auf die Insel gelangten. Sie werden mit Sicherheit die geschützte Vegetationsdecke verändern, eine der empfindlichsten Raumprobleme, Voraussetzung für das Leben und Überleben des gesamten Inseltierreichs.


Das ganze hat etwas rührend wikipedeskes. Muss im Herbst unbedingt nochmal Eurocity fahren, um die Herbstausgabe nicht zu verpassen. Achja, und natürlich unbedingt mal auf die Insel Krk fahren.


Samstag, 11. September 2010

Der Hai - Kurzreview einer romanhaften wahren Geschichte


Gerade habe ich meine (jetzt letzte) aktuelle Buchlektüre beendet: "Der Hai" von Michael Capuzzo, im Original mit dem wunderbaren Titel "Close to Shore: A True Story of Terror in an Age of Innocence" erschienen. Dabei handelt es sich allerdings nicht einfach nur um einen Roman sondern vielmehr um eine romanhafte Aufarbeitung der Haiangriffe an der Küste von New Jersey von 1916, denen auch die deutschsprachige Wikipedia dank der Arbeit der Autorin BS Thurner Hof einen ausführlichen Artikel widmet. Für die Horror- und Thrillerfans unter den Lesern: Auch Steven Spielbergs "Der weiße Hai" (wie auch dessen Romanvorlage von Peter Benchley, die ich mir gerade bei ZVAB bestellt habe) basieren auf dieser Story.


Das Buch liest sich sehr flüssig und spannend mit wechselnder Perspektive (Menschen, Hai) - vor allem ist es jedoch aufgrund der sehr guten Darstellung der Menschen in den USA zur Zeit des industriellen Aufbruchs, der Wahrnehmung des fernen ersten Weltkriegs in Europa und vor allem der Diskussionen um Bademoden zu emfehlen:

"Die schockierendste Entwicklung war direkt am Wasser zu beobachten, denn die steigenden Säume der Badekostüme waren zur Frontlinie des viktorianischen Establishments geworden. Im Sommer 1916 brach eine regelrechte Kulturrevolution um die statthafte Darbietung weiblicher Formen aus - die alles verhüllenden viktorianischen Badekostüme, eine Kombination aus Beinkleid und Rock, wichen geschmeidigen, eng anliegenden Badeanzügen. Das moderne amerikanische Image, diese Kombination aus Praktischem und Sinnlichem, war geboren."

" 'Diese leidige Angelegenheit der Mode ... erinnert an die Frauen aus den Highlands in ihren winzigen Kilts, welche es den Lüften des Himmels gestatten, frisch und frei geschmeidige Gliedmaßen zu umspielen' hieß es im Bulletin. 'Besonders beliebt scheint diese Mode unter Jungfern mit Grübchen an den Knien zu sein ... Die Bademeister sind entschlossen, sich öffentlich zu beschweren, falls diese Modetorheit anhält. 'Sie zieht zu viele Haie an', erklären sie."

Unter der Überschrift "Die Zwillinge der Finsternis" schildert der Autor das überraschende Auftauchen eines deutschen U-Boots vor der amerikanischen Küste, genau zu der Zeit als auch der Hai auftauchte:


" Die 'Deutschland' hatte die Blockade der Engländer unterlaufen und dann 4000 Seemeilen auf Tauchfahrt zurückgelegt, während die Besatzung französischen Champagner trank, Übersetzungen von Shakespeare und Mark Twain las und eine Auswahl aus Peer Gynt auf dem Phonographen spielte. Obwohl es nur Fracht und keine Waffen bei sich führte, war man in den Vereinigten Staaten von der Anwesenheit eines deutschen Unterseebootes höchst alarmiert - erst im Vorjahr hatte ein U-Boot den Passagierdampfer 'Lusitania' versenkt und 128 Amerikaner getötet. Und so kam es, dass der Weiße Hai und das deutsche U-Boot in vielen Leitartikeln, Karikaturen und Leserbriefen im Laufe des Sommers 1916 als die 'Zwillinge der Finsternis' bezeichnet wurden."

Da zudem noch etliche Wissenssplitter zum Weißen Hai und mehrerer Verwandter, von Nahrungsnetzen im Meer und insbesondere der Atlantikküste der USA sowie spannender Darstellungen der Theorie vom "bösen Hai" mitgeliefert werden, bekommt der Leser eine ziemlich gute Wissensspritze, die sich verpackt in Prosa auch gut im Hirn festsetzen sollte.

Der wissenschaftliche Gehalt der Ausführungen ist über zwei Jahre gut recherchiert und dargestellt, auch wenn die Grundthese des "einen, verhaltensgestörten Hais" nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen sollte. Haie werden nciht als blutgierige Bestien dargestellt; vielmehr wird erklärt, wie es zu Haiangriffen kommen kann - und dies in enger Absprache mit George Burgess, dem Leiter des International Shark Attack File (ISAF) an der University of Florida.


Bilder:
Weißer Hai bei Guadeloupe, Terry Goss, CC-by-sa 3.0 und GFDL
Die 'Deutschland' 1916 in New London, US post card, gemeinfrei

Freitag, 10. September 2010

Dr. Brumm fährt Zug

Eigentlich war "Dr. Brumm fährt Zug" ja als Geschenk für eine aufgeweckte Vierjährige gedacht. Mangels Gelegenheit zum Überreichen wurde das Buch in der Zwischenzeit jedoch vom eigenen Kind beschlagnahmt, das gerade eine Phase der Zug-Begeisterung durchmacht, tägliche Fahrtwünsche wie "Southpark ICE Berlin fahren" inklusive. Der ICE ist selbstverständlich die Krönung aller Züge, aber Güterzüge sind auch nicht schlecht.

"Dr. Brumm" kommt in einem handlichen Format, ein schönes gebundenes Büchlein (gibt es allerdings auch in doppelt so groß und doppelt so teuer). Illustration und Text sind aus einer Hand, vom Zeichner Daniel Napp. Gleich die erste Seite begeistert: Da würde man auch gerne wohnen. Ein Holzhäuschen auf einer Waldlichtung in bergiger Landschaft, ein Strandkorb vorm Haus zum Sonnen, eine Rutsche führt in den Garten, in dessem kleinen Gemüsegärtchen ein riesiger Kürbis, Salat und Bananen wachsen. Einzig die im Swimming-Pool auftauchende Haifischflosse macht etwas skeptisch, ob man da wirklich baden will.

Die Geschichte beginnt mit einem rituellen: "Dr. Brumm macht das, was er jeden Dienstag macht" – zum Sonntag, Montag und so weiter gibt es auch geniale Bücher, aber die haben wir noch nicht. Dienstag ist jedenfalls Zug fahren angesagt. Und das machen Dr. Brumm, der Bär, und sein Goldfisch-Freund Pottwal auch, erst mit der Spielzeugeisenbahn und dann mit einer richtigen roten Diesellok, die irgendjemand, passenderweise mit Treibstoff versehen und startklar in einem nahegelegenen Tunnel vergessen hat.

An vorlesende Eltern stellt die folgende, hochdramatische Geschichte einige Ansprüche an Lautmalerei ("WROMMMMM macht die Diesellok und wird schneller") und Sangeskunst. Wir üben das jedenfalls seit einigen Wochen, auch das Dr. Brummsche "Tonnerwetter", wenn ihn etwas erstaunt, bekommen wir immer besser hin.

Insgesamt ein absoluter Favorit im Kinderbücherregal, Extra-Bonuspunkte gibts wie immer dafür, dass ein Traktor, okay, ein fahrbarer Rasenmäher, auftaucht.

Taxonomy Fail


Wie hoch der Irrtum bei einer Verwechslungs eines Oppossums mit einer Katze ist und warum es noch schlimmer ist, wenn man Schildläuse nicht von Käfern unterscheiden kann, wird von Alex Wild im Blog Myrmecos unter dem Titel Taxonomy Fail Index mathematisch eindrucksvoll ermittelt. Dabei berechnet er einen Parameter, der den Fehler als Faktor, den Taxonomy Fail Index (TFI) ausspuckt:

Taxonomy Fail Index (TFI) = T/H

Dabei sind die Parameter:
T = Die Anzahl von Millionen Jahren zum letzten gemeinsamen Vorfahren der beiden Arten
H = Die Anzahl von Millionen Jahren zum letzten gemeinsamen Vorfahren des Menschen und des Schimpansen.

Würde man also einen Beitrag über George Bush mit einem Schimpansen illustrieren, wäre der TFI = 1 - im Fall einer Verwechslung eines Oppossums mit einer Katze beträgt der TFI = 24.6 und wenn tatsächlich jemand Schildläuse für Käfer hält haben wir gar einen TFI von 58.

Deathcore-Kinderlieder


Da ich es ja elian und southpark versprochen habe nun ein kurzer Post zu einer - für mich - sehr spannenden musikalischen Neuentdeckung: Deathcore-Kinderlieder der Band We Butter The Bread With Butter aus Lübben in Brandenburg. Und da man über Musik nicht reden soll, lasse ich euch einfach mal in meinen aktuellen Lieblingssong einlauschen:

"Backe Backe Kuchen."

Man beachte vor allem den ziemlich krassen Eingangssatz "In der Küche riecht es lecker" und die Pig Squeals zwischen den Grunts. Und wenn mir bis zum nächsten Mal jemand erklärt, wie ich ein Video hier einbinde oder ein Bild hochlade, mache ich den nächsten Post gern auch bunt und beweglich.

Donnerstag, 9. September 2010

Blogferien und Vertretung

Der Necrophorus hat sich ja schon mit einem Post vorgestellt, und sofern er denn will, werdet ihr die nächsten Tage weiter von ihm lesen. Den Wikipedianern wird er eh als bewährter Autor bekannt sein, die Anderen werden ihn als Sexmetalhaiexperten sicher noch kennenlernen.

elian hat auch weiter Traktorenbücher versprochen und Snotty wird sicher weiter fleißig dieses Blog inspirieren.

Ich bin jetzt erstmal computerabsent, und gespannt darauf, wie es aussieht bis ich wiederkomme. Bis dahin ist es natürlich gerade Pflichtprogramm für Euch, jeden Post zu lesen.

Außerdem ist hier noch was nettes zu lesen.

Wenn Euch das nicht ausreicht, gentrifiziert doch einfach ein bißchen.

Und wenn das immer noch nicht reicht, kuckt doch einfach diese Kohl-Trikolore an.



Ein paar Anmerkungen zum DIY-Restaurant, Booah, lecker!

Wie schon angekündigt, waren wir heute noch mal im Kochhaus Schöneberg, und haben es jetzt auch mal testgekochtet und vor allem testgegessen.

Zuerst einmal ein paar Korrekturen meinerseits:
* bei genauerer Prüfung war der Höchstpreis pro Portion nicht 10 Euro, sondern 7,80.
* natürlich stehen da nirgends Tiefkühler sondern nur Kühltruhen
* anders als hier angegeben, hatten wir heute Abend keine Mango-Quark-, sondern eine Mandel-Quarkcreme (mit Kumquats).

Dann ein kurzer Bericht:

* Der Laden war die ganze Zeit gut voll, soweit wir gesehen haben, haben auch relativ viele Leute was gekauft. Einzelne Gerichte, wie der Kabeljau, waren schon komplett ausverkauft. Das sieht gut aus.
* Auch bei näherer Inspektion sah eigentlich alles sehr lecker aus.
* Wir hatten jetzt Schweinefilet mit Kräutersaitlingen und Pesto und danach die erwähnte Kumquatscreme. Zusammen für zwei Personen 24 Euro.
* Abgesehen von ein paar Klitzekleinigkeiten ging das Kochen problemlos, war so ein bißchen wie Malen nach Zahlen.
* Booooooooooooooooooooaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhh lecker!
* Jederzeit wieder.

Und zuletzt: großer Experte, der ich bin, blogge ich zwar fröhlich von der Verbindung abstrakter intellektueller unverkäuflicher Idee mit materiellen Gütern, habe aber bis heute gebraucht, um zu merken, dass ich ein Musterbeispiel vor mir sehe. Da man Rezepte kaum verkaufen kann, vrkauft man Schweinefilet und gibt das Rezept dazu. Das harrt näherer Untersuchungen.

Die deutsche Tea-Party gibt es doch längst. Sie stellt den Außenminister

Carta hat nebenan einen Text von Emnid-Chef Klaus Peter Schöppner "Ist die deutsche „Tea-Party“ im Anzug?" Die deutsche Tea Party allerdings ist nicht im Anzug, sie ist in der Regierung. Da hier in Wohnung grade eigentlich eine Mango-Quark-Creme und Schweinefleisch mit Süßkartoffeln aus dem Kochhaus meiner Aufmerksamkeit bedürfen, kommt jetzt keine ausufernde Argumentation, sondern eher eine Gedankenskizze.

Schöppner schreibt:

* Es geht um das Diktat der „Gutmenschen“.
* Nämlich das für viele überbordende Sozial- und Reglementierungsdiktat in Frage zu stellen.
* der deutschen „Tea-Party“, ist. Die eine zu „gutmenschliche“ Politik, bei der sich der Staat in alles einmischt, ablehnt. Eine, die Leistung nicht mehr anerkennt, eine die zu wenig die „Geber“ – und zu viel die „Nehmer“ berücksichtigt, eine die glaubt, man könne immer mehr von den „Rechtschaffenden“ erwarten
* So könnte die Integrationsdebatte zum Vorboten eines generellen Bewusstseins- und Artikulationswandels eher konservativer Kreise werden. Einer, der auch die eigenen Interessen wahrgenommen haben will.

Das klingt doch wie das vermittelte Wahlprogramm der FDP 2009. Die, die sich Stärker fühlen, müssen sich wehren und die FDP als "Partei der Rechtschaffenen" setzt das dann durch. Das ist nach klassischer politischer Logik nur bedingt "rechts der CDU" wie Schöppner meint, lässt sich leichter auf ein Milieu beziehen als auf das klassische europäische Parteiensystem.

Die "deutsche Tea-Party" hatte bei der Bundestagswahl auch prompt ein Ergebnis, dass in etwa den knapp 20% Entrüsteten entspricht, die sowohl Emnid als auch andere Meinungsforscher feststellen. Aber wie die FDP gerade merkt, wogende Volksmengen sind unzuverlässig, haben sehr hohe Erwartungen und sind schnell wieder, wenn plötzlich die Mühen der Ebene kommen.

Cobra 11 macht sich nackig


Da der southpark mich gern als Co-Autoren - zumindest interim - haben möchte, habe ich mir auf dem Klo auch ein ganz tolles Thema gesucht: Der (mir bis gestern vollkommen unbekannten) 70-cent-Illustrierten "Chatter - Stars über die man spricht" ist es gelungen, die Serien-Superstars Tom Beck und Erdoğan Atalay auszuziehen. Mit entblöster Brust und mutig um die Hüfte geschlungenem Handtuch stehen die "Die schärfsten Cops Deutschlands" der Zeitschrift Rede und Antwort im Interview zur 17. Staffel der Erfolgsstory aus deutschen Landen:

Chatter: Gibt es am Set Mucki-Kämpfe zwischen Ihnen?
Tom: Täglich! Wir spannen jeden Morgen unsere Bizeps an und messen, ob jemand einen Zentimeter mehr hat.

Darum mag ich Berlin (V)

...weil im Stadtteil ein modernes und wunderbar gepflegtes Buswartehäuschen mit Sitzbank steht, an dem schon seit Jahren kein Bus mehr angehalten hat.

Mittwoch, 8. September 2010

Guru Nanak vor Baal und Zeus

Während ich hier grade noch Versuche etwas Sinn in die Sarrazin-SPD-Paarung zu versenken und die Ode an das Wesselburener Sauerkraut auch erst langsam in meinem Geiste gestalt annimmt, ein kurzer Linktipp in die Wikipedia.

An seine Artikel hat das Online-Nachschlageungeheuer ja den Anspruch der absoluten Nachprüfbarkeit und Neutralität aufgestellt. Der Anspruch verhindert unter anderem jegliches eigenes Nachdenken oder Experimentieren und ist daher relativ langweilig.

Auf den Benutzerseiten jedoch kann man gerne ein bißchen experimentieren und versuchen. Desöfteren finden sich ziemliche Perlen unter den entlegeneren Benutzerseiten. Eine meiner Lieblingsseiten ist Martin Vogels Experimentaltheologie.

In einem durchaus schlüssigen Versuchsaufbau nähert Vogel sich unvoreingenommen der Frage nach einem Gott und ob dieser das Weltgeschehen beeinflussen kann und will. Das seit drei Jahren laufende Langzeitexperiment hat bisher knapp 150 Götter und Heilige getestet und ein Budget von 120 Euro verursacht. Von den 150 gesteten Göttern schnitt Guru Nanak am besten ab, Zeus und Baal erzielten immerhin ein "halbwegs glaubhaft".


Vielleicht sind die Drei aber auch nur die einzigen Götter, die sich auf solche Experimente einlassen, bei ein paar anderen könnte es unter ihrer Würde sein.

Dienstag, 7. September 2010

dasnjezabernichteuerernst, Spiegel Wissen zu Wikipedia

Vor zwei Wochen lästerte ich noch über die FAZ, deren Recherche zu einem Wikipedia-Artikel daraus besteht, einmal in der Pressestelle anzurufen und ansonsten einen Newsweek-Artikel falsch zu übersetzen.

Diese Woche hat der Spiegel das locker unterboten und den komplett recherchefreien Wikipedia-Artikel erfunden. Naja, Artikel ist jetzt nett gesagt, Elaborat trifft es wohl näher.

Der Artikel erschien gedruckt in Spiegel-Wissen und ist offensichtlich das beste aus dem Archiv der 2004er, 2005er und von gestern. Faktische Fehler finden sich in größerem Maßstab immerhin keine. Was nicht überraschend ist, ist die einzig größere Aussage des Artikels doch "Wikipedia ist ziemlich erfolgreich so insgesamt."

Kuckt man genauer, findet sich dann aber doch einiges an Ungenauigkeiten:

- Jimbo Wales/Bomis hat Wikipedia bis 2003/2004 zumindest teilfinanziert, nicht bis 2002 wie im Spiegel steht. Was aber nicht schwer war, weil es sich nur um drei Server handelte.

- Anders als im Spiegel dargelegt, ist es zwar ungern gesehen, wenn man über sich selbst schreibt, explizit verboten ist dies aber nicht.

- "Egal ob man nach "Faust", "Forelle" oder "Federball" fahndet - der erste Treffer ist stets der entsprechende Wikipedia-Eintrag." - bei mir kommt auf eins Forelle.com.

- Das Stewards "über" Bürokraten rangieren die "über" Admins stehen ist nicht komplett falsch, aber auch nur so richtig wie deutsche Diplomaten über Studienräten stehen.

Diese Zusammenschreibmethode führt dann auch dazu, dass ein Großteil aller Geschichten im Jahr 2005 spielt, als das Spiegel-Archiv anscheinend besonders fruchtbar war. Die deutsche und die englische Wikipedia fliegen im Artikel natürlich auch fröhlich durcheinander, der Leser weiß eher selten bei welcher Sprachvariante der Wikipedia er ist, der Autor wirkt nicht orientierter.

Als Experte vom Dienst muss mal wieder Christian Stegbauer herhalten, der auch mal wieder nicht wörtlich zum aktuellen Thema zitiert wird; sprich dessen Thesen wieder aus anderen Artikeln zusammengekratzt sind. Ein besonderes Schmankerl allerdings stellt der tatsächlich zum Artikel befragte "Experte" da. "Kurt Jansson, einer der Gründerväter der deutschsprachigen Wikipedia"

Das stimmt. Kurt ist das deutsche Wikipedia-Urgestein überhaupt und hat sicher vieles zum Erfolg der deutschsprachigen Wikipedia beigetragen. Trotzdem entspräche es meinem Verständnis journalistischer Ethik zu erwähnen, dass Kurt ein Kollege des Autoren ist und im Büro nebenan sitzt. Vielleicht hätte man auch einfach jemand fragen können, der gar nicht beim Spiegel arbeitet. Es soll etwa 8000 andere deutschsprachige Wikipedianer geben.

Cool Spiegel, einen Spiegel-Redakteur als "unabhängigen Experten" befragt, auf jegliche Recherche verzichtet, und trotz des angestellten Experten dann aus den Archivgeschichten noch lustige Fehler zusammengeschrieben. Das muss man erstmal schaffen.

Darum mag ich Berlin (IV)

... weil ich, während ich gerade den Brokkoli bezahle, durch das Fenster hinter der Supermarktkasse sehen kann, wer gerade bei "666 DVD Discount! Billig! Mit Schlampen! Auch Gebraucht-DVD!" so ein- und ausgeht.

Kurzreview Günter Grassens seine Stasi-Akte

Komische leicht schmerzhafte Beinverletzungen schränken die Mobilität erheblich ein. Das hat unter anderem den Vorteil. dass man endlich mal dazu kommt, die 20 angefangenen Bücher auf dem Nachttisch zu Ende zu lesen.

Eines der besseren davon war Kai Schlüters "Günter Grass im Visier. Die Stasi-Akte". Grass, politischer Schriftsteller und SPD-Führungs-Vertrauter hat während der gesamten Zeit der Teilung die Einheit der deutschen Kulturnation proklamiert und vergleichsweise enge Kontakte zur literarischen Szene der DDR gepflegt. Als prominenter Westdeutscher, als Sozialdemokrat, als Freund dissidenter DDR-Bürger, sah die Staatssicherheit jede Menge Gründe Grass zu überwachen. Schlüter hat eine Auswahl der Akten zusammengestellt, und lässt diese von Grass und anderen Zeitzeugen kommentieren.

Selbst wenn man sich für die Person Grass nicht sonderlich interessiert, ist es doch ein höchst spannender Einblick in einen real existierenden deutschen Überwachungsstaat. Gerade auch die Gegenüberstellung der Akten mit den Zeitzeugeninterviews leistet hier erhellende Aspekte. Da werden Tatsachen vertauscht, Namen grotesk falsch geschrieben, geheimnisvollstes in banale Tatsachen hineininterpretiert, während die Stasi anderes übersieht.

Anderseits sieht man auch wie dicht das Netz geknüpft war, wenn Grass in der DDR unterwegs war; wie sehr sich Grass auch im nachhinein freut, wenn an einer vertrauten kleinen Runde wirklich niemand von der Stasi teilnahm. Man lernt einzelne Beobachter und IMs kennen, liest intelligente Einschätzungen der Lage ebenso wie Bewacher, die anscheinend komplett von den Gesprächen überfordert waren, denen sie zuhören mussten.

Absurd ist es oft genug. Jede inhaltliche Akte wirft dem engagierten SPD-Mitglied vor, er würde "sozialdemokratische Positionen" vertreten. Der Leser verfolgt den DDR-Politsprech, der inhaltliche Äußerungen schnell und distanzlos in eine der wenigen Schubladen packt. Es ist selbst mit 20 Jahren Abstand erschreckend. Die genaue Aufschlüsselung wann ein Grass-Kontakt im Parkverbot stand ist genauso tragikomisch wie der in den Akten oft wiederholte Hinweis, dass das Ehepaar Grass ordentlich gekleidet sei.

Selbst in dieser stark gekürzten Auswahl überwiegt das Banale, Triviale, Mutmaßungen, in der Substanz wirkt die Stasi immer verloren und orientierungslos. Was sie natürlich nicht hindert massive Maßnahmen gegen jene zu ergreifen, die im Laufe der Untersuchungen ihren Weg kreuzen.

Da die DDR wenig Handhabungen gegen Grass selber hatte und ihm auch nicht "nach Hause" nach Westberlin folgte, lesen sich die Akten weit weniger bedrohlich als es bei Ostdeutschen der Fall ist. Letztlich fehlten der DDR in diesem Fall die Druckmittel. Die oft vergeblichen Bemühungen der Stasi des Phänomens Grass herr zu werden, weisen oft genug eine komische Note auf. Aber vielleicht hilft diese emotionale entschwerung dabei, den Überwachungsstaat wirklich in absurden Funktionalität wahrnehmen zu können.

"Atomrevolution" ein Triumph für gewalttätige Jugendgangs

Wenn man klein ist und langsam beginnt, Politik zu entdecken, fragt man früher oder später unweigerlich "Warum zahlst du Steuern?". Einige Eltern antworten dann mit dem dispositiven militärisch-industriellen Komplex, die meisten aber doch eher "damit Straßen gebaut werden. Und Schulen. Und Schwimmbäder und Bücherein". Staat zum Anfassen ist da, wo Kommune ist. Dass seit Jahrzehnten die Kommunen ausgeblutet werden, sich die innerstaatliche Macht immer mehr zur Zentrale hin verschiebt, der abstrakte Steuer- und Überwachungsstaat sich ausdehnt, während gleichzeitig der Staat zum Anfassen in immer schlechterer Konstitution dasteht, ist einer der wichtigeren Gründe für die Staatsverdrossenheit.

Und um die Jugendgangs ins Spiel zu bringen. Bei aller Debatte, wir sind uns glaub ich eins, es gibt ein Problem mit Schulabbrechern, eines mit zunehmender Gewalt einer kleinen Gruppe etc. Effektiv dagegen kann man mit mehr Präsenz einschreiten: bessere und bezahlbarere Kindergärten, weniger überforderte Jugendämter, Stadtteilzentren die nicht vom Einsturz bedroht sind und deren Mitarbeiter es schaffen, dass nicht eine Gruppe alle anderen aus dem Zentrum ausschließt. Anlaufpunkte für Opfer etc. Kommunale Aufgaben, denen diese kaum nachkommen können, weil sie bundesweit nur noch Mangel verwalten.

Was macht also unsere Bundesregierung? Kommunen stärken? Fast:

Die Laufzeitverlängerung ist für Stadtwerke und kommunale Versorger eine sehr nachteilige Entscheidung.“ Filbert, der der 8KU vorsteht, einer Vereinigung acht großer Stadtwerke, sieht einen Milliardenschaden auf die kommunalen Versorger zukommen. Die Auslastung des Kraftwerksparks der Unternehmen sinke durch die längeren Laufzeiten deutlich. „Den Schaden für kommunale Versorger durch die zwölfjährige Laufzeitverlängerung schätzen wir auf 4,5 Milliarden Euro“


(zitat gesucht und gefunden in Frankfurter Rundschau)

Montag, 6. September 2010

Frag den Minister

Angesichts der Tatsache, dass wir hier von einem CDU-Innenminister reden, empfinde ich Thomas de Maizière als positive Überraschung. Immerhin ist seine Weigerung jede Woche eine andere Bevölkerungsgruppe wegsperren zu wollen einer der Hauptgründe, warum Bild zur Jagd auf die Regierung aufgerufen hat.

Zudem ist er einer der ersten ernstlich wichtigen Politiker, zu dem es anscheinend durchgedrungen ist, dass das Internet nicht nur in den einsamen Kellern komischer Freaks stattfindet, sondern selbstverständlicher Teil des Alltags werden wird und ist.

Jener Minister nun tritt in Kommunikation. Mit uns. Wirklich. Beziehungsweise mit "Daten- und Verbraucherschützern, Unternehmen sowie Wissenschaftlern und Experten u.a. aus dem Bereich Geoinformation" und dann mit uns. Wir dürfen Fragen einreichen, die de Maizière dann mit den Daten- und anderen Schützern redet und danach Auskunft gibt. Die Fragen darf man bis zum 14.9. stellen und danach gibt es einen Votingprozess. Leider kann man vor dem 14.9. nicht die Fragen anderer einsehen, so dass sich zahlreiche Wiederholungen kaum vermeiden lassen.

Dass de Maizière die Initiative ausgerechnet zum leidigen Streetviewthema ergeift, wirft Fragen auf: ist es jetzt zu begrüßen, dass der Minister versteht, dass das Internet zur Zweiwegkommunikation fähig ist; oder abzulehnen, dass er es mit so einem Nicht-Thema macht? Ist es zu begrüßen, dass ein Politiker tatsächlich mal ein Thema aufgreift, dass die Menschen bewegt, oder soll ich mir die letzten drei Haare ausraufen, weil die Menschen ausgerechnet Street View so bewegt? Ist über soviele Banden überhaupt Kommunikation möglich? Ach egal, wenn ein Minister mal den Anschein erweckt an Zweiwegkommunikation interessiert zu sein, dann sollte man das bestärken.

Ich habe jetzt die Frage auf den Weg geschickt:

Sehr geehrter Minister Dr. de Maizière. So sehr ich es begrüße, dass sie auf diesem Weg mit der Öffentlichkeit in Kontakt treten. Sind sie tatsächlich der Meinung, dass ausgerechnet Google Street View das derzeit wichtigste Datenschutzthema in Deutschland ist?

Überzeugt genug für die konstruktive Frage "hat man eine Updatemöglichkeit nachdem der Rasen jetzt gemäht wurde" bin ich dann doch nicht. Besser als "Manfred Kanther beantwortet Fragen zur Ausländerpolitik" wird es aber allemal werden.

Mühsam nährt sich das Hammerhaichen (I)

Es kam, dass ich Achim Raschka versprach, parallel zu seinen Bio-Artikeln zu den Hammerhaien, im Wikipedia-Schreibwettbewerb die gleichnamige Ska-Band aus Hannover zu beschrieben. Nun mag ich Achim sehr gern, aber es ist ja wohl selbstverständlich, dass Ska-Punk cooler ist als eine Familie der Galeomorphi.

Genau, Hammerhai, die Band mit der ewigen Medienpräsenz über die es regalweise Monographien gibt ... die erste Recherche in seriösen Quellen hat mir dankenswerterweise H-stt nach einem Aufruf im Iberty abgenommen. Die Recherche ergab aber nur einen Artikel in der Welt. Der Artikel wiederum hat mich als Ex-Hannoveraner persönlich gefreut, weil er die Stadt gut wiedergibt, zu Hammerhai enthielt er aber eher wenig verwertbares.

Also auf zu den unseriösen Quellen. Das Intro glaubt irgendwo auch, dass Wikipedia-Autoren keiner Nennung bedürfen, ist aber zumindest unterhaltsam. Die Bandwebsite selbst weiß nicht mal genau, ob die Band existiert oder nicht, das kommt dort auf die Unterseite an, auf die man gerät. Fällt also weitgehend aus.

Die heiligen Wikipedia-Regeln - besonders die Abschnitte No Original Research/Keine Theoriefindung - verbieten ja dogmatisch und intensiv, Fragen einfach zu klären, indem man die Beteiligten fragt, eine Mail an Hammerhai fällt somit komplett aus. Also weiter auf der Suche nach Sekundärquellen.

Langeleine.de ist vielleicht nicht das, was uns der VDZ als Qualitätsjournalismus verkaufen will, wirkt er ehrlich und informiert und weist damit Qualitäten auf, die nicht jedes Medium so aufweist. Und, wichtiger im Hammerhai-Zusammenhang, es hat sogar ein paar Artikel, die die Band erwähnen. Langeleine bestätigt dann auch die Bandauflösung.

Schmuckstück der Erst-Recherche blieb allerdings ein Ox-Interview aus 2006. Das hatte sogar noch ein paar Hintergründe, eine zitable Beschreibung der Musik und noch ein wunderbares Zitat mit Pogo-Pinguinen. Zudem hat es meine vorher gewagte These untermauert, dass Hammherhai eine Hannober-Linden-Hausband sind sozusagen.

Und Voila, eine Stunde Wikipedia-schreiben zu Popmusik-Nischenthema sieht dann so aus. Jetzt kommt die Stunde, die man braucht, um den Artikel gegen die Rechthaber-in-residence zu verteidigen.

Sonntag, 5. September 2010

Das DIY-Restaurant

Kaum schreibt man mal 15 Minuten nichts, wird einem der Beitrag über das Kochhaus unter der Nase weggebloggt.. Wenn ich mich Madame Poupou auch vollumfänglich im Fazit anschließen kann, so bleibt mir doch das Privileg der ausufernden Laberei.

Einst war an der Ecke Hauptstra0e/Akazienstraße in Schöneberg eine Spielhalle, das war vor meiner Zeit. Dann hat sich die Gegend dramatisch verschlechtert, und ein Starbucks zog ein. Der ist nun auch weg, die letzten Monate hat offensichtlich ein Haufen Handwerker das Ladenlokal bewohnt.

Die Umbauzeit war eher lang. Auf dem zugeklebten Fenster standen einige Sprüche, die mir einen Tick zu gentrofo... getrifin.. prenzlauerbergmäßig waren. So "Diät ist wenn man trotzdem nascht". In einem Blog, das ich grad nicht mehr wiederfinde, ich glaube Berlin tidbits oder so, entdeckte ich schließlich einen Vorankündigungsbeitrag. Ein "begehbares Kochbuch" soll es werden, in dem man sich quasi Rezepte zusammenkauft. Naja, in einem Land, in dem die Menschen für Kochbücher sehr viel, für Lebensmittel aber sehr wenig Geld ausgeben, vielleicht nicht die schlechteste Marketingidee, um Lebensmittel zu verkaufen. Aber seien wir ehrlich, das klingt immer noch wie eine besonders anstrengende Variante eines Supermarkts.

Dann kam die Eröffnung, wir hatten eigentlich schon auf dem Wochenmarkt Friedenau alles gekauft, was es zu kaufen gibt. Aber was nimmt man nicht alles für Umwege auf sich, um ein Glas Prosecco umsonst zu bekommen. Undschausieheda, alles ist anders. Der Prosecco war Aperol, und der anstrengende Supermarkt entpuppte sich eher als DIY-Restaurant.

Neben Bar und Theke enthielt das Kochhaus eine ganze Reihe Tische mit daneben gestellten kleinen Tiefkühltruhen oder Kühlschränken. Dort sind alle Zutaten aufgestellt, die man für eine Mahlzeit braucht. Man kann die Zutaten einzeln kaufen. Oder man packt alles was man für ein Gericht benötigt zusammen mit dem Rezept in eine Tüte und bezahlt einen Paketpreis zwischen 3 und 10 Euro pro Portion. Das ist nicht total preiswert, aber dafür, dass das durchgehend alles extrem lecker, edel und appetitlich aussah, jetzt auch keine riesige Menge. Lebensmittel zum Schwelgen liegen dort geradezu. Die Lebensmittel wirken überzeugend so, als könnte man am Ende dinieren wie in einem Edelrestaurant. Nur dass man selbst noch Spaß an der Zubereitung hat. Und nicht nachdenken muss, was man will, hat und braucht. Edel. Einfach. Lecker. Lecker. Das muss ausgetestet werden.

Wir werden jetzt Donnerstag wieder im Kochhaus sein, und das ganze probekochen wenn wir Abends ein bißchen Zeit haben. Ob für das Kochhaus als Geschäft das Konzept aufgeht; ob man vermitteln kann was es ist, und was es wird, ob sich der Neuigkeitswert nicht recht schnell erschöpft - ich bin leider immer noch skeptisch.

Andererseits, die Nachfrage sollte da sein. In unmittelbarer Nachbarschaft hält sich der beste Supermarkt der Welt; am anderen Ende der Akazienstraße der stilvollste Wochenmarkt Berlins, schräg gegenüber der Ecke ein eindrucksvoller türkischer Wochenmarkt. Wenn das Konzept wo funktioniert, dann hier. Und meine Einstellung hat sich dramatisch von "naja, falsche Idee" zu "hoffentlich klappt's, hoffentlich klappt's, hoffentlich klappt's" geändert.