Die FAZ hat sich in ihrem Wikipedia-Artikel nicht wirklich mit Ruhm beckleckert. Der ist im wesentlichen eine Adaption des hier schon öfters erwähnten Newsweek-Artikels und der ARD/ZDF-Onlinestudio (siehe auch bei der Schneeschmelze von vor einer Woche...). Leider ist bei der Übersetzung was schief gegangen und die FAZ hat der Newsweek Aussagen in die Schuhe geschoben, die diese nie getätigt hat. (Bildblog berichtet)
Quasi als absichtliche eigene Leistung hat sie dann noch Christian Stegbauer zitiert, der halt sagt, was er immer zur Wikipedia sagt. Vielleicht hat die FAZ seine Aussagen auch direkt aus dem Archiv genommen. Das Zitat ist so vage und universell einsetzbar, dass sich das jetzt nicht genau feststellen lässt.
Neben dem Kritiker braucht man im Qualitätsjournalismus natürlich auch noch die Betroffenen. Und die immerhin jetzt gerade aktuell angefragte Wikimedia-Pressestelle sagt natürlich, dass das alles nicht so schlimm sei. Wie sollte sie sich auch sonst dazu verhalten. Damit bleibt neben dem Übersetzungsfehler das große Jimbo-Wales-Foto aus der Druckausgabe der innovativste Beitrag der FAZ zum Thema. Nur hat sie ausgerechnet dieses Foto für die Online-Ausgabe gestrichen.
Soweit so langweilig und wenig nach vorne bringend. Wikimedia hat dann mal einen erfreulich engagierten Blogbeitrag geschrieben. Und für diesen Beitrag noch eine Statistik hervorgeholt, nach der die Zahl der Autoren seit 2008 etwa gleich bleibt. Das sagt zwar noch nichts über die Qualität aus, stimmt aber ungefähr.
Aber wir reden hier ja von langfristigen Trends. Und da sehen die aktuellen Zahlen schon weniger nett aus. Im Vergleich zum Sommer 2007 etwa ist die Zahl der Gelegenheitsautoren von 8.200 auf 6.800 gefallen, die Zahl der Neulinge gar von 1.600 auf 795. Nur die Zahl der ganz Engagierten ist in etwa gleich geblieben. Die Community mauert sich ein.
Schade, es hätte ein netter Diskussionsauftakt werden könnte, jetzt wo die FAZ sich des Themas annimmt. Wer allerdings in zehn Tagen nicht mehr eigene Leistung aufbringt, als die jetzt gerade, der sorgt vermutlich dafür, dass die Diskussion wohl schon wieder tot ist.
Derweil sitzt ein alter Mann im Keller und schimpft.
Update: Zur Frage, ob die FAZ wenigstens aktuell mit den Kritikern gesprochen hat, ein kleines Update. Der Artikel zitiert ja nicht nur Stegbauer mit einem eher generischen Zitat, sondern auch Iberty-Mitschreiberin elian. Die bestätigt, dass ihr "Statement zum Thema" tief aus dem Archiv geholt wurde, und niemand von der FAZ es für nötig befand, ein halbwegs aktuelles Statement einzuholen. I rest my case.
Freitag, 20. August 2010
Höffner-Studie. Zwischenstandsmeldung
Damals, letzte Woche, berichtete der Spiegel über eine Studie, die grob gesagt aussagen soll, dass Deutschland seinen industriellen Aufschwung im 19. Jahrhundert dem mangelnden Urheberrecht verdanken soll. Nun ist es ja so eine Sache, wissenschaftliche Argumente anhand von Spiegel-Artikeln nachzuvollziehen, und zwischen mir und der Studie liegt weiterhin ein dreistelliger Eurobetrag.
Tyler Cowen hat nun dankenswerterweise ein paar Powerpointfolien von Eckhard Höffner aufgetan, mit denen dieser seine Forschungsergebnisse vorstellt. Das ist zwar immer noch nicht die Studie an sich, aber doch ein gutes Stück tiefgründiger als der Spiegel-Artikel. (Wenn auch weniger unterhaltsam, mit mehr Gedankensprüngen und halt zwangsläufig in diesem fiesen Powerpointschreib.)
AUf einer anderen Baustelle: Der FAZ-Artikel zur Wikipedia hat sich bei genauerer Betrachtung als eher enttäuschend herausgestellt. Aber auch dazu mehr. Der leicht irrwitzige Hauptnachrichtenweg scheint auf jeden Fall so zu verlaufen: Wall Street Journal -> Newsweek -> (diverse Blogs, unter anderem dieses) -> FAZ -> Fefe - Wikipedianer.
Tyler Cowen hat nun dankenswerterweise ein paar Powerpointfolien von Eckhard Höffner aufgetan, mit denen dieser seine Forschungsergebnisse vorstellt. Das ist zwar immer noch nicht die Studie an sich, aber doch ein gutes Stück tiefgründiger als der Spiegel-Artikel. (Wenn auch weniger unterhaltsam, mit mehr Gedankensprüngen und halt zwangsläufig in diesem fiesen Powerpointschreib.)
AUf einer anderen Baustelle: Der FAZ-Artikel zur Wikipedia hat sich bei genauerer Betrachtung als eher enttäuschend herausgestellt. Aber auch dazu mehr. Der leicht irrwitzige Hauptnachrichtenweg scheint auf jeden Fall so zu verlaufen: Wall Street Journal -> Newsweek -> (diverse Blogs, unter anderem dieses) -> FAZ -> Fefe - Wikipedianer.
Damals, letzte Woche, berichtete der Spiegel über eine Studie, die grob gesagt aussagen soll, dass Deutschland seinen industriellen Aufschwung im 19. Jahrhundert dem mangelnden Urheberrecht verdanken soll. Nun ist es ja so eine Sache, wissenschaftliche Argumente anhand von Spiegel-Artikeln nachzuvollziehen, und zwischen mir und der Studie liegt weiterhin ein dreistelliger Eurobetrag.
Tyler Cowen hat nun dankenswerterweise ein paar Powerpointfolien von Eckhard Höffner aufgetan, mit denen dieser seine Forschungsergebnisse vorstellt. Das ist zwar immer noch nicht die Studie an sich, aber doch ein gutes Stück tiefgründiger als der Spiegel-Artikel. (Wenn auch weniger unterhaltsam, mit mehr Gedankensprüngen und halt zwangsläufig in diesem fiesen Powerpointschreib.)
AUf einer anderen Baustelle: Der FAZ-Artikel zur Wikipedia hat sich bei genauerer Betrachtung als eher enttäuschend herausgestellt. Aber auch dazu mehr. Der leicht irrwitzige Hauptnachrichtenweg scheint auf jeden Fall so zu verlaufen: Wall Street Journal -> Newsweek -> (diverse Blogs, unter anderem dieses) -> FAZ -> Fefe - Wikipedianer.
Tyler Cowen hat nun dankenswerterweise ein paar Powerpointfolien von Eckhard Höffner aufgetan, mit denen dieser seine Forschungsergebnisse vorstellt. Das ist zwar immer noch nicht die Studie an sich, aber doch ein gutes Stück tiefgründiger als der Spiegel-Artikel. (Wenn auch weniger unterhaltsam, mit mehr Gedankensprüngen und halt zwangsläufig in diesem fiesen Powerpointschreib.)
AUf einer anderen Baustelle: Der FAZ-Artikel zur Wikipedia hat sich bei genauerer Betrachtung als eher enttäuschend herausgestellt. Aber auch dazu mehr. Der leicht irrwitzige Hauptnachrichtenweg scheint auf jeden Fall so zu verlaufen: Wall Street Journal -> Newsweek -> (diverse Blogs, unter anderem dieses) -> FAZ -> Fefe - Wikipedianer.
Höffner-Studie. Zwischenstandsmeldung
Das entschwundene L
Wer das L im Blogtitel vermisst hat: Ihm war das hier nicht Großbuchstabig-durchdrungen genug. Aber es ist wieder aufgetaucht und macht jetzt bei L is Liberty mit. Leider hat sich L damit anscheinend einer religiös-fundamentalistischen Splittergruppe des Hayekismus angeschlossen. Es ist immer wieder bedauerlich, wenn junge Buchstaben sich selber suchen, und dabei auf dogmatische Abwege geraten. Aber gerade der eliäre Hayekismus zieht anscheinend eine gewisse Art von Buchstaben an. Dabei war Friedrich August Hayek selbst gar nicht so eindimensional, wie ihn diverse Jüngerschaften heute machen wollen.
Wer das L im Blogtitel vermisst hat: Ihm war das hier nicht Großbuchstabig-durchdrungen genug. Aber es ist wieder aufgetaucht und macht jetzt bei L is Liberty mit. Leider hat sich L damit anscheinend einer religiös-fundamentalistischen Splittergruppe des Hayekismus angeschlossen. Es ist immer wieder bedauerlich, wenn junge Buchstaben sich selber suchen, und dabei auf dogmatische Abwege geraten. Aber gerade der eliäre Hayekismus zieht anscheinend eine gewisse Art von Buchstaben an. Dabei war Friedrich August Hayek selbst gar nicht so eindimensional, wie ihn diverse Jüngerschaften heute machen wollen.
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Internes
Donnerstag, 19. August 2010
Radfahrtipps für Berlin
Letztens hat mal wieder jemand verkündet, er würde nie in Berlin radfahren - alles viel zu gefährlich und stressig. Meine Erfahrung nach diversen Monaten in Berlin ist ja eher, dass es ganz einfach ist. Die Straßen sind breit und meistens gut in Schuss - ja, wirklich. Auf vielen Strecken ist man deutlich schneller als mit Öffentlichen Verkehrsmitteln. Man lernt die Stadt kennen. Und man hat die freie Lizenz, Touristen zu beschimpfen, die mal wieder im Weg herumstehen. Im Laufe der Monate hat sich dann auch herausgestellt, welches Verhalten eher zum Erfolg führt.
1) Sei aufmerksam. Dauernd. Insbesondere die Standspur rechts neben Dir kann wirklich tückisch sein, wenn plötzlich eine Autotür aufgeht. Am besten darauf achten, wo grad jemand geparkt hat oder einsteigen will.
1a) Hinter einem Bus herfahren ätzt.
2) Sei für die anderen berechenbar. Das bedeutet unter anderem auch: halte Dich an die Verkehrsregeln.
3) Sei sicher, dass die anderen, insbesondere die Autos, Dich sehen. An kritischen Stellen - wie bei rechtsabbiegenden LKWs - kuck den Autofahrern in die Augen. Bonuspunkte wenn der Autofahrer erschreckt einen halben Meter nach hinten fährt.
4) Weiche keinen Millimeter. Sobald du platz machst, wird der sich quasi naturgesetzlich wieder füllen; vorzugsweise mit einem Audi-Traktor. Und ehe du dich versitzt balancierst du durch die schmalsten aller Gänge.
Viel Spaß beim Italieneranpöbeln.
1) Sei aufmerksam. Dauernd. Insbesondere die Standspur rechts neben Dir kann wirklich tückisch sein, wenn plötzlich eine Autotür aufgeht. Am besten darauf achten, wo grad jemand geparkt hat oder einsteigen will.
1a) Hinter einem Bus herfahren ätzt.
2) Sei für die anderen berechenbar. Das bedeutet unter anderem auch: halte Dich an die Verkehrsregeln.
3) Sei sicher, dass die anderen, insbesondere die Autos, Dich sehen. An kritischen Stellen - wie bei rechtsabbiegenden LKWs - kuck den Autofahrern in die Augen. Bonuspunkte wenn der Autofahrer erschreckt einen halben Meter nach hinten fährt.
4) Weiche keinen Millimeter. Sobald du platz machst, wird der sich quasi naturgesetzlich wieder füllen; vorzugsweise mit einem Audi-Traktor. Und ehe du dich versitzt balancierst du durch die schmalsten aller Gänge.
Viel Spaß beim Italieneranpöbeln.
Letztens hat mal wieder jemand verkündet, er würde nie in Berlin radfahren - alles viel zu gefährlich und stressig. Meine Erfahrung nach diversen Monaten in Berlin ist ja eher, dass es ganz einfach ist. Die Straßen sind breit und meistens gut in Schuss - ja, wirklich. Auf vielen Strecken ist man deutlich schneller als mit Öffentlichen Verkehrsmitteln. Man lernt die Stadt kennen. Und man hat die freie Lizenz, Touristen zu beschimpfen, die mal wieder im Weg herumstehen. Im Laufe der Monate hat sich dann auch herausgestellt, welches Verhalten eher zum Erfolg führt.
1) Sei aufmerksam. Dauernd. Insbesondere die Standspur rechts neben Dir kann wirklich tückisch sein, wenn plötzlich eine Autotür aufgeht. Am besten darauf achten, wo grad jemand geparkt hat oder einsteigen will.
1a) Hinter einem Bus herfahren ätzt.
2) Sei für die anderen berechenbar. Das bedeutet unter anderem auch: halte Dich an die Verkehrsregeln.
3) Sei sicher, dass die anderen, insbesondere die Autos, Dich sehen. An kritischen Stellen - wie bei rechtsabbiegenden LKWs - kuck den Autofahrern in die Augen. Bonuspunkte wenn der Autofahrer erschreckt einen halben Meter nach hinten fährt.
4) Weiche keinen Millimeter. Sobald du platz machst, wird der sich quasi naturgesetzlich wieder füllen; vorzugsweise mit einem Audi-Traktor. Und ehe du dich versitzt balancierst du durch die schmalsten aller Gänge.
Viel Spaß beim Italieneranpöbeln.
1) Sei aufmerksam. Dauernd. Insbesondere die Standspur rechts neben Dir kann wirklich tückisch sein, wenn plötzlich eine Autotür aufgeht. Am besten darauf achten, wo grad jemand geparkt hat oder einsteigen will.
1a) Hinter einem Bus herfahren ätzt.
2) Sei für die anderen berechenbar. Das bedeutet unter anderem auch: halte Dich an die Verkehrsregeln.
3) Sei sicher, dass die anderen, insbesondere die Autos, Dich sehen. An kritischen Stellen - wie bei rechtsabbiegenden LKWs - kuck den Autofahrern in die Augen. Bonuspunkte wenn der Autofahrer erschreckt einen halben Meter nach hinten fährt.
4) Weiche keinen Millimeter. Sobald du platz machst, wird der sich quasi naturgesetzlich wieder füllen; vorzugsweise mit einem Audi-Traktor. Und ehe du dich versitzt balancierst du durch die schmalsten aller Gänge.
Viel Spaß beim Italieneranpöbeln.
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Wikipedia muss Autoren anerkennen
Während die Paid-Content-***-FAZ weiterhin nicht in der Lage ist, ihren Lage-der-Wikipedia-Artikel online zu stellen, hat DRadio Wissen immerhin ein Offline-Exemplar aufgetrieben. (Danke Jürgen für den Hinweis).
Solange mich die qualitätsjournalistischen deutschen Diskussionspartner also weiterhin hinhalten, lasse ich einfach mal einen amerikanischen Ex-Wikipedia-Autoren zu Worte kommen. Frank McCown hat Newsweek auch gelesen und unter dem Titel "Why I left Wikipedia" darüber gebloggt:
Er outet sich als eher normaler "alter" Wikipedia-Autor:
Neben den üblichen Problemen, Zeitaufwand, Nervereien, Mühsal etc. zitiert er auch einen Schlüsselmoment, den viele Autoren auch kennen:
Und kommt heute, 6 Jahre später zu der Erkenntnis:
McCown geht damit nicht auf den sich selbst verstärkenden Effekt ein, den fliehende Autoren bei anderen Autoren auslösen, und der in einer Abwärtsspirale endet. Aber er beschreibt ganz gut, dass es neben eigener Selbsterfüllung wenig Grund gibt, bei Wikipedia zu schreiben.
Womit sich dann wieder die Frage stellt, welche Methoden gäben es, um Autoren zumindest zu halten. Wahrscheinlich wäre es für Wikipedia preiswerter, Autoren "nur" den Ruhm für ihre Artikel zu geben, als auch noch Geld zu verteilen. Aber dazu müsste es ein System geben, wie man den Beitrag eines einzelnen Wikipedianers halbwegs gerecht bestimmen kann. Vor allem müsste es innerhalb der Wikipedia den Willen geben aus der "Wir sind die Masse! Joho!"-Ideologie auszubrechen.
Noch ein anverwandter Hinweis: Auf der Vereinsmailingliste von WikiMedia Deutschland läuft derzeit auch unter etwas anderen Vorzeichen eine spannende Diskussion dazu, wer sich eigentlich wie ehrenamtlich engagiert, und wie man das öffentlich machen kann. Wobei ich grad nicht auf dem Stand bin: ist die Mailingliste öffentlich? Wäre es nur unhöflich oder ein schwerer Vertrauensbruch wenn ich die jetzt zitiere?
Solange mich die qualitätsjournalistischen deutschen Diskussionspartner also weiterhin hinhalten, lasse ich einfach mal einen amerikanischen Ex-Wikipedia-Autoren zu Worte kommen. Frank McCown hat Newsweek auch gelesen und unter dem Titel "Why I left Wikipedia" darüber gebloggt:
Er outet sich als eher normaler "alter" Wikipedia-Autor:
I have always been a Wikipedia fan. I first started making serious contributions in 2004 when I was beginning my PhD research and discovered that many of the new concepts I was being introduced to simply didn't exist in Wikipedia.
Neben den üblichen Problemen, Zeitaufwand, Nervereien, Mühsal etc. zitiert er auch einen Schlüsselmoment, den viele Autoren auch kennen:
I had an ah-ha moment at a conference a few years ago when someone quoted from Wikipedia's article on digital preservation, and I could have sworn I had been the sole author of the quoted piece. Wikipedia was given credit as the source, not me.
Und kommt heute, 6 Jahre später zu der Erkenntnis:
Over the past year or so, I just have lacked the motivation necessary to put time into an anonymous forum. My time is expensive, and Wikipedia is not paying. It's hard enough just to find time to edit my blog!
McCown geht damit nicht auf den sich selbst verstärkenden Effekt ein, den fliehende Autoren bei anderen Autoren auslösen, und der in einer Abwärtsspirale endet. Aber er beschreibt ganz gut, dass es neben eigener Selbsterfüllung wenig Grund gibt, bei Wikipedia zu schreiben.
Womit sich dann wieder die Frage stellt, welche Methoden gäben es, um Autoren zumindest zu halten. Wahrscheinlich wäre es für Wikipedia preiswerter, Autoren "nur" den Ruhm für ihre Artikel zu geben, als auch noch Geld zu verteilen. Aber dazu müsste es ein System geben, wie man den Beitrag eines einzelnen Wikipedianers halbwegs gerecht bestimmen kann. Vor allem müsste es innerhalb der Wikipedia den Willen geben aus der "Wir sind die Masse! Joho!"-Ideologie auszubrechen.
Noch ein anverwandter Hinweis: Auf der Vereinsmailingliste von WikiMedia Deutschland läuft derzeit auch unter etwas anderen Vorzeichen eine spannende Diskussion dazu, wer sich eigentlich wie ehrenamtlich engagiert, und wie man das öffentlich machen kann. Wobei ich grad nicht auf dem Stand bin: ist die Mailingliste öffentlich? Wäre es nur unhöflich oder ein schwerer Vertrauensbruch wenn ich die jetzt zitiere?
Während die Paid-Content-***-FAZ weiterhin nicht in der Lage ist, ihren Lage-der-Wikipedia-Artikel online zu stellen, hat DRadio Wissen immerhin ein Offline-Exemplar aufgetrieben. (Danke Jürgen für den Hinweis).
Solange mich die qualitätsjournalistischen deutschen Diskussionspartner also weiterhin hinhalten, lasse ich einfach mal einen amerikanischen Ex-Wikipedia-Autoren zu Worte kommen. Frank McCown hat Newsweek auch gelesen und unter dem Titel "Why I left Wikipedia" darüber gebloggt:
Er outet sich als eher normaler "alter" Wikipedia-Autor:
Neben den üblichen Problemen, Zeitaufwand, Nervereien, Mühsal etc. zitiert er auch einen Schlüsselmoment, den viele Autoren auch kennen:
Und kommt heute, 6 Jahre später zu der Erkenntnis:
McCown geht damit nicht auf den sich selbst verstärkenden Effekt ein, den fliehende Autoren bei anderen Autoren auslösen, und der in einer Abwärtsspirale endet. Aber er beschreibt ganz gut, dass es neben eigener Selbsterfüllung wenig Grund gibt, bei Wikipedia zu schreiben.
Womit sich dann wieder die Frage stellt, welche Methoden gäben es, um Autoren zumindest zu halten. Wahrscheinlich wäre es für Wikipedia preiswerter, Autoren "nur" den Ruhm für ihre Artikel zu geben, als auch noch Geld zu verteilen. Aber dazu müsste es ein System geben, wie man den Beitrag eines einzelnen Wikipedianers halbwegs gerecht bestimmen kann. Vor allem müsste es innerhalb der Wikipedia den Willen geben aus der "Wir sind die Masse! Joho!"-Ideologie auszubrechen.
Noch ein anverwandter Hinweis: Auf der Vereinsmailingliste von WikiMedia Deutschland läuft derzeit auch unter etwas anderen Vorzeichen eine spannende Diskussion dazu, wer sich eigentlich wie ehrenamtlich engagiert, und wie man das öffentlich machen kann. Wobei ich grad nicht auf dem Stand bin: ist die Mailingliste öffentlich? Wäre es nur unhöflich oder ein schwerer Vertrauensbruch wenn ich die jetzt zitiere?
Solange mich die qualitätsjournalistischen deutschen Diskussionspartner also weiterhin hinhalten, lasse ich einfach mal einen amerikanischen Ex-Wikipedia-Autoren zu Worte kommen. Frank McCown hat Newsweek auch gelesen und unter dem Titel "Why I left Wikipedia" darüber gebloggt:
Er outet sich als eher normaler "alter" Wikipedia-Autor:
I have always been a Wikipedia fan. I first started making serious contributions in 2004 when I was beginning my PhD research and discovered that many of the new concepts I was being introduced to simply didn't exist in Wikipedia.
Neben den üblichen Problemen, Zeitaufwand, Nervereien, Mühsal etc. zitiert er auch einen Schlüsselmoment, den viele Autoren auch kennen:
I had an ah-ha moment at a conference a few years ago when someone quoted from Wikipedia's article on digital preservation, and I could have sworn I had been the sole author of the quoted piece. Wikipedia was given credit as the source, not me.
Und kommt heute, 6 Jahre später zu der Erkenntnis:
Over the past year or so, I just have lacked the motivation necessary to put time into an anonymous forum. My time is expensive, and Wikipedia is not paying. It's hard enough just to find time to edit my blog!
McCown geht damit nicht auf den sich selbst verstärkenden Effekt ein, den fliehende Autoren bei anderen Autoren auslösen, und der in einer Abwärtsspirale endet. Aber er beschreibt ganz gut, dass es neben eigener Selbsterfüllung wenig Grund gibt, bei Wikipedia zu schreiben.
Womit sich dann wieder die Frage stellt, welche Methoden gäben es, um Autoren zumindest zu halten. Wahrscheinlich wäre es für Wikipedia preiswerter, Autoren "nur" den Ruhm für ihre Artikel zu geben, als auch noch Geld zu verteilen. Aber dazu müsste es ein System geben, wie man den Beitrag eines einzelnen Wikipedianers halbwegs gerecht bestimmen kann. Vor allem müsste es innerhalb der Wikipedia den Willen geben aus der "Wir sind die Masse! Joho!"-Ideologie auszubrechen.
Noch ein anverwandter Hinweis: Auf der Vereinsmailingliste von WikiMedia Deutschland läuft derzeit auch unter etwas anderen Vorzeichen eine spannende Diskussion dazu, wer sich eigentlich wie ehrenamtlich engagiert, und wie man das öffentlich machen kann. Wobei ich grad nicht auf dem Stand bin: ist die Mailingliste öffentlich? Wäre es nur unhöflich oder ein schwerer Vertrauensbruch wenn ich die jetzt zitiere?
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Wikipedia
Auch FAZ liest Newsweek zu Wikipedia
Wer in Reichweite einer gedruckten FAZ ist, kann auf der Medienseite schon mal den dortigen Newsweek-inspirierten Artikel zum Thema "Wikipedia und seine Ex-Autoren" lesen. Leider hab ich den Artikel nur überfliegen können. Sekunden nachdem ich ihn sah, verließ die FAZ die Wohnung, um als S-Bahn-Lektüre zu dienen. Ich warte aber ungeduldig auf die Online-Version, und werde mich dann ausführlicher auslassen. Bis dahin frage ich mich, warum die Hälfte des Seitenplatzes von einem Jimbo-Wales-Portrait eingenommen wird. So autorenverschreckend ist der doch gar nicht. Und ich freue mich natürlich, dass ich schneller war.
Wer in Reichweite einer gedruckten FAZ ist, kann auf der Medienseite schon mal den dortigen Newsweek-inspirierten Artikel zum Thema "Wikipedia und seine Ex-Autoren" lesen. Leider hab ich den Artikel nur überfliegen können. Sekunden nachdem ich ihn sah, verließ die FAZ die Wohnung, um als S-Bahn-Lektüre zu dienen. Ich warte aber ungeduldig auf die Online-Version, und werde mich dann ausführlicher auslassen. Bis dahin frage ich mich, warum die Hälfte des Seitenplatzes von einem Jimbo-Wales-Portrait eingenommen wird. So autorenverschreckend ist der doch gar nicht. Und ich freue mich natürlich, dass ich schneller war.
Auch FAZ liest Newsweek zu Wikipedia
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Mittwoch, 18. August 2010
Streetview ist ein Sack
Heute morgen hat Ilse Aigner im Deutschlandfunk erklärt, dass sie sich vorstellen könne, dass es auch Menschen gäbe, die Google-Streetview positiv sähen. Ich staune. Vielleicht kommt ja doch noch etwas Sinn in die Phantomdiskussion um Streetview.
Derzeit tritt zum einen die Politik an, die nicht schon wieder etwas Wichtiges im Internet versäumen möchte, und der man gerade in Zeitlupe dabei zusehen kann, wie sie anfängt, Streetview zu verstehen. Zum anderen sind dort netzgebundene Meinungsfreudige aktiv, die über Bedenkenträger lästern, kurz davor sind, Streetview zum Menschenrecht zu erklären und zumindest teilweise eine ebenso erstaunliche Fortschrittsgläubigkeit wie Arroganz spazierentragen.
Bei all den Versuchen in die Privatsphäre einzugreifen, ist Streetview nun der banalste und einer der am wenigsten tatsächlich gefährlichen. Das Diskussionsniveau ist fraglich, man ist ja schon baff erstaunt, wenn einer der Beteiligten mit dem Wort Panoramafreiheit etwas anfangen kann. Bei vielen der Streetview-Skeptiker habe ich den Eindruck, dass sie sich über etwas aufregen und etwas befürchten, was Streetview gar nicht kann. Andere aber schon. Nachvollziehbar ist das allgemeine Unbehagen, das sich nun ausgerechnet auf Streetview ergeht, allerdings.
Wenn ich mir ansehe, was an Daten im öffentlichen Raum noch kommt oder schon da ist, ganz zu schweigen von den weiteren Möglichkeiten, die Augmented Reality so bieten wird, sind mir da auch mehr als nur ein paar Anwendungen reichlich unheimlich und unsympathisch.
Der Grundgedanke, mal zu überlegen, wie wir mit reichhaltigsten Geodaten umgehen wollen, ist ein sehr richtiger. Ob wir wirklich wissen wollen, dass die Bekannte von der Cousine vor drei Wochen ein Bild ins Netz gepostet hat, wo die freundliche Arzthelferin, die mich gerade unterscht, über der Kloschüssel hing. Oder ob beim nächsten Gespräch auf dem Jobcenter der Fallmanager fragt, ob man endlich mal den Rasen ordentlich gemäht hat. Ob man sich im iBerry alle Häuser in 500 Metern Entfernung anzeigen lassen kann, deren Bewohner gerade weiter als 100 Kilometer weit weg sind? Ob man von der ARGE verpflichtet wird, jeden Tag von 8 bis 18-Uhr das Deutschland-Foursquare einzuschalten, wenn man weiter betreut werden möchte. Das sind Themen für deren Diskussion es wirklich Zeit wird.
So gesehen ist die Streetview-Diskussion zwar ein eher seltsamer aber dennoch guter Aufhänger. Jetzt wäre es die Zeit der technikaffineren Menschen die Diskussion dahin zu lenken, wo sie innerlich hingehört: wo fängt denn der private Raum an und wo endet der öffentliche? Sind allgemeine Informationen anders zu behandeln als ortsgebundene? Haben staatliche Stellen andere Zugriffsrechte als private und wenn ja, wie geht man damit in der OpenData-Diskussion um? Alles spannend, alles nötig, alles fraglich.
Und weil meine Freundin meint, ich soll nicht immer in halberklärten Metaphern sprechen, und größere Lücken durch gedankliche Sprünge verursachen: Sack. Esel. Schlagen.
Derzeit tritt zum einen die Politik an, die nicht schon wieder etwas Wichtiges im Internet versäumen möchte, und der man gerade in Zeitlupe dabei zusehen kann, wie sie anfängt, Streetview zu verstehen. Zum anderen sind dort netzgebundene Meinungsfreudige aktiv, die über Bedenkenträger lästern, kurz davor sind, Streetview zum Menschenrecht zu erklären und zumindest teilweise eine ebenso erstaunliche Fortschrittsgläubigkeit wie Arroganz spazierentragen.
Bei all den Versuchen in die Privatsphäre einzugreifen, ist Streetview nun der banalste und einer der am wenigsten tatsächlich gefährlichen. Das Diskussionsniveau ist fraglich, man ist ja schon baff erstaunt, wenn einer der Beteiligten mit dem Wort Panoramafreiheit etwas anfangen kann. Bei vielen der Streetview-Skeptiker habe ich den Eindruck, dass sie sich über etwas aufregen und etwas befürchten, was Streetview gar nicht kann. Andere aber schon. Nachvollziehbar ist das allgemeine Unbehagen, das sich nun ausgerechnet auf Streetview ergeht, allerdings.
Wenn ich mir ansehe, was an Daten im öffentlichen Raum noch kommt oder schon da ist, ganz zu schweigen von den weiteren Möglichkeiten, die Augmented Reality so bieten wird, sind mir da auch mehr als nur ein paar Anwendungen reichlich unheimlich und unsympathisch.
Der Grundgedanke, mal zu überlegen, wie wir mit reichhaltigsten Geodaten umgehen wollen, ist ein sehr richtiger. Ob wir wirklich wissen wollen, dass die Bekannte von der Cousine vor drei Wochen ein Bild ins Netz gepostet hat, wo die freundliche Arzthelferin, die mich gerade unterscht, über der Kloschüssel hing. Oder ob beim nächsten Gespräch auf dem Jobcenter der Fallmanager fragt, ob man endlich mal den Rasen ordentlich gemäht hat. Ob man sich im iBerry alle Häuser in 500 Metern Entfernung anzeigen lassen kann, deren Bewohner gerade weiter als 100 Kilometer weit weg sind? Ob man von der ARGE verpflichtet wird, jeden Tag von 8 bis 18-Uhr das Deutschland-Foursquare einzuschalten, wenn man weiter betreut werden möchte. Das sind Themen für deren Diskussion es wirklich Zeit wird.
So gesehen ist die Streetview-Diskussion zwar ein eher seltsamer aber dennoch guter Aufhänger. Jetzt wäre es die Zeit der technikaffineren Menschen die Diskussion dahin zu lenken, wo sie innerlich hingehört: wo fängt denn der private Raum an und wo endet der öffentliche? Sind allgemeine Informationen anders zu behandeln als ortsgebundene? Haben staatliche Stellen andere Zugriffsrechte als private und wenn ja, wie geht man damit in der OpenData-Diskussion um? Alles spannend, alles nötig, alles fraglich.
Und weil meine Freundin meint, ich soll nicht immer in halberklärten Metaphern sprechen, und größere Lücken durch gedankliche Sprünge verursachen: Sack. Esel. Schlagen.
Heute morgen hat Ilse Aigner im Deutschlandfunk erklärt, dass sie sich vorstellen könne, dass es auch Menschen gäbe, die Google-Streetview positiv sähen. Ich staune. Vielleicht kommt ja doch noch etwas Sinn in die Phantomdiskussion um Streetview.
Derzeit tritt zum einen die Politik an, die nicht schon wieder etwas Wichtiges im Internet versäumen möchte, und der man gerade in Zeitlupe dabei zusehen kann, wie sie anfängt, Streetview zu verstehen. Zum anderen sind dort netzgebundene Meinungsfreudige aktiv, die über Bedenkenträger lästern, kurz davor sind, Streetview zum Menschenrecht zu erklären und zumindest teilweise eine ebenso erstaunliche Fortschrittsgläubigkeit wie Arroganz spazierentragen.
Bei all den Versuchen in die Privatsphäre einzugreifen, ist Streetview nun der banalste und einer der am wenigsten tatsächlich gefährlichen. Das Diskussionsniveau ist fraglich, man ist ja schon baff erstaunt, wenn einer der Beteiligten mit dem Wort Panoramafreiheit etwas anfangen kann. Bei vielen der Streetview-Skeptiker habe ich den Eindruck, dass sie sich über etwas aufregen und etwas befürchten, was Streetview gar nicht kann. Andere aber schon. Nachvollziehbar ist das allgemeine Unbehagen, das sich nun ausgerechnet auf Streetview ergeht, allerdings.
Wenn ich mir ansehe, was an Daten im öffentlichen Raum noch kommt oder schon da ist, ganz zu schweigen von den weiteren Möglichkeiten, die Augmented Reality so bieten wird, sind mir da auch mehr als nur ein paar Anwendungen reichlich unheimlich und unsympathisch.
Der Grundgedanke, mal zu überlegen, wie wir mit reichhaltigsten Geodaten umgehen wollen, ist ein sehr richtiger. Ob wir wirklich wissen wollen, dass die Bekannte von der Cousine vor drei Wochen ein Bild ins Netz gepostet hat, wo die freundliche Arzthelferin, die mich gerade unterscht, über der Kloschüssel hing. Oder ob beim nächsten Gespräch auf dem Jobcenter der Fallmanager fragt, ob man endlich mal den Rasen ordentlich gemäht hat. Ob man sich im iBerry alle Häuser in 500 Metern Entfernung anzeigen lassen kann, deren Bewohner gerade weiter als 100 Kilometer weit weg sind? Ob man von der ARGE verpflichtet wird, jeden Tag von 8 bis 18-Uhr das Deutschland-Foursquare einzuschalten, wenn man weiter betreut werden möchte. Das sind Themen für deren Diskussion es wirklich Zeit wird.
So gesehen ist die Streetview-Diskussion zwar ein eher seltsamer aber dennoch guter Aufhänger. Jetzt wäre es die Zeit der technikaffineren Menschen die Diskussion dahin zu lenken, wo sie innerlich hingehört: wo fängt denn der private Raum an und wo endet der öffentliche? Sind allgemeine Informationen anders zu behandeln als ortsgebundene? Haben staatliche Stellen andere Zugriffsrechte als private und wenn ja, wie geht man damit in der OpenData-Diskussion um? Alles spannend, alles nötig, alles fraglich.
Und weil meine Freundin meint, ich soll nicht immer in halberklärten Metaphern sprechen, und größere Lücken durch gedankliche Sprünge verursachen: Sack. Esel. Schlagen.
Derzeit tritt zum einen die Politik an, die nicht schon wieder etwas Wichtiges im Internet versäumen möchte, und der man gerade in Zeitlupe dabei zusehen kann, wie sie anfängt, Streetview zu verstehen. Zum anderen sind dort netzgebundene Meinungsfreudige aktiv, die über Bedenkenträger lästern, kurz davor sind, Streetview zum Menschenrecht zu erklären und zumindest teilweise eine ebenso erstaunliche Fortschrittsgläubigkeit wie Arroganz spazierentragen.
Bei all den Versuchen in die Privatsphäre einzugreifen, ist Streetview nun der banalste und einer der am wenigsten tatsächlich gefährlichen. Das Diskussionsniveau ist fraglich, man ist ja schon baff erstaunt, wenn einer der Beteiligten mit dem Wort Panoramafreiheit etwas anfangen kann. Bei vielen der Streetview-Skeptiker habe ich den Eindruck, dass sie sich über etwas aufregen und etwas befürchten, was Streetview gar nicht kann. Andere aber schon. Nachvollziehbar ist das allgemeine Unbehagen, das sich nun ausgerechnet auf Streetview ergeht, allerdings.
Wenn ich mir ansehe, was an Daten im öffentlichen Raum noch kommt oder schon da ist, ganz zu schweigen von den weiteren Möglichkeiten, die Augmented Reality so bieten wird, sind mir da auch mehr als nur ein paar Anwendungen reichlich unheimlich und unsympathisch.
Der Grundgedanke, mal zu überlegen, wie wir mit reichhaltigsten Geodaten umgehen wollen, ist ein sehr richtiger. Ob wir wirklich wissen wollen, dass die Bekannte von der Cousine vor drei Wochen ein Bild ins Netz gepostet hat, wo die freundliche Arzthelferin, die mich gerade unterscht, über der Kloschüssel hing. Oder ob beim nächsten Gespräch auf dem Jobcenter der Fallmanager fragt, ob man endlich mal den Rasen ordentlich gemäht hat. Ob man sich im iBerry alle Häuser in 500 Metern Entfernung anzeigen lassen kann, deren Bewohner gerade weiter als 100 Kilometer weit weg sind? Ob man von der ARGE verpflichtet wird, jeden Tag von 8 bis 18-Uhr das Deutschland-Foursquare einzuschalten, wenn man weiter betreut werden möchte. Das sind Themen für deren Diskussion es wirklich Zeit wird.
So gesehen ist die Streetview-Diskussion zwar ein eher seltsamer aber dennoch guter Aufhänger. Jetzt wäre es die Zeit der technikaffineren Menschen die Diskussion dahin zu lenken, wo sie innerlich hingehört: wo fängt denn der private Raum an und wo endet der öffentliche? Sind allgemeine Informationen anders zu behandeln als ortsgebundene? Haben staatliche Stellen andere Zugriffsrechte als private und wenn ja, wie geht man damit in der OpenData-Diskussion um? Alles spannend, alles nötig, alles fraglich.
Und weil meine Freundin meint, ich soll nicht immer in halberklärten Metaphern sprechen, und größere Lücken durch gedankliche Sprünge verursachen: Sack. Esel. Schlagen.
Streetview ist ein Sack
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streetview
Dienstag, 17. August 2010
Miniaturreview Maiskolbenhalter
Super. Echt praktisch, funktional, und auch haptisch sehr gut. Vom Flotte-Lotte-Hersteller halt. Auch Monate in der Packung konnten ihnen nichts anhaben.
Maiskolbenhalterlink
Maiskolbenhalterlink
Super. Echt praktisch, funktional, und auch haptisch sehr gut. Vom Flotte-Lotte-Hersteller halt. Auch Monate in der Packung konnten ihnen nichts anhaben.
Maiskolbenhalterlink
Maiskolbenhalterlink
Miniaturreview Maiskolbenhalter
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Essen
Um die Ecke gerechtet
Spannender Fall, kann man einem Künstler verbieten, sich auf seine eigene Skulptur zu beziehen? In Kürze: Bildhauer David Ascalon erschafft Anfang der 1990er in Harrisburg, Pennsylvania ein Kunstwerk zum Angedenken des Holocausts. Das Werk besteht vereinfachend gesagt aus einem ungebrochenen Kern aus glänzendem Edelstahl - Symbol für die Juden - der von deutlichen dunklerem und meiner Meinung nach bedrohlich aussehendem Stahl eingefasst wird, der die Nazis/Deutschen etc. symbolisiert.
Jetzt "restauriert" die Stadt Harrisburg, PA das Stück und ersetzt den dunklen Stahl außen durch denselben hellen Stahl, der die Juden symbolisiert. Ein- und diesselbe Stahlsorte symbolisiert jetzt in Ascalons Formensprache sowohl Opfer als auch Täter. Ascalon empfindet das zu Recht als Beeinträchtigung seines Werks und Rufs. Gegen ein solches Vorgehen hat er an sich auch nach amerikanischem Urheberrecht Anspruch.
Nur hat die Stadt Harrisburg das Ganze vorausgesehen. Sie hat Ascalons Namen vom Kunstwerk getilgt und ihm einen cease-and-desist geschickt, in dem Sinne, dass er die Skulptur nicht mehr als die seinige ausgeben darf. Während das in Europa ein klarer Fall pro Ascalon wäre, scheint die US-Gemengelage unübersichtlicher. Es ist eventuell möglich, Kunstwerke zu entstellen, wenn man den Originalkünstler verschweigt.
In ausführlich und englisch auf dem 1709 Blog.
Jetzt "restauriert" die Stadt Harrisburg, PA das Stück und ersetzt den dunklen Stahl außen durch denselben hellen Stahl, der die Juden symbolisiert. Ein- und diesselbe Stahlsorte symbolisiert jetzt in Ascalons Formensprache sowohl Opfer als auch Täter. Ascalon empfindet das zu Recht als Beeinträchtigung seines Werks und Rufs. Gegen ein solches Vorgehen hat er an sich auch nach amerikanischem Urheberrecht Anspruch.
Nur hat die Stadt Harrisburg das Ganze vorausgesehen. Sie hat Ascalons Namen vom Kunstwerk getilgt und ihm einen cease-and-desist geschickt, in dem Sinne, dass er die Skulptur nicht mehr als die seinige ausgeben darf. Während das in Europa ein klarer Fall pro Ascalon wäre, scheint die US-Gemengelage unübersichtlicher. Es ist eventuell möglich, Kunstwerke zu entstellen, wenn man den Originalkünstler verschweigt.
In ausführlich und englisch auf dem 1709 Blog.
Spannender Fall, kann man einem Künstler verbieten, sich auf seine eigene Skulptur zu beziehen? In Kürze: Bildhauer David Ascalon erschafft Anfang der 1990er in Harrisburg, Pennsylvania ein Kunstwerk zum Angedenken des Holocausts. Das Werk besteht vereinfachend gesagt aus einem ungebrochenen Kern aus glänzendem Edelstahl - Symbol für die Juden - der von deutlichen dunklerem und meiner Meinung nach bedrohlich aussehendem Stahl eingefasst wird, der die Nazis/Deutschen etc. symbolisiert.
Jetzt "restauriert" die Stadt Harrisburg, PA das Stück und ersetzt den dunklen Stahl außen durch denselben hellen Stahl, der die Juden symbolisiert. Ein- und diesselbe Stahlsorte symbolisiert jetzt in Ascalons Formensprache sowohl Opfer als auch Täter. Ascalon empfindet das zu Recht als Beeinträchtigung seines Werks und Rufs. Gegen ein solches Vorgehen hat er an sich auch nach amerikanischem Urheberrecht Anspruch.
Nur hat die Stadt Harrisburg das Ganze vorausgesehen. Sie hat Ascalons Namen vom Kunstwerk getilgt und ihm einen cease-and-desist geschickt, in dem Sinne, dass er die Skulptur nicht mehr als die seinige ausgeben darf. Während das in Europa ein klarer Fall pro Ascalon wäre, scheint die US-Gemengelage unübersichtlicher. Es ist eventuell möglich, Kunstwerke zu entstellen, wenn man den Originalkünstler verschweigt.
In ausführlich und englisch auf dem 1709 Blog.
Jetzt "restauriert" die Stadt Harrisburg, PA das Stück und ersetzt den dunklen Stahl außen durch denselben hellen Stahl, der die Juden symbolisiert. Ein- und diesselbe Stahlsorte symbolisiert jetzt in Ascalons Formensprache sowohl Opfer als auch Täter. Ascalon empfindet das zu Recht als Beeinträchtigung seines Werks und Rufs. Gegen ein solches Vorgehen hat er an sich auch nach amerikanischem Urheberrecht Anspruch.
Nur hat die Stadt Harrisburg das Ganze vorausgesehen. Sie hat Ascalons Namen vom Kunstwerk getilgt und ihm einen cease-and-desist geschickt, in dem Sinne, dass er die Skulptur nicht mehr als die seinige ausgeben darf. Während das in Europa ein klarer Fall pro Ascalon wäre, scheint die US-Gemengelage unübersichtlicher. Es ist eventuell möglich, Kunstwerke zu entstellen, wenn man den Originalkünstler verschweigt.
In ausführlich und englisch auf dem 1709 Blog.
Um die Ecke gerechtet
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Urheberrecht
Montag, 16. August 2010
Miniaturreview Gooreader
Gooreader ist ein recht angenehmes kleines Programm, das Google Books aufwerten soll. Nicht der erste Reader, der Onlineinhalte in ein virtuelles Zeitschriften/Buch-Layout, aber meines Wissens der erste für dieses mein Hauptinformationsmedium.
Nachdem ich jetzt ein bißchen damit herumgespielt habe, konstatiere ich eine gewisse Wohlfühlfunktionslosigkeit. Alles funktioniert problemlos, das Layout ist Welten vom üblichen Google-Books-Layout entfernt, die Bedienung ist komfortabel. Endlich einmal ist es auch problemlos und mit einem Knopfdruck möglich, auch die schief eingescannten Buchseiten in Miniatursatz zu vergrößern. Die PDF-Funktion wüsste ich sehr zu schätzen, wenn ich denn bereit wäre, Geld für das Programm auszugeben.
Bin ich aber nicht, dazu ist Gooreader als Arbeitsgerät zu unflexibel. Die Volltextsuche ist suboptimal, geht an vielen Stellen gar nicht und die funktionelle Anzeige wird hier der schöneren aber unübersichtlicheren Ansicht-als-Buch geopfert. Gerade wenn man etwas allgemeinere Begriffe sucht, limitiert das maximale Suchergebnis auf 40 doch sehr. Und warum Gooreader einen getreulich durch 50 Seiten nacheinander blättern läßt, die man alle nicht ansehen darf, erschließt sich mir nicht.
Schön zum Lesen von Public-Domain-Werken, als Werkzeug leider komplett unbrauchbar.
Gooreader ist ein recht angenehmes kleines Programm, das Google Books aufwerten soll. Nicht der erste Reader, der Onlineinhalte in ein virtuelles Zeitschriften/Buch-Layout, aber meines Wissens der erste für dieses mein Hauptinformationsmedium.
Nachdem ich jetzt ein bißchen damit herumgespielt habe, konstatiere ich eine gewisse Wohlfühlfunktionslosigkeit. Alles funktioniert problemlos, das Layout ist Welten vom üblichen Google-Books-Layout entfernt, die Bedienung ist komfortabel. Endlich einmal ist es auch problemlos und mit einem Knopfdruck möglich, auch die schief eingescannten Buchseiten in Miniatursatz zu vergrößern. Die PDF-Funktion wüsste ich sehr zu schätzen, wenn ich denn bereit wäre, Geld für das Programm auszugeben.
Bin ich aber nicht, dazu ist Gooreader als Arbeitsgerät zu unflexibel. Die Volltextsuche ist suboptimal, geht an vielen Stellen gar nicht und die funktionelle Anzeige wird hier der schöneren aber unübersichtlicheren Ansicht-als-Buch geopfert. Gerade wenn man etwas allgemeinere Begriffe sucht, limitiert das maximale Suchergebnis auf 40 doch sehr. Und warum Gooreader einen getreulich durch 50 Seiten nacheinander blättern läßt, die man alle nicht ansehen darf, erschließt sich mir nicht.
Schön zum Lesen von Public-Domain-Werken, als Werkzeug leider komplett unbrauchbar.
Miniaturreview Gooreader
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Review
Zitat des Tages
The booksellers of London and Westminster, many of whom sold estates and houses to purchase copy-right, are in a manner ruined; and those who after many years industry thought they had acquired a competency to provide for their families; now find themselves without a shilling to devise to their successors.
Klage der Londoner Buchhändlergilde im Morning Chronicle 1774 kurz bevor sie den Grundsatzprozess verloren, der ihnen ewigwährende Urheberrechte gesichert hätte. Es existieren einige Indizien, dass es auch nach 1774 noch eine Druckindustrie in London gab. Nach: Mark Rose "The Author as Proprietor"
The booksellers of London and Westminster, many of whom sold estates and houses to purchase copy-right, are in a manner ruined; and those who after many years industry thought they had acquired a competency to provide for their families; now find themselves without a shilling to devise to their successors.
Klage der Londoner Buchhändlergilde im Morning Chronicle 1774 kurz bevor sie den Grundsatzprozess verloren, der ihnen ewigwährende Urheberrechte gesichert hätte. Es existieren einige Indizien, dass es auch nach 1774 noch eine Druckindustrie in London gab. Nach: Mark Rose "The Author as Proprietor"
Zitat des Tages
Sonntag, 15. August 2010
Kauft Dieter-Moor-Spreewaldgurken
techdirt gehört ja zu den Websites, die sich zuverlässig Gedanken um die Zukunft des Urheberrechts machen. Eine der Ideen, die sie haben ist "verknüpft Autoren mit festen Gegenständen", damit die Autoren was Stoffliches zum verkaufen haben.
Wenn also Günter Grass anscheinend nichts mehr durch Buchverkäufe verdient, muss er nicht "ein die Autoren schützendes Gesetz" fordern, und uns in Erstaunen darüber versetzen, was er denn nun genau meint. Besser wäre laut techdirt: er legt eine Günter-Grass-Kindertrommelserie auf. Für Connaisseure wäre auch vielleicht eine Andrzej-Stasiuk-Deutschlandkarte möglich.
techdirt schlägt ein System vor, bei dem der Wert nicht in der Schöpfung an sich liegt, sondern am Namen, den man dann mit besser kontrollierbaren Gütern verknüpfen kann. Einmal demonstriert techdirt-Autor Mike Masnick das am Beispiel des Plattenlabels Sub Pop, ein zweites mal durch das Unternehmen OpenSky, das Autoren hilft, dementsprechende Gegenstände zu finde.
Die Idee hat was für sich. Genug Labels und Musiker leben seit Jahre von dem System ebenso wie große Hollywoodstudios; die Modeindustrie sowieso. Groß in dem Geschäft sind auch die von techdirt wieder einmal zitierten Kochbuchautoren. Nicht zu vergessen facebook oder auch Wikimedia, denen ja die eigentlichen Inhalte auf ihren Websites nicht gehören, die damit aber trotzdem ganz erkleckliche Einnahmen erzielen.
Diese Ausweichbewegung ins Stoffliche scheint mir tatsächlich vergleichsweise erfolgversprechend zu sein, das Inrechnungstellen einer solchen Substitution schon bei der Konzeption eines Werks möglich. Und doch: ist das wünschenswert? Als Leser schließe ich mich ja dem dortigen Kommentarschreiber Michael Long an:
Als Käufer stofflicher Gegenstände möchte ich von meinem Wein, Tabak, Barbecue auch eher, dass sie schmecken und aus guten Zutaten gemacht sind, als dass sie ein Chris-Anderson-Endorsement tragen. Bei Lesungen und Signierstunden würde ich ja meistens eher Geld verlangen, als es dafür zu zahlen.
Als Autor frage ich mich, ob das nicht genau jene Mittelsmänner wieder ins Spiel bringt, von denen wir ja hofften, dass das Internet sie ausschaltet. Statt Verlegern und Lektoren kommen nun Merchandiseberater und Spreewaldgurkenendorsementagenturen. Ist das ein Fortschritt?
Und, wie ich ja auch schon mal anmerkte, geht natürlich eine Gefahr davon aus, wenn das einzelne Werk an Stellenwert verliert und das Autoren-Trademark gewinnt. Günter Grass, dem das Geld eh aus den Nasenlöchern kommt, wird sicher auch durch Edel-PFeifentabak noch ein gutes Zubrot einnehmen. Aber Andrzej wer? Hat Geistiges Eigentum sowieso schon immer Winner-Takes-It-All-Märkte geschaffen, dürfte die Ausweichbewegung ins Stoffliche den Trend noch verstärken. Mal ganz zu schweigen davon, dass ein Großteil des Geldes in Goethe-Wein oder Oscar-Wilde-Absinth gehen dürfte, und damit überhaupt keinen lebenden Autoren zugute kommt.
Ja, ich vermute, dass techdirt da einen erfolgversprechenden Weg in die Zukunft gefunden hat. Nein, ich glaube nicht, dass es einer ist, den ich sonderlich schätze.
Und wie kommt Dieter Moor in die Überschrift? Er hat mein letztgelesenes Buch geschrieben. Dieter Moor: "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht" Nett, unterhaltsam, aber doch deutlich seichter als ich von ihm gedachte hätte. Eher zum verschenken, wenn man die Leute nicht so gut kennt und nichts schief gehen soll.
Wenn also Günter Grass anscheinend nichts mehr durch Buchverkäufe verdient, muss er nicht "ein die Autoren schützendes Gesetz" fordern, und uns in Erstaunen darüber versetzen, was er denn nun genau meint. Besser wäre laut techdirt: er legt eine Günter-Grass-Kindertrommelserie auf. Für Connaisseure wäre auch vielleicht eine Andrzej-Stasiuk-Deutschlandkarte möglich.
techdirt schlägt ein System vor, bei dem der Wert nicht in der Schöpfung an sich liegt, sondern am Namen, den man dann mit besser kontrollierbaren Gütern verknüpfen kann. Einmal demonstriert techdirt-Autor Mike Masnick das am Beispiel des Plattenlabels Sub Pop, ein zweites mal durch das Unternehmen OpenSky, das Autoren hilft, dementsprechende Gegenstände zu finde.
Die Idee hat was für sich. Genug Labels und Musiker leben seit Jahre von dem System ebenso wie große Hollywoodstudios; die Modeindustrie sowieso. Groß in dem Geschäft sind auch die von techdirt wieder einmal zitierten Kochbuchautoren. Nicht zu vergessen facebook oder auch Wikimedia, denen ja die eigentlichen Inhalte auf ihren Websites nicht gehören, die damit aber trotzdem ganz erkleckliche Einnahmen erzielen.
Diese Ausweichbewegung ins Stoffliche scheint mir tatsächlich vergleichsweise erfolgversprechend zu sein, das Inrechnungstellen einer solchen Substitution schon bei der Konzeption eines Werks möglich. Und doch: ist das wünschenswert? Als Leser schließe ich mich ja dem dortigen Kommentarschreiber Michael Long an:
I want to read a book. I don't want a t-shirt. I don't want barbecue sauce. I don't want bottled water shipped to me at exorbitant rates via FedEx. And I don't want to attend an webinar or lecture or book signing for every single solitary author whose book or novel or series I happen to like. I just want to read books.
Als Käufer stofflicher Gegenstände möchte ich von meinem Wein, Tabak, Barbecue auch eher, dass sie schmecken und aus guten Zutaten gemacht sind, als dass sie ein Chris-Anderson-Endorsement tragen. Bei Lesungen und Signierstunden würde ich ja meistens eher Geld verlangen, als es dafür zu zahlen.
Als Autor frage ich mich, ob das nicht genau jene Mittelsmänner wieder ins Spiel bringt, von denen wir ja hofften, dass das Internet sie ausschaltet. Statt Verlegern und Lektoren kommen nun Merchandiseberater und Spreewaldgurkenendorsementagenturen. Ist das ein Fortschritt?
Und, wie ich ja auch schon mal anmerkte, geht natürlich eine Gefahr davon aus, wenn das einzelne Werk an Stellenwert verliert und das Autoren-Trademark gewinnt. Günter Grass, dem das Geld eh aus den Nasenlöchern kommt, wird sicher auch durch Edel-PFeifentabak noch ein gutes Zubrot einnehmen. Aber Andrzej wer? Hat Geistiges Eigentum sowieso schon immer Winner-Takes-It-All-Märkte geschaffen, dürfte die Ausweichbewegung ins Stoffliche den Trend noch verstärken. Mal ganz zu schweigen davon, dass ein Großteil des Geldes in Goethe-Wein oder Oscar-Wilde-Absinth gehen dürfte, und damit überhaupt keinen lebenden Autoren zugute kommt.
Ja, ich vermute, dass techdirt da einen erfolgversprechenden Weg in die Zukunft gefunden hat. Nein, ich glaube nicht, dass es einer ist, den ich sonderlich schätze.
Und wie kommt Dieter Moor in die Überschrift? Er hat mein letztgelesenes Buch geschrieben. Dieter Moor: "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht" Nett, unterhaltsam, aber doch deutlich seichter als ich von ihm gedachte hätte. Eher zum verschenken, wenn man die Leute nicht so gut kennt und nichts schief gehen soll.
techdirt gehört ja zu den Websites, die sich zuverlässig Gedanken um die Zukunft des Urheberrechts machen. Eine der Ideen, die sie haben ist "verknüpft Autoren mit festen Gegenständen", damit die Autoren was Stoffliches zum verkaufen haben.
Wenn also Günter Grass anscheinend nichts mehr durch Buchverkäufe verdient, muss er nicht "ein die Autoren schützendes Gesetz" fordern, und uns in Erstaunen darüber versetzen, was er denn nun genau meint. Besser wäre laut techdirt: er legt eine Günter-Grass-Kindertrommelserie auf. Für Connaisseure wäre auch vielleicht eine Andrzej-Stasiuk-Deutschlandkarte möglich.
techdirt schlägt ein System vor, bei dem der Wert nicht in der Schöpfung an sich liegt, sondern am Namen, den man dann mit besser kontrollierbaren Gütern verknüpfen kann. Einmal demonstriert techdirt-Autor Mike Masnick das am Beispiel des Plattenlabels Sub Pop, ein zweites mal durch das Unternehmen OpenSky, das Autoren hilft, dementsprechende Gegenstände zu finde.
Die Idee hat was für sich. Genug Labels und Musiker leben seit Jahre von dem System ebenso wie große Hollywoodstudios; die Modeindustrie sowieso. Groß in dem Geschäft sind auch die von techdirt wieder einmal zitierten Kochbuchautoren. Nicht zu vergessen facebook oder auch Wikimedia, denen ja die eigentlichen Inhalte auf ihren Websites nicht gehören, die damit aber trotzdem ganz erkleckliche Einnahmen erzielen.
Diese Ausweichbewegung ins Stoffliche scheint mir tatsächlich vergleichsweise erfolgversprechend zu sein, das Inrechnungstellen einer solchen Substitution schon bei der Konzeption eines Werks möglich. Und doch: ist das wünschenswert? Als Leser schließe ich mich ja dem dortigen Kommentarschreiber Michael Long an:
Als Käufer stofflicher Gegenstände möchte ich von meinem Wein, Tabak, Barbecue auch eher, dass sie schmecken und aus guten Zutaten gemacht sind, als dass sie ein Chris-Anderson-Endorsement tragen. Bei Lesungen und Signierstunden würde ich ja meistens eher Geld verlangen, als es dafür zu zahlen.
Als Autor frage ich mich, ob das nicht genau jene Mittelsmänner wieder ins Spiel bringt, von denen wir ja hofften, dass das Internet sie ausschaltet. Statt Verlegern und Lektoren kommen nun Merchandiseberater und Spreewaldgurkenendorsementagenturen. Ist das ein Fortschritt?
Und, wie ich ja auch schon mal anmerkte, geht natürlich eine Gefahr davon aus, wenn das einzelne Werk an Stellenwert verliert und das Autoren-Trademark gewinnt. Günter Grass, dem das Geld eh aus den Nasenlöchern kommt, wird sicher auch durch Edel-PFeifentabak noch ein gutes Zubrot einnehmen. Aber Andrzej wer? Hat Geistiges Eigentum sowieso schon immer Winner-Takes-It-All-Märkte geschaffen, dürfte die Ausweichbewegung ins Stoffliche den Trend noch verstärken. Mal ganz zu schweigen davon, dass ein Großteil des Geldes in Goethe-Wein oder Oscar-Wilde-Absinth gehen dürfte, und damit überhaupt keinen lebenden Autoren zugute kommt.
Ja, ich vermute, dass techdirt da einen erfolgversprechenden Weg in die Zukunft gefunden hat. Nein, ich glaube nicht, dass es einer ist, den ich sonderlich schätze.
Und wie kommt Dieter Moor in die Überschrift? Er hat mein letztgelesenes Buch geschrieben. Dieter Moor: "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht" Nett, unterhaltsam, aber doch deutlich seichter als ich von ihm gedachte hätte. Eher zum verschenken, wenn man die Leute nicht so gut kennt und nichts schief gehen soll.
Wenn also Günter Grass anscheinend nichts mehr durch Buchverkäufe verdient, muss er nicht "ein die Autoren schützendes Gesetz" fordern, und uns in Erstaunen darüber versetzen, was er denn nun genau meint. Besser wäre laut techdirt: er legt eine Günter-Grass-Kindertrommelserie auf. Für Connaisseure wäre auch vielleicht eine Andrzej-Stasiuk-Deutschlandkarte möglich.
techdirt schlägt ein System vor, bei dem der Wert nicht in der Schöpfung an sich liegt, sondern am Namen, den man dann mit besser kontrollierbaren Gütern verknüpfen kann. Einmal demonstriert techdirt-Autor Mike Masnick das am Beispiel des Plattenlabels Sub Pop, ein zweites mal durch das Unternehmen OpenSky, das Autoren hilft, dementsprechende Gegenstände zu finde.
Die Idee hat was für sich. Genug Labels und Musiker leben seit Jahre von dem System ebenso wie große Hollywoodstudios; die Modeindustrie sowieso. Groß in dem Geschäft sind auch die von techdirt wieder einmal zitierten Kochbuchautoren. Nicht zu vergessen facebook oder auch Wikimedia, denen ja die eigentlichen Inhalte auf ihren Websites nicht gehören, die damit aber trotzdem ganz erkleckliche Einnahmen erzielen.
Diese Ausweichbewegung ins Stoffliche scheint mir tatsächlich vergleichsweise erfolgversprechend zu sein, das Inrechnungstellen einer solchen Substitution schon bei der Konzeption eines Werks möglich. Und doch: ist das wünschenswert? Als Leser schließe ich mich ja dem dortigen Kommentarschreiber Michael Long an:
I want to read a book. I don't want a t-shirt. I don't want barbecue sauce. I don't want bottled water shipped to me at exorbitant rates via FedEx. And I don't want to attend an webinar or lecture or book signing for every single solitary author whose book or novel or series I happen to like. I just want to read books.
Als Käufer stofflicher Gegenstände möchte ich von meinem Wein, Tabak, Barbecue auch eher, dass sie schmecken und aus guten Zutaten gemacht sind, als dass sie ein Chris-Anderson-Endorsement tragen. Bei Lesungen und Signierstunden würde ich ja meistens eher Geld verlangen, als es dafür zu zahlen.
Als Autor frage ich mich, ob das nicht genau jene Mittelsmänner wieder ins Spiel bringt, von denen wir ja hofften, dass das Internet sie ausschaltet. Statt Verlegern und Lektoren kommen nun Merchandiseberater und Spreewaldgurkenendorsementagenturen. Ist das ein Fortschritt?
Und, wie ich ja auch schon mal anmerkte, geht natürlich eine Gefahr davon aus, wenn das einzelne Werk an Stellenwert verliert und das Autoren-Trademark gewinnt. Günter Grass, dem das Geld eh aus den Nasenlöchern kommt, wird sicher auch durch Edel-PFeifentabak noch ein gutes Zubrot einnehmen. Aber Andrzej wer? Hat Geistiges Eigentum sowieso schon immer Winner-Takes-It-All-Märkte geschaffen, dürfte die Ausweichbewegung ins Stoffliche den Trend noch verstärken. Mal ganz zu schweigen davon, dass ein Großteil des Geldes in Goethe-Wein oder Oscar-Wilde-Absinth gehen dürfte, und damit überhaupt keinen lebenden Autoren zugute kommt.
Ja, ich vermute, dass techdirt da einen erfolgversprechenden Weg in die Zukunft gefunden hat. Nein, ich glaube nicht, dass es einer ist, den ich sonderlich schätze.
Und wie kommt Dieter Moor in die Überschrift? Er hat mein letztgelesenes Buch geschrieben. Dieter Moor: "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht" Nett, unterhaltsam, aber doch deutlich seichter als ich von ihm gedachte hätte. Eher zum verschenken, wenn man die Leute nicht so gut kennt und nichts schief gehen soll.
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