Montag, 8. November 2010

Traktormontag: FAZ beteiligt sich

Freundinnen und Freunde des Traktormontags: eine erfreuliche Nachricht und eine Umstellung. Die Umstellung zuerst: nach umfangreichen Redaktionskonferenzen im Blog haben wir beschlossen, den Traktormontag in den Traktorfreitag zu verwandeln.

Jetzt aber zur erfreulichen Nachricht, dass die FAZ sich anscheinend am Traktormontag beteiligt. Die leitartikelt heute mit Traktorfahrer im Wendland. Wobei es mich ja doch beruhigt, dass ich dem FAZ-Autoren Jasper von Altenbockum nur wenig zustimme. Zugegeben, da hat er recht: Grüne auf Traktoren wirken nicht sonderlich authentisch. Mich würde es beispielsweise außerordentlich wundern, kämen Grüne Spitzenpolitiker öffentlich zum Trecker Treck. Auch die Bauernvereine Dithmarschens scheinen mir verlässlich keinerlei Grüne unter ihren Mitgliedern zu haben.

Andererseits ist es natürlich schon peinlich: Die Grundprämisse des Leitartikels ist, dass alle Grünen-Politiker derzeit im wendländischen Traktor sitzen. Das einzige begleitende Grünen-Foto zeigt aber einen Kleinlaster. Auf dem einzigen Schlepperfoto ist hingegen ein Die-Linke-Mensch zu sehen. Seine weitere Argumentation mag ich dann immer weniger teilen. Frau Merkel positiv Gelassenheit im Umgang mit Atomkraft zu attestieren, ist eine eher mutige These. Der von Altenbockum attestierte "bornierte" Umgang der Grünen mit der Wirklichkeit trifft auf die Grünen eben nicht so zu wie auf andere.

Borniert sagt eben nicht nur, dass man Sachen behauptet, die sich in der Wirklichkeit nicht umsetzen lassen. Um borniert zu sein, muss gleich zwei Bedingungen erfüllen. Einmal muss man sich von der Realität schon so weit entfernt haben, dass man sie nicht einmal mehr bemerkt. Zum anderen muss man trotzdem wissen, was für jene Wirklichkeit besser ist.

Im Netz sind solch bornierten Menschen ja als Internetausdrucker gefürchtet. Das Grundproblem ist aber keineswegs auf Netzpolitik beschränkt, es zieht sich über viele Politikfelder. In der Sozial-, Bildungs-, Integrations-, Arbeits-, Wirtschafts- etc-Politik, in denen die Politik erfolgreich den Eindruck vermittelt, inhaltlich wirklich nichts zu verstehen. Ihr Handeln orientiert sich an einer interessengeleiteten powergepointete Realität. Politischer Interessenausgleich findet dort nicht mehr zwischen Interessen und Bedürfnissen verschiedener Gruppen und grundsätzlichen Werten statt, sondern zwischen dem, was Lobbyverbände als Notwendigkeit präsentieren, und dem, was Meinungsforschungsinstitute als aktuelle Stimmung ausgeben.

Die Grünen hingegen bewegen sich in mehreren Wirklichkeitsebenen. Der Sog in die eine Parallelrealität des Politikbetriebs scheint weniger stark. Sie werden an der Regierung wieder schmerzlich verkünden müssen, was alles nicht geht. Borniert aber wirken sie eben nicht. Weil sie erfolgreich den Eindruck erwecken, die Realität da draußen zumindest zu bemerken.

Bei den Grünen findet Realität außerhalb der Sitzungssäle immerhin noch statt, und das wird honoriert. Problematisch sind die Grünen trotzdem in vielerlei Hinsicht. Zum Beispiel damit, was sie denn an der Macht machen sollen. In ähnlichem Impetus wie bei Herrn von Altenbockum, aber deutlich stringenter argumentiert, gibt es den Aspekt auch behandelt im Sprengsatz mit letzter Fluchtpunkt Grün.

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