Dienstag, 28. September 2010

Wikimedia-Deutschland möchte vermutlich gGmbh gründen.

Etwas ungewöhnlich über die Wikimedia-Deutschland-Mailingliste haben heute Schatzmeister und Erster Vorsitzender von Wikimedia Deutschland bestätigt bzw. erst bekannt geben, dass es weit fortgeschrittene Pläne gibt, um eine gemeinnützige Gmbh (gGmbh) zu gründen. Ursächlich scheint vor allem das Binnenverhältnis zur Wikimedia Foundation und die Verteilung der Spendengelder zwischen WM DE und WMF bzw. die Frage wie die deutschen Spendengelder Steuerrechtsgerecht in die USA kommen können.

Schatzmeister Jens Leschmann:

"...zunächst ist das Gerücht nicht ganz von der Hand zu weisen. ... ab diesem Jahr will die Foundation hingegen ihren Anteil an den Spendeneinnahmen direkt von uns überwiesen haben. Da wir als Verein keine Gelder an ausländische Institutionen/Organisationen (hierzu zählt auch die Foundation) überweisen dürfen... Auch war und ist es nicht im Sinne des Vorstandes, die Mitglieder bei dieser Frage zu übergehen. Doch die Teilnahme an der diesjährigen Spendenkampagne ist letztendlich davon abhängig, ob wir eine gGmbH aus dem "Boden stampfen" oder nicht. In jedem Fall werden wir noch vor Beginn der Spendenkampagne umfassend
über die Malingliste sowie auf Meta über das Vorhaben informieren -
allerdings erst dann, wenn alle rechtlichen Aspekte umfassend geprüft
worden sind."


Erster Vorsitzender Sebastian Moleski:

"Das heißt am Ende, dass in einzelnen Ländern ausschließlich das jeweilige Chapter für die Spendengenerierung verantwortlich ist. Davon soll dann die Foundation die Hälfte abbekommen. Dass jetzt Cash statt gemeinsame Projekte bevorzugt werden, erscheint plausibel ... Wir haben im Juli ein Gutachten aufgegeben, in der verschiedene Ansätze zur Übertragung von Spendengeldern an die Foundation beleuchtet werden. In San Francisco Anfang August haben wir diese Modelle besprochen und uns letztlich auf das nun geplante Modell der gemeinnützigen Gesellschaft geeinigt. Die Satzung der Gesellschaft wurde Ende August erarbeitet. Sie liegt dem Finanzamt seit Anfang September zur Prüfung vor."



Jens Leschmann wird nochmal deutlicher:

das Drohszenario muss ich in meiner Funktion als Schatzmeister leider
sehr ernst nehmen .... Nur zur Erinnerung: In der letzten Kampagne gab es zwei Spendenfenster, eins für WMDE direkt und eins für die Foundation. Ich habe jetzt die aktuellen Zahlen nicht griffbereit, daher nur Annäherungswerte:

direkte Spenden an WMDE rd. 580 T€
direkte Spenden an WMF rd. 470 T€

Was sollte also WMF davon abhalten, nur noch ein Spendenfenster einzublenden, wenn wir nicht die Voraussetzungen schaffen?


Ich bin da jetzt grad noch etwas perplex.

Kommentare:

HaeB hat gesagt…

http://meta.wikimedia.org/wiki/Wikimedia_Foundation_Report,_July_2010#Legal :

"In July we re-engaged a charity-specialist attorney, first to help identify the right path to organizing fundraising and other activities in India, and later to help with other fundraising/chapter issues. We confirmed that there are ongoing structural issues, particularly in Europe, with transferring charitable funds to WMF -- we're looking for holistic, comprehensive ways of resolving these issues."

Aschmidt hat gesagt…

Wenn ich die Diskussion richtig verstanden habe, wird der Verein in diesem Fall neben der gGmbH bestehen bleiben, die gGmbH wird ihn aber nicht ersetzen, sondern nur bestimmte Geschäfte abwickeln, vor allem die Spendenakquise und den Zahlungsverkehr ins Ausland mit der Wikimedia Foundation. Wenn es dabei ausschließlich darum geht, eine Rechtsform zu wählen, um steuerrechtliche Bestimmungen besser befolgen zu können, und sich das Ziel des ganzen (die WP-Community dabei zu unterstützen, eine Enzyklopädie zu schreiben) nicht ändert, ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn es so ist, geschieht die Gründung der gGmbH ja gerade, um den satzungsmäßigen Zweck des Vereins zu erreichen.

Marcus Cyron hat gesagt…

Aschmidt, ich glaube die Verwunderung kommt eher daher, daß einmal mehr der Vorstand es geschafft hat, eine Sache von essentieller Bedeutung vor den Mitgliedern zu verheimlichen, die am Ende als Stimmvieh nur noch die vorgesetzte Suppe bestätigend zu löffeln haben sollte. Daß es nach all den voran gegangenen Kommunikationsdebakeln und all den Vollmundigen Versprechen einer Besserung erneut eine solche Sache passiert, bei der die Mitglieder durch eine undichte Stelle mehr oder weniger Zufällig davon erfahren, ist wirklich dazu angetan, einen perplex zurück zu lassen.

Aschmidt hat gesagt…

@Marcus Cyron: Wozu hat man einen Vorstand? Um die Geschäfte des Vereins zu führen. Ob die Geschäftsführung in Ordnung war, entscheidet jährlich die Mitgliederversammlung, indem sie den Vorstand entlastet. Die Verhandlungen mit der WMF und die Vorbereitung der gGmbH-Gründung waren ganz sicherlich so umfangreich und so komplex, daß ich an Stelle des Vorstands die Öffentlichkeit wahrscheinlich davon auch nicht unterrichtet hätte, auch nicht die Mitglieder. Also, bitte auf dem Teppich bleiben.