Freitag, 24. September 2010

Sie haben jetzt eine Minute Zeit, Wikipedia zu lernen

12:59 Uhr. Neuer Benutzer, erster Beitrag: "Die Rasenschere ist ein Gerät zum Bearbeiten des Rasens."
13:00 Uhr. Schnelllöschantrag "Kein Artikel"
13:02 Uhr. Gelöscht.

Wenn Wikipedianer eines verlernt haben, dann ist es: Warten. Zeit lassen. Was gewinnt man, wenn ein Artikelanfang drei Minuten nach seiner Anlage gelöscht wird? Nix. Weder einen Artikel, noch einen Autor.

Überlegen wir uns einfach mal ein Alternativszenario:

12:59 Uhr. Neuer Benutzer, erster Beitrag: "Die Rasenschere ist ein Gerät zum Bearbeiten des Rasens."
13:00 Uhr. Eintrag auf der Diskussionsseite des Neulings: "Hallo, dein Artikel ist nach unseren Maßstäben noch zu kurz. Magst du noch a bißerl was ergänzen?"
Vielleicht liest er es, vielleicht schreibt er noch was. Vielleicht war er schon dabei, den zweiten Satz zu schreiben, als der erste gelöscht wurde. Nach einer Stunde kann man den Artikelanfang immer noch löschen, wenn sich nichts rührt. Vielleicht hat ihn aber auch einer derjenigen entdeckt, die gerne solchen Stümmelchen einen Zweit- und Drittsatz spendieren. Solche Leute gibt's hier noch. Vielleicht passiert sowas und Wikipedia hat einen Bewunderer, wenn schon keinen Autor gewonnen. So wie hier.

Leider ist dieses Alternativszenario völlig illusorisch. Selbst wenn der erste Schnelllöschantrag-Steller und der erste löschende Admin einfach NICHTS gemacht hätten, steht dahinter eine gierige Schar weiterer SLA-Steller bereit. Dann hätte den SLA eben ein anderer gestellt. Einspruch einlegen? Für einen Einsatzartikel? Damit nähme die administrative Eskalation ihren Anfang: Admin muss SLA in einen normalen Löschantrag umwandeln, Leute ihren Senf auf den Löschkandidaten dazugeben (da rufen dann verständlicherweise fünf Leute "Warum wird das Zeug nicht schnellgelöscht?"), ein besonders ungeduldiger setzt gleich wieder einen SLA ein – Einspruch erheben? Löschprüfung? Edits über Edits um einen einzigen Satz. lohnt alles nicht. Das einzige, was sich gelohnt hätte, wäre gewesen:

Einfach NICHTS tun. Kollektiv.

Aber das ist wohl zuviel verlangt.

PS: Wem das Beispiel mit der Rasenschere zu trivial ist, der nimmt einfach diesen Herrn hier, der im administrativen Arbeitseifer gleich zweimal gelöscht wurde. Oder ein beliebiges anderes von heute, gestern oder letzter Woche.

Kommentare:

Liesel hat gesagt…

Seufz

poupou hat gesagt…

tractoooor??

Eingangskontrolle hat gesagt…

Die bessere Alternative ist oftmals tatsächlich das schnelle Löschen. Denn oftmals kommt dann der nächste Einwurf zum nächsten Gartengerät. Das ist nämlich das wahrscheinliche Alternativszenario.

Sobald das Lemma nur grenzwertig relevant ist, werden andere Benutzer gezwungen den Stummel zu einem Artikel zu machen. Es kann sich nämlich kein Administrator eine reguläre Löschung mit der Begründung "relevantes Lemma, kein enzyklopädischer Artikel" leisten, ohne umgehend abgestraft zu werden.

Wichtige Themen kommen nach meiner Überzeugung ohnehin irgendwann in ausreichender Qualität, aber ein Blaulink verlockt sicher keinen Autor der den Begriff kennt zur Kontrolle. Ein Rotlink bewirkt Erstaunen und ggf. einen guten Artikel.

Necrophorus hat gesagt…

Ich kündige mal unverbindlich eine Gegenrede in Form eines zweiten Blogbeitrags zum Thema an - sobald ich Zeit habe.

Anonym hat gesagt…

Eine zutreffende Beschreibung, aber keineswegs Zufall oder Gedankenlosigkeit, wie die Autorin behauptet. Das ist das Resultat der Enzyklopädietheorie von P. Birken, die innerhalb der Adminschaft geteilt wird. Nach P. Birken hat die Wikipedia eigentlich schon alle Wissensgebiete abgedeckt und es kommt jetzt darauf an, die bestehenden Artikel gegen Verschlechterungen zu schützen und zu verbessern. Neualagen stören da nur. Die Vergraulung von neuen Mitarbeiten wird in Kauf genommen; wichtig seien ohnehin nur Admins.

Die Schnellöschung war ganz klar illegal. Nach Wikipedia-Regeln muss mindestens 15 Minuten, nach einem aktuellen Meinungsbild sogar eine Stunde bis zur Schnelllöschung gewartet werden. Die Adminschaft weigert sich aber offen, diese Regel durchzusetzen und voreilige Löschantragsteller zu sanktionieren. Über diese Problematik wurde schon viel und häufig diskutiert, u.a. auf der Adminseite. Alle Admins, die einem illegal gestellten Schnelllöschantrag entsprechen, wissen also genau, was sie tun.

Felix hat gesagt…

@anonym: die 15- bzw. 60-Minutenregel galt noch *nie* für Schnelllöschanträge. Sie gilt ausschließlich für normale Löschanträge, die auf den löschdiskussionen behandelt werden. Wer klugscheißt, ohne klug zu sein, scheißt halt nur.

Alnilam hat gesagt…

Sorry, die Aussage, daß man mit ner Rasenschere den Rasen schert, hat m.E. keinen Platz in einem ernstgemeinten Nachschlagewerk.

Wenn man mehr zu dem Gerät zu sagen hat, kann man auch mehr dazu schreiben. Das ist keine Frage.

Aber sich aufzuregen, weil eine Sinnlosigkeit sofort entfernt wird, ist doch Kinderk...

Schreibt was Sinn- oder Inhaltsvolles, und das wird auch bei grauenhaftem Stil oder so überarbeitet, ergänzt u.ä.

@Felix: Recht haste ;)

Anonym hat gesagt…

Man merke sich : Einfach statt 1 Stunde für einen gültigen Löschantrag warten, einfach einen ungültigen Sofortlöschantrag nach X Sekunden stellen. Und schon glaubt die Löschfraktion die 1-Stunde-Regel korrekt umgangen zu haben. Und so vergrault zum Beispiel so ein Dauerschnelllöschantragsteller wie Spuk968 vielleicht Autoren die mehr leisten könnten als er selbst je leisten wird. Eingangskontrolle hat recht, irgendwann wird sicher der Artikel besser kommen, nur ist das kein Grund weitere 9 Jahre zu warten bis sich jemand bereit erklärt nur weil einer klaren Minderheit ein gültiger Stub nicht ausreicht. Ist erst mal ein Grundgerüst und ausreichender Stub da, muß der Willige nicht von Vorne (Infobox, Kategorien, ...) anfangen, wozu er vielleicht gar keine Lust hat. So ist die Wikipedia groß geworden und so wachsen Artikel und nicht etwa durch Autore die offenbar geil auf Neuerstellungen sind und sonst die Finger von einem Artikel lassen.