Dienstag, 10. August 2010

Zuviel Urheberrecht. Aber warum?

Gestern schrub ich ja noch, dass die Wissenschaft durchaus nicht durchweg behauptet, dass viel Urheberrecht viel gut sei. Ansonsten hat sie aber doch spannende Widersprüche. Grad direkt hintereinander gelesen:
".. the triumph of the natural-law vision of copyright that privileges the inherent property interests of authors over the utilitarian goal of progress in the arts. Thus ... [natural law has] enabled the expansion of the copyright monopoly well beyond its original bounds and has undermind the goals of the copyright system as envisioned by the framers of the constitution"
(Tehranian, John: Et tu, Fair Use? The Triumph of Natural Law Copyright. 38 U.C. Davis L. Rev. 465-508 2004-2005)

Klar. Urheberrecht überexpandiert und das Naturrecht des Autors ist schuld. Besserung verspricht die Rückbesinnung auf die utilitaristischen Werte des US-Copyright. (Und Fair Use, aber das würde jetzt unnötig expandieren.) Und dann:

"In response to the crisis of a copyright regime that is perceived by many as a system of overprotection, shielding the investments of existing rights owners, we need to recover the perspective of a personal individual right or droit d'auteur. ... If we accept the conception of copyright as a personal right, many problems of overprotection within the copyright regime are cast in a new light."
(Pfeifer, Karl-Nikolaus. 2010: “The Return of the Commons – Copyright History as a Common Source.” in: Ronan Deazley, Martin Kretschmer and Lionel Bentley (Eds.): Privilege and Property. Essays on the History of Copyright. Open Book Publishers, 2010.)

Klar. Urheberrecht ist einer Krise, weil es überexpandiert. Schuld ist die ökonomisch begründete utilitaristische Ethik. Abhilfe verspricht die Rückbesinnung auf den naturrechtlichen Kernbestand des europäischen Urheberrechts.

Ich könnte ja jetzt den Oliver Geißen geben und sagen "das lassen wir einfach so stehen", aber das wäre ja unspannend, und vielleicht findet sich eine hegelsche Synthese. Und vielleicht haben sie ja auch ganz unrecht, und die Krise liegt ganz woanders.

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